„Ist besser, was teurer ist? Oder nur blöd?“

30. Januar 2013 von Gunter Dueck in Allgemein

„Nimm lieber das Teure, das muss mehr Qualität haben“, so sprachen meine Eltern. „Mit Billigem fällt man in der Regel herein. Es ist sinnlos, billiger davon kommen zu wollen. Was nichts kostet, ist nichts wert.“ Meine Eltern mussten von einer kargen Rente leben, aber sie kauften immer die höhere Qualität, die sie im Preis angezeigt fanden. „Da weiß man, was man hat!“ [Persil, VW] Heute braucht man fast das ganze Internet, um zu wissen, ob drin ist, was draufsteht.

Im ersten Semester Betriebswirtschaftslehrestudium hatte ich ein ganz, ganz großes Aha-Erlebnis. Das gebe ich ja zu. Wir mussten eine Frage beantworten.
Ein kleiner deutscher Betrieb stellt im Monat 10.000 Einheiten X her. Die Herstellung einer Einheit X kostet 4 Euro, sie wird für 5 Euro verkauft. Nun kommt eine Großanfrage aus Italien. Jemand möchte 40.000 X kaufen, er bietet 3,50 Euro (!) pro Einheit – nicht etwa 5 Euro. Frage: Was antworten wir denen aus Italien?
Unsere erste Reaktion war: Blöd, geht ja nicht, wenn die Herstellungskosten 4 Euro sind und der italienische Kunde nur 3,50 Euro bezahlen will. Wo bliebe da ein Gewinn? Einfach, oder? Das wusste ich intuitiv sofort und auf der Stelle. Und später dann mein roter Kopf – huiih, war ich aber dumm. Wir mussten nämlich nachrechnen.

Der Betrieb machte bei 10.000 Einheiten im Monat 50.000 Euro Umsatz, davon waren die meisten Kosten fix, nämlich die Maschinen, das Gehalt des Geschäftsführers und der Verwaltungskraft, die Miete für die Fertigungshalle, Licht, Heizung usw. Sie machten allein 25.000 Euro aus. Das reine Herstellen von 10.000 Einheiten X (Materialeinsatz, Geld für die Facharbeiter) kostete 15.000 Euro – das sind 1,50 Euro pro Einheit X.
Wir lernten, dass es fixe Kosten und variable Kosten gibt. Die „fixen Kosten“ sind „eh weg“, die variablen Kosten fallen nur bei der Produktion an.
Merken Sie es jetzt auch? Wenn man einfach mehr Material einkauft und einen Monat Nachtschichten fährt und damit die Maschinen voll auslastet, dann ergibt das Angebot aus Italien ein Bombengeschäft. Man hat 1,50 als Kosten pro Einheit – ach, etwas mehr, weil man doch die Maschinen häufiger warten muss und Nachtzuschläge an die Fachkräfte zahlt. Sagen wir: Man hat 2 Euro Kosten pro Einheit und bekommt 3,50 Euro zurück, auch nicht ganz, weil mehr Fracht anfällt – ich will hier nicht zu detailliert werden. Sie sehen aber: Es ist ein glänzender Deal!
Und ich habe mich damals für meine erste Antwort „doof, oder?“ furchtbar geschämt.

Wussten Sie das? Na, heute versteht man das wohl besser: Wenn die Auslastung der Produktionseinheiten steigt, kann man viel billiger produzieren. Klar. Jetzt kommt aber noch ein feiner Punkt, den wir damals wiederum allesamt übersahen. Dieser feine Punkt ist heikler. Der Auftrag kam aus Italien! Nicht aus Deutschland! Was wäre, wenn er aus Deutschland gekommen wäre? Da lernten wir, dass wir auf einen solchen Deal auf keinen Fall eingehen sollten, denn „das macht die Preise kaputt“. Italien ist okay, weil das weit weg ist (oder damals war). Verstehen Sie jetzt, warum deutsche Autos im Ausland oft billiger sind? Man lastet besser aus, und die billigen Autos sind weit weg.

Jetzt kommt die nächste Idee der Betriebswirtschaft. Sie heißt: „Italien ist überall.“ Wenn ein Betrieb zum Beispiel Supersuperlebkuchenherzen herstellt, die allerleckersten, die in Italien leider nicht nachgefragt werden, dann kann er die Lebkuchenherzen trotzdem in großen Stückzahlen herstellen und die Produktionsstückkosten senken, indem er nur die „echten“ Herzen zu 5 Euro pro Kilo verkauft und die anderen zu 3,50 Euro unter einem ALDI- oder LIDL-Namen, unter JA! oder „Gut und Günstig“, unter „unblöd“ oder „geizgeil“. Dadurch steigt der Gewinn des Lebkuchenherzenbetriebes unermesslich! Die echten und die billigen Herzen sind durch die Verpackung unterschieden, der Kunde muss denken, dass die Herzen für 3,50 Euro auch nur 3,50 Euro wert sind – und der Kunde zu 5 Euro muss fühlen, dass er Herzen zu 5 Euro isst. In dieser Weise ist alles gut. Statt „nach Italien“ ist das Produkt unerkannt ins Billigsegment exportiert.

Leider ist das Internet so global geworden, dass man mit dieser Masche nicht mehr bei allen Kunden durchkommt. Es sickert langsam durch, dass die Herzen und Zimtsterne bei ALDI & Co. baugleich sind. Jetzt beginnen wir Kunden, nur noch Lebkuchenherzen für 3,50 das Kilo zu kaufen und patsch! bricht der „Markenhersteller“ voll ein – und nicht nur dieser! Er zieht alle anderen Markenhersteller mit. Es geschieht genau das, was uns im ersten Semester beigebracht wurde: Man darf den Markt nicht „versauen“.
Im Internet war von Bahlsens Produktionsstopp zu lesen: „Der Markt für Herbstgebäck wachse kaum und werde von Handelsmarken dominiert, teilte Bahlsen zur Begründung mit. ‚Dies führt zu einem starken Preisdruck und zu einer nicht zufriedenstellenden Ertragssituation.‘“
Und weiter hieß es: „Unangefochtener Spitzenreiter ist der Aachener Printenspezialist Lambertz, der Saisonware sowohl unter eigenen Marken wie auch unter denen der Handelskonzerne verkauft.“
Sehen Sie? Einer der Hersteller geht auf „Italienstrategie“ und hat Erfolg, dann kaufen wir alle nur noch „Handelsmarken“ und alles geht seinen betriebswirtschaftlich klar berechenbaren Niedergang.

Wir Kunden sehen das jetzt überall – überall! Markenware gibt es unter Zweitlabels unter Umständen viel billiger verkauft. Wir fühlen uns übers Ohr gehauen. Wir werden misstrauisch. Was ist noch wahrhaft gute unimitierte Markenware? Nutella, Hermès oder Apple? Überall wimmelt es von Geklontem, selbst bei Persil schauen wir skeptisch, ob nicht Spee dasselbe ist (ist es nicht, aber glauben wir das?). Wir kommen uns blöd vor. Wir wissen nicht mehr, ob wir als Markenkäufer für dumm verkauft werden. Der Preis war für meine Eltern ein Indiz für Qualität. Heute ist das Bezahlen eines hohen Preises unter Umständen ein Maß für – na, für Blödheit oder eben Uninformiertheit. Und wir werden noch viel misstrauischer, wenn uns der Elektromarkt, bei dem man ja gemäß seiner Werbung gefühlt nie blöd war, jetzt in der neuen Werbung klarmachen muss, dass er nun wirklich tatsächlich und „idealo.de“-faktisch zu bestimmten Sonderangebotsmomenten echt billiger ist! Hey, war das denn nicht früher immer so?

Die Marken implodieren nun langsam alle, indem sie dem Weg der Massenproduktion für Zweitmarken erliegen. Die armen Hersteller! Und wir bekommen am Ende, weil ja sonst die Wirtschaft stirbt, wirklich nur 3,50 Euro für das, wofür wir 3,50 bezahlen – also schlechtere Qualität. Die Todesspirale dreht sich. Die Welt trudelt in ein neues Gleichgewicht. Immer schlechtere Produkte werden zu einem billigeren Preis hergestellt. Immer mehr wird gefaket und vermischt. Im Gleichgewicht bekommen wir nicht mehr die feinen Produkte, die wir eigentlich wollen, und die Hersteller machen nicht das Geschäft, womit sie gut leben können. Alle werden wir unzufrieden, Kunden und Wirtschaft. Dieser Zustand ist heute schon gut erreicht. Wir haben keine Inflation, weil es ja nur noch 3,50 Euro kostet, aber wir sind alle unzufrieden.

Haha, ich habe in meinem Studium in Volkswirtschaftslehre gelernt, dass im Gleichgewicht alle Marktteilnehmer zufrieden sind! Das erledigt nämlich angeblich die „Unsichtbare Hand des Marktes“ für uns, die Adam Smith vor so 250 Jahren gesehen haben will! „Wenn alle das Beste für sich selbst tun, kommt insgesamt das Beste für alle heraus!“ Hab‘ ich echt gelernt! Kann auch stimmen, aber wenn nun alle Hersteller gegen das verstoßen, was in BWL für Anfänger gelehrt wird, nämlich Sonderangebote nur sehr weit weg zu erlauben? Was, Ihr VWLer, kommt heraus, wenn alle etwas Dummes tun?

Ach, Adam Smith! Euer Gnaden haben wahrscheinlich mit einem Schreibfehler die Menschheit versaut! Ich glaube, es muss heißen (und so wird es Adam Smith auch gemeint haben):

„Wenn alle das Vernünftigste für sich selbst tun, kommt für alle etwas Vernünftiges heraus.“

So könnte es stimmen. Lasst uns das dem Management und der Politik erklären. Bisher glaubt man irgendwie, dass es MÖGLICH ist, dass alle Marktteilnehmer egoistisch handeln. Kann sein. Dass aber alle das Vernünftigste tun, ist ein nicht so ohne weiteres möglicher Zustand. Weil dieser feine Unterschied nicht erkannt wird, krankt die Welt. Ist es ein MÖGLICHER Zustand der Welt, in dem dieser Unterschied erkannt wird? Schiller fällt mir ein:

„Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“

Oder nach Goethe:

„Dass ein großes Werk misslinge, genügt ein dummes Stück auf tausend gute Dinge.“

Wird die Welt von Leuten bedroht, die „Einführung in die Betriebswirtschaftslehre“ nur mit halber Punktzahl bestanden haben?


11 Kommentare zu “„Ist besser, was teurer ist? Oder nur blöd?“”

  1. Peter Hofmann Antworten | Permalink

    Kommentar

    Das letzte Warenkundebuch Deutschlands wurde 1968 aufgelegt.

  2. Hans Antworten | Permalink

    Auch wenn die Frage am Schluss wohl eher rhetorisch gemeint ist, glaube ich dennoch, dass es teilweise so ist.
    Ein weiteres Problem ist meiner Ansicht nach, dass eine Theorie der BWLer (für die auch gerne mal der Herr Smith mit verantwortlich gemacht wird) von vielen (vor allem deutschen) Ökonomen schon beinahe wie eine Religion behandelt wird. Die sagen dann: "Man muss einfach glauben, das etwas so ist, wie die Theorie es will. Und wenn die Wirklichkeit nicht mit der Theorie überein stimmt, dann müssen wir die Wirklichkeit eben an die Theorie anpassen!" - Also genau das Gegenteil von Naturwissenschaft, wo man versucht die Theorie an die Wirklichkeit anzupassen.

  3. Dr. Webbaer Antworten | Permalink

    Vernünftig vs. das Beste

    Bisher glaubt man irgendwie, dass es MÖGLICH ist, dass alle Marktteilnehmer egoistisch handeln. Kann sein. Dass aber alle das Vernünftigste tun, ist ein nicht so ohne weiteres möglicher Zustand. Weil dieser feine Unterschied nicht erkannt wird, krankt die Welt.

    Die Welt krankt ja nicht, wie Sie vielleicht auch wissen, jedenfalls nicht relativ, nicht wenn man mal schaut wie es noch vor einigen Jahrzehnten gewesen ist. Und der Grund dafür ist die steigende Produktivität in "alten", der westlichen Aufklärung, verpflichten Ländern, und in den Developing Countries, die vielleicht nicht verstanden haben, was Aufklärung eigentlich ist, die aber verstanden haben, dass Planwirtschaft nicht hilfreich ist und dass den Produzierenden eine gewisse Freiheit zu lassen ist: eben das Beste für sie selbst zu tun.

    Womit wir bei der Vernunft wären, das individuell Beste ist aufsummiert, auf eine Volkswirtschaft bezogen und im Sinne von Adam Smith die "unsichtbare Hand", aber was ist die Vernunft?

    Korrekt!, die Vernunft ist die Bürokratie, der Administrationismus, das wirtschaftlich eingreifende Verwaltungswesen, das dem natürlichen wirtschaftlichen Miteinander erst Vernunft einhaucht.

    Und darum brauchen es Leute wie Sie, oder auch nicht.

    MFG
    Dr. W

  4. Gunter Dueck Antworten | Permalink

    @ Hans

    Genau! Das tut übrigens die Erziehung, Schule etc auch so, oder? Wenn die versagen, ist mangelnde Anpassung des Erziehungsobjektes Schuld...

  5. Dr. Webbaer Antworten | Permalink

    @Dueck

    Wenn Sie gerade noch dran sind: Erklären Sie doch mal ad hoc, wie I.E. der 'krankenden Welt' oder Wirtschaft Vernunft eingehaucht werden könnte? In wessen Sinne und wie genau?

    MFG
    Dr. W

  6. Gunter Dueck Antworten | Permalink

    @ Dr. Webbaer

    Na, in "Skandinavien" scheint so etwas zu gehen, die Kultur des "Vorteilsstrebens" muss ein bisschen mehr auf "Beitragen zum sozialen Umfeld" umgebogen werden, was natürlich wohl ein/zwei Generationen Neuerziehung verlangt. Rückbesinnung auf mehr europ. Kultur. Das Management ist heute zu stark (oder ausschließlich?) auf den Behaviorismus (Laborratten drücken Hebel für Incentives) gegründet, wo man alles über Anreize regelt und die inneren Zustände der zu organisierenden Subjekte ignoriert (damit wird auch die Vernunft ignoriert, die ist ein innerer Zustand). Diese Versklavung durch den Behaviorimus ist historich relativ neu und müsste doch abgeschüttelt werden können?

  7. Dr. Webbaer Antworten | Permalink

    Umbiegen

    Der Schreiber dieser Zeilen, der den Behaviorismus und den Sozialdarwinismus nur als Konstrukte anderer kennt, würde in "Skandinavien" eine leicht andere Kooperationskultur (ein leicht anderes "Vorteilsstreben") sehen wollen, was aber mit Vernunft nichts zu tun hat, sondern kultureller Art ist. In manchen Ländern schließt man seine Häuser z.B. nicht ab, lol.

    Also das 'lol' bezogen auf den optimistischen Sachverhalt, nicht als Metapher. KA, wie Sie es schaffen Skandinavien und Vorteilsstreben in Anführungszeichen zu setzen.

    Nichtsdestotrotz bliebe noch die Frage offen, wie genau Sie der Summe der kooperierenden Bemühung, zumindest das Monetäre betreffend als 'Wirtschaft' (ein schreckliches Wort, setzt es doch wie die Ökonomie Wirt und Kunde voraus, was sachlich falsch ist) i.p. Vernunft umerziehen wollen oder wie Sie schreiben 'neu erziehen' wollen.

    MFG
    Dr. W

  8. Statistiker Antworten | Permalink

    Der "Webbär"

    hat es geschafft, Bürokratie (das Grundübel unseres Staates), den Islam (Die Grundbedrohung unseres Staates) und die Planwirtschaft (das Über-Übel über alle Übel) in einem Beitrag zu verwursten.

    Dafür bebirgt ihm der Titel "Trottel des Jahrtausends".

    Naja, Denken konnte der Braunbär ja nie, wie seine Parteigenossen, also soll er sich mal schön über diesen Titel freuen.....

    PS: @ Webbär: Nunr weil Sie nebendran rausgeflogen sind aufgrund Ihres Faschismus.... müssen Sie hier weiter polemisieren, bis Sie auch hier gesperrrt werden??????

  9. Dieter Krogmann Antworten | Permalink

    teuer oder nur blöd?

    Es ist immer wieder interessant, wie aus vielerlei Gründen an einer ursprünglichen Fragestellung "vorbeidiskutiert" wird, bis das eigentliche Thema vollkommen aus den Augen verloren gegangen ist.

    Die aktuellen Entwicklungen innerhalb unserer nationalen Wirtschaftsmärkte (Produzenten/Konsumenten)basieren auf die von den USA ausgehende "Globalisierung" der Weltmärkte unter dem Diktat des US-Dollars und des Instrumentariums Weltbank/Welthandelsorganisation und seiner vielen Nebenorgangsationen, die streng darüber wachen, daß der seit Jahrzehnten totgesagte Dollar am Leben erhalten wird.

    Letztlich ist diese US-Wirtschaftsphilosphie (im Grunde die Fortsetzung einer verdeckten gnadenlosen Kolonialisierung auf einer anderen Ebene)für die hieran zwangsbeteiligten nationalen Märkte reiner nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch gesellschaftspolitischer Selbstmord. Über das Dollardiktat wird der eigentlich "wertlose Dollar" in leistungsfähige Märkte gepumpt und über finanztechnische trickreiche Bankprodukte (natürlich aus dem angloamerikanischen Machtblock der globalen Finanzriesen stammend)wird die "Dollarleiche" am Leben erhalten. Hierbei überlebt der Dollar mit Hilfe der Ausplünderung "lukrativer, ertragreicher Märkte". Um den Dollar interessant auch für die Eliten der jeweilig Ausgeplünderten zu machen, wird den marktbeherrschenden Unternehmen, das verlockende Angebot eines schier unendlichen Dollar-Regen über den Börsengang nach New York gemacht. Dass man sich damit einem weiteren, letztlich plünderischen Diktat, dieser Börsenordnung unterwerfen muß, spielt kaum eine Rolle, da sich die jeweilige Wirtschafts-, vor allem aber die Finanzelite in den Zielländern, diesem Diktat gerne beugt, weil man sich für einen bestimmten Zeitraum in einem Dollarregen geradezu baden kann. Das schönt die Bilanzen und das füllt das eigene Konto.

    Was bedeutet das aber für die eigenen nationalen Märkte?

    Nun, solche von der US-Weltbörse "gekauften" marktbeherrschenden Unternehmen vernichten zunächst einmal alle Konkurrenten auf den eigenen nationalen Märkten. Schlimmstenfalls bestimmen jetzt die "Investoren" der US-Börse, wann dann ein Unternehmen komplett ins Ausland verlegt wird, um den anfänglich erzielten Profit weiterhin auf gleicher Höhe zu halten. Die Folgen kennen wir ja. Vernichtung von Millionen Arbeitsplätzen. Und und und. ... ich will das jetzt nicht weiter erläutern, da wir ja unmittelbar ganz tief in den Folgen dieses Prozesses stecken.

    Um es auf den Punkt zu bringen:
    Mit der Abwanderung von Produktion ins kostengünstigere Ausland erfolgt eine Kettenreaktion vieler negativer Vorgänge, nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in gesellschaftspolitischer Hinsicht. Die Steuereinnahmen entwickeln sich rückläufig, die Arbeitslosigkeit belastet die sozialen Sicherungsnetze, Einsparungswahn von Staatsseite erzeugt zwangsläufig rückläufige Inlandsumsätze... und damit sind wir bei den Produkten für den Konsumenten. Immer billiger muß es jetzt sein, denn unserer Konsumgesellschaft wird über die nun zunehmenden sozialen Probleme die Kaufkraft gestohlen. Natürlich wird damit die Finanznot ganzer Staaten immer dramatischer, die Abhängigkeit vom diktatorischen US-Finanzsystem immer verhängnisvoller.

    Der Konsument kann jetzt nur noch nach dem Motto überleben "billiger und noch billiger zu kaufen!". Das wiederum macht, durch die US-Börse künstlich finanzgestärkte Konzerne, zu Unternehmen, die über die Wunderformel "maximierte Stückzahlen" den Markt brutal beherrschen. Gleichzeitig bedeutet das aber, dass solche Konzerne sich ihre Marktmacht über die Minimierung des Gewinns an den Stückkosten erkaufen. Eine tödliche Strategie, wie wir das in den letzten 15 Jahren erfahren konnten. Konzerne mit langer Tradition und großartigen Entwicklungen werden zum Nullpreis verschleudert, weil sie den Investoren nicht mehr den Gewinn einfahren, den sie sich vorstellen und vor allem, sie werden wirtschaftlich höchst anfällig.
    Ein Schlaraffenland für US-Dollar-Anleger.

    Wenn wir nicht ganz schnell umdenken und Europa sich nicht vom US-Dollar und -Wirtschaftsdiktat trennt, werden wir innerhalb der nächsten 10 Jahre nicht nur in ein wirtschaftliches sondern auch in ein gesellschaftliche Chaos stürzen.

    Aber es wird wahrscheinlich weiterhin über anachronistische betriebswirtschaftliche Vorstellungen palavert, als sich mit der wirklichen Problemstellung auseinander zu setzen.

  10. Marco Vogt Antworten | Permalink

    Wir haben keine Inflation

    Widerspruch zum Satz: "Wir haben keine Inflation, weil es ja nur noch 3,50 Euro kostet"

    Natürlich haben wir trotzdem Inflation, weil es ja billiger hergestellt wurde, und früher statt 3,50 Euro nur 2,50 Euro gekostet hätte, jetzt aber 3,50 Euro kostet, weil man die Kosten gesenkt hat und gleichzeitig den Preis solange wie möglich auf dem bekannten Günstig-Preis halten möchte.

    Die Inflation schlägt voll zu: Gestern gesehen anhand einer Schachtel Champignons: Früher waren da nur Köpfe drin und der Stengel war vielleicht 3cm lang. Heute sind die Stengel locker auch 5 bis 8cm lang und die Masse an Pilz verteilt sich nicht wie gewünscht auf den Pilzkopf, sondern immer mehr auf die Stengel...

    Im Gegenzug senkt man die Preise um 10Cent und der Verbraucher glaubt es gäbe keine Inflation.

  11. Marco Vogt Antworten | Permalink

    Nachtrag zur Inflation...

    Wenn es keine Inflation wäre, dann würde auch keine Inflation vorliegen, wenn man Mehl zum doppelten Preis gegenüber früher kauft und das selbstgebackene Brot immer noch günstiger ist, als das Brot, das man vor 2 Monaten noch im Laden gekauft hat.

    Schließlich gibt man ja nicht mehr Geld für seine Lebensmittel aus...

    Schlechtere Qualität zum einem höheren Preis als angemessen ist und bleibt Inflation - versteckte Inflation halt.

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