Palmölkerzen von Ikea - Wohnst du noch oder brennst du schon?
von Klaus Schenck, 17. Februar 2010, 02:48
Der
schwedische Möbelhaus-Konzern Ikea zählt zu den größten
Verkäufern von Kerzen und Teelichtern in Deutschland und der
Europäischen Union – nicht zuletzt dank günstiger Preise.
Doch die billigen Kerzen haben ihren Preis: Statt teurer Rohstoffe
verwendet Ikea günstiges Palmöl, für dessen Anbau in
Malaysia, Indonesien, Papua Neuguinea, Kamerun oder Kolumbien
die Regenwälder gerodet und durch Palmölmonokulturen ersetzt werden.Die Zerstörung des Regenwaldes nimmt Ikea für seine Billigkerzen in Kauf. Gegenüber der Umweltorganisation "Rettet den Regenwald" bestätigte der Konzern, eine Nachhaltigkeit der Produktion nicht garantieren zu können. Zu einem Stopp des Palmöl-Einsatzes hat dies aber bisher nicht geführt. Ganz im Gegenteil: Pro Jahr verbraucht Ikea bereits 32.000 Tonnen allein für die Herstellung seiner Kerzen, für andere Produkte kommen noch einmal 8.000 Tonnen hinzu.
Dass der Palmöl-Einsatz im klaren Gegensatz zu Ikeas selbst gesetztem Ziel des verantwortungsvollen Handelns steht, stört den Konzern offensichtlich nicht weiter. Palmöl wird verwendet, auch wenn die Anbaupraxis weder umwelt- noch sozialverträglich ist. Ikea ist wie viele andere Firmen Mitglied des „Runden Tischs für Nachhaltiges Palmöl RSPO und benutzt wie viele Palmöl-Hersteller und -Konsumenten die Mitgliedschaft beim Runden Tisch allein als Beweis für die eigene Umweltfreundlichkeit.
Doch das Industriesiegel ist kaum mehr als ein Etikettenschwindel, der weder Umweltschutz noch soziale Standards noch Klimaschutz garantiert. Das selbst „RSPO-zertifizierte“ Palmölfirmen weiterhin Regenwälder roden und Torfmoorgebiete für immer neue Palmöl-Plantagen trockenlegen, wies bereits Greenpeace beim ersten erteilten „Zertifikat“ nach. Bereits im Oktober 2008 haben 256 Umwelt- und Sozialorganisationen aus aller Welt RSPO als „Greenwashing“ abgelehnt. Eine Online-Protestaktion von "Rettet den Regenwald", an der bereits über 17.500 Unterstützer teilnahmen, stößt bei Ikea bislang auf taube Ohren. Auf Nachfrage der Umweltorganisation reagierte das Unternehmen nur mit Standardfloskeln. Der Protest geht darum weiter.
Mit seiner Marktposition hätte Ikea durchaus die Möglichkeit, ein wichtiges Zeichen gegen die Verwendung von Palmöl zu setzen. Doch bislang scheint in dem Unternehmen kein tieferes Problembewusstsein zu existieren. Da bleibt nur noch zu hoffen, dass Ikea ein Licht aufgeht, bevor der letzte Regenwald in Rauch aufgeht.
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In meiner Erinnerung ist Paraffin immer noch günstiger als Stearin, liege ich da so verkehrt?
Haben Sie eigentlich auch eine verlässliche Quelle für die Zahlen, die Sie genannt haben? Denn die Zahlen findet man ja recht häufig im Internet, aber ich habe bisher noch keine Quellenangaben gesehen.
Kostet die Mitgliedschaft an dem genannten runden Tisch eigentlich auch noch Geld? Oder gibt es das vermeintlich reine Gewissen zum Nulltarif? Und was macht dieser runde Tisch genau?
Bei dem letzten Link, den Sie gesetzt haben, ist übrigens etwas schief gegangen.
Hall Herr Köhn,
danke für den Hinweis, ich habe den Link ausgebessert.
Daniel Lingenhöhl
Soweit ich weiss ist Palmöl auch deshalb so beliebt weil man pro Quadratmeter Anbaufläche eine große Menge Öl ernten kann. Damit gehört Palmöl zu den flächenschonendsten Ölen. OK, meinetwegen wird es auf den falschen Flächen angebaut (zumindest teilweise). Glauben Sie dass diese Flächen Urwald geblieben wären wenn es kein Palmöl gäbe? Ich glaube da würde dann einfach etwas anderes angebaut.
Undifferenzierter Palmöl-Boykott ist imho ganz deutlich der falsche Weg. Wenn schon dann sollte gezielt boykottiert werden gegen das Palmöl welches auf den "falschen" Flächen angebaut wurde. Der Flächen-Raubbau muß attackiert werden, nicht die Pflanzen die dort zufällig grad angebaut werden (weil sie eben eine gute Rendite bringen).
Hallo Herr Köhn,
wir haben zu den Preisen für Paraffin und Stearin einen kompetenten Insider gefragt:
Paraffin: ca. 900 – 1100 € pro Tonne frei geliefert
Palmöl: ca. 750 – 850 €
Bzgl. Zahlen von Ikea nachfolgend die Antwort der Firma auf unsere Anfrage:
-------- Mensaje original --------
Asunto: RE: IKEA candles from palm oil
Fecha: Wed, 3 Feb 2010 14:58:47 +0100
De: IKEA Deutschland Presse
Para: berlin@regenwald.org
Sehr geehrter Herr Schenk,
unsere Kollegen aus Schweden haben uns folgende Antworten weitergeleitet:
1) How many tons/year of palm oil are used for IKEA candles?
We are in the process of mapping our palm oil use and our initial calculations have shown that we use approximately 40,000 tonnes of palm oil per year in all of our products. Of this 32,000 tonnes is used for candles. We recognise the importance of assessing and securing that the cultivation and harvesting of palm oil follows sustainable principles.
2) Where does the palm oil come from?
Most of the palm oil is purchased from Malaysia and Indonesia. We are currently in the process of mapping the use of palm oil in our products and working to set up guidelines, goals and a system of tracing palm oil back to its source.
3) Which companies supply the palm oil used by IKEA?
For competitive reasons IKEA does not name our suppliers.
4) How does IKEA guarantee that the palm oil used does not come from rain forest destruction, eviction of local people etc?
IKEA can unfortunately not guarantee that all the palm oil used in our products is sustainable. Today, some of our candles are made from certified palm oil and our long term goal is that all palm oil in our products will be certified. Furthermore, IKEA requires that suppliers of palm oil be members of the Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO).
IKEA actively supports the established requirements of the RSPO and strives to implement them throughout our entire supply chain. As a condition of RSPO membership, we submit an annual report outlining our strategy and progress for sustainable palm oil.
To read more about our sustainability work please see the IKEA Sustainability Report 2008 at http://www.ikea.com/...ad_our_material/index.html.
Mit freundlichen Grüßen,
Kai Hartmann
IKEA Deutschland GmbH & Co. KG (Hauptniederlassung)
Public Relations
Kai Hartmann
Am Wandersmann 2-4
65719 Hofheim-Wallau
E-Mail: kai.hartmann@ikea.com
Tel.: +49(0)6122/585 4473
Fax.: +49(0)6122/585 4121
-----Original Message-----
From: "Rettet den Regenwald e.V. - Büro Berlin" [mailto:berlin@regenwald.org]
Sent: den 28 januari 2010 15:46
To: Ann-Kristine Nilsson
Cc: Rettet den Regenwald e. V.
Subject: IKEA candles from palm oil
Dear Mrs. Nilsson,
your company IKEA sells huge quantities of candles in Ikea stores and these candles are all made from palm oil.
The increasing worldwide use of palm oil provokes very serious and negative effects for people, environment and climate.
Local populations (peasants, indigenous people) are evicted from their (ancestral) land for new plantations, human rights are violated.
Excessive use of pesticides and fertilizer on the agroindustrial oil palm monocultures contaminates people, drinking water and environment, etc.
For production of palm oil and establishment of oil palm plantations huge areas of rain and peat forests are destroyed, especially in Southeast Asia, but also in Africa and Latin America (Colombia).
Further, huge amounts of carbon are liberated and heat massively global warming.
Please, we would like to know immediately how many tons/year of palm oil are used for your candles, from where and which companies Ikea purchases the oil palm, and how does Ikea guaranty that the palm oil does not come from rain forest destruction, eviction of local people, etc.?
Many thanks, best
Klaus Schenck
--
Klaus Schenck, Forest campaigner
Rainforest Rescue, Office Berlin, Germany
Phone: ++49-30-51 73 68 79
E-mail: berlin@regenwald.org
http://www.rainforest-rescue.org
RSPO ist ein Verein und die Mitgliedschaft kostet sicher etwas, ich weiß aber nicht wie viel.
Genau, da der Beitrag nach meiner Einschätzung minimalst für Ikea ist, gibt es das "reine Gewissen" zum Nulltarif.
Wie im Fall Ikea (aber auch bei Unilever 1,6 Mio. t/a Palmöl, Henkel 85.000 t/a, usw.) dient das Industriesiegel RSPO als Etikettenschwindel und als Alibi, hinter dem man sich wunderbar verstecken und weiterhin massenhaft billiges Palmöl verbraten kann.
Hallo Arnd,
Palmöl ist das billigste Pflanzenöl und das ist meiner Meinung nach für die Firmen das ausschlagende Argument. Hier die Preise der letzten Jahre im Vergleich zu Raps und Sojaöl:
http://www.storimpex.de/...torimpex_preisindex.pdf
Für mich zählen die Fakten und nach Dutzenden von Studien ist Palmöl zusammen mit der Holzindustrie (meist handelt es sich um die gleichen Konzerne) der Regenwaldvernichter Nr. 1 in Südostasien.
In der langen und komplizierten Transport- und Verarbeitungskette wird sämtliches Palmöl zusammengemischt. Eine Trennung von "gutem" und "schlechtem" Palmöl ist deshalb unmöglich. RSPO bedient sich eines Massenbilanzsystems (book and claim). Wer RSPO-Palmöl kauft, erhält in der Lieferung einen winzigen Anteil (1,5%) "zertifizierten" Palmöls und fast ausschließlich (98,5%) nicht zertifiziertes Palmöl. Ganz abgesehen davon roden auch die zertifizierten Hersteller munter weiter...
Ok. Nun schaffen wir Palmöl ab. Glaubst du ernsthaft das hilft auch nur einen Quadratmeter Regenwald erhalten? Dann werden die Leute eben die Nummer 2 in der Profitreihenfolge anbauen. Der einzige Effekt ist ein Anstieg der Pflanzenölpreise.
Regenwald-Schutz muss in erster Linie im Regenwald stattfinden.
Ich danke Ihnen für die ausführliche Antwort! Auch der Abdruck der Antwort von IKEA selber ist sehr interessant, denn die sollten ihre eigenen Zahlen ja kennen (wir gehen mal davon aus, dass hier die Wahrheit gesagt wird ;-) )
@Arnd:
Das Totschlag-Argument schlechthin: "Ich alleine kann doch eh nix bewirken" oder "Wenn ich's nicht mache, dann macht's halt ein anderer".
Ansonsten stimme ich Ihnen natürlich zu, dass Regenwaldschutz im Regenwald stattfinden muss, aber eben nicht nur dort.
Niemals wollte ich bei Ikea Kerzen kaufen und habe es auch nie getan. Und niemals hatte ich eine rationale Begründung dafür. Es war einfach nur ein Gefühl. Tja, jetzt habe ich einen wirklich sehr guten Grund bekommen, es auch weiterhin zu lassen...und unseren, zugegeben nicht all zu hohen Kerzenbedarf weiterhin bei der symphatischen Drogerie mit den beiden Buchstaben zu kaufen. Aber sogar Kerzensparen hilft dem Regenwald - das möchte ich nicht mehr vergessen!
@arnd
Wie sollen wir in den Industrieländern es denn schaffen, den Regenwald vor Ort zu schützen? Ein ökologisch orientiertes Verbraucherverhalten kann unglaublich viel bewegen...
Dieser Artikel ist sehr informationsreich, jedoch würden wir gerne mehr über die Verwendung der Kerzen wissen. Gibt es diese auch mit Kokosnussduft?