10. April 2012, 11:43
Seit Montag, den 26. März, sollte sich das Panorama unseres Arbeitsgebietes deutlich verändern. Leider war von den Südlichen Shetlandinseln auf Grund der sehr wechselhaften Wetterbedingungen mit zahlreichen Schneeschauern nur selten etwas zu sehen. Entsprechender Seegang und schlickiger Untergrund machten das Abarbeiten der Grundschleppfischereistationen zu einem zähen Unterfangen. Aber immerhin gewannen wir auf diese Weise Informationen über lohnenswerte Positionen für unsere Sedimentforscher. Am Dienstagabend entschieden wir uns auf Grund der Wetterprognose, über Nacht zum südwestlichsten Zipfel der Inselkette zu verholen, um das Feld von hinten aufzuräumen. Leider ging der Plan nur zum Teil auf und wir konnten am Mittwoch nur sehr eingeschränkt fischen. Dafür bescherte uns der Donnerstag einen unvorhergesehenen, ruhigen Tag mit Sonnenschein. Am Samstag kamen wir an unseren Ausgangspunkt zurück. Nach sechs Tagen haben wir somit auch unser zweites Arbeitsgebiet erfolgreich abgeschlossen.
Schweres Wetter bei den Südlichen Shetlandinseln (© S. Emde)
Sämtliche Netzfänge werden nach einem festen Schema aufgearbeitet. Neben den bereits beschriebenen Fischgruppen ist Susanne Lockhart, (La Jolla, USA) zusammen mit Nerida Wilson (Sydney, Australien) und Eric Lazo-Wasem (Yale, USA) damit beschäftigt, sämtliche Wirbellose, die als Beifang in die Netze gelangen, zu erfassen. Dazu werden diese in 68 systematische Gruppen sortiert. Besondere Beachtung finden darunter die Organismengruppen, die als Anzeiger eines empfindlichen marinen Ökosystems (VME: vulnerable marine ecosystem) herangezogen werden können. Wenn ein bestimmter Grenzwert für das Vorkommen dieser Organismen überschritten wird, bemühen sich die drei Wissenschaftler um eine entsprechende Registrierung. Dadurch werden diese Gebiete unter den besonderen Schutz von CCAMLR (“Convention for the Conservation of Antarctic Marine Living Resources”) gestellt und eine kommerzielle Fischerei ist dann für diese Gebiete verboten. Auf unserer bisherigen Fahrtroute hat der Flachwasserbereich südöstlich von Elephant Island gute Chancen, als VME unter diesen Schutz zu gelangen. Hier konnte eine komplexe Kieselschwamm-Gemeinschaft nachgewiesen werden.
Suche nach wirbellosen Schlüsselorganismen (© T. Kuhn)
Unsere Mikrobiologen um Meinhard Simon, zu denen neben den Oldenburgern auch Kollegen aus Braunschweig und Göttingen zählen, haben mittlerweile eine Reihe von Wasser- und Sedimentproben gewonnen, in denen sie das Bakterioplankton qualitativ und quantitativ erfassen. Dabei zeigen sich schon jetzt bedeutende Unterschiede: Die Proben aus den flachen Schelfstationen um Elephant Island zeigen eine für die Jahreszeit ungewöhnliche Produktivität, die teilweise um ein Vielfaches höher ist als die bei den am Kontinentalhang und in der Drake-Passage beprobten Stationen. Welche Schlüsselarten für diese Unterschiede der eng benachbarten Stationen verantwortlich gemacht werden können, wird erst die Analyse im Heimatlabor zu Tage fördern. Bis dahin bleibt die Spannung erhalten!
Wasserzapfen aus der CTD-Rosette (© M. Simon)
Nach erfolgreichen Fischfängen am Samstag brachen wir endlich in unser drittes Arbeitsgebiet an der Spitze der Antarktischen Halbinsel, Joinville Island, auf. Der Sonntagmorgen überraschte uns mit ruhigem Wetter und jeder Menge Meereis und Eisbergen. Die südlichen Winde der vergangenen Tage hatten das Eis zum Teil aus dem Weddellmeer nach Norden gedrückt, Lufttemperaturen von -10°C ließen aber auch reichlich Neueis entstehen. Natürlich wurden wir von zahlreichen Adelie-Pinguinen, Pelzrobben und Krabbenfresserrobben auf den Eisschollen begrüßt. Sogar einige Schwertwale konnten gesichtet werden. Für Alle, die zum ersten Mal die Antarktis besuchen, wird dies sicherlich ein unvergessliches Erlebnis bleiben, für die „alten Hasen“ zumindest eine Genugtuung nach den trüben Tagen bei den Südlichen Shetlandinseln.
Panorama vor Joinville Island (© I. Wagner-Döbler)
Das Eis ließ uns allerdings nur schwer vorankommen, und nach zwei Grundschleppnetzen mussten wir dem massiven Eisfeld nach Westen ausweichen. Hier hoffen wir auf bessere Fanggründe.
Es grüßt Sie von der Polarstern im Namen aller Teilnehmer,
Magnus Lucassen
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