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Von Bussen und Menschen

13. April 2012, 14:02

Es gibt einen uralten Witz, in dem Klein Fritzchen aufgeregt nach Hause kommt: „Mutti, Mutti, ich habe eine Mark [ja, so alt ist der Witz] gespart!“ Die Mutter fragt erstaunt, wie er das gemacht habe. „Ich bin von der Schule bis hier her dem Bus hinterher gelaufen“, sagt Fritzchen. „Schade“, antwortet die Mutter, „dass du nicht stattdessen einem Taxi hinterhergelaufen bist: Da hättest du zehn Mark sparen können.“

Spinnen wir den Witz aus der Sicht des hypothetischen Busfahrers weiter. Der kommt in die Zentrale und murrt: „Mist, wir haben gerade eine Mark Verlust gemacht.“ „Wie das?“ fragen die Kolleg/innen. „Dieser gemeine Fritz ist Schuld,“ sagt der Busfahrer. „Er ist neben dem halbleeren Bus hergelaufen, statt einzusteigen.“ „Nur gut, dass Fritz alleine war“, merkt eine Kollegin an. „Stell dir vor, der hätte zehn Freunde dabei gehabt, dann hätten wir zehn Mark Verlust gemacht.“ » weiter

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Erdbeerquark (eine Antwort auf Jürgen Schönstein)

07. April 2012, 12:33

Drüben auf den ScienceBlogs antwortet Jürgen Schönstein auf meinen gestrigen Offenen Brief und konstruiert dabei eine äußerst fragwürdige Erdbeeranalogie. Dieser Beitrag begann als Kommentar zu seinem, wurde mir dann aber zu lang, um damit seinen Kommentarbereich zu besetzen. Also erst Jürgens Text lesen, dann meine Antwort, die (da sie als Kommentar gedacht war, schon wieder den Tonfall eines Briefes hat: » weiter

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Der „böse Gauck“ und das Netz

21. Februar 2012, 04:04

Seit ein paar Tagen schon werden die Vor- und Nachteile eines Bundespräsidenten Gauck in den sozialen Netzwerken intensiv diskutiert. Den Anfang machten diverse Tweets mit Gauck-Zitaten, die am bisher weitgehend positiven Bild des Kandidaten kratzten (auch ich habe solche Tweets geschrieben, ein freundlicher Mensch hat sie hier zusammengetragen.

Gestern gab es nun zwei Kontrapunkt in dieser (zugegebenerweise etwas ziellosen) Diskussion: Erstens entschuldigte sich Julia Seeliger, die auch ein paar Gauck-Zitate getwittert hatte, in ihrem Blog bei Gauck dafür, diese Zitate aus dem Zusammenhang gerissen zu haben, was für sie einer „Desinformation“ gleich kam, von der sie sich distanzieren wollte. 

Zweitens entdeckten die traditionelleren Online-Medien die Diskussion und griffen sie auf, indem sie Seeligers Selbstkritik in überzogener Form auf das Internet im Großen und Ganzen ausdehnten: „Gaucks Gegner sammeln sich im Netz“ meldet Fabian Reinbold auf Spiegel Online, „Die Web-Gemeinde wendet sich gegen ihren einstigen Liebling“. Die Kritik ist hier noch relativ mild, es wird, mit Bezug auf Seeligers Blog, lediglich angedeutet, dass die Zitate möglicherweise nicht Gaucks tatsächliche Positionen wiedergeben. Deutlicher ist Christian Jakubetz im Cicero: „Wie das Netz den bösen Gauck erfand“, titelt er, und gibt dann vor zu zeigen, wie Gaucks Äußerungen im Kontext gar nicht so zu interpretieren seien, wie „das Netz“ das tue. » weiter

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Dreh den Stresstest auf

17. Dezember 2011, 09:33

Ohne Wörterwahlen wäre die Welt vielleicht kein besserer, aber ganz sicher auch kein schlechterer Ort -- aber da ich selbst in verantwortlicher Position an einer Wörterwahl beteiligt bin, fühle ich mich verpflichtet, auch die Arbeit der anderen wohlwollend zu kommentieren.

Vom Jugendwort des Jahres war ich ja durchschnittlich angetan (wobei die Jury selbst noch weniger begeistert wirkte). Ich will aber klarstellen (das habe ich in meinem Beitrag letzte Woche versäumt), dass das Jugendwort 2011 -- swag -- bei Weitem das beste Jugendwort seit Langem ist, einfach schon deshalb, weil es nicht einfach frei erfunden ist. » weiter

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Der Ekel des Hofmedicus vor kecken Studentinnen

21. November 2011, 12:59

Im Zusammenhang mit meiner kleinen Untersuchung zu Aufstieg und Fall des Wortes Studierende habe ich auch nach frühen Verwendungen des Wortes Studentin gesucht, und dabei dieses Juwel entdeckt: Henrich Matthias Marcard, Königlich Großbrittanischer Hofmedicus zu Hannover, Mitglied der Königlichen Großbrittannischen und Königlichen Dänischen Gesellschaften der Aerzte zu Edinburg und zu Copenhagen, der Goettingischen Societät der Wissenschaften Correspondenten, beschreibt junge Menschen, die er in Pyrmont beobachtet hat.

Um es mal so zu sagen, er hat für junge Leute nicht viel übrig -- und für kluge Frauen schon gar nicht:  » weiter

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Homöopathische Sprachfallen und wie GEO sie nicht vermeidet

27. August 2011, 13:19

Die aktuelle GEO-Titelgeschichte „Die neue Heilkunst“ sorgt in der Skeptik- und Wissenschaftsblogcommunity schon seit ein paar Wochen für Unmut, denn in dieser Geschichte geht es nicht um eine neue Heilkunst, sondern um die Scharlatanerie, die unter dem Namen „Alternativmedizin“ firmiert. Dieser Unmut hat sich in den letzten Tagen verdichtet, nachdem die GEO-Redaktion in einer Diskussion auf der GEO-Facebookseite zunächst gar nicht, dann abwedelnd und dann pseudoeinsichtig auf Kritik an der Geschichte eingegangen ist.

Ich will mich mit dem GEO-Artikel selbst nicht weiter aufhalten (das ist z.B. hier in hervorragender Weise geschehen, der Artikel ist hier online verfügbar, sodass sich alle selbst ihr Bild davon machen können). Ich will auch nicht die Frage stellen, warum ein (wenigstens früher einmal) hoch angesehenes Wissensmagazin wie GEO eine Titelgeschichte über ein medizinisches Thema nicht von jemandem schreiben lässt, der sich mit Medizin auskennt, sondern von einer Politikwissenschaftlerin -- oder warum diese Politikwissenschaftlerin sich auch auf Focus Online als medizinische Expertin gerieren darf (das ist z.B. hier behandelt worden). Ich will mich auch nicht im Detail mit dem Verhalten der GEO-Redaktion im betreffenden Diskussionsstrang auf GEOs Facebookseite beschäftigen (am besten, man liest sich den Strang selbst durch).

Stattdessen will ich mich -- wir sind ja im Sprachlog -- mit einigen sprachlichen Aspekten der Antwort der GEO-Redaktion befassen, die für solche Debatten auch allgemein typisch sind und die zeigen, dass der Verfasser, der stellvertretende Chefredakteur Jens Schröder, tief in der sprachlichen Welt der pseudomedizinischen Esoterik verhaftet ist (womit ich übrigens, darauf weise ich ausdrücklich hin, keinerlei Aussage darüber machen will, ob er auch gedanklich in dieser Welt verhaftet ist). Mein Beitrag ist im Prinzip eine etwas länger ausformulierte Fassung eines Kommentars, den ich in der Diskussion auf der Facebookseite von GEO abgegeben habe, er erhebt keinen Anspruch auf Systematik oder Vollständigkeit. » weiter

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Sherlock Holmes und die Mormonen von Virginia

17. August 2011, 15:02

Seit einigen Tagen braut in den englischsprachigen Medien ein Sturm der Entrüstung über den jüngsten Fall von amerikanischer Zensurwut. Erwischt hat es diesmal Arthur Conan Doyles A Study in Scarlet („Eine Studie in Scharlachrot“), das in einem kleinen Schuldistrikt in Virginia für Unruhe sorgt. Grund dafür ist die unvorteilhafte Darstellung der mormonischen Kultur und Religion darin. Deshalb, so entnimmt man den Meldungen, sei das Buch jetzt „verboten“ worden -- ein paar Überschriften zur Illustration: Sherlock Holmes book banned in Albemarle County, Virginia (Los Angeles Times), School board yanks Sherlock Holmes book because it trashes Mormons (Standard Examiner), und sogar Book Banning is Alive and Well in Virginia (Forbes).

Heute erreichen die ersten Vorläufer dieses Sturms auch die deutschen Medien. Das Deutschlandradio Kultur titelte heute früh noch neutral „Erster Sherlock Holmes-Band in Virginia von Literaturliste genommen - angeblich mormonen-feindlich“, spricht dann aber davon, dass das Buch „an Schulen im US-Bundesstaat Virginia nicht mehr erwünscht“ sei. Eine Pressemeldung der DPA, die in diesen Stunden ihren Siegeszug durch die Online-Medien antritt, trägt die etwas aufgeregtere Schlagzeile „Schulbehörde verbannt Sherlock Holmes vom Lehrplan“ und portraitiert das Ganze als quasi-bilderstürmerischen Akt: » weiter

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Pippi, geh von Bord

11. August 2011, 11:04

In meinem Beitrag vom Montag habe ich das Problem des Wortes Neger und seiner Ableitungen in Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf geht an Bord und Pippi in Taka-Tuka-Land diskutiert und argumentiert, dass es aus übersetzungstheoretischer Sicht falsch wäre, Lindgrens schwedisches neger aus den 1940er Jahren im 21. Jahrhundert mit dem deutschen Neger zu übersetzen, da ersteres zur Zeit Lindgrens angeblich neutral, letzteres spätestens heute aber negativ belegt ist. Ich habe weiter argumentiert, dass auch semantisch angemessene Übersetzungen wie dunkelhäutiger Mensch das eigentliche Problem tief in diese Erzählungen verwobener rassistischer Stereotype nicht lösen. Die Frage, die am Ende offenblieb und mit der ich mich heute befassen will, war die, wie man mit diesem Problem am besten umgeht.

Der Oetinger-Verlag, der die deutschen Übersetzungen der Pippi-Langstrumpf-Bücher verlegt, hat sich 2009 zu einer Neubearbeitung entschieden: » weiter

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Zwei gute Nachrichten für alle Sprachlogfans

01. Juli 2011, 15:53

Die gute zuerst: Ab der nächsten Woche werde ich mich im Sprachlog wieder mehr mit Sprache und weniger mit Plagiaten beschäftigen.

Und jetzt die gute: Auch diejenigen, die sich für die aktuellen Plagiatsaffären und deren wissenschaftliche, politische und mediale Aufarbeitung interessieren, kommen nicht zu kurz. Sie können das Thema seit dieser Woche auf dem eigens dafür gegründeten Blog „De Plagio“ gezielt verfolgen.

Aber es kommt noch besser:  » weiter

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Kein Etappensieg für den Anstand

26. Juni 2011, 10:37

Silvana Koch-Mehrins halbherziger Rückzug aus dem Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie ist weder Zeichen dafür, dass sie ihren Anstand oder ihren Respekt vor Wissenschaft und Gesellschaft wiedergefunden hat, noch ist es ein Triumph für diejenigen, die diesen Anstand und Respekt eingefordert haben.

Denn dass eine überführte wissenschaftliche Betrügerin nicht in einem Gremium sitzen darf, das über europäische Forschung und deren (viele Milliarden Euro schwere) Finanzierung mitentscheidet, sollte die selbstverständlichste Angelegenheit der Welt sein. Es sollte keines öffentlichen Aufschreis, keiner Petitionen, keiner ätzend sezierenden Artikel und Kolumnen, keines Spotts und keiner Rücktrittsforderungen von Politikern und keiner Verurteilung des Vorgangs durch die Schwergewichte der deutschen Forschungslandschaft bedürfen, um das klarzustellen.

Nun, wo Koch-Mehrin das zwar vermutlich nicht eingesehen, aber doch wenigstens danach gehandelt hat, müssen wir uns deshalb der eigentlichen Frage zuwenden: Wie wollen wir mit wissenschaftlichen Betrüger/innen in verantwortungsvollen Positionen umgehen?  » weiter

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