Was täte ich nur ohne meine Leserinnen, Leser oder jene, die mich teilweise zusätzlich noch über Twitter verfolgen? Zumindest wäre ich teilweise nicht sonderlich gut informiert - eine Erkenntnis, die mich heute ereilte. Aber der Reihe nach. Es muss schon Dezember gewesen sein, als ich erfuhr, dass es über Stern TV einen Livestream gab. Dort wurde ein Nashornweibchen gefilmt. Genauer gesagt war es die 30-jährige Mana, ein Spitzmaulnashorn, die nun vor vielen gespannten Augen ein Baby erwartete. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und saß gespannt vorm Laptop. Die Geburt zog sich dann aber doch noch etwas hin und ich vermutete schon, dass es wohl ein Weihnachtsnashorn wird. Dass es tatsächlich so kommen sollte, hätte ich dann doch nicht gedacht.
Aber genau so war es. In der Nacht des 24. Dezembers war es soweit und ich bin gegeistert - ein Nashornbaby! Mana hat es angenommen und kümmert sich wohl auch gut um ihr Kind. Und bevor ich Euch die Laune über die Situation der Spitzmaulnashörner in freier Wildbahn versaue (Das westafrikanische Spitzmaulnashorn ist dieses Jahr ausgestorben oder zumindest gilt es als ausgestorben. Gut, dass Mana und Kind im Zoo leben), schicke ich Euch einfach rüber zum Livestream. Ich bin total begeistert!
Alles Gute kleines Nashorn!
Und Danke an Lichtecho und Sinneswandlerin fürs Mitfiebern und natürlich fürs - ähem - Informieren!
Heute ist der World Rhino Day - oder auch ein Tag, der für mich
keineswegs so ist wie jeder andere auch. Und natürlich muss ich da auch
einen Artikel schreiben, sind mir diese ulkigen Tiere mit ihren Hörnern
auf der Nase doch mittlerweile sehr ans Herz gewachsen. Für jene, die
noch nicht ganz so lange hier mitlesen, möchte ich nochmal auf meinen
ersten Nashorn-Artikel hinweisen, der aufgrund seines recht großen
Twitter-Erfolges bei mir den Anstoß gegeben hat, mich doch mal etwas
stärker mit den Tieren und der Materie an sich zu beschäftigen. Sie sind
es auch, die mich bisher ein wenig davon abgehalten haben, mich voll
und ganz als Agrarblogger zu bezeichnen, wirklich schlimm finde ich das
aber nicht. Ich möchte den heutigen Tag aber nicht für eine
Rekapitulation meiner Artikel zu den Nashörnern nutzen, sondern vielmehr
eine Studie besprechen, die ich schon eine Weile im Auge hatte. Es geht
um das nördliche Breitmaulnashorn und die genetischen Unterschiede zur
südlichen Art. Geht los!
"Bei dem nördlichen Breitmaulnashorn handelt es
sich um eine Unterart der Breitmaulnashörner. Dazu gehört auch das
südliche Breitmaulnashorn. Die mitochondriale DNA beider Arten
unterscheidet sich nur geringfügig (1-4%)." Diesen Satz habe ich schon
einmal geschrieben und zwar ziemlich genau in meinem ersten Artikel zum
nördlichen Breitmaulnashorn. Nicht erwähnt habe ich dabei die
tatsächlichen Unterschiede zwischen beiden Formen, was aber jetzt
geschehen soll. Beginnen möchte ich dabei mit einer schnöden Vermessung
der Tiere: südliche Männchen erreichen dabei eine Höhe von 165-188cm,
während die Weibchen mit 155-185cm ein kleines Stück kleiner sind. Die
nördliche Form ist mit 151-166cm bei den Männchen und 150-160cm bei den
Weibchen ingesamt etwas kleiner. Auch in der Körperlänge zieht die
nördliche Form den Kürzeren mit 266-271cm bei den Männchen, während die
südliche Form auf 259-284cm männliches Nashorn und 166-185cm weibliches
Nashorn kommen. Weitere äußerliche Unterschiede finden sich am Schädel,
die Entwicklung des "Kau-Bereiches" unterscheidet sich zwischen den
beiden Formen, allerdings liest sich das eher wie ein Anatomie-Buch,
weshalb ich Euch das ersparen möchte.
Jetzt gibt es aber nicht
nur körperliche, also phänotypische, Unterschiede zu betrachten, sondern
auch die Ernährungsweise ist unterschiedlich. Leben die südlichen Tiere
in feuchteren Gebieten und können so auf kürzeres Grass zurückgreifen,
welches deutlich nahrhafter ist, müssen die Tiere der nördlichen Form in
trockeneren Gebieten mit langen Gras-Arten zurechtkommen. Es wirkt nur
wie ein kleines Detail, aber die Ol Pejeta Conservancy war schon ein
verdammt guter Ort für die vier nördlichen Breitmaulnashörner,
entspricht Kenia doch ungefähr ihrem geografischen Lebensraum, den sie
zuvor innehatten.
Jetzt muss ich zu meiner Schande auch noch
zugeben, dass ich noch nie ein Nashorn gestreichelt habe - oder
zumindest nicht so wie einen Hund, weshalb ich diesen recht amüsanten
Unterschied zwischen nördlicher und südlicher Form recht amüsant finde:
es geht um Haarwuchs. Den soll es nämlich unter südlichen
Breitmaulnashörnern geben, während die Nördlichen eher haarlos sind.
Sehr interessant ist hierbei die Tatsache, dass Nasi - aufmerksame Leser
wissen vielleicht noch, dass es sich dabei um ein hybrides Weibchen aus
nördlichem und südlichem Breitmaulnashorn handelt (1977 geboren, 2007
ist sie gestorben) - ebenfalls Haare aufwies.
Fassen wir zusammen, dass es durchaus
deutliche Unterschiede zwischen der nördlichen und südlichen Form des
Breitmaulnashorns gibt. Um daraus zwei verschiedene Arten zu machen,
reichen die Unterschiede dann aber doch nicht. Schließlich verstehen die
südlichen Weibchen in der Ol Pejeta Conservancy sehr gut, was Sudan
will, wenn er freudig erregt vor ihnen steht. Das war übrigens auch ein
Ergebnis der Studie, dass sich die nördliche und südliche Form in ihrer
Fortpflanzungsphysiologie kaum bis gar nicht unterscheiden, aber das
wussten wir ja schon. Die Wissenschaftler vermuten dabei übrigens eine
Trennung der beiden Formen, die mehr als eine Million Jahre gedauert
haben dürfte. Vielleicht hätte Sudan eine
Fortpflanzungsbarriere dazu gebracht, sich doch mal verstärkt mit seiner
Alten zu beschäftigen, was ich keineswegs abwertend meine. Damit möchte
ich vielmehr meinen Unmut über sein Sexualleben äußern, habe ich doch
schon seit geraumer Zeit einen fertigen Artikel hier liegen, den ich
aber nicht loswerde, weil er nicht unbedingt aktuell ist. Eine
Schwangerschaft von Fatu oder Najin, den beiden noch
fortpflanzungsfähigen Weibchen der verbliebenen nördlichen
Breitmaulnashörner, könnte dieses Problem natürlich sehr elegant lösen.
Und Sudan stöpselt fremd. Argh! Darüber kann man sich zwar ärgern - und
das tu ich öfter - aber es ändert nichts. Da hilft nur warten und
hoffen, weshalb ich mir die Zeit mit Videos über künstliche Besamungen
bei Nashörnern vertreibe:
Was bleibt an diesem besonderen Tag noch
zu sagen? Eigentlich nur, dass die Nachrichten über die Situation der
Nashörner aus aller Welt mitunter schlicht Bungee-Jumping mit meiner
Laune spielen. Einerseits freue ich mich über jede positive Nachricht
aus der Wissenschaft, die es vielleicht ermöglicht, den Tieren auch
wieder eine Zukunft außerhalb von Zoos und Reservaten zu gewähren, wenn
der Wahnsinn des Horn-Handels vielleicht irgendwann mal endet.
Andererseits sind es eben jene Nachrichten über neue Abschuss-Rekorde in
Südafrika, die mich daran zweifeln lassen. Ausgerechnet auf der
Facebook-Seite zum World Rhino Day 2011 fand ich dann ein Zitat von Dr.
Jane Goodall:
"Even if it seems possible, don´t give up" Wenn das nicht positiv
stimmt, dann weiß ich auch nicht mehr weiter. Und immer dran denken: a
rhino´s horn belongs in one place and one place only - ON A RHINO!
Colin P. Groves1*, Prithiviraj Fernando2, Jan Robovský3
1 School of Archaeology & Anthropology, Australian National
University, Canberra, Australian Capital Territory, Australia, 2 Centre
for Conservation and Research, Rajagiriya, Sri Lanka, 3 Department of
Zoology, Faculty of Science, University of South Bohemia, České
Budějovice, Czech Republic
Letztes Jahr hatte ich zu einem Blog-Karneval der bedrohten Arten
aufgerufen. Unter den verschiedenen Beiträgen war auch jener unseres
studierten Steinchensammlers Gunnar Ries, der die Frage nach den Kosten
der Rettung der globalen Tiger-Populationen aufwarf. Just gestern stieß
ich dann auf einen ähnlichen Artikel, allerdings nicht zu Tigern,
sondern - wie sollte es auch anders sein - zu Nashörnern. Genauer gesagt
geht es hier um die Rettung des Sumatra-Nashorns, um das Vorgehen und
die potentiellen Kosten. Da Tiger und Nashorn mit den gleichen
Widrigkeiten zu kämpfen haben, werde ich die beiden ein wenig
gegenüberstellen.
Bevor es hier allerdings so richtig losgeht, möchte ich noch kurz
erklären, was es mit dem Sumatra-Nashorn auf sch hat - für all jene, die
jetzt spontan nichts mit diesem Tier anfangen können. Das
Sumatra-Nashorn ist das kleinste Nashorn der Welt und wer jetzt spontan
an das hier auch schon öfter erwähnte Sabah-Nashorn denkt, liegt damit
gar nicht so falsch. Das Sabah-Nashorn ist eine Unterart des
Sumatra-Nashorns. Leider findet es sich heute nur noch auf Borneo,
Sumatra und den Malaiischen Inseln. Die Population des Sumatra-Nashorns
wird aktuell auf nur noch 216 Tiere geschätzt. Das ist nicht viel,
allerdings ist auch noch nicht alles zu spät. Das südliche
Breitmaulnashorn, welches schon vor Jahrzehnten beinahe ausgerottet war
und nur deshalb heute wieder in einer weitgehend gesicherten Population
lebt, weil es rigoros geschützt wurde, ist ein gutes Beispiel, dass das
auch beim Sumatra-Nashorn funktionieren kann. » weiter
Ich muss mich korrigieren, habe ich doch in meinem ersten
Nashorn-Artikel überhaupt in diesem Blog über das Sabah-Nashorn den
Eindruck erweckt, dass diese Nashorn-Art die erste ist, bei der
Zuchtmethoden aus dem Nutztier-Bereich zum Einsatz kommen. Damit gemeint
ist eine künstliche Sperma-Gewinnung, gefolgt von einer ebensolchen
Besamung. Mag sein, dass das niemand anderem außer mir aufgefallen ist,
aber mittlerweile habe ich ja schon einen recht geschulten Blick auf
diesem Gebiet...Lange Einleitung, kurzer Sinn: ich muss das noch mal
etwas besser einordnen. Außerdem komme ich nochmal auf Nikki zu
sprechen, das schwangere Panzernashorn, welches schon mal in diesem Blog
aufgetaucht ist. Da gab es tatsächlich einige Premieren. Leider ist
ihre Geschichte nicht so verlaufen, wie ich mir das gewünscht hätte...» weiter
Ich will das gar nicht. Eigentlich wollte ich die Nashörner
erstmal Nashörner sein lassen und hier mehr über landwirtschaftliche
Themen berichten - sozusagen mehr in Richtung eines Agrarbloggers. Aber
irgendwie - ach komm, ich habe einfach verdammt noch mal Bock auf diese
ulkigen Tiere und all die Menschen, die alles dafür tun, dass sie nicht
aussterben. Genau diese Geschichten fesseln mich. Trotzdem. Obwohl ich
weiß, dass das andere dann nur weiter nach hinten geschoben wird. Aber
egal. Ich bin ja noch jung. Es geht um Nikki.» weiter
Das nördliche Breitmaulnashorn steckt in der Klemme - und das weit
schlimmer als das Sabah-Nashorn. Lebt letzteres noch mit ca. 50 Tieren
in der Wildnis, existiert das nördliche Breitmaulnashorn gar nicht mehr
in freier Wildbahn und wäre vermutlich ohne die Anstrengungen des
tschechischen Zoos Dvur Kralove (mit einigen Häkchen oberhalb und
unterhalb der Buchstaben) schon längst vollständig von dieser Erde
verschwunden. Über die Gründe für diese schwierige Situation und die
Bemühungen vieler Wissenschaftler und Praktiker (Tierärzte, Kuratoren,
Pfleger und Zoo-Direktoren) um das Austerben zu verhindern, werde ich
hier berichten.» weiter
Das südliche Breitmaulnashorn ist sehr faszinierend. Und das hat
einen Grund. Als ich mich mit dem Sabah-Nashorn beschäftigt habe (das
wiederum eine Unterart des Sumatra-Nashorns ist und manchmal auch
Borneo-Nashorn heißt...), fiel es mir ziemlich schwer an den Erhalt
einer Population von 50 Tieren zu denken. Den Gedanken an die
Vergrößerung der Population habe ich gar nicht erst aufkommen lassen.
Und während ich mich nicht nur mit dem Sabah-Nashorn, sondern auch mit
Spitzmaulnashörnern und Breitmaulnashörnern beschäftigte, erregten
letztere meine Aufmerksamkeit.» weiter
Schon mal ein lebendiges Mammut gestreichelt? Oder einen
Dinosaurier? Zugegeben, ich mag solch weit ausholende Szenarien nicht,
da sie meist Unsinn sind, dafür aber hervorragend die Aufmerksamkeit
fördern ... Allerdings kann sich wohl kaum jemand solcher Assoziationen
erwehren. Aber worum geht es überhaupt? Man nehme gefrorene Zellen
eines toten Tieres, programmiere sie um zu Gameten - sprich: Spermium
und Eizelle - und nutze diese dann um ausgestorbene Tiere zurückzuholen
oder noch bestehende gefährdete Populationen zu erhalten.» weiter
Erinnert Ihr Euch noch an die Geschichte des Sabah-Nashorns in
diesem Blog? Natürlich tut Ihr das! Jetzt liegt die Meldung aber schon
eine Weile zurück und so habe ich mich entschlossen, den Tierarzt Dr.
Thomas Hildebrandt mal zu fragen, wie es denn um den Fortschritt des
Rettungsversuchs durch Züchtungs-Technologien aus dem Nutztier-Bereich
steht. Außerdem habe ich noch ein kleines Video entdeckt, das sehr schön
illustriert, wie so eine Entsamung eines Nashorns abläuft.
Leider
stehen die Chancen für eine Rettung momentan noch eher schlecht. fehlen
dafür doch momentan noch die nötigen Ressourcen. Benötigt werden ein
Spezielgehege, eine 24h-Stunden-Kameraüberwachung und eine Tierklinik. » weiter
Keine Frage, es wirkt einfach nicht besonders natürlich, wenn
man beobachtet, wie ein Mensch einem gestandenen Zuchthengst an das
harte Glied greift, um eine gezielte Ejakulation in einer eigens dafür
entwickelten künstlichen Vagina zu ermöglichen. Auch das danach
mithilfe technischer Geräte in das weibliche Tier hineinbugsierte
Sperma hat nicht wirklich viel mit sexueller Freude zu tun. Umso
paradoxer erscheint es auf den ersten Blick, dass die auf diesem Gebiet
erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen nun vielleicht dazu genutzt
werden könnten, um das Überleben des Sabah-Nashorns in freier Natur zu
sichern. Dabei handelt es sich mit einer Schulterhöhe von 130 cm um das
kleinste Nashorn der Welt, das überwiegend in den Flachlandregenwäldern
des malaysischen Bundestaates Sabah auf der Insel Borneo lebt.
Allerdings wird man es dort wohl nicht mehr allzu lange antreffen, denn
die Population besteht nur noch aus 50 Tieren. Dabei ist der Erhalt der
Population nicht nur deshalb wichtig, weil es ziemlich schade wäre,
wenn die Tiere einfach von dieser Welt verschwänden. Das Sabah-Nashorn
ist eine sogenannte Indikatorart, das bedeutet, dass sich das
Aussterben auch auf andere Tiere des dortigen Ökosystems negativ
auswirken würde.
» weiter