Wissenslogs Sprechstunde

Functional Food oder doch besser Obst und Gemüse?

von Susanne Plotz, 16. Oktober 2009, 12:06

Die Deutschen, so scheint es, sind Gesundheitsfanatiker. So greift bereits ein Drittel der Bevölkerung mit Vorliebe zu so genanntem Functional Food, dessen Zusatzstoffe wie beispielsweise Vitamine die Gesundheit unterstützen sollen. Besonders groß ist das Interesse demnach bei den unter 30-jährigen. Dennoch glauben nur etwa 6% der Functional Food Käufer, dass Sie damit tatsächlich ihrer Gesundheit etwas Gutes tun können.

Was ist Functional Food eigentlich? Es handelt sich hierbei um Nahrungsmittel, denen bestimmte Zusatzstoffe begemengt werden unter der Prämisse, damit den gesundheitlichen Nutzen zu erhöhen. Dazu zählen unter anderem mit Milchsäurebakterien versetzte Joghurts, die die Verdauung anregen und die gesunde Darmflora unterstützen sollen. Sehr beliebt sind auch Vitaminzusätze in den verschiedensten Lebensmitteln. Ob Fischöl in Eiern oder Kalzium im Müsli, die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Braucht man diese Zusätze überhaupt? Es gibt einige wenige Ausnahmen, bei denen Zusätze in der Tat sinnvoll sind. Dies gilt zum Beispiel für mit Jod angereichertes Salz, da Deutschland zu den Jodmangelgebieten gehört. Andere Zusätze hingegen sind bestenfalls überflüssig und schlimmstenfalls schädlich. Dies gilt besonders für die Vitaminanreicherungen. So sind die Vitamine A, C und B bereits in der normalen Nahrung ausreichend enthalten. Darüber hinaus gilt auch für die kleinen Fitmacher: die richtige Dosis machts und eine Überdosierung kann unangenehme Folgen haben. Dazu die Ernährungsexpertin Silke Wilms: "Zu viel Vitamin A zum Beispiel könne die Knochen porös und brüchig machen."

Und es gibt schließlich immer eine gesunde Alternative und die heißt: ausreichend Obst und Gemüse essen! Wer sich ausgewogen ernährt, muss keinen Mangel fürchten und ist auch nicht auf Functional Food angewiesen. Dazu passt auch der alte englische Spruch: "an apple a day keeps the doctor away". In diesem Sinne: ein gesundes und vitaminreiches Wochenende!



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Kommentare

  1. Martin Huhn Vitamine
    16.10.2009 | 13:31

    Ich habe mal gelesen, Vitamin C könne man nicht überdosieren (ok, wenn man 1 kg Säure schluckt wäre das natürlich zuviel). Begründet wurde es mit der Wasserlöslichkeit von Vitamin C. Was zuviel ist wird quasi fortgeschwemmt. Bei Vitamin A hingegen sieht es anders aus, da es ein fettlösliches Vitamin ist. Das lagert sich ein.

    Ich persönlich meide Mutlivitaminsäfte und dergleichen. Aber das ist ein weitschweifiges Thema. Ein Ernährungswissenschaftler meinte mal, wir bräuchten künstliche Vitamine. Vor ein paar Jahrzehnten haben die Menschen körperlich härter gearbeitet und viel mehr gegessen und somit viel mehr Vitamine zu sich genommen. Das treffe auf die heutigen "Bürohengste" nicht mehr zu und deshalb müsse diese die Vitamine zur Nahrung ergänzen. Naja.

  2. Luchs kein Betreff
    16.10.2009 | 14:30

    "Dazu die Ernährungsexpertin Silke Wilms: "Zu viel Vitamin A zum Beispiel könne die Knochen porös und brüchig machen." "

    Kein Produkt wird heute noch mit Vitamin A angereichert, sondern allenfalls mit dem Provitamin A, bzw. Betacarotin. Gilt das auch für das Provitamin A?

    Wie häufig ist ein Vitamin D Mangel oder ein Mangel an Mg, Zn oder Se?

    Wie ist der Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen eines heutzutage gehandelten Apfels im Vergleich mit einer alten Apfelsorte?

  3. Sören Schewe Vitamin A vs. Provitamin A
    16.10.2009 | 15:50

    @ Luchs:

    Das Provitamin A ist eine Vorstufe des Vitamin A, es muss also vom Körper erst in solches umgewandelt werden. Dabei wird nur soviel umgewandelt wie der Körper braucht. Eine Überdosierung ist damit ausgeschlossen.

    So, jetzt hoffe ich einfach mal, dass ich das spontan alles richtig aufgeschrieben habe^^

  4. Jürgen Bolt @Martin Huhn@Luchs
    16.10.2009 | 16:00

    Multivitamin-Substitution empfiehlt auch die Harvard School of Public Health - plus extra Vitamin D:

    http://www.hsph.harvard.edu/.../pyramid/index.html

    Hat mich überzeugt. Für Vitamin D übrigens erst nach ein paar Wochen Recherche in Originalpublikationen bzw. -abstracts, z.B. über:

    www.vitamindcouncil.org

    Zur Häufigkeit des Vitamin D-Mangels:

    "Dependent on the required serum 25(OH)D level, either 50 or 75nmol/l, the percentage of the population with vitamin D insufficiency is high or very high in most European countries." (http://www.iofbonehealth.org/...-d-deficiency.html)

    Mg- und Zn-Mangel gibt es in Deutschland anscheinend nur in Risikogruppen und für Se existieren meines Wissens nur Schätzwerte für die Zufuhr, die in Deutschland aber wegen der selenarmen Böden eher nicht erreicht werden. (http://www.dge.de/...howpage&pid=3&page=1; zur Zufuhr: Biesalski, Taschenatlas der Ernährung, Thieme)

    Und Äpfel gehören allgemein nicht zu den vitaminreichen Obstsorten, z.B. 12mg Vitamin C/100 g Apfel (Orangen 50mg, nach: Souci, Fachmann, Kraut). Bei einem D-A-CH-Referenzwert von 100mg/d ist das nicht allzuviel. Aber es gibt ja noch den Kohl!

    [Antwort @Martin Huhn @Luchs @ Jürgen Bolt: Ich freue mich, dass dieses Thema so lebendig diskutiert wird und möchte natürlich eine Antwort nicht schuldig bleiben.

    Kommen wir zunächst zu den Vitaminen. Hier kann man unterscheiden zwischen den wasserlöslichen und den fettlöslichen (E,D,K,A, leicht zu merken....).

    Bei den fettlöslichen Vitaminen kann es in der Tat, wie Luchs es auch beschrieben hat, zu Überdosierungen aufgrund der Anreicherung im Gewebe kommen. Wasserlösliche Vitamine hingegen werden leicht über die Niere ausgeschieden und alles, was zuviel ist, geht ungenutzt den Weg des Unvermeidlichen.

    Wie von Herrn Bolt beschrieben, gibt es die so genannten DACH Referenzwerte (für Deutschland, Österreich, Schweiz), die als Basis für die praktische Umsetzung in der Ernährung genommen werden sollen. Daneben gibt es (natürlich) auch aus den USA und Canada Zufurhempfehlungen für Vitamine. Die daraus von den Experten abgeleiteten Empfehlungen lesen sich jedoch kontrovers. Das hat verschiedene Gründe. Einerseits (und ich versuche, hier nicht zu sehr ins Fachliche abzudriften, man möge es mir nachsehen) -gibt es für die meisten Nähstoffe immer noch keine Dosis-Wirkungs-Beziehung (wieviel Dosis welche Wirkung erzeugt) - es gibt nur sehr wenig Langezeitstudien - teilweise herrschen große Unterschiede in der individuellen Bioverfügbarkeit der Vitamine in den Nahrungsmitteln (also wieviel Vitamin dem Körper nach Verstoffwechselung tatsächlich zur Verfügung steht)

    Außerdem muss man natürlich immer auch das Individuum betrachten. So gibt es Menschen, die einen erhöhten Bedarf an Vitaminen haben. Das müssen nicht unbedingt Kranke sein. Dazu zählen beispielsweise Raucher, Alkoholiker, aber auch Schwangere und streng vegan lebende Menschen. Medikamente können die Verstoffwechselung von Vitaminen beeinflussen. Diäten spielen eine Rolle und auch die allgemeine Ernährungsgewohnheit (Fast Food).

    Nun zur Frage, ob man mit heutigem Gemüse und Obst überhaupt dem Nähstoffbedarf decken kann. Dazu hat die Deutsche Desellschaft für Ernährung (DGE) im Jahr 2004 einen Foschungsbericht in Auftrag gegeben, der ein eindeutiges Ergebnis brachte: weder Gemüse noch Obst verarmen an Nähstoffen!

    Vor diesem Hintergrund kann die These, dass eine ausgewogene Ernährung den Bedarf an Vitaminen deckt (Ausnahme: Jod und Folat, Letzteres in der Schwangerschaft) durchaus gelten.! Quellen: http://www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=598, Handbuch Vitamine: Für Prophylaxe, Therapie und Beratung. Von Klaus Pietrzik, Ines Golly, Dieter Loew, Verlag Elsevier 2008, 1. Auflage]

  5. Atouk kein Betreff
    17.10.2009 | 11:28

    Sehr interessanter Artikel zu dem ich ein paar Fragen haben:

    "Außerdem muss man natürlich immer auch das Individuum betrachten. So gibt es Menschen, die einen erhöhten Bedarf an Vitaminen haben. Das müssen nicht unbedingt Kranke sein. Dazu zählen beispielsweise Raucher, Alkoholiker, aber auch Schwangere und streng vegan lebende Menschen."

    Ich weiss, dass es seit langer Zeit Vitaminpräparate für Raucher gibt. Diese Präparate enthalten besonders die Vitamine, die bei Rauchern im Blutbild -im Vergleich zu nichtRauchern- niedriegere Konzentrationen aufweisen. Aus diesem Grund wurden oben genannte Präparate entwickelt. Ich meine mich an US-Studien zu erinnern, die gezeigt haben, dass die gabe von diesen Vitaminpräparaten zu einem signifikant höherem Lungenkrebsrisiko führen sollen. Für Beta-Carotin ist dies ja auch eindeutig nachgewiesen worden (Lungen- sowie Darmkrebs).

    Sind Ihnen diese Aspekte bekannt? Gibt es dazu neuere Erkenntnisse?

    Ich meine mich auch daran erinnern zu können, dass sehr hohe Dosen von Vitamin C Erbgutschädigend sein soll - obwohl es wasserlöslich ist, sollen also negative Effekte auftreten können.

    Zum Thema Jodsalz. Es mag ja sein, dass Deutschland ein Jodmangelgebiet ist, wenn man sich allerdings anschaut, wieviel Produkte mit Jod angereichert sind, kann man eher von einer Überversorgung sprechen. Viele Menschen mit einer Jodunverträglichkeit, haben Probleme damit.

    Was mir nicht ganz einleuchtet. Es wird festgestellt, dass bei bestimmten Personenkreisen der Vitamingehalt im Blut -im Vergleich zur Normalbevölkerung- abgesenkt ist. Daraus wird dann abgeleitet, dass diese Personen einen erhöhten Vitaminbedarf haben, den man künstlich zuführen soll.
    Aber warum, wenn....

    "Einerseits (und ich versuche, hier nicht zu sehr ins Fachliche abzudriften, man möge es mir nachsehen) -gibt es für die meisten Nähstoffe immer noch keine Dosis-Wirkungs-Beziehung (wieviel Dosis welche Wirkung erzeugt) - es gibt nur sehr wenig Langezeitstudien -...."

    Möglicherweise sind die abgesenkten Werte ein Mechanismus des Organismus auf die Umweltbedingungen...und bei Rauchern z.B. kann die Ergänzung -den Level im Blut auf den Wert eines "normalen" Menschen zu bringen- eben negative Auswirkungen haben.

    Ich würde mir wünschen, dass hier mehr Beweis-gestützte Empfehlungen sowie Forschungsarbeiten zur Untermauerung genannt werden. Ein Verweis auf einen Peer-Review mit weiteren Quellenangaben würde schon ausreichen.

  6. Susanne Plotz Antwort für Atouk
    27.10.2009 | 11:58

    Vielen Dank für diesen Kommentar. Bezüglich der Vitaminpräparate bei Rauchern: Studien haben gezeigt, dass eine Gabe von Vitaminpräparaten bei Rauchern weder vor der Entstehung von Lungenkrebs schützen, noch vor der Entwicklung cardiovaskulärer Erkrankungen (link: http://www.krebsforum.at/...php?topic=1448.0;wap2, Smoking, oxidative stress and cardiovascular diseases--do anti-oxidative therapies fail?). Eine Studie berichtet sogar davon, dass die Gabe von Vitmamin E zu einem Anstieg des Lungekrebsrisikos führt. Bezüglich des Vitamin C: es gibt Studien, deren Ergebnisse Hinweise darauf geben, dass Antioxidantien (also auch Vitmain C) die Entstehung von Krebs begünstigen können (link: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/...nel.Pubmed_RVDocSum).
    Bezüglich der Jodversorgung: hier verweise ich gerne auf die Homepage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die in einer Untersuchung festgestellt hat, dass die Jodversorgung in Deutschland zwar verbessert wurde, die tägliche Aufnahme aber immer noch nicht der von der WHO empfohlenen Menge entspreche.

  7. Alexander Krings Functional Food nicht pauschal ablehnen
    27.10.2009 | 15:45

    Ich kann mich nicht an der Diskussion um die Güte und Interpretation der AOX-, CARET- und ATBC-Studien beteiligen. Darüber wird ja seit Jahren (auch im Netz) sehr kontrovers und überaus kompetent gestritten.
    Die Medien haben die Ergebnisse zu Schlagzeilen wie „Zu viele Vitamine verkürzen offenbar das Leben“ [Ärztezeitung 02.03.07] verarbeitet. Wieder und wieder haben Journalisten diese Headlines aufgenommen. Mit dem Resultat, dass auch Personengruppen, die zusätzliche Vitamingaben dringend nötig haben, von einer Supplementierung ängstlich absehen. Ich denke hier an mein über 80jährige Tante, die aufgrund verschiedener Einflüsse unterversorgt ist, und sich dennoch nicht von mir zum Verzehr eines flüssigen Präparates überzeugen ließ.
    Die Frage ist ja nicht, ob eine ausgewogene Ernährung vor Unterversorgung schützt. Dies mag für den gesunden Erwachsenen bis auf Ausnahmen wie Jod, Selen oder Vitamin D im Winter ja der Fall sein. Die Frage ist vielmehr, ob wir Menschen nun aufhören uns darüber Gedanken zu machen, ob bestimmte Mikronährstoffe in konzentrierter Form geeignet sind, die krankheitsfreie Lebenszeit zu verlängern. Sind wir der Meinung, das sei alles Teufelszeug oder wie mein Professor im Studium sagte: Es kann doch nicht sein, dass der liebe Gott den Menschen so geschaffen hat, dass er Nahrungsergänzung benötigt. Nach dem Motto: Wenn der liebe Gott gewollt hätte, dass der Mensch fliegt, hätte er ihm Flügel wachsen lassen.
    Es gibt unzählige viel versprechende Hinweise, die für eine Ergänzung mit Fischöl, probiotischen Kulturen, Grünem Tee, sekundären Pflanzenstoffen wie Resveratrol oder Indol-3-Carbinol sprechen. Ja, es gibt keine Level1-Evidenz. Keine über viele Jahre laufende, placebokontrollierte Studie mit einem eindeutigen Ergebnis, das von anderen Studien derselben Güte reproduziert wurde. Doch sollte mich das davon abhalten, Functional Food und Nahrungsergänzung zu nutzen? Soll ich die 50 Jahre warten, bis es diesen Evidenzgrad gibt? Ich bin weder Raucher, noch Alkoholiker noch wurde ich Asbest ausgesetzt. Mich interessieren die CARET- und ATBC Studien daher nicht.
    Hochdosiertes, synthetisches Beta-Carotin, Vitamin E und Vitamin A mögen sich erledigt haben. Aber Functional Food ist etwas anderes, als billige Vitaminpillen. Wir setzen Lebensmittel schon recht lange funktional ein. Bodybuilder verzehren seit den 50ern Eiklar und Milch in rohen Mengen, weil sie schon damals ahnten, dass sie für einen optimalen Muskelaufbau mehr Protein benötigen, als die durch eine übliche Kost erhalten. Hefe für schöne Haut, Kaffee zum Wachwerden, Lebertran für die Vitamin D und A Versorgung, Fruchtsäfte für Vitamine ... die Liste lässt sich fortsetzen.
    Natürlich müssen bedenkliche Studienergebnisse in die Verzehrempfehlung und Risikobewertung einfließen. Vielversprechende Studienergebnisse müssen genauso wie die enttäuschenden Resultate kritisch hinterfragt werden. Doch wir können nicht eine fortschrittsfeindliche, überkritische Haltung einnehmen und Functional Food pauschal ablehnen. Dafür sind die Chancen und Perspektiven für eine Verlängerung der krankheitsfreien Lebenszeit breiter Bevölkerungsgruppen durch Functional Food in Kombination mit Maßnahmen wie Sport und Verzicht auf Alkohol und Nikotin sowie Abbau von überflüssigem Körperfett zu vielversprechend.

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