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Sag mir was du siezt

02. Mai 2012, 13:33

Die Apotheken Umschau (sie schreibt sich wirklich so, was mich nicht weiter stört, was ich aber trotzdem gesagt haben will, falls es andere stört, die dann nämlich wissen, dass es mich nicht stört) veröffentlicht jeden Monat eine repräsentative Umfrage zu aktuellen Themen wie„Opfer des Jo-Jo-Effekts: Frauen oft von neuen Diätmethoden enttäuscht - Jede Zweite nahm rasch wieder zu“, „Trend zum rasierten Mann: Männer - vor allem die jüngeren - entfernen nicht mehr nur den Bart“, „Talisman im Täschchen: Glücksbringer sind Frauensache“ oder„Riskantes Fiebermessen mit Glas: Jeder Vierte in Deutschland benutzt noch ein herkömmliches Thermometer“ – ein regelrechtes kleines Fenster in die deutsche Volksseele. » weiter

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Nackt im Schatten

25. April 2012, 00:17

Schon mehrfach haben mich meine Co-Blogger Joachim Schulz (Quantenwelt) und Dierk Haasis (Con Text) gebeten, doch mal etwas über die englischen Wortpaare shadow/shade bzw. naked/nude zu schreiben (wer sich für welches Wortpaar interessiert hat, dürfte offensichtlich sein). Ich hätte ihnen den Gefallen auch schon längst getan, nur ist mir nie eine interessante Perspektive dazu eingefallen. Es sind eben Fälle, in denen es im Englischen zwei Wörter gibt, wo das Deutsche nur eins hat (nackt, bzw. Schatten).

Ein interessantes Thema wäre die Frage, ob das Englische grundsätzlich feinere Bedeutungsunterscheidungen trifft, als andere (europäische) Sprachen. Ich habe diese Behauptung ab und zu während meines Studiums oder von Kolleg/innen gehört, und völlig unplausibel ist sie nicht. Das Englische stand während der mehrere Hundert Jahre währenden normannischen Besatzung in einem engen Kontakt zum Französischen und hat in dieser Zeit außergewöhnlich viele Lehnwörter aufgenommen, ohne die schon vorhandenen Wörter auszusortieren; der englische Wortschatz ist deswegen an vielen Stellen umfangreicher als bei Sprachen mit wenig Lehngut, und das müsste ja eine Ausdifferenzierung von Bedeutungen mit sich bringen. Aber das tatsächlich zu untersuchen, würde den Rahmen dieses Blogs natürlich sprengen.

Weniger interessant schien es mir, die Bedeutungsunterschiede einfach zu erklären. Das Sprachlog ist schließlich kein Wörterbuch: Wenn Dierk und Joachim den Bedeutungsunterschied zwischen nude und naked oder shadow und shade wissen wollen, sollen sie ihn nachschlagen. Dachte ich zumindest, bis ich das selbst getan habe. Denn Wörterbücher helfen nicht unbedingt weiter. » weiter

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Werden immer mehr Politiker geverbt?

26. Januar 2012, 13:02

Ich brauche eine kurze Pause vom Anglizismus des Jahres, am Wochenende muss ich mich, mitten im Umzugschaos, ordentlich ranhalten, damit alle Wortkandidaten zu ihrer rechtmäßigen Diskussion kommen. Deshalb zwischendurch ein kleiner, und sehr unfertiger Beitrag über Verben, die von Politikernamen abgeleitet sind.

Angeregt wurde ich dazu durch diesen Beitrag auf Better Media, in dem das Wort wulffen in seinen drei Bedeutungen diskutiert wird -- als da wären: » weiter

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Blogspektrogramm Nr. 9

17. Januar 2012, 09:18

BlogspektrogrammIm Texttheater gibt es jetzt das Blogspektrogramm Nr. 9 mit dem Besten, was die Sprachblogs im Dezember zu bieten hatten. Mit dabei sind die üblichen Verdächtigen -- aber leider auch nur die üblichen Verdächtigen. Es geht um Konditionalsätze, um einen versteckten Dativ, der zur Abwechslung wirklich mal eines Genitivs Tod war, um spartenspezifische Varianten der Redewendung Hals- und Beinbruch, um das Wort des Jahres und -- unvermeidlich -- um den Anglizismus des Jahres. Vom Wortliebhaber bis zur Grammatikfanatikerin ist also wieder einmal für alle etwas dabei.

Nach neun Ausgaben vom Blogspektrogramm ist es vielleicht Zeit, die Institution selbst einmal zu hinterfragen: Die deutsche Sprachblog-Szene ist zwar sehr lebendig, aber auch sehr klein, was dazu führt, dass es für halbwegs regelmäßige Leser/innen im Blogspektrogramm vermutlich oft nur wenig neues zu entdecken gibt. Wir haben intern schon des Öfteren überlegt, ob und wie sich das ändern ließe, und sind unter anderem auf folgende Lösungen gestoßen:

  1. Thematische Ausweitung a) auf nicht-sprachwissenschaftliche Sprachblogs, also z.B. solche von Lektor/innen, Übersetzer/innen, usw; oder b) auf nicht-sprachliche Wissenschaftsblogs verwandter Disziplinen (z.B. Literaturwissenschaft, Übersetzungswissenschaft, Philosophie oder Psychologie)
  2. Ausweitung auf nicht-deutschsprachige sprachwissenschaftliche Sprachblogs.

Ich frage deshalb hier einfach mal die Sprachlog-Leser/innen: Wie sehen Sie das? Welche der Lösungen gefallen Ihnen (oder auch nicht)? Haben Sie zusätzliche Vorschläge, wie man das Blogspektrogramm noch spannender und nützlicher machen kann?

Zum Blogspektrogramm Nr. 9 im Texttheater

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Kritiklos abgeschrieben?

16. Dezember 2011, 00:33

In der letzten Woche hat Spiegel Online über ein Gerichtsverfahren berichtet, in dem es um die Journalistin Irene Meichsner und den Potsdamer Professor Stefan Rahmstorf, Klimafoscher und Mit-SciLogger (Klimalounge) ging. Meichsner hatte Rahmstorf wegen bestimmter Aussagen in einem Blogbeitrag verklagt, in dem der sie wegen eines Artikels in der Frankfurter Rundschau und im Kölner Stadt-Anzeiger kritisiert hatte.

Meichsner sah sich durch drei von Rahmstorfs Aussagen in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt, und das Gericht gab ihr in zwei von drei Fällen recht. Mehr über die Hintergründe erfährt man aus besagtem SpON-Beitrag sowie aus Markus Pössels Antwort auf diesen Beitrag. Markus geht es hauptsächlich darum, wie Spiegel Online über den Fall berichtete, und ich habe seiner harten aber sachlichen Kritik nichts hinzuzufügen.

Mir geht es um eine der drei verhandelten Aussagen, deren Bewertung aus meiner Sicht (auch) an einem sprachlichen Problem -- der Bedeutung des Wortes abschreiben -- hängt. Rahmstorf hatte in der ursprünglichen Fassung seines Blogbeitrags folgendes geschrieben: » weiter

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Anglizismus des Jahres 2011

15. November 2011, 10:34

Zugegeben, der „Anglizismus des Jahres“, den wir 2010 erstmalig gekürt haben, ist nicht auf einhellige Begeisterung gestoßen. Der Redaktionsleiter des „wochenkurier Ennepe-Ruhr“, zum Beispiel, reagierte auf die Pressemeldung, in der die Jury ihre Entscheidung für das Wort leaken bekanntgab, mit der „herzlichen“ Bitte, „künftig von solchen Zusendungen abzusehen“. Seine Zeitung, ließ er uns wissen „versucht aus Überzeugung, Anglizismen weitestgehend aus dem Blatt herauszuhalten.“ Außerdem wisse er nicht, was „Leaken“ überhaupt bedeuten solle.

Auch in der Politik stießen wir auf vereinzelte Unmutsäußerungen. Hans-Peter Fantini, Stadtverordneter der FDP in Neuss am Rhein, beschuldigte uns per E-Mail, mit der Wahl des Wortes leaken „einen weiteren Beitrag zur Verunsicherung derer geleistet [zu haben], die versuchen sich in die Feinheiten der deutschen Sprache einzuarbeiten.“  » weiter

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Bislang kein Dialekt

10. Oktober 2011, 09:29

Obwohl ich als Sprachwissenschaftler natürlich Deskriptivist bin, den Sprachgebrauch also beschreibe und erkläre, ohne ihn in Kategorien wie „gut“ und „schlecht“ zu bewerten, versuche ich mich beim Verfassen meiner Texte im Großen und Ganzen an präskriptiven (vorschreibenden) Sprachnormen zu orientieren. Einfach, weil es viel Ärger und überflüssige Diskussionen mit der (verlegenden und lesenden) Kundschaft erspart.

Um mich präskriptiv auf Spur zu bringen, nutze ich unter anderem den Duden Korrektor, der seine Arbeit im Großen und Ganzen sehr ordentlich macht. Nur manchmal verhält er sich etwas merkwürdig, zum Beispiel, als er eine Zeit lang den geografischen Namen Bremen als Dialektwort markierte, weil dies auch die Pluralform der Breme, einem mundartlichen Ausdruck für die Stechfliege, sein könnte.  » weiter

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Der Witwer und seine Witwe

15. September 2011, 10:35

In der Diskussion zu meinem Beitrag vom Montag wird unter anderem die Frage diskutiert, ob die Tatsache, dass weibliche Personenbezeichnungen häufig von männlichen Personenbezeichnungen abgeleitet sind, aber fast nie umgekehrt, auf einen strukturellen Sexismus der deutschen Sprache hinweist. Mir ist unklar, wie man ernsthaft der Meinung sein kann, dass das nicht der Fall ist: Man müsste dazu entweder davon ausgehen, dass die Richtung der Ableitung hier reiner Zufall ist, oder, dass sprachliche Strukturen grundsätzlich keine Bedeutung transportieren, sodass die Richtung der Ableitung keine Rolle spielt. Beide Annahmen scheinen mir absolut unplausibel.

Nicht nur offensichtliche Aspekte der Sprachstruktur transportieren aber ein sexistisches Menschenbild; auch in versteckten Muster des Sprachgebrauchs schlägt es sich nieder. Diese Muster kann man nicht durch die Betrachtung einzelner Beispiele aufdecken, sondern nur durch die quantitative Analyse größerer Textmengen. Die Wörter Witwe und Witwer liefern ein schönes Beispiel dafür.  » weiter

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Das Blog ist tot, es lebe der Blog

25. August 2011, 09:56

Mein Sprachgefühl sagt mir ohne jeden Zweifel: Es muss das Blog heißen. Natürlich höre und lese ich immer wieder auch die Maskulinform der Blog, sie klingt also vertraut, fühlt sich aber trotzdem falsch an. Auch für den Duden ist das Neutrum die dominante Form: das, auch: der Blog, erfährt man dort.

Nur liegen mein Sprachgefühl und der Duden da falsch: der Blog ist die dominante Form, nur eine Minderheit der deutschen Sprachgemeinschaft bevorzugt das Blog. Das zeigt zunächst eine (sicher nicht repräsentative) Umfrage, die ich gestern auf der Facebook-Seite des Sprachlog durchgeführt habe: » weiter

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Viren und ihr grammatisches Geschlecht

23. August 2011, 10:43

Viren haben kein natürliches Geschlecht, aber ihr Genus, also ihr grammatisches Geschlecht, sorgt immer wieder für Unsicherheit. Immer wieder mal werde ich gefragt, ob es denn nun korrekterweise das Virus oder der Virus heißen müsste. Nun gibt es auf diese Frage natürlich keine „korrekte“ Antwort, sondern nur die Antworten, die sich alle deutsche Muttersprachler/innen auf der Grundlage des eigenen Sprachgefühls selbst geben können. Aber da diese Antworten eben wahrnehmbar voneinander abweichen, will ich hilfsbereit sein und gebe deshalb schon mal das weiter, was mein Sprachgefühl mir sagt: Es heißt der Computervirus (Maskulinum), sonst aber das Virus (Neutrum).

Bei dieser Antwort habe ich immer ein etwas schlechtes Gewissen, denn aus dem Sprachgefühl Einzelner kann nun einmal keine sprachliche Handlungsanweisung für alle abgeleitet werden. In einem kurzen Beitrag in der Außenstelle bin ich der Frage nach dem grammatischen Geschlecht von Viren deshalb genauer nachgegangen. Inzwischen hat sich das dort berichtete Bild noch etwas verkompliziert, sodass sich ein neuer Beitrag lohnt.   » weiter

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