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Der Mythos von der "drohenden Eiszeit"

04. Januar 2012, 23:15

Letzten Monat hatte die wissenschaftliche Blogosphäre ihre Solidarität mit dem Klimaforscher und Blogger Stefan Rahmstorf erklärt. Markus Pössel hat die Geschichte im Einzelnen sehr anschaulich zerpflückt (mit zweitem Teil).

Das Medien oftmals wissenschaftliche Erkenntnisse, über die sie berichten, bis zur Unkenntlichkeit verändern, dafür gibt es viele Beispiele. Und natürlich ist meist nicht Absicht im Spiel, sondern der Versuch, komplexe Dinge möglichst einfach und allgemeinverständlich darzustellen. Hinzu kommt, dass nur wenige Journalisten aus dem Fach sind, über das sie berichten. Daher mag es manchmal auch schwer fallen, wenn es, wie in der Klimadebatte (die interessanter Weise weniger eine echte Debatte ist, als eine Scheindebatte, aber das soll hier nicht stören), zwei oder mehrere widerstreitende Meinungen gibt, ohne dass man auf die Schnelle entscheiden kann, welche denn die "Richtige" wäre. » weiter

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Rappende Klimawissenschaftler

01. August 2011, 19:56

In der Debatte um den Klimawandel kann man ja oft einen vielstimmigen Chor hören. Auffällig ist dabei, dass echte Klimaforscher dabei viel zu selten selber zu Wort kommen. OK, nebenan in der Klimalounge kann man sie finden, die Klimaforscher. Und wer Augen hat, zu lesen, der kann ihren Arguimenten auch folgen. Aber leider scheint die Welt das nicht sonderlich zur Kenntnis zu nehmen. Es sind, wie so oft, diejenigen, die am lautesten Schreien, die man dann am Meisten hört. Das gilt natürlich besonders für die Medien. Nicht umsonst wird sich in der Klimalounge sehr oft mitt den irreführenden Meldungen zum Thema Klimawandel beschäftigt.  » weiter

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Der Sauerstoff in der Erdatmosphäre

24. März 2011, 23:43

Eines der Dinge, welches unsere gute alte Erde von allen anderen Planeten des Sonnensystems unterscheidet, ist die sauerstoffhaltige Atmosphäre. Der heutige Gehalt an Sauerstoff von rund 21 % wird durch komplizierte physikalische, biologische, chemische und geologische Wechselwirkungen kontrolliert. Das wir überhaupt Sauerstoff in unserer Atmosphäre haben, ist den Pflanzen den Cyanobakterien und später auch den Pflanzen zu verdanken. Bevor die Photosynthese entwickelt wurde, kam Sauerstoff nur in geringen Spuren in der Atmosphäre vor. Den größten Teil der Geschichte der Erde war Sauerstoff also kaum vorhanden.

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Niederschläge im Winter

09. Februar 2011, 21:28

Dieser Winter hat uns ja mal wieder die volle Bandbreite der winterlichen Niederschläge gezeigt. Von Regen über Graupel und Schneeregen bis Schnee war alles dabei. Sogar Blitzeis hat die Straßen und Fußwege oft regelrecht unpassierbar gemacht. Jede dieser Niederschlagsformen hängt sowohl von der Lufttemperatur als auch von der Bodentemperatur ab. Die Zutaten für ein anständiges Winterwetter wären kalte Temperaturen unter dem Gefrierpunkt sowohl in den Wolken als auch am Boden.

Schnee

Schneefall

(Image NOAA NSSL, verändert)

Den Anfang macht meist Schnee, der sich in der Höhe bildet. Hier hat ein winziger Kristallkeim, zum Beispiel Staub oder Pflanzenpollen, dazu geführt, dass etwas Luftfeuchtigkeit als Eis an ihm auskristallisiert. Unser kleines Staubkorn wird mit einer dünnen Eisschicht überzogen, die Schneeflocke beginnt zu wachsen. Dabei arrangieren sich die Wassermoleküle so, dass eine hexagonale Struktur entsteht. Das bedeutet, die Eiskristalle haben grob gesagt eine sechseckige Form. Das kann man gut an mikroskopischen Aufnahmen von Schneeflocken erkennen. Während unsere Schneeflocke langsam wächst, gewinnt sie gleichzeitig an Gewicht und beginnt, in der Luft abzusinken. Trifft sie während ihres Weges zur Erde auf feuchte Luft, so werden weitere Wassermoleküle angelagert, unser Eiskristall wird also weiterwachsen und größer werden. Da jede Schneeflocke auf ihrem Weg unterschiedliche Bedingungen antrifft, werden sie auch auf unterschiedliche Weise weiterwachsen. Daher ist jede Schneeflocke auch von den anderen zu unterscheiden, auch wenn die Grundregeln, nach denen sich die Wassermoleküle anlagern, für alle Schneeflocken gleich sind. So entstehen bei bestimmten Luftfeuchtigkeits- und Temperaturbedingungen Eiskristalle mit langen spitzen Nadeln, bei anderen hingegen größere Kristallflächen. Ob unsere Schneeflocke aber den Boden auch als Schneeflocke erreicht, hängt von davon ab, ob es auch auf ihrem weiteren Weg kalt genug ist.

Plate XIX of "Studies among the Snow Crystals ... " by Wilson Bentley, "The Snowflake Man." From Annual Summary of the "Monthly Weather Review" for 1902.

Graupel

(Image NOAA NSSL, verändert)

Wenn unser Schnee auf seinem Weg von der Wolke zum Boden durch eine wärmere Luftschicht muss, dann schmelzen sie teilweise auf. Wenn dann in tieferen Luftschichten wieder ausreichend kältere Temperaturen herrschen, gefrieren die geschmolzenen Schneeflocken zu kleinen rundlichen Pellets und bilden Graupel.

 

Gefrierender Regen

Blitzeis

(Image NOAA NSSL, verändert) 

Ist die wärmere Luftschicht dick genug ist, schmelzen die Schneeflocken komplett auf. Liegt unter der wärmeren Luftschicht eine dünne Schicht mit frostigen Temperaturen, dann reicht die Zeit nicht mehr aus, um zu gefrieren bevor sie den Boden erreichen. Diese unterkühlten Tropfen werden dann beim Kontakt mit Gegenständen, die selber eine Temperatur von 0° oder kälter haben, gefrieren. Dabei bildet sich dann eine Eisschicht, das so genannte Blitzeis, um Äste, Stromleitungen oder auf Straßen und Gehwegen.



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Schneesturm über Amerika

03. Februar 2011, 17:55

Außergewöhnliche Wetterereignisse sind zur Zeit anscheinened nicht Mangelware. Nebenan in der Klimalounge beschreibt Bloggerkollege Stefan Rahmstorf gerade den Zyklon Yasi, der die ohnehin von Überflutungen getroffene Ostküste Australiens trifft. 

 Schneesturm über Nordamerika

 Satellitenbild des Schneesturmes vom 1. Februar 2011, wie ihn NOAA-NASA GOES 13 sah. Image Credit: NASA

Auch auf der anderen Seite der Welt, in Nordamerika geht es meteorologisch ziemlich Rund. Anfang Februar erlebten die Menschen in Nordamerika das, was der Nationale Wetterdienst als „Wintersturm mit historischen Ausmaßen“ bezeichnete. Und das in einer ohnehin an Schneestürmen reichen Saison. Dieser hier aber hatte es wohl wirklich in sich: Mit extrem viel Schnee, Eis, gefrierender Regen und sehr viel Wind wurde fast ein Drittel der USA abgedeckt. Die obige Aufnahme stammt aus der Animation unten, welche zeigt, wie sich das Sturmtief entwickelt und anschließend über Nordamerika hinwegbewegt. So sah der Sturm am 1. Februar 4.31 pm Eastern Time aus. Sein Durchmesser auf der Aufnahme beträgt rund 2000 Kilometer von Ost nach West. Kalte arktische Luft aus Kanada traf auf feuchte und warme Luft aus der Golfregion. Zuerst bildeten sich starke Wolken über New Mexico und Texas, kurz darauf entwickelte sich das Sturmtief sich weiter, wuchs bewegte sich in Richtung Nordost. Als der erste Februar zu Ende ging, erinnerte der Sturm an ein gewaltiges Komma, welches von den Neuengland Staaten bis in den mittleren Westen reichte. In mindestens 21 Staaten wurden Schneehöhen von mindestens 13 Zentimetern erreicht. In Wisconsin, Illinois, Missouri und Oklahoma wurde der Notstand ausgerufen.  

Die Animation unten stammt ebenfalls von den Bildern des NOAA-NASA GOES 13Satellliten über den Zeitram vom31. Januar bis zum 2. Feebruar 2011.

 



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Wurde in den 70´er Jahren wirklich von einer globalen Abkühlung geredet?

17. Januar 2011, 16:04

In den Debatten um den globalen Klimawandel wird von den so genannten "Klimaskeptikern" ja gerne das Argument vorgebracht, dass noch in den 1970´er Jahren die meisten (!) Klimaforscher von einer globalen Abkühlung ausgingen. Und sie wollen damit sagen, dass die Klimaforscher ihr Mäntelchen eben gerne nach dem Wind hängen und selber nicht wissen, was sie morgen sagen werden. Das kurze Video von Peter Sinclair beleuchtet diese steile These und zeigt, dass diese Sichtweise nichts anderes als ein Mythos ist. Das sich einige populäre Medien auf die „Eiszeit“ stürzten, ist kein Beleg dafür, dass die Mehrheit der Klimaforscher zu diesem Zeitpunkt in irgendeiner Weise von einer globalen Abkühlung ausgegangen ist. Das zeigt sehr gut eine Studie, die 2008 im Bulletin of the American Metorological Society erschienen ist. Dazu wurden 71 wissenschaftliche Publikationen zum Thema Klimawandel der Jahre 1965 bis 1979 untersucht. 7 Arbeiten sagten tatsächlich eine Abkühlung voraus, 20 waren sich hinsichtlich des zukünftigen Klimas nicht sicher genug und blieben neutral. Die große Mehrheit, 44 an der Zahl, sagten auch damals schon eine wärmere Zukunft voraus. Und wenn wir schon bei der Popkultur sind, auch dort hat sich die Sicht der Wissenschaftler hinsichtlich des Treibhauseffekts niedergeschlagen. Ich möchte hier nur auf den Film Jahr 2022… die überleben wollen (Originaltitel: Soylent Green) von 1973 hinweisen, wo dieses Thema auch zur Sprache kommt. Dass sich in den 70´er Jahren im Spiegel und ähnlichen Medien gerne die Eiszeit thematisiert sah, sagt also nichts über die Sichtweise der Wissenschaftler oder über den Stand der Wissenschaft zu dem Zeitpunkt aus. Es sagt aber sehr wohl etwas über den Stand des „Qualitätsjournalismus“ zu der Zeit aus, und über die selektive Wahrnehmung mancher Klimaleugner. 



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Was uns bibbern lässt #2

06. Januar 2011, 22:43

ResearchBlogging.org

Den aktuell recht kernigen Winter hatte ich hier ja auch schon einmal zum Thema. Die kalten Winter werden ja gerne von so manchem der so genannten Klimaskeptiker gerne als Widerlegung des vom Menschen verursachten Klimawandels gesehen. Dabei übersehen sie nicht nur, dass ein oder auch mehrere kalte Winter in einer Ecke der Welt den globalen Klimawandel kaum repräsentieren, wenn es in anderen Gegenden außergewöhnlich warm ist. So wie im Dezember 2010 zwar Teile Nordamerikas und auch Mitteleuropas unter einem (eigentlich gar nicht mal so hartem) Winter stöhnten, waren Teile des östlichen Kanadas, Neufundlands und südlichen Grönlands hingegen ungewöhnlich warm für die Jahreszeit. Global gesehen war es auf unserem Planeten sogar immer noch wärmer als im Durchschnitt.

Und es gibt ja auch Zusammenhänge. Es kann durchaus in Teilen der Arktis wärmer werden, und im Gegenzug uns dann härtere Winter blühen. Ein gutes Beispiel, wie die Vorgänge und der Klimawandel im Norden uns hier auch betreffen, zeigt ein Paper von Petoukhov und Semenov vom 5. November 2010. Dazu wurde sich ein Teil des arktischen Meeres angeschaut, die Barents-Kara-See, und verschiedene winterliche Bedeckungsgrade mit Meereis dieses Seegebietes in ein Zirkulationsmodell eingegeben. Ihnen war nämlich aufgefallen, dass der in Nordasien und Mitteleuropa recht harte Winter 2005-2006 mit ungewöhnlich warmen Temperaturen und geringer Meereisbedeckung der Barents-Kara-See einherging. Vermutlich war das auch für die kalten Winter 2009 – 2010 -2011 der Fall, aber diese Werte sind noch nicht in die Simulationen eingegangen. Verringerte sich die Bedeckung mit Meereis von 80 – 100 % auf 80 – 40 %, so hatte das dramatische Auswirkungen. Es zeigte sich dabei, dass eine Erwärmung der Barents-Kara-See nicht nur dort das Meereis schmelzen ließ, sondern dass sich dadurch auch eine starke, antizyklonale (Hochdruck) Strömung über der Arktis bildet, die gleichzeitig kalte arktische Luft bis nach Mitteleuropa transportiert.

  Meereisbedeckung und Luftströmung

Die durchschnittlichen Lufttemperaturen an der Erdoberfläche (oben) und die 850 hPa Strömungsanomalien bei verschiedenen Bedeckungsgraden der Barents-Kara-See mit Eis. Die für uns Mitteleuropäer interessante Region ist rot markiert. Nach Petoukhov und Semenov (2010), verändert.

Dabei steigt die Wahrscheinlichkeit für extrem kalte Winter auf das dreifache. Nahm das Meereis noch weiter ab und verschwand schließlich ganz, kehrte die Zirkulation weitgehend wieder auf die Werte der hohen Meereis Bedeckung zurück. Die Abkühlung für Europa findet also wohl nur bei teilweise bedecktem Meer in der Barents-Kara-See statt. Um den Grund hierfür zu verstehen, besteht noch weiterer Forschungsbedarf.

Auf jeden Fall wichtig ist die Feststellung von Petoukhov und Semenov:

Our results imply that several recent severe winters do not conflict the global warming picture but rather supplement it, being in qualitative agreement with the simulated large-scale atmospheric circulation realignment.

Unsere Ergebnisse zeigen, dass (auch) mehrere strenge Winter nicht im Widerspruch zum Bild der globalen Erwärmung stehen, sondern im Gegensatz dieses noch unterstützen, sie (die strengen Winter) stimmen überein mit den simulierten großräumigen Neuordnungen der atmosphärischen Strömungen (Übersetzung Ries).

Es ist sicher interessant zu sehen, wie sich das Meereis in diesem Jahr und in den nächsten Jahren verhält, und welchen Einfluss man auf die Luftströmungen messen kann. Auffällig ist doch, dass auch für die aktuellen Winter eine sehr niedrige Bedeckung mit Meereis in der Arktis festgestellt wurde.

Meereisbedeckung

Die Daten des National Snow Ice Data Center (NSIDC) zeigen an, dass das arktische Meereis dieses Jahr einen erneuten Tiefststand erreicht hat und nur noch 12 Milllionen Quadratkilometer bedeckt. das ist gegenüber dem vorherigen negativrekord eine erneute Abnahme um 270,000 Quadratkilometer.

NOAA/NSIDC: December Arctic Sea Ice Lowest on Record - AGU Blogosphere

V. Petoukhov, & V. A. Semenov. (2010). A link between reduced Barents-Kara sea ice and cold winter extremes over northern continents. Journal of Geophysical Research, 115 : 10.1029/2009JD013568.

Der Artikel ist als .pdf unter http://eprints.ifm-geomar.de/8738/ zu finden.

 



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Stammt der Anstieg des Kohlendioxids in der Atmosphäre wirklich vom Menschen?

23. Dezember 2010, 21:04

Woher wissen wir eigentlich, dass das ganze zusätzliche Kohlendioxid, welches wir Jahr für Jahr in der Atmosphäre messen und das wir für den globalen Klimawandel verantwortlich machen, von unseren menschlichen Aktivitäten stammt? Das sind die Fragen, welche uns gerne von so genannten Klimaskeptikern (sie sind allzu oft eigentlich nur an der Verneinung des menschengemachten Klimawandels interessiert, was sie von echten Skeptikern unterscheidet) gestellt werden. Es könnten doch auch andere Quellen für das ganze Kohlendioxid verantwortlich sein, Vulkane beispielsweise. Richard Alley hat in dem Video eine ebenso einfache wie einleuchtende Erklärung. Wir können die Menge der bisher verbrannten fossilen Energieträger wie Kohle und Erdöl recht gut abschätzen. Und somit wissen wir auch, wieviel zusätzliches Kohlendioxid unsere Aktivitäten in die Atmosphäre beförderten und noch befördern. Und genau dieses Kohlendioxid ist es, das wir in der Atmosphäre und im Meerwasser messen können. Vulkane haben daran nur einen sehr geringen Anteil, rund 1-2 %. Und natürlich würde der Eintrag über Vulkane auch keinen Sauerstoff verbrauchen, so wie es das verbrennen von Kohle und Erdöl tut. Der Sauerstoffgehalt der Atmosphäre würde sich also, wenn nur die Vulkane daran beteiligt wären, nicht ändern. Da es aber das Verbrennen fossiler Rohstoffe ist, sinkt der Sauerstoffgehalt der Atmosphäre parallel zum Anstieg des Kohlendioxidgehalts. Ein deutlicher Hinweis, dass hier Menschen am Werk sind, die das Klima unseres Planeten manipulieren. Wir alle nämlich.



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Was uns bibbern lässt - Der Dezember 2010

21. Dezember 2010, 00:20

Dieser Dezember scheint irgendwie das Versprechen für einen echten Winter einlösen zu wollen, zumindest hier in Europa, aber auch in weiten Teilen der Vereinigten Staaten. Und prompt kommt es dabei auch zu den bekannten Begleiterscheinungen wie ausgefallenen Zügen, verschneiten Straßen und verspäteten Zügen. Früher war alles besser, möchten manche Zeitgenossen da gerne sagen. Aber die Zeit verklärt eben so manches, und in früheren Zeiten waren wir, beziehungsweise unsere Zivilisation auch nicht so verwundbar, weil wir noch nicht so auf die fein abgestimmte Mobilität gesetzt hatten (siehe dazu auch den Spiegelfechter). Aber bevor ich mich jetzt hier in die Nostalgie des gestern verliere: Im Vergleich mit den letzten Jahren war der Dezember bisher wirklich recht kühl. Das zeigt auch die Abbildung, welche die Temperaturanomalie für den Zeitraum vom 3. bis zum 10. Dezember 2010 angibt, verglichen mit den Durchschnittstemperaturen desselben Zeitraums im Dezember 2002 bis 2009.

Arctic Oszillation

 Legende zur arctic oszillation

Die Messungen stammen vom Moderate Resolution Imaging Spectroradiometer (MODIS) des Aqua-Satelliten. Und bei der Betrachtung wird auch schon deutlich, dass alleine die kalten Temperaturen hier bei uns noch keine Widerlegung des prognostizierten globalen Klimawandels sind. Denn auch wenn Nordeuropa genauso wie Teile der USA deutlich zu kalt ist, zeigen andere Gebiete wie Neufundland, das nördliche Kanada und das südliche Grönland eine positive Temperaturanomalie. Dort ist es also wärmer als im selben Zeitraum der Jahre 2002 bis 2009. Diese Temperaturverteilung geht auf die sogenannte Arktische Oszillation zurück. Sie beruht auf dem Gegensatz zwischen dem niedrigeren Luftdruck in den arktischen und dem höheren Luftdruck der mittleren Breiten auf der Nordhalbkugel und hat dementsprechend einen hohen Einfluss auf das Winterwetter hier bei uns im Norden. Ist der Unterschied im Luftdruck nur schwach ausgeprägt, nennt man das die negative Phase. Dann kann kalte Luft aus der Arktis weit in Richtung Süden vordringen, während im Gegenzug warme Luft in den Norden fließt. Zurzeit ist die Arktische Oszillation ebenso wie im Dezember 2009 negativ. Nicht nur in Europa dringt zurzeit kalte Luft weit in den Süden vor, auch in den östlichen USA wurden Schulen und Straßen aufgrund der Witterungsverhältnisse geschlossen. Im Bereich des Mittleren Westens der USA kann man auch die Kältesignatur eines Schneesturmes erkennen. Hingegen herrschen in Teilen Grönlands, Kanadas und Neufundlands ungewöhnlich warme Temperaturen. Dort dringt warme Luft weit in den Norden vor. Man sollte also nicht die lokale Kälte hier in Mitteleuropa mit einem Ende oder gar einer Widerlegung des Klimawandels verwechseln, wie es manche gerne tun. Insgesamt war das Jahr 2010 nämlich recht warm. Die Monate April, Juli und November brachen sogar den Wärmerekord für den entsprechenden Monat seit 1880. Und wir sollten auch nicht die extreme Hitzewelle in Russland vergessen, die uns im Sommer 2010 so beschäftigt hat.



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Der Sommer 2010

18. Oktober 2010, 21:14






Hierzulande war der Sommer, abgesehen von einer kurzen und heißen Periode, eigentlich nicht besonders durch seine Wärme aufgefallen. Dagegen haben die ausgeprägten Hitzewellen im westlichen und östlichen Europa lange Zeit die Schlagzeilen beherrscht. Auf der anderen Seite des Atlantiks hat ein sehr warmer Juli in den östlichen Vereinigten Staaten die Stromnetze stark belastet. In wieweit stehen diese Hitzewellen mit dem Klimawandel im Zusammenhang? Und wie warm war der Sommer 2010 überhaupt?

Die beiden Weltkarten vom Goddard Institute for Space Studies (GISS) zeigen die Abweichungen der Temperaturen für den Zeitraum Juni bis August des Jahres 2010 bzw. 2009 von den Durchschnittstemperaturen der Jahre 1951 bis 1980. Dabei stehen die roten Farbtöne für wärmere Temperaturen und die blauen für kühlere.

Global betrachtet war das Jahr 2010 das viertwärmste Jahr in den Aufzeichnungen des GISS, während 2009 das zweitwärmste gewesen ist. Die geringere Temperatur des Jahres 2010 geht zu einem Teil darauf zurück, dass eine moderate La Niña einen moderaten El Niño ersetzte. Daher zeigen sich in der Temperaturverteilung für das Jahr 2010 an den deutlich kühleren Temperaturen an der Westküste des amerikanischen Doppelkontinents. Auch in der Antarktis waren große Teile deutlich kühler als im letzten Jahr. Dazu im deutlichen Kontrast stehen extrem hohe Temperaturanomalien auf der antarktischen Halbinsel. Dort war es ungewöhnlich warm in diesem Jahr.

Ebenso auffällig ist die hohe Temperatur im Bereich im westlichen Russland, wo im Sommer große Waldbrände große Gebiete verwüsteten und die Menschen bedrohten. Wie problematisch es beim Klima sein kann, sich einzelne Regionen und kurze Zeiträume herauszusuchen, zeigte sich auch in diesem Jahr. Ungewöhnlich hohe Temperaturen in Nordamerika und Eurasien im Sommer erschienen vielen, als wenn die globale Erwärmung jetzt richtig zuschlagen wolle. Im vorhergehenden, ungewöhnlich kühlen Winter traten naturgemäß die Klimaskeptiker auf den Plan. Es ist leider immer wieder zu beobachten, dass die Bevölkerung lokale Temperaturanomalien mit langzeitlichen globalen Trends gleichsetzt. Die Aussagefähigkeit dieser lokalen Anomalien über globale Trends ist aber recht begrenzt.

Nehmen wir die Hitzewelle in Russland, die alles übertraf, was seit 1880 beobachtet wurde. Kann die globale Erwärmung auch für diese Anomalie verantwortlich gemacht werden? Die Antwort ist schwer zu geben. Man kann die Frage aber auch ein klein wenig umstellen. Wäre so etwas wie die Moskauer Hitzewelle auch möglich in einer Welt, in der die Kohlendioxid-Level auf dem Stand von vor der Industrialisierung stehen geblieben wären? James Hansen vom NASA’s Goddard Institute for Space Studies (GISS) gibt die Antwort: „Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht.“ Denn mit zunehmender globaler Temperatur wird die Anzahl und die Frequenz der Temperaturanomalien stark zunehmen. Mit anderen Worten: Ohne die globale Erwärmung wäre eine so starke Hitzewelle wie dieses Jahr in der Region um Moskau zwar nicht unmöglich, aber sie wäre ein extrem unwahrscheinliches Ereignis.

Und wie warm war 2010 im Vergleich mit anderen Jahren. Der bisherige Rekordhalter, 2005, zeigte während der letzten vier Monate extrem hohe Temperaturen. Wie sich das Jahr 2010 weiter entwickelt, ist dagegen noch unklar. Die wärmste 12-Monats Periode wurde 2010 bereits in den Sommermonaten erreicht.



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