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Kick it like Einstein: Go Aussie Go!

von Edgar Dahl, 24. Mai 2010, 09:55

Wenn am 13. Juni bei der Fußball-Weltmeisterschaft Deutschland auf Australien trifft, gibt es Ärger in meinem Haus. Sowohl meine Frau Chemene als auch meine Tochter Gabrielle sind Inhaber eines australischen Passes. Nachdem sie im wunderschönen Melbourne aufgewachsen sind, werden sie nur schwer umhin können, den "Socceroos" die Daumen zu drücken. Wie wird die Weltmeisterschaft also enden? Mit dem Titelgewinn Deutschlands? Oder mit meiner Scheidung? Vielleicht sollte ich diese Wette mal "bwin" antragen.

Bloggewitter: Kick it like EinsteinTrotz meines chronischen Fernwehs hat Australien nie einen großen Reiz auf mich ausgeübt. Lange Jahre habe ich es bevorzugt, nach Südostasien zu reisen - nach Malaysia, Singapur, Bali und Thailand. Die Erinnerungen an Phi Phi Islands gehören zu den schönsten meines Lebens. Wenn ich nicht eine brotlose Kunst wie Philosophie, sondern eine so einträgliche Kunst wie die Medizin studiert hätte, hätte ich mich wahrscheinlich dazu entschlossen, in Thailand zu bleiben - das Land, die Leute, die Religion und das Essen hatten es mir auf Anhieb angetan.

Peter SingerDass ich schließlich doch in Australien landete, habe ich dem Philosophen Peter Singer zu verdanken. Bevor er eine prestieträchtige Professur an der Princeton University angenommen hat, lehrte er an der Monash University in Melbourne. Ein Promotionsstipendium des Deutschen Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft ermöglichte es mir, seiner Einladung an das dortige "Centre for Human Bioethics" zu folgen.

In den 80er und 90er Jahren stand die Monash University vor allem für zweierlei: für Bioethik und Reproduktionsmedizin. Monash IVF hatte die weltweit erste Eizellspende durchgeführt. Carl Wood, Alan Trounson, Roger Short, John Smart und Peter Singer gehörten zu den akademischen Aushängeschildern Melbournes. Glücklicherweise war es mir vergönnt, alle Genannten persönlich kennen zu lernen. Peter Singer war sogar Trauzeuge bei meiner Hochzeit. Nach inzwischen 15 Ehejahren habe ich sein Vertrauen wohl nicht missbraucht.

Obgleich Australien nicht nur ein Land, sondern ein ganzer Kontinent von der Größe Europas ist, ist es in gewisser Hinsicht doch auch klein. Mit nur 21 Millionen Einwohnern und lediglich einer Handvoll von Großstädten, kam es mir immer etwas provinziell vor. Sicher, Sydney und Melbourne sind weltweit bekannte Metropolen, doch sie lassen sich in keiner Weise mit London, Paris, Rom oder New York vergleichen.

Da es von Australien nach Europa und Amerika jeweils rund 24 Flugstunden sind, bin ich in den 5 Jahren, die ich dort war, auch nie den Eindruck losgeworden, mich am Allerwertesten der Welt zu befinden. Zwar gibt es in Australien - wenn man von Vollkornbrot einmal absieht - alles, was es auch in Deutschland gibt, doch die große Entfernung macht sich selbst bei Menschen mit Fernweh fühlbar.

Hätte ich eine Anstellung gefunden, die es mir finanziell gestattet hätte, einmal im Jahr nach Europa zurück zu kehren, wäre ich dennoch in Australien geblieben. Doch mit den strengen Immigrationsgesetzen und den wenigen Universitäten ist es nicht einfach, in Australien eine akademische Laufbahn einzuschlagen. Ich habe sogar versucht, Deutschlehrer an einer australischen Schule zu werden. Doch in "down under" bevorzugt man viel ungenierter als hier seine eigenen Leute.

Ein weiterer Grund ist sicher auch die Sprachbarriere: Solange ein Ausländer nicht alle Inländer in seiner fachlichen Kompetenz übetrifft, heuert man einen "Aussie" an. Dies hat selbstverständlich nicht nur, aber auch mit der Sprache zu tun. Dabei könnte man endlos Witze über den australischen Dialekt machen. Was heißt "könnte" - elitäre Briten und Amerikaner tun es ja unaufhörlich.

Ich selbst habe schon am ersten Tag in Melbourne eine Kollision mit der Sprache gehabt. Gewohnt, Sport zu treiben, hatte ich mich im Fitness-Center der Universität angemeldet. Während der ersten Übung, einm bloßen Laufen im Kreis, brüllte der zuständige Trainer irgendwann "Eidegö!" - oder so hörte es sich jedenfalls an. Es hat mich drei weitere Runden im Kreis gekostet, um dahinter zu kommen, dass "Eidegö" offenbar "eight to go" bedeuten sollte, also dass es noch acht weitere Runden zu absolvieren galt.

Doch genug der Autobiographie! Was wollen wir diskutieren? Australiens Wissenschaft? Australiens Fußball? Oder beides? Bis dahin: Take care, mates! - was ausgesprochen etwa folgendermaßen klingt: teik kär meits).



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Kommentare

  1. Michael Khan Und nun?
    14.06.2010, 09:54

    Hängt der Haussegen jetzt schief? :-)

  2. Martin Huhn kein Betreff
    14.06.2010, 12:18

    Edgar wird von seiner Frau nun bestimmt auf Diät gesetzt. :-)

  3. Edgar Dahl Haussegen
    14.06.2010, 22:54

    Ich hätte schon früher geantwortet, doch seit meine Frau mich vor die Tür gesetzt hat, hatte ich leider keinen Internet-Zugang mehr...

    Nein, nein, meine Frau hat es ganz geschickt gemacht. Bis zum 0:2 war sie stinksauer. Dann ging sie in den Garten, holte tief Luft und schlug sich verschmitzerweise auf die Seite der Deutschen. Beim 0:4 riss sie sogar begeistert die Arme in die Höhe. (Ich wünschte, ich könnte das gleiche von ihren Beinen sagen, als es ins Bett ging - doch das wäre wahrscheinlich etwas zu viel verlangt gewesen).

  4. Michael Khan Berufschancen in Oz
    15.06.2010, 13:46

    Ich habe gelesen, dass die Bergwerke im Landesinneren so gut zahlen (dank chinesischer Nachfrage), dass sogar ein Arbeitskräftemangel zu beobachten ist. Tritz der Krise ist ja in Australien die Arbeitslosenquote beneidenswert niedrig.

    Sind Akademiker immun gegenüber den Verlockungen des schnoeden Mammons und macht sich deswegen dieser Abfluss nicht an Universitäten bemerkbar, sodass sich für Zuwanderer dort Chancen eroeffnen?

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