Unwort des Jahres: Döner-Morde
Mein Verhältnis zur alljährlichen „Unwort-des-Jahres“-Wahl ist etwas gemischt. Wie ich gerne sage, als Sprachwissenschaftler kann man zu „Unwörtern“ etwa genausoviel sagen, wie ein Zoologe zu „Untieren“. Andererseits erkenne ich natürlich an, dass es Beispiele manipulativer und verzerrender Sprache gibt, die die öffentliche Diskussionskultur verzerren, verbiegen und manchmal auch vergiften -- die Kollegen von Neusprech.org sezieren solche Wörter ja regelmäßig. Wenn man möchte, kann man hier also wahrscheinlich von „Unwörtern“ sprechen (der Duden definiert Unwort als „schlecht, falsch gebildetes, unschönes Wort“ oder als „schlimmes, unangebrachtes Wort“).
Die „Sprachkritische Aktion Unwort des Jahres“ hat m.E. eine gemischte Erfolgsbilanz beim Auffinden solcher „Unwörter“. Manchmal werden Wörter gewählt, die irgendjemand in irgendeinem obskuren Zusammenhang verwendet hat und die ohne die Auszeichnung zum „Unwort des Jahres“ niemandem aufgefallen wären (z.B. betriebsratsverseucht 2009), manchmal werden Wörter gewählt, deren Unwortcharakter darin besteht, dass die Jury den ironischen Unterton des Wortes nicht verstanden hat (z.B. Herdprämie 2007).
Aber manchmal hat die Jury auch ein gutes Händchen, z.B. als sie 2010 das unselige alternativlos der Merkelschen Nicht-Politik zum Sieger kürte. Auch in diesem Jahr hat die Jury ein „schlimmes, unangebrachtes Wort“ gefunden: Döner-Morde. Dieses Wort war im Prinzip schon in dem Moment unangefochtener Spitzenreiter der Unwörter, als es im November 2011 durch eine Pressemeldung der Generalbundesanwaltschaft in die Medien geriet: » weiter
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