Auf Heimatkurs
Planmäßig wurde am vergangenen Sonntagmorgen um 6:00 Uhr mit dem Ausbringen des seismischen Streamers begonnen, um das letzte reflexionsseismische Profil unseres Arbeitsprogramms zu messen. Die Linie bildet die Verlängerung eines seismischen Profils, das 2008 gemessen wurde, bis auf den grönländischen Schelf vor Disko Island. Der Anfang dieses seismischen Profils befindet sich in unmittelbarer Nähe von Lizenzgebieten, in denen bereits von der Erdölindustrie erste Explorationsbohrungen niedergebracht werden. Das Bohrschiff STENA FORTH, das im Auftrag der schottischen Ölfirma Cairn hier bereits fündig geworden war, und einige Begleitschiffe wurden in unmittelbarer Nähe vor Beginn der Profilarbeiten passiert.
Das Ende dieser letzten Linie
wurde dann exakt 24 Stunden später wenige Meilen vor der Küste erreicht.
Eine weitergehende Datenakquisition in dieser Region war nicht
vorgesehen und wäre wegen Explorationsaktivitäten nicht unproblematisch
gewesen. Damit war unser Forschungsprogramm planmäßig abgearbeitet und
alle Außenbordsysteme wurden an Bord genommen. Unglücklicherweise hatte
sich das Kabel der Magnetiksonden mit dem seismischen Streamer vertörnt,
sodass es länger als üblicherweise dauerte, alle Geräte wieder an Bord
zu nehmen, während FS POLARSTERN östlich an Disko Island vorbei bereits
Kurs auf Ilulissat nahm. Als letzte Aufgabe vor Antritt der Heimreise
wurde hier per Helikopter unsere Walbeobachterin Sarah Stelter
rechtzeitig abgesetzt, um am Folgetag ihre Heimreise in die USA
anzutreten.
Nachdem FS POLARSTERN den ganzen Tag über zwischen
den zahlreichen Eisbergen manövrierte, die über den Ilulissat-Eisfjord
vom Jakobshavn-Gletscher, einem der aktivsten Gletscher der Erde mit
Fließgeschwindigkeiten von 20 bis 50 m pro Tag, in den Meeresarm
zwischen Festland und Disko Island transportiert werden, wurde dann
gegen Abend wieder freieres Wasser erreicht. Nun wurde die endgültige
Heimreise angetreten. Die folgenden Tage sind ausgefüllt mit
verbleibender Datenauswertung, Probenbearbeitung, der Anfertigung der
erforderlichen Fahrtberichte und mit dem Verpacken der Geräte und
Ausrüstung.
Die bislang vorliegenden Ergebnisse weisen den
grönländischen Teil der Baffin Bay als typischen passiven Kontinentrand
mit seewärts gerichteten Störungen und tiefen Beckenstrukturen mit
mächtigen Sedimentfüllungen aus. Bislang unbekannt war, dass der
Kontinentrand in einigen Abschnitten offenbar durch Vulkanite geprägt
ist. Anhand der seismischen Reflektoren lassen sich zudem mehrere
Riftphasen rekonstruieren und die Verbreitung ozeanischer Kruste sowie
deren Abgrenzung zu kontinentaler Kruste besser als bisher definieren.
Eine
10-wöchige Forschungsfahrt geht zu Ende, die der BGR nach 17-jähriger
Unterbrechung erstmals wieder die Möglichkeit bot, FS POLARSTERN für ein
marines geowissenschaftliches Forschungsprojekt in den Polargebieten zu
nutzen.
Die Zusammenarbeit mit der Schiffsführung war exzellent,
die Unterstützung durch die gesamte Mannschaft und der gesamte Service
an Bord ebenso hervorragend und beispielhaft. Dem Kapitän und der
gesamten Mannschaft gebührt unser Dank für die erfolgreiche Durchführung
unseres Arbeitsprogramms und für einen für alle äußerst angenehmen
Aufenthalt an Bord. Letztmalig grüßen die Kollegen während unserer
Forschungsfahrt von Bord FS POLARSTERN in die Heimat.
Volkmar Damm




>Die bislang vorliegenden Ergebnisse
>weisen den grönländischen Teil der Baffin
>Bay als typischen passiven Kontinentrand >... aus.
Was hat Euch denn dort interessiert? Wenn ich bei Google Earth nachsehe, würde ich sagen, es ist ein passiver Kontinentrand.