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In dichtem Packeis

von Polarstern, 09. Oktober 2008, 12:23

81°00`N 155°00’E, -2.0°C

Am Montag, nach etwas mehr als 24 Stunden Stationszeit, war die ozeanographische Messstation auf der Eisscholle installiert. Etwas traurig hinterließen einige ArchitektenInnen ein fast fertiges Iglu. Die Zeit hatte nicht mehr gereicht, um es fertig zu stellen. Nun ging es weiter nach Westen, um die Sedimente auf dem Mendelejew-Rückens zu beproben. Die Eisdecke war fast geschlossen. Das Schiff drückte sich mit voller Maschinenleistung durch die Eisschollen. Hierbei war von den Nautikern volle Konzentration abgefordert, da wir noch ein 300 m langes Messkabel sowie die Luftpulser hinter dem Schiff schleppten. Schlechte Sicht (Nebel, Dunkelheit) und schnelle Vereisung der Rotorenblätter verhinderten den regelmäßigen Einsatz unserer Helikopter, um eine optimale Fahrtroute zu erkunden.

Kaum waren wir mit den Beprobungen auf dem Mendelejew-Rücken angekommen, wurde das Eis so dicht, dass die Geophysiker ihr Messprogramm abbrechen mussten. Das 300 m lange Sensorkabel wurde mehrere Male über das Eis gezogen. Zwei Tage später, etwa bei 179°W geographischer Länge, besserte sich das Wetter und ein langer Erkundungsflug konnte durchgeführt werden. Die Satellitenbilder wurden bestätigt: In ca. 60 km wurde das Meereis deutlich lockerer. Ab diesem Punkt konnten die seismischen Messungen wieder beginnen. Unbeeindruckt von dieser Problematik arbeiteten die Geologen ihr Programm ab. Im Takt von etwa 8 Stunden holten die Greifer und Lote der Geologen neue Bodenproben an Deck, die umgehend für spätere Analysen aufgearbeitet wurden. Das gesamte Beprobungsprogramm dauerte mehr als eine Woche und konnte erfolgreich abgeschlossen werden.

Am Ende der geologischen Arbeiten sollte ein unterseeischer erloschener Vulkan (Seamount) beprobt werden. Im Vorfeld gab es immer wieder Diskussionen, ob es diesen Berg überhaupt gibt. Seine Form in der Karte sieht zu regelmäßig aus. Auf der Karte hat er eine Ausdehnung von 30x40 km und eine Höhe von 700 m über dem Meeresboden. Am Freitagabend war die Enttäuschung groß: Der Meeresboden war vollkommen eben. Der Berg beruhte auf einem Datenfehler in den Karten. Dass eine derartig große Struktur nicht vorhanden ist, zeigt uns wieder, wie schlecht der arktische Ozean bathymetrisch vermessen ist.

Anschließend gingen wir wieder auf Westkurs. Nun beginnt das Hauptprogramm der Ozeanografen. Auf den nächsten 700 km sollen automatische Bojen auf Eisschollen gesetzt und Messungen zur Temperatur, Salzgehalt und Druck der verschiedenen Wassermassen durchgeführt werden. Heute, am Sonntag, fuhren wir den gesamten Tag durch noch vor kurzem offenes Wasser. Jeder konnte sehen, wie ein Ozean zufriert. Es begann mit dünnem "Pfannkucheneis": Kleine dünne Schollen, nicht größer als 30 cm im Durchmesser und nicht dicker als 10 cm. Die Satellitenbilder zeigen allerdings, dass wir uns in der nächsten Woche wieder im dichten Packeis befinden werden.

Alle sind gesund und grüßen nach Hause.

Wilfried Jokat





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