SciLogs International .eu.be.es.de
scilogs Sprachlog spektrum.de

aktuelle Artikel RSS

Stille Post sie spielen

15. Oktober 2011, 10:36

Ich bin gedanklich schon auf der Open Mind 11 und der noch etwas unausgegorenen Vision von der Zukunft der institutionalisierten Wissenschaft, die ich dort morgen früh vortragen werde, aber da ich jetzt mehrfach auf die Meldung angesprochen worden bin, will ich doch schnell etwas dazu sagen: Die Frühmenschen, meldet Spiegel Online, sprachen wie Yoda aus Star Wars -- oder, wie SpON titelt, Frühmenschen wie Yoda sprachen.

Eine schöne Geschichte, wenn etwas daran wäre. Wer würde nicht gerne wenigstens seinen sprachlichen Stammbaum bis zu dem kleinen aber äußerst kampfstarken grünen Jedi-Ritter zurückverfolgen können. Leider stimmt an der Meldung, die im Prinzip nur eine leicht überarbeitete Fassung einer dpa-Meldung ist, so gut wie gar nichts. Sie ist bestenfalls ein Beispiel dafür, dass man Pressemeldungen zu wissenschaftlichen Studien nicht übernehmen sollte, ohne einen Blick auf die Studie selbst zu werfen. Vor allem aber sollte man sie nicht umschreiben, ohne die Studie zu kennen und verstanden zu haben. Tut man es doch, spielt man im Prinzip stille Post -- im Journalismus grundsätzlich eine äußerst schlechte Idee. » weiter

Geschrieben in Sprachverwirrung | 25 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Wörterbuch der Verblendung (I): Chemiekeule

04. Oktober 2011, 09:20

Wörterbuch der VerblendungVor einiger Zeit habe ich im Zusammenhang mit einer äußerst unkritischen GEO-Titelgeschichte zur „Alternativmedizin“ einige Ausdrücke untersucht, mit denen die Befürworter der „Alternativmedizin“ die Welt passend zu ihrer Ideologie versprachlichen (darunter das Wortpaar Schulmedizin/Alternativmedizin. Bei der Hintergrundrecherche zu meinem heutigen Telepolis-Beitrags zur „Alternativmedizin“ ist mir dann erst klar geworden, wie viele solcher Ausdrücke es tatsächlich gibt und wie selbstverständlich sie in Diskussionen über die Behandlung von Krankheiten verwendet werden. Mit diesen Wörtern werde ich mich unter der Rubrik „Aus dem Lexikon der Verblendung“ beschäftigen, die in unregelmäßigen Abständen hier im Sprachlog erscheinen wird.

Beginnen möchte ich heute mit dem Wort Chemiekeule, mit dem Befürworter der „Alternativmedizin“ gerne die sogenannte „Schulmedizin“ (oder, wie ich sie nenne, Medizin) bezeichnen.  » weiter

Geschrieben in Sprachverwirrung | 57 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


XKCD: Künstler, Comiczeichner, Denker

26. September 2011, 09:07

Ab und zu übersetze ich ja hier sprachwissenschaftlich interessante Comics von Randall „XKCD“ Munroe. An einem der besten habe ich mir vor einiger Zeit die Zähne ausgebissen. Wie immer, wenn mir etwas nicht sofort gelingt, habe ich die ganze Angelegenheit verdrängt, aber freundlicherweise hat mich Ali „Zoonpolitikon“ Arbia anlässlich meiner jüngsten Übersetzung daran erinnert.

Was den Comic so unübersetzbar macht, wird klar, sobald man das Original verstanden hat:  » weiter

Geschrieben in Sprachverwirrung | 32 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Mitgefühl oder Entschuldigung

23. September 2011, 10:12

XKCDs Lösung für ein klassisches pragmatisches Problem:

XKCD - I’m Sorry - http://xkcd.com/945/ » weiter

Geschrieben in Sprachverwirrung | 10 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Im Rausch der Titel

08. Juli 2011, 11:01

Da die Plagiatsfälle gerade auf uns herunterregnen wie Kröten nach einem Tornado in Ishikawa, lässt mich das Thema doch auch hier im Sprachlog noch nicht los. Ein aktuell diskutierter Aspekt des Themas hat zudem durchaus einen sprachlichen Bezug: Die Frage, was akademische „Titel“ eigentlich sind, und ob man deren Missbrauch nicht abstellen könnte, indem man diese „Titel“ einfach abschaffte (siehe dazu die Diskussion in unserem Blog DE PLAGIO).

Häufig findet auch eine merkwürdige Vermischung von akademischen „Titeln“ und „Adelstiteln“ statt -- z.B. in der Sendung „Anne Will“, in der es insgesamt ja recht munter durcheinander ging.

Grund genug für mich, hier im Sprachlog einmal zusammenzufassen, was ein „akademischer Titel“ eigentlich ist, und wie er sich von einem „Adelstitel“ unterscheidet. » weiter

Geschrieben in Sprachverwirrung | 16 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Analogiefalle

12. Mai 2011, 13:08

Die Verwendung von Metaphern und Analogien im Fachunterricht ist seit vielen Jahren ein beliebtes Staatsexamensthema bei meinen Studierenden und es ist ein interessantes und lohnendes Forschungsgebiet. Das Kernproblem lässt sich aber einfach zusammenfassen:  » weiter

Geschrieben in Sprachverwirrung | 26 Kommentare | 6 Trackbacks | Permalink


Wörterwahl nach Wutsherrenart

18. Dezember 2010, 10:06

Ich habe ja nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich wenig Begeisterung für die Wahl von Wörtern zum Wort, Unwort, Jugendwort oder überflüssigsten Wort des Jahres oder Monats, zum schönsten ausgewanderten oder eingewanderten oder zum schönsten Wort überhaupt aufbringen kann. Ich habe ja nichts gegen Wörter. Viele meiner besten Freunde sind Wörter. Aber, das wird man ja wohl noch sagen dürfen, auszeichnen sollte man keins von ihnen. Wörter sollen ihre Arbeit erledigen, nämlich, uns beim Reden zu helfen, und davon abgesehen sollen sie uns in Ruhe lassen.

Das gilt natürlich auch für das gestern von der Gesellschaft für deutsche Sprache zum „Wort des Jahres 2010“ gekürte Wutbürger. Aus sprachwissenschaftlicher Sicht ist das Wort ohnehin völlig uninteressant; es ist ein ganz normales Nominalkompositum, von denen das Deutsche eins pro Sekunde prägen könnte, wenn es nur wollte. Und es wollte schon oft: ich nenne nur bespielhaft Ehrenbürger, Schildbürger, Spießbürger, Weltbürger, Bundesbürger, Erdenbürger, Netzbürger, Pfahlbürger, Cheesebürger und Staatsbürger.  » weiter

Geschrieben in Sprachverwirrung | 11 Kommentare | 1 Trackbacks | Permalink


Klassenlose Sprache

06. Juni 2010, 23:48

Ich lese gerade Craig Russels The Valkyrie Song (dt. „Walküre“), das seit zwei Jahren ungelesen in meinem Bücherregal stand, und obwohl ich das Gefühl habe, dass der Autor ein wenig das Interesse an seinem Hamburger Kommissar Jan Fabel verloren hat und der Roman atmosphärisch nicht ganz an seine vier Vorgänger Blood Eagle („Blutadler“), Brother Grimm („Wolfsfährte“), Eternal („Brandmal“) und The Carnival Master („Carneval“) heranreicht, macht es mir wieder großen Spaß, meine Heimatstadt durch die Augen eines britischen Kriminalschriftstellers und für ein internationales Publikum aufbereitet zu erleben.

Russel kennt nicht nur Hamburg gut, auch bei seiner Verwendung deutscher Wörter und Sprachschnipsel unterlaufen ihm selten die Fehler, die man sonst häufig sieht, wenn Schriftsteller/innen fremde Sprachen verwenden, um ihrem Text Lokalkolorit zu verleihen.

Das ist auch in The Valkyrie Song nicht anders, wo er dieses Stilmittel allerdings auch weniger stark einsetzt als in den vorhergehenden Romanen. Dafür unterläuft ihm auf einer abstrakteren Ebene ein sprachwissenschaftlicher Fehler, der zwar mein Lesevergnügen nicht geschmälert hat, der aber trotzdem interessant ist. Im vierten Kapitel schreibt er an einer Stelle Folgendes, wobei es mir um den hervorgehobenen Satz geht: » weiter

Geschrieben in Sprachverwirrung | 21 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Der Adler ist ausgeflogen

28. April 2010, 16:16

Der aktuelle XKCD behandelt mal wieder ein sprachliches Phänomen: 

Außerhalb der Saison beschäftige ich einen Dompteur, der mir dabei hilft, Geheimagenten mit Situationen zu konfrontieren, die sie nicht per Funk weitermelden können.

 

© 2010, xkcd
(Deutsche Bearbeitung © 2010, Anatol Stefanowitsch).
Sowohl das Original als auch die deutsche Bearbeitung stehen unter der Creative-Commons-BY-NC-2.5-Lizenz.



Geschrieben in Sprachverwirrung | 5 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Erfolgte die amerikanische Unabhängigkeitserklärung auf Deutsch?

18. März 2010, 10:15

Ist gerade Vollmond, oder was lockt die VDS'ler in Scharen unter den Steinen hervor, unter denen sie normalerweise leben? Nach dem reizenden Kommentar, den Regionalleiter Lietz mir am Wochenende hier hinterlassen hat, finde ich heute morgen diese deutlich höflicher und orthografisch korrektere E-Mail in meinem Postfach:

Sehr ungeehrter Juniorprofessor! Als Englischprofessor ist Ihnen die deutsche Sprache natürlich nichts wert, mit ihr können Sie sich nicht brüsten. Wer befangen ist, sollte einfach schweigen! Für einen Professor sind Sie außerdem ziemlich ungebildet. Sie müssten wissen, daß Deutsch fast Amtssprache der USA geworden wäre und daß sogar die amerikanische Unabhängigkeitserklärung zuerst auf Deutsch veröffentlicht wurde. http://vds-ev.de/verein/aha/aha.php Mit unfreundlichen Grüßen, Holger (Mitglied beim VDS)

Ehrlicherweise muss ich dazu sagen, dass ich nicht beurteilen kann, ob es sich beim Autor wirklich um ein VDS-Mitglied handelt. Die E-Mail ist über einen anonymen E-Mail-Dienst verschickt worden und „Holgers“ angebliche E-Mail-Adresse scheint nicht zu existieren. Die Anrede „Juniorprofessor“ deutet allerdings auf ein VDS-Mitglied hin, da man im Forum des VDS der irrigen Meinung ist, ich sei Juniorprofessor und da mich schon des öfteren nachvollziehbar authentische VDS-Mitglieder so angeschrieben haben. » weiter

Geschrieben in Sprachverwirrung | 18 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


szmtag