Inspiriert, gebildet und verbunden...

01. Juli 2011, 16:27 by Teilnehmer

Josef Zens: Was fragt man die Wissenschaftlerinnen und den Wissenschaftler am Ende des Meetings – wie  war’s? Ich hab es mit dem Claim der Tagung probiert: Fühlt ihr euch educated, inspired und connected?

Sandra vom Deutschen Rheumaforschungszentrum fühlte sich „total inspired“. Sie fand vor allem die Bandbreite der Personen beeindruckend. Es gab ganz unterschiedliche wissenschaftliche Charaktere, jeder mit eigenen Idealen. Und in ganz bestimmten Personen findet man sich und seine eigenen Vorstellungen dann wieder, sagte sie mir. Und wer war es bei ihr? Harold Kroto, Entdecker der Fullerene. Sein Rat an die Nachwuchsleute: Schielt nicht auf Preise und Auszeichnungen, sondern erforscht, was euch wirklich interessiert und was euch Spaß macht! In Sandras Fall sind das beispielsweise bestimmte Plasmazellen, von denen es Gute und Böse gibt. Die Guten (protektiven) schützen den Körper vor Infektionen, beispielsweise bei einer Impfung. Die Bösen (autoreaktiven) rufen Autoimmunerkrankungen – zu denen auch Rheuma gehört – hervor. Sandra versucht, die einen von den anderen zu unterscheiden, was trotz modernster bildgebender Verfahren bislang nahezu unmöglich ist.

Coraline vom Leibniz-Institut für Neurobiologie fand Elizabeth Blackburn, Spezialistin für Telomerase, besonders inspirierend, weil sie durch ihr Vorbild und durch ihre Rede zum Auftakt des Meetings vor allem Frauen motiviert habe, eine Karriere in der Wissenschaft zu verfolgen. Coraline ist Spezialistin für bildgebende Verfahren; sie sieht dem Hirn gewissermaßen beim Arbeiten zu, indem sie funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRI) und andere Methoden nutzt. Sie untersucht damit insbesondere Patienten mit Depressionen.

Tabitha vom Leibniz-Institut für Primatenforschung – Deutsches Primatenzentrum untersucht die Evolution der Sprache, indem sie akustische Kommunikation bei Affen studiert. Sie war besonders von Ada Yonath angetan. Und Henrik Mei vom DRFZ hatte sich Christian de Duve (Jahrgang 1917!) ausgesucht, der am Ende seines Plenarvortrags mit Ovationen im Stehen gefeiert wurde. Henrik kommentierte: Die inspirierendsten Momente bei der Tagung hatten nicht zwingend mit Wissenschaft zu tun. Henrik befasst sich am DRFZ wie Sandra auch mit den guten und bösen Zellen, nur untersucht er Gewebeproben von Patienten, während Sandra mit Mausmodellen arbeitet.

Als ich nach „educated“ fragte, zögerten alle erst, aber dann kam heraus, dass für alle der Wert weniger im wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn bei der Tagung lag, sondern vielmehr im Erfahren, wie ihre Vorbilder Wissenschaft betrieben haben, welche Tipps sie hatten für den Laboralltag und den Umgang mit Problemen.

Connected fanden sich alle ebenfalls, erneut weniger fachspezifisch, sondern mehr, wie Coraline sagte, wissenschaftsspezifisch: Man trifft hier Leute, die alle einen ähnlichen Life Style pflegen, die in ihrer Wissenschaft aufgehen.

Was könnte man besser machen? Das Teilnehmer-Verzeichnis als PDF verteilen oder zum Download bereithalten, sagte Henrik. Denn dann könnte man per Volltextsuche Leute ausfindig machen, die an ähnlichen Problemen arbeiten - und sich am Anfang der Tagung bereits "connecten". Die Sitzungen der Forschungsgesellschaften fanden unsere Wissenschaftler auch zu organisationsspezifisch. Lieber wären ihnen am Anfang der Woche fachspezifische kleinere Sitzungen oder Seminare gewesen, bei denen man dann Leute treffen könnte, die sich für die gleichen Dinge interessieren. Henrik: Mit denen könnte man sich an den anderen Tagen intensiver austauschen, weil man sich eben schon kennt.

Außerdem hätte sich Coraline noch Teilnehmer gewünscht, die weniger lebens- und naturwissenschaftlich orientiert sind, vor allem aus dem Feld der Sozial- und Wirtschaftswissensachaften: Gerade wenn wir über Gesundheit und Krankheiten reden, müssen wir doch die sozioökonomischen Hintergründe betrachten, sagte Coraline. Aber als Fazit meinte sie, sie habe zwei ganz wichtige Botschaften mitgenommen: Do what you love. And if you have an idea, go for it!


Josef Zens Copyright Guido RottmannJosef Zens (46) ist Wissenschaftskommunikator aus Leidenschaft, Journalist in seiner Lebensauffassung und im Hauptberuf verbindet er beides als Pressesprecher der Leibniz-Gemeinschaft. Er engagiert sich als Lehrbeauftragter fuer die Ausbildung von Journalisten und Kommunikatoren. (picture credit: Guido Rottmann)

 

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