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Hymnische Liebschaften

21. Juli 2011, 10:55

Wie die österreichische Zeitung Der Standard vor einigen Tagen berichtet hat, haben sich SPÖ, ÖVP und Grüne darauf geeinigt, den Sexismus (wenigstens teilweise) aus dem Text der österreichischen „Bundeshymne“ zu entfernen. Die Hymne beginnt wie folgt:

Land der Berge, Land am Strome,
Land der Äcker, Land der Dome,
Land der Hämmer, zukunftsreich!
Heimat bist du großer Söhne,
Volk, begnadet für das Schöne,
Vielgerühmtes Österreich ...

Die dritte Zeile soll nun so umgedichtet werden, dass neben den Söhnen auch die Töchter Erwähnung finden. Dabei ist die Möglichkeit Heimat großer Töchter, Söhne ebenso im Gespräch, wie Heimat bist du großer Töchter und großer Söhne (wobei mir nicht klar ist, wie letzteres metrisch eingepasst werden soll).

Da mich schon an der Marginalisierung von Frauen bei Legofiguren störe, dürfte es nicht überraschen, dass ich diesen Schritt begrüßenswert finde, allerdings mit zwei Einschränkungen. » weiter

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Titelhuberei

18. Juli 2011, 10:12

Wiederholt bin ich in den letzten Tagen auf das Wort Titelhuberei angesprochen und angeschrieben worden, das Krista Sager in ihrer Pressemeldung zur Streichung von Doktortiteln aus dem Personalausweis verwendet hat. Ob das ein neues Wort sei, wurde ich gefragt, was es genau bedeute und woher es komme.

In die aktuelle Debatte eingeführt hat dieses Wort, soweit ich herausfinden konnte, Bundesbildungsministerin (Hon.-Prof. Dr.) Annette Schavan, die es am Wochenende des 18./19. Juni gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung verwendet hat: Ihrer Meinung nach sollte der Doktortitel „Ausdruck einer wissenschaftlichen Qualifikation und nicht ein Statussymbol oder Titelhuberei sein“. » weiter

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Blogspektrogramm #3

16. Juli 2011, 14:58

Blogspektrogramm Bei */ˈdɪːkæf/ gibt es seit gestern das Blogspektrogramm #3 mit den besten sprachwissenschaftlichen Blogbeiträgen aus dem Juni. Meine persönlichen Highlights sind Michael Manns dreiteilige Serie über das Wort Meuchelpuffer und der erste Teil von Susanne Flachs Serie zur Wortgeschichte von Keks.

Aber auch das Schplock, das Texttheater, Dr. Bopp und das Sprachlog sind natürlich wieder mit dabei. Schauen Sie bei */ˈdɪːkæf/ vorbei und sehen Sie selbst!

Außerdem ein Aufruf: Wer kennt noch deutschsprachige Blogs, die auch ins Blogspektrogramm gehören? Um mit dabei zu sein, muss ein Blog (a) schwepunktmäßig sprachbezogene Beiträge publizieren und (b) von Autor/innen mit sprachwissenschaftlicher Kompetenz (mit-)geschrieben werden (das können Studierende oder Absolventen der Sprachwissenschaft oder eng verwandter Fächer, wie Übersetzungswissenschaft, Sprachdidaktik, Sprachphilosophie oder Sprachpsychologie sein). Nominierungen (auch Selbstnominierungen) einfach hier oder bei */ˈdɪːkæf/ in die Kommentare!

Die Blogspektrogramme im Überblick:



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Titelkämpfe

15. Juli 2011, 14:16

In den Kommentaren zu meinem Beitrag zu Adels- und akademischen Titeln hatte ich etwas voreilig einen Nachtrag zur deren tatsächlicher Verwendung versprochen, und da die Grünen nun den Doktortitel aus dem Personalausweis streichen wollen, ist es höchste Zeit, diesen Nachtrag Wirklichkeit werden zu lassen.

Zunächst will ich noch einmal kurz die Sach- und Rechtslage zu akademischen Graden und Adelstiteln zusammenfassen, die ich in meinem letzten Beitrag ausführlicher dargestellt hatte (Punkt 1 übernehme ich dabei weitgehend wörtlich aus meinem aktuellen Parallelbeitrag bei DE PLAGIO):

Akademische Grade existieren und dürfen von ihren Inhabern öffentlich geführt werden -- auf Visitenkarten und Briefpapier, auf Praxis- und Firmenschildern und natürlich auf Wahlplakaten. Das gilt nicht nur für den Doktorgrad, sondern auch für den BA, den MA, den Dipl. usw. Tatsächlich ist es in Deutschland relativ unüblich, Grade öffentlich zu führen -- den BA und MA führt kaum jemand (außer vielleicht auf einer universitären Webseite). Der Dr. wird schon häufiger geführt -- von Wissenschaftler/innen aber häufig nur im universitären Kontext, und von vielen gar nicht. Am Durchgängigsten scheint mir der Dipl.-Ing. geführt zu werden.

Etwas verwirrend ist nun die Tatsache, dass der Doktorgrad als einziger akademischer Grad im Personalausweis und im Reisepass eingetragen werden kann (aber nicht muss). Das führt zu viel Verwirrung bezüglich der Frage, ob er damit zu einem „Namensbestandteil“ wird (Antwort: im rechtlichen Sinne nicht, im Alltagsverständnis sicher). Die Frage ist aber ohnehin nebensächlich, da sie keinerlei Auswirkungen auf das öffentliche Führen des Grades hat. Ich kann einen Grad führen oder auch nicht, egal, ob ich ihn im Personalausweis stehen habe oder nicht. » weiter

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Im Rausch der Titel

08. Juli 2011, 11:01

Da die Plagiatsfälle gerade auf uns herunterregnen wie Kröten nach einem Tornado in Ishikawa, lässt mich das Thema doch auch hier im Sprachlog noch nicht los. Ein aktuell diskutierter Aspekt des Themas hat zudem durchaus einen sprachlichen Bezug: Die Frage, was akademische „Titel“ eigentlich sind, und ob man deren Missbrauch nicht abstellen könnte, indem man diese „Titel“ einfach abschaffte (siehe dazu die Diskussion in unserem Blog DE PLAGIO).

Häufig findet auch eine merkwürdige Vermischung von akademischen „Titeln“ und „Adelstiteln“ statt -- z.B. in der Sendung „Anne Will“, in der es insgesamt ja recht munter durcheinander ging.

Grund genug für mich, hier im Sprachlog einmal zusammenzufassen, was ein „akademischer Titel“ eigentlich ist, und wie er sich von einem „Adelstitel“ unterscheidet. » weiter

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Zwei gute Nachrichten für alle Sprachlogfans

01. Juli 2011, 15:53

Die gute zuerst: Ab der nächsten Woche werde ich mich im Sprachlog wieder mehr mit Sprache und weniger mit Plagiaten beschäftigen.

Und jetzt die gute: Auch diejenigen, die sich für die aktuellen Plagiatsaffären und deren wissenschaftliche, politische und mediale Aufarbeitung interessieren, kommen nicht zu kurz. Sie können das Thema seit dieser Woche auf dem eigens dafür gegründeten Blog „De Plagio“ gezielt verfolgen.

Aber es kommt noch besser:  » weiter

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Kein Etappensieg für den Anstand

26. Juni 2011, 10:37

Silvana Koch-Mehrins halbherziger Rückzug aus dem Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie ist weder Zeichen dafür, dass sie ihren Anstand oder ihren Respekt vor Wissenschaft und Gesellschaft wiedergefunden hat, noch ist es ein Triumph für diejenigen, die diesen Anstand und Respekt eingefordert haben.

Denn dass eine überführte wissenschaftliche Betrügerin nicht in einem Gremium sitzen darf, das über europäische Forschung und deren (viele Milliarden Euro schwere) Finanzierung mitentscheidet, sollte die selbstverständlichste Angelegenheit der Welt sein. Es sollte keines öffentlichen Aufschreis, keiner Petitionen, keiner ätzend sezierenden Artikel und Kolumnen, keines Spotts und keiner Rücktrittsforderungen von Politikern und keiner Verurteilung des Vorgangs durch die Schwergewichte der deutschen Forschungslandschaft bedürfen, um das klarzustellen.

Nun, wo Koch-Mehrin das zwar vermutlich nicht eingesehen, aber doch wenigstens danach gehandelt hat, müssen wir uns deshalb der eigentlichen Frage zuwenden: Wie wollen wir mit wissenschaftlichen Betrüger/innen in verantwortungsvollen Positionen umgehen?  » weiter

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Das Ende der Lügen

22. Juni 2011, 21:57

Inzwischen dürfte allen klar sein, dass der Fall Guttenberg nur einer von vielen ähnlichen akademischen Betrugsfällen war -- der erste, bei dem ein hochkarätiger Politiker von der kollaborativen Öffentlichkeit des Internet so gründlich und eindeutig enttarnt wurde, dass dem Promotionsausschuss seiner Universität nichts zu tun blieb, als das zu bestätigen, was bereits für jeden öffentlich nachprüfbar war.

Veronica Saß und Silvana Koch-Mehrin werden nicht die einzigen bleiben, denen es in der Folge dieses spektakulären Falles ebenso ergeht. Tatsächlich sage ich voraus, dass alle der aktuell auf VroniPlag bearbeiteten Fälle in einem Entzug des Titels enden werden, auch wenn sich einige Universitäten wahrscheinlich schwerer damit tun werden, als die Universitäten Bayreuth, Konstanz und Heidelberg (die sich, das muss man im Nachhinein ohne Einschränkung feststellen, alle vorbildlich verhalten haben).

Allerdings zeichnet sich schon beim aktuellen Fall der Europa-Abgeordneten und ehemaligen Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments eine gefährliche Ermüdungserscheinung im öffentlichen Diskurs ab: Mit dem Titelentzug legt sich die Empörung, zumindest die, die über Unmutsäußerungen oder sarkastische Kommentare hinausgeht. » weiter

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Nachdenken über Silvana Koch-Mehrin

16. Juni 2011, 14:12

Während Guttenberg noch von „vergessenen Fußnoten“ sprach und damit das Plagiat zugab und nur die Absicht bestritt, mag die gerade enttitelte Silvana Koch-Mehrin nicht einmal die wörtliche Übernahme fremder Texte einräumen. Allenfalls Qualitätsmängel ihrer Arbeit thematisiert sie in ihrer Stellungnahme:

Meine Doktorarbeit ist nicht frei von Schwächen, nicht selten ungenau, oberflächlich und manchmal geradezu fehlerhaft. Es wäre auch zu wünschen gewesen, dass ich deutlich gemacht hätte, auf welche Literatur ich mich jeweils stütze. Es werden Aussagen gemacht, ohne dass auch nur ein einziger Beleg genannt würde.

Dieser Mangel an (nach außen sichtbarer) Einsicht ist deshalb umso erstaunlicher, weil Koch-Mehrin ja mit dem Fall Guttenberg eine Art Lehrstück zur Verfügung hatte, anhand dessen sie sich hätte klar machen können, dass man mit dieser Art von Ablenkungsmanöver in der Post-GuttenPlag-Ära bestenfalls ungläubiges Kopfschütteln, wahrscheinlicher aber öffentliche Empörung auslöst. » weiter

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Blogspektrogramm #2

15. Juni 2011, 09:34

BlogspektrogrammUnsägliches bleibt besser ungesagt, aber Unaussprechbares muss manchmal ausgesprochen werden: Wollen wir zum Beispiel das Präsens des Verbs röntgen in der zweiten Person Singular bilden, sehen wir uns mit der Konsonantenfolge [ntgst] konfrontiert. Fragen Sie Dr. Bopp! diskutiert, was dann geschieht. 

Unsäglich ist auch das, was Geisteswissenschaftler oft zum Thema „Plagiate“ von sich geben -- unsäglich oberflächlich.  » weiter

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