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Der Vetlesen Preis 2015 geht an Stephen Sparks

Der Vetlesen Preis 2015, quasi das Pendant der Geowissenschaften zu den Nobelpreisen, geht an den Vulkanologen Stephen Sparks von der Universität Bristol. Jedes Jahr im Herbst wird in vielen Medien und Blogs spekuliert, wer die aktuellen Nobelpreise gewinnen könnte. Und nach der Bekanntgabe werden viele Artikel dann viele Beiträge über die preiswürdigen wissenschaftlichen Erkenntnisse und ihre Wissenschaftler verfasst. Vermutlich wird man mir gerne zustimmen, dass ein Nobelpreis einem Wissenschaftler eine beachtliche Popularität auch jenseits der Scientific Comunity garantiert. Die Nobelpreise ... weiter

 

Planetenforschung im Vulkan

"Was bringt uns das alles hier unten eigentlich?" Diese Frage ist die häufigste, die man mir stellt, wenn ich erzähle, dass ich mich für Raumfahrt interessiere. Ich kann mir dann meist ein Grinsen nicht verkneifen. Denn wider Erwarten bringt uns die Raumfahrt sehr konkret eine ganze Menge, und meist sind die Fragesteller ziemlich überrascht, wenn man sie damit konfrontiert. Da hätten wir zum Beispiel die ganzen technischen Spin-Offs der Raumfahrttechnologie. Sie werden an vielen und oft völlig unerwarteten Orten und ... weiter

 

Geschichte als Gegenwart

Nun sind wir im letzten Schritt bzw. Text in dieser Reihe angekommen; hieß der letzte »Geschichte und Gegenwart«, so heißt dieser »Geschichte als Gegenwart« - ein feiner, aber wichtiger Unterschied. Während der letzte Text von der Gegenwart des Historikers handelt, geht es jetzt um die Gegenwärtigkeit des historischen Bewusstseins selbst. Aus der bisherigen Diskussion wissen wir, dass Vergangenheiten nur insofern da sind, als wir sie uns vorstellen, sie wahrnehmen können - und zwar in der Gegenwart, die, wie ich nun ... weiter

 

Asteroid 2004 BL86 hat einen Mond

Radarmessungen beim gestrigen Vorbeiflug des Asteroiden (357439) 2004 BL86 in 1.2 Millionen km Abstand haben gezeigt, dass es sich um ein binäres Objekt handelt, einen 325 m großen Hauptkörper mit einem 70 Meter großen Mond. Mehr dazu in dieser NASA/JPL-Pressemitteilung vom 26.1.2015. In diesem Artikel in ihrem Blog beschreibt Emily Lakdawalla, wie ein Radar"bild" eines Asteroiden entsteht. ... weiter

 

Geschichte und Gegenwart

Die letzte Diskussion über Sprache als Geschichte hat uns, nach einem langen Weg über verschiedene Blickwinkel, in die Gegenwart gebracht. Wir haben gesehen, wie die Sprache, die mit ihren gegenwärtigen Begriffen und Konzepten unsere Denkweise gestaltet, die Gegenwart in die Vergangenheit bringt, wenn wir im Geiste »zurückreisen«. Dabei ist Sprache nur ein Aspekt für solche »Kontaminationen«. Weil der Historiker in seiner Gegenwart lebt und aus ihr heraus denkt, erfolgt seine historische Arbeit ebenfalls in der Gegenwart. So ist das Produkt ... weiter

 

Sprache als Geschichte

In den letzten Beiträgen in dieser Reihe habe ich kurz erwähnt, dass unsere Sprache das Mittel ist, mit dem wir uns sehr weit zurückliegende Vergangenheiten vergegenwärtigen, also im Geiste erreichen können. Diesen Punkt möchte ich nun weiter ausführen und zwar vor dem Hintergrund, dass er leicht missverstanden werden kann, nämlich so, als ob hier darum ginge, dass die Historiker, etwa im Gegensatz zu Archäologen, schriftliche Quellen benutzten, die sich nun mal eben durch ihre Verwendung von Sprache von anderen Funden ... weiter

 

Warum gibt es so wenig neue Antibiotika?

Es ist im Grunde ein bisschen müßig, den aktuellen Acinetobacter-Ausbruch an der Uniklinik Schleswig-Holstein in Kiel noch mal aufzudröseln. Man weiß nicht so genau, wie viele Leute tatsächlich direkt an dem Bakterium gestorben sind, und die Informationspolitik ist auch eher so meh, aber das ist auch nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass mal wieder ein gegen alles Mögliche resistenter opportunistischer Erreger quer durch die Intensivstation geschmiert wurde. Ist ja bei weitem nicht das erste mal. Nun wär's ja einfach, ... weiter

 

Geschichte als Konvention

Im letzten Text habe ich erklärt, wie groß in der Geschichtsschreibung die Rolle von Konventionen ist. Da kein Historiker alles erforschen, alles in Zweifel ziehen kann, braucht jeder einen Anhaltspunkt, eine Grundlage, auf die er seine eigene These stützt. Doch wir haben auch gesehen, dass diese Grundlage sich (wie im Fall Kurras) auch ändern kann, wodurch jede Geschichte, die auf ihr basiert, teilweise oder auch ganz ihre Gültigkeit verlieren kann. Somit ist jede Geschichte (d.h. letzten Endes alles historische Wissen) ... weiter

 

Kann sich die Vergangenheit ändern?

Wir wissen ja, dass Geschichte als Wahrnehmung sich natürlich ändern kann; gäbe es wirklich »die Geschichte«, die allen gemeinsame, allumfassende, feste Vorstellung wie zu Rankes Zeiten, so würde sie nichtsdestoweniger mit der Arbeit eines jeden Historikers, mit jeder neuen Deutung oder Umdeutung der Vergangenheit Änderungen durchmachen. Geschichte kann sich nicht nur, sondern sie muss sich ändern durch die Arbeit von Historikern. Aber im letzten Beitrag habe ich erklärt, dass auch die Vergangenheit, deren Wahrnehmung sich ändert, wiederum das Ergebnis von ... weiter

 

Pompeji und Herculaneum – das Eldorado für die Klassische Archäologie

„Es ist viel Unheil in der Welt geschehen, aber wenig, das den Nachkommen so viel Freude gemacht hätte“. Goethes (1749-1832) Empfindung während seines Besuches von Pompeji im Jahr 1787 hat bis heute für viele Gültigkeit. Das Besondere ist der sehr gute Erhaltungszustand. Pompeji und Herculaneum ermöglichen einen direkten Einblick in den Alltag der ehemaligen Bewohner aus römischer Kaiserzeit. Die Einmaligkeit des Fundortes ist das Ergebnis einer verheerenden Naturkatastrophe. Im Jahr 79 n.Chr. wurde die kleinen Landstädte vom nahegelegenen Vulkan, mit ... weiter

 

Wie finde ich Asteroid 2004 BL86?

Kurze Antwort: Von Deutschland aus wahrscheinlich gar nicht, angesichts der Wetterprognose und der geringen scheinbaren Helligkeit des Körpers. Wer aber dennoch versuchen will, einen Blick auf Asteroid (357439) 2004 BL86 zu erhaschen oder wer wissen möchte, wie man das generell macht, sich aber nicht erst noch in die Mathematik und Himmelsmechanik einarbeiten möchte (ich habe mir sagen lassen, dass es tatsächlich Leute geben soll, die das nicht so mögen), der lässt rechnen. Als erste (Web-)Adresse für solche Fragen bietet sich ... weiter

 

Die Schichtung der Geschichte

Im letzten Beitrag habe ich erklärt, warum die Vergangenheit, die in der Theorie das ist, was war, in der Praxis nur eine Vorstellung davon ist, was war. Darum ist die uns als Menschen, also dem menschlichen Geist irgendwie erreichbare Vergangenheit nichts Objektives, sondern etwas durchaus Subjektives: das Ergebnis menschlicher Wahrnehmung. Damit rückt der Begriff von »Vergangenheit« ganz in die Nähe desjenigen von »Geschichte«, die ja ebenfalls Wahrnehmung und Darstellung von Vergangenem ist, seine Beschreibung und Deutung. Wie verhalten sich also ... weiter

 

Vergangenheit in Theorie und Praxis

Begonnen habe ich diese Diskussion über »Was ist Geschichte?« mit der Unterscheidung zwischen Vergangenheit und Geschichte, d.h. zwischen dem, was war und verging, und dessen gegenwärtiger Wahrnehmung. Bislang haben wir über die Geschichte, also die Wahrnehmung des Vergangenen gesprochen. Nun soll das Vergangene selbst besprochen werden: Inwiefern können wir als Historiker wissen, was war? Auf der theoretischen Ebene erscheint die Vergangenheit wie natürlich entstanden (im Gegensatz zur künstlich bzw. bewusst konstruierten Geschichte): Vergangenheit ergibt sich einfach durch den natürlichen, objektiven ... weiter

 

Wie unterscheidet sich »Geschichte« von »Geschichtsschreibung«?

Nach der ersten Differenzierung zwischen Geschichte und Vergangenheit möchte ich nun eine andere Verwechslung entwirren. Wenn wir mit einem Text über die Vergangenheit reden, ist dieser nun Geschichte oder Geschichtsschreibung? Meine Antwort wäre: weder das eine noch das andere. Ein Text ist erst mal ein Text, also wörtlich ein Gewebe (nicht zufälligerweise klingt es so ähnlich wie »Textil«, das dieselbe lateinische Wurzel hat). In einem historischen Text ist das Geschehene (res gestae), also verschiedene Geschehnisse, zu einer (schlüssigen, deutenden, sinnstiftenden) ... weiter

 

Wie unterscheidet sich »Geschichte« von »Vergangenheit«?

Die Diskussion über das Wesen der Geschichte möchte ich mit einer Differenzierung beginnen, die vielen Missverständnissen vorzubeugen vermag. Im heutigen wie auch dem früheren Sprachgebrauch wird das Wort »Geschichte« sehr oft als identisch mit »Vergangenheit« benutzt; doch auch wenn zwischen beidem eine nachvollziehbare Nähe besteht, sind sie keineswegs identisch, wie Hegel anmerkte: »Die Geschichte verbindet in unserer Sprache sowohl die objektive als auch die subjektive Seite. Sie meint die res gestae (das Geschehene) und die historia rerum gestarum (die Erzählung ... weiter