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Gibt es ein Recht auf ein gesundes Kind?

von Edgar Dahl, 23. August 2010, 00:19

Am 6. Juli 2010 hat der Bundesgerichtshof die Präimplantationsdiagnostik endlich für rechtmäßig erklärt. Diese Entscheidung war längst überfällig. Denn niemand, der bei Verstand war, konnte nachvollziehen, warum die Pränataldiagnostik in Deutschland erlaubt, die Präimplantationsdiagnostik hingegen verboten war.

Dies hat die Bedenkenträger unseres Landes jedoch nicht daran gehindert, sogleich ein Klagelied anzustimmen und den Untergang des Abendlandes zu verkünden. Wie nicht anders zu erwarten, zählten hierzu „die üblichen Verdächtigen" – der Augsburger Bischof Anton Losinger, der Bundesbeauftragte für Behindertenfragen Hubert Hüppe und der Redakteur der Süddeutschen Zeitung Alexander Kissler.

Wie es sich für bioethische Debatten in Deutschland inzwischen gehört, hat Bischof Losinger das Urteil des Bundesgerichtshofes kurzerhand als einen Angriff auf die „Würde des Menschen" bezeichnet. Hubert Hüppe meinte sogar, dass der BGH den Eltern das Recht eingeräumt habe, zwischen „lebenswertem und lebensunwertem Leben" zu entscheiden. Und Alexander Kissler berief sich schließlich auf den inzwischen zu Kreuze gekrochenen Philosophen Jürgen Habermas und behauptete, dass „das richtige oder falsche Genom nun über das Recht auf Existenz" entscheide.

Juristisch liegt die Legitimität des BGH-Urteils jedoch auf der Hand: Wenn es erlaubt ist, einen mehrere Monate alten Fetus zu töten, muss es selbstverständlich auch erlaubt sein, einen nur wenige Tage alten Embryo zu töten. Nachdem es straffrei ist, einen Fetus abzutreiben, kann es nicht strafwürdig sein, einen Embryo zu verwerfen.

Dass sich Hüppe & Co. gegen die Präimplantationsdiagnostik aussprechen, liegt an ihrem christlichen Weltbild, wonach der Mensch nach dem Bilde Gottes geschaffen worden sei und vom Augenblick der Befruchtung an über eine unsterbliche Seele verfüge. In ihren Augen ist daher auch nicht erst das Verwerfen von Embryonen, sondern bereits das Abtreiben von Feten eine „Sünde".

Wer sich einer katholischen Moraltheologie verschrieben hat, ist denn auch nur konsequent, wenn er gegen das BGH-Urteil aufbegehrt. Was Hüppe, Losinger und Kissler vergessen, ist jedoch, dass wir in einer säkularen Gesellschaft leben, in der Staat und Kirche getrennt sind. Die Regierung eines säkularen Staates hat daher kein Recht, Gesetze zu erlassen, die auf explizit religiösen Annahmen basieren. Denn die Verbindlichkeit eines Gesetzes, das auf bestimmten Glaubensannahmen beruht, würde zu recht von all den Bürgern, die diesen Glauben nicht teilen, sogleich in Frage gestellt.

Aus einer säkularen Perspektive gibt es nicht den geringsten Anlass für die Annahme, dass eine befruchtete Eizelle bereits mit einem moralisch und juridisch zu schützenden Recht auf Leben zur Welt kommt.

Es gibt nach wie vor unterschiedliche Ansichten darüber, worauf Rechte überhaupt beruhen. Die inzwischen am weitesten akzeptierte Theorie geht von der Funktion von Rechten aus. Danach sind Rechte dazu da, elementare Interessen zu schützen. So dienen die Rechte auf Leben, Freiheit und Eigentum beispielsweise dem Schutz unseres Interesses an unserem Leben, unserer Freiheit und unserem Eigentum.

Nach diesem bisweilen auch als „korrespondenztheoretisch" bezeichneten Ansatz kann einem Wesen nur dann ein bestimmtes Recht zukommen, wenn es über dasjenige Interesse verfügt, das durch dieses Recht geschützt werden soll. So kann man leidensfähigen Tieren beispielsweise durchaus ein Recht auf körperliche Unversehrtheit zusprechen, da wir davon ausgehen dürfen, dass sie ein Interesse daran haben, nicht gequält zu werden. Es wäre jedoch völlig unsinnig, ihnen ein Recht auf Religionsfreiheit einzuräumen, da sie überhaupt keinen Begriff von Religion haben, geschweige denn ein Interesse an der freien Ausübung religiöser Riten.

Wenn man diesen Ansatz zu Grunde legt, ist es offenkundig, dass es keine Rechtfertigung dafür gibt, Embryonen bestimmte Rechte zuzusprechen. Um Rechte in Anspruch nehmen zu können, muss man schließlich über Interessen verfügen. Ein aus acht Zellen bestehender Embryo ist jedoch kein Wesen, das Interessen hat. Ja, er besitzt noch nicht einmal die neuronalen Voraussetzungen dafür, um überhaupt Interessen haben zu können.

Dass Embryonen keinen Anspruch auf Rechte haben, bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass man nun nach Belieben mit ihnen umgehen dürfe. So kann es beispielsweise gute Gründe dafür geben, Embryonen nicht zu trivialen – wie etwa kosmetischen – Zwecken zu opfern. Einer Verwendung von Embryonen zu vitalen Zwecken, wie beispielsweise der Entwicklung von Stammzelltherapien, steht jedoch nichts im Wege.

Wenn Kissler seinem Arikel gegen die Präimplantationsdiagnostik den Untertitel „vorgeburtliches Körper-Tuning" gibt, wird deutlich, dass er nicht die leiseste Ahnung hat, wovon er spricht. Wie die Pränataldiagnostik, so ist auch die Präimplanationsdiagnostik eine Methode zur Früherkennung genetischer Defekte und chromosomaler Aberrationen. Mit einer Manipulation des Genoms hat sie nicht das geringste zu tun.

Eine Frau, die im Rahmen der Pränataldiagnostik, wie etwa einer Amniozentese, gesagt bekommt, dass ihr Fetus von einer Trisomie 21 betroffen ist, steht vor der Wahl, ob sie ihre Schwangerschaft fortsetzen oder abbrechen soll. Derartige Entscheidungen sind zweifellos nicht leicht. Doch inzwischen gehören sie zum klinischen Alltag. Und die allermeisten Frauen begrüßen es, die Entscheidung, ob sie ein Kind großziehen wollen, im Lichte aller relevanten Fakten treffen zu können.

Die Präimplantationsdiagnostik, die 1990 entwickelt wurde und jetzt gerade 20 Jahre alt geworden ist, wendet sich nahezu ausschließlich an Frauen, die bereits ein oder zwei Kinder mit einer schwerwiegenden genetischen Erkrankung, wie etwa einer Zystischen Fibrose oder Chorea Huntington, zur Welt gebracht haben.

Wenn sich eine Frau, die bereits ein Kind durch Mukoviszidose verloren hat, ein gesundes Kind wünscht, hat sie zwei Möglichkeiten. Sie kann nach jeder Schwangerschaft eine Pränataldiagnostik durchführen lassen und alle Feten, die von der Erkrankung betroffen sind, abtreiben.

Dank der Präimplantationsdiagnostik kann sie aber auch eine In-vitro-Fertilisation in Anspruch nehmen, in deren Zuge vier oder sechs Embryonen gezeugt werden. Sobald die Embryonen aus acht Zellen bestehen, kann man ihnen eine entnehmen und prüfen, ob sie das Gen, das für die Erkrankung verantwortlich ist, enthalten. Wenn sich zeigt, dass von den sechs Embryonen zwei vom Mukoviszidose-Gen frei sind, überträgt man der Frau lediglich diese zwei gesunden Embryonen in ihre Gebärmutter. Auf diese Weise kann sie, ohne eine Vielzahl von Abtreibungen über sich ergehen zu lassen, schließlich ein gesundes Kind bekommen. Und ist es nicht besser, genetisch defekte Embryonen bereits vor einer Schwangerschaft auszusortieren als sie nach einer bereits Monate vorangeschrittenen Schwangerschaft abzutreiben?

Selbst Gegner der Präimplantationsdiagnostik bejahen diese Frage in aller Regel. Dennoch verweisen sie darauf, dass es „kein Recht auf ein gesundes Kind" gebe. Damit haben sie zweifellos recht. Es gibt nicht nur kein Recht auf ein gesundes Kind, es gibt noch nicht einmal ein Recht auf ein eigenes Kind! Wie sollte ein solches Recht auch aussehen? Woher sollten beispielsweise die Kinder kommen, auf die unfruchtbare Paare ein Recht zu haben meinen?

Auch wenn Paare kein Recht auf ein gesundes Kind haben, haben sie doch unbestreitbar das Recht, reproduktionsmedizinische Technologien in Anspruch zu nehmen, die ihnen zu einem gesunden Kind verhelfen können. Und die Präimplantationsdiagnostik ist eine solche Technologie. Statt sie zu verteufeln, sollten wir sie daher auch begrüßen – ganz gleich, was Losinger, Hüppe und Kissler von ihr halten.





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  1. Physiker Physiker
    23.08.2010, 10:37

    Leben wir in Deutschland tatsächlich in einer säkularen Gesellschaft? Oder werden da viele unhinterfragte "Gesetze, die auf explizit religiösen Annahmen basieren" wie z.B. die Sonntagsruhe einfach verdrängt? Mag schon sein, dass man unseren Staat als säkular bezeichnen kann, laizistisch ist er aber nicht.

    Sie verwechseln säkular mit laizistisch: "säkular" lässt sich sehr weit auslegen - alle europäischen Länder sind säkular. Ihre Beschreibung trifft aber nur auf laizistische Staaten wie z.B. Frankreich/Türkei zu. Werfen Sie doch einfach mal einen Blick in unser Grundgesetz!

  2. A.S. A.S.
    23.08.2010, 12:36

    Müsste es nach der Korrespondenztheorie nicht sehr wohl ein Recht auf ein gesundes Kind geben, da potenzielle Eltern ja ein schützenswertes Interesse an einem solchen haben? Dass man Ihnen dieses Recht bislang nicht zugestehen konnte, lag doch nur an der fehlenden Machbarkeit, oder?

  3. N. Hagthorpe @Edgar Dahl
    23.08.2010, 12:54

    Ich dachte immer, der Humanismus hätte sehr wohl seine eigene Vorstellung von einer unantastbaren Würde des Menschen (nicht im religiösen Sinne natürlich). Wenn man Menschenrechte aber nur auf Funktionen reduziert, kann man die Position wie auch immer bezeichnen, aber ist es dann noch Humanismus?

  4. Edgar Dahl @ - Physiker
    23.08.2010, 13:04

    Stimmt, anders als Frankreich, leben wir nicht in einem laizistischen Staat. Doch laut Grundgesetz ist auch unser Staat zu weltanschaulicher Neutralität verpflichtet.

  5. Edgar Dahl @ - A.S.
    23.08.2010, 13:08

    Interessanter Punkt! Die meisten Leute würden Ihnen sofort zustimmen. Ich dagegen zögere ein wenig. Das liegt daran, dass ich im Prinzip nur Abwehrrechte, nicht aber Anspruchsrechte für begründbar halte.

  6. Edgar Dahl @ - N. Hagthorpe
    23.08.2010, 13:22

    Gute Frage - vor allem auch deshalb, weil sie mich dazu nötigt, darüber nachzudenken, ob ich überhaupt ein Humanist bin. In gewisser Weise habe ich mich immer als "säkularen Humanisten" betrachtet. Doch obwohl ich deren Weltanschauung weitgehend teile, gibt es offenbar doch auch Unterschiede. Anders als traditionelle Humanisten bin ich beispielsweise nicht der Auffassung, dass wir Würde und Rechte "qua Mensch" besitzen. Allein aus der Tatsache, dass wir "Menschen" sind, folgt meines Erachtens gar nichts. Ich bin durchaus ein Verteidiger von Menschenrechten. Aber meiner Ansicht nach verdanken wir sie weder Gott, der Natur oder unserem bloßen Menschsein.

  7. Martin Huhn kein Betreff
    23.08.2010, 13:23

    Juristisch liegt die Legitimität des BGH-Urteils jedoch auf der Hand: Wenn es erlaubt ist, einen mehrere Monate alten Fetus zu töten, muss es selbstverständlich auch erlaubt sein, einen nur wenige Tage alten Embryo zu töten.

    Unrecht "legitimiert" man mit Unrecht. Da frage ich mich wirklich, wo die Würde des Menschen bleibt, der Schutz der Schwachen, die sich nicht wehren können. Was für ein Meinschenbild liegt für dieses Gesetz zu Grunde?


    Was Hüppe, Losinger und Kissler vergessen, ist jedoch, dass wir in einer säkularen Gesellschaft leben, in der Staat und Kirche getrennt sind. Die Regierung eines säkularen Staates hat daher kein Recht, Gesetze zu erlassen, die auf explizit religiösen Annahmen basieren. Denn die Verbindlichkeit eines Gesetzes, das auf bestimmten Glaubensannahmen beruht, würde zu recht von all den Bürgern, die diesen Glauben nicht teilen, sogleich in Frage gestellt.

    Menschen mit einem christlichem Weltbild können sich somit nicht in die Gesetzgebung einbringen. Habe ich das richtig verstanden? Wer kann sich denn dann einbringen? Humanistische Atheisten? Was qualifiziert sie dazu? Daß ihr Weltbild auf keine religiösen Annahmen basieren? Dafür basiert es auf naturalistische Annahmen. Das ist eine Art von Glauben den ich mit diesen Menschen nicht teile und ich stelle es sofort in Frage und lehne es ab.

    Immer wieder wird bei verschiedensten Themen von verschieden Personen versucht, dem atheistischen Weltbild eine neutrale Position zu unterstellen. Das macht Du, Edgar, zwar sehr geschickt, aber ich finde es doch recht billig, weil schnell zu durchschauen.


    Aus einer säkularen Perspektive gibt es nicht den geringsten Anlass für die Annahme, dass eine befruchtete Eizelle bereits mit einem moralisch und juridisch zu schützenden Recht auf Leben zur Welt kommt.

    Und was ist der Anlaß, einem neugeborenen Kind dieses Recht auf Leben zu gewähren? Weil es geboren ist? Weil es atmet?


    Wenn man diesen Ansatz zu Grunde legt, ist es offenkundig, dass es keine Rechtfertigung dafür gibt, Embryonen bestimmte Rechte zuzusprechen. Um Rechte in Anspruch nehmen zu können, muss man schließlich über Interessen verfügen. Ein aus acht Zellen bestehender Embryo ist jedoch kein Wesen, das Interessen hat. Ja, er besitzt noch nicht einmal die neuronalen Voraussetzungen dafür, um überhaupt Interessen haben zu können.

    Ein Mensch wird mal also aufgrund seiner Interessen und damit Fähigkeiten. Wann setzt die Ich-Entwicklung ein? Mit drei Jahren? Ich finde, man sollte den Eltern gestatten bis zum dritten Lebensjahr abzutreiben. Vorher sind sie ja noch keine richtigen Menschen. Die haben noch keine Vorstellung von sich selbst. Also, wenn die Eltern nicht zufrieden sind, weg damit. Das ist doch logisch, oder etwa nicht?

  8. Martin Huhn kein Betreff
    23.08.2010, 13:26

    Doch laut Grundgesetz ist auch unser Staat zu weltanschaulicher Neutralität verpflichtet.

    Wie soll denn diese weltanschauliche Neutralität aussehen? Wer ist denn neutral?

  9. Edgar Dahl @ - Martin Huhn
    23.08.2010, 13:37

    Lieber Martin, Deine Einwände erfordern mehrere Antworten. Lass' mich mit dem ersten Punkt beginnen, in dem Du behauptest:

    "Unrecht 'legitimiert' man mit Unrecht."

    Aus Deiner christlichen Sicht mag das so erscheinen. Doch de lege lata ist die Abtreibung nun einmal kein "Unrecht". Um es allen Leuten recht zu machen, haben sich die Richter 1993 zu dem Urteil durchgerungen, dass der Schwangerschaftsabbruch "sittenwidrig, aber straffrei" sei. Die "Sittenwidrigkeit" sollte offenbar die Abtreibungsgegner beschwichtigen und die Straffreiheit sollte offenkundig den Abtreibungsbefürwortern entgegenkommen. Kurz, nach deutschem Recht ist die Abtreibung kein "Unrecht".

  10. N. Hagthorpe kein Betreff
    23.08.2010, 13:53

    @Edgahr Dahl,
    Danke für die Aufklärung, so wird die Sache klar und natürlich auch unter diesem Blickwinkel betrachtbar.

    @Martin Huhn
    "Ein Mensch wird mal also aufgrund seiner Interessen und damit Fähigkeiten. Wann setzt die Ich-Entwicklung ein? Mit drei Jahren?"
    Das ist ein guter Punkt. Als Historiker muss ich unterstreichen, dass die Vorstellungen von Rechten oder der Würde von Kleinkindern historisch sehr, sehr neu sind. In der Antike beispielsweise wurde genau diese Logik angewandt. Man hatte absolut miserable Lebensverhältnisse, man musste also oft Kinder loswerden, wenn man überleben wollte und kranke Kinder konnte man sich sowieso nicht leisten. Und so fanden die Griechen und Römer genau in der funktionalistischen Rechtsbetrachtung eine moralische Rechtfertigung: "Kinder sind bis zu 3-4 Jahren nicht fähig intentionales Verhalten zu entwickeln und Verantwortung zu übernehmen, daher sind sie auch keine Menschen" (sehr vereinfacht formuluiert). Das zeigt sich auch daran, dass Kindern, die bis zum 3. Lebensjahr starben (die Kindersterblichkeit lag wohl bei über 40%), man nie Grabsteine setzte.

    Ich will natürlich weder Edgar Dahl, noch anderen diese Denkweise unterstellen (ich bin auch selbst in gewissen Grenzen tolerant zur Abtreibung), wollte aber darauf hinweisen, dass das Konzept von Rechten der Unmündigen sehr neu ist und bei einer zu funktionalistischen Betrachtung uns auch wieder verloren gehen könnte.

  11. Martin Huhn @ Dahl
    23.08.2010, 14:04

    Edgar, ich habe es nicht so mit der Haarspalterei, aber soweit ich weiß, ist die Abtreibung nach wie vor eine Straftat aber bleibt bei bestimmten Ausnahmen straffrei.

  12. Martin Huhn @ Hagthorpe
    23.08.2010, 14:15

    Ich bin kein Historiker und ich finde das sehr interessant. Für mich stellt sich da natürlich die Frage, wie sehr das christliche Menschenbild die Rechtssprechung beeinflußt hat. "Die Frucht des Leibes" und auch Kinder haben einen hohen Stellenwert. Ohne viel Ahnung von dem Thema zu haben (ich bin auch kein Jurist) stellt sich mir die neue Rechtssprechung als ein Schritt zurück in die Vergangheit dar.

    Kürzlich las ich ein Buch über Indianer im Regenwald. Da berichtet ein Indianer selbst über ihr Leben. Die hatten oftmals Hungernöte und als erstes sind die Kinder gestorben. Wenn es etwas zu essen gab, dann erst nur für Erwachsene, besonders die kräftigen, weil diese jagen konnten, und somit dem Stamm zum Überleben verhalfen.
    Das ist eine ähnliche Logik wie in der Antike.

  13. Edgar Dahl @ - Martin: Haarspalterei
    23.08.2010, 14:26

    Stimmt, hier grenzt die Argumentation in der Tat an Haarspalterei. Letztlich ist es aber so, dass wir in Deutschland eine Fristenlösung haben, wonach eine Abtreibung straffrei ist, sofern sich 1.)die Schwangere einer Beratung unterzogen hat, der Abbruch 2.) von einem Arzt vorgenommen worden ist und der Fetus 3.) nicht älter als 12 Wochen ist.

    Siehe auch: http://www.buzer.de/s1.htm?g=StGB&a=218-219b

  14. Physiker Intention von Zellklumpen: sich teilen
    23.08.2010, 14:29

    Nach der Lektüre Ihres verlinkten Plädoyers zum Vegetarismus
    http://www.wissenslogs.de/...9-01-31/fleischeslust
    sehe ich folgenden Widerspruch:
    a) Tieren sprechen Sie Intentionen zu und begründen das damit, dass diese z.B. Schmerz empfinden können. (Nebenbei frage ich mich, wie Sie dann Stressreaktionen von Pflanzen werten...)
    b) Ungeborenen Menschen sprechen Sie diese Intention ab.

    Sorry, Ihre Argumentation ist undurchdacht, inkonsistent und übersimplifiziert - demgegenüber ist in diesem Punkt die Linie der katholischen Kirche geradezu vernünftig und an biologischen Fakten orientiert (auch wenn es zu verwandten Themen wieder ganz anders aussieht...).

  15. Edgar Dahl @ - Hagthorpe & Huhn: Infantizid
    23.08.2010, 14:33

    Vielen Dank für den Hinweis auf die Geschichte. Ja, der "Infantizid" oder die Kindstötung) war in der Vergangenheit ein in den meisten Kulturen fest verankertes Recht.

    Wie im Tierreich haben sich die Menschen insbesondere derjenigen Kinder entledigt, die keinerlei Überlebens- oder Fortpflanzungschancen hatten.

  16. A.S. @Martin Huhn
    23.08.2010, 16:32

    Was die Frage betrifft, ob Menschen mit christlichem Weltbild sich in Gesetzgebungsprozesse einbringen dürfen, zitiere ich Barack Obama:

    Gleichgültig was wir früher waren, wir sind nicht länger eine ausschließlich christliche Nation; wir sind auch eine jüdische Nation, eine muslimische Nation, eine buddhistische Nation, eine hinduistische Nation und eine Nation von Nicht-Religiösen. Wir sollten dies anerkennen und uns darüber im Klaren sein, dass wir, wenn wir politische Ziele formulieren, daran arbeiten müssen, unsere Begründungen in Werte übersetzen, die für jeden einzelnen unserer Bürger nachvollziehbar sind, nicht nur für Mitglieder unserer eigenen Glaubensgemeinschaft.
  17. Edgar Dahl @ - A.S.: Pluralismus
    23.08.2010, 19:22

    Vielen Dank für das Zitat von Barack Obama. Dieses Zitat bringt das Problem gut auf den Punkt.

    Ich bin mir nach wie vor nicht sicher, ob Obama wirklich ein guter Präsident ist. Doch dieses Zitat, vor allem aber seine Haltung zum Moschee-Bau in der Nähe von Ground Zero haben mich durchaus für ihn eingenommen.

  18. Edgar Dahl @ - A.S.: Abwehrrechte
    23.08.2010, 19:42

    Da fällt mir zum eingangs erwähnten Punkt noch folgender Gedanke ein. Statt eines Anspruchsrechts auf ein gesundes Kind oder eines Rechts auf reproduktionsmedizinische Behandlung, bedarf eines eigentlich nur eines Abwehrrechts - nämlich das der "allgemeinen Handlungsfreiheit", wonach jeder das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit hat, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt".

  19. Edgar Dahl @ - Physiker: Inkonsistenz
    23.08.2010, 20:08

    Sie schrieben: "Sorry, Ihre Argumentation ist undurchdacht, inkonsistent und übersimplifiziert - demgegenüber ist in diesem Punkt die Linie der katholischen Kirche geradezu vernünftig und an biologischen Fakten orientiert."

    Nun, das würde ich so nicht sagen. Zunächst einmal haben Pflanzen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein "Bewusstsein". Zweitens ist es nach meinem Ansatz durchaus konsistent, einen Schimpansen anders zu behandeln als einen menschlichen Embryo. Ein Schimpanse verfügt über Bewusstsein, Schmerzempfinden und einem Interesse, nicht gequält zu werden, was man von einem Embryo nicht behaupten kann. Außerdem ist mir an Ihrer Kritik nicht klar, inwiefern Embryonen über "Intentionen" verfügen sollten.

  20. Martin Huhn @ A.S.
    23.08.2010, 20:18

    Was Obama sagte, beantwortet nicht meine Frage, die ich an Edgar stellte.


    Menschen mit einem christlichem Weltbild können sich somit nicht in die Gesetzgebung einbringen. Habe ich das richtig verstanden?

    Obama Vorstellungen einer Gesellschaft ist ein anderes Thema. Und nehmen wir mal an, es würden in unserer Gesellschaft mehr Berücksichtigung der jüdischen und muslimischen Positionen (Hindus und Buddhisten verfügen wohl nicht über so große Anteile in unserer Gesellschaft) finden, was würde dabei wohl herauskommen? Speziell beim Punkt Abtreibung? Eine Erleichterund sicher nicht.

  21. Edgar Dahl @ - Huhn: Rückschritt
    23.08.2010, 20:26

    Wenn Dir "die neue Rechtssprechung als ein Schritt zurück" erscheint, hast Du vollkommen Recht. Denn die Fristenlösung, die wir gegenwärtig haben, gab es bereits. Bis 1869 hieß es in der katholische Kirche: „Der ist kein Mörder, der eine Abtreibung vornimmt, bevor die Seele dem Körper eingegossen ist.“ Nach aristotelischer und thomistischer Auffassung wurde männlichen Feten die Seele am 40. Tag und weiblichen Feten die Seele am 90. Tag nach der Empfängnis eingegosssen.

  22. Edgar Dahl @ - Huhn: Neutralität des Staates
    23.08.2010, 20:40

    Ich dachte, das Zitat von Obama würde Deine Frage beantworten. Offenbar nicht. Vielleicht hilft das folgende Beispiel: Nehmen wir an, der Staat würde sich auf Drängen des Papstes dazu hinreißen lassen, Verhütungsmittel zu verbieten. Bei Katholiken, für die jeder sexuelle Akt "für die Fortpflanzung offen" sein muss, mag dies Beifall finden. Doch was ist mit denen, die die katholische Lehre nicht teilen - also mit Protestanten, Agnostiker und Atheisten?

  23. Stefan Taube @Edgar Dahl
    23.08.2010, 20:53

    Dabei muss man auch noch bedenken, dass sich wohl nur eine Minderheit der Katholiken im Reallife von irgendwelchen alten sabbernden Kirchenfürsten, die nur heimlich pimpern, ihr Sexualleben vorschreiben lassen.
    Ich finde die Tatsache, dass religiöse Menschen aufgrund ihrer Dogmen und Wahnvorstellungen anderen Leuten vorschreiben, wie sie ihre Familienplanung zu betreiben haben widerlich. Sollen sich die religiösen Menschen doch der Würde derjenigen Menschen annehmen, die schon auf der Welt sind und nicht den Zellklumpen predigen!

  24. Martin Huhn @ Dahl
    23.08.2010, 21:07

    Edgar, ich bin kein Katholik. Mal abgesehen davon, daß Du etwas vom Thema ablenkst.

    Mein Sicht der Dinge dazu. Leben ist für uns Menschen eine Stufe zu hoch. Das ist Gottes Sache. Aus diesem Grunde verneine ich Abtreibung und auch die Todesstrafe, weil mir kein Grund einfallen will, weshalb wir Menschen darüber verfügen dürfen.

  25. Edgar Dahl @ - Stafan Taube: Kontrazeptiva
    23.08.2010, 21:10

    Stimmt. Diesbezüglich lassen selbst die meisten Katholiken den Papst einfach nur einen guten Mann sein.

  26. Martin Huhn @ Dahl: Neutralität des Staates
    23.08.2010, 21:18

    Nein, das beantwortet meine Frage nicht. Das hörte sich nämlich in Deinem Text so an, als ob Christen keinen Einfluß auf die Gesetzgebung nehmen dürfen, denn der Staat soll ja weltanschaulich neutral sein und außerdem könnten Atheisten damit nicht einverstanden sein. So Deine Argumentation.

    Ich verstehe Demokratie jedoch so, daß sich jeder da einmischen und mitwirken soll und dann ringt man um den besten Weg. Und ich wüßte nicht, warum Atheisten den Vorang vor Christen gegeben werden soll.
    Und dann sag mir doch, was denn neutral ist. Ich sehe niemanden der neutral ist. Jeder hat seinen Standpunkt, jeder hat seine Weltanschauung.

  27. Martin Huhn @ Dahl
    23.08.2010, 21:38

    Wir können die Spielchen auch lassen und die ganze Diskussion abkürzen.

    Wir leben im Zeitalter des Egoismuses und des Materialismuses. Es gibt nur, was man sieht und was man bekommen kann. Und deshalb will jeder aus seinem Leben möglichst viel raus holen, bis das große Nichts kommt. Damit man Ende sagen kann, ich habe mein Leben gelebt. Was man von einem gelebtem Leben im großen Nichts hat, wo niemand mehr existiert, habe ich noch nie verstanden. Irgendwie habe ich als Mensch die Eigenschaft über die Ewigkeit und mich nachzudenken, eine Laune der allmächtigen Evolution. Das ist aber auch ziemlich gemein von der allmächtigen Evolution. Warum nur tut sie mir das an? Könnte ich nicht wie ein Kuh auf der Weide in Ruhe mein Gras fressen? Warum nur habe ich die Ewigkeit in meinem Herzen und den Tod vor Augen? Naja, ich komme mal zum Thema zurück. Gelebter Egoismus ist stark angesagt und das hat auch Einfluß auf die Rechtssprechung. Schwangerschaft paßt nicht in die Lebensplanung? Weg damit, schließlich will das Leben gelebt werden. Die alte Oma vegetiert nur so dahin und muß geplegt werden? Weg damit, das macht doch kein Sinn. Es ist doch für alle wirklich das Beste. Für die alte Oma war das doch kein Leben mehr und so ein Siechtum von Mensch hindert die anderen doch daran das Leben in vollen Zügen zu genießen. Ausnahme ist die reiche Oma. Die kann die Pflegekräfte bezahlen. Das schafft Arbeitsplätze. Ökonomie ist nämlich auch schwer angesegt, es gibt keine Wahrheit mehr, aber der Markt, der hat immer recht. Hauptsache ich habe das Meiste und das Beste. Wer zu langsam oder zu schwach ist, der hat halt Pech gehabt. Evolution halt.

    Mit Ethik hat das nichts zu tun. Was soll das denn für eine Ethik sein? Man verfällt wieder zurück in die Barbarei der Antike. Ich sehe keine höhere Ehtik als die christliche (und damit meine ich die Ethik, die Jesus Christus vertritt, beispielsweise die Bergpredigt).

  28. Edgar Dahl @ - Huhn: Neutralität des Staates
    23.08.2010, 22:57

    "Edgar, ich bin kein Katholik. Mal abgesehen davon, daß Du etwas vom Thema ablenkst."

    Ich weiß, Du bist kein Katholik. Aber das ist doch genau der Punkt. Wie würde es Dir gefallen, wenn der Staat einer katholischen Doktrin folgte und Kontrazeptiva verbieten würde?

    Was von katholischen Doktrinen gilt, gilt auch von lutherischen, neuapostolischen, calvininistischen oder baptistischen Doktrinen. Du würdest es Dir mit Recht verbitten, dass man Dich dazu zwingt, religiösen Doktrinen zu folgen, die Du nicht teilst.

  29. Edgar Dahl @ - Huhn: Dahl
    23.08.2010, 23:11

    Ich verstehe, was Du meinst. Doch ich erkenne mich in dem von Dir skizzierten Weltbild nicht wieder. Ich bin kein Utilitarist.

  30. Mona Martin Huhn @Ethik
    23.08.2010, 23:19

    "Mit Ethik hat das nichts zu tun. Was soll das denn für eine Ethik sein? Man verfällt wieder zurück in die Barbarei der Antike. Ich sehe keine höhere Ehtik als die christliche (und damit meine ich die Ethik, die Jesus Christus vertritt, beispielsweise die Bergpredigt)."

    Es gibt nicht DIE ETHIK, sondern jede Epoche oder auch Weltanschauung hat ihre eigene Ethik hervorgebracht.
    Siehe hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Ethik

    Unsere aktuelle Ethik findet in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ihren Ausdruck: http://www.un.org/.../german/grunddok/ar217a3.html

    Natürlich stellt uns heutzutage der Fortschritt der in der Medizin immer wieder vor neue Aufgaben. Und auch ich finde es traurig, dass z.B. die Finanzmärkte usw. keiner allgemeinen Ethik unterliegen und uns letztendlich alle ruinieren können. Ich würde das aber nicht der Evolution anlasten wollen. A.S. zitiert Barack Obama und meint wahrscheinlich, dass wir ständig einen Konsens finden müssen zwischen einer streng religiösen und einer eher liberalen Weltanschauung.

  31. Edgar Dahl @ - Huhn: Demokratie
    23.08.2010, 23:35

    Du hast ein falsches Verständnis von Demokratie. Demokratie bedeutete ursprünglich "Herrschaft des Volkes". Mit Hilfe des Mehrheitsprinzip hat das Volk entschieden, welche Gesetze gelten sollen.

    Diese Art von "direkter Demokratie" öffnet der Unterdrückung von Minderheiten Tür und Tor. Wenn sich 51 Prozent der Christen für eine Verfolgung der Juden aussprechen, wäre das im Sinne der direkten Demokratie gerechtfertigt.

    Wir leben jedoch in einer "konstitutionellen Demokratie", in der dem Mehrheitsprinzip Schranken gesetzt sind. Diese Schranken werden durch die Verfassung vorgegeben, die jedem einzelnen Bürger individuelle Rechte zuerkennt. Ganz gleich, wieviele Menschen sich für eine Verfolgung von Minderheiten, wie etwa der Juden, der Farbigen, der Zeugen Jehovah oder der Homosexuellen aussprechen, weder unserem Staat noch den Bürgern unseres Staates ist es erlaubt, die Rechte anderer zu verletzen.

    Kurz, selbstverständlich darf sich in einer Demokratie jeder einbringen, ganz gleich, ob er nun Christ, Muslim, Atheist oder was auch immer ist. Jedes Gesetz muss aber verfassungskonform sein. Und ein Verbot von Kontrazeptiva, um dieses Beispiel noch einmal aufzugreifen, wäre beispielsweise verfassungswidrig.

  32. Sascha Bohnenkamp @huhn
    24.08.2010, 08:21

    "Ich sehe keine höhere Ehtik als die christliche "
    Exakt DAS ist es was mich bei den Theisten so anwidert.

    Wie wäre es mit ein wenig Demut?

  33. Mona Direkte Demokratie @Edgar Dahl
    24.08.2010, 09:36

    "Diese Art von "direkter Demokratie" öffnet der Unterdrückung von Minderheiten Tür und Tor. Wenn sich 51 Prozent der Christen für eine Verfolgung der Juden aussprechen, wäre das im Sinne der direkten Demokratie gerechtfertigt."

    So einfach ist das nicht. Auch in einer direkten Demokratie sind Volksentscheide, bei der das Volk Einfluss auf die Politik nehmen kann, an die Verfassung gebunden. Dabei dürfen keine Grundrechte verletzt werden. Es gibt natürlich auch Möglichkeiten die Verfassung zu ändern, dies ist aber kompliziert. Schauen Sie dazu doch einmal in die Schweiz.

  34. Ute @Martin Huhn
    24.08.2010, 09:40

    So gut ich Deinen Standpunkt verstehen kann (obwohl ich mit Religion nix am Hut habe), müssen beim Recht auf Leben wohl zwei Dinge berücksichtigt werden: Das Recht eines Individuums, sein Leben fortsetzen zu dürfen. Und die Frage, ob daraus automatisch ein Recht auf die Benutzung des Körpers einer Frau erwächst. Mir scheint, das ist der eigentliche Knackpunkt. Ein ungeborenes Kind kann sein Recht auf Leben nur wahrnehmen, wenn ihm die Mutter ein Recht auf Benutzung ihrer Gebärmutter einräumt. Das ist es doch, das Zygoten, Embryonen und Feten von Neugeborenen grundlegend unterscheidet. (Ich persönlich habe Pränataldiagnostik übrigens explizit abgelehnt, denn ich hätte einfach kein Kind abtreiben können. Egal in welchem Stadium.)

    Davon abgesehen stimme ich mit dem Autor überein, daß es zwar kein Recht auf ein gesundes bzw. überhaupt ein Kind gibt, wohl aber das Recht, ein solches mit allen legalen Mitteln anzustreben. Wenn man es denn will. Denn wir haben ja auch schon Debatten in der Gesellschaft, ob Eltern angesichts der aktuellen Möglichkeiten überhaupt noch das Recht haben, ein nicht gesundes Kind in die Welt zu setzen...

  35. Martin Huhn @ Dahl: Neutralität des Staates
    24.08.2010, 09:54

    Wie würde es Dir gefallen, wenn der Staat einer katholischen Doktrin folgte und Kontrazeptiva verbieten würde?

    Verhütung ist nicht mein Thema hier. Aber gibt es eigentlich ein Land, wo Verhütung aufgrund der Kirche gesetzlich verboten ist? Ich weiß es nicht.

    Was von katholischen Doktrinen gilt, gilt auch von lutherischen, neuapostolischen, calvininistischen oder baptistischen Doktrinen. Du würdest es Dir mit Recht verbitten, dass man Dich dazu zwingt, religiösen Doktrinen zu folgen, die Du nicht teilst.

    Das hat mit religiös nichts zu tun. Oder gibt es nur religiöse Doktrinen? Ich muß ja jetzt schon Mehrheitsentscheidungen folgen, bzw. tolerieren obwohl ich deren Lehre und Menschenbild nicht teile. Das ist doch für mich nichts neues.

    Nun hast Du mir aber immer noch nicht mitgeteilt, was neutral ist. Was nicht religiös ist, ist das neutral?

  36. Martin Huhn @ Dahl:
    24.08.2010, 09:58

    Ich bin kein Utilitarist.

    Ja, sag ich doch, Egoist.

    Er komme ich und dann komme ich. Immer denk ich nur an mich. ;-)

  37. Sascha Bohnenkamp @Ute
    24.08.2010, 09:58

    Neben dem Recht auf die Benutztung der Frau, würde man dem ungeborenen Kind ggf. auch das Recht einräumen müssen, die Frau zu töten, wenn man Abtreibung kategorisch ablehnt.
    Ich denke es ist durchaus legitim ein Kind abzutrieben, wenn man dadurch das Leben der Frau retten kann.
    Vermutlich haben die, die über die einzig richtige Moral zu verfügen glauben, nie vor einer solchen Wahl gestanden.

    Es ist sicher hilfreich nach einer so schweren Entscheidung auch noch verachtet zu werden ...

  38. Martin Huhn @ Dahl: Demokratie
    24.08.2010, 10:02

    Kurz, selbstverständlich darf sich in einer Demokratie jeder einbringen, ganz gleich, ob er nun Christ, Muslim, Atheist oder was auch immer ist.

    Das wollte ich von Dir wissen. Was Du vorher schriebst war Eulen nach Athen tragen. Nun, das hört sich ja schon ganz anders an, als in Deinem Beitrag.


    Jedes Gesetz muss aber verfassungskonform sein. Und ein Verbot von Kontrazeptiva, um dieses Beispiel noch einmal aufzugreifen, wäre beispielsweise verfassungswidrig.

    Schon wieder Verhütung. Das läßt Dich ja nicht los. Will die Katholische Kirche die Verhütung verbieten? Wird sie schon vom Verfassungsschutz beobachtet?

  39. Martin Huhn @ Mona
    24.08.2010, 10:05

    Es gibt nicht DIE ETHIK, sondern jede Epoche oder auch Weltanschauung hat ihre eigene Ethik hervorgebracht.

    Ja, richtig. Und die Ethik in unserer Gesellschaft macht wieder einen Rückschritt. Der Egoismus muß gestärkt werden, der Starke setzt sich auf Kosten des Schwachen, wehrlosen durch.

  40. Martin Huhn @ Bohnenkamp
    24.08.2010, 10:08

    Exakt DAS ist es was mich bei den Theisten so anwidert.

    Nun, das interessiert mich nicht sonderlich. Welche Ethik ist höher als die von Jesus Christus? Das interessiert mich viel mehr. Kommt diesbezüglich noch was von Dir oder willst Du mir weiteres aus Deinem Gefühlsinnenleben mitteilen?

  41. Sascha Bohnenkamp @Huhn
    24.08.2010, 10:11

    Dafür müssten wir erstmal klären was SIE unter der Ethik von Jesus verstehen.

    Sind es die Mühlsteine?
    Die heidnischen Hunde?
    Das Armutsgebut?
    Das die Religion wichtiger ist als die Familie?

  42. Martin Huhn @ Ute
    24.08.2010, 10:18

    Das Recht eines Individuums, sein Leben fortsetzen zu dürfen. Und die Frage, ob daraus automatisch ein Recht auf die Benutzung des Körpers einer Frau erwächst. Mir scheint, das ist der eigentliche Knackpunkt. Ein ungeborenes Kind kann sein Recht auf Leben nur wahrnehmen, wenn ihm die Mutter ein Recht auf Benutzung ihrer Gebärmutter einräumt.

    Also, kurz gefaßt, mein Bauch gehört mir.
    Erstmal muß ich sagen, es ist ja nun nicht so, daß eine Frau nachts von einem Engel geküßt wird und am nächsten Morgen ist sie schwanger. Da wären wir beim Thema verantwortunsgvolle Sexualität. Aber Sexualität scheint ja in erster Linie zum Lustgewinn zu dienen. Dennoch sollte man nicht vergessen, wozu sie noch dient.

    Wenn ich abwägen muß zwischen dem Recht einer Frau auf ihre Gebärmutter und dem Recht eines werdenden Kindes, das Leben eines Menschen, dann hat das Menschenleben höhere Priorität.

    Noch eine Geschichte. Ich war mal Mitarbeiter auf einer Schülerferienfreizeit mit Buben und Mädels. Da kam das Thema Abtreibung auf und viele Mädels waren ganz klar dafür. Selbstbestimmungsrecht der Frau etc. Ein Teilnehmer war adoptiert und er war ein Abtreibungskandidat. Die Mutter hat sich dann doch dazu entschlossen das Kind nicht abzutreiben und später der Adoption freizugeben. Und der hat den Mädels dann mal gesagt, was er von Abtreibung hält, nämlich gar nichts, sonst wäre er nämlich nicht da. Da wurde es dann doch etwas still in der Runde.

  43. Martin Huhn @ Bohnenkamp
    24.08.2010, 10:22

    Dafür müssten wir erstmal klären was SIE unter der Ethik von Jesus verstehen.

    Ist im Neuten Testament zu lesen. Wie ich schon erwähnte beispielsweise die Bergpredigt. Aber das ist nur ein Teil. Ich kann jetzt hier kein Nachhilfeunterricht geben. Ist doch eh nur ein Ablenkungsmanöver, um meine Frage nicht beantworten zu müssen. Wie langweilig.

  44. Martin Huhn @ alle
    24.08.2010, 10:25

    Das wird mir jetzt ein bißchen zuviel. Wie üblich muß ich bei solchen Diskussionen allein mit mehreren diskutieren. Vor ein paar Jahren habe ich so etwas oft gemacht. Das ist aber zeitlich kaum zu bewältigen. Deshalb nehme ich meinen Hut und sage Adios. Meine Meinung kennt Ihr ja jetzt.

  45. Sascha Bohnenkamp @huhn
    24.08.2010, 10:31

    Ich brauche keine Nachhilfe im Lesen des NT.
    Ich hatte auch schon Stellen gezeigt, die mir eher unmoralsich erscheinen.

    Mir ist eine Moral ohne Aberglaube und okkulte Mächte deutlich lieber.

    Soll ich jetzt Nachhilfe in Humanismus geben?

  46. Martin Huhn kein Betreff
    24.08.2010, 10:39

    Ist die denn höher als die Ethik von Jesus Christus?

  47. Ute kein Betreff
    24.08.2010, 10:45

    Das finde ich ja nun ausgesprochen witzig. Der eine (Sascha) unterstellt mir aufgrund meines Kommentars, ich würde Frauen verachten, die sich für eine Abtreibung entscheiden.

    Der andere (Martin) unterstellt mir, ich sei von der militanten Mein-Bauch-gehört-mir-Fraktion.

    Scheint so, als sei ich entweder schitzophren oder als dürfe ich mich selbst zu einem ausgewogenen Kommentar beglückwünschen. ^^

    Mal Tacheles: Ich verachte keine Frau, die abgetrieben hat. Wo soll ich das denn bitte geschrieben haben? Ich selbst kann mir aber, außer vielleicht akuter Lebensgefahr, keine Situation vorstellen, in der ich abtreiben würde. Ein behindertes Kind wäre jedenfalls für mich _kein_ Grund dafür. Ein bißchen weniger Schwarz-Weiß-Denken wäre seitens der Kommentatoren vielleicht nicht schlecht...

  48. Ute Zur Ethik von Jesus Christus:
    24.08.2010, 10:51

    http://www.psychologytoday.com/...-ethics-business

    Und ein Full Ack. von mir dazu.

  49. Sascha Bohnenkamp @ute
    24.08.2010, 14:06

    äh das ist ein Missverständnis .. Ihnen wollte ich nichts unterstellen .. eher dem, den sie kommentiert hatten.

    Ich werde mich bemühen, meine Aussagen eindeutiger zu formulieren.

  50. Sascha Bohnenkamp @huhn
    24.08.2010, 14:07

    "Ist die denn höher als die Ethik von Jesus Christus?"

    JA, denn es kommt ohne irgendwelchen okkulten Hoku-Pokus aus.

  51. Sascha Bohnenkamp @Ute Zur Ethik von Jesus Christus:
    24.08.2010, 14:13

    Das sehe ich auch so, wir der Text in ihrem Link was Ethik & Gott angeht.

    Ich finde "der Bauch gehört mir" eine nachvollziehbarere Einstellung als "ein Ausserirdischer will das so"

    Immerhin geht man mit der mutwilligen Geburt eines (schwer)behinderten Kindes auch um die folgen für das eigene Leben, das des Partners und des Kindes selbst.

    Einem ggf. späteren gesundem Kind wird dann ja auch das Leben versagt, dass sollte man nicht vergessen.

  52. Balanus kein Betreff
    24.08.2010, 14:39

    » Einem ggf. späteren gesundem Kind wird dann ja auch das Leben versagt,… «

    Nicht zu vergessen all die ungenutzten Ei- und Samenzellen… ;-)

  53. Edgar Dahl @ - Huhn: Verhütung
    24.08.2010, 15:06

    Mir geht es nicht um die Verhütung. Die katholische Doktrin zur Verwendung von Kontrazeptiva war nur ein Beispiel. Ich hätte genauso gut das Verbot der Scheidung, die Steinigung von Ehebrecherinnen oder die Beschneidung von Mädchen wählen können. Ich nehme an, als Christ wirst Du zumindest die letzten beiden religiös begründeten Praktiken ablehnen. Und genau deshalb sollte der Staat weltanschaulich neutral sein und keine religiösen Dogmen zu Gesetzen erheben.

  54. Beate T. Martin Huhn schreibt:
    24.08.2010, 23:58

    "Ich war mal Mitarbeiter auf einer Schülerferienfreizeit mit Buben und Mädels. Da kam das Thema Abtreibung auf und viele Mädels waren ganz klar dafür. Selbstbestimmungsrecht der Frau etc. Ein Teilnehmer war adoptiert und er war ein Abtreibungskandidat. Die Mutter hat sich dann doch dazu entschlossen das Kind nicht abzutreiben und später der Adoption freizugeben. Und der hat den Mädels dann mal gesagt, was er von Abtreibung hält, nämlich gar nichts, sonst wäre er nämlich nicht da. Da wurde es dann doch etwas still in der Runde."

    Und dies wird sich in etwa 15 Jahren zutragen:

    "Ich war mal Mitarbeiter in einem Ferienlager mit Buben und Mädels. Da kam das Thema Präimplantationsdiagnostik auf und einige Teilnehmer waren ganz klar dagegen. Gottesebenbildlichkeit des Menschen etc. Ein Teilnehmer war nach PID entstanden. Und der hat den Mädels und Jungs dann mal gesagt, was er von ihrer Position hält, nämlich gar nichts, sonst wäre er nämlich nicht da. Da wurde es dann doch etwas still in der Runde."

  55. Beate T. Danke für den Artikel und für dies:
    25.08.2010, 00:17

    "Was Hüppe, Losinger und Kissler vergessen, ist jedoch, dass wir in einer säkularen Gesellschaft leben, in der Staat und Kirche getrennt sind. Die Regierung eines säkularen Staates hat daher kein Recht, Gesetze zu erlassen, die auf explizit religiösen Annahmen basieren. Denn die Verbindlichkeit eines Gesetzes, das auf bestimmten Glaubensannahmen beruht, würde zu recht von all den Bürgern, die diesen Glauben nicht teilen, sogleich in Frage gestellt."

    Das ist eine ganz wichtige Aussage und auch zwingende Voraussetzung für die Einhaltung der Menschenrechte.

    Martin Huhns Kommentar dazu - Menschen mit einem christlichen Weltbild könnten sich so nicht in die Gesetzgebung einbringen - ist so nicht richtig. Ein Weltbild haben wir ja alle - es können sich schon alle in die Gesetzgebung einbringen. Nur darf die Gesetzgebung keine Gebote oder Verbote beinhalten, die einer Menschengruppe mit einem speziellen Weltbild ein Verhalten nach einem anderen Weltbild vorschreiben. Bezogen auf die Fortpflanzung dürfte es genauso wenig ein Gesetz geben, das dem Atheisten Präimplantationsdiagnostik in begründeten Fällen (damit meine ich jetzt die, die das Bundesverfassungsgericht zugelassen hat) verbietet, genauso wenig wie es ein Gesetz geben darf, das Christen bzw. auch alle anderen, die keine PID wünschen, vorschreibt, diese durchführen zu lassen.

    Das ist eine Frage, die auch durch keine Mehrheitsentscheidung beantwortet werden darf. Überall dort, wo es verschiedene religiöse /weltanschauliche Standpunkte gibt, sollte das Gesetz so ausgelegt sein, dass jeder nach seinem Weltbild handeln darf. - Dies natürlich nur, soweit er keinem anderen schadet bzw. soweit er keinem anderen sein eigenes Weltbild aufzwingt.

  56. Jürgen Bolt Nicht zu vergessen: ein paar Fragen
    25.08.2010, 08:10

    "Nicht zu vergessen all die ungenutzten Ei- und Samenzellen… ;-)"

    Und nicht zu vergessen all die befruchteten Eizellen, die spontan und von den Müttern unbemerkt in der frühen Embryonalphase verloren gehen. Das sind geschätzte 50% aller befruchteten Eizellen, d.h. auf jedes lebend geborene Kind kommt eine 'Totgeburt' (Nach: Sadler: Medizinische Embryologie).

    Wenn man ein ethisches Problem mit Schwangerschaftsabbrüchen hat, müßte man dann nicht auch eines mit diesen verlorenen Zygoten haben? Wenn Zygoten besselte Menschen sind, müßte man sie dann nicht genauso wie andere Totgeburten behandeln?

    Und da die katholische Kirche sich dafür nicht engagiert: geht es ihr wirklich um das ungeborene Leben? Oder doch eher darum, daß Frauen ihre Mütterpflichten zu erfüllen haben?

  57. remis @Edgar Dahl: Bitte um Klarstellung
    25.08.2010, 09:56

    Sehr geehrter Herr Dahl,

    im vorletzten Absatz ihres Artikels unterstellen sie infertile Paare würden ein Recht auf ein eigenes Kind einfordern ("[...] zu haben meinen").

    Derartige Behauptungen das infertile Paare das Recht auf ein eigenes Kind beanspruchen, habe ich von diesen selber jedenfalls noch nie gehört. Was auch vollkommen absurd wäre! Dieses Argument kenne ich als der männl. Teil eines infertilen Paare immer nur als eine Unterstellung der Gegner reproduktionsmedizinischer Techniken. Das tun nur Diskutanten, die erfahrungsgemäß meist mit Halbwahrheiten und Unwahrheiten argumentieren - sei es vorsätzlich oder weil sie Fakten nicht interessieren, da sie der eigenen Argumentationskette widersprächen

    Das passt dann jedoch nicht mehr mit dem letzten Absatz zusammen, es sei denn sie bedienen sich hier eines rhetorischen Stilmittels und nehmen zunächst Sichtweise der Gegner reproduktionsmedizinischer Methoden ein um dann im nächsten Absatz diese Absurdität zu widerlegen. Aber wirklich klar wird zumindest mir nicht welchen Standpunkt bezüglich infertiler Paare sie haben.

    Ich will jedenfalls nur eine anständige reproduktionsmedizinische Versorgung und die gibt es in Deutschland derzeit nicht bzw. nur gegen sehr viel Geld.

    siehe auch:
    http://www.wunschkinder.net/...gesundes-kind-4327/

  58. Sascha Bohnenkamp @bolt
    25.08.2010, 11:49

    "Und da die katholische Kirche sich dafür nicht engagiert: geht es ihr wirklich um das ungeborene Leben? Oder doch eher darum, daß Frauen ihre Mütterpflichten zu erfüllen haben?"

    Vermutlich sind die "Totgeburten" ja gottgewollt und deswegen kein Problem, der darf ja soviel abtreiben wie er will, aber wenn der Mensch ein Ei mehr verwirft versündigt er sich natülich und kommt in die Hölle.

  59. Edgar Dahl @ - remis: Klarstellung
    25.08.2010, 13:47

    Menschen haben ein Recht darauf, sich fortzupflanzen. Wenn einige Menschen infertil sind und sich nur mit Hilfe reproduktionsmedizinischer Technologien fortpflanzen können, haben sie ein Recht darauf, diese Technologien in Anspruch zu nehmen - seien es nun die Samenspende, die Eizellspende, die Embryonenadoption, die intrauterine Insemination, die IVF, ICSI oder auch das Klonen.

    Dass infertile Paare das Recht haben, reproduktionsmedizinische Technologien in Anspruch zu nehmen, bedeutet allerdings nicht, dass sie auch einen kostenlosen Zugang zu ihnen haben sollten.

    Wer für die Kosten einer reproduktionsmedizinischen Behandlung aufkommen sollte, ist eine andere Frage, über deren Beantwortung ich mir noch nicht im Klaren bin. Als "Libertarian" neige ich dazu, zu sagen, dass nicht der Steuerzahler, sondern die infertilen Paare selbst für die Behandlungskosten aufkommen sollten. Aber darüber kann man lange diskutieren.

    Ist meine Position nun etwas klarer?

  60. remis @Edgar Dahl
    25.08.2010, 16:35

    Schade, auf meine eigentlich Frage sind sie nicht eingegangen.
    Es gibt ganz klar keine Forderung infertiler Paare nach einem Recht auf ein Kind. Jeder der sich als Betroffener mit der Thematik beschäftigt weiß, daß es solch ein Recht auch gar nicht geben kann - genauso wenig wie sich eine x-beliebige Zahl durch 0 teilen lässt. Daher würde auch nie ein Betroffener, der weiß, daß Zwei plus Zwei Vier ergibt eine solche Forderung stellen. Es handelt sich nach meiner Überzeugung hierbei um einen massiven Widerspruch den nur jemand aufstellen kann, der das Thema nicht zu Ende gedacht hat.

    Eigentlich wollte ich gar nicht groß auf die Kostenschiene aber da wir da nun schon einmal sind:
    Niemand käme auf die Idee die Kosten für anderen Krankheiten (wie z.B. Krebs, Schlaganfall, Beinbruch, ...) - und Infertilität ist eine Krankheit - zu einem großen Teil den Betroffenen aufzubürden. Der Unterschied ist, von der Behandlung eines todkranken Menschen profitiert die Gesellschaft nicht (wirtschaftlich betrachtet). Er verursacht nur immense Kosten (ein Vielfaches von dem was eine reproduktionsmedizinische Behandlung kostet) - mal ganz davon abgesehen, daß es ethisch zweifelsohne vollkommen indiskutabel wäre eine Behandlung zu verweigern.

    Dagegen ist eine reproduktionsmedizinische Behandlung aus meiner Überzeugung sowohl aus ethischen als auch aus wirtschaftlichen Gründen geboten. Die gesellschaftlichen Kosten sind negativ. Soll heißen ein KiWu-Kind bringt gesamtgesellschaftlich einen unglaublichen Wert mit sich. Hier ist also auch eine gesellschaftliche Verantwortung unbedingt vorhanden - oder ist die Gesellschaft dann auch bereit auf den geschaffenen Mehrwert zu verzichten? Sicher nicht!

    Belege? Bitte:
    http://www.wunschkinder.net/...0-pro-ivf-kind-610/
    http://www.wunschkinder.net/...eld-einbringt-4244/

    Sie dürfen sich auch die Kommentare zu den Beiträgen ansehen. Die Frustration und Verärgerung ob der fehlenden gesellschaftlichen Unterstützung durch die große Masse der Normalreproduzierer ist enorm.

  61. Edgar Dahl @ - remis: Klarstellung
    26.08.2010, 08:33

    Sie schrieben:

    "Schade, auf meine eigentliche Frage sind Sie nicht eingegangen."

    Nun, Ihr Kommentar enthielt auch keine explizite Frage. Ich weiß daher nach wie nicht genau, was ich eigentlich klarstellen soll.

    Was das "Recht auf ein Kind" angeht, so sind wir uns offenbar einig - eines solches Recht gibt es nicht.

    Ich glaube, Sie haben hinzugefügt, dass auch kein Kinderwunschpaar den Anspruch erhebt, ein Recht auf ein eigenes Kind zu haben. Glaube ich Ihnen gerne!

    Mein Eindruck ist, dass sich die Gegner der PID, insbesondere Regine Kollek, Sigried Graumann und Hille Haker, das so genannte "Recht auf ein gesundes Kind" aus den Fingern gesogen haben, um ihre weltanschaulichen Gegner diskreditieren zu können.

    Was die Kostenfrage betrifft, so kenne ich die Kalkulationen, wonach der Staat unterm Strich Gewinn machen würde, wenn er wieder drei IVF-Zyklen finanzieren würde. Diese Rechnung geht wahrscheinlich aber auch nur auf, wenn man gleichzeitig das ESchG lockert und eine Selektion von Embryonen erlaubt, um die "Baby-Take-Home"-Rate zu erhöhen.

    In welchem Punkt, meinen Sie, dass wir verschiedener Ansicht sind?

  62. Edgar Dahl @ - remis: Klarstellung
    26.08.2010, 08:33

    Sie schrieben:

    "Schade, auf meine eigentliche Frage sind Sie nicht eingegangen."

    Nun, Ihr Kommentar enthielt auch keine explizite Frage. Ich weiß daher nach wie nicht genau, was ich eigentlich klarstellen soll.

    Was das "Recht auf ein Kind" angeht, so sind wir uns offenbar einig - eines solches Recht gibt es nicht.

    Ich glaube, Sie haben hinzugefügt, dass auch kein Kinderwunschpaar den Anspruch erhebt, ein Recht auf ein eigenes Kind zu haben. Glaube ich Ihnen gerne!

    Mein Eindruck ist, dass sich die Gegner der PID, insbesondere Regine Kollek, Sigried Graumann und Hille Haker, das so genannte "Recht auf ein gesundes Kind" aus den Fingern gesogen haben, um ihre weltanschaulichen Gegner diskreditieren zu können.

    Was die Kostenfrage betrifft, so kenne ich die Kalkulationen, wonach der Staat unterm Strich Gewinn machen würde, wenn er wieder drei IVF-Zyklen finanzieren würde. Diese Rechnung geht wahrscheinlich aber auch nur auf, wenn man gleichzeitig das ESchG lockert und eine Selektion von Embryonen erlaubt, um die "Baby-Take-Home"-Rate zu erhöhen.

    In welchem Punkt, meinen Sie, dass wir verschiedener Ansicht sind?

  63. Beate T. @Edgar:
    26.08.2010, 22:09

    Hängt deine Positionierung, eher sollten die betroffenen Paare selbst ihre Behandlung bezahlen als der Steuerzahler, damit zusammen, dass du sowieso "im Prinzip nur Abwehrrechte, nicht aber Anspruchsrechte für begründbar" hältst? Damit hätte dann allerdings auch niemand einen Anspruch, überhaupt Hilfe im Krankheitsfall zu erhalten oder gar bezahlt zu bekommen.

    Klar ist so ein Anspruch kein Naturgesetz. Wenn man sich aber als humane und soziale Gesellschaft bezeichnen will, dann sollte man den Mitgliedern der Gesellschaft soziale Ansprüche zubilligen.

    Du schreibst: "Diese Rechnung geht wahrscheinlich aber auch nur auf, wenn man gleichzeitig das ESchG lockert und eine Selektion von Embryonen erlaubt, um die "Baby-Take-Home"-Rate zu erhöhen."

    Das sehe ich angesichts der vorhandenen Daten nicht so. Das rechnet sich auch schon mehrfach ohne eine Änderung des ESchG, wobei sich die Wirtschaftlichkeit - ganz neben dem sozialen Gewinn - natürlich NOCH mehr steigern würde, wenn des ESchG den eSET ermöglichen würde und damit der Anteil der Mehrlingsschwangerschaften deutlich gesenkt werden könnte.

  64. Edgar Dahl @ - Beate T.: Finanzierung
    29.08.2010, 11:38

    Liebe Beate, schön, mal wieder von Dir zu hören. Schön auch zu wissen, dass sich die Investition in die IVF schon jetzt rechne.

    Das einzige Problem, dass ich mit der Finanzierung durch den Steuerzahler habe, ist, dass ich es für ungerechtfertigt halte, Leute für Leistungen zur Kasse zu bitten, die sie aus weltanschaulichen Gründen ablehnen. So wie es nicht angeht, dass Du und ich für die Pension von Mixa zahlen, geht es nicht an, dass Christen für Abtreibungen und die künstliche Befruchtung aufkommen.

    Herzliche Grüße

    Edgar

  65. Beate T. @Edgar: Finanzierung
    29.08.2010, 23:42

    Das dürfte allerdings kein Problem sein, Edgar. Streichen wir den Kirchen die 20 Mrd. Euro, die sie jährlich aus der Staatskasse kassieren (-> Frerk: "Finanzen und Vermögen der Kirchen in Deutschland"), dann sollte genug Geld da sein, um davon assistierte Befruchtungen, jährlich so um die 200 Mio. Euro, zu bezahlen. :-)

    Allerdings dürfte das wirklich sehr schwer zu managen sein, dass jeder nur die Leistungen im Solidarsystem mit zahlt, die er selbst aufgrund seiner Weltanschauung mittragen kann. Letztlich läßt sich das auch nicht so genau trennen. Nach meinen Beobachtungen sind weit mehr als die Hälfte der Paare in Kinderwunschbehandlung vom Christentum mehr oder weniger überzeugt, lassen aber trotzdem jede Art der Kinderwunschbehandlung durchführen.

    Und wenn manche Paare aus religiöser Überzeugung mehr Kinder als der Durchschnitt bekommen, dann wäre DAS z.B. auch kein Grund, dass ich mich im Solidarsystem weidern würde, die Kosten für diese Kinder mit zu übernehmen. Und die zusätzlichen Kosten, die hartgesottene religiöse Menschen verursachen, weil sie trotz schlimmsten Leidens keine Sterbehilfe (auch keine passive) in Anspruch nehmen wollen, würde ich denen auch nicht anrechnen. Das ist einfach ihr Recht, da sie nach ihrem Weltbild leben dürfen. Das erkenne ich religiösen Menschen im Solidarsystem an. Wofür ich aber auch erwarte, selbst nach meinem Weltbild angemessene Sozialeistungen zu erhalten.

  66. Edgar Dahl @ - Beate T.: Versicherung
    30.08.2010, 14:07

    "Das dürfte allerdings kein Problem sein, Edgar. Streichen wir den Kirchen die 20 Mrd. Euro, die sie jährlich aus der Staatskasse kassieren (-> Frerk: "Finanzen und Vermögen der Kirchen in Deutschland"), dann sollte genug Geld da sein, um davon assistierte Befruchtungen, jährlich so um die 200 Mio. Euro, zu bezahlen. :-)"

    Diesen Vorschlag würden sicher nicht nur Kinderwunschpaare unterschreiben.

    Nach dem Libertarianismus sollte es eigentlich nur eine staatlich finanzierte, medizinische Grundversorgung geben - eine Versicherung für Leib und Leben. Für alles, was darüber hinaus geht, sollten sich die Menschen privat versichern.

    Aber wann immer es um konkrete ökonomische Fragen geht, halte ich mich aus der Diskussion lieber heraus und überlasse das den Experten. Anders als Politiker würde ich jedenfalls keine Vorschläge machen, die zwar den Beifall der Mehrheit finden, aber letztlich gar nicht finanzierbar sind.

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