Die Kunst der Wissenschaft

03. Juli 2011, 11:48 by Marcus Jahnel

Es ist die alte Frage nach der Quelle der Kreativität. Woher kommen unsere Ideen? Keiner weiß das so genau, aber einen besonderen Einfluss der Künste auf erfolgreiche Wissenschaftler ist deutlich zu erkennen. Albert Einstein spielte leidenschaftlich Geige, Werner Heisenberg Klavier, und Richard Feynman Bongos im brasilianischen Karneval. Heutige Laureaten stehen dem in nichts nach: Sir Harry Kroko gestaltet Logos und Poster, und Thomas Steitz spielt Saxofon. Warum?

Antwort liefert vielleicht folgendes Phänomen, von vielen Nobelpreisträgern an sich selbst beobachtet: Die besten Ideen zur Lösung eines Problems kommen manchmal nicht, wenn man sich verkrampft mit diesem beschäftigt, sondern während der oft vergessenen Entspannungsphasen - beim Zeichnen, auf dem Rad, in der Dusche, bei bei der Musik. Und die Musik spielt hier anscheinend eine besondere Rolle.

Dieser Logik folgend wurden am Mittwoch Abend eine Menge spannender Ideen produziert. Die Voraussetzungen zur Entspannung waren bestens! Alle jungen Wissenschaftler, elegant herausgeputzt, und einige Nobelpreisträger mit Begleitung, wurden für 1 1/2 Stunden in die Welt der Kunst entführt. Das Stadttheater Lindau hatte geladen, Kammermusik von Schostakowitsch und Mendelssohn-Bartholdy standen auf dem Programm.

Der junge Schostakowitsch am Anfang war für einige Nachwuchswissenschaftler noch etwas schwer zu verdauen - Dissonanzen überwiegen, Konflikte sind offenbar. Aber das ist am Anfang einer Wissenschaftskarriere ja selten anders. Richtig ansprechend, man möchte mit Hoffnung sagen "inspirierend", fanden viele aber das unglaublich kraftvolle Streichoktett von Felix Mendelssohn-Bartholdy (Op. 20 für die Interessierten). Da kam Begeisterung auf, da wurde gleich nach jedem Satz geklatscht.

Fantastisch interpretiert wurde das ganze Konzert von ausgesuchten Solisten des Verbier Festival in der Schweiz. Die acht Musiker waren ebenso international besetzt wie die Lindauer Konferenz; sie kommen aus Amerika, China, Israel, Usbekistan und der Schweiz. Und sie hatten Spaß! Trotz sichtbarer Anstrengung musikalischer Höchstleistung, huschte ihnen oft ein Lächeln über's Gesicht. Den Nachwuchswissenschaftlern auch! Gelungener Abend. Falls sich also die Gelegenheit ergibt, unbedingt anhören! Und natürlich - ob nun Wissenschaftler oder nicht - inspirieren lassen! 

Ein Rat noch von den Nobelpreisträgern an uns junge Wissenschaftler: "Richtig gute Ideen sind essentiell. Aber dann müsst ihr auch die Experimente machen, um sie zu prüfen!". Also zurück ins Labor...
 

Nachtrag: Dieser Beitrag wurde schon am vergangenen Donnerstag geschrieben. Da die Techniker der Inselhalle aber früh die komplette Infrastruktur für das Internet abbauen mussten - wohl um sich auf die Gaudi des Bayrischen Abends vorzubereiten - konnte er erst heute online gehen. Den acht fantastischen jungen Musikern, Olga Polonsky, Asaf Maoz, Etien Meneri, Aurélie Matthey, Anton Jivaev, Miriam Manasherov, Ben Hildner, und Mi Zhou sollte hier aber noch einmal herzlich gedankt werden!!! 

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