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HLF-Querverbindungen

Wenn ich aus einigen Tagen Entfernung auf das diesjährige Heidelberg Laureate Forum zurückschaue, dann stechen weniger die einzelnen Vorträge hervor - so beeindruckend eine Vielzahl von ihnen auch war - als die Querverbindungen zwischen ihnen. Charakteristisch für das HLF ist schließlich, dass nicht nach jedem Vortrag eine Ruheperiode intensiven Sackenlassens folgt; stattdessen gibt es - mit Ausnahme des Bootsfahrt-und-Exkursions-Mittwoch - ein regelrechtes Feuerwerk an Vorträgen, und zum Teil mit ungewöhnlichen Querverbindungen. Einige Vorträge waren dabei fast demonstrativ antiparallel. Ich erinnere ... weiter

 

Wissenschaft und Pharmaindustrie, oder: der Kampf um die Daten

Früher oder später verlassen wir uns alle auf die Resultate klinischer Studien. In der Lebensmitte nehmen wir vielleicht Blutdrucksenker, und falls wir ernsthaft erkranken, gehen wir selbstverständlich davon aus, dass die Behandlungsmethode vorher gründlich geprüft wurde. Doch bis vor wenigen Jahren wurde nur ungefähr die Hälfte der Ergebnisse aller Klinischen Studien veröffentlicht – meist diejenigen, in denen der getestete Wirkstoff besonders gut abschnitt. Während einer Podiumsdiskussion auf der 64. Lindauer Nobelpreisträgertagung diesen Sommer kommentierte Peter C. Gøtzsche dies folgendermaßen: “Ärzte ... weiter

 

28.09. Nichts für Kinder

Sonntag in Tana, und wir erlauben uns eine klassischen Sonntagsbeschäftigung - ein Besuch im Zoo und Botanischen Garten „Tsimbazaza“. Der weitläufige, 1925 gegründete Park liegt im gleichnamigen Stadtteil, dessen Name soviel bedeutet wie „Nicht für Kinder“. Er rührt daher, dass hier früher Militär stationiert war, von dem sich das Jungvolk möglichst fernhalten sollte. Credit: Ernst Golde Universales Vergnügungsparkzubehör: Zuckerwatte. Heutzutage sieht das ganz anders aus. Wir durchstreifen den Park mit vielen madagassischen Familien, Eltern und Kinder fein heraus geputzt in ... weiter

 

Noch mehr Experimente mit Kindern

Das Kinder von Natur aus neugierig sind, und dass man diese Eigenschaft nach Kräften unterstützen sollte, ist ja keine so weltbewegend neue Erkenntnis, möchte man meinen. Und wenn man die Neugier und die Freude am Spiel so schön kombinieren kann, wie in den Videos der Royal Institution, dann hat eigentlich die ganze Familie ihren Spaß dabei. Und nicht nur Kinder können dabei spielerisch viel über unsere Welt und die ihr zu Grunde liegenden Gesetze erfahren. Verschiedene Vorschläge hatte ich ja ... weiter

 

NobelLabs und Mini Lectures für den Unterricht

Die bayerische Lehrerplattform “mebis” integriert Materialien aus der Lindauer Mediathek Reflektierter, gezielter Medieneinsatz war und ist ein tragendes Element guten Unterrichts. Wer jedoch annahm, dass mit der zunehmenden Digitalisierung und der immer umfassenderen Verfügbarkeit von Medien über das Internet geradezu von selbst eine Verbesserung der Unterrichtsqualität einherginge, musste sich eines Besseren belehren lassen. Die aus der Quantität vielfach resultierende Unübersichtlichkeit des Angebots, Inhalte, die oft nicht den fachlichen und didaktischen Ansprüchen der Lehrerinnen und Lehrer entsprechen, sowie berechtigte Bedenken hinsichtlich ... weiter

 

27.09. Grüne Guerilla

Auf der Heckscheibe unseres klapprigen R4-Taxis prangt ein weiß-blauer Aufkleber mit den Worten „Bayerisches Bier“. Drinnen riecht es allerdings eher nach Benzin. Wir schrauben uns über Kopfsteinpflaster-Straßen hinauf zur Uni von Tana. Im Bereich Ankatso parken wir vor einer Steinmauer mit einem Schild. „Vahatra“ steht darauf. „Vahatra“ bedeutet „Graswurzeln“ auf Madagassisch. Es ist der Name einer 2007 ins Leben gerufenen Naturschutz-Organisation. Deren Mitgründer ist Steve Goodman, ein US-amerikanischer Biologe, der am Chicago Field Museum eine Anstellung hat, allerdings seit Jahrzehnten ... weiter

 

26.09. Kleist auf Madagassisch

Freitagabend. Wir nehmen ein Taxi zum CGM - Cercle Germano-Malagasy - dem Goethe-Zentrum von Tana. Es liegt an den Treppen im Stadtteil Analakely, mit dem Auto kann man darum nicht direkt heranfahren. Wir schleichen durch die Nacht, umkurven Fußgänger und Mülltonnen, zwei Mal fragt der Fahrer nach dem Weg. Es ist bereits dunkel als er uns über die Stufen bis zum Eingang im dritten Stock eskortiert, das sei sicherer. Oben angekommen, verabschieden wir uns per Handschlag, dabei entschuldigt er sich ... weiter

 

Die rauhen Welten des Martin Hairer – Teil 2

In Teil 1 von "Die rauhen Welten des Martin Hairer" hatte ich einige Grundbegriffe Revue passieren lassen, die für Hairers Forschung zu stochastischen Differentialgleichungen wichtig sind - und damit auch zum Verständnis von Hairers Vortrag beim Heidelberg Laureate Forum am Dienstag Morgen. Aber wofür sind diese sonderbaren Differentialgleichungen und die "rauhen Funktionen" denn nun eigentlich gut? Wie man eine Grenzfläche wachsen lässt Grenzflächen kennen wir aus dem Alltag: Sie trennen das Holz des Tisches von der umgebenden Luft, den Stein ... weiter

 

Das öffentliche Bild der Wissenschaft ist falsch

Der wissenschaftliche Aufsatz bildet das Kernstück der Kommunikation von Wissenschaftlern untereinander und mit der Außenwelt. Aber: „Der wissenschaftliche Artikel in seiner orthodoxen Form vermittelt eine völlig missverstandene Auffassung – ja eine Karikatur – des Wesens von wissenschaftlichem Denken“ sagte der Biologe Peter Medawar schon in einer Rede von 19641. Das Bild, was wissenschaftliche Artikel und Lehrbücher vermitteln, ist das einer geradlinigen, objektiven, logischen Arbeitsweise: Hypothese werden entwickelt und experimentell überprüft, daraufhin angenommen oder verworfen, bis schließlich ein Durchbruch erreicht ist. Wissenschaftler/innen muten da ... weiter

 

Die rauhen Welten des Martin Hairer – Teil 1

Martin Hairers Vortrag an Dienstag, "Taming infinities" - Unendlichkeiten zähmen - bot einen faszinierenden Überblick über einiges an dem, was der Mathematiker erforscht - und wofür er 2014 auch die Fields-Medaille bekommen hat. Hairers Arbeit verbindet Zufallsprozesse und das wichtigste Instrument der Mathematiker zum Beschreiben von Änderungen - Differentialgleichungen - andererseits. Für mich war das ein völlig neues Themengebiet, das ich in den letzten Tage versucht habe, zum einen in groben Zügen zu verstehen, zum anderen verständlich zu beschreiben. Ganz ... weiter

 

Abgetaucht

Heute ist es Zeit für ein wenig weinerliche Introspektive: Warum ist es hier eigentlich so ruhig? Vor ein paar Monaten hat es noch zu meinem Alltag gehört, Wissenschaftsnachrichten und meine Twitter-Timeline nach Interessantem und Verwertbarem zu scannen und mir Artikelthemen zu überlegen. Das ist alles ziemlich eingeschlafen, und ich kann nicht einmal genau sagen, weshalb. Ich weiß nur, dass mir schwer fällt, wieder in den Blog-Alltag zurückzufinden. Eine Doktorarbeit und ein aktives Familienleben unter einen Hut zu bekommen, ist schon ... weiter

 

Die fünf schrecklichsten Fakten über den Wissenschaftsjournalismus

Bei Nummer drei habe ich fast geheult. Bei Nummer vier musste ich lächeln. Und Nummer fünf ist etwas, was ich nie gedacht hätte. Zumindest bis vor zehn Minuten. Wie das bei solchen Listen so ist: Alles gelogen. Ich habe gar nicht fast geheult. Gelächelt vielleicht, aber aus ganz anderen Gründen. Denn Fakt Nummer 1 über diese Listen ist: Sie sollen Leser auf eine bestimmte Webseite ziehen. Fakt Nummer 2: Solange das klappt, ist der Rest nicht wichtig. Fakt Nummer 3: ... weiter

 

Verräterische Blicke – Eye-Tracking

Journalisten haben schon oft vom "Eye-Tracking" gehört. Mittels dieser Technik wird verfolgt, wo die Augen von Lesern hinwandern; was sie zuerst lesen; wo der jeweilige Leser aussteigt und den Blick schweifen lässt, umblättert, weiterliest. Dafür bekommen Probanden eine spezielle Maske durch die sie Buchstaben und Bilder betrachten. Michael Dorr macht das heute eleganter. Seine Probanden müssen durch keine Maske mehr blicken, wie der Nachwuchswissenschaftler am Rande des HLF14 erzählt. Er und das Team vom Institut für Neuro- und Bioinformatik an ... weiter

 

Esoterische Programmiersprachen – Schönheit in der Informatik

Nachdem Michael Atiyah seinen Eröffnungsvortrag "Beauty in Mathematics" gehalten hat, schoss mir eine Frage in den Kopf: "An welchen Stellen gibt es die Schönheit in der Informatik?". Das Erste, was mir dazu einfiel, sind sogenannte esoterische Programmiersprachen. Deren Besonderheit liegt nicht nur in den teils amüsanten Namen, sondern auch in der äußeren Erscheinungsform, die von poetisch über kryptisch bis hin zu unsichtbar reicht. Auf Wikipedia lässt sich eine schöne Liste mit Hello-World-Beispielen zu einigen dieser Sprachen finden. Was sind esoterische ... weiter

 

Klare und angewandte Mathematik

Tim Conrad, HLF14-Teilnehmer: Wenn ich die vielfältigen Eindrücke der Vorträge der vergangenen Tage Revue passieren lasse, fallen mir einige Dinge auf, die – zumindest in meinem Alltag – nicht mit der gleichen Wichtigkeit vorkommen. Da war zunächst einmal der Vortrag von Michael Atiyah über die Schönheit der Mathematik. Eine der zentralen Aussagen daraus: Formeln und Beweise sollen „elegant“ und „schön“ sein. Wie genau sich jetzt ein schöner Beweis von einem hässlichen unterscheidet konnte ich auch in mehreren Diskussionen mit anderen ... weiter