Beten Roboter, wenn sie beten?
Ich brauche Ihre Hilfe. Es geht um meinen Großvater - oder, besser gesagt, um ein Geschenk, das er mir vor drei Jahren machte und das das Thema meiner Doktorarbeit radikalisierte. Können Sie mir helfen, das Rätsel zu lösen?
Meine Dissertation behandelte das Thema "Neurotheologie" - also Thesen verschiedener Hirnforscher zu Religion und Religionen. Und Weihnachten 2005 schenkte mir mein Großvater, ein stiller, zuhörender und dabei hoch kreativer Mensch, dazu ein wunderbares Geschenk auf den Gabentisch: Einen kleinen Roboter aus Schrauben, mit einem Kreuz, Doktorhut und aus einer heiligen Schrift lesend. Ich nenne ihn Rob-Bet.
Seitdem habe ich viel Zeit damit verbracht, über Rob-Bet nachzugrübeln, habe ihn befreundeten Wissenschaftlern präsentiert, auf Tagungen mitgenommen und mit Schulklassen diskutiert. Denn Rob-Bet verkörpert tatsächlich ein Rätsel: Schon heute ist es technisch ein Leichtes, mit religiöser Symbolik geschmückte Roboter zu konstruieren, die beispielsweise niederknien und 3000 Mal ein Vaterunser sprechen. Die Frage ist nur:
Wären diese Gebete der Roboter wirkliche Gebete?
So oft ich diese Frage gestellt habe, so lautete die Antwort bei jünger und älter, gläubig und nichtgläubig, Wissenschaftler und Schüler stets: Nein, es würde zwar wie ein Gebet aussehen, wäre aber noch kein Gebet.
Noch aber ist mir keine schlüssige Begründung dafür genannt worden noch eingefallen und als vornehmlich empirisch forschender Religionswissenschafter räume ich ein, ohne das geballte Know-How der Scilogs-Macher und -leser an dieser Stelle nicht weiter zu kommen. Bitte lassen Sie mich mit dem Geschenk meines Großvaters nicht alleine, schreiben Sie!
Welche Eigenschaften müsste ein Roboter haben, damit ein Gebet ein wirkliches Gebet wäre?



Hallo Michael,
ich denke, dass die Roboter nicht "richtig" beten. Wir bewerten und messen alles an Hand seiner Wechselwirkungen mit dem Rest des Universums. Wenn du z.B. mit dem Roboter um die Wette betest, wem würde der liebe Gott (oder irgend ein anderer Gott) wohl eher einen Wunsch erfüllen, oder wessen Lobpreisung wäre ihm ein lieblicherer Lobgesang? Da es keine Götter gibt, würden die Gebete in dieser Hinsicht keinen Unterschied machen. Aber sie machen für die Menschen, die sie wahrnehmen, einen wesentlichen Unterschied. Wenn mich ein Roboter um einen EURO bittet, dann ist das für mich etwas ganz anderes, als wenn mich ein Mensch darum bittet. => Nö, der betet nicht richtig. Etwas anderes wäre es, wenn ich den Roboter nicht als solchen erkennen könnte.
Ähnliches Problem. Du siehst dir eine Videoaufzeichnung des letzten Gottesdienstes deiner Landesbischöfin an. Wenn sie nun betet, und du gehst in Gedanken mit, ist das dann ein ECHTES Gebet? Und wenn du nicht mitgehst?
mfg
Lutz
Ja, die eher tragische Gestalt des EM kreist wesentlich auch um diese Frage. Wenn ich mich recht entsinne, wurde er ja laut Adams konstruiert, um für andere zu beten, die die Zeit dann lieber anders nutzen.
Rein evolutionsbiologisch gesehen dürfte das nicht funktionieren. (-;
Zum Natur-des-Glaubens-Beitrag Gebote und Rituale
Douglas Adams wusste (Zitat):
"Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute sehr wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen."
Aber an einer Antwort zur Rob-Bet-Frage hat er sich leider meines Wissens auch nicht versucht.
Ob es übernatürliche Akteure gibt, können wir empirisch nicht klären, einverstanden. Zitat: "Aber die Gebete machen für die Menschen, die sie wahrnehmen, einen wesentlichen Unterschied."
Aber warum? Gut, nach Boyer haben wir eine intuitive Ontologie, nach der wir schon vorbewußt Dinge in belebt oder unbelebt sortieren. Dann wäre nach Deiner These die Frage eines "echten" Gebetes an die Frage gekoppelt, ob wir den Betenden als belebt oder unbelebt einordnen.
"Du siehst dir eine Videoaufzeichnung des letzten Gottesdienstes deiner Landesbischöfin an. Wenn sie nun betet, und du gehst in Gedanken mit, ist das dann ein ECHTES Gebet? Und wenn du nicht mitgehst?"
Dass "ihr" Gebet echt ist, würde ich annehmen - und über meines getrennt urteilen. Aber wie wäre es, wenn mich beispielsweise die Haltung von Rob-Bet zu einem Gebet anstiften würde? Wäre sein Gebet dann - weil es ja meines auslöst- Deiner Meinung nach ein echtes Gebet?
Hallo Herr Blume,
ist die Frage nicht ähnlich wie jene, ob das Drehen von Gebetsmühlen oder das Aufhängen von Gebetsfahnen im tibetischen Buddhismus - außerhalb des dies vollziehenden Menschen - etwas bringt? Vielleicht wäre ein solcher Buddhist ein rechter Ansprechpartner für die Frage.
Meine eigene Antwort als Rationalist: Jedes Gebet richtet sich nur an den Betenden selbst (und zeitigt ggf. in der dadurch bewirkten Ansprache von Psyche oder Bewusstsein mittelbar dann auch nach außen Folgen).
Nun ist Gebet natürlich nicht gleich Gebet: Bittet man um das Bestehen einer Prüfung, oder für den Weltfrieden, oder um einen Sechser im Lotto, oder um Kraft zur Überwindung eigener Schwäche, oder ....?
Bezogen auf das über Ego und Materialismus hinausgehende Gebet: Wenn der Roboter z.B. der Kommunikation auf einer Empathie (und ggf. Emotion) einbeziehenden Ebene fähig wäre, dann würde er wohl wirklich beten, weil er im Gebet bestimmte Schichten "seiner Psyche" gezielt anspricht. (Wenn er allerdings so weit entwickelt wäre, dann hätte er andererseits das Gebet vermutlich gar nicht nötig.)
Meine eigene Antwort als Transrationalist: Er hat bereits alle Eigenschaften, damit auch dieses Gebet ein wahres ist. Aber eine solche Antwort nützt natürlich niemandem etwas. ;-)
Einen Gruß an Sie.
Vielen Dank, spannender Beitrag!
Freilich bin ich mir nicht ganz sicher, ob ein Gebet nur individuell bezogen ist. Es kann ja auch Signalwirkung haben und im Bezug auf andere geschehen ("Bitte betet für mich!", "Im Gebet sind wir bei Marion." etc.).
Zitat "Wenn der Roboter z.B. der Kommunikation auf einer Empathie (und ggf. Emotion) einbeziehenden Ebene fähig wäre, dann würde er wohl wirklich beten, weil er im Gebet bestimmte Schichten "seiner Psyche" gezielt anspricht. (Wenn er allerdings so weit entwickelt wäre, dann hätte er andererseits das Gebet vermutlich gar nicht nötig.)"
Nun, wir Homo Sapiens sind ja ganz offensichtlich so weit, eine Psyche zu haben - und Milliarden von uns beten, quer durch alle Weltkulturen. Auch ist diese Eigenschaft kein absterbendes Relikt von Primatenvorfahren, sondern ein emergentes Phänomen unserer Humanevolution, wohl nur einige tausend Generationen alt und (auch) genetisch veranlagt.
http://www.wissenslogs.de/...der-verhaltensgenetik
Trotzdem bleibe ich gerne auf Ihrer Spur: Wenn wir also die Echtheit eines Gebetes an die Existenz einer Psyche koppeln - wie definiert sich dann eine ausreichende Psyche?
Zitat: "Freilich bin ich mir nicht ganz sicher, ob ein Gebet nur individuell bezogen ist. Es kann ja auch Signalwirkung haben und im Bezug auf andere geschehen ("Bitte betet für mich!", "Im Gebet sind wir bei Marion." etc.)."
Meine Zustimmung (gedanklich war ich in der stillen Kammer). Ließe sich dies nicht entsprechend sehen, hinsichtlich der Ansprache bestimmter Schichten der Psyche [auch der Anderen]?
Zitat: "Nun, wir Homo Sapiens sind ja ganz offensichtlich so weit, eine Psyche zu haben - und Milliarden von uns beten, quer durch alle Weltkulturen. Auch ist diese Eigenschaft kein absterbendes Relikt von Primatenvorfahren, sondern ein emergentes Phänomen unserer Humanevolution, wohl nur einige tausend Generationen alt und (auch) genetisch veranlagt."
Dieser Gedanke ist mir nicht einmal als gelegentlich Betenden unsympathisch. Vor einer Weile las ich übrigens - ebenfalls mit Sympathie - das Büchlein von Martin Urban, "Warum der Mensch glaubt - Von der Suche nach dem Sinn".
Zitat: "Wenn wir also die Echtheit eines Gebetes an die Existenz einer Psyche koppeln - wie definiert sich dann eine ausreichende Psyche?"
Als ein Noah behaupte ich, dass Psyche nicht nur dem Menschen vorbehalten ist. Vielleicht dachten sie das gleiche, als Sie "ausreichende" schrieben. Es genügt vermutlich auch nicht, Selbst-Bewusstsein hinzuzufügen. Obwohl Jane Goodall ein spirituelles Gespür bereits bei Schimpansen vermutete. Ich fürchte, im Moment bin ich damit überfragt.
Zitat "Ich fürchte, im Moment bin ich damit überfragt."
Dann sitzen wir beide im gleichen Boot - Entschuldigung, der gleichen Arche, natürlich.
Aber vielleicht kommt die rettende Taube mit dem Ölzweig im Schnabel noch, uns anzeigend, dass Land in Sicht ist? Bin gespannt...
Wozu überhaupt beten? Was hat es vom gläubigen, christlichen Standpunkt für einen Sinn?
"Und Gott sprach: Laßt uns Menschen machen in unserem Bild, uns ähnlich!" (1. Mose 1,26, elberfelder)
Wir sind das Ebenbild Gottes. So sind wir geschaffen worden und wir können mit Gott in Beziehung treten. Eine Möglichkeit dazu ist das Gebet.
Von diesem Standpunkt aus betrachtet, kann ein Roboter nicht beten, denn er ist von Menschen geschaffen. Wir bekommen es jedoch noch nicht mal hin ihn nach unserem Bilde zu schaffen. Denn dann hätte er Selbstbewußtsein (Bewußtsein über die eigenen Existenz, nicht Selbstwertgefühl), ihm wäre bewußt, daß er existiert und ihm wäre bewußt, daß er sterben (verschrottet) wird und er würde sich fragen, wer ihn geschaffen hat und womöglich würde er sich fragen, was geschieht, wenn er nicht mehr da ist. Besteht er wirklich nur Materie? Sind die digitalen Signale in seinen Schaltkreisen, eine Simulation von Gefühl oder ist es Gefühl?
Naja, das könnte ich jetzt ewig so weiterschreiben und letztendlich sind es ja nur die eigenen Fragen, die sich der Mensch so stellt.
Ich denke, der Versuch diese Frage zu klären und dabei einen Gott nicht zu berücksichtigen, der wird kaum Ergebnisse bringen. Das ließe ja nur den Schluß zu, daß der Mensch Selbstgespräche führt. Aber auch dazu ist ein Roboter nicht fähig, er würde nur ein Programm abspulen. Gebete hingegen sind schon überlegt.
Für mich ist das völlig klar. Ein Gebet ist ein Appell an Gott, etwas zu bewirken um die Ziele des Betenden zu unterstützen. Sobald also der Roboter ein Eigeninteresse und Ziele entwickelt und an Gott glaubt, kann er beten.
Auch wenn ich als Glaubensrationalist sicher bin, dass man den Urgrund aller ganz natürlichen kosmischen und kulturellen Kreativität=Schöpfung, den wir in seiner vermenschlichten Form Gott nennen, nicht überreden kann, sondern nur den eigenen Kopf, sehe ich im Gebet einen rationalen Sinn.
M.E. müsste ein Roboter mit menschlicher Intelligenz daher im Laufe seiner Weiterentwicklung zur Vernunfterkenntnis bzw. seiner staunenden Begeisterung für die kreative Ordnung des Kosmos auch zu beten beginnen. Im Dankgebet würde er sich auf Kreativität/das Hervorbringen/die Leistung programmieren, die sein Erbauer ihm vorgegeben hat. Das Morgengebet würde zum täglichen Programmabgeich.
Man stelle sich vor, es würde dem Sparkassenvorstand gelingen, seine Mitarbeiter jeden Morgen auf dem Dach des Hauses für die vom Gesetzgeber (bzw. der Kommune) vorgegebenen gemeinsame Ziele im Dienst der Kunden und des Unternehmens (was bei einer Sparkasse im eingentlichen Grunde identisch ist), einzuschwören, indem sie die Unternehmengrundsätze beten. Die Leistung würde durch intrinsische Motivation mit Lust erbracht, statt Last zu sein. Jede Menge Druckmotivation, deren bürokratische Apparate nur zum Lustverlust und gegenseitiger Manipulieren führen, den gemeinsamen Erfolg ins Gegenteil verkehren, könnte vermieden werden.
Und wenn uns beispielsweise der Rhetorikprofessor bei einer Fachtagugung beibringt, wie vernünftig es sei, dass er vor dem Einschlafen ein gutes Gedicht laut aufsagt, dann macht es auch Sinn, den Roboter das Abendgebet laut sprechen zu lassen.
Ich denke, einem Roboter mit Bewusstsein müsste man das Beten - auch wenn er selbst nicht drauf kommen sollte - beibringen. Er würde sonst dem reinen Selbstzweck dienen wollen, statt dem Zweck seines Erfinders:
Er würde sonst wir wir in unserer gesellschaftlichen Realität (ohne reales Schöpfungsbewusstsein) zum rein egoistischen Genmaximierer werden, der seine Zukunft vernichtet, satt aufgrund seiner Einsicht in die Sinnhaftigkeit der Genmaximierung und somit seiner Bestimmung für das "Große Ganze" Genesis-Maximierung zu betreiben.
Die Beantwortung der Frage, ob die bewusste Begeisterung für eine übergeordnete Bestimmung ein wirkliches Gebet ist, entscheidet natürlich, was wir unter Gebet verstehen bzw. aus welcher Perspektive wir "Glaube" betrachten.
(Unter "www.theologie-der-vernunft.de" habe ich versucht, den christlichen Glauben aus völlig neuer Perspektive zu betrachten. Auch Impulse für die evolutionäre Entwicklung von Religion.)
Klaro ist ein Robotergebet ein Gebet.
(1) es erfüllt die Form eines Gebetes - gemurmelte Texte fordernden Characters und mit begrenzter Komplexität
(2) Der Betende folgt einem inneren Drang - dem Programmbefehl
(3) auf andere Gruppenmitglieder wirkt das Gebet formierend im Sinne des Mitbetens - ob das ein Mensch, ein Avatar, ein Video oder ein Roboter ist ändert die Situation nicht für den, in dessen Gehirn die vorbetenden Objekte ihr Bildleben führen.
Vielen Dank für den Hinweis aus christlichem Glauben, den ich keinesfalls als störend empfinde. Letztlich definieren Sie das Gebet von Gott her inhaltlich - alles andere wäre dann kein Gebet.
Für mich stellen sich von hier zwei Fragen:
1. Wie ist es mit einem Gebet außerhalb des Monotheismus - z.B. an die Ahnen oder (polytheistische) Götter. Wären das Ihres Erachtens ebenfalls keine Gebete, weil sie sich nicht an den Eingott richten?
2. Sie schreiben "Wir sind das Ebenbild Gottes. So sind wir geschaffen worden und wir können mit Gott in Beziehung treten.". Würden Sie also sagen, dass es dem Rest der Schöpfung -beispielsweise Tieren- unmöglich sei "mit Gott in Beziehung zu treten"? Und wie verhält es sich mit dem Neandertaler, der seine Toten ebenfalls bereits rituell bestattete und damit ebenfalls eine Evolution in Richtung Religion aufzeigte?
Mit ehrlich interessierten Grüßen
Michael Blume
Danke, das scheint mir ein spannender Vorschlag zu sein!
Könnte man also, auf Ihrem Vorschlag aufbauend, vielleicht sagen, dass nach Ihrer Auffassung ein Gebet dann ein Gebet wäre, wenn der Betende
a) damit bewusst und im Hinblick auf übernatürliche Akteure ein Ziel verfolgt
und
b) die Auswahl zwischen verschiedenen Handlungsoptionen hat und sich dann für ein Gebet entscheidet ?
Was meinen Sie (und die Mitdiskutanten)?
Werde mich da mal rein lesen. Wobei ich eine ganz konkrete Frage hätte: Wie genau definieren Sie Vernunft?
Ihr Vorschlag hätte den Charm, dass wir dann tatsächlich moderne Gebetsmühlen programmieren könnten: Ich könnte z.B. meinen Computer z.B. mittels einer Video-Simulation heute Nacht mal eben 10.000 Mal für den Weltfrieden "beten" lassen.
Was meinen Sie - warum erkennen die meisten Menschen ein Robotergebet (zumindest auf jetzigem Niveau) noch nicht als Gebet an?
.... sage ich dir hier gern meine Überlegungen dazu.
Es gibt einen Unterschied zwischen dem, was einer sagt, weil es Produkt seines eigenen Denkens ist und zwischen dem, was einer sagt, weil es ihm von jemand anderem so eingegeben wurde. Einen Roboter können wir so programmieren, dass er alles sagt, was wir wollen. Wenn er das dann herunterleiert, kann das niemals sein Gebet sein, sondern allenfalls das von der Person, die es ihm einprogrammiert hat oder den Auftrag dazu erteilt hat.
Stell dir mal vor, Michael, DICH würde jemand in Hypnose versetzen und dazu bringen, etwas zu sagen, was du normalerweise nie sagen würdest. Wäre das dann auch deine Aussage bzw. dein Gebet? Oder aber man würde dich bei Bewusstsein unter Androhung eines Übels zwingen, etwas zu sagen, was du nie sagen würdest. Das wäre dann doch auch nicht deins. Und dabei hast du gegenüber dem Roboter noch einen entscheidenden Vorteil: Du hast ein Bewusstsein.
Ein Roboter mit Bewusstsein ist für mich erstmal schwer vorstellbar. Aber vielleicht gelingt so was ja eines Tages tatsächlich. Wenn er dann nicht das sagt, was ihm einprogrammiert wurde, sondern was von ihm selber kommt, wäre es seine Aussage.
Aber da du ja an die Wirkung von Gebeten glaubst, mach ich dir einen Vorschlag. Laß 100 Mio. Roboter herstellen, die alle 24 Stunden am Tag hintereinander das Gleiche beten und schau mal, ob es wirkt. :-)
Kommt natürlich auch darauf an, wie ein Gott beschaffen ist. Vielleicht reicht ihm ja das stereotype Heruntergeleier von irgendwas, um „erhört“ zu werden. Wenn Gott selbst ein Roboter ist, der nur die Information aufnehmen und verarbeiten muss, sollten die Chancen recht gut stehen.
Hallo Herr Blume,
was Rob-bet stumpfsinnig herunterleiert, kann kein Gebet sein. Rob-bet spielt eine Platte ab, ohne dass sein Programm dabei mit Geist und Gefühl auf die ihm vorgegebene Bestimmung eingeschworen/abgestimmt wird. (Das wäre etwa das, was ich mit "Vernunft" meine.)
Rob-bet hat keinen Verstand: kann auf keine Stimme/Wort seines Schöpfers verstehen, noch sich nicht darauf einstimmen.
Rob-bet kann weder sich, seinen Kopf, noch den Kosmos oder die Kulturentwicklung als ein kreatives=schöpferisch vernünftiges Gefüge bewusst machen. (Wort/Vernunft verstehen.) Er kann weder dessen Konstrukteur erahnen, den er nie selbst erkennen kann, noch darüber nachdenken, warum er ihn vernüftigerweise trotzdem ansprechen muss, um auf bewusst vernünftige Weise sein Programm daran auszurichten:
Rob-bet ist so was wie der "postmoderne" Mensch. Dem der gemeinsame Verstand, das Hören auf die Stimme seines realen Schöpfers verloren scheint. Er kann weder im Kosmos- und Kultgefüge eine Vernünftigkeit/Bestimmung erkennen, (Wort verstehen) noch kann er dieser vernüftig folgen. Er kann allenfalls vorgegebene Dogmen aufsagen.
Darum: Erfüllen das Aufsagen von vorgegebenen Versen, die Ansprache eines persönlichen Gottesbildes, die Aufgaben, die ein Gebet vom anfänglichen Grund her hatte?
Auch wenn ich persönlich nicht so beten kann, wie mir als Kind beigebracht wurde, so bin ich davon überzeugt, dass nicht nur der Glaube (bzw. ein zeitgemäßes, rationales=vernünftiges Schöpfungsbewusstsein auf Grundlage ganz natürlicher=vernünftiger Evolution), sondern auch das Gebet seinen Sinn im Evolutionsgefüge hat.
Doch ob wir uns im heutigen Gebet wirklich an den wenden, der am Anfang des Monotheismus als unsagbarer Urgrund allen Seins an- (aber nicht selbst aus-)gesprochen wurde und den dann das jüdisch-griechische (ist christliche) Denken als universalen Urgrund eines rationalen=vernünftigen Weltwerkes sah, das wir heute nur noch etwas empirischer beschreiben, da hab ich meine Zweifel -
und hierzu unter "www.theologie-der-vernunft.de" nachgedacht.
@Michael Blume
Die Bedingung der Zielvorstellung a) scheint mir notwendig,
auch b) wenn damit der notwendige Verstand des Roboters gemeint ist, ein Gebet als sinnvolle Maßnahme zur Zielerreichung zu erkennen. Andere Optionen könnte er ja auch parallel bearbeiten.
Liebe Beate,
vielen Dank - in der Grundrichtung stimme ich Deinen Gedanken durchaus zu. Aber das Rätsel scheint mir im Detail zu liegen.
Zitat "Ein Roboter mit Bewusstsein ist für mich erstmal schwer vorstellbar. Aber vielleicht gelingt so was ja eines Tages tatsächlich. Wenn er dann nicht das sagt, was ihm einprogrammiert wurde, sondern was von ihm selber kommt, wäre es seine Aussage."
Was bedeutet "was von ihm selber kommt"? Gerade Du als Naturalistin müsstest doch davon ausgehen, dass auch wir Menschen nur eine Summe unserer Gene und Umwelteinflüsse sind. Und religiöse Verhaltenspräferenzen dürften ja, wie wir gesehen haben, genetisch ebenso veranlagt sein wie musikalische etc. auch.
http://www.wissenslogs.de/...der-verhaltensgenetik
Wenn aber nicht nur Rob-Bet, sondern auch Du und ich nur determinierte Programme abspulen - dann gäbe es nach Deiner Logik gar kein Gebet.
Zitat "Aber da du ja an die Wirkung von Gebeten glaubst, mach ich dir einen Vorschlag. Laß 100 Mio. Roboter herstellen, die alle 24 Stunden am Tag hintereinander das Gleiche beten und schau mal, ob es wirkt. :-)"
Weia, US-amerikanische Gebetsstudien haben genau solche Dinge tatsächlich versucht! Aus einer ganzen Reihe von Gründen halte ich wenig davon, einen hast Du selbst benannt.
Zitat "Kommt natürlich auch darauf an, wie ein Gott beschaffen ist. Vielleicht reicht ihm ja das stereotype Heruntergeleier von irgendwas, um „erhört“ zu werden. Wenn Gott selbst ein Roboter ist, der nur die Information aufnehmen und verarbeiten muss, sollten die Chancen recht gut stehen."
Genau das ist das Problem: Gebetsstudien implizieren ja, Gott würde sich in ein Experiment zwingen lassen, indem er quasi "auf Knopfdruck" in bestimmbarer Weise reagiere. Dies widerspricht natürlich den Grundlehren praktisch aller bedeutenden, religiösen Lehren, die von einer Unverfügbarkeit der Transzendenz ausgehen und die Interaktion mit dem Göttlichen weniger als Recht und viel mehr als (unverdienbare) Gnade, Barmherzigkeit o.ä. auffassen.
Aber noch einmal die konkrete Frage an Dich: Wie kann ein Mensch Deines Erachtens "aus sich heraus" ein Gebet anstimmen, wo er doch (nach Deiner strikt naturalistischen Auffassung) durch Gene und Umwelteinflüsse genauso determiniert sein dürfte wie ein Roboter?