Schuldengrammatik
Schon seit ein paar Monaten geht eine Studie des Wirtschaftswissenschaftlers Keith Chen durch die englischsprachige Presse, in der behauptet wird, dass die wirtschaftliche Mentalität eines Volkes von seiner Sprache abhängt. Eigentlich hatte ich nicht vor, diese Studie zu kommentieren (zu den Gründen gleich mehr), aber vor zwei Wochen hat auch FAZ.net darüber berichtet und seitdem bin ich mehrfach gebeten worden, etwas dazu zu sagen, vor allem von Leser/innen, die im Sprachlog gerne generell mehr über den Zusammenhang von Sprache und Denken lesen würden. Deshalb hier doch ein paar Gedanken zu der Studie.
Zunächst kurz zum Inhalt (wer es ausführlicher wissen will, dem sei der oben verlinkte FAZ-Artikel empfohlen, wer es noch ausführlicher wissen will, kann die Studie selbst [PDF, 450 KB] lesen). Chen teilt zunächst die Sprachen der Welt in zwei Gruppen ein: die mit „schwachem Zukunftsbezug“ (weak future-time reference) und die mit „starkem Zukunftsbezug“ (strong future-time reference). Grob gesagt (es wird gleich noch feiner) unterscheiden letzere in bestimmten Zusammenhängen grammatisch zwischen Gegenwart und Zukunft, während erstere das nicht tun. Will ich z.B. auf Deutsch ausdrücken, dass ich für morgen Regen erwarte, kann ich dazu die Präsensform (1) oder die Futurform (2) verwenden: » weiter
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