Temple Grandin: Eating Meat is Ethical
Diese Woche hatte Scilogs-Kollege Martin Ballaschk einen Link gewittert, der mich direkt zu einem Essay führte. Geschrieben war es von Temple Grandin, die darin kurz und prägnant darlegt, warum Fleischkonsum für sie ehthisch vertretbar ist und was dafür erfüllt sein muss. Jetzt hege ich bekanntermaßen eine große Faszination oder auch Begeisterung für diese Frau, da sie nicht nur empört ein Buch geschrieben hat und seitdem die Talkshows verstopft, sondern vom Fach ist und auch tatsächlich durch ihr entwickeltes Schlachthof-System einiges zur Verbesserung des Tier-Handlings beigetragen hat. Deshalb werde ich einerseits aus dem Essay zitieren, andererseits aber auch auf zwei Artikel verweisen, die ich schon über sie und ihre Arbeit geschrieben habe. Here we go.
Our relationship with the cattle should be symbiotic. Symbiosis is a biological concept of a mutually beneficial relationship between two different species. There are many examples of symbiosis or mutualism in nature. One example is ants tending aphids to obtain their sugary secretion and in return, they are protected from predators. Unfortunately the relationship is not always symbiotic and in some cases, the ants exploit the aphids. There are similar problems in poorly managed, large intensive agriculture systems. There are some production practices that must be changed. In the cattle industry, I know many people who are true stewards of both their animals and their land. Their relationship with both the animals and the land is truly symbiotic. It is mutually beneficial to both the animals and the environment. Killing animals for food is ethnical if the animals have what the Farm Animal Welfare Council in England calls a life worth living.
Frei übersetzt: in der "Rinder-Industrie" kenne ich viele Menschen, die sich wirklich um ihre Tiere und ihr Land kümmern, sie führen nahezu eine symbiotische Beziehung mit Land und Tieren, was beiden nützt. Wie Ihr seht, habe ich im Zitat diesen Satz markiert, den ich derart toll finde, dass ich ihn am liebsten ausrucken und einrahmen würde. Genau dieser Punkt wird - zumindest meiner Wahrnehmung nach - in jenen Debatten, die auf ein möglichst großes Publikum aus sind, meist vergessen und so verkürzt, dass bei nicht Wenigen der Eindruck entsteht, dass Tierquälerei und Umweltverschmutzung irgendwie zum Geschäft gehören.
I have been attended grazing conferences and I have learned that when grazing is done right it can improve the rangeland and sequester carbon. Ruminant animals that eat grass are not the environmental wreckers that some people say they are. Rotational grazing can stimulate more plant growth and growing plants help remove carbon from the atmosphere. Ruminant animals, such as cattle, bison, goats, and sheep, are the only way to grow food on rangelands that are not suitable for crops. Ronald C. Follett with the USDA-ARS-NPA in Fort Collins, Colorado, states that grazing lands have the potential to sequester carbon. According to researchers at National University in Panama, converting South American pastureland to soybean production will reduce carbon storage. Organic agriculture would be impossible and extremely difficult without animal manure for fertilizer. Another issue that must be looked at in perspective is methane emissions. It is likely that 80% of all total methane emissions come from coal burning power plants, rice paddies, and landfills.
Ein interessanter Punkt: Tiere in Gegenden leben und weiden lassen, die sich ohnehin nicht für Landwirtschaft eignen. Den letzten Satz dieses Zitates habe ich hauptsächlich deshalb marktiert, da sich vor einigen Tagen auf Facebook eine Freundin beschwerte, dass ein Landwirt in ihrer Nähe dünge und man daher kaum rauskönne. Nun ja, das ist nun mal so. Damit muss man leben.
Wer mit Temple Grandin spontan nichs oder wenig anfangen kann, darf sich gerne meinen Artikel über sie durchlesen. Ein kleiner Ausschnitt:
Temple Grandin ist keineswegs eine normale Wissenschaftlern, wobei die Bezeichnung "normal" immer eine gewisse Grat-Wanderung darstellt. Sie ist Autistin. Bis zum Alter von drei Jahren konnte sie nicht sprechen. Für sie war das Erlernen der Muttersprache wohl vergleichbar mit dem Erlernen einer Fremdsprache für uns. Davon merkt man in Vorträgen allerdings nichts. Neben der älltäglichen Kommunikation und dem Halten vieler Vorträge sind auch Wortwitze kein Problem. Das liest sich zuerst sicher etwas merkwürdig, allerdings darf man nicht vergessen, dass zwischen-menschliche Beziehungen für sie eine große Herausforderung sind. Im Gegensatz zu Nicht-Autisten kann sie mit Gefühlen wie Liebe nichts anfangen. In einer der Szenen der Reportage sagt sie das auch sehr direkt. Schaut sie sich zum Beispiel einen Film an, dann meistens so etwas wie Wallace and Gromit. Liebesfilme oder eben solche, in denen es um menschliche Beziehungen geht, langweilen sie. Es ihren engagierten Eltern zu verdanken, dass sie uns jetzt mit ihren Ideen und spannenden Blickwinkeln beglücken kann. Die haben sie nämlich unentwegt gefördert, sie auf Privat-Schulen geschickt und so die Grundsteine für die Zukunft gelegt. Dabei war es gar nicht mal Grandins großes Ziel, so durchzustarten. Allerdings haben Besuche auf dem Hof ihrer Tante großen Eindruck hinterlassen. Dort konnte sie sich mit den Tieren beschäftigen, sie beobachten und erste Schlüsse ziehen. Später folgte dann ein Studium der Tierwissenschaften. Die Kombination aus ihren Fähigkeiten als Autistin und dem nun vorhandenen wissenschaftlichen Hintergrund hat den Weg geebnet für eine andere Begabung - das Verstehen von Tieren auf eine Art und Weise, wie es sie vorher noch nicht gegeben hat.
Auch ihrer Arbeit habe ich schon einen Artikel gewidmet:
Kommen wir nun mal zu den kleinen Details, denen vor Temple Grandin niemand ernsthaft Beachtung geschenkt hat. Im oben eingebundenen Vortrag nennt sie als erstes starke Kontraste, die zum einen durch helle Markierungen auf dunklem Untergrund erzeugt werden können, aber auch durch Sonnenlicht, das vereinzelte Stellen deutlich heller beleuchtet als andere. Das, was dort oben auf den Bildern gezeigt wird, sind sogenannte "Chutes", also Bahnen, die es ermöglichen, Tiere geordnet zu führen. Aber mit eben jener einfachen Führung kann es schnell vorbei sein - gerade bei Rindern, die dann einfach stoppen und ein großes Chaos verursachen. Neben starken Kontrasten können auch simple Dinge wie ein Hut oder Ketten dafür sorgen, dass nichts mehr geht. Wichtig ist hier also, dass die Bahn dicht ist und kein Sonnenlicht durch Spalten fallen kann. Das Blickfeld der Tiere darf keine störenden Elemente enthalten. Sollten es die Tiere problemlos durch die Bahn geschafft haben, aber dann am Ende blocken - also einfach nicht mehr weitergehen - könnte das an einem zu dunklen Eingang liegen. Sehen die Tiere einfach schwarz, ist es vorbei. Nun ist es etwas schwierig, jedes Mal den guten Petrus zu bitten, er möge doch mal für einen wolken-verhangenen Himmel sorgen, damit die Tiere gleichmäßige Lichtverhältnisse vorfinden. Hier kann Milchglas Abhilfe schaffen und für eine konstante Helligkeit sorgen. Neben unsteten Lichtverhältnissen können auch Geräusche wie klappernde Ketten oder laufende Ventilatoren die Tiere irritieren. Das ist sehr interessant, denn auch Temple Grandin selbst kann diese Geräusche nicht ertragen. Ebenso sollten sich Personen nicht zu nah an die Bahnen stellen, auch das könnte eine Störung verursachen.
Wer sich auch selbst mal ein wenig einlesen möchte, findet massenhaft Material - auf öffentlich zugängliche Studien - auf der Seite grandin.com. Und hier geht es zum ganzen Essay "Eating meat is ethical".
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