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Frauen natürlich ausgenommen

von Anatol Stefanowitsch, 14. Dezember 2011, 09:17

Nachdem ich vor einigen Wochen über die grundsätzlich diskriminierende Struktur von Sprache geschrieben habe, möchte ich heute auf ein spezielles Problem des Deutschen (und vieler anderer Sprachen) zurückkommen, das auch hier im Sprachlog schon mehrfach zu erhitzten Debatten geführt hat: Das sogenannte „generische Maskulinum“. Es hält sich, sowohl im Sprachgebrauch selbst als auch in der Diskussion über Sprache, hartnäckig das Gerücht, man könne bei geschlechtlich gemischten Gruppen von Menschen einfach maskuline Bezeichnungen verwenden, also etwa eine Gruppe von Studentinnen und Studenten einfach als Studenten bezeichnen, und die weiblichen Mitglieder dieser Gruppe seien dann „mitgemeint“.

Bemühungen, diese Art der sprachlichen Unsichtbarmachung von Frauen zu vermeiden -- etwa durch explizite Nennung beider Genera (Studentinnen und Studenten), durch kombinierte Formen wie die Schrägstrichform (Student/innen) oder das Binnen-I (StudentInnen) oder durch die Schaffung inklusiver Formen (Studierende) -- stoßen bei vielen Menschen auf Ablehnung.

Wenn überhaupt einmal sachliche Argumente für diese Ablehnung genannt werden, dann sind das normalerweise die folgenden:

  1. Das „generische Maskulinum“ sei nun einmal weit verbreitet und jeder wisse, dass Frauen hier eingeschlossen seien. Es sei deshalb albern/überflüssig/Teil eines Plans zur feministischen Weltherrschaft, auf sprachlichen Alternativen zu bestehen.
  2. Geschlechtsneutrale und geschlechtergerechte Formulierungen seien umständlich und behinderten das Leseverständnis.

Wenn diese Aussagen stimmen würden, wäre das nicht unbedingt ein Grund, auf eine sprachliche Gleichbehandlung der Geschlechter zu verzichten. Es ist auch umständlich und überflüssig, die Flagge eines Staatsgastes vor dem Reichstagsgebäude zu hissen, Menschen nett zu begrüßen und sich nach ihrem Befinden zu erkundigen oder mit Messer und Gabel zu essen. Trotzdem gelten diese Gesten als Zeichen von Respekt, Interesse und gutem Benehmen. Genauso könnte es umständlich und überflüssig sein, statt eines „generischen Maskulinums“ eine der anderen Alternativen zu verwenden -- ein Zeichen für das Ziel einer allgemeinen Gleichberechtigung wäre es trotzdem.

Aber stimmen die Aussagen denn überhaupt? Sagen wir es so: Die Forschungslage in diesem Bereich reicht aus, um beide Aussagen stark in Zweifel zu ziehen.

Das generische Maskulinum. Beginnen wir mit der Behauptung, es gäbe ein „generisches“ Maskulinum, bei dem Frauen mitverstanden würden. Ausgeschlossen ist das ja nicht, obwohl es stutzig machen sollte, dass es von seiner Form her ununterscheidbar von einem tatsächlich nur auf Männer bezogenen Maskulinum wäre.

Und tatsächlich zeigt eine Reihe von Arbeiten, dass „generische“ Maskulina mehrheitlich eben nicht generisch interpretiert werden. Eine der aktuellsten und methodisch am saubersten gearbeitete Studie ist Gygax et al (2008). Die Autor/innen dieser Studie überprüften die Interpretation von Maskulina, indem sie Versuchspersonen zunächst einen Satz mit einem (angeblich) „generischen“ Maskulinum, wie den in (1) auf einem Monitor präsentierten:

(1) Die Sozialarbeiter liefen durch den Bahnhof.

Nachdem die Versuchspersonen einen solchen Satz gelesen hatten, erschien entweder ein Satz wie der in (2) oder einer wie der in (3)

(2) Wegen der schönen Wetterprognose trugen mehrere der Frauen keine Jacke.

(3) Wegen der schönen Wetterprognose trugen mehrere der Männer keine Jacke.

Die Versuchspersonen mussten dann durch drücken einer Taste signalisieren, ob sie den zweiten Satz für eine „mögliche Fortsetzung“ des ersten Satzes hielten oder nicht. Dabei wurde auch die Zeit gemessen, die sie für ihre Antwort benötigten.

Die Idee hinter diesem Experiment ist klar:

  • Wenn Maskulina automatisch generisch interpretiert werden, müssten die Sätze (2) und (3) gleichermaßen als mögliche Fortsetzungen erkannt werden;
  • Wenn Maskulina nur mit einem gewissen gedanklichen Aufwand generisch interpretiert werden, müssten Sätze wie der in (3) schneller als mögliche Fortsetzung erkannt werden als der in (2);
  • Wenn Maskulina nicht generisch interpretiert werden, dürften Sätze wie der in (2) gar nicht als mögliche Fortsetzung erkannt werden, Sätze wie (3) hingegen schon.

Allerdings gibt es noch eine zusätzliche Komplikation: Manche Berufsbezeichnungen können unabhängig von ihrem grammatischen Geschlecht eher als „typisch männlich“ oder „typisch weiblich“ verstanden werden: Aus anderen Studien ist bereit bekannt, dass Versuchspersonen z.B. bei Polizisten, Statistikern oder Physikstudenten eher an Männer denken, bei Kassierern, Kosmetikern oder Psychologiestudenten eher an Frauen (Gabriel et al. 2008). Es ist also möglich, dass die Antwort auf die Frage, ob es sich bei Sätzen wie denen in (2) um eine „mögliche Fortsetzung“ handelt, von der Art der Berufsbezeichnung abhängt. Gygax und Kolleg/innen wählten deshalb zu je einem Drittel „typisch männliche“, „neutrale“ und „typisch weibliche“ Berufsbezeichnungen. Wenn stereotype Berufsbilder einen Einfluss auf die Entscheidung der Versuchspersonen haben, kann man diesen so vom Einfluss des grammatischen Geschlechts unterscheiden, in dem die Berufsbezeichnung präsentiert wird.

Das Experiment wurde dann mit englischen, französischen und deutschen Muttersprachlern in ihrer jeweiligen Sprache durchgeführt. Da es im Englischen kein grammatisches Geschlecht gibt, war die Vorhersage, dass sich dort höchstens Stereotypizitätseffekte finden würden, im Französischen und Deutschen dagegen könnte es zusätzlich oder stattdessen einen Effekt des grammatischen Geschlechts geben.

Bei den englischen Muttersprachlern gab es tatsächlich den erwarteten Stereotypizitätseffekt: Wenn im ersten Satz ein „typisch männlicher“ Beruf erwähnt wurde, wurde der nachfolgende Satz schneller als „mögliche Fortsetzung“ bewertet, wenn dort von Männern die Rede war und langsamer, wenn von Frauen die Rede war. Bei „typisch weiblichen“ Berufen war es umgekehrt. Das Ergebnis zeigt zunächst nur, dass stereotype Vorstellung von Beruf und Geschlecht sich in diesem Versuchsdesign systematisch auf die Reaktionszeit auswirken können.

Die interessante Frage ist nun natürlich, was in der französischen und deutschen Version des Experiments passierte. Zunächst verschwand der Stereotypizitätseffekt vollständig -- obwohl auch deutsche und französische Muttersprachler/innen stereotype Assoziationen von bestimmten Berufen mit einem bestimmten Geschlecht haben, beeinflussten diese die Reaktionszeiten nicht signifikant.

Stattdessen gab es in beiden Sprachen einen signifikanten Effekt des grammatischen Geschlechts: Wenn im zweiten Satz von Männern die Rede war, wurde der Satz signifikant häufiger als „mögliche Fortsetzung“ kategorisiert, als wenn von Frauen die Rede war. Wenn Maskulina generisch interpretiert würden, wäre dieses Ergebnis nicht erklärbar. Zweitens, und fast noch wichtiger: Im deutschen Experiment waren die Reaktionszeiten signifikant schneller, wenn im zweiten Satz von Männern die Rede war. Selbst dort, wo die Versuchspersonen bereit waren, das Maskulinum generisch zu interpretieren und einen zweiten Satz über Frauen als „mögliche Fortsetzung“ zu interpretieren, brauchten sie für diese Entscheidung länger; das zeigt, dass die generische Interpretation nicht spontan erfolgte, sondern erst nach einer Art strategischem Umdenken.

Das „beweist“ zwar nicht, dass Maskulina nicht generisch interpretiert werden, denn Wissenschaft ist ein fortlaufender Prozess der Hypothesenbildung und -überprüfung. Aber da diese Studie nur das bestätigt, was eine lange Reihe von vorangehenden (teilweise methodisch weniger soliden) Studien schon vorher gezeigt hatte, ist es Stand der Forschung, dass ein „generisches Maskulinum“ im Deutschen (und Französischen) aus psycholinguistischer Sicht nicht existiert. Wer das Gegenteil behaupten will, muss sehr gute Belege dafür vorbringen.

Verständlichkeit und Lesbarkeit. Wie steht es nun mit der angeblich schlechteren Verständlichkeit von geschlechtsneutralen oder geschlechtergerechten Formulierungen im Vergleich zum „generischen Maskulinum“? Auch zur Beantwortung dieser Frage gibt es eine Reihe von Studien, von denen ich stellvertretend eine auswähle, die methodisch sehr sorgfältig ist. Braun et al. (2007) ließen drei Gruppen von Versuchspersonen drei verschiedene Versionen einer Packungsbeilage für ein Medikament lesen: die erste verwendete das „generische Maskulinum“ (z.B. Diabetiker, Patienten), die zweite neutrale Formen oder Beidnennungen (Personen, Diabetikerinnen und Diabetiker) und die dritte das Binnen-I (DiabetikerInnen, PatientInnen). In jeder der drei Gruppen waren gleichviele Männer und Frauen. Die Forscherinnen erhoben dann erstens, wie gut die Versuchspersonen sich an den Inhalt des Gelesenen erinnern (ein objektives Maß für die Verständlichkeit) und zweitens, wie „verständlich“ und „lesbar“ die Versuchspersonen den Text fanden (ein subjektives Maß für die Verständlichkeit).

Beim Erinnerungstest waren im direkten Vergleich der Geschlechter die Erinnerungsleistungen der Männer bei der Beidnennung besser als die der Frauen, die der Frauen war beim „generischen Maskulinum“ und beim Binnen-I besser als die der Männer. Die Effekte waren aber relativ schwach und innerhalb der Geschlechtergruppen auch nicht signifikant.

Bei der subjektiven Bewertung sah es anders aus: Während die Frauen alle drei Textfassungen im wesentlichen als gleichermaßen verständlich und lesbar werteten, bewerteten die Männer die Fassung mit dem „generischen Maskulinum“ (die sie objektiv am schlechtesten verstanden hatten) am besten.

Mit anderen Worten: Geschlechtergerechte Sprache hat keinen negativen Einfluss auf die Verständlichkeit und Lesbarkeit von Texten. Wohl aber hat sie einen Einfluss auf die Einbildung männlicher Leser.

Im Deutschen gibt es kein generisches Maskulinum und die „generische“ Verwendung maskuliner Formen bringt keinen praktischen Vorteil mit sich. Das braucht natürlich niemanden davon abzuhalten, trotzdem auf maskulinen Formen zu beharren. Es zwingt aber jeden, der darauf beharrt, über seine Motive dafür noch einmal gründlich nachzudenken.

 

BRAUN, Friederike, Susanne OELKERS, Karin ROGALSKI, Janine BOSAK und Sabine SCZESNY (2007) „Aus Gründen der Verständlichkeit ...“: Der Einfluss generisch maskuliner und alternativer Personenbezeichnungen auf die kognitive Verarbeitung von Texten. Psychologische Rundschau 58(3), 183--189.

GABRIEL, Ute, Pascal GYGAX, Oraine SARRASIN, Alan GARNHAM, und Jane OAKHILL (2008) Au-pairs are rarely male: Role names’ gender stereotype information across three languages. Behavior Research Methods, 40(1), 206--212.

GYGAX, Pascal, Ute GABRIEL, Oriane SARRASIN, Jane OAKHILL und Alan GARNHAM (2008) Generically intended, but specifically interpreted: When beauticians, musicians, and mechanics are all men. Language and Cognitive Processes 23(3), 464--485.

[Hinweis: Die Diskussion zu diesem Beitrag ist inzwischen geschlossen.]





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Kommentare

  1. Richard Grüll Gewohnheit
    16.12.2011, 16:25

    In einer antroposophischen Zeitschrift namens "Info3" gibt es die Spalte "LESERINNENBRIEFE". Ich stutzte kurz ob ich es dürfte, wollte ich doch als Mann da hinschreiben. Vermute aber, dass das, orthografisch allerdings umstrittene, große "I" im Wortinneren der Titelzeilengestaltung in Großbuchstaben zum Opfer gefallen ist.

    Andererseits, wenn man ALLE Anreden verdoppelt, geht doch auch der Sinn verloren.
    Die Bürger einer Stadt waren doch immer schon alle die in dieser Stadt wohnten, also Männer, Frauen und Kinder. Bei Lesern einer Zeitschrift vermute ich dasselbe.

    Vor einiger Zeit, bei einer Schulabschlussfeier, war die gefühlte Hälfte der Redezeit mit Floskeln wie "Lehrer und Lehrerinnen" und "Schüler und Schülerinnen" verbraten worden. Als sich dann die bedauernswerte Schüler- und Schülerinnensprecherin bei und mit "Eltern und Elterinnen" verhaspelte, verspürte ich ein deutliches Würgegefühl in meinem Sprachzentrum.

    Ich handhabe das im Sinne der Verständlichkeit. Eine "verunfallte Jägerin" ist dann eindeutig eine Frau, die Mitglieder der Kreisjägerschaft sind eben sowohl Frauen als auch Männer. Alles andere empfinde ich als geschwafelten Humbug.

    Wer die Doppelnennung der Geschlechter mit aller Gewalt durchsetzen will muss sich auch fragen lassen: Wo bleiben dann die Täter und Täterinnen, die Mörder und Mörderinnen, die Verbrecher und Verbrecherinnen? Von den Deppen und Deppinnen ganz zu schweigen.

    [Aha. SIE stutzen bei der femininen Form und fragen sich besorgt, ob Sie sich angesprochen fühlen dürfen. Aber Frauen, die umgekehrt bei der maskulinen Form stutzen und sich fragen, ob sie mitgemeint sind, sollen die Klappe halten, sonst werden sie von Ihnen des „geschwafelten Humbugs“ bezichtigt. Das ist Satire allererster Güte, vielen Dank dafür. -- A.S.]

  2. Ponzio Pecano Korrekte Hypothese?
    16.12.2011, 16:37

    Sollte mit generischem Maskulinum Plural wirklich eine ausdrücklich gemischte Gruppe (mit mindestens einem Vertreter jedes Geschlechts) gemeint sein, so ist die Pilotstudie der von Ihnen angeführten Studie interessant: Sie konfrontierte Teilnehmer, die im Plural ohne Kontextwissen das generische ohnehin nicht vom ausdrücklichen Maskulinum unterscheiden können, mit einem hinzugefügten Kontext, in dem nur Männer oder Frauen vorkamen, und fragte dann nach der Zusammensetzung der Gruppe. Nur in 6% der Fälle wurde bei "männlichem Kontext" (irrtümlicherweise) auf eine rein männliche Gruppe geschlossen, in 2% bei "weiblichem Kontext" auf eine rein weibliche Gruppe. Dagegen folgerten 89,9% aus generischem Maskulinum plus Kontext, es handle sich um eine gemischte Gruppe. Wo ist also das Problem?

    Allerdings ist schon die Hypothese kritikwürdig. Unabhängig von Definitionen scheint mir der Sprachgebrauch des generischen Maskulinum Plural nicht zu bedeuten, dass Frauen "automatisch mitgemeint" sind, sondern dass sie "nicht automatisch ausgeschlossen" sind. Es lässt offen, ob die Gruppe rein männlich oder gemischt ist. Diese Verwendung deckt sich mit dem Französischen (Partizipien im Plural haben bei rein männlichen und gemischten Gruppen männliche Endung, bei rein weiblichen die weibliche Endung), Spanischen und Portugiesischen (bei der Anrede im Plural). Dann wäre schon die Pilotstudie falsch formuliert (die richtige Antwortmöglichkeit fehlte), und wenn 89,9% aus generischem Maskulinum Plural plus Kontext (wohl 50% männlich, dazu schweigt die Studie) folgern, die Gruppe sei gemischt, so ist dies tatsächlich diskriminierend, allerdings nicht gegen Frauen, sondern gegen Männer, denn die Erwähnung von Männern im Kontext ließe den Ausschluss einer rein männlichen Gruppe gar nicht zu.

    Daraus folgen auch die Reaktionszeiten der Hauptstudie. Um zu entscheiden, ob bei (vielleicht generischem) Maskulinum ein Kontext logisch sei, in dem Männer der Gruppe zugeordnet werden, braucht man nicht nachzudenken: Männer sind in generischen Gruppen grundsätzlich enthalten, sowohl in rein männlichen wie in gemischten Gruppen. Die Frage, ob ein zum (vielleicht generischen) Maskulinum hinzugefügter Kontext logisch sei, in dem Frauen der Gruppe zugeordnet werden, erfordert dagegen einen kognitiven Prozess: Hier muss der Teilnehmer erst eine Gruppenform (die rein männliche) ausschließen und dann testen, ob mit der verbleibenden Interpretation der Gruppe ein Kontext mit Frauen noch logisch ist. Entgegen Ihrer Mutmaßung dauert die Entscheidung bei "weiblichem Kontext" also nicht länger, weil der Rezipient von einer männlichen auf eine generische Interpretation umschaltet, sondern von einer generischen auf eine explizit gemischtgeschlechtlichen (Ausschluss der reinen Männergruppe).

    Die Doppelnennung kritisiere ich nicht wegen ihrer Umständlichkeit, sondern weil sie sich semantisch vom generischen Maskulinum unterscheidet: sie schließt rein weibliche genau wie rein männliche Gruppen aus (sagen Sie mal "Liebe Professorinnen und Professoren" vor einem rein männlichen Kollegium - einige kichern da immer). Außerdem ist festzustellen, dass das öffentliche Bewusstsein für die Möglichkeit der Doppelnennung auch den Verzicht auf sie sanktioniert: Verwendet man das generische Maskulinum Plural, wird einem schon unterstellt, man adressiere nur die rein männliche Untermenge, denn sonst hätte man ja die Doppelnennung verwenden können. Das ist zwar falsch, aber Ihre Hypothese beweist, das es schon gelungen ist, das semantisch umfangreichere (und daher weniger diskriminierende) generischen Maskulinum Plural zu verdrängen.

    [Nein. -- A.S.]

  3. Stahl Dorn Logik?
    16.12.2011, 18:05

    [KOMMENTAR GELÖSCHT. BITTE BEACHTEN SIE DIE KOMMENTARREGELN (Kommentare ohne gültige E-Mail-Adresse werden gelöscht)]

  4. Studierendenfutter kein Betreff
    16.12.2011, 19:26
    Gibt es eigentlich irgend eine Bezeichnung im Femininum, bei der automatisch auch die Männer mitgemeint sind?

    die bevölkerung, die koryphäe, die majestät, die eminenz, die hoheit, die exzellenz, die kreatur, die kapazität, die durchlaucht, die fachkraft, die geisel, die waise, die figur, die gestalt. und sicher noch einige mehr.

  5. Studierendenfutter kein Betreff
    16.12.2011, 19:36

    … die Bestie, die Kanaille, die Belegschaft, die Burschenschaft, die Herrschaft, die Mannschaft …

    Neutrale gibts auch: Das Monster, das Scheusal, das Biest, das Ungeheuer, das Personal, das Ekel …

  6. A.S. Natürliches und grammatisches Geschlecht
    16.12.2011, 19:56

    Ab jetzt zahlt jeder, der natürliches und grammatisches Geschlecht durcheinanderwirft, 19,18 Euro in die Blogkasse.

  7. K-FragerIn kein Betreff
    16.12.2011, 20:03

    1) Zur K-Frage
    Das Problem mit Frau Merkel stellt sich wieder, wenn man sagen möchte, dass sie als erste Person, die das Bundeskanzleramt innehat, Physik studiert hat (ich weiß nicht, ob das der Wahrheit entspricht; nehmen wir es an).
    Frau Merkel ist die erste Bundeskanzlerin, die Physik studiert hat. - Hier kommt nicht zur Geltung, dass das ja auch noch keiner ihrer männlichen Vorgänger getan.
    Frau Merkel ist der erste Bundeskanzler, der Physik studiert hat. - Diese Version widerstrebt meinem Sprachgefühl erstaunlich wenig, doch ganz gut fühle ich mich mit ihr nicht
    Frau Merkel ist die Erste unter den Bundeskanzlerinnen und Bundeskanzlern, die Physik studiert hat. Das ist das knappste Geschlechtsneutrale, was mir einfällt; Umständlich finde ich es aber immer noch.

    2) Zum generischen Maskulinum
    Behauptet man, nur weil es langsamer als das eigentliche Maskulinum verstanden wird, gebe es kein generisches Maskulinum, so ist das als würde man behaupten, rare Fremdwörter, die vielleicht auch nicht auf Anhieb verstanden werden, gehörten nicht zu einer Sprache.
    Das heißt natürlich nicht, dass es nicht, dass es kein Gebot der Höflichkeit ist, geschlechtsneutrale Formulierung zumindest an Stellen zu verwenden, an denen sie die Sprachästhetik nicht sonderlich stören, wie zum Beispiel in Anreden, die außerhalb des Redeflusses stehen, oder in Bedienungsanleitungen und Beipackzetteln, in denen nicht viel wert auch eine schöne Sprache gelegt wird.

  8. David kein Betreff
    16.12.2011, 20:14

    Hätte Lafontaine damals gegen Kohl gewonnen, wir hätten heute zumindest ein Problem weniger! :)

  9. georgi Lieber Herr Professor!
    16.12.2011, 20:35

    Jemand weiter oben hat geschrieben, daß das generische Maskulinum entstanden ist, weil die Sprache der Wirklichkeit in ihrer Entwicklung hinterherläuft. Ehemals rein männliche Berufe wie Student oder Soldat wären in der Zwischenzeit auf die Frauen ausgeweitet worden.

    Sprache entwickelt sich aus dem Bedürfnis der Sprecher und wird sich wie ganz von selbst den Gegenheiten der Wirklichkeit anpassen. Wäre es da nicht besser, die Entwicklung zum generischen Maskulinum und von da aus zur Beseitigung des Geschlechtsbezugs von Personen zu unterstützen? Die Geschlechterungerechtigkeit in der deutschen Sprache begründet sich ja nicht am männlichen Geschlecht sondern an der Endung "-in". Wörter, die auf "-in" enden, bezeichnen allein und ausschließlich Frauen, und wurden allesamt aus der männlichen Form abgeleitet wie Eva aus Adams Rippe. Die Endung "-in" verweist darüber hinaus auf überlebte Normen im Geschlechterverhältnis. Diese Wörter haben daher oft unerwünschte Konnotationen und Beibedeutungen. Und vor allen Dingen drücken sie zu allererst den Bezug zu einem Mann aus und nicht die im Wortstamm enthaltene Rolle. Die Müllerin übt zum Beispiel nicht notwendigerweise den Beruf des Müllers aus. "Müllerin" bedeutet in erster Linie, die Frau des Müllers zu sein. Auch Studentinnen, Försterinnen assoziiert man in erster Linie mit etwas, was wenig mit ihren jeweiligen Tätigkeiten zu tun hat. Früher redete man ja auch mit "Frau Doktor" nicht promovierte Frauen sondern Gattinnen promovierter Männer an. Also schaffen wir doch am besten diese Endung ab!

    Hinzu kommt, daß es besser ist, das Geschlecht zu betonen, wenn es notwendig ist, und nicht dann, wenn das Geschlecht unwichtig ist. Das Binnen-I, die Schrägstriche und (m/w)-Zusätze in Stellenausschreibungen bedeuten nämlich nur dann etwas, wenn sie weggelassen werden. Das ist absurd. Das nämlich betont den Geschlechtsbezug von Berufen und Tätigkeitsbezeichnungen zusätzlich.

  10. Studierendenfutter kein Betreff
    16.12.2011, 21:13
    Jemand weiter oben hat geschrieben, daß das generische Maskulinum entstanden ist, weil die Sprache der Wirklichkeit in ihrer Entwicklung hinterherläuft.

    Ich denke nicht, dass da eine Entwicklung hinterher gelaufen ist. Im Gegenteil: Die Bedeutung einer sprachlichen Form hat sich im Zuge einer gesellschaftlichen Entwicklung verändert. Das ist ein ganz üblicher Vorgang. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass immer neue Worte erfunden werden müssen.

    Das ehemalige Maskulinum begann eine generische Bedeutung anzunehmen, als Frauen die makulinen Begriffe für sich in Anspruch nahmen. Sie hätten feminine Formen benutzen können, bevorzugten aber, über das Makulinum sprachlich Ebenbürtigkeit herzustellen. Das wird durch gesonderte Benennung aufgehoben. Eine Mechanikerin kann kein Mechaniker sein, WEIL sie eine Frau ist: Weil ihr Geschlecht eine Rolle spielt!

    Das nämlich betont den Geschlechtsbezug von Berufen und Tätigkeitsbezeichnungen zusätzlich.

    Doppelnennungen sind im Grunde sprachliche Geschlechtersegregation und sprachliches Othering. Das Geschlecht wird thematisiet, wo es gar keine Rolle spielt, und die Möglichkeit, Menschengruppen ohne Geschlechtsbezug zu benennen, verschwindet. Hinzu kommt, dass die gesonderte Bennenung von Frauen diese erneut zur Aunahme erklärt - genau das, was vom Femnismus bereits kritisiert wurde, zieht mittels Doppelnennung in die Sprache ein.

  11. NörglerIn Kein praktischer Vorteil?
    16.12.2011, 22:20

    Die durchgängige Verwendung geschlechtergerechter Sprache führt zu erhöhtem Verbrauch von Papier, Druckerschwärze und Zeit und damit zu höheren Kosten (von Energie oder Umwelteinflüssen gar nicht zu reden). Die zusätzliche Zeit, die Verfassende und Lesende, Redende und Hörende aufwenden müssen, könnte für andere nützliche, vielleicht noch wichtigere Dinge genutzt werden.

    Man mag ja der Auffassung sein, daß der erhöhte Aufwand die Sache wert ist; aber wie kann man behaupten, das generische Maskulinum bringe "keinen praktischen Vorteil" mit sich?

  12. Erich ich kann dem
    16.12.2011, 22:24

    Aus "mehrere der Frauen" schliesse ich auf eine rein weibliche Gruppe, was nicht zum ersten Satz passt. Warum hat man nicht den zweiten Satz ein kleines bisschen anders formuliert, z.B. "Darunter waren auch mehrere Frauen, die wegen des schönen Wetters keine Jacken anhatten". Wenn die zu überprüfende Hypothese stimmt, dann hätte diese Formulierung das gleiche Resultat gebracht. Ich werde den Verdacht nicht los, dass absichtlich eine Fomulierung gewählt wurde, die aufgrund dieses sprachlichen Stolpersteins tendentiell zu einer Bestätigung der Hypothese führt. Auf Neudeutsch nennt man das Confirmation Bias.

    [Einen Confirmation Bias gibt es in dieser Diskussion tatsächlich, aber er liegt woanders... -- A.S.]

  13. NörglerIn Signifikant oder nicht?
    16.12.2011, 22:37

    "Die Effekte waren aber relativ schwach und innerhalb der Geschlechtergruppen auch nicht signifikant."

    Wie kann man daraus folgern, daß die Männer die Fassung mit dem generischen Maskulinum "objektiv" am schlechtesten verstanden hätten?

  14. Studierendenfutter kein Betreff
    16.12.2011, 23:20
    Man mag ja der Auffassung sein, daß der erhöhte Aufwand die Sache wert ist …

    @NörglerIn
    Zunächst wäre zu klären, was denn eigentlich "die Sache" ist. Die standardmäßige Anwort ist ja die (behauptete) Geschlechtergerechtigkeit, für deren Legitimation der Nachweis einer Ungerechtigkeit aussteht. Mit Fug & Recht kann man gegenteiliger Ansicht sein und dies obendrein mit den genau den selben Argumenten begründen wie die Gegenseite: Gerecht wäre in einer Gesellschaft von Gleichen, wenn alle sich in einer Sprachform erkennen, unbesehen des biologischen und grammatikalischen Geschlechtes. Wenn das Maskulinum nämlich generisch ist, ist es keine exklusive Bezeichnung mehr für Männer.

  15. NörglerIn Nörglerin
    17.12.2011, 00:38

    Aus der Gemeindeordnung für Schleswig-Holstein in der Fassung vom 28. Februar 2003:

    § 91 (3) Die Kassenverwalterin oder der Kassenverwalter und deren oder dessen Stellvertreterin oder Stellvertreter dürfen mit der Bürgermeisterin oder dem Bürgermeister, in Städten mit der Bürgermeisterin oder dem Bürgermeister oder einer Stadträtin oder einem Stadtrat sowie mit der Kämmerin oder dem Kämmerer, der Leiterin oder dem Leiter und Prüferinnen und Prüfern des Rechnungsprüfungsamtes nicht in der Weise des § 22 Abs. 1 verbunden sein. Entsteht der Behinderungsgrund im Laufe der Amtszeit, so hat eine der beteiligten Personen aus ihrer Funktion auszuscheiden. Ist eine der beteiligten Personen Bürgermeisterin oder Bürgermeister, in Städten Bürgermeisterin oder Bürgermeister oder Stadträtin oder Stadtrat, so hat die andere Person aus ihrer Funktion auszuscheiden.

    Das soll für Männer verständlicher sein als bei Verwendung des generischen Maskulinum?

    Dabei weist die Gemeindeordnung bei der Geschlechtergerechtigkeit immer noch Lücken auf. So wird nur von Bürgerentscheiden, Bürgerbegehren und von der Bürgermeisterverfassung gesprochen.

    Wären Bürgerinnen- und Bürgerentscheid und Bürgermeisterinnen- und Bürgermeisterverfassung nicht noch viel verständlicher?

  16. André Schädlichkeitsbeweis?
    17.12.2011, 00:48

    Wo ist der Schaden für Frauen bzw. die negative Beeinflussung ihrer sozialen Stellung, wenn in einer uneindeutigen Sprechsituation das generische Maskulinum zu einem verminderten "Mitdenken" des potentiellen Gemeintseins der weiblichen Form führt?

    [Den können wir als Männer leider nie am eigenen Leib erleben, aber wenn wir mit offenen Augen durch die Welt gehen und einfach mal nicht durchgängig an uns selbst denken, sollte es ganz von selbst klar werden. Ich weiß selbst, wie schwer das ist, aber wir sind schließlich echte Männer. Von Schwierigkeiten lassen wir uns nicht abschrecken. -- A.S.]

  17. Savigny @NörglerIn
    17.12.2011, 01:19

    Sorry, aber mit einem willkürlich gegriffenen verunglückten Beispiel lässt sich natürlich jeder Fortschritt diskreditieren.
    Als hätte Verständlichkeit je im Vordergrund des Formulierens von Gesetzestexten gestanden. Nur wenn das berechtigte Anliegen einer geschlechtergerechten Sprache umgesetzt werden soll, wird dieser Gesichtspunkt plötzlich betont - aus allzu durchsichtigen Motiven.

  18. stefle kein Betreff
    17.12.2011, 05:16

    Mir ist überhaupt nicht klar, wie Stefanowitsch sich eine sprachliche Gleichbehandlung in der Praxis vorstellt. Er macht es sich etwas leicht, wenn er hier im Blog geschlechtergerechte Schreibung demonstriert und Einwände dagegen als unbegründet bezeichnet.

    Hören wir uns doch mal an, wie er das im mündlichen Gespräch so umsetzt:

    http://www.wrint.de/...uft-an-anatol-stefanowitsch

    "DER EINZELNE hat ja nicht das Lautsystem der deutschen Sprache im Sinne, wenn ER Dinge so oder so ausspricht."

    "Aber «Das ist das Auto des Holger», das würde ja KEINER mehr sagen."

    "Die BLOGGER sagen auch: Das ist doch unser Metier, ich bin doch DER BLOGGER"

    "Und das ist etwas, was JEDER SPRACHWISSENSCHAFTLER mit berücksichtigen muss"

    "Das machen nicht die LINGUISTEN selber, sondern das machen dann ANTHROPOLOGEN"

    "Da gab es immer zwei große Theorien, nämlich die RATIONALISTEN und die EMPIRISTEN"

    "Viele von meinen STUDENTEN – wenn ich mal STUDENTEN hab, die tatsächlich an die Uni kommen, um Sprachwissenschaft zu studieren – das ist ja recht selten, wir müssen die normalerweise aus dem Lager der potentiellen LITERATURWISSENSCHAFTLER erst rekrutieren"

    "Die SPRACHERWERBSFORSCHER, die zur Zeit große Fortschritte machen"

    "und KEINER, DER da saß in diesem Seminar – das vielleicht auch ein bisschen Glück, das war zu ’ner ungünstigen Uhrzeit, die mir gepasst hat, aber die die DEM TYPISCHEN STUDENTEN vielleicht nicht passt"

    "Das ist ja auch das, was diese SPRACHNÖRGLER nicht verstehen"

    ...

    So weit so gut, das sind nur einige herausgegriffene Beispiele, die generischen Maskulina in Großbuchstaben. Wenn Stefanowitsch es ernst mit dem Gendering meint, hätte er jedesmal beide Geschlechter berücksichtigen müssen. Damit hätte er Holgi bestimmt ordentlich in Stimmung gebracht, der hat da sehr viel Potential ... Schade, hätte mich schon interessiert, wie das ausgegangen wäre ;-)

    Zuviele barocke Schnörkel wären auch kaum möglich gewesen, denn Stefanowitsch hat da schon Höchstleistungen vollbracht, komplexe Sachverhalte Holgi-gerecht herunterzubrechen. Man stelle sich nur vor, Stefanowitsch hätte gesagt: «Da gab es immer zwei große Theorien, nämlich die Rationalisten und Rationalistinnen und die Empiristen und Empiristinnen»

    Aber klar, das Argument, geschlechtergerechte Formulierungen seien umständlich, ist natürlich völlig unbegründet.

    Wie es aussieht, geht es hier doch bloß um ein bisschen Kosmetik. Wenn’s angemessen erscheint, sagt man dann eben «Liebe Studentinnen und Studenten» – das wird ja ohnehin längst praktiziert. Ein paar Floskeln eben, wenn die Textsorte es verträgt. Da mag es dann auch ins sprachwissenschaftliche Blog passen, das besagt nichts, solange es in mündlicher Sprache nicht und auch sonst nur sporadisch Verwendung findet. Ich will gern zugestehen, dass man irgendwo einen Anfang machen möchte, aber angesichts der Probleme erscheint mir das ganze Unterfangen aussichtslos.

    Wie tief der Eingriff in die Sprache sein muss, wenn man es nicht bei gelegentlich eingestreuten Floskeln belassen will, scheint Stefanowitsch nicht klar zu sein.

    Ich sehe auch keine Fortschritte. Neuerdings sehe ich öfter Student_in statt StudentIn. Die Binnengroßschreibung ist doch nun schon länger in Gebrauch, nun wird sie ohne Grund aufgegeben und durch eine Schreibweise ersetzt, die der üblichen Norm noch ferner ist!

  19. A.S. Zusammenfassung
    17.12.2011, 07:52

    Ich schließe die Diskussion an dieser Stelle, da sie sich einerseits immer weiter vom zu diskutierenden Beitrag entfernt und andererseits im Kreis dreht. Ich habe keine Zeit, auf die ewig gleichen längst diskutieren und ausgeräumten Argumente die ewig gleichen Antworten zu liefern.

    1. „Gendergerechte Sprache ist eben zu umständlich“. Wer glaubt, das wäre ein Argument für irgendetwas hat ganz offensichtlich den Beitrag nicht gelesen.

    2. „Aber in der gesprochenen Sprache ist es dann wirklich zu umständlich.“ Wer glaubt, das wäre ein Argument für irgendetwas hat ganz offensichtlich weder den Beitrag noch die Antwort auf den vorangehenden Punkt gelesen.

    3. „Aber gendergerechte Sprache ist teurer, weil sie mehr Zeit, mehr Aufwand, mehr Papier verbraucht“. Wer glaubt, das wäre ein Argument für irgendetwas hat ganz offensichtlich weder den Beitrag noch die Antwort auf die vorangehenden beiden Punkte gelesen.

    4. „Aber ich habe Satz X konstruiert, bei dem sich das generische Maskulinum nicht einfach durch eine weibliche Form oder eine Beidnennung ersetzen lässt, ohne dass die Bedeutung sich verändert.“ Tja, was machen wir da bloß... ich glaube, es gibt keine Lösung, denn Sätze lassen sich bekanntlich nicht umformulieren.

    5. „Gendergerechte Sprache ist nur Kosmetik, wir müssen die Wirklichkeit ändern.“ Nur zu! Statt sich hier an einer Diskussion beteiligen, die Sie für überflüssig halten, organisieren Sie doch lieber eine Demonstration für Lohngerechtigkeit oder bessere Kinderbetreuung.

    6. „Es wäre besser, wenn wir Geschlechterunterschiede in der Sprache nicht ständig betonen würden. Das generische Maskulinum ist deshalb die beste Wahl“. Klar, es wäre auch besser, wenn wir Geschlechterunterschiede in der Öffentlichkeit nicht ständig betonen würden. Es wäre deshalb besser, wenn die Frauen einfach das Haus nie verlassen würden... Ich weiß nicht, ob ich es irgendwo schon erwähnt habe, aber es gibt kein generisches Maskulinum.

    7. „Aber Stefanowisch benutzt doch selbst manchmal maskuline Formen, wenn er gemischte Gruppen meint“. Hier geht es NICHT um meinen Sprachgebrauch, weder hier im Blog, noch in Radiosendungen. Ich bin ein Alltagssexist, sozialisiert in einer sexistischen Gesellschaft und Muttersprachler einer sexistischen Sprache. Manchmal rutsche ich in solche Sprachmuster, manchmal wird mir gerechte Sprache von Verlagslektoraten aus meinen Texten herausredigiert und ich erhebe keinen Einspruch, und manchmal entscheide ich sogar bewusst, auf Sprachmuster zu verzichten, die meine Leser/innen und Hörer/innen vom Gesagten ablenken. Aber ich arbeite daran.

    Dass das Maskulinum „generisch“ gebraucht wird, steht doch außer Frage -- wäre es nicht so, bräuchten wir die Diskussion ja gar nicht zu führen. Dass das Maskulinum generische Interpretationen erfahren kann, steht ebenfalls außer Frage. Was das Experiment (und viele andere Experimente) zeigen, ist, dass diese Interpretation nicht natürlich oder automatisch ist, dass das Maskulinum also keine generische Bedeutng hat.

    8. „Aber gendergerechte Sprache stört meine Sprachästhetik“. Ach du Schreck, das schlägt natürlich jedes Argument. Wir müssen sofort aufhören mit dieser unästhetischen Gleichbehandlung. Wenn wir das ästhetische Leiden auch nur eines Mannes verhindern können, ist das die fortgesetzte Marginalisierung von Frauen absolut Wert, oder?

    9. „Ich bin eben anderer Meinung“. Nein, wie interessant! Erzählen Sie mehr von sich -- nicht.

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