Schwarz-Rot-Geil!
von Edgar Dahl, 23. Mai 2010, 15:51
Ich glaube im Namen aller Fußballfans zu sprechen, wenn ich sage: Lasst die WM 2010 wieder ein schwarz-rot-geiles Fest werden!
Die Stimmung, die 2006 in ganz Deutschland herrschte, war einfach wundervoll. Noch nie hatten sich so viele Menschen hinter das deutsche Team gestellt und es vom ersten bis zum letzten Spiel so frenetisch unterstützt.
Trotz unseres geradezu an Selbtshass grenzenden Nationalgefühls haben sich die Jugendlichen beim Public Viewing ohne jede Scham die Farben unserer Flagge aufs Gesicht gemalt. Und jeder verstand, dass dies kein aggressiver Nationalismus war, sondern ein sportliches Bekenntnis zu unserer Fußball-Elf.Wenn man der BILD-Zeitung glauben darf, müssen wir uns um unser Team Sorgen machen. Seit der Verletzung von Michael Ballack betrachtet man die Chancen auf einen WM-Gewinn als deutlich geringer.
Sicher, Michael Ballack, der mit dem FC Chelsea gerade englischer Meister geworden ist und für den das Turnier in Südafrika wohl die letzte WM gewesen wäre, hätte gewiss alles gegeben.
Doch mit dem so genannten "Bayern-Block", der gerade die Deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal gewonnen hat, sind wir, denke ich, gut genug aufgestellt. Vor allem die Tatsache, dass sich dieser Bayern-Block neben Jörg Butt, Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Mario Gomez und Miroslav Klose aus so blutjungen Spielern wie Holger Badstuber, Toni Kroos und Thomas Müller zusammensetzt, gibt Hoffnung, dass die Jugendlichen sicher wieder voll und ganz hinter das Team stellen werden.
In meinen Augen müssen wir den Cup nicht unbedingt holen. Es genügte vollauf, wenn unser Team es bis ins Viertel- oder Halbfinale schaffen würde. Ein deratiges Abschneiden wäre bereits ein großer Erfolg und eine sichere Grantie für ein schwarz-rot-geiles Fest. Und das ist doch letztlich alles, was wir wollen.
Ich selbst freue mich nicht nur über das Näherrücken der Weltmeisterschaft, sondern auch über ein Zugeständnis der Bundesärztekammer. In einem Gespräch mit dem SWR hat der Präsident der Deutschen Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, unlängst angekündigt, dass die Ethikkommission die bisherigen "Grundsätze zur ärztlichen Sterbebegleitung" überarbeiten wird.
Auslöser dieses Zugeständnisses war die direkte Frage des Palliativmedizinerns Michael de Ridder, dessen Buch "Wie wollen wir sterben?" gerade für Schlagzeilen sorgt. Im SWR-Gespräch berichtete de Ridder über den Fall einer Patientin, für die es keinerlei Hoffnung mehr gebe und seine feste Absicht, ihr das Sterben durch die Aushändigung einer tödlichen Dosis von Barbituraten zu erleichtern.
Da es in den bisherigen Grundsätzen der Bundesärztekammer unmissverständlich heißt "Die Mitwirkung des Arztes widerspricht dem ärztlichen Ethos!", fragte de Ridder den Bundesärztekammerpräsidenten auf den Kopf zu, was passieren werde, wenn er seiner Patientin Beihilfe zum Suizid leiste.
Statt zu sagen: "Wir werden Ihnen unverzüglich Ihre Approbation entziehen!", antwortete Hoppe: "Nichts!" Wenn dem so ist, wäre ein erster, großer Schritt zum ärztlich-assistierten Suizid getan, der es terminal erkrankten Patienten erlauben wird, ihrem Leiden, wenn es unerträglich werden sollte, selbst ein Ende zu setzen.
Ich denke, dies ist nicht nur eine gute Nachricht für unheilbar erkrankte Patienten, sondern für uns alle: Es ist gut zu wissen, dass es für den Fall eines Falles Abhilfe gibt und man nicht hilflos der Willkür der Apparatemedizin ausgesetzt ist.
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Wie hängen die beiden Hälften des Artikels zusammen?
Ein Umdenken bzgl. der Sterbehilfe fände ich super. Auch wenn mich der eine oder andere für die Ansicht steinigen würde, aber bei Tieren ist das schon Alltag. Wenn man ein Tier medizinisch nicht mehr so heilen kann, dass es nach der Behandlung wieder gesund ist, und es nur noch darum geht, ob das Tier heute oder morgen stirbt, dann erlöst man es eben, da ein normales Leben nicht mehr möglich ist. Und Leben bis zum absoluten Geht-nicht-mehr ist etwas, was ich nicht wirklich möchte...
Für mich ist der Zusammenhang zwischen hoffnungsloser Situation, Verzweiflung und Leid auf der einen und der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM 2010 auf der anderen Seite absolut schlüssig.
;-)
Ja, mir ist der Zusammenhang auch schlüssig: Sterbehilfe für den Bayern-Block, Approbationsentzug für Löw,
„schwarz-rot-geil“ bemalte Jugendliche in die Ethikkommission. Passt doch alles...
@Thilo
Fußball ist Sterbehilfe. :-)
Hey, sag' nichts gegen den Bayern-Block! Dem Ethikrat Sterbehilfe zu leisten und durch schwarz-rot-gold bemalte Jugendliche zu ersetzen, ist dagegen bedenkenswert. Ich glaube nicht, dass der Deutsche Ethikrat hierdurch unter einem nennenswerten Niveauverlust leiden würde.
Ihr Veterinäre benutzt doch dasselbe Mittel, das auch Dignitas verwendet: Natriumpentobarbital, oder? Nach allem, was ich weiß, seit ihr auch die einzigen, die Zugang zu dem Mittel in Deutschland habt. Neben dem uneigenützigen, intellektuellen Aspekt gibt es also noch einen eigennützigen, hedonistischen Aspekt, der mich dazu drängen sollte, unsre Freundschaft auszubauen...
"Meine Damen und Herren,
eine Gesellschaft definiert sich auch immer aus dem Umgang mit ihren Randgruppen. Schwerkranke, zumal am Ende ihres Lebens, sind eine solche Randgruppe in Deutschland. Sterben und Tod sind in den Konsumgesellschaften der Moderne tabuisiert. Macht und Materialismus werden glorifiziert. Wer diesem Zeitgeist nicht mehr folgen kann, der wird ausgegrenzt, ist allein und empfindet sich – zumal im Alter – oft als Belastung. Es ist einfach so, dass viele – etwa 95 Prozent - derer, die vorzeitig aus dem Leben scheiden wollen, an starken Depressionen leiden. Deshalb müssen wir uns um diese Erkrankten kümmern, nicht aber einem Suizid den Weg bereiten. Es ist so leichtfertig, populistisch und gefällig nach einer Legalisierung der Sterbehilfe zu rufen. Das viel zitierte Selbstbestimmungsrecht wird doch zur Farce, wenn es durch gesellschaftliche Ausgrenzung und depressive Erkrankungen fremdbestimmt ist. Deshalb müssen gerade wir Ärzte den Patienten in der Gesamtheit seiner Lebenssituation sehen. Wir müssen, da, wo wir nicht mehr heilen können, helfen – auch helfen in Würde zu sterben. Und deshalb bleibt es bei unserem ethischen Gebot, helfen im Sterben, nicht helfen zu sterben. Töten darf keine Option im therapeutischen Instrumentarium des Arztes sein.
Meine Damen und Herren, wir müssen uns einfach nur mehr um die unheilbar kranken Menschen kümmern. Wir müssen ihnen qualifizierte Schmerztherapie und bestmögliche Pflege bieten; sie müssen menschliche Nähe und Zuwendung spüren.
Dazu brauchen wir palliativmedizinische Versorgungsstrukturen im gesamten Land. Wenn wir diese Strukturen flächendeckend aufgebaut haben und die Menschen mehr über die Möglichkeiten der Schmerztherapie informieren, dann wird auch der Ruf nach aktiver Sterbehilfe verhallen. Sterben in Würde und ohne Schmerzen ist möglich.
Meine Damen und Herren, Sterben ist ein Teil des Lebens. Wir Ärzte sind dem Leben und dem Patienten verpflichtet, nicht dem Zeitgeist, der nach Tod ohne Sterben schreit."
Auszug aus der Rede des Präsidenten der Deutschen Bundesärztekammer Prof. Jörg-Dietrich Hoppe zur Eröffnung des 113. Deutschen Ärztetages in Dresden am 11. Mai 2010.
Also ehrlich gesagt habe ich die Debatte zur Sterbehilfe nie wirklich verfolgt, aber der von Dir zitierte Auszug leuchtet mir nicht wirklich ein. Ich persönlich verstehe unter Sterbehilfe einen Weg, das Leben zu verlassen, wenn keine Aussicht mehr auf deutliche Besserung besteht, wenn es also nur noch darum geht, ob jemand heute oder nächste Woche stirbt.
Natürlich soll das nicht jeder wahrnehmen, der gerade Todesehnsüchte hat. Aber das ließe sich doch sicherlich medizinisch und psychologisch feststellen, oder?
PS: "Neben dem uneigenützigen, intellektuellen Aspekt gibt es also noch einen eigennützigen, hedonistischen Aspekt, der mich dazu drängen sollte, unsre Freundschaft auszubauen..."
Naja, lass uns erstmal unsere uneigennützige, intellektuelle Freundschaft ausbauen und hoffen, dass Letzteres noch in weiter Ferne liegt...
Wie schon befürchtet, sah sich Bundesärztekammer-Präsident Hoppe wohl argumentativ in die Enge gedrängt, als er das Zugeständnis machte, dass Ärzte, die eine Beihilfe zur Selbsttötung leisten, mit keinerlei standesrechtlichen Sanktionen zu rechnen hätten. Denn seine Worte zur Eröffung des 113. Deutschen Ärztetags in Dresden sprechen eine ganz andere Sprache. Hier heißt es plötzlich:
"Und deshalb bleibt es bei unserem ethischen Gebot, helfen im Sterben, nicht helfen zu sterben. Töten darf keine Option im therapeutischen Instrumentarium des Arztes sein."
Dass Hoppe vom "Töten" spricht ist nachgerade perfide. Niemand hat nach einer Freigabe der aktiven Euthanasie gerufen. Wie er nur zu gut weiß, ging und geht es lediglich um den ärztlich-assistierten Suizid - einer Form der Sterbehilfe, bei der sich die Patienten mit Hilfe einer vom Arzt zur Verfügung gestellten letalen Dosis eines Barbiturats selbst töten.
Nach der perfiden Wortverdreherei folgt der obligatorische Hinweis auf die flächendeckende paliativmedizinische Betreuung, als hätte die Praxis des ärztlich-assistierten Suizids in Oregon nicht gezeigt, dass die Palliativmedizin den Ruf nach dem Tode keineswegs "verhallen" lässt: Über 90 Prozent der Patienten, die sich mit Hilfe des Oregoner "Death With Dignity Acts" getötet haben, waren zuvor in palliativmedizinischer Behandlung oder gar einem Hospiz.
Es sieht also so aus, als würde es keine Änderung in den "Grundsätzen zur ärztlichen Sterbebegleitung" geben, solange Hoppe und Montgomery am Ruder sind.
Sind die Leser dieses Blogs alle Nerds? Keine Fußballfans? Kein Kommentar zur zweiten Halbzeit von Deutschland gegen Bosnien-Herzegowina? Kinder, Kinder!
Pauli ist ja aufgestiegen und Hansa hoffentlich auf Nimmerwiedersehen in der dritten Liga verschwunden. Fürchte, da können Schweinsteiger und Co. nicht gegenanstinken. Das wäre natürlich was anderes, wenn Löw nach dem Ballack-Ausfall Charles Takyi nachnominiert hätte, aber so...
Ich weiß nicht, ob ich mir diese WM viele Spiele anschauen werde. Der Schalke Hasser Löw ist nicht so mein Ding. Und den "Bayern-Block" will ich mir auch nicht zu oft antuen. Mal sehen, was in der Vorrunde alles zu sehen ist. Ich freue mich schon auf ein paar Mannschaften, die sonst kaum zu sehen sind.
Martin, es genügt, dass wir in religiösen Fragen unterschiedlicher Ansicht sind; fang jetzt also bitte nicht noch damit an, Dich als Schalke-Fan und Bayern-Hasser zu outen!
Aber wenn es doch so ist? Bist Du nicht auch ein wahrheitsliebender Mensch? Also, bitte sehr.
Wie kommt man dazu, Schalke-Fan zu werden? Du bist doch nicht im Ruhrpott aufgewachsen...