Durch das Meer der Wirbel
Kapstadt, den 6. Dezember 2008. Nikolaustag. Eigentlich wollten wir schon seit Stunden auf dem Südatlantik Richtung Süden dampfen, aber noch immer liegt unser Forschungseisbrecher Polarstern in Kapstadt an der Pier. Arctic Diesel heißt der Grund, Treibstoff der für den Betrieb der deutschen Neumayer-Station in der Antarktis dringend gebraucht wird, ist einfach nicht zu bekommen. Der Grund ist eine akute Verknappung an Tankfahrzeugen. In den letzten Wochen sollen die Benzinpreise in Südafrika extrem hoch gewesen sein, so heißt es, seit wenigen Tagen sind sie tief gefallen, und alle Welt will jetzt die Tanks nachfüllen. So kommt es, dass unsere seit Wochen vorliegende Order von 80,000 Litern Arctic Diesel einfach nicht ans Schiff gebracht werden kann. Doch ein Machtwort des Kapitäns bringt die Wendung. Wenn nach nunmehr 18 Stunden Warten die beiden fehlenden Tankwagen nicht umgehend auftauchen, wird dass Schiff ohne sie ablegen, Punkt 14 Uhr. Minuten vor Ende des Ultimatums fahren sie auf die Pier.

Einer der Helikopter hebt
für einen Walsichtungsflug vom Deck des
Forschungseisbrechers Polarstern ab.
Foto: Kristina Lehnert

Finnwalsichtung aus dem Helikopter.
Gut sichtbar sind die hellen Barten
im geöffneten Maul. Foto: Hans Verdaat
Am nächsten Morgen beginnt eines der zentralen Projekte dieser Reise: die systematische Erfassung von Walsichtungen. Über Stunden hinweg suchen die Walbeobachter die Meeresoberfläche nach Zeichen des Leviathans ab: Eine ungewöhnliche Welle, Vögel die irgendwo kreisen, den Blas, das kurze Auftauchen einer Finne. Eigentlich beschreibt „Meeresbeobachter“ die Sache besser, denn für weit weniger als 1 Prozent der Beobachtungszeit wird ein Wal gesehen. Ist eine Sichtung gemacht, im besten Fall sogar ein Photo geschossen, beginnt eine engagierte Diskussion zur Art. Bruchteile von Sekunden nur war die Finne zu sehen: Finn- oder Seiwal? - nicht immer kann die Art endgültig bestimmen werden. Hilfreich dabei, die Sichtungsflüge per Helikopter: von dort oben läßt sich das Tier besser bestimmen, länger beobachten, mehrere Photos schießen. So gelingen einige Sichtungen und Identifizierung von ansonsten sehr schwer zu beobachtenden Arten: dem Südlichen Entenwal und dem Layard-Wal. Die mühsame Arbeit kostet ihren Preis: müde fallen die elf Beobachter abends ins schaukelnde Bett. Mit dem nächsten Sonnenaufgang werden sie Ihre Beobachtungspositionen wieder besetzt haben.

Walbeobachter im Krähennest des
Forschungseisbrechers Polarstern.
Foto: Hans Verdaat
Herzliche Grüße,
Olaf Boebel
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