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Das Leben ist kein Ponyhof #6 - Auch im Jura nicht (Flugsaurier und Fische)

08. März 2012, 22:20

Man stelle sich einfach einmal vor, man sei ein kleiner Flugsaurier zur Zeit des Jura. Während das Land von den Dinosauriern beherrscht wird, schwingt man sich in die Lüfte und fliegt hinaus auf das Meer, wo man sich einen leckeren Fischimbiss einverleiben möchte. Und kaum hat man einen leckeren kleinen Happen ergattert, springt einen so ein großer Raubfisch an und reißt einen in das Meer. Genau das sehen wir hier quasi in Stein gemeißelt. Ein Rhamphorhynchus und ein Raubfisch der Gattung Aspidorhynchus (der mit seinem spitzen Maul ungefähr einem heutigen Hornhecht ähnlich sah) sind vereint im Tod.  » weiter

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Microraptor, ein Vogelräuber?

21. November 2011, 23:00

Manchmal ist das Glück den Paläontologen wirklich hold, und sie bekommen Fossilien in die Finger, welche ihnen weit mehr erzählen als andere. Ein gutes Beispiel ist der Fund der sogenannten "kämpfenden Dinosaurier". Häufiger als Szenen sind versteinerte Reste der letzten Mahlzeit des betreffenden fossilen Tieres. Dadurch erhalten wir interessante Einblicke in die Jäger - Beute Beziehungen. So konnte man aufgrund versteinberter Reste im Inneren von Sinosauropteryx darauf schliessen, dass dieser sich von kleinen Säugetieren und Eidechsen ernährte. Aber die Säugetiere waren zur Zeit der Dinosaurier nicht nur die Opfer, wie man bei Untersuchungen von Repenomamus, einem Säugetier der unteren Kreidezeit, feststellen musste. Dessen fossiler Mageninhalt zeigte neben den Knochen kleinerer Säugetiere auch Reste junger Psittacosaurier.  » weiter

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Paläopedanterie - Jurassic Park und der Velociraptor

26. Januar 2011, 14:32

Wohl jeder an Paläontologie und Dinosauriern interessierte hat einen oder gar mehrere Filme der „Jurassic Park“ Reihe gesehen. Und den meisten dürfte inzwischen bekannt sein, dass die dort dargestellten menschenfressenden Raubsaurier vom Typ Velociraptor etwas zu groß geraten sind. Ich habe das ja auch gerade erst wieder in meinem Blogbeitrag zum Thema Ernährung der Velociraptoren erwähnt, und in der anschließenden Diskussion erwähnte Michael Khan, dass die im Film dargestellten Raptoren vielmehr Deinonychus ähneln würden. Das stimmt. Aber die Frage ist, warum wurde aus den kleinen, knapp 15 kg schweren Velociraptor mit einer Länge von rund 2 Metern und einer Hüfthöhe von nur 50 Zentimetern ein Raubsaurier, der ihm mit seinen 3,4 Metern Länge, 87 Zentimetern Hüfthöhe und einem Kampfgewicht von 73 so sehr ähnelt, wie ein Pitbull einem Kleinpudel. War es der eingängigere Name? Gerne kommt dann die Behauptung, dass Hollywood schlicht ein möglichst eindrucksvolles Monster schaffen wollte, als Gegenspieler für die Helden. Bislang hätte ich dem ja glatt zugestimmt. Aber im Rahmen der Diskussion zu meinem Velociraptor-Artikel stieß ich auf ein altes Posting von Brian Switek, der ein klein wenig neues Licht in die Sache brachte.

 

Velociraptor im Größenvergleich mit einem Menschen. Wikimedia, User Dinoguy2, CC-by-2.5.

 Deinonychus im Größenvergleich mit einem Menschen. Wikimedia, User Dinoguy2, CC-by-2.5.

Darin geht es um die Art und Weise, wie Paläontologen ihren Funden Namen geben, und dass die Namen sich im laufe der Zeit ändern können, wenn sich beispielsweise herausstellt, dass der Name bereits für ein anderes Lebewesen vergeben ist, oder wenn das selbe Lebewesen bereits unter einem anderen Namen beschrieben wurde. Meist erfolgen die Umbenennungen lautlos und von der Öffentlichkeit unbemerkt. Manchmal aber bekommt man es selbst als Laie mit. So erging es jüngst dem miozänen Riesenkillerwal, dessen ursprünglicher Name bereits vergeben war. Und darum ist der beliebte Brontosaurier auch in den Paläontologiebüchern als Apatosaurus zu finden. Besonders interessant wird es, wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass Jugend- und Erwachsenenform eines Lebewesens als zwei unterschiedliche Arten bekannt sind. In diesem Fall zählt dann der ältere Name, und der jüngere gerät ins Vergessen. Vergleiche die Geschichte vom Triceratops und Torosaurus (obwohl es jüngst wieder Zweifel an der Geschichte gibt).
Zurück zu unseren Velociraptoren. Die Gattung Velociraptor wurde zuerst 1920 beschrieben, und zwar der kleine Velociraptor mongoliensis. Deinonychus hingegen ist seit 1960 bekannt, wenn der Paläontologe John Ostrom ein sichelklauenbewehrtes Skelett eines Raubsauriers aus Nordamerika beschrieb. Der Fund machte deutlich, dass die bisherige Sichtweise der Dinosaurier als träge Biester kaum haltbar war. Deinonychus schien deutlich agiler zu sein, auf zwei schnellen Laufbeinen und einem langen Schwanz, um die Balance zu halten. Diese neue Sichtweise der Dinosaurier als agile, mehr den heutigen Vögeln als den Eidechsen ähnelnde Lebewesen inspirierte den Autoren des Buches populären "Predatory Dinosaurs of the World" von 1988, Gregory S. Paul. In dem Werk stellte er die Dinosaurier als agile und aktive Jäger dar. Nicht nur das, er mischte sich auch in die Taxonomie ein. Ihm war die große Ähnlichkeit der Skelette des mongolischen Velociraptor und des nordamerikanischen Deinonychus aufgefallen. Ihre Ähnlichkeit erschien ihm groß genug, beide Arten unter der Bezeichnung Velociraptor zusammenzufassen. Der ältere Name sollte wie üblich hier für beide gelten.
Das Problem war, das die Paläontologen ihm hier nicht folgen wollten und Velociraptor getrennt von Deinonychus bleiben sollte. Da aber das Buch von Paul in der Öffentlichkeit eine große Verbreitung besaß, gingen diese Feinheiten meist unter. Unter den vielen Lesern des Buches war auch Michael Crichton, der Paul in seiner Danksagung zu seinem Buch unter den Leuten auflistete, die ihn zu der Geschichte inspiriert hatten. Und in der Geschichte von Crichton taucht ein Velociraptor als großes, sichelklauenbewehrtes, menschenaufschlitzendes Monster auf. Dieselbe Taxonomie wurde dann auch auf die Filmreihe übertragen.
Was für Hinweise gibt es außerdem, dass Crichton hier nicht einfach seine eigene künstlerische Freiheit ein klein wenig ausnutzte? Da wäre einmal noch das Bonusmaterial der DVDs, beispielsweise zum Film Jurassic Park III. Hier sagt der das Filmteam beratende (und als Vorbild für den im Film dargestellten Paläontologen dienende) Jack Horner aus, das es erst jüngst gelungen ist, einen gut erhaltenen Schädel von Velociraptor zu bergen. Das ist aber, historisch betrachtet, so nicht richtig. Vielmehr war es ein gut erhaltener Schädel von Velociraptor, welcher zur ersten Beschreibung der Art diente, und das war 1920. Bei Deinonychus hingegen hat sich die Rekonstruktion des Schädels in der jüngeren Zeit verändert, weil erst jetzt gut erhaltene Schädel dieser Art gefunden wurden. Es ist also möglich, dass hier zwar Deinonychus gemeint war, man aber den populäreren Namen Velociraptor beibehielt, um das Publikum nicht zu verwirren.



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Velociraptor-Futter

13. Januar 2011, 16:01

ResearchBlogging.org Velociraptor. Alleine schon der Name dieses Sauriers scheint für Angst und Schrecken zu stehen. Sein Name leitet sich vom lateinischen velox für schnell und raptor für Räuber her. Er soll also ein schneller Räuber gewesen sein. Und dann noch die Bewaffnung! Die zweite Zehe seines Hinterfußes zierte große, sichelförmige Kralle, mit deren Hilfe er seine Beute aufschlitzen konnte. Und spätestens seit dem Filmen der Jurassic Park-Reihe wissen wir, dass der Velociraptor nicht nur hochintelligent war, sondern auch liebend gerne verirrte Touristen und verrückte Wissenschaftler fraß. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass diese Beute in der Kreidezeit sicher vergleichsweise selten war, und daher muss unser Velociraptor wohl oder übel etwas anderes gefressen haben. Hinzu kommt noch, dass die Velociraptoren in den Filmen nicht viel mit den echten Velociraptoren gemein haben. Das fängt schon bei der Größe an. Ein richtiger Velociraptor war, neben einigen anatomischen Veränderungen im Bereich der Schnauze (die wahrscheinliche Befiederung war zum Zeitpunkt des Drehs noch nicht bekannt), viel kleiner als die im Film. Denn aus dramaturgischen Gründen wurden sie dort recht groß dargestellt (obwohl es so große Raptoren durchaus gab, zum Beispiel den Utahraptor). Und ob ihre Intelligenz wirklich so groß war, wie im Film behauptet, halte ich auch für fraglich. Ihr Hirnvolumen spricht eigentlich dagegen.

 

Größenvergleich von Velociraptor mongoliensis und einem Menschen. Wikimedia, User Dinoguy2, CC-by-2.5.

Kommen wir zurück auf die Frage, wovon sie sich denn nun damals in der Kreidezeit eigentlich ernährten. Erste Hinweise auf ihre Beute gab es bereits seit 1971, als eine polnisch-mongolische Expedition einen spektakulären Fund machte. Sie fanden, fossil überliefert, einen (vermeintlichen?) Kampf zwischen einen Velociraptor mongoliensis und einem Protoceratops andrewsi. Die linke Vorderhand des Velociraptors befindet sich hinter dem Wangenhorn des Protoceratops, der selber anscheinend den rechten Unterarm des Velociraptors mit seinem Schnabel festhält. Der linke Fuß des Velociraptors ist mit nach unten gerichteter Sichelkralle in der Halsregion des Protoceratops, während das rechte Bein unter diesem begraben ist. Vermutlich hat der Velociraptor entgegen der populären Annahme seine Krallen nicht zum aufschlitzen verwendet, sondern mit ihrer Hilfe gezielt die Luftröhre oder die Halsschlagadern seiner Opfer durchstochen. Die Sedimente, in die Opfer und Jäger eingebettet waren, stammen von Sanddünen. Beide Tiere können also direkt während oder kurz nach dem Kampf von den Sanden, beispielsweise während eines Sturmes, begraben worden sein.

 Die "kämpfenden Dinosaurier". Wikimedie, User Dinoguy2 CC-by-2.5.

 Künstlerische Darstellung des Kampfes zwischen Velociraptor und Protoceratops. Wikimedia, Raul Martin, CC-by-2.5.

In den Jahren 2008 und 2009 fanden sich weitere Hinweise in der Bayan Mandahu Formation in der Inneren Mongolei, dass Protoceratops zur regelmäßigen Beute des Velociraptor zählte. Ein Stück Kieferknochen von Hornsauriern sowie Zähne, die möglicherweise zu Velociraptor gehören. Bissmarken an den Kieferknochen erklärten auch, warum die Überreste in so einem schlechten Zustand waren. Mindestens acht Protoceratops-Knochen zeigten eindeutige Spuren von Zähnen. Darunter waren flache Rillen und zwei tiefe Löcher. Ein Knochen zeigte Bissspuren auf beiden Seiten. Hier hatte ein Velociraptor-ähnlicher Dinosaurier sich an den Überresten eines Protoceratops oder nahen Verwandten gütlich getan. Es wird aus den Überresten allerdings nicht deutlich, ob der Raptor seine Beute aktiv vorher getötet hat, oder er sich hier von Aas ernährt hat. Denn die Bissspuren wurden mit guter Wahrscheinlichkeit einen längeren Zeitraum nach dem Tod des Hornsauriers erzeugt. Von einem frisch erlegten Beutetier hätte ein Jäger sicher zuerst bessere Teile gefressen als ausgerechnet die Kieferknochen. Zumal wenn seine Zähne, wie die des Velociraptor, nicht zum zermalmen von Knochen geeignet waren. Es war also vermutlich ein sehr hungriger Velociraptor, der hier eine karge Mahlzeit von einem Kadaver nahm, an dem ansonsten wohl nicht mehr viel dran war.

Hone, D., Choiniere, J., Sullivan, C., Xu, X., Pittman, M., & Tan, Q. (2010). New evidence for a trophic relationship between the dinosaurs Velociraptor and Protoceratops Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology, 291 (3-4), 488-492 DOI: 10.1016/j.palaeo.2010.03.028

 



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Triceratops - die Jugendform des Torosaurus?

03. August 2010, 16:05

  ResearchBlogging.org
 Das ist eine fürchterliche Meldung, die durch die Presse und Blogosphäre rauscht. Einer der bekanntesten Dinosaurier, der Triceratops, soll das Schicksal des Brontosaurus teilen. Denn nach einem Paper der Paläontologen Scanella und Horner soll es sich bei Triceratops um junge Torosaurier handeln. Damit würde angeblich einer der bekanntesten Dinosaurier auf einmal keine eigenständige Art mehr darstellen. Bei genauerem Hinsehen ist der Triceratops allerdings nicht in Gefahr. Beide Arten, sowohl der Triceratops als auch der Torosaurus wurden vom selben Paläontologen beschrieben, von Othniel Charles Marsh. Der Triceratops bereits 1889 und der Torosaurus erst zwei Jahre später, nämlich 1891. Damit wäre dann, den Regeln der Nomenklatur folgend, der Triceratops der ältere Name und damit der gültige Artname. Verschwinden würde der Torosaurus.
 
 
Torosaurus, Lebendrekonstruktion. Wikipedia, User Arthur WeaslyCC-Lizenz
 

Triceratops, Lebendrekonstruktion. Wikipedia, User Arthur WeaslyCC-Lizenz

Die ursprüngliche Unterteilung in die zwei Arten basiert hauptsächlich auf der Tatsache, dass beim Triceratops der Nackenschild kurz und weitgehend geschlossen ist und einen gesägten Rand aufweist. Beim Torosaurus hingegen, der ansonsten wohl wirklich wie ein großer Bruder des Triceratops ausgesehen hat, ist der langgestreckt und hat Öffnungen, daher auch sein Artname, der sich vom griechischen toreo = durchbohrt herleitet. Ansonsten ähneln sich beide Dinosaurier sehr, sie haben beide drei Hörner, die allerdings in einem etwas anderen Winkel zueinander stehen.
Scanella und Horner gehen nach dem Studium von 29 verschiedenen Triceratops-Schädeln und 9 Torosaurus-Schädeln davon aus, dass beim Triceratops mit dem älter werden auch der Nackenschild wächst, dünner und schließlich durchbrochen wird, während er seinen gesägten Rand verliert. Und dass sich mit der Morphologie des wachsenden Schädels eben auch der Winkel der charakteristischen Hörner zueinander verändert. Die Triceratops-Schädel in der Studie waren zwischen 50 cm und 2 m lang. Durch abzählen der Anwachslinien an den Knochen lässt sich das Alter des betreffenden Sauriers abschätzen. Die Schädel der Triceratops hätten demnach von juvenilen bis jungen erwachsenen Exemplaren gehört. Bei den 9 Torosaurus-Schädeln hingegen stammten alle von ausgewachsenen Exemplaren, mit einer Länge zwischen 2 und 3 m. Juvenile Exemplare sind von ihm soweit nicht bekannt. Augenfällig sei beim ältesten Triceratops in der Studie eine Verdünnung des Nackenschildes an ausgerechnet den Stellen, an denen der Torosaurus seine Löcher im Nackenschild aufweist.
 
 
Zeichnung eines Torosaurus-Schädels.  Nach William Diller Matthew (1871-1930), Wikipedia.
 
Schädel eines Triceratops,  University of California, Berkeley. Wikipedia, User EncycloPetey CC-Lizenz
 
Die Veränderungen in der äußeren Form sind möglich, weil das Knochengewebe im Nackenschild und in den Hörnern schwammartig aufgebaut und von vielen Blutgefäßen versorgt ist. Ein vergleichbares Modell in der heutigen Tierwelt wäre der Kasuar, bei dem sich auf dem Schädel der erwachsenen Vögel ein helmartiger Knochenaufwuchs bildet.
Das bedeutet auch, dass der Nackenschild wohl keine reine defensive Aufgabe hatte. So wie es in den B-Filmen gerne dargestellt wird, wenn der übliche Zweikampf zwischen einem T-rex und dem Triceratops darin gipfelt, dass der tödliche Nackenbiss des Raubsauriers am Nackenschild abprallt. Bei dem schwammartigen Knochenaufbau und der Versorgung mit Blutgefäßen dürfte das für den Horndinosaurier kaum besonders wünschenswert gewesen sein.
Scanella und Horner gehen treffender Weise dann auch davon aus, dass der Nackenschild mehr der artspezifischen Kommunikation gedient haben könnte.
 
 
Hypothetischer Kampf zwischen Tyrannosaurus und Triceratops. Bei der Pose des T-rex hätten seine Beinknochen vom Körper getrennt sein müssen. Tim Bekaert 1997, Public Domain.
 
Die Studie zeigt deutlich die Probleme, denen sich Paläontologen gegenübersehen, wenn sie Arten beschreiben. Meist bekommen sie ja noch nicht einmal das komplette Skelett auf den Tisch, sondern nur Teile. Unterscheiden sie sich signifikant in ihrer Form, dann werden sie gerne auch unterschiedlichen Arten zugeschrieben. Heutige Zoologen haben es da in einem Punkt leichter. Sie können neben den meist kompletten Skeletten eben auch die Weichteile studieren und das Tier in seiner natürlichen Umgebung beobachten. Wie sieht es als Jungtier aus? Wie unterscheiden sich Männchen und Weibchen? Bei einem ausgeprägten Gechlechtsdimorphismus kann es in der Paläontologie durchaus schnell zu zwei unterschiedlich benannten Arten kommen, was normalerweise Männchen und Weibchen wären. Das gleiche gilt für Spezies, bei denen die Jungtiere und Jugendformen sich deutlich von den adulten Formen unterscheiden, eben nicht einfach nur Miniaturausgaben darstellen. Triceratops steht unter den Dinosauriern da auch nicht alleine. So steht der Nanotyrannus durchaus im begründeten Verdacht, ein junger Tyrannosaurus rex zu sein. Und jüngst machten zwei andere Dinosaurier, Dracorex und Stygimoloch schlagzeilen, als in einer Studie von Horner und Goodwin der Verdacht aufkam, dass es sich hier ebenfalls um jugendliche Pachycephalosaurier handeln könnte. Der Verdacht konnte sich nur erhärten, weil es sich bei diesen Dinosauriern um Arten handelt, von denen wir vergleichsweise viel fossiles Material von Exemplaren unterschiedlicher Lebensalter besitzen. Nur so lassen sich auch graduelle Änderungen während des Wachstums verfolgen. Es ist daher anzunehmen, dass sich auch in Zukunft noch herausstellen kann, dass zwei in unterschiedlich Arten geführte Formen zu ein und der selben Art gehörten.
 
 
 

John B. Scannella; John R. Horner (2010). Torosaurus Marsh, 1891, is Triceratops Marsh, 1889 (Ceratopsidae: Chasmosaurinae): synonymy through ontogeny Journal of Vertebrate Paleontology, 30 (4), 1157-1168 : DOI 10.1080/02724634.2010.483632

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Die Kreide-Tertiär Katatstrophe: Gab es Überlebende?

07. Mai 2010, 22:19

Das Ende der Kreidezeit wurde nach landläufiger Meinung mit einem Knalleffekt eingeläutet. Ein rund 10 Kilometer großer Asteroid schlug in der Weltgegend ein, welche heute als Halbinsel Yukatan bekannt ist. Die Folgen dieser Katastrophe haben dann die Ökosysteme weltweit schwer geschädigt und ein gewaltiges Massensterben ausgelöst. Leider wird in den Medien meist nur über den Asteroideneinschlag berichtet, Katastrophen sind nun einmal sexy. Und wenn, wie jüngst, 41 Wissenschaftler explizit darlegen, dass nur der Chicxulub-Impakt die Dinosaurier ausgelöscht haben könne. Da war dann angeblich wieder alles sonnenklar. Dabei sind meiner Meinung nach noch immer viele Probleme der „ein Einschlag und weg“- These nicht vollständig gelöst. So beispielsweise die Tatsache, dass der Einschlag zwar verheerende Folgen auch für die Insektenfauna Nordamerikas gehabt hat, diese aber in Europa vergleichsweise gut über die Krise gekommen sei. So hat sich ein Team um den Bonner Paläontologen Torsten Wappler die Insektenfauna in Europa in der fraglichen Zeit um und nach der Katastrophe angeschaut. Und dort keine gravierenden Auswirkungen finden können. Vermutlich hingen die direkten Auswirkungen der Katastrophe auf die betreffenden Ökosysteme auch von der Entfernung zum Einschlagsort ab. Im Vergleich mit Fundstellen derselben Zeit in Amerika zeigte sich nicht nur ein geringerer Rückgang herbivorer Insektenarten in Europa, sondern auch eine deutlich schnellere Erholung der Ökosysteme. Aber auch das ging in die Millionen Jahre. In Europa brauchte die Artenvielfalt der Insekten rund 5 Millionen Jahre und damit halb so lange wie in Amerika, um wieder den Stand vor der Katastrophe zu erreichen. Wie passt das zur Hypothese eines infernalischen Weltunterganges, aus dem es für die Dinosaurier kein Morgen mehr gab? Außerdem scheint der Einschlag und die Kreide-Tertiär-Grenze möglicherweise nicht so zeitgleich (1,2,) gewesen zu sein, wie man es gerne hätte. Ins Spiel gebracht werden dann gerne auch der Dekkan-Vulkanismus und mehrere zeitnahe Einschläge. Beispielsweise wird dann ein weiterer, noch gigantischer (aber bislang immer noch unbelegter) Einschlag vor Indien auf den Tisch gelegt. Der Krater "Shiva soll mindestens 500 Kilometer Durchmesser haben.
Aber auch das Zusammenwirken aller möglichen Ursachen muss sich in den damaligen Ökosystemen nachweisen lassen.
Schon vor einiger Zeit fand ich einen Artikel des Paläontologen James Fassett im Geological Society Special Paper. (Fassett 2002) über Dinosaurier, die möglicherweise die Katastrophe(n) am Ende der Kreidezeit überlebt und noch einige Zeit im beginnenden Tertiär gelebt haben. Das schien mir damals als ein Anzeichen dafür, dass es für das Aussterben der Dinosaurier nicht nur eine einzelne Ursache gegeben hat, sei sie auch als Katastrophe noch so gewaltig.
Bereits 1983 wurde ein großer Knochen eines Dinosauriers in dem Sandstein gefunden. Der Knochen wurde geborgen und befindet sich heute im Geologischen Museum der Universität von New Mexico in Albuquerque. Wie sich herausstellte, handelt es sich bei dem 1310 mm langen und bis 370 mm mächtigen Knochen um den rechten Oberschenkelknochen eines Hadrosauriers. Alles in allem macht der Knochen einen erstaunlich gut erhaltenen Eindruck, sogar die einzelnen Ansätze für Muskeln sind erkennbar. Soweit, so gut. Dank des Saurierknochens erkannte man die Ojo Alamo Sandsteine als kreidezeitlich. Zumindest solange, bis man eine Pollenanalyse des Sandsteins am Fundort machte. Dabei fanden sich rund drei Meter unterhalb des Knochenfundorts Pollen, die eindeutig ein tertiäres Alter des Gesteins belegen. Ein einzelner Knochen eines kreidezeitlichen Tieres in Gesteinen des Tertiärs indes belegt nicht viel. So kann der Knochen ja auch nach dem Tod des Tieres eingebettet, und dieses Gestein der Kreidezeit anschließend im Tertiär erneut aufgearbeitet worden sein. Das allerdings erschien dem Team um James Fassett unwahrscheinlich. Immerhin war der Knochen nicht nur in bemerkenswert gutem Zustand, er wurde auch 15 m oberhalb der Grenze von Kreide zum Tertiär gefunden. Und die Grenze des Ojo Alamo Sandsteins zur darunterliegenden kreidezeitlichen Kirtland Formation ist flach, was bedeutet, dass auch damals die Landschaft sehr eben gewesen sein muss. Um an diese Stelle gelangt zu sein, muss der damals sicher schon versteinerte Knochen mehrere Kilometer weit transportiert worden sein, etwas, das angesichts der 130 kg, die der Knochen wiegt, sehr unwahrscheinlich erscheint. Wie sollte die empfindliche Knochenoberfläche bei dieser rauen Behandlung vollkommen intakt bleiben, ohne Kratzer?
War es denn so unwahrscheinlich, dass ein Dinosaurier bis in das frühe Tertiär überlebt hat und hier gestorben war? Aasfresser hätten sicher rasch den Kadaver zerlegt und die leichteren Knochen in alle Winde zerstreut. Der große und schwere Oberschenkelknochen bliebe dabei möglicherweise zurück und wurde von Sediment überdeckt.
Bei weiteren Untersuchungen zeigte sich auch, dass man über die genaue Lage der Kreide – Tertiär Grenze nicht viel wusste. Weitere Pollenanalysen machten deutlich, dass auch Gesteine, die man bislang aufgrund ihrer Dinosaurierknochen als kreidezeitlich ansah, in Wirklichkeit aus dem Tertiär stammten. Damit wuchs die Liste der identifizierten tertiären Dinosaurier, neben dem Hadrosaurier auch so prominente Vertreter wie Albertosaurus und Tyrannosaurus.
Insgesamt zeigte sich eine begrenzte, aber eindeutige Dinosaurierfauna in Gesteinen, die nach ihrem Gehalt an Mikrofossilien in das Tertiär zu stellen sind.
Konnten die Knochen aus kreidezeitlichen Ablagerungen stammen, die während des frühen Tertiärs abgetragen wurden, so dass deren Inhalt nun für die Bildung neuer Gesteine zur Verfügung stand? Da es sich meist um einzelne Knochen handelt, die nicht im Verband auftreten, liegt diese Erklärung sicher nahe. Allerdings wurden von einem einzelnen Hadrosaurier 34 Skelettteile gefunden, darunter auch relativ kleine Knochen. Da die Knochen definitiv zu einem Individuum gehören und eine Vermischung verschiedener Skelette ausgeschlossen werden kann, ist zumindest hier eine Umlagerung kreidezeitlicher Gesteine mehr als fraglich. Und wenn zumindest dieser eine Dinosaurier die Kreide-Tertiär Grenze überlebt hat, warum dann auch nicht die anderen? Um diese Frage zu klären, haben Fassett und seine Mitarbeiter die Knochen chemisch untersucht und die Ergebnisse mit Untersuchungen von Knochen aus eindeutig kreidezeitlichen Gesteinen derselben Gegend verglichen. Wenn eine Schichtlücke von 5 bis 8 Millionen Jahren zwischen tertiärem Ojo Alamo Sandstein zur kreidezeitlichen Kirtland Formation klafft, könnte das Grundwasser der beiden Zeiten durchaus verschiedene Lösungen transportiert haben. Wenn diese Annahme richtig ist, müssten sich kreidezeitliche und tertiäre Dinosaurierfossilien anhand ihrer unterschiedlichen Spurenelemente unterscheiden lassen. Wenn hingegen die tertiären Knochen in Wirklichkeit nur umgelagertes Material aus der Kreide darstellen, müssten die Spurenelemente gleich sein.
Zu diesem Zweck wurden 1998 Dinosaurierknochen geborgen. Ein großer Oberschenkel aus dem Ojo Alamo Sandstein und ein Fragment eines Hornsauriers aus der Kreide des Kirtland Formation. Daneben wurde auch aus beiden Gesteinen fossiles Holz geborgen. Die Neutronenaktivierungs- Analyse der beiden Knochenfragmente zeigte deutlich unterschiedliche Gehalte an mehreren Elementen. Durch diesen Erfolg beflügelt wurden weitere Proben untersucht.
Die tertiären Knochen enthielten erheblich mehr Uran als die der Kreidezeit. Dagegen zeigen die kreidezeitlichen Knochen erhöhte Gehalte an Seltenen Erdelementen, hauptsächlich Lanthan, Cer und Neodym. Der deutliche geochemische Unterschied zwischen Knochen, die vertikal nur wenige Meter getrennt gefunden wurden, spricht gegen einen kreidezeitlichen Ursprung der im Ojo Alamo Sandstein gefundenen Dinosaurier.
Wenn also tatsächlich Dinosaurier die Katastrophe am Ende der Kreidezeit überstanden haben, wie lange haben sie wohl überlebt?
Die Ojo Alamo Sandsteine des frühen Tertiärs sind von den Schichten der Kirtland Formation durch eine Schichtlücke getrennt, die nach den Untersuchungen von Fassett und seinen Mitarbeitern einen Zeitraum von mindestens 8 Millionen Jahren ausmacht. Aufgrund biochronologischer Befunde wird für die Bildung der Ojo Alamo Sandsteine ein Zeitraum von rund 1 – 2 Millionen Jahren angenommen. Ein weiterer Hinweis kommt aus dem Bereich der Magnetochronologie. Die Dauer der verschiedenen Polaritäten ist hinreichend genau bekannt. Das Chron C29n mit einer Dauer von 0,769 Millionen Jahren ist innerhalb der Ojo Alamo Sandsteine identifiziert. Seine Mächtigkeit hier beträgt 9 m, daraus lässt sich auf eine Ablagerungsgeschwindigkeit von 11,8 m pro 1 Million Jahren schließen. Jeder Meter Sediment repräsentiert 85 000 Jahre. Die jüngsten Knochen lagen nur wenig oberhalb des Chrons C29n. Vermutlich haben die Saurier noch rund 1 Million Jahre lang im Paläozän gelebt.
Das San Juan Becken liegt nur rund 2500 Kilometer vom Chicxulub Krater entfernt. Wie also konnten Dinosaurier so nahe am Einschlagspunkt des Asteroiden die Katastrophe überleben? Berechnungen zufolge haben allein die direkten Folgen des Einschlags wie Schockwelle und Hitze im Umkreis von 2000 Kilometern die meisten Leben ausgelöscht. Der aufgewirbelte Staub hat möglicherweise die Photosynthese für einen Zeitraum von 6 Monaten bis zu einem Jahr unterbrochen. Wenn nun, wie Fassett und seine Mitarbeiter annehmen, einige Dinosaurier nur wenige Tage vor der Katastrophe Eier legten, so könnten diese die unmittelbaren Folgen des Einschlags überstanden haben. Es ist zwar nicht bekannt, wie lange Dinosauriereier für ihre Entwicklung benötigen, der Zeitraum war aber möglicherweise lang genug. So benötigt der Komodo Waran, eines der größten lebenden Reptilien unserer Zeit rund 8 ½ Monate bis zum schlüpfen. Wenn Dinosaurier also ebenso lange oder sogar länger brauchten, könnten die Tiere zu einem Zeitpunkt geschlüpft sein, als die Umwelt schon nicht mehr ganz so feindliche Bedingungen bot. Und der Ort des Überlebens muss ja auch nicht direkt im San Juan Beckengelegen haben. Weiter im Norden waren nicht nur die direkten Folgen weniger stark, es könnten sogar einige geschützte Refugien existiert haben. Später, als sich die Lage besserte, wanderten die überlebenden Dinosaurier in den Süden ein.

Die Sache bleibt sicher noch einige Zeit umstritten, anderen Forschern (Sullivan 2003 und Lucas et al. 2009 scheint es nicht gelungen zu sein, das Alter der Kirtland Formation als Paläozän zu bestätigen, auch wenn Fassett (2009) sich der Sache sicher zu sein scheint. Eine endgültige Klärung der Sache bleibt erst einmal abzuwarten, aber mich würde die Nachricht, dass zumindest einige wenige Exemplare der Dinosaurier es bis in das Unterste Paläogen (Das Zeitalter formerly known as Unterstes Tertiär) geschafft hätten.
 
Fassett, J.E., Zielinski, R.A., and Budahn, J.R. 2002. Dinosaurs that did not die: Evidence for Paleocene dinosaurs in the Ojo Alamo Sandstone, San Juan Basin, New Mexico, p. 307-336. In Koerble, C. and McLeod, K.G. (eds.), Catastrophic Events and Mass Extinctions: Impacts and Beyond. GSA Special Paper 356


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