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Auf Heimatkurs

von Polarstern, 17. Oktober 2010, 12:52

Planmäßig wurde am vergangenen Sonntagmorgen um 6:00 Uhr mit dem Ausbringen des seismischen Streamers begonnen, um das letzte reflexionsseismische Profil unseres Arbeitsprogramms zu messen. Die Linie bildet die Verlängerung eines seismischen Profils, das 2008 gemessen wurde, bis auf den grönländischen Schelf vor Disko Island. Der Anfang dieses seismischen Profils befindet sich in unmittelbarer Nähe von Lizenzgebieten, in denen bereits von der Erdölindustrie erste Explorationsbohrungen niedergebracht werden. Das Bohrschiff STENA FORTH, das im Auftrag der schottischen Ölfirma Cairn hier bereits fündig geworden war, und einige Begleitschiffe wurden in unmittelbarer Nähe vor Beginn der Profilarbeiten passiert. 

FS Polarstern bei der Durchführung seismischer Messungen. (Foto: M. Koch)

Das Ende dieser letzten Linie wurde dann exakt 24 Stunden später wenige Meilen vor der Küste erreicht. Eine weitergehende Datenakquisition in dieser Region war nicht vorgesehen und wäre wegen Explorationsaktivitäten nicht unproblematisch gewesen. Damit war unser Forschungsprogramm planmäßig abgearbeitet und alle Außenbordsysteme wurden an Bord genommen. Unglücklicherweise hatte sich das Kabel der Magnetiksonden mit dem seismischen Streamer vertörnt, sodass es länger als üblicherweise dauerte, alle Geräte wieder an Bord zu nehmen, während FS POLARSTERN östlich an Disko Island vorbei bereits Kurs auf Ilulissat nahm.  Als letzte Aufgabe vor Antritt der Heimreise wurde hier per Helikopter unsere Walbeobachterin Sarah Stelter rechtzeitig abgesetzt, um am Folgetag ihre Heimreise in die USA anzutreten.

Nachdem FS POLARSTERN den ganzen Tag über zwischen den zahlreichen Eisbergen manövrierte, die über den Ilulissat-Eisfjord vom Jakobshavn-Gletscher, einem der aktivsten Gletscher der Erde mit Fließgeschwindigkeiten von 20 bis 50 m pro Tag, in den Meeresarm zwischen Festland und Disko Island transportiert werden, wurde dann gegen Abend wieder freieres Wasser erreicht. Nun wurde die endgültige Heimreise angetreten. Die folgenden Tage sind ausgefüllt mit verbleibender Datenauswertung, Probenbearbeitung, der Anfertigung der erforderlichen Fahrtberichte und mit dem Verpacken der Geräte und Ausrüstung.

Abreise der Walbeobachterin Sarah Stelter nach Beendigung der seismischen Arbeiten. (Foto: T. Altenbernd)

Die bislang vorliegenden Ergebnisse weisen den grönländischen Teil der Baffin Bay als typischen passiven Kontinentrand mit seewärts gerichteten Störungen und tiefen Beckenstrukturen mit mächtigen Sedimentfüllungen aus. Bislang unbekannt war, dass der Kontinentrand in einigen Abschnitten offenbar durch Vulkanite geprägt ist. Anhand der seismischen Reflektoren lassen sich zudem mehrere Riftphasen rekonstruieren und die Verbreitung ozeanischer Kruste sowie deren Abgrenzung zu kontinentaler Kruste besser als bisher definieren.

Eine 10-wöchige Forschungsfahrt geht zu Ende, die der BGR nach 17-jähriger Unterbrechung erstmals wieder die Möglichkeit bot, FS POLARSTERN für ein marines geowissenschaftliches Forschungsprojekt in den Polargebieten zu nutzen.

Die Zusammenarbeit mit der Schiffsführung war exzellent, die Unterstützung durch die gesamte Mannschaft und der gesamte Service an Bord ebenso hervorragend und beispielhaft. Dem Kapitän und der gesamten Mannschaft gebührt unser Dank für die erfolgreiche Durchführung unseres Arbeitsprogramms und für einen für alle äußerst angenehmen Aufenthalt an Bord. Letztmalig grüßen die Kollegen während unserer Forschungsfahrt von Bord FS POLARSTERN in die Heimat.

Volkmar Damm

Kapitän Pahl und die Nautiker von FS Polarstern planen die Transitfahrt nach Bremerhaven. (Foto: M. Koch)

 





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Kommentare

  1. Kai Hiltmann Forschungsziel?
    17.10.2010, 23:54

    >Die bislang vorliegenden Ergebnisse
    >weisen den grönländischen Teil der Baffin
    >Bay als typischen passiven Kontinentrand >... aus.

    Was hat Euch denn dort interessiert? Wenn ich bei Google Earth nachsehe, würde ich sagen, es ist ein passiver Kontinentrand.

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