Die Masern scheinen in Deutschland mal wieder auf dem Vormarsch zu sein. Im laufenden Jahr sind bereits doppelt so viele Fälle von Maserninfektionen gemeldet, wie im gesamten letzten Jahr. Hier scheint so langsam die Impfmüdgkeit der letzten Jahre ihre schrecklichen Früchte zu tragen. Denn auch wenn viele Impfskeptiker die Masern gerne als harmlose Kinderkrankheit hinstellen, ja regelrecht zu Masernpparties einladen; Masern sind alles andere als harmlos. Das durften unter anderem auch die Eltern von diesem Mädchen im ersten Film hier feststellen. Sie hatte sich im Alter von 7 Monaten angesteckt. Das Problem dabei ist, dass Kinder unter einem Jahr in der Regel nicht geimpft werden können und daher auf den Herdenschutz angewiesen sind. Die Infektion selber schien das Mädchen auch relativ gut überstanden zu haben. Allerdings zeigten sicherst jetzt, rund 5 Jahre später, im Februar diesen Jahres erste motorische Störungen und innerhalb von 8 Wochen wurde aus einem gesunden Kind ein Pflegefall. Masern, besonders bei so kleinen Kindern, sind eben nicht harmlos. Die Masernviren besiedelten bei der ersten Infektion unbemerkt das Gehirn. Hier können sie rund 5 bis 8 Jahre unbemerkt bleiben und vermehren sich erst sehr viel später, wobei sie das Gehirn unwiderruflich schädigen. Diese Verlaufsform, die Subakuten Sklerosierenden Panenzephalitis (SSPE), ist weder heilbar noch zu stoppen und verläuft immer tödlich.
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Das ich der so genannten „alternativen“ Medizin ziemlich skeptisch eingestellt bin, ist hier sicher ein offenes Geheimnis. Denn in den allermeisten (um nicht zu sagen „allen“) Fällen fehlt es den so genannten „alternativen“ schlicht an wissenschaftlich überprüfbaren Wirkungen. Hingegen ist die Geschichte der oft so verunglimpften „Schulmedizin“ eine ziemliche Erfolgsgeschichte. Nicht umsonst leben wir mehr als doppelt so lange wie unsere Vorfahren, und viele der Krankheiten, die noch unsere Urgroßeltern bedrohten sind, zumindest hier in Europa, nur noch in den Lehrbüchern zu finden.
Zu dem meiner unbescheidenen Meinung nach überflüssigsten Dingen der „alternativen“ Medizin gehört die Homöopathie. Mit ihr kann man nicht nur wunderbar nicht heilen, und sich selbst sehr hübsch in Lebensgefahr bringen, nein, es lassen sich auch noch ganz hervorragend Kinder quälen. Man stelle sich einmal vor, jemand würde seinen Kindern absichtlich verkrüppeln und ihnen Schmerzen verursachen. Die allgemeine Empörung, eine Titelstory in überregionalen Boulevardblättern inklusive, wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ziemlich groß. Normalerweise wäre das sicher auch gegeben, wenn jemand seinen Kindern bei Krankheit jede Hilfe verweigert. Normalerweise, sicher.
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Diese Woche kam die Nachricht, dass das kalifornische SETI-Institut seine Suche nach außerirdischen Intelligenzen aufgrund von Finanzierungsproblemen vorläufig eingestellt hat. Der University of California, Berkeley, welche das Hat Creek Radio Observatory betreibt, wo auch die 42 Schüsseln des nach dem Microsoft-Mitbegründer Paul Allen benannte Allen Telescope Array stehen, gehen die nötigen Gelder aus. Die National Science Foundation hat die für das Hat Creek Observatory auf rund ein Zehntel zurückgefahren, und auch der Staat Kalifornien ist spätestens nach der Finanzkrise kein Geld mehr übrig. Für den Betrieb des Allen Telescope Arrays und des SETI-Instituts werden rund 2,5 Millionen $ benötigt. Man kann sicher über den Sinn oder Unsinn einer Suche nach Außerirdischen streiten, aber manchmal frage ich mich schon, wo in unserer Zivilisation eigentlich die Prioritäten liegen. Es ist ja auch nicht der erste Fall, wo der finanziell klamme Staat (und entsprechende Wissenschaftsförderer) bei der Wissenschaft sparen, manchmal sogar mit dem direkten Hinweis auf die Finanzkrise (zum Beispiel hier, hier und hier). Angesichts der sonst üblichen Verschwendungssucht in den meisten Staaten und der immer wieder zu beobachtenden Bereitschaft, viel Geld für abstruse Prestigeobjekte zu verpulvern, sind die für die betroffenen wissenschaftliche Projekte benötigten Summen eigentlich lächerlich klein.
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Es war mal wieder eine der Sternstunden des Qualitätsjournalismus, der sich am 23. Februar um 16:10 Uhr im Programm des NDR „Mein Nachmittag“ abspielte. Ein Rutengänger durfte über seine Zunft sprechen. Und nicht irgendein dahergelaufener, nein, er wurde als „Ausbilder“ angekündigt. Und alt, ja, sehr alt sei seine Kunst. . Schon unsere Großeltern und Urgroßeltern vertrauten auf diese Technik. Gibt es doch schon seit gut 8000 Jahren Rutengänger. Also wirklich altes Wissen, möchte man meinen, tausendfach erprobt. Leider sei es in den letzten Jahren etwas verloren gegangen, würde aber zurzeit wieder aufleben. Ja, klar. Mit der freundlichen Unterstützung des Öffentlich Rechtlichen Fernsehens, das ohne kritisches Hinterfragen eine dankbar angenommene Plattform abgibt. Immerhin, in einem Punkt hat der vorgestellte Rutengänger Müller recht. Die Rute misst nichts, gar nichts. Der Körper ist es. Aber er irrt, denn auch der misst nichts. Es handelt sich hier schlicht um den so genannten Carpenter Effekt. Das Bedeutet, dass das Sehen sowie – in schwächerem Maße – das Denken an eine bestimmte Bewegung die Tendenz zur Ausführung ebendieser Bewegung auslöst.
Und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sind es keine wie auch immer gearteten Magnetfelder, die hier per Wünschelrute gemessen werden. Denn sonst könnten man ja beispielsweise mit Hilfe von genauen Magnetometern wie den Protonen-Präzessions-Magnetometern die Ergebnisse der Rutengänger bestätigen. Das ist aber meinem Wissen nach noch nie passiert. Mich persönlich würde ein Testlauf da sicher mal interessieren. Einen magnetischen Gegenstand suchen, Magnetometer gegen Wünschelrute. Hier wird meiner unbescheidenen Meinung nach „Magnetfeld“ in einem verschwurbelten Sinn und nicht im normalen, physikalischen Sinn verwendet. Eine Wort-Nebelkerze, die den unbedarften Zuhöret beeindrucken soll und ihm eine messbare Präzision und einen Hintergrund vorgaukelt, die nicht gegeben sind.
Der Dauerbrenner sind natürlich die bekannten „Wasseradern“. Man sollte meinen, es hätte sich unter den gebildeteren Zeitgenossen herumgesprochen, dass Grundwasser in der Regel flächenhaft fließt, und eben nicht analog zum Oberflächenwasser in unterirdischen Flüssen, den so genannten "Wasseradern" (OK, Pedanten werden jetzt einwenden, dass es hier ziemlich klare Ausnahmen gibt, in denen Wasser in unterirdischen Flüssen fließt. In Karstgebieten beispielsweise. Ich würde da aber gerne mal einen Wünschelrutengänger auf die Suche schicken. Und ich gehe jede Wette, seine Trefferquote dürfte sich nicht groß vom Zufall unterscheiden. Aber der alte Mythos ist erstaunlich zählebig. Daher sollte es im norddeutschen Lockersediment niemanden verwundern, wenn ein Rutengänger tatsächlich Wasser findet. Denn es ist egal, wo er gegraben hätte, es wäre immer Grundwasser da gewesen. Ich finde, es hat immer etwas rührend naives, den Rutengänger einen vermeintlichen unterirdischen Fluss abstecken zu sehen. Ja sicher, dort würde man Wasser finden. Welch eine Überraschung! Aber auch einen halben Meter links oder rechts der Markierung. Oder auch zwei oder drei Meter.
Und da es diese ominösen „Wasseradern“ nicht gibt, können auch die Folgen, die Herr Müller hier so schön ausmalt: „Personen, die in so einer (mit Erdstrahlen, Wasseradern, Magnetlinien oder Elektrosmog belasteten) Situation liegen, sind nach 18 Jahren entweder schwerstkrank oder gestorben.“
Stich eines Wünschelrutengängers aus dem 18. Jahrhundert. Wikimedia
In dieser Situation wirkt die unkritische Distanz der Moderatoren schlicht nur noch peinlich. Während also Menschen hier Angst gemacht wird, in dem ihnen mit schweren und schwersten körperlichen Schäden ja fast gedroht wird, denen natürlich nur ein Rutengänger Abhilfe schaffen kann, kommt keine kritische Frage. Hier darf also jemand im öffentlich rechtlichen Fernsehen ganz massiv einen bedarf bei den Menschen wecken, den er und seine Branche dann befriedigen. Etwas, das man wohl umgangssprachlich durchaus als „Reklame“ bezeichnen darf. Hier wirkt die spätere Bemerkung, man dürfe ja keine Werbung machen, einfach rührend naiv.
Ich frage mich, warum Journalisten immer wieder Scharlatanen (und die Wünschelrutengängerei zähle ich dazu) so ungeniert nicht nur auf den Leim gehen, sondern ihnen auch noch eine unkritische Plattform bieten, auf der sie ihre seltsame Weltsicht verbreiten können. Ist es wirklich so schwer, sich über ein Thema wie Rutengänger oder andere umstrittene Themen vorher kurz zu informieren? Ich will hier nicht weiter auf den Unsinn eingehen, der meist mit „Elektrosmog“ umschrieben wird. Hier ist ja ein Geo-Blog, also bleiben wir bei den Wasseradern. Wer einen Rutengänger in seinem Garten nach Wasser suchen lässt, hätte billiger einfach eine Münze werfen können, denn die Trefferquote eines Rutengängers liegt nicht über dem Zufall. Ich finde es schade, dass ein öffentlich rechtlicher Sender hier Sendezeit für wohl nicht nur in meinen Augen pseudowissenschaftlichen Blödsinn opferte, anstatt fachlich über Grundwasser und damit im Zusammenhang stehende Phänomene zu berichten. Hatten doch schon 1950 die geologischen Landesämter festgestellt:
Die Geologie fast aller Kulturstaaten, besonders in Deutschland, hat sich seit langen Jahren, um nichts unversucht zu lassen, mit zahlreichen exakten Prüfungen der Wünschelrute (des Pendels und Apparaten nach Art der Wünschelrute) beschäftigt. Sie hat keine Gelegenheit unterlassen, Angaben von Wünschelrutengängern mit den tatsächlichen Verhältnissen des Untergrundes zu vergleichen. Das klare Ergebnis ist, daß ein Zusammenhang zwischen Wünschelruten-(Pendel-)Ausschlag und Untergrund nicht erwiesen, ja noch nicht einmal wahrscheinlich gemacht worden ist.
Die Direktoren der genannten geologischen Landesämter müssen daher nachdrücklichst darauf aufmerksam machen, daß die Wünschelrute zum Aufsuchen von Bodenschätzen jeglicher Art, einschließlich Wasser, völlig unbrauchbar ist. Vor allem muß bei allen Arbeiten, die ganz oder teilweise durch öffentliche Mittel finanziert werden, aufgrund der wissenschaftlichen Erkenntnis die Verwendung der Wünschelrute entschieden abgelehnt werden.
Da ist man fast versucht, David Harnasch zuzustimmen, der hier einen Verriss der NDR-Sendung abgegeben hat.
Dank an Horst Welke, ohne den diese Sternstunde des öffentlich rechtlichen Qualitätsjournalismus komplett an mir vorbei gegangen wäre.
Über den Skandal um die Plagiate in der Doktorarbeit unseres Verteidigungsministers wurde ja schon viel geschrieben. Mir fehlt leider ein wenig die Eloquenz, um mit großen Worten eine Bewertung vorzunehmen. Ich werde hier also nur meine ganz persönliche Sicht der Dinge ansprechen. Wie sich die Sache also aus meiner Sicht darstellt, und ich werde im Folgenden versuchen, das auch zu begründen. Man möge mir darum vielleicht auch verzeihen, wenn ich hier etwas emotionaler reagiere, als sonst bei den Scilogs allgemein und in diesem Blog speziell üblich. Und vielleicht wird es etwas wirrer, als gewohnt, denn ich bringe meine Gedanken zu dem Thema in etwa so zu Tastatur, wie sie mir gerade kommen.
Ich finde es nämlich schlicht unerträglich, wenn ich die Verteidiger unseres Verteidigungsministers dessen Fehlverhalten bagatellisieren höre. Als wenn es sich in Wirklichkeit nur um eine ansonsten unwichtige Lappalie handeln würde. Fangen wir mit Herrn zu Guttenberg selber an. Wie versuchte er sich zu Anfang, nachdem er erst die Vorwürfe noch „abstrus“ fand, zu entschuldigen?
„Sie ist über etwa sieben Jahre neben meiner Berufs- und Abgeordnetentätigkeit als junger Familienvater in mühevoller Kleinstarbeit entstanden und sie enthält fraglos Fehler. Und über jeden einzelnen dieser Fehler bin ich selbst am unglücklichsten.“[1]
Das mag sich auf den ersten Blick recht reumütig anhören. Aber schon auf den zweiten Blick wird man unschwer bemerken, dass hier den Meisten Doktoranden schlicht ins Gesicht geschlagen wurde. Hier soll nämlich allem Anschein nach suggeriert werden, dass dieser Doktorand es ganz besonders schwer hatte. Die allermeisten, die sich um eine Doktorarbeit bemühen, sehen sich allerdings durchaus ähnlichen, wenn nicht sogar schwerwiegenderen Problemen gegenüber. Wer Glück hat, ist im Besitz einer halben Stelle. „Halb“ bedeutet hier, halbe Bezahlung, aber volle Arbeit. Und manchmal dann in der Praxis, dass die Promotion doch bitte in der Freizeit stattzufinden habe. Wer weniger Glück hat, der muss nebenbei jobben. Ich zählte zu den letzteren. Unterm Strich plagen einen dann neben den wissenschaftlichen Problemen eben auch familiäre und vor allem (und ich schätze, da kann zu Guttenberg kaum mitreden) existentielle finanzielle Sorgen. Und dennoch ist es für die Meisten von uns kein Grund, irgendwo einfach abzuschreiben. Indem hier also als Entschuldigung quasi „Notwehr“ wegen besonders anstrengender Umstände angeführt wird, fühle wohl nicht nur ich mich etwas veräppelt. Nach dem Motto: „Der Ehrliche ist der Dumme“.
Ähnlich sehe ich die Bemerkungen von Frau Merkel und (ausgerechnet!) der Bildungsministerin Schavan. Klar, zu Guttenberg ist nicht als Wissenschaftler im Kabinett. Aber sein Fehlverhalten ist auch nicht nur wissenschaftlicher Natur. Aus wissenschaftlicher Sicht ist es ein Totalschaden, aber sein Umgang mit der Affäre geht weit über das Feld der Wissenschaft hinaus und folgt dem klassischen Muster, erst abstreiten („abstruse Vorwürfe“), dann, wenn es gar nicht mehr anders geht, ein klein wenig zugeben(„…enthalte fraglos Fehler..“) und schließlich, als die Sache nicht mehr zu leugnen war, die Frontbegradigung. Abgesehen davon gibt es meiner Ansicht nach keine Ehrlichkeit ersten Grades und eine zweiten Grades, wie uns der Boulevard auch gerne erzählen will.
„Ein Titel macht noch lange keinen guten Politiker. Was wirklich zählt, sind Ehrlichkeit und Charakterstärke. Deshalb, Herr zu Guttenberg: Beweisen Sie in dieser – für Sie peinlichen – Situation Rückgrat und bleiben Sie im Amt!“ Dr. Alexandra Thaler (39), Zahnärztin aus Nürnberg (Bayern)[2]
Das würde dann ja bedeuten, dass Täuschen in der Wissenschaft eben weniger wichtig ist als anderswo. Und das, wo gerade die Wissenschaft in besonderer Weise auf Vertrauen basiert. Vielleicht in den geisteswissenschaftlichen Fächern noch mehr als in den naturwissenschaftlichen. Wo man auch noch die Möglichkeit hat, fremde Ergebnisse im Experiment zu überprüfen. Es handelt sich in meinen Augen um nicht weniger als um eine Geringschätzung der Ehrlichkeit allgemein und der Wissenschaft. Ersteres mag weniger erstaunen, letzteres trifft aber gerade uns in unserer auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierenden Zivilisation bis ins Mark. Wir sollten hier einfach ein wenig sein. Zu schnell wird der Versuch, einen angeschlagenen Minister stützen zu wollen, mit einer Beschädigung der Glaubwürdigkeit der Wissenschaft bezahlt. Und damit meine ich eben nicht nur, dass die Wissenschaftler einander nicht mehr vertrauen, sondern dass der Rest der Bevölkerung das Vertrauen verliert. Erste Kommentare deuten bereits darauf hin.
„Wenn jede Doktorarbeit so akribisch geprüft werden würde wie die von Herrn zu Guttenberg, dann gäbe es in Deutschland sehr viel weniger Doktoranden. Der Minister leistet gute Arbeit, deshalb wünsche ich mir, dass er im Amt bleibt.“ Oskar Westermayr, (65), Zoohandels-Kaufmann aus Augsburg (Bayern)[2]
Derartige Vorwürfe empfinde ich verletzend. Es bedeutet doch nichts anderes als die schlichte Umkehrung der Unschuldsvermutung. Jeder Doktor ist wohl solange ein Schummler, bis seine Arbeit genauestens überprüft wurde. Dabei werden Doktorarbeiten überprüft. Normalerweise von mindestens zwei Gutachtern, bei summa cum laude (zumindest in Hamburg) zusätzlich von einem externen Gutachter. Es mischt sich hier also eine breite Wissenschaftsskepsis mit dem Wunsch, einen beliebten Minister halten zu wollen. Es ist weniger Herr zu Guttenberg, der mich erschreckt, denn eine Affäre aussitzen, das haben schon andere gemacht. Es ist die Förderung der Skepsis gegenüber der Wissenschaft, welche durch die ganze Sache und durch die Verteidigungsstrategie bewusst oder unbewusst in Kauf genommen wird. Der Preis erscheint mir etwas zu hoch für einen einfachen Minister, und sei er auch noch so beliebt. Ich fürchte, dass in einer Zeit, in der Wissenschaft und wissenschaftliches Denken (zumindest gefühlt) in der breiten Bevölkerung zunehmend unpopulärer werden, der Respekt vor geistiger Leistung sinkt. Wenn es uns nicht mehr gelingt, skeptisches Denken und die wissenschaftliche Methode auch gegenüber der Bevölkerung zu vertreten, und Verstöße auch von populärer Seite dagegen entsprechend als das zu ahnden, was sie sind, dann werden wir alle dadurch verlieren. Unehrlichkeit und Täuschungen sind also auch in der Wissenschaft keine Bagatelle, egal, was uns manche Politiker und andere erzählen wollen. Das Zitat dient nicht nur der Eitelkeit der betreffenden Autoren, es dient auch der Nachvollziehbarkeit. Eine Doktorarbeit belegt die Fähigkeit, selbständig wissenschaftlich zu arbeiten. Wer das nicht kann, oder sich aus anderen (beruflichen?) Gründen überfordert fühlt, der sollte lieber aufgeben. Das ist ehrlicher als sich durchzumogeln. Eine Bagatellisierung von Fehlverhalten wird der Sache nicht gerecht und verursacht weitere Schäden an Gütern, auf die wir letztlich alle angewiesen sind. Es fördert meiner Meinung nach nicht nur die Politik(er)verdrossenheit, sondern in diesem Fall eben auch eine Wissenschaftsverdrossenheit. Ein hoher Preis für die Eitelkeit eines einzelnen Menschen.
Irgendwie haben wir es ja alle geahnt. Die Krise, die vielen schon als Geschichte gilt, schlägt zurück. Ich hatte das Thema schon mehrfach hier verbloggt (hier und hier). Sicher, alle müssen irgendwie den Gürtel etwas enger schnallen, aber Slogans wie “Science is not a priority in times of crisis”, wie sie jüngst in Bulgarien fielen, um die drastischen Kürzungen in den Etats für höhere Bildung und Forschung zu verkaufen, sind wohl kaum angebracht. Denn wenn wir (oder in diesem Fall die Bulgaren) im globalen Wettbewerb bestehen wollen, dann doch wohl über Bildung und Forschung. So gesehen sind also nicht nur Banken Systemrelevant, sondern auch Bildung und Forschung. Aus diesem Grund bringe ich hier einen Hilferuf, der mich über die Mailingliste der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft erreicht hat und bitte um Unterzeichnung:
Dear Colleagues,
The government of Bulgaria has declared war on the main research centre of the
country, the Bulgarian Academy of Sciences, and has announced its intention to,
de facto, liquidate it, an unprecedented arbitrary act in its 141-year history.
Research funding of the leading university of the country. Sofia
University, has been also drastically cut.
In this critical
moment, the Bulgarian scholarly community needs your support!
To support us, please sign and circulate the letter
at http://www.science.nauka2010.com/
Nicht erst seit der letzten Finanzkrise ist es in aller Munde: Das Staatsdefizit. Das möchten die betreffenden Staaten natürlich gerne wieder senken, und es mangelt auch nicht an Vorschlägen. Waren während der Krise keine Beträge zu groß, um nicht im Handumdrehen (OK, ich bin hier polemisch) bereitgestellt zu werden, so wird eben jetzt geknausert. Im Gegensatz zu den Spendierhosen zeigt sich das aber vornehmlich bei "nichtsystemrelevanten" Ausgaben, und da finden sich neben dem großen Bereich der Sozialausgaben auch immer wieder die Wissenschaft und die Forschung. Florian Freistetter hat drüben auf Astrodicticum simplex das Beispiel Österreichs angeführt. Dort soll die gesamte außeruniversitäre Forschung gestrichen werden. Dieses würde dann dem österreichischen Staat die unglaubliche Summe von 28 Millionen Euro einbringen. Sicher, man kann immer über einzelne Forschungsprojekte streiten, und man sollte das auch offen tun. Ein derartiges Streichen mit der Kettensäge könnte sich jedoch schnell als Bumerang herausstellen.
Dazu hat sich dann auf Astrodicticum simplex auch eine recht bizarre Diskussion abgespielt, die sich um die Behauptung
Das Zeitalter der Wissenschaft ist zu Ende. Es ist Zeit, einmal einen
Schlusstrich zu ziehen und ganz nüchtern zu überlegen, was uns die
Wissenschaft wirklich gebracht hat.
gedreht hat. Lassen wir mal beiseite, dass es natürlich immer missbrauch wissenschaftlicher Erkenntnisse gegeben hat, und es auch immer geben wird. Und dass auch Wissenschaftler nur Menschen sind, die verführbar sind und Fehler machen. Aber so pauschal, ausgerechnet in einem von Wissenschaftlern entwickeltem Medium, dem Internet, mit von Wissenschaftlern entwickelten Techniken, entbehrt das nicht einer gewissen Ironie. Warum ziehen eigentlich Feinde der Wissenschaft nicht auch die Konsequenz aus ihrem Denken?
Meiner Ansicht nach sollte der Wissenschaftsapparat drastisch reduziert
werden, weil ihre Protagonisten immer wieder vergessen, dass sie viele
Versprechungen nicht
erfüllen konnten, und trotzdem Unmengen an Steuergeld vernichtet haben.
und
Das Volk gibt das Geld für ganz konkrete Ziele und wenn diese nicht
erreicht werden, muss man sich die Frage gefallen lassen, wofür man
eigentlich bezahlt wurde.
Abgesehen davon, dass eine Überprüfung durchaus passiert. Dieses "wir geben einfach nur noch für konkrete und wichtige Großprojekte Geld", ist zu kurz gedacht und gehört ebenso wie die These; "Forschung muss sich rechnen" eigentlich in das Museum falscher Vorstellungen. Warum das so ist, kann eigentlich niemand anderes besser erklären als Carl Sagan. Dabei zeigt sich, dass, hätte schon im 19. Jahrhundert dieses kurzfristige Denken geherrscht, könnten wir heute vermutlich unsere Gedanken nicht per Radio, Fernsehen oder Internet austauschen. Denn dann hätte James Clerk Maxwell sich vermutlich nicht so intensiv um den Elektromagnetismus gekümmert. Herausgekommen ist dabei ein Satz von Gleichungen (die Maxwellschen Gleichungen), welche die Grundlagen der Elektrizitätslehre und des Magnetismus bilden.
Wir hatten ja noch vor kurzem die Diskussion, ob Homöopathie weiterhin zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen zählen soll. Es war in meinen Augen recht erstaunlich, wie vehement die Verfechter einer (angeblich) sanften Medizin sich für Homöopathie und andere Naturheilmittel in die Bresche warfen und dabei übersahen, dass Homöopathie eigentlich gar kein Naturheilverfahren ist. Und dann kam natürlich auch der Kostenhinweis, dass nämlich die Ausgaben für Homöopathie eh nur gering wären, diese mittel aber doch sonst teure medizinische Verfahren und Heilmittel zumindest teilweise ersetzen und damit Kosten mindern würden. Dass diese Sichtweise mehr als blauäugig ist und einer konkreten Überprüfung wohl ebenso wenig standhalten würden, wie die Homöopathie selber, zeigt folgendes Beispiel:
Wie die Süddeutsche berichtete, hat eine Frau ihren Arzt verklagt. Das alleine wäre sicher noch keine Nachricht. Die Vorgeschichte aber ist schon interessant. Die Frau leidet unter einer Autoimmunhepatitis, ihr Immunsystem greift ihre Leber an und zerstört sie langsam. Unbehandelt führt diese Krankheit zu einer Leberzirrhose und endet mit guter Wahrscheinlichkeit tödlich. Leider, stand die Frau der schulmedizinischen Behandlung äußerst skeptisch gegenüber. Und schon gar nicht wollte sie sich mit Cortison behandeln lassen. Dann schon lieber mit Homöopathie. Jetzt ist die Krankheit fortgeschritten und die Frau wartet auf eine Spenderleber. Also verklagt sie ihren Arzt, der sie homöopathisch behandelt hatte. Er hätte sie halt deutlicher darauf hinweisen sollen, dass sie in Lebensgefahr schwebt. Der hatte sie von einem anderen Arzt mit dem Hinweis bekommen, er möge die als „Beratungsresistent“ bezeichnete Patientin doch bitte zur schulmedizinischen Behandlung überzeugen.
Bereits in der ersten Instanz war die Klage der Patientin abgewiesen worden. Ein Arzt muss nicht ausschließlich die beste Therapie anbieten. Vielmehr hat er diese zwar vorrangig anzubieten, darf und muss aber den Wunsch des Patienten nach einer zweitrangigen Therapie respektieren. Das Wohl und der Wille des Patienten seien das oberste Gesetz.
Jetzt jedenfalls kostet die homöopathische Behandlung mindestens noch eine Lebertransplantation, und wenn alles schlecht läuft, kann sie sogar das Leben kosten. Ich bin daher durchaus der Meinung, dass dieser gefährliche, weil ohne jeglichen wissenschaftlichen Wirkungsnachweis, und durch die Folgebehandlungen auch teure Unsinn nichts im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen zu suchen hat. Daher unterstütze ich die entsprechende Online-Petition. Und Patienten, die schulmedizinische Behandlungen ablehnen und sich stattdessen Therapien ohne jeglichen wissenschaftlichen Wirkungsnachweis behandeln lassen, sollten auch zu ihren Entscheidungen stehen, wenn es schief geht. Auch der Arzt, der Homöopathie betreibt, sollte mal darüber nachdenken. Da ist also eine Patientin, die allem Anschein nach eine ernsthafte Erkrankung hat. Eine, die sich durch Zuckerkügelchen sicher kaum beeindrucken lässt. Und die auch nicht von alleine verschwindet, wenn man nur lange genug wartet. Hätte er nicht lieber eine weitere Behandlung mit unwirksamer Therapie ablehnen sollen? Mit Hinweis auf die Schwere der Erkrankung? Ist es in Ordnung, dann mit unwirksamen (pseudo-)Therapieformen weiterzumachen, als sei nichts geschehen? Meiner bescheidenen Meinung nach ist es das nicht. Homöopathie kann als durchaus die Leber kosten.
Mangelhaftes Grundwissen und Halbwissen ist, wenn man unbedingt darauf eine eigene Theorie aufbauen will, meist nicht besonders förderlich. Das kann schnell dazu führen, dass man Dinge verknüpft, die absolut nichts miteinander zu tun haben. So wie Andreas Thiel es in den Video zum Beispiel mit Schatten, Photosynthese und grünen Wellensittichen macht.
Das kann allem Anschein nach auch Akademikern passieren. Ein gutes Beispiel ist hier Claudia von Werlhof, einer Professorin der Universität Innsbruck. Sie ist der Meinung, dass das Erdbeben von Haiti mittels HAARP ausgelöst wurde, um den Amerikanern einen Grund für einen Einmarsch zu geben. Florian Freistetter hat den Fall sehr schön seziert. So ein bisschen muss ich aber hier auch noch meinen Senf dazu geben. Denn es zeigt sich hier meiner Meinung nach exemplarisch, wie man mit Halbwissen, Allgemeinplätzen und etwas Ideologie schnell ein verschwörungstheoretisches Weltbild zimmern kann. Leider machen dabei auch Journalisten nicht immer eine gute Figur. Das zeigt schon die Bericht auf ORF tirol:
Künstliche Erdbeben um Erdöl aufzuspüren Maschinen, die künstliche Erdbeben auslösen, sind Ausgangspunkt für die heftigen Diskussionen. Solche Maschinen sollen in einem Militärforschungszentrum in Alaska existieren und dazu benutzt werden, Erdölreserven aufzuspüren.
Diese ominösen Maschinen sollen also (angeblich) in einem Militärforschungszentrum in Alaska stehen. Dabei ist erst einmal nichts dubioses und verschwörerisches an derartigen Maschinen. Diese Verfahren, künstliche Bebenwellen zum Erkunden des Untergrundes und zum Aufspüren von Rohstoffen zu nutzen, ist eines der Standardverfahren in der Exploration, also dem Finden von Rohstoffen. Dazu benutzt man entweder Sprengungen oder spezielle Fahrzeuge mit Vibratoren sowie einer Reihe von Geofonen, welche die erzeugten Wellen aufzeichnen.
Wie man unschwer sehen kann, ist daran also nichts geheimnisvolles. Wenn man aber, wie in dem Beispiel von Andreas Thiel, jetzt Dinge verknüpft, die nichts miteinander zu tun haben, dann kommt man schnell auf eine seltsame Schiene. Frau von Werlhof hier verknüpft diese normale Explorationsseismik mit den Verschwörungstheorien um HAARP, und heraus kommt dann die Idee einer Erdbebenwaffe. Die Sache ist an sich nichts neues, um HAARP drehen sich eine Menge abgedrehter Verschwörungstheorien, die auch nicht abwegiger sind. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie jeglicher physikalischer und geophysikalischer Grundlage entbehren. Daher erstaunt es mich ein wenig, dass Frau von Werlhof sich darüber wundert, wenn ihr Institutsleiter ihr institutsschädigendes Verhalten vorwirft. Von einer akademisch gebildeten Person, wie sie es ist, sollte man eigentlich erwarten können, dass sie sich über die Grundlagen der Dinge informiert, über die sie sich öffentlich(!) äußert. Sie scheint sich auch nur wenig mit den geophysikalischen Grundlagen des Bebens von Haiti befasst zu haben, denn diese kommen in ihrer Argumentation nicht vor. Im Gegenteil:
Den Grund, den Herr K. für das Eintreten dieses angeblichen Schadens genannt hat, ist meine Aussage in einem Interview im Standard, Wochenendausgabe 13./14.2.2010 zum Thema Krise: „Wo ist das Geld?“, in dem ich unter der Überschrift „Kapitalismus, ein Zerstörungsprojekt“ am Schluss darauf hingewiesen habe, dass das Erdbeben in Haiti womöglich kein natürliches, sondern ein mechanisch produziertes gewesen sein könnte. Dies wird jedenfalls international diskutiert.
Nein, in den Fachkreisen, und nur um die geht es, wird genau das nicht diskutiert. Wenn sie aber de Kreise der Verschwörungstheoretiker meint, die das durchaus diskutieren, muss ihr eines klar sein: Diese Kreise sind wohl kaum einer wirklich ernst zu nehmende Quelle. Auch nicht, wenn sie der Präsident von Venezuela sind. Wer sich auf so dubiose Quellen stützt (im anderen Fall sollte sie schlicht seriöse Quellen nennen), der darf sich eigentlich nicht wundern, wenn der Ruf leidet.
Und von einer akademisch gebildeten Person darf man doch sehr wohl etwas mehr erwarten, oder?
Dabei habe ich nichts Geringeres als die theoretisch, ja paradigmatisch völlig neue Sicht der in Innsbruck in über 20 Jahren entstandenen „Kritischen Patriarchatstheorie“ auf die Neuzeit und Moderne als „kapitalistisches Patriarchat“ und historisch tief verankertes Projekt einer „Schöpfung aus Zerstörung“ vertreten, die es inzwischen objektiv nötig macht, der - an ihre dadurch nun auftretenden Grenzen geratenen - westlichen Zivilisation eine Alternative entgegen zu setzen.
Whow! Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Vielleicht ist Frau von Werlhof ja mal so freundlich und erklärt uns Geowissenschaftlern, was diese "kritische Patriarchatstheorie" über die Entstehung von Erdbeben so aussagt. Die geophysikalischen Theorien über die Entstehung von Erdbeben allgemein und die Daten zum Beben in Haiti lassen jedenfalls wenig (nein eigentlich sogar keinen) Spielraum für eine künstliche Auslösung. Die Herdflächenlösung des Bebens zeigt ganz eindeutig den Zusammenhang mit einer Transversalverschiebung, eine solche liegt mit der Enriquillo-Plantain-Garden-Verwerfung vor, der Abschnitt des Bebens war seit über 200 Jahren verdächtig ruhig. man kann sogar so weit gehen, dass dieses Erdbeben von den Geophysikern regelrecht vorhergesagt wurde (ich werde irgendwie das Gefühl nicht ganz los, dass auch diese Tatsache in die Verschwörungstheorien ihren Eingang finden wird).
Der bahnbrechende Fortschritt, den die Kritische Patriarchatstheorie damit für die Wissenschaft bedeuten könnte, wird angesichts eines angeblich anderen „Wissenschaftsverständnisses des Instituts“ also von dessen Leiter noch nicht einmal bemerkt
Oh ja. Da sollte sie vielleicht mal dran Arbeiten. Ich persönlich kann keinen "bahnbrechenden Fortschritt" dieser Theorie in Bezug auf die Geophysik erkennen. Und Erdbeben sind nun einmal Gegenstand der Geophysik. Ich gehe sogar so Weit und hege arge Zweifel, dass es sich bei dieser "kritischen Patriarchatstheorie" um eine wissenschaftliche Theorie im engeren Sinne handelt. Schlicht und einfach aus dem Grund, weil wohl kaum eine Theorie aus der Politikwissenschaft so ohne Weiteres einen Geltungsbereich in der Geophysik beanspruchen kann (oder in der Biologie, der Astronomie oder der Chemie etc.). Es ist meiner Meinung nach eigentlich ein gutes Zeichen für pseudowissenschaftlichen Unsinn, wenn Theorien so deutlich über ihren ursprünglichen Erklärungsbereich hinaus Anwendung finden sollen und am Schluss quasi als einfache Erklärung zu einer „Theorie für Alles“ werden.
Wie, wenn es stimmt, wenn Haiti tatsächlich nicht durch ein natürliches Beben zerstört worden wäre? Diesen furchtbaren Verdacht, der mir die Haare zu Berge stehen lässt, kann man doch nicht im Raume stehen lassen.
Wie, wenn Frau von Welhof sich einmal mit einem Geophysiker darüber ausgesprochen hätte? Ist es für kritische PatriarchatstheoretikerInnen so ein Problem, sich über Dinge zu informieren, über die man sich öffentlich äußern möchte? Oder besteht vielleicht doch ihre ganze Sache darin, möglichst unbelastet von Basiswissen Ideen zusamenzuzimmern, egal ob sie irgendeinen Bezug zur erfahrbaren Realität haben, oder eben nicht? Aber, so stellt sich mir die Frage, wie will sie den Ernst genommen werden, wenn sie genau das nicht tut? OK, so wie sich ihr Text für meine Augen darstellt, sieht sie jegliche Kritik als Beleg für eine chauvinistische Verschwörung gegen sich. Ich kann ihr aber gerne versichern, auch wenn sie ein Mann wäre, ich hätte den selben Text verfasst.
„Moralisch“ besteht die Möglichkeit, dass die Haiti-These stimmt, technisch angeblich auch (das HAARP in Alaska und seine Möglichkeiten, wie z.B. auch der Wettermanipulation, sind seit langer Zeit bekannt, z.B. auch dem EU-Parlament, und politisch – geopolitisch, ressourcenpolitisch – erst recht, wenn es nämlich stimmt, dass vor Haiti und Cuba riesige Ölvorkommen entdeckt wurden.
Auch hier wieder der Hinweis auf verschwörungstheoretische Quellen. Die besagte Anhörung des EU-Parlaments fand am 5. Februar 1998 statt. Einziger Befragter, obwohl auch Vertreter der USA und NATO eingeladen waren, bei dieser Anhörung war der Buchautor und Geschäftsmann Nick Begich jr.. Er vertritt die Meinung, dass die HAARP-Anlage für „geophysikalische Kriegsführung“ genutzt werden könne. Er beruft sich dabei auf ältere erteilte amerikanische Patente, die jedoch aufgrund von Einschränkungen nicht realisierbar sind. Patente können in den USA unabhängig von ihrer Realisierbarkeit erteilt werden. So soll bei einem der von Begich genannten Patente etwa ein Drittel des Strombedarfs der gesamten USA für eine derartige Anlage zur Verfügung stehen müssen. Das Ergebnis dieser Anhörung ging in einen Entschließungsantrag an das Europäische Parlament ein, in dem Bedauern über die Informationspolitik der USA bezüglich HAARP und der Bedarf nach weiterer unabhängiger Forschung zu den Auswirkungen von HAARP ausgedrückt wird. Das als Beleg fürd die Existenz einer "Erdbebenwaffe" zu nehmen oder gar für einen Angriff der USA auf Haiti mit dieser Waffe, ist mehr als nur dünn.
Und was bittte soll die Bemerkung „Moralisch“ besteht die Möglichkeit, dass die Haiti-These stimmt,…“? Soll das so viel heissen wie: Wenn sich auch die Fakten meiner These verweigern, so bin ich moralischer Sieger über die Realität!? Oder ist das nur eine der Worthülsen, mit der hier Ahnungslosigkeit vor dem werten Publikum kaschiert werden soll?
Auch faktisch könnte vieles darauf hinweisen, wie z.B. die Tatsache, dass in der gleich angrenzenden Dominikanischen Republik keinerlei Folgen dieses Erdbebens registriert wurden,
Leider hat Frau von Werlhof es verpasst, sich über Erdbeben zu informieren. Hier besonders über die Ausbreitung von Erdbebenwellen. Ein Beben der Stärke 7.0 hat nicht unbedingt so überregionale Auswirkungen. Ein einfacher Blick zum USGS hätte da schon geholfen.
Karte der Intensitäten des Erdbenens von Port-au-Prince vom 12. Januar 2010, USGS
Wie man unschwer erkennen kann, reichen die Intensitäten oberhalb von VII und VIII, sie sind anders als die Magnitude von der Auswirkung des Bebens auf die Landschaft und künstliche Strukturen abhängig, nicht weit vom Epizentrum weg.
oder die logistische Meisterleistung, 10.000 US-Soldaten bereits 3 Tage nach dem angeblich so überraschenden Beben organisiert einmarschieren und die Macht in Haiti übernehmen zu lassen.
Wenn ich mir die Unternehmungen der US Army in den letzten Jahrzehnten so anschaue, dürfte das diese wohl kaum vor nennenswerte Herausforderungen gestellt haben. Und egal, wie man den Amerikanern gegenüber eingestellt ist. Irgendjemand musste in Haiti was unternehmen, der Staat Haiti, der ja schon vor dem Erdbeben nicht sonderlich effizient organisiert war, war bei dem Edbeben weitgehend kollabiert. Präsident Préval wusste in den ersten Tagen ja noch nicht einmal, welche seiner Minister überlebt und welche seiner Behörden nicht vollständig eingestürzt waren. Schon vor dem Beben wurde Haiti vom Fund for Peace als Schwacher Staat, von Foreign Policy sogar als gescheiterter Staat klassifiziert.
Ohne dass also auswärtige Kräfte quasi eine Art Gewaltmonopol herstellten, hätten es viele Hilfsorganisationen sehr schwer gehabt, effiziente Hilfe vor Ort leisten zu können. daraus aber eine Verschwörung zu stricken, ist ein klein wenig dünn, wenn nicht sogar boshaft den USA gegenüber.
Mein Wissenschaftsverständnis orientiert sich an der erfahrenen Realität und nicht an irgendwelchen Kalkülen.
Das wäre mir ohne diesen Hinweis wirklich nicht aufgefallen. Gut, dass sie es sagt. Schlecht, dass sie es allem Anschein nach bei Worten belässt und daraus keine Konsequenzen zieht. Wie wäre es also, hier mal einen Realitätscheck zu machen. Geophysiker soll es ja sogar in Innsbruck geben, auch wenn sie sich weniger mit Seismik beschäftigen. Mir scheint hier doch Anspruch und Wirklichkeit ein klein wenig auseinanderzudriften.