Josef Zens: Was fragt man die Wissenschaftlerinnen und den Wissenschaftler am
Ende des Meetings – wie war’s? Ich hab es mit dem Claim der Tagung
probiert: Fühlt ihr euch educated, inspired und connected?
Sandra vom Deutschen Rheumaforschungszentrum fühlte sich „total inspired“. Sie fand vor allem die Bandbreite der
Personen beeindruckend. Es gab ganz unterschiedliche wissenschaftliche
Charaktere, jeder mit eigenen Idealen. Und in ganz bestimmten Personen
findet man sich und seine eigenen Vorstellungen dann wieder, sagte sie
mir. Und wer war es bei ihr? Harold Kroto, Entdecker der Fullerene. Sein
Rat an die Nachwuchsleute: Schielt nicht auf Preise und Auszeichnungen,
sondern erforscht, was euch wirklich interessiert und was euch Spaß
macht! In Sandras Fall sind das beispielsweise bestimmte Plasmazellen,
von denen es Gute und Böse gibt. Die Guten (protektiven) schützen den
Körper vor Infektionen, beispielsweise bei einer Impfung. Die Bösen
(autoreaktiven) rufen Autoimmunerkrankungen – zu denen auch Rheuma
gehört – hervor. Sandra versucht, die einen von den anderen zu
unterscheiden, was trotz modernster bildgebender Verfahren bislang
nahezu unmöglich ist.
Coraline vom Leibniz-Institut für Neurobiologie fand Elizabeth Blackburn, Spezialistin für Telomerase, besonders
inspirierend, weil sie durch ihr Vorbild und durch ihre Rede zum Auftakt
des Meetings vor allem Frauen motiviert habe, eine Karriere in der
Wissenschaft zu verfolgen. Coraline ist Spezialistin für bildgebende
Verfahren; sie sieht dem Hirn gewissermaßen beim Arbeiten zu, indem sie
funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRI) und andere Methoden nutzt.
Sie untersucht damit insbesondere Patienten mit Depressionen.
Tabitha vom Leibniz-Institut für Primatenforschung – Deutsches Primatenzentrum
untersucht die Evolution der Sprache, indem sie akustische
Kommunikation bei Affen studiert. Sie war besonders von Ada Yonath
angetan. Und Henrik Mei
vom DRFZ hatte sich Christian de Duve (Jahrgang 1917!) ausgesucht, der
am Ende seines Plenarvortrags mit Ovationen im Stehen gefeiert wurde.
Henrik kommentierte: Die inspirierendsten Momente bei der Tagung hatten
nicht zwingend mit Wissenschaft zu tun. Henrik befasst sich am DRFZ wie
Sandra auch mit den guten und bösen Zellen, nur untersucht er
Gewebeproben von Patienten, während Sandra mit Mausmodellen arbeitet.
Als ich nach „educated“ fragte, zögerten alle erst, aber dann kam
heraus, dass für alle der Wert weniger im wissenschaftlichen
Erkenntnisgewinn bei der Tagung lag, sondern vielmehr im Erfahren, wie
ihre Vorbilder Wissenschaft betrieben haben, welche Tipps sie hatten für
den Laboralltag und den Umgang mit Problemen.
Connected fanden sich alle ebenfalls, erneut weniger fachspezifisch,
sondern mehr, wie Coraline sagte, wissenschaftsspezifisch: Man trifft
hier Leute, die alle einen ähnlichen Life Style pflegen, die in ihrer
Wissenschaft aufgehen.
Was könnte man besser machen? Das Teilnehmer-Verzeichnis als PDF
verteilen oder zum Download bereithalten, sagte Henrik. Denn dann könnte
man per Volltextsuche Leute ausfindig machen, die an ähnlichen
Problemen arbeiten - und sich am Anfang der Tagung bereits "connecten".
Die Sitzungen der Forschungsgesellschaften fanden unsere Wissenschaftler
auch zu organisationsspezifisch. Lieber wären ihnen am Anfang der Woche
fachspezifische kleinere Sitzungen oder Seminare gewesen, bei denen man
dann Leute treffen könnte, die sich für die gleichen Dinge
interessieren. Henrik: Mit denen könnte man sich an den anderen Tagen
intensiver austauschen, weil man sich eben schon kennt.
Außerdem hätte sich Coraline noch Teilnehmer gewünscht, die weniger
lebens- und naturwissenschaftlich orientiert sind, vor allem aus dem
Feld der Sozial- und Wirtschaftswissensachaften: Gerade wenn wir über
Gesundheit und Krankheiten reden, müssen wir doch die sozioökonomischen
Hintergründe betrachten, sagte Coraline. Aber als Fazit meinte sie, sie
habe zwei ganz wichtige Botschaften mitgenommen: Do what you love. And
if you have an idea, go for it!
Josef Zens (46) ist Wissenschaftskommunikator aus Leidenschaft,
Journalist in seiner Lebensauffassung und im Hauptberuf verbindet er
beides als Pressesprecher der Leibniz-Gemeinschaft. Er engagiert sich
als Lehrbeauftragter fuer die Ausbildung von Journalisten und
Kommunikatoren. (picture credit: Guido Rottmann)






01. Juli 2011, 16:27 by Teilnehmer