Über das Blog

Autor der Wochenberichte ist der jeweilige Fahrtleiter auf der Polarstern.
Die Polarstern
Polarstern wurde eigens für die Arbeit in den Polarmeeren konzipiert und ist gegenwärtig das leistungsfähigste Polarforschungsschiff der Welt. Betrieben wird Polarstern vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft. An nahezu 320 Tagen im Jahr ist der Forschungseisbrecher auf See und bereist gewöhnlich zwischen November und März die Antarktis und im Nordsommer die arktischen Gewässer. Seit ihrer Indienststellung, 1982, hat Polarstern über 46 Expeditionen in Arktis und Antarktis abgeschlossen. Das Schiff ist für biologische, geologische, geophysikalische, glaziologische, chemische, ozeanographische und meteorologische Forschungsarbeiten ausgerüstet und verfügt über neun wissenschaftliche Labors. Zusätzliche Laborcontainer können auf und unter Deck gestaut werden. Neben der Forschung versorgt Polarstern regelmäßig die antarktische Überwinterungsstation Neumeyer und die Sommerstationen.
Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung
Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Interdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit sind seit der Gründung vor über 25 Jahren seine tragenden Säulen. Die Forschungsthemen reichen von der Tiefsee bis in die Atmosphäre, von der Klimageschichte bis zur Aquakultur. Das Alfred-Wegener-Institut forscht in beiden Polargebieten und den Ozeanen der mittleren und hohen Breiten. Neben dem Hauptsitz in Bremerhaven gehören die Forschungsstelle Potsdam, die Biologische Anstalt Helgoland und die Wattenmeerstation Sylt zum Forschungszentrum.
http://www.awi.de
Die Expedition ARK-XXIII/2
- Zusammenfassung und Fahrtverlauf -
Das Forschungsarbeiten während der Reise erfolgen im Rahmen des Internationalen Polarjahres 2007/2008 (IPY). Das Untersuchungsgebiet des Fahrtabschnitts ARK-XXIII/2 umfasst die Framstraße zwischen Spitzbergen und Grönland sowie die Nordostwasser Polynja an der nordöstlichen Spitze von Grönland.
Die Forschungsarbeiten werden mit ozeanographischen Studien beginnen, um den Wassermassen- und Wärmeaustausch zwischen dem Atlantischen Ozean und dem Nordpolarmeer zu untersuchen. Die für die Langzeitmessungen ausgelegten Verankerungen werden aufgenommen und wieder ausgelegt. In Rahmen der biologischen Arbeiten im sogenannten „AWI-Hausgarten“ werden schwerpunkmäßig die benthischen Lebensgemeinschaften untersucht. Neben dem Austausch von Verankerungen werden optische Systeme zur Erfassung der Besiedlung des Bodens eingesetzt sowie Netzfänge und Sedimentproben genommen.
Danach wird Polarstern nach Norden fahren, um Geräte für die seismischen und geodätischen Arbeiten auf großen Eisschollen bzw. auf Grönland per Helikopter auszubringen. So sollen Erdbeben von extrem geringer Stärke bzw. die vertikalen und horizontalen Bewegungsraten der grönländischen Erdkruste bestimmt werden.
Nach Ausbringen der Sensoren werden in der Nordostwasser Polynja vor Grönland hydrographische, chemische und biologische Untersuchungen durchgeführt. Das Mesozooplankton wird in hoher Auflösung mit einem neu entwickelten optischen System bestimmt. Die chemischen Arbeiten konzentrieren sich auf die Produktion von Methan und Dimethylsulfide (DMS), beides wichtige Gase in der Atmosphäre. Anhand der Nährsalzkonzentrationen auf dem grönländischen Schelf wird der Anteil pazifischen Wassers, das durch die Beringstraße in den arktischen Ozean gelangt, bestimmt.
Während des gesamten Fahrtabschnitts werden die Beobachtungen von Seevögeln und Säugetieren fortgesetzt. Nach Abschluss der Arbeiten in der Polynja werden die Sensoren auf den Eisschollen und auf Grönland wieder aufgenommen.
Fahrtverlauf:
4. Juli 2008: Auslaufen Longyearbyen (Spitzbergen)
5. Juli 2008: Beginn Stationsarbeiten
10. August 2008: Einlaufen Reykjavik (Island)
Die Expedition ARK-XXIII/3
- Zusammenfassung und Fahrtverlauf -
Am 12. August 2008 verlässt Polarstern Reykjavik mit Richtung Ostsibirische See. Wenn die Eisbedingungen es zulassen, wird Polarstern erstmals die Nordwestpassage durchfahren, um in das Untersuchungsgebiet zu gelangen. Auch der dritte Fahrtabschnitt der diesjährigen Arktissaison des vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtzgemeinschaft betriebenen Forschungsschiffes steht im Zeichen des Internationalen Polarjahres 2007/2008.
Schwerpunkt der Reise werden geowissenschaftliche Messungen an der Schnittstelle des Mendelejew-Rückens mit dem Ostsibirischen Schelf sein. Es werden reflexionsseismische Daten erhoben, um die tektonische Entwicklung der Region besser verstehen zu können. In Gebieten mit hohen Sedimentationsraten sollen Sedimentkerne gezogen werden, damit die jüngere geologische Vergangenheit hinsichtlich der Meereisbedeckung näher erkundet werden kann. Finden die Wissenschaftler Hinweise darauf, dass geologisch alte Schichtabfolgen ausbeißen (also an der Oberfläche des Ozeangrundes hervortreten), versuchen sie dort, Proben mit dem Schwerelot zu ziehen.
Parallel zu den geologischen Stationen werden ozeanografische Experimente (CTD Messungen) durchgeführt. Diese dokumentieren die Änderungen in der Zusammensetzung der Wassermassen in der Arktis. Geochemische Arbeiten (Isotopenanalysen) sind vorgesehen, um die Transportwege der unterschiedlichen arktischen Wassermassen zu beschreiben. Hierfür liefert das wissenschaftliche Pumpensystem von Polarstern kontinuierlich Meerwasser, außerdem nehmen die Forscher parallel zu den CTD Messungen Wasserproben mit der ozeanografischen Rosette.
Weitgehend unerforscht ist auch die Artzusammensetzung im Untersuchungsgebiet, so dass Biologen mit einem Multinetz die vorkommenden Arten bestimmen und auf dieser Basis die Biodiversität entlang des Mendelejew-Rückens beschreiben möchten. Auch auf dem dritten Fahrtabschnitt beobachten Wissenschaftler das Auftreten von Seevögeln und Säugetieren.
Über die Nordostpassage wird Polarstern die Ostsibirische See wieder verlassen und am 19. Oktober 2008 in Bremerhaven zurückerwartet.

