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Gibson: Illegales Tropenholz für Nobelgitarren?

12. Dezember 2011, 17:50

Hamburg, 12. Dezember 2011: In den USA ermittelt die Bundesbehörde Fish und Wildlife Service gegen den bekannten Gitarren-Hersteller Gibson. Die Firma soll illegale Tropenhölzer aus Madagaskar und Indien importiert haben. Gibson versucht mit einer aggressiven Kampagne die Verfahren zu beeinflussen und hat dazu selbst die ultrakonservative Tea Party-Bewegung eingespannt. Sichere US-Arbeitsplätze würden durch die Bundesbehörde gezielt zerstört, behauptet Gibson. Drei Kongressabgeordnete haben zudem eine Initiative eingebracht, nach der der sogenannte Lacey Act aufgeweicht oder aufgehoben werden soll. Das Gesetz verbietet den Handel und Import von illegalen Hölzern in die USA. Der Fall Gibson ruft vor allem in den USA, aber auch weltweit Aufmerksamkeit und Empörung hervor.

Am 24. August 2011 wurden die Büro- und Fabrikräume des amerikanischen Gitarrenherstellers Gibson bereits zum zweiten Mal von Bundesbeamten der US-Fisch- und Wildtierbehörde durchsucht. Wie bereits bei der ersten Durchsuchung im Herbst 2009 wurden Einfuhrdokumente, tropische Edelhölzer und Gitarren beschlagnahmt. Die Vorwürfe: Der Gitarrenhersteller mit Stammsitz in Nashville soll Eben- und Palisanderhölzer aus Madagaskar und Indien illegal importiert und damit gegen geltende Gesetze verstossen haben.

Am 9. September 2011 hat der Verein Rettet den Regenwald die Protestaktion "Illegales Tropenholz für Edelgitarren?" gestartet, an der bereits über 16.000 Menschen teilgenommen haben. Gibson stellt sich nun als angebliches Opfer der amerikanischen Bundespolitik dar. Die Traditionsfirma Gibson und sichere US-Arbeitsplätze würden gezielt in Gefahr gebracht, so einige der plumpen Argumente. Mit einer aggressiven Öffentlichkeitskampagne versucht der Gitarrenhersteller nicht nur die laufenden Untersuchungen zu beeinflussen, sondern auch das Gesetz zu kippen oder im Sinne der Firma aufzuweichen.

Fast täglich treten Gibson-Chef Henry Juszkiewicz und Mitarbeiter in US-Nachrichtensendern und Talkshows auf, darunter dem Fernsehsender Fox des berüchtigten Medienzars Rupert Murdoch (siehe z.B. http://www.youtube.com/watch?v=2E-tXQ6kQoU&feature=related , http://www.youtube.com/watch?v=2GDc3rteCwM&feature=related , http://www.youtube.com/watch?v=Jkh3MPEtV2c&feature=related , ). Für die Medienkampagne hat Gibson auch die ultrakonservative Tea Party-Bewegung (siehe z.B. Tea Party Sponsoring Rally for Gibson Guitar und Tea Partiers Outraged by Gibson Raid http://www.youtube.com/watch?v=Wgjo0wLr2rw&feature=related) eingespannt, die seit langem Stimmung gegen Präsident Obama und die US-Bundesregierung macht.

Nach Ansicht von Umweltorganisationen in den USA steht Gibson zudem hinter dem Antrag von drei Kongressabgeordneten (Cooper-Blackburn-Bono-Mack, H.R. 3210 Relief Act), den sogenannten Lacey Act aufzuweichen und auszuhöhlen. 24 US-Umwelt-, Menschenrechts- und Gewerkschaftsorganisationen fordern in einem gemeinsamen Schreiben die Parlamentsabgeordneten auf, die Gesetzesinitiative abzulehnen. Sollte die Initiative durchgehen, könnte bald wieder Zellstoff aus gesetzwidriger Regenwaldrodung legal in die USA eingeführt und dort ohne Strafe verkauft werden.

Das Gesetz, das bereits seit Hundert Jahren gegen den illegalen Handel mit Wildtieren besteht, wurde erst vor drei Jahren um den Handel mit illegalen Hölzern erweitert. Dessen Einführung war 2009 von 37 Importfirmen, Nichtregierungsorganisationen und der Holzindustrie unterstützt worden. Denn der Handel mit illegalen Hölzern hat nicht nur katastrophale Auswirkungen auf die Ökologie und die in den Waldgebieten lebenden Menschen, sondern er verursacht auch gewaltige Kosten für die Wirtschaft. Allein in den USA entstehen den Firmen dadurch Schäden in Höhe von einer Milliarde US-Dollar pro Jahr.

Auch über eine Petition auf der Webseite Change.org macht Gibson öffentlichen Druck. Die Untersuchungen gegen Gibson sollen eingestellt werden, so die Hauptforderung der an Präsident Obama gerichteten Aktion. Und mit einer falschen Behauptung versucht Gibson bei den Bürgern grundlos Angst zu schüren. Es wird behauptet, dass alle Bürger, die Musikinstrumente aus Tropenholz besitzen, in Gefahr sind, durch die Behörden strafrechtlich verfolgt zu werden.

Dabei ist die Lage auf Madagaskar dramatisch. Musikgruppen und Umweltschützer haben dort verschiedene Veranstaltungen, darunter ein Konzert für den Masoala Nationalpark organisiert. Aus den Regenwäldern der Insel stammt ein Teil der illegalen Holzlieferungen an Gibson. Die Menschenrechtsorganisationen Environmental Investigation Agengy (EIA) und Global Witness haben im Auftrag der madagassischen Nationalparkverwaltung und mit Finanzierung der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) den Einschlag der Edelhölzer im Regenwald und die undurchsichtigen Lieferbeziehungen untersucht. Die Ergebnisse sind in einer umfangreichen Studie Studie zum internationalen Handel mit Eben- und Palisanderholz zusammengefasst.

Danach lässt eine Mafia skrupelloser Tropenholzhändler, darunter die Société Thunam Roger, seit Jahren die Wälder und Nationalparks der Insel gesetzwidrig plündern, um mit den seltenen Edelhölzern Kasse zu machen. Hunderte von Containern stapeln sich in Lagerhallen und Häfen, gefüllt mit vom Aussterben bedrohtem Eben- und Palisanderholz für den Export. Die Spuren führen über das Hamburger Holzhandelshaus Theodor Nagel bis zu Gibson in die USA. Die Firma Nagel befindet sich mittlerweile im Konkursverfahren.

Der Zoo Zürich hat 2010 gemeinsam mit Mitarbeitern des Masoala Nationalparks und der Wildlife Conservation Society (WCS) die Forstkonzession, aus der das an Gibson gelieferte Holz angeblich stammen soll, überprüft. Die Fakten sind eindeutig: „Die Menge des exportierten Holzes kann unmöglich aus der kleinen Konzession stammen. Das Kontingent wurde bei Weitem überschritten; sieben von acht Bäumen sind illegal gefällt worden. Zudem hat Alexander von Bismarck nachgewiesen, dass der Lieferant von Gibson das Edelholz im geschützten Masoala Nationalpark einschlagen lässt”, schreibt der Zoo in einer Pressemeldung.

Im Oktober haben Madagaskar und Panama 93 Arten von Palisander- und Ebenholz auf die Liste des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) setzen lassen. Das internationale Regelwerk beschränkt und kontrolliert den Handel mit geschützten Tier- und Pflanzenarten.

Verwicklungen mit dem Holzlabel FSC

 Der Gitarrenhersteller Gibson hat sich seit Jahren als besonders umweltbewusstes Unternehmen dargestellt. Die Firma warb mit dem Label des Bonner Vereins Forest Stewardship Council (FSC) für ihre Gitarren. Firmenchef Henry Juszkiewicz war jahrelang Mitglied im . Die Organisation aus New York hat über ihr Programm Smartwood das FSC-Label an Gibson erteilt.

Während die Rainforest Alliance Gibson das FSC-Label erteilte und regelmäßig die Einhaltung der Zertifizierungsstandards prüfte, überwies der Gitarrenhersteller jahrelang große Spendensummen an die Rainforest Alliance - zwischen 315.000 und 390.000 US-Dollar in bar pro Jahr und Sachspenden in Form von wertvollen Gitarren. Und der US-Ableger von FSC veranstaltete wiederum schon mal seine Jahresversammlung unter dem Motto „Gibson USA in gleicher Tonlage mit dem FSC“ in Nashville. Der Besuch bei Gibson und die Musikeinlage des US-FSC-Direktors auf einer zertifizierten Gitarre gehörten dabei zum Programm. Dafür haben dann die angeblich unabhängigen Prüfer der Rainforest Alliance anscheinend nicht so genau hingeschaut.

Der Bedarf der Musikinstrumentenhersteller nach seltenen tropischen Edelhölzern hat schon vor Jahren Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen auf den Plan gerufen. Die britischen NROs Global Witness (GW) und Environmental Investigation Agency (EIA) haben 2008 eine Reise der führenden Gitarrenhersteller Fender, Gibson und Martin nach Madagaskar organisiert, um bei den Firmen das Bewusstsein für die Probleme des Handels mit illegalen Hölzern zu schaffen. Die Regenwälder der Inselrepublik schwinden seit vielen Jahren im raschen Tempo, weil sich dort einige der besonders begehrten und seltenen Edelholzarten wie Eben- und Palisanderholz finden. Doch während die übrigen Gitarrenhersteller dem Vernehmen nach durch die Reise sensibilisiert werden konnten und von Importen aus Madagaskar absahen, ging Gibson anscheinend andere Wege.

Mittlerweile versucht Gibson eine neue Holzconnection mit den Fidschi-Inseln aufzubauen, wie US-Medien berichten. Dem Premierminister der Inselrepublik im Pazifik, Frank Bainimarama, liess Gibson als Zeichen des guten Willens im Sommer bereits eine Gitarre im Wert von 5.000 US-Dollar überreichen. Doch die Reise des Militärmachthabers, der seit einem Putsch im Jahr 2006 Wahlen verweigert, zu Gibsons Firmensitz in Nashville kam demnach bisher nicht wie geplant zustande.

Weitere Informationen:

Rettet den Regenwald e.V.

Jupiterweg 15
22391 Hamburg
Tel. +49- 40 – 4103804
Fax:+49- 40 - 4500144
info@regenwald.org
www.regenwald.org


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Vogeluhr: Das Pfeifen im Walde

23. März 2011, 09:28

Frühlingszeit, Vogelstimmenzeit: Nach und nach kehren jetzt die Zugvögel aus ihren sonnigen Winterquartieren in ihre Brutgebiete zurück und stimmen ein in den Chor ihrer hierzulande überwinternden Sangesbrüder. Wer aber genau aufpasst, kann fast seine Uhr nach den Piepmätzen stellen.

Für passionierte Vogelliebhaber – wie ich es auch von mir behaupten darf – gibt es wohl kaum etwas Schöneres, als vom morgendlichen Gezwitscher, Gepfeife und Tirilieren von Amsel, Drossel, Fink und Star geweckt zu werden. Hartgesottene Ornithologen stehen sogar noch zu nachtschlafender Zeit auf, um sich bereits vor dem Einsetzen des Morgenkonzerts in den Wäldern und Auen der Umgebung einzufinden, um ja keinen der Organisten, Trompeter oder Flötisten zu verpassen. » weiter

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Der Super-E-10-Schwindel - und beratungsresistente Politiker

10. März 2011, 09:55

An Deutschlands Zapfsäulen herrscht nackte Panik - und in der deutschen Politik deshalb auch: Das neue, angeblich ökologischere Benzin Super E10 sorgt für Verwirrung beim autofahrenden Kunden, die sich massenhaft dem Verbrauch des "Bio"sprits verweigern. Bei den Mineralölfirmen quellen deshalb die entsprechenden Treibstofflager über, während Bundesumweltminister Norbert Röttgen mit hektischen Anweisungen, Verlautbarungen und Schuldzuweisungen rundum versucht zu retten, was noch zu retten ist von Super E10.

Auch wenn die Bevölkerung wohl weniger aus Umweltgründen denn aus Sorge um ihr Automobil Super E10 boykottiert, so kann ich doch eine gewisse Schadenfreude ob dieser Entwicklung nicht unterdrücken - als strikter Gegner von "Bio"sprit, wie er momentan erzeugt wird. Einige der Gründe lassen sich beispielsweise im Kommentar "Der Öko-Wahnsinn" oder in dem Artikel "Miserable Werte für Agrartreibstoffe" nachlesen. Letzterer legt beispielsweise dar, wie schlecht die meisten Agrarkraftstoffe tatsächlich abschneiden, die häufig sogar schlechtere Umweltbilanzen als fossile Energieträger haben. Auch der wissenschaftliche Beirat hat von der Einführung von Agrarkraftstoffen abgeraten, da sie in Autos uneffektiv verfeuert würden - und in Teilen dem Klimaschutz völlig zuwider laufen.

Bereits heute konkurrieren Ethanol für Kraftstoffe und Palmöl für "Bio"diesel mit dem Anbau von Nahrungsmitteln- etwa in den USA, wo der Maisanbau dank großzügiger Subventionen zur Ethanolproduktion umgewidmet wurde. Dadurch bleibt weniger für den Export, was in Mexiko 2007 zu den so genannten Tortilla-Unruhen führte: Das Grundnahrungsmittel für Millionen Mexikaner hatte sich wegen des US-amerikanischen Ethanoldursts stark verteuert. Für 100 Liter reines "Bio"-Ethanol benötigt man rund 250 Kilogramm Weizen - mehr als den Jahresbedarf eines Menschen. Jean Ziegler, der UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, geißelt den "Biodiesel" und die dafür nötige Umwandlung von fruchtbarem Ackerland gar als "ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit"

Wenig kann man zudem auf die Aussagen von Politikern geben, dass für die Produktion von Agrarsprit oder auch Biogas keine zusätzlichen Flächen benötigt würden: Beispiele aus der ganzen Welt von Deutschland über Kenia bis Brasilien und Indonesien belegen das Gegenteil. Überall werden Flächen, die ursprünglich Nahrungsmittel produzierten oder der Natur zur Verfügung standen für den europäischen oder US-amerikanischen "Klimaschutz" umgewandelt:

  • Indonesiens Provinzen Sumatra und Kalimantan verloren in den letzten zehn Jahren mehr als 5 Millionen Hektar Wald - einen großen Teil davon an die Palmölindustrie.
  • Im kenianischen Tana-River-Feuchtgebiet - nicht nur ein wildtierreiches Naturreservat, sondern auch Heimat verschiedener viehzüchtender Ethnien, die das Gebiet als Weideland während der Trockenzeit benötigen - sollen mindestens 70.000 Hektar für den Zuckerrohranbau umgewandelt werden: Großfarmer erhoffen sich Exportchancen für Ethanol in die EU.
  • In Brasilien - das Politikern als leuchtendes Beispiel für Ethanol-Sprit gilt - verdrängen Zuckerrohrgiganten Viehzüchter nach Amazonien, wo der Regenwald für neue Weiden fällt: ein klassisches Beispiel für Verdrängungseffekte.
  • In Uganda gab die Regierung erst nach massiven Bürgerprotesten (mit Toten) Pläne auf, ein Regenwaldgebiet für Zuckerrohr abholzen zu lassen.
  • In Deutschland wuchs die Anbaufläche von Mais laut dem WWF in nur fünf Jahren von 70.000 auf 600.000 Hektar an - auf Kosten von Brachland (Rückzugsräume von Tier- und Pflanzenarten) und Grünland. Die Pflanzen werden in Biogasanlagen verstromt und füllen als Ethanol den Tank. Da Mais zunehmend als Futterpflanze ausfällt, importieren Deutschland und andere EU-Staaten zunehmend Soja aus Südamerika - wo die Pflanze in riesigen Monokulturen Regenwälder, Savannen und Grasländer verdrängt.

Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. All dies sollte Politikern bekannt und bewusst sein - dennoch handeln sie völlig konträr zu diesem Wissen. Schon das jetzige Ziel, bis 2020 rund ein Zehntel der EU-weit verbrauchten Kraftstoffe aus pflanzlichen Rohstoffen zu gewinnen, wird genau das Gegenteil des erwünschten Klimaschutzes bewirken: Alle Effekte zusammengenommen entstehen dadurch bis zu 56 Millionen Tonnen Kohlendioxid zusätzlich! Es wird also nicht nur nichts eingespart, sondern dem Klima die Belastung von bis zu 26 Millionen Autos zugemutet, ohne dass diese Autos tatsächlich fahren.

Der Wahnsinn hat allerdings Methode von Schwarz bis Grün, denn nicht nur Umweltminister Röttgen (CDU) befürwortet und fördert den "Bio"sprit, sondern auch seine Vorgänger Jürgen Trittin (Grüne) und Sigmar Gabriel (SPD) setzten sich vehement für den Stoff ein - von dem sie jetzt angeblich nichts mehr wissen wollen. Wundert es einen, dass die Politikverdrossenheit zunimmt - bei so viel Ignoranz und Dreistigkeit?

Nachtrag: Klaus Schlie (CDU) - Innenminister von Schleswig-Holstein - hat jetzt der Polizei seines Landes verboten, Super E10 zu tanken. Zwar auch aus Angst vor Motorschäden, aber immerhin...



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Kahlschlag: Zehn Wälder, die es bald nicht mehr gibt

08. Februar 2011, 13:25

Auch wenn sich die Welternährungsbehörde FAO freut, dass sich der Waldverlust weltweit abschwächt und in vielen Ländern die Waldfläche wieder zunimmt: Viele artenreiche Urwälder werden immer noch kahlgeschlagen, um Holz zu gewinnen oder Plantagen anzulegen. Nun hat Conservation International die Top Ten der am stärksten gefährdeten Waldökosysteme vorgestellt - mit Schwerpunkt Südostasien. » weiter

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RIP Richard Henry

17. Januar 2011, 09:12

 Ein ehrwürdiger Kakapo ist letzte Woche von uns gegangen: Richard Henry, seines Zeichens letzter Überlebender aus dem Fjordland und Wahrer der genetischen Vielfalt der Eulenpapageien. Es trauern: seine Nachkommen, das neuseeländische Department of Conservation, die freiwilligen Helfer des Kakapo Recovery Programs - und Vogelfreunde in aller Welt. "Mit Richard Henry ging eine Ära im Kakaposchutz zu Ende", äußerte sich Ron Moorhouse vom Department in seiner Trauerrede. Richard Henry verstarb im Alter von mindestens 80 Jahren, nachdem er seit elf Jahren unter zunehmender Blindheit und Altersschwäche litt. Er hinterlässt drei erwachsene Kinder.

Richard Henry war eine Legende für alle, die sich für den Schutz des flugunfähigen, nachtaktiven Kakapos einsetzen - dem schwersten Papagei der Erde. Einst besiedelte der moosgrüne, herb duftende Vogel wohl die Wälder fast ganz Neuseelands, in denen er wenige Feinde fürchten musste. Allenfalls einige wenige Greifvögel konnten ihm auf den praktisch säugetierfreien Inseln gefährlich werden. Dies änderte sich mit der Ankunft der Maori, die den Papagei als leichte Beute schätzten, gleichzeitig legten sie bereits die Axt an die ausgedehnten Wälder. Mit den Maori gelangten zudem Pazifische Ratten nach Neuseeland, die zumindest für die Küken des Kakapo zur Gefahr werden konnten (andere Vogelarten rotteten sie direkt aus).

Als die Europäer Neuseeland entdeckten und besiedelten verschlimmerte sich die Situation für die Papageien weiter: Noch mehr Wald wurde gerodet - und ein ganzer Zoo an fremden Tieren eingeschleppt: Wanderratten, Hermeline, Frettchen, Wiesel, Hirsche, Katzen, Hunde usw. Sie jagten die Kakapos entweder selbst oder zerstörten ihren Lebensraum durch Überweidung, so dass die einheimischen Vögel immer weiter zurückgedrängt wurden.Schon um 1870 erkannten einige Biologen, dass der Kakapo im Verschwinden begriffen ist - mit dem Ergebnis, dass sie erst recht Jagd auf die Papageien machten, um genügend Bälge für ihre Museen zu beschaffen.

Immerhin handelte die neusseländische Regierung 1891 so vorausschauend, dass sie das wilde, unerschlossene und immer noch dicht bewaldete Fjordland im Westen der Südinsel zum Naturreservat erklärte - und Sir Richard Henry zu dessen Leiter ernannte. Er wurde zum ersten Schutzpatron der Kakapo, und ihm zu Ehren benannte man später den letzten überlebenden Kakapo aus dem Fjordland auch Richard Henry. Der frühe Naturschützer war damals bereits sehr vorausschauend und siedelte Kakapos und Kiwis auf raubtierfreien Inseln an, die als Notanker für die Arten dienen sollten. Leider lag Resolution Island, eine der Archen, zu nahe am Festland und wurde ebenfalls bald von Säugetieren überrannt.

In den folgenden Jahrzehnten nahm der Kakapobestand weiter drastisch ab, bis in den 1970er Jahren kaum mehr Tiere vorhanden waren - nur noch an extrem unzugänglichen Stellen der neuseeländischen Südinsel ertönte das markante "Boomen", der tiefe, weit hallende Balzruf der Vögel. Leider vergebens: Trotz intensiver Suche fanden sich nur noch Männchen, aber keine Weibchen mehr. Die Art schien zum Untergang verdammt. Das Blatt wendete sich erstmals 1977, als auf Stewart Island, südlich der Südinsel, ein halbwegs gesunder Bestand des Eulenpapages aufgespürt wurde - fast die letzten ihrer Art und glücklicherweise mit Weibchen.

Auf Stewart Island lebten aber leider auch Katzen, die innerhalb von nur fünf Jahren die Hälfte der verbliebenen Kakapos um die Hälfte reduzierten. Wieder hing das Schicksal der Art am seidenen Faden. Doch dieses Mal entschied man sich schnell und richtig: Die verbliebenen Exemplare wurden ausgeflogen und auf säugerfreien Eilanden unter starker Bewachung ausgesetzt. 1995 existierten wohl nur noch 50 Kakapos, darunter 19 Weibchen. Seit damals nimmt ihre Zahl dank eines intensiven Schutzprogramms wieder zu: auf nun 121 Tiere, nachdem Richard Henry verstorben ist. Der Methusalem brachte seine Gene aus dem Fjordland in die Population ein und mehrte damit die genetische Vielfalt. Und dieses Jahr erwarten die Naturschützer wieder eine starke Brutsaison, nachdem die Männchen intensiv balzen und die wichtigste Nahrungspflanze der Küken reichlich Früchte tragen.Mögen sie Richard Henrys Erbe weitertragen.

 



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Wald - das besondere Weihnachtsgeschenk

15. Dezember 2010, 20:51

Das große Fest der Liebe und der Geschenke naht - und alle Jahre wieder treten sich Menschenmassen in den Fußgängerzonen und Kaufhäusern auf die Füße und kaufen wie im Rausch allerlei Sinnvolles und Sinnloses. Nicht jedem fällt aber jedes Jahr aufs Neue etwas ein, mit dem er oder sie dem oder der Liebsten eine Freude machen könnte. Bevor Sie nun aber dem Gatten die 35. Krawatte oder der Gattin die 11. Flasche 4711 kaufen, hätte ich einen Tipp für Sie: Verschenken Sie doch einfach symbolisch ein Stück Regenwald - das ist sinnvoll, einigermaßen günstig, schont das Klima, schützt die Natur und wird bei einigen Organisationen auch mit attraktiven Urkunden belohnt.

Wie wäre es zum Beispiel mit einem Flecken im kolumbianischen Chocó-Regenwald, im Reservat Las Tangaras? Dieses extrem artenreiche Ökosystem, in dem noch viele Neuentdeckungen auf die Wissenschaft warten, wird durch Straßenbau, Holzfäller und Goldminen bedroht. Wer auf den Goldschmuck zum Fest verzichtet und stattdessen beim World Land Trust US ein paar Dollar spendet, tut gleich doppelt Gutes: Er reduziert die Gefahr für die Natur durch sinkende Nachfrage nach Gold und schützt aktiv Wald. Und wer sich bis Ende des Jahres für eine Wohltat entscheidet, wird noch zusätzlich belohnt, denn ein Gönner verdoppelt jeden Spendendollar mit Gaben aus seinem Vermögen.

Wer lieber großen Tieren helfen mag, kann es bei den britischen Kollegen vom World Land Trust UK probieren: Sie sammeln Geld, um in Indien Wanderkorridore für Elefanten einzurichten. Damit werden Schutzgebiete verknüpft, in denen die Dickhäuter frei wandern können. Das geschieht übrigens in engem Einvernehmen mit der ortsansässigen Bevölkerung, die bei Bedarf entschädigt und mit neuem Land versorgt wird, sollten ihre Äcker auf den Wanderrouten liegen - ein Verfahren, das beiden Seiten hilft, denn die Elefanten nutzen diese Wege traditionell seit Jahrtausenden und fressen dabei unterwegs leider immer wieder die Feldfrüchte der Bauern auf.

Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können Sie mit einer kleinen Spende für die Bewahrung des Chaco-Trockenwaldes in Paraguay: Er fällt rapide der wachsenden Gier nach Soja und Fleisch zum Opfer - und mit ihm die letzten unkontaktierten Indianer außehalb des Amazonasbeckens. Wiederum der World Land Trust UK, aber auch die deutsche Organisation Rettet den Regenwald sind hier aktiv - mehrere tausend Hektar Land konnten sie beide schon sichern und den Ayoreo-Indianern übergeben. Mit finanzieller Unterstützung des World Land Trusts sichern zudem Ranger mittlerweile den 2,5 Millionen Hektar großen Nationalpark "Defensores del Chaco".

Rettet den Regenwald nimmt außerdem Orang-Utans auf Borneo unter seine Fittiche: Die roten Primaten müssen immer weiter zurückweichen, weil Palmölplantagen und Papiermühlen ihnen immer weiter auf den Pelz rücken. Zusammen mit dem Centre for Orangutan Protection bewahrt die Hamburger Organisation nun einen Stück Regenwald für die Affen und unterstützt ein Rehabilitationszentrum, in dem verwaiste und aus Tierhaltung befreite Orang-Utans wieder aufgepäppelt und auf ein neues Leben in freier Wildbahn vorbereitet werden.

Und wer nicht in die Ferne schweifen möchte: Es gibt auch in Deutschland Projekte, die Land kaufen, um es für nachfolgende Generationen zu schützen.Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) zum Beispiel erwarb mit Spendengeldern den Rainer Wald, eine niederbayerische Perle der Natur, in der sich seltene Käfer, Falter und Spechte tummeln. Über seine Arche-Noah-Fonds bewahrt die Organisation generell verschiedenste Ökosysteme durch Landkauf vor ihrer Zerstörung.

 

PS: Diese Art des Naturschutzes funktioniert übrigens sehr gut - auf alle Fälle bei den hier erwähnten Organisationen. Mit eigenen Augen habe ich schon Reservate des World Land Trusts in Ecuador und des LBV in Bayern gesehen.

PPS: Und selbstverständlich gibt es auch bei uns dieses Jahr ein Stückchen Regenwald (symbolisch) unter dem Weihnachtsbaum.



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This land is your land, this land is my land

21. November 2010, 18:11

Land grabbing: Immer mehr Industrienationen pachten oder kaufen große Flächen fruchtbaren Bodens von armen Ländern.

Die Geschichte der Ausbeutung Afrikas ist lang. Über Jahrhunderte verdienten europäische, asiatische und amerikanische Länder an afrikanischen Sklaven. In den Kolonialzeiten plünderten die Europäer die Bodenschätze und Holzvorräte des Kontinents. Mittlerweile sind die Kolonialherren von damals – zumindest offiziell – entmachtet. Doch die ausländische Einflussnahme hat sich alternative Bahnen gesucht: Regierungen und private Investoren aus Industrienationen wie England, China, Südkorea und Saudi-Arabien erwerben Agrarland in Entwicklungsländern, um mit den angebauten Erzeugnissen Bedürfnisse im eigenen Land zu stillen.

Drei Ziele stehen bei der ausländischen Landnahme im Vordergrund der Investoren. Zum einen geht es um die Sicherung der Lebensmittelversorgung im eigenen Land, das über zu kleine Agrarflächen verfügt. Zum zweiten sind die Flächen oft für den Biomasseanbau zur energetischen Nutzung (Biosprit) vorgesehen. Drittens geht es um eine generelle Einflussnahme und die Sicherung von Handelswegen und Wasserrechten in den Vertragsländern. Letztere werden mit Geld und Bauvorhaben sowie der Verbesserung der Infrastruktur durch die ausländischen Investoren geködert. Meist profitiert jedoch nur eine korrupte Oberschicht vom Devisenfluss – die auf den veräußerten Ländereien lebenden Kleinbauern werden in unfruchtbare Gebiete umgesiedelt.

Beim land grabbing geht es nicht um einzelne, überschaubare landwirtschaftliche Versuchsanlagen, sondern um ein Milliardengeschäft: Seit 2006 wurde nach offiziellen Schätzungen über etwa zwanzig Millionen Hektar Land verhandelt. Beispielsweise hat China im Jahr 2009 allein im Kongo 2,8 Millionen Hektar gepachtet mit dem Ziel, dort eine der größten Palmölplantagen weltweit aufzuziehen. Das schwedische Energieunternehmen Sekab verhandelte mit Mosambik über eine Fläche von 100.000 Hektar, ebenfalls zur Produktion von Agrartreibstoffen, und der britische Konzern Lonrho pachtete 25.000 Hektar zwecks Reisanbau in Angola – wo der Konzern im Übrigen auch eine Diamantenmine betreibt.

Ein wenig internationale Beachtung in den Medien fand das meist hinter verschlossenen Türen verhandelte Thema im Frühjahr 2009 als es zum Mitauslöser für einen Regierungssturz in Madagaskar wurde. Die madagassische Regierung unter Präsident Marc Ravalomanana hatte mit dem südkoreanischen Konzern Daewoo Logistics einen Pachtvertrag über 1,3 Millionen Hektar Agrarland für 99 Jahre abgeschlossen. Auf dem Land – etwa der Hälfte der gesamten landwirtschaftlich nutzbaren Fläche Madagaskars – sollten Palmöl und Mais für den Export angebaut werden. Nach massiven Protesten der Bevölkerung wurde das Vorhaben gestoppt, doch starben hunderte Menschen bei Schießereien in der Hauptstadt. Ravalomanana floh ins südafrikanische Exil. In der Folge versank die gesamte Insel im wirtschaftlichen und politischen Chaos – das bis heute anhält.

Lehren aus dem traurigen madagassischen Beispiel haben bislang nur die Investoren gezogen: China verzichtet seitdem auf öffentlich sichtbare Großprojekte und handelt dafür intensiv unterhalb der internationalen Wahrnehmungsschwelle, indem es einzelne Farmen in Mosambik und anderen Ländern aufkauft und von chinesischen Arbeitskräften bewirtschaften lässt. Eine unsichtbare Landnahme.

Während die Geldgeber von bilateralen Abkommen zwischen gleichberechtigten Vertragspartnern und Investitionen in die Zukunft der beteiligten Entwicklungsländer sprechen, sehen die Welternährungsorganisation FAO und Nichtregierungsorganisationen wie die Welthungerhilfe darin einen "Neo-Kolonialismus", der die Unabhängigkeit und Lebensmittelversorgung in den armen Vertragsländern gefährde. Bislang gibt es keine internationale Charta, die Verhaltensregeln für ausländische Agrarinvestitionen vorgibt, so dass sich die Abkommen in einem rechtsfreien Raum abspielen. Wie lange diese Praxis anhalten wird, hängt vom Engagement der internationalen Gemeinschaft ab – und von der individuellen Opposition gegen die Versklavung ganzer Länder.

Quellen:
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Le Monde diplomatique
Webseiten der privaten Investorfirmen Sekab und Lonrho
Welthungerhilfe
ZEIT Online



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Dürre am Amazonas

04. November 2010, 21:16

Unbemerkt von der deutschen Presse suchte wieder eine Jahrhundertdürre Amazonien heim: Nur fünf Jahre nach der letzten Jahrhundertdürre, die große Teile des Regenwaldes auf dem Trockenen stehen ließ. Betroffen war dieses Mal das westliche Amazonasbecken in einem breiten Bogen von Kolumbien im Norden bis Bolivien im Süden; selbst der Rio Negro, sonst einer der mächtigsten Flüsse der Welt, fiel auf den tiefsten Pegelstand seit Beginn der Messungen vor über 100 Jahren - streckenweise war er nur noch ein Schlammbett, in dem Boote nicht mehr vorwärts kamen. Wie 2005 musste Brasiliens Regierung wieder den Notstand über die Region ausrufen und Menschen aus der Luft mit Nahrung und Wasser versorgen.

Wie kommt es zu diesem Szenario, das das artenreichste Ökosystem und eines der letzten Wildnisgebiete der Erde nun schon zum zweiten Mal in kurzer Zeit trifft? Mehrere Gründe dürften hier eine gewichtige Rolle spielen:

  • Der Regenwald schafft sich sein Klima in Teilen selbst, denn Regen, der mit feuchten Luftmassen vom Atlantik herangetragen wird und über dem Osten des Beckens fällt, geht nur teilweise mit den Flüssen wieder zurück ins Meer. Ein weitaus größeren Teil gelangt über die Evapotranspiration bald wieder zurück in die Atmosphäre: Die Pflanzen geben das Wasser aktiv ab oder es verdunstet von ihrer Blattoberfläche. Mit den vorherrschenden Winden gelangt die Feuchtigkeit immer weiter nach Westen, tiefer in das Amazonasbecken hinein und bis an die Abdachung der Anden - eigentlich die nasseste Region des Amazonasregenwaldes. Die gravierende Abholzung im Osten Brasiliens stört diesen Prozess, denn Rinderweiden und Sojafelder halten weniger Wasser zurück, es fließt mehr oberflächlich ab und verdunstet weniger - dem System wird Feuchtigkeit entzogen.
  • Auch wenn die Brandrodung in Brasilien in den letzten Jahren zurückging: Immer noch gehen jede Saison tausende Quadratkilometer Wald und Buschland in Flammen auf. Dichter Ruß verhindert aber zusammen mit zahlreichen weiteren Aerosolen die Wolkenbildung. Der Wasserdampf sammelt sich zwar an sehr vielen kleinen Partikeln , doch das unterbindet das Tropfenwachstum - und der Regen bleibt aus. Dadurch entsteht ein Teufelskreislauf, denn die Trockenheit verleitet Landwirte erst recht zum Zündeln. Ersten Daten zufolge brannten dieses Jahr wieder mehr Feuer in Brasilien, aber auch in Peru und Bolivien.
  • Großräumige Wetter- und Meereskonstellationen leisten ebenfalls ihren Beitrag: Wie auch 2005 liegen die Wassertemperaturen im subtropischen Nordatlantik dieses Jahr wieder überdurchschnittlich hoch und fördern die Hurrikanentwicklung dort (auch wenn wenige Wirbelstürme in die Karibik und den Golf von Mexiko medienwirksam vorgedrungen sind, so bildeten sich auf dem offenen Meer sehr viele intensive Tropentiefs). Sie saugen feuchte Luftmassen regelrecht an und lenken regenschwere atmosphärische Strömungen von ihrem Kurs nach Amazonien ab und hinaus auf den Ozean. Auch El Niño im Pazifik spielt eine Rolle, der erst im Laufe des Sommers ausklang und durch seine kalte Schwester La Niña ersetzt wurde - beide beeinflussen die großräumige Luftzirkulation über Pazifik und Atlantik. El Niño sorgt für die normale regelmäßige Trockenzeit in Teilen Amazoniens, die dieses Jahr aber erneut ungewöhnlich heftig ausgefallen ist. Normalerweise gehen die Niederschläge während der Trockenzeit nur zurück, fehlen aber nicht komplett.
  • Spielt der Klimawandel schon eine Rolle? Diese Frage lässt sich noch nicht sicher beantworten - in ihren Modellen beobachten Klimatologen allerdings immer wieder dieses Szenario und einen austrocknenden Amazonasraum. In dessen Folge stirbt der Regenwald großflächig ab (unterstützt durch Abholzung für die Landwirtschaft) und wird durch eine Art Savanne ersetzt. Wie widerständig sich das Ökosystem erweist, weiß niemand. Einzelne starke Dürrejahre kann der Wald offensichtlich verkraften, wie das Jahr 2005 angedeutet hat: Damals steigerte sich die Fotosyntheserate angeblich noch, da die Bäume wohl über ihre Wurzeln tiefere Wasserreserven anzapfen konnten. Andere Forscher bezweifeln dieses Ergebnis allerdings stark. An längere Dürren sind die meisten Arten ohnehin definitiv nicht angepasst.
Mittlerweile entspannt sich die Situation im Regenwald wieder etwas: Heftige Regenfälle haben mit Beginn der normalen Regenzeit Anfang November eingesetzt. Bis die Flüsse wieder ihren normalen Pegel erreichen werden, dürfte es aber noch 3 bis 4 Wochen dauern. Eines scheint damit schon jetzt klar: Verglichen mit früheren Jahrzehnten häufen sich die Extremereignisse am Amazonas, denn erst 2009 kam es in der gleichen Region während der Regenzeit zu extremen Fluten, die Dutzenden Menschen das Leben kosteten und Hunderttausende obdachlos machten. Der Not- wird offensichtlich zum Dauerzustand in Amazonien.

 



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Facing Extinction: Was die Libenspornlerche über Entwicklungsfehler lehrt

25. Oktober 2010, 22:16

 Mindestens 150 Vogelarten sind seit Anbeginn der Moderne weltweit ausgestorben - doch erstaunlicherweise existierte keine davon auf dem afrikanischen Kontinent: Bislang blieb das festländische Afrika von diesen traurigen Ereignissen verschont. Ähnlich wie die pleistozäne Megafauna hier erhalten blieb, weil sich große Säugetiere zusammen mit dem modernen Menschen entwickeln und ihn fürchten lernen konnten, während ihre Verwandten in Europa, Nord- und Südamerika, Australien und vielen Inseln rasch verschwand, sobald Homo sapiens dort auftauchte.

Nun droht allerdings der erste Verlust der afrikanischen Avifauna: die Libenspornlerche (Heteromirafra sidamoensis) - eine der stammesgeschichtlich ältesten Lerchenarten. Sie existiert nur auf einem rund 35 Quadratkilometer großen Verbreitungsgebiet auf dem Liben-Hochplateau im Süden Äthiopiens, und ihr Bestand umfasst wohl deutlich weniger als 250 Individuen. Der urtümliche Singvogel besitzt damit eines der kleinsten Verbreitungsgebiete von Vogelarten mit einer der kleinsten Populationen. Für ihr Überleben benötigt sie Grasland, dessen Bewuchs nicht höher als 15 Zentimeter sein sollte - kurze Vegetation, kahle Stellen oder verbuschte Areale meidet sie beziehungsweise bringen die nistenden Weibchen in Gefahr, weil sie dort leicht von Nesträubernetdeckt werden.

Jahrhundertelang stellten diese Ansprüche kein Problem für die Lerchen dar, und sie existierten im Einklang mit den örtlichen Borana-Nomaden, die auf dem Liben-Plateau ihre Herden grasen ließen - in einem der produktivsten Grasländer ganz Afrikas: Im Rahmen des so genannten Geda-Systems, ein gemeinschaftliches Weide-"Management", trieben die Hirten ihre Rinderherden Regenfällen hinterher und vermieden sorgfältig, dass die Vegetation überweidet wurde. Nun stehen Lerche, Geda-System und Grasland gleichermaßen vor dem Ende.

Wie konnte es dazu kommen? Schuld daran ist wie so oft eine Kombination aus gut gemeinter, aber schlecht umgesetzter Entwicklungshilfe und das Bestreben eines Staates, seine wandernden Völker sesshaft zu machen, um sie besser kontrollieren zu können - die Borana überquerten im Rahmen ihrer Transhumanz immer wieder auch die Grenze nach Somalia, einem Erzfeind von Äthiopien. Die Regierung legte daher in den zentralen Bereichen des Liben-Plateaus Wasserstellen an, in deren Umfeld sich die Hirten nun dauerhaft niederließen und ihre Herden vergrößerten. Außerdem wurde Land, das bislang gemeinschaftlich beweidet wurde, an Privatpersonen und Firmen verkauft, die es in Ackerland umwandelten.

In der Folge wurde das Vieh im verbleibende Weideland zusammengedrängt: Überweidung und Trittschäden ruinierten die Vegetation - statt der ertragreichen langen Gräser wuchsen immer kurzstängelige Sorten. Und in den am heftigsten abgefressenen Arealen machten sich Akazienbüsche und wilder Fenchel breit, ein Weideunkraut, das von den Rindern gemieden wird - mit der Folge, dass sich noch mehr Vieh auf noch kleineren Flächen drängen musste. Im Dürrejahr 2009 machten sogar Nachrichten die Runde, dass Hirten aus dem benachbarten Kenia 200.000 Rinder Richtung Liben-Plateau trieben, um ihre Tiere dort mit den vorhandenen Weiden und Wasser zu retten. Diese Megaherde, die das Grasland, die Borana und die Lerche wohl endgültig zerstört hätte, schaffte es dann doch nicht so weit - die Gefahr droht angesichts von Klimakapriolen in der Region weiterhin.

Die Fehlentscheidungen ruinierten nicht nur die Libenspornlerche, sondern sorgten ebenso dafür, dass der Milchertrag in der Region um 98 Prozent zurückging. Außerdem verärgert es die Hirten, dass ihr kommunales Land mehr und mehr an Städter verschachert wird, die stattdessen dort bewässerte Landwirtschaft betreiben, von der die Borana nichts haben.

Deshalb - und das ist die gute Nachricht - sind die Hirten Schutzmaßnahmen von Organisationen wie Birdlife International sehr aufgeschlossen. Sie stimmten zu, als es darum ging, ausgewählte Bereiche einzuzäunen, damit sich dort das Gras regenieren kann. Doch drastischere Einschnitte sind womöglich nötig: Umpflügen und Einsaat von heimischen Grassorten, um den zusammengetrampelten, verdichteten Boden wieder aufzubereiten. Und: Die Borana sind sehr stolz auf "ihren"Vogel, den es nur hier und sonst nirgendwo auf der Welt gibt - und nur wenn er überleben kann, hat auch ihre Kultur eine Chance aufs Überleben: Das ist ihnen sehr bewusst.

 

PS: Manch einer mag nun fragen, was ein Graslandvogel in einem Blog über Wälder macht. Die Libenspornlerche ist ein gutes Beispiel, wie verheerend sich oft gut gemeinte Entwicklungsprojekte auswirken, wenn man die Menschen vor Ort nicht einbezieht - ein Problem, das sich weltweit in vielen Waldökosystemen tagtäglich zeigt. Für die Lerche ist es 1 vor 12, etwas Öffentlichkeit tut ihr gut. Wer ihr helfen mag, kann dies im Preventing Extinctions Program von Birdlife International tun. Das sehr gute Buch "Facing Extinctions" von Paul E. Donald und Kollegen stellt neben der Lerche noch mehr Kandidatenvor, die dringend Schutz benötigen.



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Fingerzeig in Brasilien

05. Oktober 2010, 08:47

Brasilien ist auf dem Weg zu einem politischen, wirtschaftlichen und auch gesellschaftlichen Giganten: Die Ökonomie wächst rasant, durch die Weltwirtschaftskrise kam sei weit gehend unbeschadet. Das Land ist ein Agrarriese, (Ex-)Staatspräsident Lula da Silva genießt weltweit Anerkennung und vermittelt sogar im Nuklearkonflikt mit dem Iran. Und 2014 und 2016 richtet die Nation die Fußballweltmeisterschaft beziehungsweise die Olympischen Spiele aus.

Damit sollte die Wiese eigentlich gemäht sein für die von Lula als seine auserkorene Nachfolgerin auserkorene Dilma Roussef. Da Lula nach zwei Amtszeiten nicht mehr kandidieren darf, sollte die Ex-Guerillera, frühere Energieministerin und jetzige Kabinettschefin in den Präsidentenpalast in Brasília einziehen. Ihrem Gegenkandidaten, dem konservativen Oppositionschef Jose Serra, wurden nur geringe Chancen auf einen Wechsel eingeräumt.

Beide hatten allerdings die Rechnung ohne die Grüne Marina Silva gemacht: Die ehemalige Umweltministerin der Regierung Lula hatte am 13. Mai 2008 ihr Amt niedergelegt, um damit gegen Lulas rücksichtslose Umweltpolitik zu protestieren - gegen ihren Willen waren immer wieder riesige Wasserkraftwerke (etwa Belo Monte) in Amazonien genehmigt worden, obwohl sie gravierende Schäden am Regenwaldökosystem hinterlassen dürften und tausende Menschen von ihrem Land vertrieben werden müssten.

Nach ihrem Rücktritt schloss sie sich der Grünen Partei des Landes an - und zog für diese nun in den Präsidentschaftswahlkampf. Mit einem sensationellen Erfolg: Aus dem Stand heraus errang sie am 3. Oktober knapp 20 Prozent und zwingt damit nun Roussef und Serra in eine Stichwahl um das höchste Staatsamt.In Rio de Janeiro landete sie sogar auf dem zweiten Platz vor Serra, und in den dicht besiedelten und relativ wohlhabenden südlichen Provinzen wie Minais Gerais und in Städten wie Sao Paulo und Belo Horizonte erzielte sie weit mehr als 20 Prozent der Stimmen.

Sie spielt damit nun das Züngleich an der Waage - und die anderen Kandidaten müssen mehr auf ihre Themen eingehen, unter denen der Schutz des Amazonasbeckens ganz weit vorne regiert (ein Teil der Stimmen geht allerdings wohl auch auf ihr striktes Nein zu Abtreibungen und gleichgeschlechtlichen Ehen zurück, das der zum Protestantismus bekehrten ehemaligen Katholikin die Stimmen vieler evangelikaler Christen eingebracht haben könnte). Immerhin weiß Marina Silva aus eigener Anschauung, wie rücksichtlos die Landnahme im Regenwald abläuft: Sie stammt aus der winzigen Kautschuksammlersiedlung Breu Velho im Bundesstaat Acre und war als Kind selbst Kautschuksammlerin - eine naturschonende Nutzung der Ressourcen des Regenwaldes, die durch die Abholzung bedroht ist.

Sie war Weggefährtin von Chico Mendes, der sich sich sehr für den Schutz seiner Heimat und Lebensweise eingesetzt hat - und 1988 deswegen von einem Großgrundbesitzer und dessen Sohn ermordet worden war. Während ihrer Amtszeit gelang es ihr zudem, dass rund 240.000 km² Regenwald unter Naturschutz gestellt und etwa 100.000 km² als Indianerschutzgebiete ausgewiesen wurden.

Nun hängt es auch von Marina Silva, wer nächster Präsident des Boomstaats Brasilien wird. Lulas Nachfolger sollte Silvas 20 Prozent jedenfalls als Fingerzeig nehmen - und Brasiliens Wachstum umweltfreundlicher gestalten: Mit Feuer und Axt allein schafft man es wohl nicht mehr in den Präsidentenpalast.



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