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Temple Grandin: Eating Meat is Ethical

06. Mai 2012, 13:18

Diese Woche hatte Scilogs-Kollege Martin Ballaschk einen Link gewittert, der mich direkt zu einem Essay führte. Geschrieben war es von Temple Grandin, die darin kurz und prägnant darlegt, warum Fleischkonsum für sie ehthisch vertretbar ist und was dafür erfüllt sein muss. Jetzt hege ich bekanntermaßen eine große Faszination oder auch Begeisterung für diese Frau, da sie nicht nur empört ein Buch geschrieben hat und seitdem die Talkshows verstopft, sondern vom Fach ist und auch tatsächlich durch ihr entwickeltes Schlachthof-System einiges zur Verbesserung des Tier-Handlings beigetragen hat. Deshalb werde ich einerseits aus dem Essay zitieren, andererseits aber auch auf zwei Artikel verweisen, die ich schon über sie und ihre Arbeit geschrieben habe. Here we go.

Our relationship with the cattle should be symbiotic.  Symbiosis is a biological concept of a mutually beneficial relationship between two different species.  There are many examples of symbiosis or mutualism in nature. One example is ants tending aphids to obtain their sugary secretion and in return, they are protected from predators.  Unfortunately the relationship is not always symbiotic and in some cases, the ants exploit the aphids.  There are similar problems in poorly managed, large intensive agriculture systems. There are some production practices that must be changed. In the cattle industry, I know many people who are true stewards of both their animals and their land.  Their relationship with both the animals and the land is truly symbiotic. It is mutually beneficial to both the animals and the environment.  Killing animals for food is ethnical if the animals have what the Farm Animal Welfare Council in England calls a life worth living.

Frei übersetzt: in der "Rinder-Industrie" kenne ich viele Menschen, die sich wirklich um ihre Tiere und ihr Land kümmern, sie führen nahezu eine symbiotische Beziehung mit Land und Tieren, was beiden nützt. Wie Ihr seht, habe ich im Zitat diesen Satz markiert, den ich derart toll finde, dass ich ihn am liebsten ausrucken und einrahmen würde. Genau dieser Punkt wird - zumindest meiner Wahrnehmung nach - in jenen Debatten, die auf ein möglichst großes Publikum aus sind, meist vergessen und so verkürzt, dass bei nicht Wenigen der Eindruck entsteht, dass Tierquälerei und Umweltverschmutzung irgendwie zum Geschäft gehören.

I have been attended grazing conferences and I have learned that when grazing is done right it can improve the rangeland and sequester carbon. Ruminant animals that eat grass are not the environmental wreckers that some people say they are. Rotational grazing can stimulate more plant growth and growing plants help remove carbon from the atmosphere. Ruminant animals, such as cattle, bison, goats, and sheep, are the only way to grow food on rangelands that are not suitable for crops.  Ronald C. Follett with the USDA-ARS-NPA in Fort Collins, Colorado, states that grazing lands have the potential to sequester carbon.  According to researchers at National University in Panama, converting South American pastureland to soybean production will reduce carbon storage. Organic agriculture would be impossible and extremely difficult without animal manure for fertilizer.  Another issue that must be looked at in perspective is methane emissions.  It is likely that 80% of all total methane emissions come from coal burning power plants, rice paddies, and landfills.

Ein interessanter Punkt: Tiere in Gegenden leben und weiden lassen, die sich ohnehin nicht für Landwirtschaft eignen. Den letzten Satz dieses Zitates habe ich hauptsächlich deshalb marktiert, da sich vor einigen Tagen auf Facebook eine Freundin beschwerte, dass ein Landwirt in ihrer Nähe dünge und man daher kaum rauskönne. Nun ja, das ist nun mal so. Damit muss man leben.

Wer mit Temple Grandin spontan nichs oder wenig anfangen kann, darf sich gerne meinen Artikel über sie durchlesen. Ein kleiner Ausschnitt:

Temple Grandin ist keineswegs eine normale Wissenschaftlern, wobei die Bezeichnung "normal" immer eine gewisse Grat-Wanderung darstellt. Sie ist Autistin. Bis zum Alter von drei Jahren konnte sie nicht sprechen. Für sie war das Erlernen der Muttersprache wohl vergleichbar mit dem Erlernen einer Fremdsprache für uns. Davon merkt man in Vorträgen allerdings nichts. Neben der älltäglichen Kommunikation und dem Halten vieler Vorträge sind auch Wortwitze kein Problem. Das liest sich zuerst sicher etwas merkwürdig, allerdings darf man nicht vergessen, dass zwischen-menschliche Beziehungen für sie eine große Herausforderung sind. Im Gegensatz zu Nicht-Autisten kann sie mit Gefühlen wie Liebe nichts anfangen. In einer der Szenen der Reportage sagt sie das auch sehr direkt. Schaut sie sich zum Beispiel einen Film an, dann meistens so etwas wie Wallace and Gromit. Liebesfilme oder eben solche, in denen es um menschliche Beziehungen geht, langweilen sie. Es ihren engagierten Eltern zu verdanken, dass sie uns jetzt mit ihren Ideen und spannenden Blickwinkeln beglücken kann. Die haben sie nämlich unentwegt gefördert, sie auf Privat-Schulen geschickt und so die Grundsteine für die Zukunft gelegt. Dabei war es gar nicht mal Grandins großes Ziel, so durchzustarten. Allerdings haben Besuche auf dem Hof ihrer Tante großen Eindruck hinterlassen. Dort konnte sie sich mit den Tieren beschäftigen, sie beobachten und erste Schlüsse ziehen. Später folgte dann ein Studium der Tierwissenschaften. Die Kombination aus ihren Fähigkeiten als Autistin und dem nun vorhandenen wissenschaftlichen Hintergrund hat den Weg geebnet für eine andere Begabung - das Verstehen von Tieren auf eine Art und Weise, wie es sie vorher noch nicht gegeben hat.  

Auch ihrer Arbeit habe ich schon einen Artikel gewidmet:

Kommen wir nun mal zu den kleinen Details, denen vor Temple Grandin niemand ernsthaft Beachtung geschenkt hat. Im oben eingebundenen Vortrag nennt sie als erstes starke Kontraste, die zum einen durch helle Markierungen auf dunklem Untergrund erzeugt werden können, aber auch durch Sonnenlicht, das vereinzelte Stellen deutlich heller beleuchtet als andere. Das, was dort oben auf den Bildern gezeigt wird, sind sogenannte "Chutes", also Bahnen, die es ermöglichen, Tiere geordnet zu führen. Aber mit eben jener einfachen Führung kann es schnell vorbei sein - gerade bei Rindern, die dann einfach stoppen und ein großes Chaos verursachen. Neben starken Kontrasten können auch simple Dinge wie ein Hut oder Ketten dafür sorgen, dass nichts mehr geht. Wichtig ist hier also, dass die Bahn dicht ist und kein Sonnenlicht durch Spalten fallen kann. Das Blickfeld der Tiere darf keine störenden Elemente enthalten. Sollten es die Tiere problemlos durch die Bahn geschafft haben, aber dann am Ende blocken - also einfach nicht mehr weitergehen - könnte das an einem zu dunklen Eingang liegen. Sehen die Tiere einfach schwarz, ist es vorbei. Nun ist es etwas schwierig, jedes Mal den guten Petrus zu bitten, er möge doch mal für einen wolken-verhangenen Himmel sorgen, damit die Tiere gleichmäßige Lichtverhältnisse vorfinden. Hier kann Milchglas Abhilfe schaffen und für eine konstante Helligkeit sorgen. Neben unsteten Lichtverhältnissen können auch Geräusche wie klappernde Ketten oder laufende Ventilatoren die Tiere irritieren. Das ist sehr interessant, denn auch Temple Grandin selbst kann diese Geräusche nicht ertragen. Ebenso sollten sich Personen nicht zu nah an die Bahnen stellen, auch das könnte eine Störung verursachen.


Wer sich auch selbst mal ein wenig einlesen möchte, findet massenhaft Material - auf öffentlich zugängliche Studien - auf der Seite grandin.com. Und hier geht es zum ganzen Essay "Eating meat is ethical".



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Dioxin im Ei - Ab in den Wintergarten

20. April 2012, 18:23

Dioxin ist wieder da. Gut, eigentlich war es nie wirklich weg, aber momentan sorgt es mal wieder für die eine oder andere mediale Aufregung. Anfang letzten Jahres war das ebenfalls schon mal der Fall und ich hatte mir dann auch in einem Artikel Gedanken über eine tierwohl-orientierte Haltungsform gemacht, bei der die Tiere möglichst wenig bis gar nicht mit Dioxin in Kontakt kommen. Mittlerweile bin ich auf diesem Gebiet etwas schlauer und möchte meine letztes Jahr geäußerten Gedanken ein wenig aktualisieren. Dabei soll es um die Idee gehen, die Tiere in einem Wintergarten leben zu lassen. Ein interessantes Konzept dazu aus Holland nennt sich Rondeel.

Als Einstieg bediene ich mich mal der Zusammenfassung meines alten Artikels zu Dioxin:

Dabei wirkt sich die Aufnahme von Dioxin nicht nur derart aus, dass es sich im Körper der Tiere oder auch in den Eiern ablagert. Laut Wissenschaftlern der Boston University kann das Aufnehmen dieses Gifts das Immunsystem und die Mastleistung beeinträchtigen. Dabei ist die Situation bezüglich der "richtigen" Haltung auch unter Beachtung des Wohlfühlfaktors ziemlich kompliziert, kann Dioxin doch auch anderweitig über die Umwelt - zB. über den Erdboden - aufgenommen werden. Überhaupt ist das mit diesen Grenzwerten so eine Sache. Die sind nämlich keineswegs einheitlich. So ist zum Beispiel der Grenzwert für Fleisch oder Fisch jener Tiere erlaubt höher, die ihr ganzes Leben "draußen" verbracht haben als für Erzeugnisse von Tieren in menschlicher Obhut. Und auch hier greift wieder eine Trennung, die dazu führt, dass Bio-Eier einen höheren Grenzwert haben als solche Eier aus Kleingruppen- oder Bodenhaltung. 

Scharren ist ein natürliches Verhalten des Geflügels. Tun sie dies nach Herzenslust draußen, ist das unter dem tierischen Wohlfühl-Aspekt sicherlich ganz hervorragend - wenn da nicht der Verbraucher wäre, der gerne ein gesundes Lebensmittel hätte, das er bedenkenslos verzehren kann. Unabhängig von irgendwelchen Dosierungen und Grenzwerten stellt sich also die Frage, wie sich eine möglichst tiergerechte Haltung und ein für die Verbraucher gutes Produkt zusammenbringen lassen.

Ab in den Wintergarten wäre da eine durchaus interessante Möglichkeit, um den Tieren ein gewisses Draußen-Gefühl zu geben und sie gleichzeitig vor äußeren Eunflüssen zu schützen. Letztes Jahr hatte ich ja die Möglichkeit, mir eine solche Haltungsvariante beim Privathof-Geflügel von Wiesenhof anzuschauen (wobei es dabei natürlich um Mastgeflügel und nicht um die Haltung von Legehennen ging). Aber auch in Holland war man schon vor einigen Jahren auf etwas Ähnliches gekommen. Der Grund dafür lag in dem Wunsch einer Alternative zu den gängigen Haltungsformen der Käfig- (jetzt Kleingruppen-) und Bodenhaltung. Bei dem Rondeel handelt es sich um einen Rundbau, ähnlich einer Torte, der in sechs Teile unterteilt ist. Insgesamt können in einem Rondeel 30.000 Tiere leben, die tagsüber in einem - jetzt kommen wir dazu . sogenannten Wintergarten mit Tageslicht und - wenn ich das richtig sehe - auch Frischluft - verbringen, während es für die Nacht wiederum spezielle dunkle Bereiche gibt. Hier habe ich mal ein Video auf youtube gefunden:

In dem Video sehen die Tiere ziemlich gut aus, laufen geschäftig hin und her und können sich auch mal ausruhen.

Interessant ist auch der Boden. In meinem ersten Artikel hatte ich über die Einstreu nachgedacht, um den Tieren ihre leidenschaftliche Tätigkeit des Scharrens zu ermöglichen. Beim Rondeel kam dagegen in der Testphase Kunstrasen zum Einsatz. Hat vermutlich den Vorteil, dass sich gar nicht erst groß Staub entwickeln kann.

Sicher, Dioxin war jetzt nicht der drängendste Grund für die Entwicklung dieses System, sondern tatsächlich das Wohl der Tiere, aber interessant ist es in diesem Zusammenhang dennoch. 

 

 



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Zirkustiere - Wenn Löwen Stress haben

04. März 2012, 20:52

Ich kann mich noch vage daran erinnern, dass dieses Thema schon mal über Twitter aufkam. Das muss letztes Jahr gewesen sein. Dort schrieb ich - übrigens im Einklang mit meinen Verfolgern - dass ich die Haltung von Tieren im Zirkus kritisch sehe. Es hatte allerdings seinen Grund, dass es passend dazu keinen Artikel hier im Blog gab. Mir fehlte schlicht die Basis - Studien, Erfahrungen, ich hätte nicht mal Anekdoten zum besten geben können. Zugegeben, ich bin kein großer Zirkusgänger. Wenn mich mein Gedächtnis nicht hängen lässt, war ich in meinem Leben genau ein Mal im Zirkus als kleiner Junge. Da gab es sogar eine Tiernummer mit mindestens einem Eisbären, der direkt vor mir saß und ich den Rest daher nur noch mit meinen Ohren rekonstruieren konnte.

Die Zeichen für einen Artikel standen also einigermaßen schlecht. Bis vor einer Woche. Da flatterte mir ein Buch eines Autors in die Wohnung, der es wissen muss und auf diesem Gebiet über all das verfügt, was mir fehlte: Dr. Immanuel Birmelin. In seinem Buch "Tierisch intelligent" berichtet er in mehreren Kapiteln über Formen der Intelligenz, über schlaue Tiere und fesselt mich dabei mit seinen Erzählungen über Erfahrungen mit seinen eigenen Haustieren oder auch Beobachtungen von Wildtieren, gepaart mit physiologischen Erklärungen. Aber das soll ja hier keine Rezension werden (ich habe es ehrlich gesagt auch noch nicht ganz gelesen...). Springen wir also direkt zum Zirkus-Kapitel. 

Dort berichtet er über eine Untersuchung, die er zusammen mit einer Wissenschaftlerin der Universität Münster durchgeführt hat, um der Frage nachzugehen, ob Löwen durch das mobile Zirkusleben stärker getresst werden als zB. in freier Wildbahn. Das lässt sich relativ leicht über die Menge des Stresshormons Cortisol feststellen. Jetzt gab es dabei allerdings eine Hürde zu meistern. Bei Meerschweinchen und anderen Tieren, die nicht gerade über das Potential verfügen Wissenschaftler in den Himmel zu schicken, wird dafür Blut entnommen. Das geht auch bei Löwen - allerdings nur unter Narkose und diese brächte zu viele Risiken mit sich, weshalb sich Dr. Birmelin und Prof. Kaiser für den Speichel entschieden. Aber auch für diesen muss man ziemlich nah an die Tiere heran - die Lösung brachte ein Tierlehrer, der sich mit seinen Tieren ziemlich gut verstand und sich daher traute. Er verwendete einen Tampon, welcher mit einer Substanz versehen war, die das Cortisol im Speichel binden sollte. Damit es auch tatsächlich etwas zum Aufsaugen gab, zeigte der Tierlehrer den Löwen erst ein Stück Fleisch und wischte dann mit dem Tampon durch die Löwenmäuler. Das geschah an vier aufeinanderfolgenden Tagen in Monte Carlo, bevor sie sich auf den Weg nach München machten, wo sich die Aktion wiederholte. Dr. Birmelin merkt noch an, dass diese Strecke wohl außergewöhnlich sei und so fast nie vorkäme. Die Proben wurden an der Uni Münster analysiert und zeigten, dass die Mengen des Cortisols sich vor und nach der Reise nicht wesentlich unterschieden und die Mengen sogar jener entsprächen, die bei Löwen in der Serengeti und im Ngorongoro-Krater gemessen wurden.

Das war also der chemisch überprüfbare Teil. Dr. Birmelin schildert darüber hinaus aber auch die Arbeit einiger Tierlehrer, darunter auch der oben erwähnte, denen es nicht nur um das schlichte Dressieren der Tiere geht, sondern auch um deren Persönlichkeit. Sie müssen die Tiere kennen, ihren Charakter erforschen, sogar ihre Launen erkennen, da diese täglich wechseln können.

Während ich über dieses Thema nachdachte, fiel mir auf, dass in Zoos seit einigen Jahren der Begriff "behavioral enrichment" Wissenschaftler und Tierpfleger immer wieder aufs Neue fordert. Die Tiere haben im Zoo wenig bis gar nichts zu tun. Zumindest darüber können sich Zirkustiere nicht beklagen. Sicher, es gibt bezüglich der Haltung und Pflege der Tiere im Zirkus immer wieder Negativ-Beispiele, aber das ist in der Landwirtschaft nicht anders. 

Vor einigen Tagen hatte ich eine kleine Diskussion mit einer Bekannten auf Facebook. Es ging um Tierhaltung in der Landwirtschaft und all ihre negativen Auswirkungen, aber vor allem ihre Nebenwirkungen wie grausame Zustände in den Ställen und die Behandlung der Tiere. Ihre Argumentation entsprach dem hinlänglich bekannten Muster, welches ich früher ohne weiteres bestätigt hätte, als Landwirtschaft für mich praktisch nicht existierte und ich darüber nur dann etwas erfuhr, wenn wieder irgendein Skandal durch die Medien rauschte, während der normale Alltag der restlichen 364 Tage im Verborgenen passierte. Meine Frage, ob es nicht sein könne, dass sie eben jenem Wahrnehmungs-Fehler erliege, begegnete sie mit einem entschiedenen "Könnte sein", glaubte aber nicht daran. Nun, glauben lässt sich eine ganze Menge, besonders in Kirchen, ein Nährboden für eine substanzielle Debatte ist der Glaube aber nicht gerade.

Und ich wollte bei Tieren im Zirkus mangels eigener Erfahrung nicht in die gleiche Falle tappen.


Wie gesagt, ich habe das Buch noch nicht ganz gelesen, bin mir aber sicher, dass da auch zu Zirkustieren noch viele spannende Gedanken zu lesen sind und wollte zumindest diesen kleinen Teil schon mal hier einstellen.



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Darth Vader ist ein Mops

31. Januar 2012, 02:32

Darth Vader ist kein Unbekannter - groß, schwarz gekleidet und ein charakteristisches Atemproblem. Jetzt ist ein spontanes Zusammentreffen auf der Straße eher unwahrscheinlich, ist er doch eine fiktive Figur. Sollte man meinen. Aber wusstet Ihr, dass er wirklich existiert? Zugegeben, es ist schwierig ihn zu erkennen, ist er doch klein, etwas rundlich und beinahe ganz blond. Aber man kann ihn hören. Kurz: er ist ein Mops. Und damit kommen wir direkt zum nächsten Artikel aus der Kategorie "Flashback 2011".

Hier im Blog habe ich schon öfter über Nutztiere berichtet - über Haltungsformen, Probleme, Aussichten. Meist waren diese Artikel motiviert durch öffentliche Debatten, in die ich reinquatschen wollte. Im Falle meines Artikels zur Massentierhaltung hat das auch recht gut geklappt. Jetzt stellt sich mir allerdings eine Frage: warum immer Nutztiere? Was ist denn mit unseren Haustieren? Den Anstoß über dieses Thema nachzudenken gab ein kleiner Artikel in einem Infoblatt des Instituts TTN, welches meinem Buch beilag.

Wenn ich früher als Kind mit meinen Eltern im Zoo war, irriterte es mich immer sehr, wenn ich im dortigen Haustierbereich auf Kühe, Esel, Hühner oder Schafe starrte. Unter Haustieren verstand ich nämlich etwas völlig anderes. Hunde, Katzen oder auch Meerschweinchen waren für mich Haustiere, schließlich lebten diese Tiere zusammen mit uns Menschen im Haus. Von einer Kuh im Wohnzimmer hatte ich noch nie gehört und daran hat sich bis heute nichts geändert - mit einer kleinen Einschränkung: es gab tatsächlich Zeiten, in denen landwirtschaftliches Nutzgetier mit Menschen unter einem Dach lebte. Der Zoo hatte also recht.

In der Kritik der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung sind Begriffe wie Massentierhaltung, industrialisierte Landwirtschaft oder schlicht konventionelle Tierhaltung allgegenwärtig. Ganz wertfrei formuliert bedeutet dies, dass die Debatte läuft. Auch Zoos stehen wegen ihrer "Gefangenschaft der Tiere" ständig in der Kritik. Bei den Haustieren des 20. und 21. Jahrhunderts vernehme ich da nichts. Und damit wir gleich mal reinen Tisch machen: zu Haustieren zähle ich mittlerweile alles, was in irgendeiner Art und Weise mit Menschen unter einem Dach lebt, Milben, Sackratten und ähnliches Getier ausgenommen. 

Brauchen wir eine Haustierethik?

Dabei gibt es im Haustierbereich durchaus Entwicklungen, die eine gewisse kritische Aufmerksamkeit verdient hätten. Alljährlich ächzen Tierheime unter den Strömen ausgesetzer Tiere, weil sich Sommerurlaub und Haustier nicht vertragen. Ein anderes Problem ist das sogenannte Animal Hoarding, bei dem Menschen - möglicherweise aus einer falsch verstandenen Tierliebe heraus - derart viele Tiere besitzen, dass sie diesen nicht mehr gerecht werden können. Vor gar nicht so langer Zeit ist in Mülheim eine Monokelkobra aus ihrem Terrarium entwischt, wurde dann äußerst kostspielig gesucht und fand schließlich ihr trauriges Ende auf einem Klebeband. Die Empörung hielt sich in Grenzen. Warum? War sie nicht putzig genug? Wie in meinem Artikel über den Unterschied artgerechter und tiergerechter Tierhaltung komme ich auch hier nicht um eine gewisse Unterscheidung herum: unter diesen Bedingungen ist die Nutztierhaltung ökonomischer Natur, während Haustiere eher eine soziale Komponente besitzen. Während die einen Tiere also jenen Nutzen haben, dass sie uns Lebensmittel liefern, sind Haustiere Begleiter des Menschen. Haustiere werden dabei recht vielfältig eingesetzt als soziale "Partner" mit denen man schmusen und spielen kann, während andere Tiere wohl eher als Hobby gehalten werden wie beispielsweise Reptilien oder Fische. Selbstverständlich gibt es auch Berufshunde, also solche, die dem Menschen dabei helfen, den Alltag zu meistern. 

Just gestern erschien in der FAZ ein Artikel über den Leipziger Tierärztekongress, auf dem unter anderem Zuchtmethoden und optische Ideale wie eben jenes kritisiert wurden, das den Mops zu Darth Vader werden lässt.

"Wenn Menschen Tiere verformen" hieß der Auftaktvortrag des Leipziger Tierärztekongresses in der vergangenen Woche. Gerhard Oechtering, der Direktor der Universitätsklinik für Kleintiere in Leipzig, verwies darin nicht nur auf die Geschichte der Hundezucht, sondern zeigte auch eindrucksvolle endoskopische Aufnahmen von seinen Patienten: Französische Bulldoggen, Möpse und Hunde anderer "kurzschädeliger" Rassen (im Fachjargon "Brachyzephale" genannt), deren Anatomie zugunsten eines niedlichen Kindchenschemas derartig verformt ist, dass sie schlecht oder gar nicht durch die Nase atmen können, bei der Futteraufnahme würgen, selbst im wachen Zustand schnarchen und im Sommer kollabieren. Perserkatzen und Exotic Shorthair-Katzen haben oft ähnliche Schwierigkeiten. Betroffene Hunderassen - darunter auch Boxer und Pekinesen - haben derart verkleinerte Nasenmuscheln, dass ihre Thermoregulation zusammenbricht.

Klingt gruselig, oder? Ist es auch. Und genau deshalb braucht es ein Fundament, auf dem es sich über unser Verhältnis zu unseren Haustieren debattieren lässt - nicht nur philosophisch, sondern auch tiermedizinisch. Mir geistert diese Idee - angestoßen durch das Institut TTN - schon länger im Kopf herum, weshalb "BioBlubb" auch schon etwas pragmatischer dazu gebloggt hat:

Bei Tierversuchen und Massentierhaltung ist es leicht, gesichtslose, superböse Gegner anzugreifen: Den fiesen Tierquäler-Wissenschaftler, den brutalen Hühnerzüchter, die gedankenlosen Fleischesser. Bei Haustieren müssten viel zu viele Leute vor der eigenen Haustüre kehren. Geht es dem Hamster in seinem 30 x 40 cm-Käfig wirklich gut (klar, der rennt nur aus Spaß die Wände hoch!)? Ist eine 25 m²-Stadtwohnung im 6. Stock wirklich das ideale Zuhause für drei Katzen? Könnte die Tatsache, dass Möpse atmen wie Darth Vader mit Asthmaanfall, etwa unnatürlich sein?

Zeit wird es.

 


Hier geht es um Artikel des Leipziger Kongresses in der FAZ.



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Mein Tablet und ich

24. Januar 2012, 03:01

Jetzt aber: Flashback 2011 - ich hatte letzte Jahr bekanntlich ein paar Artikel angekündigt, die dann nicht erschienen sind. Holen wir sie also nach! Beginnen möchte ich dabei mit meinem Tablet, welches ich schon eine Weile besitze. Gut, im Jahre 2012 ist das womöglich nicht mehr ganz so exotisch wie 2010, als ich meins erwarb. Dabei handelt es sich um ein Archos 70 Internet Tablet mit einem 1 Ghz-Singlecore-Prozessor, 512 mb RAM und 8 GB Flashspeicher. Das Gerät läuft mit Android 2.2 Froyo. 

Soviel zu den Daten. Ich liebe mein Tablet - wirklich. Dabei wusste ich zuerst gar nicht so unbedingt, was ich damit eigentlich will. Hauptsächlich aufmerksam wurde ich auf diese Art Geräte - wie soll es auch anders sein - durch das iPad. Das war mir allerdings mächtig zu teuer und iTunes ist mir noch aus meiner iPod-Zeit in Erinnerung und das nicht unbedingt positiv. Vielleicht war ich auch zu dämlich, aber man muss sich ja nicht unnötig selbst belasten...Als ich dann durch diverse Techblogs auf die Archos-Geräte aufmerksam wurde, war ich ganz entzückt. Die Kritiken waren durchaus gut, wenn man dabei auch immer den sehr günstigen Preis von 250 Euro im Auge behielt. Da die Frage des Wollens also durch war, blieb jetzt noch die Frage nach der Nutzung oder auch des Nutzens. Ich entschied mich dabei erstmal vorsichtig für die 7-Zoll-Variante (damals gab es noch ein 10-Zoll-Modell und ein paar kleinere). Gerät bestellt und recht schnell konnte ich es auch in Empfang nehmen.

Nach über einem Jahr teils intensiver Nutzung kann ich sagen, dass das wirklich ein sehr feines Gerät ist. Sicher, da die Technik des Gerätes durchaus zeitgemäß war, musste irgendwo gespart werden. Es ist also nicht das stabilste Tablet, aber solange man es wie vorgesehen als "Streichel-PC" nutzt, hat man da eigentlich keine Probleme. Wer damit unbedingt seine Schwiegermutter erschlagen will, sollte auch die neue Tablet-Generation von Archos (derer ich keines besitze, aber ich habe sie im Laden mal "befühlt") meiden und eben ein paar Euro mehr hinblättern.

Als Wissenschaftblogger interessierten mich natürlich die verfügbaren Apps auf diesem Gebiet. Nach dem "Trial-and-Error"-Prinzip haben sich da mittlerweile einige herauskristallisiert, die ich wirklich gerne nutze. Pubmed ist so eine App. Einfach mal mit Stichworten nach Publikationen suchen, Abstracts lesen, um sich so einen kleinen Überblick zu verschaffen. Und wenn man Glück hat, befindet sich sogar eine Publikation in einem Open-Access-Journal und kann somit direkt vollständig als PDF heruntergeladen werden. Weter geht es mit der App für Plos One. Schön nach Kategorien geordnet lässt es sich auch hier nach Abstracts schauen - mit dem bekannten Unterschied, dass sich hier ausnahmslos alle Studien als PDF herunterladen lassen. Unverzichtbar auf der Suche nach neuen Informationen ist für mich mittlerweile auch die App von Arxiv geworden. Hier lassen sich - sehr praktisch - Kategorien abonnieren, man braucht also nur hin und wieder mal schauen, was da so angelandet ist. Eine schöne Sache. Auch nett ist übrigens die Tatsache, dass die Arxiv-Apps nach dem Herunterladen direkt in einem eigenen Ordner gespeichert werden, während andere Studien oftmals wild durcheinanderfliegen. Wenn da jemand einen Tipp hat, immer her damit. Um die heruntergladenen Studien auch vernünftig lesen zu können, nutze ich den Adobe Reader, der kostenlos ist und ziemlich gut funktioniert.

Ich kann mich erinnern, dass es zuerst in vielen Blogs Diskussionen darüber gab, ob es sich mit einem Tablet produktiv arbeiten lässt. Das hängt natürlich immer stark davon ab, was man darunter versteht. Wenn zum Beispiel regelmäßiges Paper-Lesen dazu gehört, kann ich diese Frage mit einem klaren "Ja!" beantworten. Nichts ist ätzender als ewig auf einen Computer-Bildschirm zu starren, da kann man es sich mit einem Tablet auf dem Sofa doch viel gemütlicher machen. Die größte Überraschung für mich war eigentlich das Tippen auf der virtuellen Tastatur. Das klappt richtig gut. Zugegeben, ich würde so jetzt keine Forschungsarbeit schreiben, aber Blogartikel habe ich so schon geschrieben. 

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass mein Gerät lediglich über eine Wlan-Möglichkeit verfügt. Macht aber nix, setze ich mich eben ab und an in eines dieser an Apfel-Plantagen erinnernden Wlan-Cafes und schau dort in Ruhe nach Lesestoff...

Wenn Ihr noch interessante Wissenschaftsapps für Android kennt, schreibt sie ruhig in die Kommentare.

 


 

Plos ONE to go, Pubmed und ArXiv



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Alarm im Geflügelstall - wieder mal!

11. Januar 2012, 14:18

Antibiotika-resistente Keime auf Geflügel entdeckt - diese Meldung tobte gestern durch meine Twitter-Timeline und beerdigte zuverlässig mein Vorhaben für 2012, doch erstmal nicht verbloggte Artikel nachzuholen, bevor ich mich Neuem zuwende. Aber das Jahr ist ja noch jung. Der BUND hat nach eigenen Angaben in jeder zweiten Geflügelprobe eben jene Bakterien entdeckt, die inzwischen ein großes Problem für die menschliche Gesundheit darstellen. 

Wieder einmal Geflügel. Nach der wenig schmeichelhaften Studie zum Antibiotika-Verbrauch beim NRW-Geflügel geht es jetzt um resistente Keime, die der BUND gefunden hat. Massentierhaltung, industrialisierte Landwirtschaft, massenhafter Antibiotika-Verbrauch - die Gründe für dieses Ergebnis scheinen klar und deutlich und sind somit schnell gefunden. Möglicherweise aber auch etwas zu schnell, wie Lars Fischer in seinem Kommentar auf Spektrum.de anmerkt:

Dabei ignorieren die Protagonisten allerdings geflissentlich, dass das eigentliche Problem der Antibiotikaimmunität aus der Humanmedizin kommt. In einer jüngeren Studie in Schottland kamen 90 Prozent aller untersuchten resistenten Erreger vom Menschen, und diese Stämme wurden doppelt so häufig vom Menschen auf Tiere übertragen wie umgekehrt. Auch das multiresistente Ehec-Bakterium, das letzten Sommer die Republik in Atem hielt und 50 Menschen tötete, kam letztendlich nicht von Tieren, sondern vom Menschen.

Und um gleich mal dem ersten Kommentar auf Spektrum.de den Wind aus den Segeln zu nehmen, obwohl er auf den ersten Blick nicht völlig abwegig scheint: nein, dieser Einwand dient nicht dazu, die Aufmerksamkeit von der Landwirtschaft zu nehmen und sie stattdessen auf die Humanmedizin zu lenken. Vielmehr sollte hier beides im Fokus stehen. Antibiotikaresistenzen sind ein umfassendes Problem, sogar derart umfassend, dass wir vor lauter Kritik an der Landwirtschaft diesbezüglich nicht vergessen sollten, dass hier auch die Humanmedizin eine wenig rühmliche Rolle spielt. Die Akteure mögen andere sein, das Problem ist es aber keineswegs.

Als Konsequenz aus den Funden multiresistenter Keime im Geflügel fordert der BUND-Vorsitzende nun einen Wechsel zu tiergerechteren Haltungsformen. Das unterstütze ich voll und ganz und konnte mich letztes Jahr sogar davon überzeugen, dass genau das passiert. Allerdings geht das nicht mal eben so von heute auf morgen - das Sammeln von Daten über das Verhalten von Tieren unter bestimmten Haltungsbedingungen (um zu sehen, was aus Sicht der Tiere tiergerecht ist und gleichzeitig der Tiergesundheit dienlich ist) und Paramter wie Staubkonzentrationen in der Luft oder Lufttemperaturen brauchen eben ihre Zeit. Darüberhinaus sollte nicht vergessen werden, dass eine tierwohl-orientierte Fleischproduktion keine Einbahnstraße vom Produzenten zum Konsumenten ist. Robuste, langsam wachsende Rassen brauchen eine längere Mastzeit, in der sie auch mehr fressen. was letztlich in einem höheren Preis für die so entstandenen Fleischprodukte resultiert, der dann auch vom Konsumenten bezahlt werden muss. Umfragen, die vermehrt unter Verbrauchern eine solche Bereitschaft signalisieren, sind zwar interessant, aber auch erstmal geduldig.

Die Forderung des BUND nach einem Antibiotika-Monitoring, wie es in Holland und Dänemark existiert, hatte ich übrigens auch schon erwähnt: Enstehende Antibiotika-Resistenzen sind ein drängendes Problem. Dabei könnten wir uns in Form eines ersten Schrittes durchaus Nachhilfe holen. In Holland und Dänemark wird der Antibiotika-Einsatz in jährlichen "Reports" überwacht. Das dänische Institut für Lebensmittel- und Veterinär-Forschung sammelt mittlerweile seit Mitte der 90er Jahre Daten zum Antibiotika-Einsatz bei Mensch und Nutztier. Eine solche Kontrollinstanz hätte es in Deutschland für Geflügel übrigens auch schon fast gegeben, wenn das BMELV diese beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information aus Datenschutzgründen nicht verhindert hätte.

Just heute fand ich auf Animal Health Online den Hinweis, dass es in NRW erstmals eine Datenbank zur Dokumentation des Antibiotikaeinsatzes in der Geflügelmast gibt. Dort können Landwirte und Tierärzte Daten zunächst auf freiwilliger Basis melden. Bleibt zu hoffen, dass dieses Projekt sich bald flächendeckend etabliert und dann auch verpflichtend wird.



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2011 - Versprechen, ich und Nashornkinder

19. Dezember 2011, 09:59

Ich habe gerade mit leichtem Erschrecken festgestellt, dass bald Weihnachten oder auch Wintersonnenwende ist, was nichts Gutes bedeutet, ist es doch ein untrügliches Zeichen dafür, dass sich das laufende Jahr 2011 unmissverständlich dem Ende nähert. Jetzt sitze ich hier und kratze mich ein wenig verärgert am Kopf, hatte ich doch noch so viele Artikel eigentlich schreiben wollen. Eine äußerst unpraktische Angewohnheit meinerseits ist auch die Tatsache, dass ich gerne mal einen Artikel verspreche und ihn dann doch nicht schreibe, weil mich zum Beispiel Aktuelles davon abhält. Und davon gab es dieses Jahr schließlich so einiges. Es begann direkt mit Dioxin, zu dem ich mich natürlich äußern musste, dann kam EHEC und als ich mich im Urlaub wähnte, platzte plötzlich das landwirtschaftliche Nutzgeflügel mit einer Dominanz in mein Blog, die ich so nicht auf dem Schirm hatte. Vor gar nicht so langer Zeit verlangte dann noch die Studie zur Antibiotika-Nutzung beim NRW-Geflügel nach meiner persönlichen Aufmerksamkeit - zumindest meinte ich das^^

Nicht falsch verstehen, das hat alles großen Spaß gemacht. Meine erste Presse-Veranstaltung war ziemlich aufregend, was jetzt ein bisschen klingt wie mein schönstes Ferienerlebnis in der Grundschule. Da ich als Blogger so etwas aber bis dahin nicht kannte, war ich teilweise wohl etwas neben der Spur und nach den zwei Tagen auch ein Stück weit durch den Wind (mit Schnupfen, aber das lag am ICE bzw. dessen Klimaanlage, bei der selbst die Inuit die Jacken anbehalten hätten, auf die ich natürlich - es war schließlich Sommer und zu dem Zeitpunkt nicht nur kalendarisch - verzichtet hatte). Großen Spaß hatte ich auch an der kleinen Debatte mit Colin Goldner über die Frage, ob wir Zoos brauchen. Ja, brauchen wir, no question about it..Aber irgendwie blieb dabei immer wieder etwas auf der Strecke, was ich auch gerne geschrieben hätte oder was ich eben irgendwann mal versprochen hatte zu schreiben. Ich habe mir auch mal ein paar Notizen gemacht, was zukünftige Artikel angeht. Der Kaukasus-Leopard steht da beispielsweise ziemlich weit oben auf der Liste. Vermutlich kann ich froh sein, dass wir beide in verschiedenen Gebieten leben, sonst hätte mich wohl schon einer gefressen - zur Strafe meiner Ignoranz. Landwirtschaftliche Betriebe und ihre Größe sind gerade mit Blick auf die Zukunft ein sehr spannendes Thema, auch die ökologische Geflügelhaltung sollte da beachtet werden. Schweinespielzeug - auch so eine große Nummer, die ich nicht mehr auf die Reihe bekommen habe. Hmpf.

Vielleicht fallen Euch als meine treuen Leser ja noch Artikel ein, die hier eigentlich hätten stehen sollen. Wenn dem so ist, schreibt sie in die Kommentare und ich verspreche Euch - wäre mal jemand so freundlich mich zu schlagen? - dass ich diese Artikel dann erstmal abarbeiten werde, also dann 2012.

Bis dahin wünsche ich Euch erstmal ein frohes Weihnachtsfest und natürlich einen guten Rutsch ins neue Jahr. Natürlich nicht, ohne noch ein kleines Video nachzuschieben, welches mir in den letzten Tagen mehrmals gezeigt wurde: zwei junge Nashörner, die unglaublich niedliche Geräusche machen.

 

Und wo wir schon mal dabei sind, sollte auch Stephen Fry nicht unerwähnt bleiben, der für seine Reihe "last chance to see" ein Babynashorn mit der Flasche füttert:

 

Tatsächlich kann es sein, dass ich mich auch vor 2012 hier noch melde, steht im Magdeburger Zoo doch die Geburt eines Spitzmaulnashorns an, was ich natürlich hochspannend finde. Wem es auch so geht, der kann hier übrigens die Webcam verfolgen.

So, das wars jetzt aber wirklich - fürs Erste. 



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Geflügel bald auf Rezept? - eine Einschätzung

23. November 2011, 21:35

Gibt es Geflügel-Fleisch aus NRW bald nur noch auf Rezept? Zumindest konnte man letzte Woche den Eindruck bekommen, denn in den letzten Wochen rumorte es beim Geflügel - erst nur ein bisschen und dann immer mehr. Vor zwei Wochen erschien dann die zuvor schon gelegentlich in Form kleinerer Häppchen  - und wohl auch in Form eines NDR-Berichtes - erwähnte Studie über den Einsatz von Antibiotika in der Hähnchenmast in NRW. Das Ergebnis dieser Studie ist recht unschön. Dabei möchte ich direkt zu Beginn erwähnen, dass gegen den Einsatz von Antibiotika an sich erstmal nichts einzuwenden ist, solange dieser vorschriftsmäßig erfolgt. Genau das ist aber den erhobenen Daten zufolge nicht passiert, wurden die Arzneimittel doch weitaus kürzer verwendet als die Behandlungsdauer es vorschreibt. Aber der Reihe nach... 

Für die Datenerhebung wurden sogenannte Gesundheitsbescheinigungen ausgewertet, von denen jeweils einer einen Mastdurchgang darstellt. Derer gab es für diese Untersuchung insgesamt 962. Die Anzahl der untersuchten Betriebe betrug 182. Die Untersuchung lief von Februar bis Juni 2011. In diesem Zeitraum war auch die Geflügelpest unterwegs, die allerdings durch Viren verursacht wird und deshalb aus Sicht der Antibiotika-Nutzung nicht relevant ist. In der vorliegenden Studie wurden folgende Daten erfasst:

(1) Betriebsgröße (2) Identifikation der Gesundheitsbescheinigung (3) Anzahl der Tiere, auf die sich diese Gesundheitsbescheinigung bezieht (4) Mastdauer (5) Behandlungstage pro Behandlung (6) Behandlungstage pro Mastdurchgang (7) Wirkstoffangaben

Ich möchte jetzt hier nicht die komplette Statistik durchgehen, wer sich dafür interessiert, kann sich die Zusammenfassung natürlich gerne selbst herunterladen und lesen. Einen Punkt finde ich dennoch interessant und werde daher auf diesen eingehen. Dabei geht es um Betriebsgrößen, Mastdauer und den Antibiotika-Einsatz. Laut Auswertung aller 962 Mastdurchgänge überwiegt dabei eine antibiotikafreie Haltung bei besonders (überdurchschnittlich) langer Mastdauer, die länger als 45 Tage dauert. Und auch die Betriebe mit weniger als 10000 Mastplätzen weisen demnach gegenüber allen anderen Betrieben eine erhöhte Anzahl antibiotikafreier Mastdurchgänge auf. Um den Einfluss der Betriebsgröße auf Mastdauer, Behandlungsdauer und der Anzahl eingesetzter Wirkstoffe weiter zu untersuchen, teilte man die Daten in Betriebsgrößenklassen ein: kleine Betriebe mit < 20.000 Tieren, mittlere Betriebe mit 20.001 - 50.000 Tieren, große Betriebe mit 50.001 - 90.000 Tieren und sehr große Betriebe darüber hinaus. Das Ergebnis zitiere ich mal:

Wie aus Diagramm 3 ersichtlich, weisen kleine Betriebe (bis 20.000 Mastplätze) eine signifikant längere Mastdauer, aber auch eine signifikant niedrigere Anzahl der durchschnittlichen Behandlungstage bei niedrigerer Anzahl eingesetzter Wirkstoffe auf (Tukey; p < 0,05). Bei Betrieben mit 50.-90.000 Mastplätzen ergibt sich eine signifikant längere Behandlungsdauer bei höherer Anzahl eingesetzter Wirkstoffe. Auf Basis der Einzelbetriebsdaten aller Betriebsgrößenklassen (auch über 90.000) ergab die  regressionsanalytische Auswertung allerdings nur sehr schwache Zusammenhänge (r2 < 0,07), so dass insgesamt gesehen kein linearer Zusammenhang zwischen Betriebsgröße und Arzneimitteleinsatz erkennbar ist. 

Kommen wir mal zur Auswertung der Studie. In der Zusammenfassung steht, dass das Ziel der Studie eine Statuserhebung gewesen sei, (Zitat kursiv) damit sowohl die für Tierschutz und Tierarzneimittel zuständigen Überwachungsbehörden als auch Wirtschaftsbeteiligte über die landesweit erhobenen Durchschnittswerte in Kenntnis gesetzt werden können. Die dargestellte Situation, wonach über 96  % der Masthühner behandelt werden, ist nicht akzeptabel und legt den Schluss nahe, dass das Haltungssystem nicht den Vorgaben des Tierschutzgesetzes entspricht, da die angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung in Frage gestellt werden muss.  

Weiterhin ist dort zu lesen, dass Faktoren wie das Betriebsmanagement, die Qualität der tierärztlichen Behandlung, die Genetik der Tiere sowie die Besatzdichte zu prüfen seien, da ihr Einfluss auf den Antibiotika-Einsatz mit den hier erhobenen Daten nicht bewertet werden könne. 

Allerdings sind diese Punkte dabei eminent wichtig. Wenn das Ziel der Geflügelmast möglichst gesunde Tiere sein sollen (und das ist es), ist eine genaue Untersuchung des Managements im Kontext sich möglichwerweise entwickelnder Antibiotika-Resistenzen in den Ställen unumgänglich. Hm, das heißt doch eignetlich nichts anderes als dass wir hier einen Haufen Daten haben, die irgendwie beunruhigend sind. Wo da jetzt genau die Probleme liegen ist erstmal nicht ersichtlich. Jegliche Form der Einordnung wird vermieden, da diese anhand der reinen Daten nicht möglich ist.   

Ich denke, wir sind uns einig, wenn ich schreibe, dass etwas passieren muss und das möglichst schnell. Enstehende Antibiotika-Resistenzen sind ein drängendes Problem. Dabei könnten wir uns in Form eines ersten Schrittes durchaus Nachhilfe holen. In Holland und Dänemark wird der Antibiotika-Einsatz in jährlichen "Reports" überwacht. Das dänische Institut für Lebensmittel- und Veterinär-Forschung sammelt mittlerweile seit Mitte der 90er Jahre Daten zum Antibiotika-Einsatz bei Mensch und Nutztier. Eine solche Kontrollinstanz hätte es in Deutschland für Geflügel übrigens auch schon fast gegeben, wenn das BMELV diese beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information aus Datenschutzgründen nicht verhindert hätte.

Fazit

Die Daten liegen vor, aber der "reale" Kontext fehlt. Die Einordnung eben dieser Daten muss jetzt folgen, denn sonst war diese Erhebung ziemlich sinnlos. So, wie sie jetzt vorliegen, dienen sie jedenfalls kaum angemessen der Problemlösung.


Selbst einlesen könnt Ihr Euch hier.

 



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Tiergerecht und Artgerecht - eine Betrachtung

07. Oktober 2011, 13:05

Es dürfte zwischen Verbrauchern und Landwirten mittlerweile ein einigermaßen stabiler Konsens herrschen, dass unsere Nutztiere vernünftig gehalten werden sollten. In der Regel taucht dabei der Begriff der artgerechten Tierhaltung auf. Jetzt ist das mit der Bedeutung des Wortes artgerecht so eine Sache. Immerhin sind unsere heutigen Nutztiere über Jahrtausende hinweg domestiziert worden und haben deshalb nicht mehr viel mit ihren wilden Ahnen gemeinsam - und das ist noch lange nicht alles. Auch das Umfeld der Tiere hat sich in der menschlichen Obhut gewaltig geändert, von den Aufgaben ganz zu schweigen. Deshalb hat sich in Fachkreisen jener Begriff der tiergerechten Tierhaltung etabliert. Da ich mir spontan unsicher bin, ob ich bei der Verwendung der Begrifflichkeiten manchmal nicht auch etwas nachsichtig war, möchte ich jetzt die Gelegenheit nutzen, ein wenig darauf einzugehen. Anstoß dazu sind ein Buch, welches ich plane zu rezensieren und ein Argument zur Milchvieh-Fütterung, welches mir im Frühsommer diesen Jahres begegnete.

Zu dieser Zeit tobte gerade EHEC durch Därme und Medien und sorgte für ein ziemliches Durcheinander. Frei nach dem Prinzip des auf Kindergeburtstagen sehr beliebten Topfschlagens wurde einfach alles verdächtigt, was nicht bei 3 auf den Bäumen war. Dazu gehörte auch das Kraftfutter bei Milchkühen. Dieses galt als Nährboden für die EHEC-Bakterien, außerdem sei es unnatürlich, hieß es. Kühe fräßen schließlich Gras, haben sie schon immer getan, was stimmt - auch jetzt noch. Aber eben nicht nur. Die Tatsache, dass die Grundlagen der Tierzucht und Genetik schon ganze Bücher füllen, wir zwischen Milchrindern, Mastrindern, Zweinutzungs- und Mehrnutzungsrassen unterscheiden, ist dabei keine Boshaftigkeit der Natur, um Agrar- und Tiermed-Studenten den letzten Nerv oder zumindest einen Teil der Lebenszeit zu stibitzen, sondern eine Folge eben jener schon erwähnter Domestikation. Dabei sollte es aber nicht bleiben.

Wildtiere allgemein haben im Grunde nur zwei Aufgaben: sie müssen überleben und sich dabei fortpflanzen. Das Wort "überleben" habe ich dabei ganz bewusst gewählt, denn in der freien Wildbahn - auch so eine bescheuerte Formulierung, die sich aber irgendwie durchgesetzt hat - interessiert es nun mal keine Sau und auch sonst niemanden, wie alt man wird oder was man während des Lebens so geschafft hat. Wenn ein Tier das mit der Vermehrung nicht so auf die Kette bekommt (was sich übrigens recht mannigfaltig äußern kann: fehlende Durchsetzungskraft gegen Kontrahenten, bei Revierkämpfen oder auch mangelnde Überzeugungskraft bei Weibchen sind nur einige Beispiele), dann pflanzt es sich eben nicht fort und behält seine Erbanlagen für sich, was dann womöglich auch besser so ist. Hunger- und Durst-Perioden, Krankheiten, Verletzungen - all das sind außerdem noch Unannehmlichkeiten, mit denen sich so ein Wildtier auseinandersetzen muss. Bei nicht wenigen Arten kommen dann auch noch Fressfeinde hinzu, denen sie entweder immer wieder entwischen können oder verspeist werden. Mit anderen Worten: den Sinnesorganen - und nicht nur denen, siehe Fortpflanzung - kommt eine besondere Bedeutung hinzu, weshalb diese bei Wildtieren auch am besten ausgebildet sind. Mit völlig anderen Aufgaben sieht sich das landwirtschaftliche Nutztier von heute konfrontiert. Bei der Milchkuh geht es zwar auch um Fruchtbarkeit, denn ohne Kalb gibt es keine Milch, das mit dem Überleben übernimmt allerdings der Bauer, indem er immer genügend Futter und Wasser ranschafft. Auch für die Umwelt ist er in gewisser Weise zuständig, wenn er sich um das Stallklima kümmert und allerhand "Kuhkomfort" installiert. Auch die Kälberversorgung fällt in seinen Bereich. Und sollte mal ein Tier krank werden, kommt der Tierarzt und kümmert sich, was ich übrigens aus ganz persönlichen Gründen begrüße. Mal ganz nebenbei: Tierärzte kümmern sich nicht nur darum, dass die Tiere wieder gesund werden, sondern sorgen auch in jenen Fällen, die keine Hoffnung mehr bestehen lassen, für einen angenehmen Tod. Sowas gibt es bei Wildtieren nicht. Ach, und bevor ich es vergesse: neben der Fruchtbarkeit geht es bei der Milchkuh natürlich - Überraschung - um die Milch für uns Verbraucher.

Leben, Aufgaben und Ansprüche unserer Nutztiere unterschieden sich also ganz erheblich von jenen ihrer wilden Vorfahren, weshalb das schon allein deshalb mit der artgerechten Tierhaltung schwierig wird. Deshalb gibt es auch den deutlich passenderen Begriff der tiergerechten Tierhaltung, die sich grob gesagt an den fünf Freiheiten orientiert, die dem aufmerksamen Leser und natürlich auch der aufmerksamen Leserin dieses Blogs bekannt vorkommen dürften (ansonsten fragen!). Und damit wären wir wieder am Beginn dieses Artikels angekommen und der Ansicht, dass das kraftfutter für Milchkühe unnatürlich sei. Mag sein, allerdings ist auch die Milchleistung dieser Tiere in gewisser Weise unnatürlich. 10.000 Liter Milch innerhalb einer Laktation sind ziemlich ordentlich und irgendwo müssen die Nährstoffe schließlich herkommen, wobei hier keineswegs die Maxime "viel hilft viel" gilt. Das geht nicht nur über Gras. Mit anderen Worten: die Fütterung von Kraftfutter an Hochleistungstiere ist tatsächlich nicht artgerecht. Sie ist aber tiergerecht und trägt in der Situation dazu bei, dass es diesen Tieren gut geht. Auch der Stall ist nicht unbedingt artgerecht. Aber er ist mit all seiner Komfort-Ausstattung wie Gummimatten zum bequemen Liegen oder Massagebürsten durchaus tiergerecht. Mit den Ansprüchen der Vorfahren hat das nichts mehr zu tun.

Was passiert, wenn man tatsächlich eine artgerechte Haltung zu simulieren versucht, kann man bei Esowatch nachlesen:

 

Serengeti hinter Deichen, so vielversprechend aber auch unzutreffend wird das Naturschutzgebiet Oostvaardersplassen in den Niederlanden bezeichnet. Vielversprechend, weil mit der Ansiedlung freilebender Rothirsche, Heckrinder und Konik-Pferde ohne jeglichen menschlichen Eingriff (bis auf das gelegentliche Abschießen kranker Tiere) durch das Zurückdrängen von Gebüschen eine Offenlandschaft geschaffen wurde, von der viele andere Arten profitieren. Und auch für den Besucher mögen große Herden, die durch das Gebiet ziehen, ein imposanter Anblick sein. Naturromantik pur, so wie es sich der Städter gerne vorstellt.
Unzutreffend ist diese Bezeichnung aber, weil das Gebiet eingezäunt ist, die Tiere sich vermehren, ohne dass ein Bestandmanagement stattfindet. So müssen sich 1.171 Pferde, 548 Rinder und 2.172 Rothirsche auf einer Grünfläche von knapp 2.200 Hektar die Nahrung teilen. Dass das nicht lange gut geht, kann sich eigentlich jeder denken. Ohne Eingreifen des Menschen wird die Nahrung knapp, besonders im Winter. Normalerweise wandern Tiere zu groß gewordener Populationen in andere Gebiete ab, wenn die Nahrung knapp wird. Doch hier war das unmöglich, das Gebiet ist umzäunt. Und was die vielgescholtenen Jäger in ihren Revieren tun, in Notzeiten eine Winterfütterung anzulegen, geschah nicht. Und so hatten die eingesperrten Tiere keine Chance, sie hungerten und viele verhungerten.

 

Hoppla! Dann nehme ich doch lieber die Rundum-Betreuung. Ach, und wo wir schon mal dabei sind: Kommt mir bloß nicht mit dem Wikipedia-Artikel zu artgerechter Tierhaltung an. Der ist Quatsch...

 


Den Esowatch-Artikel kann man übrigens auch ganz lesen. Solltet Ihr tun. Der Aufmerksamkeit Reuben Cs habe ich es zu verdanken, dass ich hier noch ein thematisch hervorragendes Video einbinden, thematisch werde ich das aber nochmal aufgreifen, da es hier um artgerecht/tiergerecht beim Schwein geht:

 



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Welfare praktisch - eine neue Tendenz

05. September 2011, 20:32

Das war ja ein ganz großartiges Timing. Anfang letzter Woche veröffentlichte ich den Artikel über meinen Besuch bei Wiesenhof und der dortigen Vorstellung des Privathofgeflügels und am Mittwoch wurde dann die für Wiesenhof wenig schmeichelhafte Doku ausgestrahlt. Seitdem hat das Ganze die eine oder andere Welle geschlagen, einiges habe ich verfolgt, aber sicher auch einiges verpasst. Es juckte mich auch immer mal wieder in den Fingern, das Thema wieder aufzugreifen. Bisher war der Mitteilungsdrang dann doch nicht groß genug. Heute stieß ich dann über Twitter auf einen Artikel zum Thema Wiesenhof und allgemein zur Tierhaltung im FAZ-Blog Tierleben. Plötzlich wurde das Verlangen eines weiteren Blogartikels dazu nahezu übermächtig. Here we go.

Ich beobachte das Thema Animal Welfare ja nicht erst seit zwei Wochen. Ohne all meine Artikel jetzt durchzugehen, fällt mir spontan Adam Shriver ein - ein Philosoph, der die Idee ersponnen hatte, dass wir unsere Nutztiere doch genetisch so verändern sollten, dass sie keinen Schmerz mehr spüren könnten. Er hielt das wohl für eine ganz großartige Idee der Bioethik, wirklich untersucht wurde das aber nicht und aus Erfahrung heraus, bestand die Gefahr, dass die Tiere sich ohne Schmerzgefühl tatsächlich verletzen oder besonders unvorsichtig verhalten könnten. Eine um Längen realistischere und vor allem auch leicht umsetzbare Idee kam dann von Wissenschaftlern des Agricultural Research Service in West Lafayette. Sie fanden heraus, dass junge Schweine auf Konfliktsituationen in der Gruppe weitaus entspannter reagierten, wenn sie Futter mit einer mehrfach erhöhten Dosis Tryptophan erhielten. Tryptophan ist eine essentielle Aminosäure, kann also nur über die Nahrung aufgenommen werden und wird dann im Körper zu Serotonin, was ja auch bei uns für ein gewisses zufriedenes Gefühl sorgt. Über Temple Grandin und ihre revolutionären Ideen bei der Rinderführung und -schlachtung habe ich berichtet und nicht zuletzt einen Milchvieh-Betrieb besucht und mich dort ganz real über die aktuellen Welfare-Maßnahmen für die moderne Milchkuh informiert. Recht aktuell ist Schweinespielzeug, über das ich aber noch nicht gebloggt habe. Und dann war da noch das Geflügel...Wenn ich das mal so rekapituliere, stelle ich recht erfreut fest, dass die tatsächlichen Welfare-Maßnahmen ziemlich praxis-bezogen sind und ohne große Eingriffe in die Tiere (GMO, Tryptophan) auskommen. Wenn es nach mir geht, kann die Tendenz so weitergehen.

Und dann war da noch der Artikel zu Wiesenhof und all dem Drumherum der letzten Tage von FAZ-Bloggerin Christina Hucklenbroich, der praktisch bis kurz vor Ende bei mir nur Fragezeichen hinterlassen hat. Ist es tatsächlich wichtig, einen Abschnitt lang über die Bedeutung des Wortes "Privathof" zu lamentieren? Die Änderungen gegenüber der konventionellen Mast sind klar. Und mal ganz ehrlich: wer Bilder von idyllisch gehaltenen Tieren auf Wurst- und Käsepackungen ernstnimmt, den kann ich nur schwer ernstnehmen. Ich stimme ihr voll und ganz zu, wenn sie die Einführung ominöser Siegel nicht gerade für die perfekte Lösung hält. Dann aber im Gegenzug nach der Politik zu rufen, um grundlegende Probleme in der Tierhaltung zu beheben, das ist schon nahezu lustig. Jener chronisch überforderte Haufen soll also darüber entscheiden, was ein Nutztier so braucht? Argh. Da wird doch jegliche Konstruktivität zwischen Fantasien und Lobbyisten zerrieben. Und noch etwas: der Verbraucher hat durchaus Einfluss auf das, was angeboten wird (Stichwort Weidehähnchen). Allerdings dauert die Empörung nach solchen Reportagen nie so ganz lange an. Das stürmt ein paar Tage und dann steht man sich an der Fleischtheke im Supermarkt wieder die Beine in den Bauch. Ich persönlich würde mir durchaus wünschen, dass das aktuelle Privathof-Projekt funktioniert. Nicht für das Unternehmen Wiesenhof, das ist erstmal nicht so wichtig, sondern schlicht, weil dadurch schon mal Fakten geschaffen würden, dass Animal Welfare nicht nur in Umfragen wichtig ist, sondern auch ganz real und sich auch im Spagat zwischen Tierwohl, Wirtschaftlichkeit, Verbrauchern und Lebensmittelrecht behaupten kann. Auf dieser Entwicklung ließe sich dann aufbauen. Ins Blaue gedacht: vielleicht ließe sich Animal Welfare sogar komplett umsetzen, wie es konsequent überlegt ja auch eigentlich sein sollte. Das wäre wirklich mal spannend. Dann wäre das Fleisch aber auch komplett teurer...Beim Thema Tierwohl oder auch Animal Welfare ist abseits von der Vorreiterin Temple Grandin gerade in der letzten Zeit einiges passiert und - da bin ich mir sicher - es wird auch noch einiges passieren, worüber ich dann selbstverständlich berichten werde.

Bis dahin schaue ich mal, was ich an wissenschaftlichen Belegen fürs Schweinespielzeug auftreiben kann. Das kann dann möglichweise noch ein bisschen dauern. Und die Nashörner brauchen auch mal wieder Beachtung^^


Hier geht es zum Artikel im Blog Tierleben. Wer den einen oder anderen oben erwähnten Artikel lesen möchte, kann gerne fragen oder mal rechts in der Seitenleiste beim Best-of schauen.   



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szmtag