Die Soziobiologie war noch nie ein "zahnloses" Konzept
Ich freue mich sehr, in diesem post Ingo Bading vom blog Studium Generale als Gastautor für unser bloggewitter "Deutungshoheit der Biowissenschaften" ankündigen zu können:
Die "Deutungshoheit der Biowissenschaften" - was für ein Thema. Und im Umfeld der früher so berüchtigen Soziobiologie schon seit Jahrzehnten diskutiert. Heute kann man ja harmlose Lippenbekenntnisse zum Grundkonzept der Soziobiologie und zur evolutionären Bedingtheit des Menschen formulieren, ohne daß besonders viele Leute einmal genauer nachfragen, ob diese Lippenbekenntnisse eigentlich noch etwas zu tun haben mit dem revolutionären Konzept, mit dem die Soziobiologie einst, in den frühen 1970er Jahren angetreten war.
Die wissenschaftliche Akzeptanz dieser einstigen Außenseiter-Disziplin "par exzellence" stieg in dem Umfang, in dem sich die Regenbogenpresse eines Teils ihrer Themen annahm. Dieser Umstand ist auch heute noch vielen innerwissenschaftlichen Diskussionsbeiträgen und Lippenbekenntnissen anzumerken. (Nicht zuletzt auch dem parallelen Beitrag von Michael Blume zum Bloggewitter.)
Die Soziobiologie - einst angetreten als ein revolutionäres Konzept
Im Gegensatz dazu forschen und publizieren im vollen Bewußtsein der Tragweite der "Deutungshoheit der Biowissenschaften" Leute wie Edward O. Wilson, Richard Dawkins und all ihre mit ihnen sympathisierenden Kollegen schon seit Jahrzehnten. Aber ebenso die Gegner dieser als "Hardliner" empfundenen Biologen, wie etwa Richard Lewontin, Stephen Jay Gould und andere. Um diese Gegner ist es in den letzten Jahren stiller und stiller geworden. "Lewontin's Fehlschluß", nämlich daß das Konzept "Rasse" für die menschliche Biologie und Psychologie keine Bedeutung habe, ist in der Wissenschaft unwidersprochen eben als ein solcher Fehlschluß (und auch als ein auf den Kopf gestellter naturalistischer Fehlschluß) festgestellt worden. Wenige aber nur trauen sich, sich selbst und anderen die revolutionären Implikationen klar zu machen, die mit der Widerlegung von "Lewontin's Fehlschluß" einhergehen für unser Weltbild und für die "Deutungshoheit der Biowissenschaften".
Das zentrale Paradigma, das die "Deutungshoheit der Biowissenschaften" mit sich bringt seit einigen Jahrzehnten, ist, daß der Mensch von den Biowissenschaften immer deutlicher als Gruppenwesen, als "zoon politikon" erkannt wird. Der Paradigmenwechsel vom "Mensch als Werkzeugmacher" zum "Menschen als soziales Wesen" vollzog sich schon vor Jahrzehnten ("Social Brain Theory"). Die Schlußfolgerungen dieses Paradigmenwechsels hinsichtlich einer Deutungshoheit der Biowissenschaften sind aber bis heute nur spärlich und zögerlich gezogen worden.
Steven Pinker: Genetisch mitbeeinflußte Begabungen könnten unterschiedlich auf Rassen und Völker verteilt sein
Robin Dunbar wies nach, daß Gehirngröße und Gruppengröße über den ganzen Primatenstammbaum hinweg miteinander korrelieren, daß also die Gehirngröße des Menschen und der Umfang der sozialen Beziehungen, die er bewältigen kann, miteinander in ähnlichen kausalen Zusammenhängen stehen wie bei allen Primaten ("Dunbars Number") (siehe sein wunderschönes Buch "Klatsch und Tratsch"). Jane Goodall zeigte am Beispiel der wildlebenden Schimpansen auf, wie sich das Gruppenleben unserer engsten Verwandten im Tierreich in "Krieg und Frieden" gestaltet. Andere zeigten anhand der Bonobos wiederum ein ganz anderes evolutionäres Konzept von Gruppenleben auf. Im Anschluß an solche Forschungen formulierten David Sloan Wilson und Kevin MacDonald ihr Konzept von den "gruppenevolutionären Strategien", die implizit oder explizit dann auch in menschlicher Kultur, in menschlichen Religionssystemen beschlossen liegen.
Eine "Evolutionäre Religionswissenschaft" bildete sich in den letzten Jahren und wies nach, daß diese "gruppenevolutionären Strategien" entweder zu evolutionsstabilen oder zu evolutions-instabilen Demographien der betroffenen Gruppen, Religionsgemeinschaften und Völker führen können - je nach dem. Der Grundgedanke von Charles Darwin wurde damit auf deutlich erweitertem Wissensstand einmal aufs Neue bestätigt, wie er schon im Untertitel seines Hauptwerkes enthalten ist: "On the Origin of Species by Means of Natural Selection, or the Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life".
Was für Implikationen hinsichtlich "Deutungshoheit der Biowissenschaften"!
Und dann - und dann kam die "Mondlandung" in der modernen Humangenetik. Die vollständige Sequenzierung des menschlichen Genoms und damit die Erkenntnis, daß Gensequenzen für Körpermerkmale, psychische Merkmale und Intelligenzmerkmale weltweit in ihrer Häufigkeit auf die Völker unterschiedlich verteilt sind. Steven Pinker zog schon 2005 die Schlußfolgerung und erklärte, daß genetisch angeborene Begabungen - als Ergebnis der Evolution - unterschiedlich auf Völker und Rassen verteilt sein könnten. Ähnlich Richard Dawkins in "Geschichten vom Ursprung des Lebens". Unzählige Humanwissenschaftler auf der ganzen Welt stimmten ihnen zu, etwa indem sie eine "Naturgeschichte der aschkenasisch-jüdischen Intelligenz" formulierte (Gregory Cochran, Henry Harpending).
Frank Schirrmacher: "Die gespenstische Abgebrühtheit der gesellschaftlichen Eliten macht nur noch sprachlos"
Die Debatte ist im vollen Fluß. Der naturwissenschaftlich informierte Sozial- und Wirtschaftshistoriker und Politiker Thilo Sarrazin nahm sie 2010 auf. Der soziobiologisch informierte Frank Schirrmacher erkannte sofort die eigentlichen Implikationen der Sarrazin-Debatte in Bezug auf die "Deutungshoheit der Biowissenschaften". Und auch Norbert Bolz sprach von "Geschichtszeichen". Deutsche Intelligenzforscher wie Heiner Rindermann und der von Hirnforscher Gerhard Roth geförderte Detlef Rost haben in der Öffentlichkeit ansonsten noch vergleichsweise wenig Unterstützung von Seiten der biowissenschaftlich orientierten Fachkollegen erhalten. Aber auf die Dauer wird sich diese Situation einer gewissen "Sprachlosigkeit" diesbezüglich (übrigens auch auf den beiden großen deutschen Wissenschaftsblog-Portalen) nicht halten lassen.
Und dann erst wird in vollem Umfang erkennbar werden, wie implikationsreich die "Deutungshoheit der Biowissenschaften" geworden ist. Sie stellt grundlegende gesellschaftliche Konzepte infrage, wie sie heute von allen großen Parteien des deutschen Bundestages vertreten werden. Weshalb Thilo Sarrazin auch in der Debatte im letzten Jahr von ihnen allen so scharf geschnitten wurde, und weshalb führende Repräsentanten des deutschen Staates plötzlich wieder so auffällig ein "christliches Menschenbild" aus ihrem verquasteten ideologischen Werkzeugkasten hervorzogen. Norbert Bolz hatte recht: Die Politiker - aber auch viele Biowissenschaftler - leben heute noch in einer "Parallelgesellschaft" und sind sich der schiefen Ebene gar nicht bewußt, auf der sie sich bewegen. Man darf gespannt sein, wie sich hier die wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskussionen künftig weiter gestalten werden.
Was zum Beispiel ist dran an den technischen Möglichkeiten, die Bastian Greshake aufzeigt? Wird es künftig parallel zu einem "Guttenplag" noch ganz andere Internetseiten geben, die die Kommunikationsverweigerung zahlreicher Biowissenschaftler zu den eigentlich gesellschaftlich brisanten Fragen bezüglich der "Deutungshoheit der Biowissenschaften" aufbrechen werden? Wird es Frank Schirrmacher sein, der mit einem neuen Bestseller seine jüngst geäußerte "Sprachlosigkeit" überwindet, als er über die CDU und ihren Verrat grundlegendster bürgerlicher Werte sagte:
"Der geradezu verantwortungslose Umgang mit dem demographischen Wandel macht in seiner gespenstischen Abgebrühtheit einfach nur noch sprachlos."
Wir leben in aufregenden Zeiten!
der Autor:
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Ingo Bading postet regelmäßig im Blog Studium Generale und hat Biologie, Geschichte und Philosophie studiert. Er schreibt bevorzugt über Themen, in denen sich biologische und kulturelle Fragen berühren, aber auch über naturalistische Philosophie und nicht-theistischer Glaubenssysteme. |
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Irgendwie etwas dünn.
Implikationsreich kann die "Deutungshoheit der Biowissenschaften" erst dann sein, wenn sie tatsächlich besteht. Ob dem so ist, wäre ja erst zu klären, und einen Beitrag dazu zu leisten verstehe ich auch als die Intention dieses Bloggewitters.
Statt "Deutungshoheit der Biowissenschaften" sollte wohl eher "Biowissenschaften" dort stehen, oder der Satz sollte im Konjunktiv formuliert sein.
Dann vermisse ich die Ausformulierung einiger Beispiele für Implikationen, die sich ergeben oder ergeben könnten. Das wäre dann ja tatsächlich ein Diskussionsgegenstand, zumal es nötig machen würde, zu benennen oder anzudeuten worüber eigentlich Deutungshoheit beansprucht werden soll - und worüber vielleicht auch nicht.
"Robin Dunbar wies nach, daß Gehirngröße und Gruppengröße über den ganzen Primatenstammbaum hinweg miteinander korrelieren, daß also die Gehirngröße des Menschen und der Umfang der sozialen Beziehungen, die er bewältigen kann, miteinander in ähnlichen kausalen Zusammenhängen stehen wie bei allen Primaten"
Hat er denn die Kausalität wirklich belegen können, oder nur ne Korrelation gesehen und daraus ne Kausalität gemacht. In dem Satz geht mir das etwas schnell...
als ergänzende Erläuterungen:
1.
Mein Beitrag ist schnell hingeworfen, will aber einfach nur darauf aufmerksam machen, daß das brisanteste Gebiet, in dem die Biowissenschaften heute "Deutungshoheit" erheben, das menschliche Zusammenleben in Gruppen, in Ethnien, Religionsgemeinschaften und Rassen betrifft, die sich genetisch voneinander unterscheiden, also schlicht die Implikationen betrifft, um die es im "Bell Curve-War" seit 1994 und in der Thilo Sarrazin-Debatte seit 2010 geht. Ist es zu "dünn", auf diesen brisanten Umstand aufmerksam zu machen?
2.
DASS jede Wissenschaft "Deutungshoheit" mit sich bringt für jenen Bereich, in dem einigermaßen gültigere Ergebnisse gewonnen worden sind, kann wohl auf einem Wissenschaftsblog als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Die Wissenschaft "erobert" ja ständig neues Terrain dazu, wo vorher Ideologen und Theologen aller Machart "Deutungshoheit" in Anspruch genommen hatten.
Ideologen und Theologen befinden sich diesbezüglich seit mindestens 500 Jahren in "Rückzugskämpfen". Sie wehren sich erstaunlich zäh.
Auf vielen Gebieten können sie heute noch "Deutungshoheit" beanspruchen, weil man es sich leistet, fröhlich die Erkenntnisse der Biowissenschaften zu ignorieren oder sie zumindest nicht als unhintergehbaren Ausgangspunkt jeder Debatte zu wählen.
Deutungshoheit wird also dort gewonnen, wo man
a) die Wissenschaft als Deutungsmacht überhaupt anerkennt, und zwar hier genauer: die Biowissenschaften,
b) wo die Wissenschaft selbst gültigere Erkenntnisse gewonnen hat oder dabei ist, dieselben zu gewinnen.
Die heutige Politik betrachtet den Menschen als ein weltweit beliebig verschiebbares und durch Erziehung beliebig austauschbares Individuum. (Übrigens ja auch auf dem Gebiet der "Geschlechterpolitik".) Sie versucht immer mehr sehr bewußt zu ignorieren, daß menschliches Zusammenleben im Alltag und jenseits des gegenseitig befruchtenden internationalen kulturellen und wirtschaftlichen Austausches in historisch gewachsenen Gemeinschaften stattfindet, in Sprachgemeinschaften, die jeweils auch durch ganz spezifische genetische Verteilungsmuster als unverwechselbar und unaustauschbar gekennzeichnet und bestimmt sind.
In der modernen Human- und Intelligenzgenetik zeichnet sich in vielen Bereichen ein anderes Bild ab. Darauf sollte der Beitrag aufmerksam machen: Nicht jede beliebige Kultur kann durch jede beliebige menschliche Populationsgenetik aufrechterhalten werden. Wenn ich eine "Naturgeschichte der aschkenasisch-jüdischen Intelligenz" erforsche, dann setze ich voraus, daß diese Intelligenz nicht an jede beliebige Genetik gebunden ist, sondern an eine ganz bestimmte. Wirtschaftlicher und kultureller Erfolg einzelner Menschen und ganzer Gesellschaften sind an bestimmte genetisch vorgegebene "Begabungen" gebunden.
Interessanterweise waren es schon vor Jahren gerade führende Repräsentanten des amerikanischen Judentums, die gar kein Problem damit hatten, wenn von einer "Naturgeschichte der aschkenasischen Intelligenz" geredet wurde. (Abe Foxman, Deborah Lipstadt, Ted Koch, um nur einige zu nennen, die damals, 2005, interviewt wurden.) Und dementsprechen hat ja auch der israelische Botschafter letztes Jahr den deutschen Politikern Mäßigung im Umgang mit der Sarrazin-Debatte angeraten. Erfoglos, wie man weiß.
Damit will ich nur sagen: Man KANN als politisch bewußter Mensch die Deutungshoheit der Biowissenschaften auch auf diesem Gebiet anerkennen. Auch schon beim jetzigen Stand der Erkenntnisse. Es IST möglich. Und nichts anderes wollte ich mit meinem Beitrag einfordern.
3.
Natürlich kann man all das noch wesentlich spezifischer anhand einzelner Forschungsartikel oder allgemeinverständlicher Publikationen inhaltlich erörtern. Das habe ich auch vielfach auf meinem Blog gemacht. Auch Andreas Müller hat auf "Feuerbringer" dazu letztes Jahr einiges zusammengetragen. Und natürlich andere (Nicholas Wade etwa). Eine Literaturliste, die ich dazu einmal vor drei Jahren zusammengestellt habe, umfaßt 80 Seiten:
hier
Das ist kein Thema, das man einmal schnell in einem Blogartikel abhandelt und dann ist die Sache gegessen.
Ich will mal so sagen: Die Kausalität ist schon sehr naheliegend. Mir ist jedenfalls seither keine bessere Theorie als die Dunbar's bekannt geworden, auch niemanden, der sie in grundlegenderer Weise infrage gestellt hätte.
Dunbar hat ja seine These inzwischen sogar in toller Weise verallgemeinert, indem er sie auf die Nichtprimaten erweiterte, wo er fand, daß zwar nicht Gruppengröße, dafür aber MONOGAME Lebensweise mit Gehirngröße korreliert (also wiederum eine Fähigkeit, bei der es um soziale Kommunikation geht und um längerfristiges Zusammenleben).
(Weitergehendes dazu hier)
Wenn Sie die Rassenlehre wieder etablieren möchten, dann wäre es vielleicht angebracht, etwas mehr zu liefern, als einen Text ohne nennenswerte Argumente und ganz ohne Quellen, um dann in einem Kommentar auf Ihr Blog zu verweisen, das aber auch nicht groß weiterhilft, wenn man nicht es eben mal von Anfang bis Ende durchzulesen die Zeit hat (falls denn überhaupt).
Der Verweis darauf, daß ein Schluß ein Fehlschluß gewesen sei, entwertet zunächst nur den Schluß, widerlegt aber nicht seine Folgerung. Will man also das Gegenteil der Folgerung belegen, muß man etwas mehr investieren.
Wie ist also Ihr Rassebegriff definiert? Welche gut belegten genetischen Unterschiede gibt es zwischen den Menschenrassen? Sind zwei Populationen, zwischen denen Unterschiede solcher Art bestehen, stets unterschiedliche Rassen? Wieviele Rassen gibt es etwa?
Ich erwarte ja wirklich nicht, daß Sie hier die gesamte humangenetische und anthropologische Forschung zum Thema rekapitulieren, aber etwas mehr als heiße Luft wäre schon nett, zumal dieses Blog ja kein biologisches Fachblog ist.
@Ingo Bading
Schön, dass Elmar Diederichs Dich eingeladen hat, hier über Deine steilen Thesen zur "Deutungshoheit der Biowissenschaften" zu schreiben.
Welche "revolutionären Implikationen" sollen das denn sein?
In der Biologie ist ja bereits das Konzept "Art" kein gerade einfaches. Ungleich schwieriger stelle ich mir das bei Unterarten (Subspecies, Varietäten) vor.
Die Taxonomie ist zweifelsohne ein Gebiet, auf dem die Biowissenschaften Deutungshoheit beanspruchen dürfen. Während die Art als potentielle Fortpflanzungsgemeinschaft noch einigermaßen gut definiert ist, ist der Gattungsbegriff bereits rein willkürlich. Ebenso verhält es sich mit den höheren Kategorien wie Familie und Ordnung.
Sinn und Zweck der Taxonomie ist es im Wesentlichen, mithilfe eines Ordnungssystems die Arbeit zu erleichtern. Insofern sind bei manchen Arten auch Unterscheidungen von Unterarten sinnvoll.
Ob allerdings Biologen bei der rezenten Species Homo sapiens eine Aufteilung in Unterarten brauchen, erscheint mir sehr zweifelhaft. Welche Subspecies sollten das denn sein? Anhand welcher Gene oder phänotypischen Merkmale ließe sich ein biologisch stimmiges (also eben nicht willkürliches) System menschlicher Unterarten schaffen?
Bedeutet das, dass das Ergebnis solcher "gruppenevolutionären Strategien" nicht vorhersagbar ist?
Dass bestimmte "Rassen" durchschnittlich intelligenter sind als andere, wurde ja schon lange, lange vor dem Human-Genom-Projekt behauptet. Das Problem ist halt, wie man "Rassen" definiert. Ob "Rasse" beim Menschen tatsächlich mehr ist als nur ein geistiges Konstrukt.
"Schön, dass Elmar Diederichs Dich eingeladen hat,"
.... es ist viel besser: Ingo hat sich selbständig bei mir gemeldet.
:-)
@Balanus: "Anhand welcher Gene oder phänotypischen Merkmale ließe sich ein biologisch stimmiges (also eben nicht willkürliches) System menschlicher Unterarten schaffen?"
Z.B. am Vorhanden- oder Nichtvorhandensein von Neanderthalergenom?
Es gibt ja auch längst ethnische Forschung in der Medizin. Die Häufigkeit von Krankheiten und die Wirkungen von Medikamenten sind bei verschiedenen Rassen oft unterschiedlich.
Wir heikel dieses Thema ist, zeigt sich aber daran, daß sowohl das Tun als auch das Lassen dieser Forschung Rassismusvorwürfe provozieren kann. Die einen beschweren sich darüber, daß man ihnen Medikamente gibt, die nur an Weißen (Männern) getestet wurden, die anderen über das Gegenteil.
Deshalb scheint es mir politisch unklug, gerade dieses Thema in den Fokus einer Darstellung der Soziobiologie zu stellen. Es ist interessant, darüber mit Leuten zu diskutieren, die frei von Rassismus oder anderen Chauvinismen sind, aber im Internet finde ich es im Moment problematisch.
Soziobiologie provoziert auch bei weniger heiklen Themen antibiologische Reflexe, von der Weigerung, sich weiter mit ihr auseinanderzusetzen, bis zu Nazivorwürfen. Ich hätte es klüger gefunden, eine Diskussion mit weniger provokanten Aspekten zu eröffnen.
@Jürgen Bolt:
» Es gibt ja auch längst ethnische Forschung in der Medizin. Die Häufigkeit von Krankheiten und die Wirkungen von Medikamenten sind bei verschiedenen Rassen oft unterschiedlich. «
Nur ganz kurz, ich muss raus an die Sonne: Klar, wenn 80% der chinesischen "Rasse" ein bestimmtes Medikament anders verstoffwechselt als 80% der europäischen "Rasse", ist das klinisch relevant. Aber ich denke, da könnte eine individualisierte Medizin weiterhelfen als eine nach "Rasse"-Gesichtspunkten.
Hallo Jürgen Bolt,
endlich mal jemand, der sich ein bischen auskennt in der Materie, und bei dem man nicht bei Null oder Minus sonstwas anfangen muß.
In der ethnischen Medizin ist es tatsächlich so, daß "politisch korrekte Medizin tötet" wie einmal Sally Satel ziemlich deutlich gesagt hat. Aber damit wird doch Ihre eigene These gleich schlagend widerlegt: Wenn ich in der Öffentlichkeit mich nicht gegen eine Medizin einsetze, die tötet, handele ich schlichtweg inhuman.
Das gleiche meine ich, muß zur Sarrazin-Debatte gesagt werden. Wenn der Sarrazin nur vorwiegend von jenen Zustimmung erhält, die schon traditionell zu Inhumanität neigen (von gewissen "Vergangenheiten" her), ist es um so DRINGLICHER, daß sich vernünftige Leute dieses Themas annehmen. Und zwar in einer breiten gesellschaftlichen Debatte.
Sie haben vollkommen recht: Wissenschaftlich sind diese Themen viel zu interessant, als daß man sich dauernd mit "Ideologen" darüber rumkappeln will, mit denen eine Diskussion jedes mal bei Null oder bei minus sonstwas beginnt.
Wenn man aber dafür wirbt, daß der Elfenbeinturm ein Elfenbeinturm bleibt bei den brisantesten wissenschaftlichen Fragen unserer Zeit, dann entmündigt man meiner Meinung nach die Bürger einer freien Gesellschaft. Das wäre schon ein sehr, sehr merkwürdiges und elitäres Demokratieverständnis.
In dem Aufsatz "Lewontin's Fallacy" wurde es schon klar ausgeführt: Wenn ich als Wissenschaftler dahingehend argumentiere, daß Menschenrassen in der Biologie keine Bedeutung spielen (... "dürfen" ...), "weil" das schädliche gesellschaftliche Folgen hat (so hat das R. C. Lewontin getan), dann muß ich tatsächlich in Sprachlosigkeit versinken, wenn die Wissenschaft plötzlich doch zu anderen Ergebnisen als den gesellschaftlich erwünschten Ergebnissen kommt.
Besser wäre von Anfang an eine ganz andere Argumentation gewesen: Ich darf meinen Mitmenschen auch DANN nicht inhuman behandeln, wenn er genetisch ANDERS begabt ist als ich.
Und, um den Gedanken etwas weiter zu spinnen: Ist das Humanum an sich denn nicht die Fähigkeit, mit ANDERSARTIGKEIT human umzugehen? Denn mit Gleichartigkeit human umzugehen ist ja wohl nicht besonders schwer.
@Jürgen Bolt:
» @Balanus: "Anhand welcher Gene oder phänotypischen Merkmale ließe sich ein biologisch stimmiges (also eben nicht willkürliches) System menschlicher Unterarten schaffen?"
Z.B. am Vorhanden- oder Nichtvorhandensein von Neanderthalergenom? «
Wäre eine Möglichkeit. Und wie würdest Du das begründen?
Eine andere Möglichkeit wäre die "Religiosität". Die entsprechenden Gene sind zwar noch nicht identifiziert, aber immerhin lässt sich ein unterschiedliches Reproduktionsverhalten zwischen Religiösen und Säkularen beobachten.
H.G. Wells schrieb über eine Aufspaltung der menschlichen Spezies aufgrund der Klassenzugehörigkeit (Nachzulesen beim Quantenmechaniker). Das wäre doch auch eine Möglichkeit, schon weil die Reichen und die Schönen mit Sicherheit eine andere genetische Ausstattung haben als die Armen und Hässlichen. Und der Genfluss zwischen diesen beiden Populationen ist sehr gering (Stichwort: assortive mating).
Apropos 'mating': Würdest Du sagen, das Du in einer gemischtrassigen Beziehung lebst?
Was mir wirklich fehlt, das sind handfeste biologische Kriterien, die es einem erlauben würden, jeden Menschen zweifelsfrei einer biologischen Rasse zuzuordnen. Ethnische Zuordnungen finde ich da einfacher. Und um noch einmal auf die Medizin zurückzukommen: Die grobe Einteilung in Schwarze, Weiße (Kaukasier), Hispanics und Asiaten finde ich unproblematisch. Ob sie immer nötig ist und ob die Trennschärfe wirklich ausreicht, um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, entzieht sich meiner Kenntnis.
@Elmar
Herzlichen Glückwunsch zu deiner originellen Gastblogger-Auswahl. Hältst du das vielleicht ein Fanal für die Meinungsfreiheit ("Man wird ja wohl nochmal sagen dürfen, dass...")? Oder hast du dir wirklich nicht genauer angeguckt, wen du dir da eingeladen hast?
Vgl http://studgenpol.blogspot.com/ ... "Ein Blog für konsequent naturalistische, anti-globalistische, kulturbewußte Info-Krieger - - - denen Leben - und damit auch genetische Kontinuität - heilig ist." Ach du heilige genetische Kontinuität *lol* Dazu Links zum Kopp-Verlag, Nuoviso-TV, Eva Herman-TV u dergl, das ganze abgerundet mit revolutionär neuen Verschwörungstheorien über Freimaurer, Jesuiten und Juden. Letzteren wird genetisch bedingt höhere Intelligenz zugeschrieben - kennt man ja vom "naturwissenschaftlich informierten Sozial- und Wirtschaftshistoriker und Politiker Thilo Sarrazin", jenem von Ingo so glühend und innig verehrten Oberschnauzbart.
Bah, wat widerlich...
Wozu das ganze? Was sollen solche Verbalflatulenzen? Weiße sind keine Schwarzen, boah ey... Na, immerhin holen wir Bleichgesichter jetzt in Sachen Lactose-Intoleranz schon auf. Vielleicht wächst uns sogar irgendwann nochmal ein längerer, sofern wir Männer sind. Ach ja, übrigens, Männer sind auch anders als Frauen, ganz wichtiger Punkt beim "verantwortungslosen Umgang mit dem demographischen Wandel". Europäer sind keine Asiaten, letztere saufen aber auch schon immer mehr.
"Wenn diese Revolution bereits vor über vierzig Jahren begann und von so herausragender Bedeutung ist, warum ist sie dann, vor allem der breiten Öffentlichkeit, bis heute praktisch unbekannt geblieben? Warum findet sie nicht täglich in den Massenmedien, in den Zeitungen und in der Schule Erwähnung? Ja, warum taucht sie selbst in bekanntesten biologischen Lehrbüchern nur selten auf, und wenn doch, nur am Rande?"
Diese Fragen stellt sich Sven Wunderlich im Vorwort der Übersetzung von Richard Alexanders Werk "Darwinism and Human Affairs".
Danke, Erwin, für den Hinweis! Da mußte ich erst 'ne GANZE Weile suchen, bis ich diese Übersetzung gefunden hatte: Richard D. Alexander. Jener Mann, der eine bestimmte Tierart und ihre Lebensweise vorausgesagt hat, bevor diese selbst entdeckt worden war, nämlich die eusozial lebende Art der Nacktmulle. Legendärer Mann!!!
Hat jetzt sogar 'ne eigene Internetseite, wie ich sehe.
In meinen Augen ist eines seiner lesenswertesten Paper dieses hier, jetzt dort auch frei zugänglich:
- - - Und das ist natürlich eine unglaublich zentrale Frage, die sich Sven Wunderlich da stellt. Eine Frage, die sich künftig noch mehr Leute stellen werden.
Genauso kann man fragen: Warum ist der Bestseller "The Bell Curve" seit 15 Jahren nicht ins Deutsche übersetzt worden? Detlef Rost macht in "Intelligenz - Mythen und Fakten" darauf aufmerksam, daß das ein durch und durch integrer Beitrag zur wissenschaftlichen Debatte war.
Der Aufsatz "Natural History of Ashkenazy Intelligence", der neuerlich auf einen Paradigmenwechsel aufmerksam machte, ist ebenfalls schon 2005 veröffentlicht worden und ist doch in weiten Kreisen damals diskutiert worden (Steven Pinker etc.), gelegentlich sogar in Deutschland und Österreich erwähnt worden. Warum hat es bis 2010 gedauert, bis die Debatte in Deutschland wirklich ankam? Und warum haben sich an ihr bisher so wenig biowissenschaftlich wirklich informierte Leute beteiligt? Warum konnte der VBIO eine in meinen Augen so völlig mißleitende Stellungnahme verfassen, die dann auch zusätzlich in den Medien nirgendwo Beachtung fand?
Kevin MacDonald hat auch hierauf schon viele Antworten gegeben. Es werden auch hier "gruppenevolutionäre Strategien" sein, die dem entgegenarbeiten. Siehe sein Buch "Culture of Critique", ebensfalls schon 1998 erschienen, und worauf ja auch "Natural History of Ashkenazi Intelligence" aufbaut.
- Erwin: Freut einen immer wenn man auf informierte Leute trifft, die nicht nur ressentimenthaft argumentieren (um mich mal zurückhaltend auszudrücken). Und die nicht dahingehend argumentieren, bestimmte Themen weiterhin aus dem gesellschaftlichen Diskurs auszugrenzen.
"Aber damit wird doch Ihre eigene These gleich schlagend widerlegt: Wenn ich in der Öffentlichkeit mich nicht gegen eine Medizin einsetze, die tötet, handele ich schlichtweg inhuman."
Ich sehe mein Argument nicht widerlegt. Entscheidend ist hier nicht die Absicht sondern das Ergebnis. Wenn man sich durch allzu forsches Auftreten unnötig Feinde macht, wird man es vermutlich schwer haben, sein Anliegen zu realisieren.
Die Soziobiologie hat ja Aristoteles Satz, der Mensch sei ein Zoon Politikon, bestätigt. Da muß man - auch als Naturwissenschaftler, der ich nicht formal aber nach Temperament, Talent und Interesse bin - auch ein bißchen Rücksicht auf seine Mitmenschen und ihre Gefühle, Vorurteile und Idiosynkrasien nehmen.
Oder sehen Sie das anders?
"Z.B. am Vorhanden- oder Nichtvorhandensein von Neanderthalergenom?
Wäre eine Möglichkeit. Und wie würdest Du das begründen?"
Ich hatte Dich so verstanden, daß Du die These einer großen genetische Übereinstimmung aller Menschen (die auf einen Flaschenhals vor 70.000 Jahren hinweist) vertrittst. Die ist ja in den letzten Jahren infragegestellt worden. Wie ich jetzt aus Deinem Kommentar sehe, insbesondere Deinem letzten Absatz, sind wir aber doch wieder einmal einer Meinung.
Wenige Gene können eben große Unterschiede verursachen. Z.B. unterscheiden sich Schimpansen und Bonobos genetisch kaum voneinander, differieren in ihrem Verhalten aber drastisch (ein Beispiel aus Pinkers 'The Blank Slate').
"Apropos 'mating': Würdest Du sagen, das Du in einer gemischtrassigen Beziehung lebst?"
Meine Freundin ist japanisch, ich bin deutsch. Also meinetwegen leben wir in einer "gemischtrassigen Beziehung". Aber, und darauf zielt Deine Frage ja wohl ab: "So what?"
Das ist übrigens in meiner Familie üblich. Auch meine Kusinen in Kenia leben dort in "gemischtrassigen Beziehungen". Es liegt eben alles in den Genen ;-).
Jürgen Bolt, Sie gefallen mir. So ähnlich hat ja auch William D. Hamilton argumentiert. Der hat auch immer leiser geredet, um so lauter man die Lautsprecheranlage gestellt hat. ;-)
Und ER war der eigentliche Begründer der Soziobiologie.
Aber ohne solche lauten Verkünder wie E.O. Wilson und R. Dawkins wäre die gesellschaftliche Debatte heute NOCH viel zurückgebliebener als sie es sowieso schon ist.
Ich denke, das menschliche Mitteilungsbedürfnis und auch allgemein der Drang nach Wahrheit lassen sich nun mal nicht über Jahrzehnte hinweg so steril halten.
Auch Wissenschaft braucht BREITE Diskussionen, zumal wenn sie vom Menschen handelt, um selbst "innerwissenschaftlich" weiter voranzukommen. Der innerwissenschaftliche Denkprozeß und Diskurs werden durch gesellschaftliche Debatten auch gefördert, nicht nur gehemmt. Insbesondere bei solchen Wissenschaftlern, die erst dann, wenn sie auf Widerstand stoßen, wirklich wach werden.
Und nachdem der Stein nun mal losgetreten worden ist von einem solchen Trampeltier wie Thilo Sarrazin (- oder wie würden Sie ihn nennen?) - warum mit all dem noch hinter dem Berge halten? Warum daraus eine Geheimwissenschaft machen?
Und Sarrazin hatte doch als Politiker AUCH Gründe. Als Politiker hat er Jahrzehnte lang sich beim Redenschreiben "zurückgehalten". Daß einem da IRGENDWANN mal der Kragen platzt bei allem dem Herumgeeiere - wenn man es besser weiß -, ist doch geradezu selbstverständlich.
Die Politiker der Nordhalbkugel sind gerade dabei die Völker der Nordhalbkugel abszuschaffen. Und da soll man so tun, als hätten die Biowissenschaften und ihre Deutungshoheit, die über die Deutungshoheit einer Bundeskanzlerin und eines Bundespräsidenten WEIT hinausgehen, nichts dazu zu sagen?
Gelegenheit, für diesen blog ein paar ganz grundsätzliche Dinge noch mal zu sagen.
"Herzlichen Glückwunsch zu deiner originellen Gastblogger-Auswahl."
Gelegentlich streifen wissenschaftliche Themen auch politische Gebiete wie z.B. gender, direkte Demokratie, Plagiate oder Völkerrecht. Bei der Deutungshoheit der Biowissenschaften geht es eben auch um solche Fragen wie Medizin für Rassen, Sarrazin und was weiß ich noch alles.
Was ein Autor bieten muß, um hier posten zu können, ist eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Kommentatoren um seine Thesen: Er muß Gründe bieten, auf die Gründe Anderer eingehen und weitere Informationen anbieten, damit die Leser selbst weiterdenken und sich ihr eigenes Urteil bilden können: So funktioniert Aufklärung nun mal.
Meiner Meinung zu sein, gehört nicht zu den Voraussetzungen dafür, hier posten zu können. Eine gewisse Ausnahme gibt es nur für religiöse Themen, da Religionen es unabhängig von Gründen schaffen, die Menschen unglücklich zu machen. Daher dürfen solche Themen in diesem blog nicht diskutiert werden.
"Oder hast du dir wirklich nicht genauer angeguckt, wen du dir da eingeladen hast?"
Eine steile These zu haben und für sie einzustehen, so daß sich Kommentatoren finden, die darüber streiten und diskutieren wollen, ist genau die Reibung, die ich sehen will: Sie erzeugt genau das Licht, das in den dunklen Ecken des Verstandes gebraucht wird und präzise das wird in diesem blog gewünscht und gefördert.
Politische Korrektheit oder ähnliche Denkverbote spielen in diesem blog bekanntlich keine Rolle. Und ich halte das in punkto Wahrheitsfindung auch für einen großen Vorteil. Im übrigen - und darin unterscheide ich mich möglcherweise von anderen bloggern - poste ich hier nicht, um zu beweisen, daß ich in irgendeinem Sinne auf der richtigen Seite stehe.
"Dazu Links zum Kopp-Verlag, Nuoviso-TV, Eva Herman-TV u dergl, das ganze abgerundet mit revolutionär neuen Verschwörungstheorien über Freimaurer, Jesuiten und Juden."
Gebloggt wird hier, um Gedanken auszuprobieren und der Vorteil und Unterschied zum Fernsehen besteht darin, daß man die posts nicht unkommentiert hinnehmen muß. Daher würde ich meinen blog auch niemals moderieren.
Wenn du also nicht Ingos Meinung bist, dann solltest du deiner Empörung in einem Kommentar zur Sache Luft machen und in diesem blog hast du dafür ein zu Hause, wenn du in einem Vortrag von nicht notwendigerweise guten Gründen versuchst, Anhänger für deine Position zu finden.
"Wozu das ganze? Was sollen solche Verbalflatulenzen?"
Auf brainlogs zu diskutieren, ist bekanntlich für die Autoren keine Kaffeefahrt und eine These, die z.B. sozialen Sprengstoff enthält und in öffentlichen Diskussionen gewogen, gemessen und durchleuchtet wird, ist 1000x ungefährlicher als eine, die in den Dunkeln des Bauchgefühls vor sich hingärt.
Also denk das nächste Mal nach, bevor du wieder einen Kommentar hinterläßt.
Das finde ich gut. Ich halte auch nichts davon, jemand aus der wissenschaftlichen Diskussion auszuschließen, weil er politisch vielleicht plemplem ist. Was mich am Erscheinen des Textes wirklich stört, ist, daß er unter jeder denkbaren Meßlatte für Wissenschaftlichkeit elegant hindurchläuft, egal ob diese nun bei null oder minus sonstwas hängt. Somit:
Das könnte er dann ja auch mal machen. Ich habe eine Reihe sinnvoller Fragen gestellt, auf die ich statt einer Antwort nur die Einordnung als ignoranter 'Ideologe' erhalten habe. Das hat mich nicht gewundert, weil Ideologen so nunmal diskutieren, und schon der agitatorische Tonfall des Ausgangsposts legte nahe, daß Bading ein ebensolcher sein dürfte. Aber die von Dir benannten Standards sehe ich da nicht eingehalten.
"Aber die von Dir benannten Standards sehe ich da nicht eingehalten."
Na ja ... wenn du nicht zufrieden bist, dann mußt du eben noch mal nachhaken. ;-)
Und natürlich stellt sich immer auch die Frage, ob das an Ingo oder am Thema liegt.
Wie Sven Wunderlich anspricht macht uns die Theorie der Selfish Genes auf das Freerider-Problem aufmerksam. Altruismus kann sich demnach in menschlichen Gesellschaften nur bewähren, sofern Freeriders gepunished werden (Richerson & Boyd).
Und hier liegt das Kernproblem unserer Gesellschaften: Unsere "Freeriding Elites", die sich in keinster Weise altruistisch, bzw. zum Wohle der Bevölkerung, benehmen.
Diese These, als Beispiel einer der Kernthesen der Soziobiologie, kann unsere Gesellschaft revolutionär verändern.
Es hat sich hierzu die Erkenntnis durchzusetzen, dass unsere politischen, ökonomischen und auch kulturellen Eliten auf das Phänomen des Freeridings intensivst überprüft werden müssen.
Mit Ingo Bading und seinen trotz seiner ständigen Betonung der Biologie doch offensichtlich politisch motivierten Thesen hatten wir uns u.a. im Kommentarteil von http://www.scienceblogs.de/alles-was-lebt/2009/03/wie-sag-ich-es-vermittling-von-evolutionsbiologie.php schon beschäftigt. Ich weiß wirklich nicht, warum man dieses tote Pferd immer wieder neu aufzäumen muß. Nur um zu beweisen, wie mutig und unangepaßt man ist? Inhaltlich kommt doch jedenfalls nie irgend etwas Neues, auch auf inhaltliche Kritik in den Kommentaren wird nicht eingegangen, und es kommt immer wieder nur das ewig gleiche Wehklagen über die vorgebliche Unterdrückung der armen, verfolgten, dabei doch angeblich so streng wissenschaftlich arbeitenden Rassenforscher.
Und noch zu Ingo Badings steiler These (die ich jetzt nicht mehr wiederfinde, wurde die inzwischen gelöscht?), die 'Unterdrückung' der Rassentheorien sei für den Tod von Menschen verantwortlich, weil sie eine der jeweiligen Ethnie gemäße Behandlung von Krankheiten verhindere: hat Herr Bading irgendein (nur ein!) Beispiel für diese These? Bis auf den Beweis des Gegenteils gehe ich mal davon aus, daß Ärzte selbstverständlich in ihrer täglichen Arbeit z.B. die schlechtere Laktose-Toleranz bestimmter Ethnien berücksichtigen und daß das auch im Studium gelehrt wird. Also ein klassiches Strohmann-Argument, das offensichtlich nur von der fehlenden fachlichen Substanz der in der 'Soziobiologie' tätigen Möchtegern-Wissenschaftler ablenken soll!
"Ich weiß wirklich nicht, warum man dieses tote Pferd immer wieder neu aufzäumen muß. Nur um zu beweisen, wie mutig und unangepaßt man ist?"
Nein, das ist es nicht. Ich möchte ein aktuelles Beispiel. Wirst du verstehen, wenn du meine posts in den nächsten Tagen ließt.
"(die ich jetzt nicht mehr wiederfinde, wurde die inzwischen gelöscht?)"
Ich habe nichts gelöscht. Sie steht hier:
"Ingo Bading an Jürgen Bolt am 01.09.2011, 15:52"
Das Thema der ethnischen Medizin ist anhand des ersten Herzmittels, das die amerikanische Gesundheitsbehörde "nur für Schwarze" zugelassen hat, um 2005 herum sehr gründlich im englischsprachigen Wissenschaftsbereich durchdiskutiert worden (siehe meine diesbezügliche Literaturliste).
Ich weiß nicht, ob man es einem einzelnen Blogger anlasten kann, wenn man davon noch nie etwas in der deutschen Wissenschaftspresse von gelesen hat.
Und ich sehe mich auch nicht in der Pflicht, hier auf jeden Einwand, der gebracht wird, einzugehen. Wenn man sieht, daß sich der einzelne auch schon einmal selbst bemüht hat, seine Zweifel und Kritik zu überprüfen, würde man eher Lust dazu bekommen.
Ansonsten fehlt mir dazu weitgehend die Muse. Über diese Themen sollten (auch) jene informieren, die von uns dafür bezahlt werden. Das sollte eben nicht nur Hobbybiologen in irgendwelchen Vorstadtgaragen überlassen werden.
Bei jenem amerikanischen Herzmittel ist die ERPROBUNG desselben ABGEBROCHEN worden, weil man gesehen hat, daß jene, die es bei dieser Erprobung NICHT bekommen haben, sondern ein Placebo, eine nachweisbar verkürzte Lebenserwartung hatten.
Daraus ergibt sich, daß wenn man noch länger Rassenunterschiede in der medizinischen Forschung allein in Bezug auf dieses Herzmittel ignoriert hätte - und überall, wo das geschieht - Menschen schlichtweg früher sterben. Das war gemeint (unter anderem!) als Sally Satel (und andere) sagten, daß "politisch korrekte Medizin" tötet.
Wenn 60 % der Arnzeimittelsubstanzen, die in Europa und Asien eingesetzt werden, unterschiedliche sind, dann macht schon dieser Umstand allein darauf aufmerksam, was hier alles noch "töten" könnte, wenn man die biologischen und medizinischen Unterschiede zwischen den Rassen nicht berücksichtigt.
Insbesondere hinsichtlich zahlreicher Minderheiten und insbesondere hinsichtlich es afrikanischen Kontinents, wo bekanntlich die wenigste medizinische Forschung stattfindet. (Ob deshalb aktuell Bill Gates aufs richtige und effektivste Pferd gesetzt hat mit seiner Impfkampagne, bleibe auch einmal dahingestellt.)
Allein dieses eine Thema wäre wieder eine ganze Diskussion für sich wert. Mein Blogbeitrag hat aber VIELE Themen zugleich angesprochen, die sich ALLE in die gleiche Richtung bewegen.
Wie gesagt: Wer schon ein bischen Vorkenntnisse aufzeigt, auf dessen Einwände, Kritik versuche ich gerne einzugehen, wer aber so tut und sagt: ich weiß nix, erklär mir das mal - für den fühle ich mich an DIESER Stelle nicht zuständig. Das möge man mir bitte zugute halten.
Etwa die Diskussion darüber, wie man Rasse definiert, da hat Richard Dawkins ein SEHR hübsches Kapitel in "Ursprünge des Lebens geschrieben" (Grashoppers Tale). Er zeigt anhand einer Grashüpferart auf, daß hier schon Fortpflanzungsschranken bestehen nur aufgrund eines bestimmten "Gesanges", sonst können die Biologen die beiden Arten gar nicht unterscheiden und fragt dann weiter, wie man da eigentlich beim Menschen Rasseunterschiede leugnen kann, wo diese doch viel leichter sichtbar sind, als bei dieser Grashüpferart.
Damit hat er all die vielen "Diskussionen" um die Unschärfte der biologischen Gattungsbegriffe gut auf den Punkt gebracht, wie ich meine.
Und man kann zu sinnvolleren Themen weitergehen.
Übrigens auf Michael Blumes Blogbeitrag zum Bloggewitter bringe ich seit heute morgen keinen Kommentar mehr rein - ständig Fehlermeldungen.
"Übrigens auf Michael Blumes Blogbeitrag zum Bloggewitter bringe ich seit heute morgen keinen Kommentar mehr rein - ständig Fehlermeldungen."
Diese Probleme wurden im internen Forum schon öfters angesprochen und sind im Prinzip bekannt. Ich kann nicht mehr tun, als die Sache noch mal weiterzuleiten.
Tja, seitdem in Stuttgart die Grünen regieren, sperrt MB sogar seinen früheren Lieblingskommentator.
Zur Sache: es geht ja wohl um das Medikament Bidil und dieses wurde doch zugelassen. Wer also ist hier von politisch korrekter Medizin getötet worden?
Den Kritikern des bei der Bidil-Empfehlung verwendeten Rassebegriffs ging es darum, daß nicht bekannt ist, was bei der Wirkung des Medikaments auf genetischer Ebene stattfindet, und man deshalb nicht mit Sicherheit sagen kann, wem das Medikament nützt oder nicht - schließlich gibt es auch Hellhäutige mit 'Schwarzen-Genen' oder genetische Variationen innerhalb derselben Hautfarbe. (Natürlich ist das ein Argument, mit dem man viele Medikamentenempfehlungen kritisieren könnte und insofern etwas wirklichkeitsfremd.)
Jedenfalls sehe ich nicht, was Rassentheoretiker zum Verständnis der medizinischen Vorgänge auf genetischer Ebene beitragen könnten. Dafür braucht man Biologen und keine Ideologen.
"Jedenfalls sehe ich nicht, was Rassentheoretiker zum Verständnis der medizinischen Vorgänge auf genetischer Ebene beitragen könnten. Dafür braucht man Biologen und keine Ideologen."
Stimmt, Ideologen braucht man eigentlich nie. Weder auf der einen noch auf der anderen Seite.
Hier übrigens ein aktuelles Paper zu molekularen Unterschieden zwischen Afroamerikanern, Kaukasiern und Mexiko-Amerikanern bezüglich des Bluthochdrucks:
http://www.dovepress.com/getfile.php?fileID=10845
Nun ja, ich hatte nicht den Eindruck, daß Herr Bading sich für molekulare Unterschiede interessiert. In diesem Beitrag wird doch fröhlich alles miteinander vermischt, die ethnische Medizin mit der Soziobiologie, Dawkins mit Wilson, Schirrmacher, Sarrazin, Bolz, das "christliche Menschenbild", Bastian Greshake und der "Verrat" der CDU. Wenn Herr Bading tatsächlich von der Deutungshoheit der Biologie überzeugt ist, dann sollte er vielleicht auch auf biologischer (molekularer, genetischer ...) Ebene argumentieren.
(Man lese vielleicht auch die letzten 20 Kommentare bei http://www.scienceblogs.de/alles-was-lebt/2009/03/wie-sag-ich-es-vermittling-von-evolutionsbiologie.php.)
In diesem Artikel hier kommt kein einziger genetischer Fachbegriff vor, es handelt sich durchgängig um ein politisches Bekenntnis. Das ist natürlich nicht verboten, aber es ist doch ein bißchen absurd bei einem Artikel, dessen Thema eigentlich die Deutungshoheit der Biowissenschaften sein sollte.
.....dieses Themas.
Bisher wurde das Thema einseitig so verstanden, als kaeme den Biowissenschaften selbst Deutungshoheit zu. Deutungshoheit worueber? Natuerlich ueber die Forschungsergebnisse dieser Wisenschaft selbst. Ich schlage deshalb vor, das Thema von der Seie her aufzufasssen, wer sich "Deutungshoheit ueber die Biowissenschaften" anmasst.
Diese Anmassung der Deutungshoheit ueber die Ergebnisse aller Naturwissenschaften kommt seit jeher von den Vertretern von Ideologien und Religionen. Zur Zeit ist es die Ideologie der politischen Korrektheit, die sich diese Deutungshoheit anmasst, wie ich meine, mit katastrophalen Auswirkungen. Da diese Deutungshoheit mit Mitteln der Existenzvernichtung von den politisch Etablierten und von den Medien durchgsetzt wird, leben wir in einer vergifteten Atmosphaere, in der an sich revolutionaere Forschungsergebnisse weitgehend zur Folgenlosigkeit - kraft idelogischer Deutungshoheit - verurteilt werden.
Beispiele koennen hierzu vor allem in zwei Bereichen zusammengetragen werden: in der Genforschung und in der Gehirnforschung. Die Messbarkeit von Denk- Wahrnehmungs- und Empfindungsprozessen zeigt die klare Unterscheidbarkeit zwishen solchen Prozessen, wenn sie im Unterbewusstsein (- implizit -) oder im Bewusstsein (- explizit -) ablaufen. Ueberwiegend folgen die unterbewussten Prozesse ererbten - also genetisch nachweisbaren - Mustern. Die bewussten Prozesse dagegen sind erworben.
Nur im Zusammenwirken von Genetik und Gehirnforschung koennen koennen wir uns den Fragen der Vielheit oder der Uniformitaet von Ethnien oder Rassen annaehern. Das geht aber nur, wenn die Wissenschaft den Ideologen die Deutungshoheit entreisst.
Mit scheint, darum geht es Herrn Ingo Bading. Ich begruesse diese Diskussion.
@Elmar
Danke für deine Rückmeldung. Natürlich ist es deine Entscheidung, wen du warum bei dir bloggen lässt. Ich sehe das ganze genau wie TK und bin gespannt, was du mit dem in deiner Antwort an ihn genannten "aktuellen Beispiel" meinst, welches in den nächsten Tagen folgen soll. Auch mir ist Ingo durch seine Kommentare auf Scienceblogs schon öfters sehr unangenehm aufgefallen, vgl http://www.scienceblogs.de/frischer-wind/2011/07/das-wissenschaftliche-menschenbild-der-burschenschaftler.php#comment239424
Zur Sache: Näheres über das vermeintlich rassenmaßgeschneiderte BiDil ist nachlesbar unter http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/gid/179/thema/feuerlein/bidil-ethnische-medizin ... Demnach handelt es sich bei BiDil um "ein Kombinationspräparat aus zwei Wirkstoffen (Isosorbid Dinitrad und Hydrazilin), die bereits seit Jahren bei Bluthochdruck sowie bestimmten Herzerkrankungen verabreicht werden – und weitaus günstiger sind als das neue Präparat". Mit den Schlagwörtern "Pharmakogenetik" und "personalisierte Medizin" wurde BiDil erfolgreich als Innovation vermarktet: "Die Strategie ging auf: Die Angabe einer neuen Indikation – nämlich des angeblichen Nutzen BiDils für eine ausgewiesene Personengruppe – erlaubte es NitroMed, einen 2007 auslaufenden Patentanspruch auf BiDil zu verlängern: Das neue Patent bezieht sich auf "eine Methode, um die Sterblichkeitsrate von AfroamerikanerInnen (sic) mit Herzinsuffizienz zu senken" und läuft erst 2020 aus."
Bzgl der Studie, die zur Zulassung von BiDil führte, lohnt es sich besonders, den Abschnitt über "Methodische Probleme" genau zu lesen. Veraltete Datenbasis und abenteuerliche, vulgärbiologistische Hypothesen flossen in jene Studie mit ein, leider jedoch kein Beleg für einen spezifischen Nutzen von BiDil: "Es wurden aber keine Anhaltspunkte dafür gefunden, dass es biologische, geschweige denn genetische Merkmale gibt, die Menschen mit dunkler Hautfarbe für das Medikament besonders empfänglich machen würden. Ein solcher Zusammenhang wird in der Studie selbst von den Autoren auch nicht erhoben; er wird jedoch in der folgenden Vermarktung des Medikaments, ebenso wie in der folgenden Rezeption der Medien suggeriert."
Soviel erstmal zur von Ingo beklagten tödlichen politisch korrekten Medizin.
*Ironie-Modus an* Wenn schwarze US-BürgerInnen also zB vor 30 Jahren ca doppelt so oft wie Nicht-Schwarze an bestimmten Herzerkrankungen starben, so lag das natürlich mitnichten an ihrer schlechteren medizinischen Versorgung aufgrund ihrer schlechteren ökonomischen Bedingungen - nee, is klar, die hatten und haben einfach die schlechteren Gene... *Ironie-Modus aus*
Gut, dann einigen wir uns auf die Deutungshoheit der Naturwissenschaftler und verbieten es demzufolge Historikern wie Ingo Bading biologische Forschung für ihre politischen Ziele zu vereinnahmen :-)
Die Zulassungsbehörde verlangt nicht, daß alle Mechanismen der Wirkungsweise eines Medikamentes bekannt sind, damit es zugelassen wird, sondern daß ein ERFOLG dieses Medikamentes nachgewiesen wird. Das reicht schon, um Leben zu verlängern - ODER?
Es ist reichlich billig zu sagen: Weil die Wirkungszusammenhänge noch nicht vollständig bekannt sind, kann nicht behauptet werden, daß das etwas mit genetischen Rasseunterschieden zu tun hat. Eine ganz typisch ideologische Voergehensweise. Kein Wissenschaftler geht so vor. Er sieht einfach: Hier wirkt ein Medikament nur bei einer bestimmten biologischen Gruppe und er will mehr wissen. Und er geht ergebnisoffen vor. Und wir werden es schon noch herauskriegen, wie die Zusammenhänge sind.
Die Rassenunterschiede zwischen Schwarzen und Weißen sind gerade was Herzkrankheiten betrifft, beträchtlich. Und die Unterstellung, daß das nur auf unterschiedlicher Behandlung beruht, muß eben scharf abgegrenzt werden von jener, daß das nur auf genetischer Unterschiedlichkeit beruht. Wie so oft wird beides nicht ganz richtig und beides nicht ganz falsch sein.
Übrigens eine sehr ähnliche Debatte wie beim IQ. Da wird auch gerne gesagt, wir hätten ja noch kein Gen für IQ gefunden. Na und? Die Unterschiede sind meßbar und haben Folgen und sind erblich. (Wie z.B. die Zwillingsforschung zeigt.) Die genetische Grundlage wird schon noch gefunden werden. Da hat ein Wissenschaftler gar keine Sorge.
Es ist recht typisch: Ideologen und Theologen stürzen sich immer gerne auf vermeintliche "Lücken" ...
Daß Spannende ist halt, daß ALLE diese Themen auf einem Nenner zusammengefaßt werden können: jüngste Humanevolution der letzten zehntausend, tausend, ja manchmal sogar nur hundert Jahre. Und von diesem gemeinsamen Nenner ausgehend machen sie eben Sinn in einem großen, ganz neuen Bild von Humanevolution.
Daß vom Bewußtsein nicht wahrgenommene emotionalen Reaktionen (z.B. auf Rasseunterschiede) auch bei jenen wirken, die sehr stark im Bewußtsein Rasseunterschiede übersehen wollen, ist übrigens ebenfalls ein spannendes Forschungsthema, das ebenfalls Richard Dawkins schon recht genial angesprochen hat.
Das ist eines der ältesten Themen der Soziobiologie: Verwandtenerkennung.
Mir ging es eben darum: All diese schönen spannenden Themen der Soziobiologie und der Humangenetik werden vollkommen "zahnlos", muten einem "weichgespült" an, wenn man sie vereinzelt betrachtet, wenn man nicht den großen neuen Wurf insgesamt berücksichtigt, auf den sie hinauslaufen.
Bidil wurde zugelassen und es hat m.W. auch niemand versucht, die Zulassung zu verhindern. Wo also liegt das Problem?
"Gut, dann einigen wir uns auf die Deutungshoheit der Naturwissenschaftler"
wunderbar!
"....und verbieten es demzufolge...."
und gleich darauf dieses typisch deutsche "verbieten", diese panische Angst der korrekt Angepassten vor den "out-of-the-box" Denkern. Die fanatische Verbissenheit jener, die stets wollen, dass die Staatsmacht bei jeder Dikussion mithoert, soll also nach Ihrer Ansicht bestimmen, wer von den Diskussionsteilnehmern als Verbrecher behandelt wird.
Und wem wollen Sie das Aussprechen ihrer Gedanken verbietn? Offenbar nicht allen Historikern sondern nur "Historikern wie...", also nur bestimmten Kategorien von Historikern. Wie etwa Ingo Bading.
Sehen Sie nicht wie diktatorisch, wie faschistisch das ist?
Solche Verbote fuehren immer ueber kurz oder lang zu Hexen- und Ketzerverbrennungen. Sie beruhen immer auf brutalem Machtmissbrauch.
Gut jetz. Ab in die Heia.
Oh gott, muß man jetzt sogar solche Statements mit einem Ironie-Tag versehen?
SIE (und Herr Bading) hatten eine Deutungshoheit der Naturwissenschaften verlangt. Ich hatte nur darauf hingewiesen, daß SIE das dann auch auf den Autor dieses Blog-Artikels anwenden sollten, der 1. kein Naturwissenschaftler ist und 2. im Artikel politische Statements statt biologischer Forschung zum besten gibt.
Ingo schwurbelt einfach munter weiter, ohne irgendwelche empirischen Belege für seinen aufgewärmten Rassismusquark anzubringen. Dafür hat er nun einen Apostel gefunden - oder ist der nur eine Sockenpuppe...?
"Die Rassenunterschiede zwischen Schwarzen und Weißen sind gerade was Herzkrankheiten betrifft, beträchtlich." findet Ingo, unser Hobby-Rassenkardiologe, natürlich total ideologiefrei *lol*
Apropos Deutungshoheit der Naturwissenschaften: Ingo ist ja ebenso wie sein Idol Sarrazin schwer beeindruckt von "The Bell Curve" und preist es als wissenschaftliche Offenbarung mutiger Forscher an, die sich dem Diktat der political correctness nicht beugen. Da macht es auch nichts, dass die Autoren Murray und Herrnstein keineswegs Biologen sind: Der eine ist Politologe, der andere (war) Psychologe.
"1994 forderten der Politologe Charles Murray und der (mittlerweile verstorbene) Harvard-Psychologe Richard Herrnstein in ihrem Bestseller "The Bell Curve", Sozialhilfezahlungen an ledige Mütter einzustellen. Außerdem empfahlen sie, die "Affirmative Action" abzuschaffen, eine Quotenregelung, die vor allem den bislang unterrepräsentierten Schwarzen den Zugang zu Universitäten erleichtern und ihnen zu Jobs verhelfen soll. Begründung: Der durchschnittliche Intelligenz-Quotient (IQ) der Schwarzen liege 15 Punkte unter dem der Weißen - und das sei weithin genetisch bedingt." Quelle: http://www.sesin.de/images/Rassismus.html (Artikel erschien ursprünglich in GEO)
DAS ist der von Ingo geforderte gesellschaftliche Aufbruch, DAS meint er mit den revolutionären Erkenntnissen der Soziobiologie. Unter Naturalismus subsumiert Ingo übrigens auch das krude Weltbild von Erich und Mathilde Ludendorff, vgl http://studiengruppe.blogspot.com/ (die Seite besteht ausschließlich aus Beiträgen von Ingo, vielleicht hält er sich ja für eine Gruppe): "Auf diesem Blog sollen diverse und zum Teil ganz vermischte Vorarbeiten zu einer Geschichte des naturalistischen Denkens in Deutschland während des 20. Jahrhunderts eingestellt werden. Exemplarisch soll dabei einer der Schwerpunkte die Geschichte einer solchen "völkischen Subkultur" bilden wie die der Ludendorff-Bewegung. Ihre Denkstrukturen waren im Kern ebenfalls naturalistisch, selbst wenn das vielen ihrer Anhänger in dieser Form gar nicht bewußt gewesen ist."
Danke, Hel, daß Du uns, wo uns Ingo schon die Definition seines Rassebegriffs beharrlich verweigert, zumindest plausible Hypothesen zum Inhalt der von Ingo vielfach beschworenen 'Implikationen' seiner im obenstehenden Daueranakoluth hingeschlurten Thesen lieferst. Das bringt zumindest wieder etwas Fleisch auf diesen abgenagten Knochen.
....der Biowissenschaften und Naturwissenschaften.
"Verlangt" habe ich keineswegs eine Deutungshoheit fuer die Naturwissenschaften oder Biowissenschaften. Doch scheint mir diese, wenn ueberhaupt, bei den Wissenschaften selbst weit besser aufgehoben als bei politischen Korrektheitsideologen.
Ein solcer Begriff wie "Deutungshoheit" kann doch nur auf Grund der Beobachtung zustandekommen, dass eine solche Hoheit in dem Regime, in dem wir leben, mit ruecksichsloser Arroganz ausgeuebt wird. Grundsaetzlich bin ich gegen jede Form von Deutungshoheit. Eine solche Hoheit beruht immer auf Anmassung. Ich finde auch keineswegs, dass Ingo Bading eine Deutungshoheit fur die Biowissenschaften "verlangt" hat. Er hat sie implizit unerstellt. Unter dieser Unterstellung leidet seine Aussage. Denn diese Hoheit liegt, von den Traegern der Staatsgewalt und von den Medien unterstuetzt, heute, bei uns, hier und jetzt, in diesem Regime, bei den Ideologen politischer Korrektheit und keineswegs bei den Wissenschaftlern.
Lassen Sie mich diesen Vorschlag machen:
lehnen Sie sich mal in bequemer Haltung zurueck und vergessen Sie Ihre Ambition, den politischen Korrektheits-Aufpasser am Internet zu spielen. Wenn Sie sich also genuegend entspannt haben, dann versuchen Sie mal, auf die Kulturen, auf die Voelker und auf die Rassen des Menschengeschlechtes mit freundlichen Sinnen zu blicken und sich der Vielfalt dieses wunderbaren Mosaiks zu erfreuen. Vielleicht koennen Sie dann das spannende wissenschaftliche Abenteuer wuerdigen, die moeglichen genetischen Grundlagen dieses Mosakis zu erforschen.
Diskutieren macht freilich nur Sinn, sofern es den Diskutierenden tatsächlich um Wahrheit geht. Wenn man bloß irgendein Hassgezeter loswerden will oder den politischen oder auch unpolitischen Moralapostel spielen will, so kommt eben keine Diskussion heraus.
... sowie stereotype Abwehrphrasen zur pööösen, ja sogar tödlichen politischen Korrektheit der Ideologen, die sich partout nicht für Neo-Ludendorffismus, Pseudo-Genetik oder Vulgär-Naturalismus erwärmen mögen *gähn*
... ist Ingos Aussage "Es ist reichlich billig zu sagen: Weil die Wirkungszusammenhänge noch nicht vollständig bekannt sind, kann nicht behauptet werden, daß das etwas mit genetischen Rasseunterschieden zu tun hat.". Genauso versuchen auch die Homöopathen hartnäckig, ihre kognitiven Dissonanzen quasi als Avantgarde-Wissenschaft hinzustellen.
Zitat: »Meine Freundin ist japanisch, ich bin deutsch. Also meinetwegen leben wir in einer "gemischtrassigen Beziehung". Aber, und darauf zielt Deine Frage ja wohl ab: "So what?" «
Ich meinte nicht so sehr, ob Dir das gleichgültig ist, sondern ob Du das so empfindest, dass Deine Freundin einer anderen biologischen Rasse angehört als Du.
Dass Japaner/innen im Durchschnitt etwas anders aussehen als Europäer/innen, ist ja nicht zu bestreiten. Es mögen auch physiologische Unterschiede bestehen. Und wenn das japanische Volk seine Inseln nie verlassen und jede Zuwanderung unterbunden hätte, hätte es in ferner Zukunft vielleicht mal eine andere Menschenart gegeben. Die Geschichte ist aber anders verlaufen. Ob die bis dato durch die geographische Separation entstandenen Unterschiede bereits als Rassenunterschiede zu qualifizieren sind können, ist eben die Frage und meiner Meinung nach reine Geschmackssache.
Hat einer von den Kommentatoren eigentlich noch den Überblick, warum
a) es mit steigender Kommentarzahl keinen Fortschritt in der Sache gibt
b) sich die Diskussion langsam in Richtung "politische Diffamierung" bewegt?
Das sind echte Fragen, die mich wirklich interessieren.
In welcher "Sache" sollte es denn einen Fortschritt geben?
Und wer wird hier politisch diffamiert? Daß es Herrn Wild um die Wiedereinführung des Rassebegriffs in die politische Debatte geht, ergibt sich schlicht aus seinen Kommentaren. Bei Herrn Bading muß man den Text vielleicht erst ein zweites Mal lesen, um sich über die Stoßrichtung klar zu werden. Es ist nur eben so, daß er ja schon seit Jahren immer wieder mal Kommentare zu Beiträgen in den scienceblogs einstellt, die eine klare politische Tendenz erkennen lassen, etwa den von Hel verlinkten Kommentar zu der Burschenschaft, die keine Deutschen asiatischen Aussehens aufnehmen möchte.
Natürlich ist es in einer Demokratie erlaubt, solche Meinungen zu äußern. Genauso erlaubt muß es aber auch sein, darauf hinzuweisen, daß der Autor keine wissenschaftlichen, sondern politische Ziele verfolgt.
"Natürlich ist es in einer Demokratie erlaubt, solche Meinungen zu äußern. Genauso erlaubt muß es aber auch sein, darauf hinzuweisen, daß der Autor keine wissenschaftlichen, sondern politische Ziele verfolgt."
Ich unterbinde nie irgendeine Diskussion und ich rufe auch niemanden zur Ordnung.
Aber mir scheint für die meisten Diskussionen rund um Evolution symptomatisch zu sein, was hier passiert - was ich im Moment nur wertfrei feststelle. Meine Ansichten dazu werde ich in einem eigenen post entfalten.
Um Evolution ging es hier eigentlich weniger. Es ging darum, welche (politischen, gesellschaftlichen, persönlichen) Folgerungen man aus tatsächlichen oder vermeintlichen biologischen Unterschieden zieht, wenn der Autor behauptet: "Sie stellt grundlegende gesellschaftliche Konzepte infrage, wie sie heute von allen großen Parteien des deutschen Bundestages vertreten werden." Da würde man doch gerne wissen, welche von allen Parteien vertretenen grundlegenden gesellschaftlichen Konzepte der Autor konkret eigentlich meint und durch was er diese grundlegenden gesellschaftlichen Konzepte gerne ersetzt haben würde.
Gute Frage.
Das ist eben, was ich hier vor ein paar Tagen interessant genannt habe, aber eigentlich nur mit Menschen diskutieren möchte, bei denen ich sicher bin, daß sie keinerlei Neigung zur Diskriminierung anderer Menschen aufgrund irgendwelcher Gruppenmerkmale wie Geschlecht, Rasse, sexueller Neigung, politischer Präferenz oder Klassenzugehörigkeit haben.
Also z.B. mit Dir.
Die Unterschiede zwischen mir und meiner Freundin sind die erwartbaren: sie empfindet viel kollektivistischer als ich, und sie spricht selbst bei banalsten Dingen nicht direkt aus, was sie denkt. Diese Unterschied sind sehr deutlich und absolut persistent.
Dazu kommt, daß nicht nur sie sondern auch schon ihr Vater in den USA geboren wurde. Ihre Mutter ist noch in Japan geboren.
Da frage ich mich schon manchmal, ob diese Unterschiede ausschließlich kulturell bedingt oder zu einem Teil eben doch genetisch sind. Ich habe keine Antwort. Aber von vorneherein ausschließen möchte ich diesen Gedanken nicht.
Übrigens geht es den erwähnten Kusinen, die großenteils in Ostafrika aufgewachsen sind und dort gegenwärtig auch leben, ähnlich. Das betrifft z.B. die sich seit zwei Jahren abzeichnende Hungerkatastrophe in Somalia, gegen die in Kenia frustrierend wenig unternommen wurde. Bis sie jetzt wirklich eingetreten ist.
Vielleicht, denke ich manchmal, ist mein Ideal individueller Freiheit und Verantwortung, gar nicht so universell, wie ich es gerne hätte, sondern ein Spezifikum von Nord- und Mitteleuropäern. So wie unsere Laktase-Persistenz. Und wir sollten kollektivistischere Gesellschaftsentwürfe - nicht Diktaturen oder Gewalt - ein bißchen zurückhaltender beurteilen.
Vielleicht hat der Dalai Lama recht, wenn er sagt, daß das amerikanische auf individueller Freiheit und Verantwortung beruhende Gesellschaftssystem auf andere Kulturen und Ethnien nicht übertragbar ist.
Ich weiß es, wie gesagt, nicht. Ich möchte diesen Gedanken aber nicht ausschließen, weil er politisch inkorrekt ist.
Letztlich ist es zwar akademisch interessant aber praktisch nicht wirklich wichtig, ob diese Unterschiede zwischen menschlichen Subpopulationen rein kulturell oder biokulturell begründet sind. Und schon gar nicht ist es wichtig, mit welchem Ausdruck man diese Subpopulationen bezeichnet. Wichtig ist, diese Unterschiede, die im Mittel (nicht im Einzelfall) bestehen, wahrzunehmen und konstruktiv zu nutzen.
Ist es wirklich eine so gute Idee, unsere Gesellschaft so weitgehend zu individualisieren und die Gruppenunterstützung an einen Sozialstaat zu delegieren? Oder sollten wir von anderen Kulturen lernen und ein bißchen mehr in die Pflege von Familie und Freundschaften investieren? Und sollten wir vielleicht nicht grundsätzlich unsere Meinung laut herausposaunen, weil es authentisch ist, sondern Rücksicht auf unsere Mitmenschen nehmen und uns ein bißchen mehr zurückhalten?
Das sind praktische Fragen, die sich für mich aus meinem deutsch-französisch-englisch-amerikanisch-ostasiatisch-ostafrikanischem familiären Hintergrund ergeben.
"Da würde man doch gerne wissen, welche von allen Parteien vertretenen grundlegenden gesellschaftlichen Konzepte der Autor konkret eigentlich meint und durch was er diese grundlegenden gesellschaftlichen Konzepte gerne ersetzt haben würde."
So wie ich das sehe, ist dieser Aspekt von dir, Ingo, bisher nicht ausreichend kommentiert worden. Das solltest du nachholen.
Hallo Elmar,
ich dachte, die Frage schon mit diesem Absatz beantwortet zu haben:
"Die heutige Politik betrachtet den Menschen als ein weltweit beliebig verschiebbares und durch Erziehung beliebig austauschbares Individuum. (Übrigens ja auch auf dem Gebiet der 'Geschlechterpolitik'.) Sie versucht immer mehr sehr bewußt zu ignorieren, daß menschliches Zusammenleben im Alltag und jenseits des gegenseitig befruchtenden internationalen kulturellen und wirtschaftlichen Austausches in historisch gewachsenen Gemeinschaften stattfindet, in Sprachgemeinschaften, die jeweils auch durch ganz spezifische genetische Verteilungsmuster als unverwechselbar und unaustauschbar gekennzeichnet und bestimmt sind."
Sarrazin hat den gleichen Eindruck geäußert und erörtert, warum es eigentlich das deutsche Volk geben soll. Das ist eine wichtige, vielleicht schwer zu beantwortende Frage. Aber aus Sicht von "Natural History of Ashkenazi Intelligence" (und German, Japanese, Chinese etc. Intelligence) wieder etwas besser, vielleicht. Die heute bestimmenden Politiker außerhalb Israels scheißen drauf. Das ist mein Eindruck. Und nicht nur meiner.
Ich habe nicht den Eindruck, daß das Verfassungssubjekt "deutsches Volk" den großen Parteien noch irgendwie wichtig ist. Frank Schirrmacher muß diesen Eindruck ja auch gewonnen haben. Bei den "Grünen" will man die deutsche Staatsbürgerschaft ganz abschaffen, CDU-Minister wollen dem Volk die "Vereinigten Staaten von Europa" aufoktroyieren, sie wollen die demographische Krise mit Anwerbung von Facharbeitern aus aller Welt bewältigen, sie haben allesamt kein schlüssiges Konzept, wie man der demographischen Krise begegnen soll. Hat nicht ein CDU-Ministerpräsident der neuen Bundesländer gesagt (ein katholischer), man solle die fehlenden deutschen Geburten durch die Einwanderung von Katholiken ersetzen? Ich fragte mich damals ernsthaft, welche Katholiken er meint. In ganz Europa haben auch die Katholiken zu wenig Kinder. Er kann eigentlich nur an Afrika oder Südamerika oder so gedacht haben.
Kein bekannter Politiker spricht mehr über die Förderung der Rückkehrwilligkeit eingewanderter Migranten. Usw.. All diese Umstände meine ich.
Viele diskutieren darüber, daß der Reichstag einen neuen Giebelspruch erhalten soll, weil er "diskriminiert", also statt "dem deutschen Volke" "der Bevölkerung".
Das deutsche Volk selbst hat keine Lobby in Deutschland. Das ist mein Eindruck. Und wenn die Biowissenschaften zu diesem Thema etwas zu sagen haben, dann werden diese Argumente AUCH aus politischen Interessen heraus geäußert werden können. Wenn die Wissenschaftlichkeit nicht darunter leidet, ist das allemal möglich, sogar letztlich "notwendig".
In der Wissenschaft ist ja nicht wichtig, welche Motive einen veranlassen zum Äußern von Argumenten, sondern ob die Argumente stimmen und sich als gültig erweisen. Brauch ich ja Leuten wie Dir, Elmar, nicht zu sagen. Aber einigen scheint das hier und anderwärts noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen zu sein.
Richard C. Lewontin oder Stephen Jay Gould hatten auch politische Motivationen (... Gould auch religiöse nebenbei gesagt). Ich kritisiere sie nicht wegen ihrer Motivationen, sondern weil sie falsch lagen in vielen zentralen Punkten und wie ja jüngst auch irgendwo in "Science" oder "Nature" bezüglich Gould erneut diskutiert worden ist (btr. seines "Mismeasure of Man", das nur mal eben selbst "falsch vermessen" hat ...).
Der Gould hat sich nicht sehr beliebt gemacht bei Soziobiologen und darüber hinaus. Es hat sich halt herausgestellt, daß die politischen Motivationen, die IHN leiteten, der Wissenschaft, die er betrieben hat, geschadet hat. Manche haben auch schon geäußert (auf dem Scienceblog von Razib Khan zum Beispiel), daß vieles davon nicht "fallacy" war, sondern bewußte Täuschung um politischer und religiöser Anliegen willen.
Nebenbei läßt einen das wieder einmal bedauern, daß es auf den beiden großen deutschen Blogportalen keinen so ganz und gar hervorragenden Humangenetik-Blog gibt wie "Gene Expression" von Razib Khan, wo sich zahlreiche von jenen kompetenten Leuten versammeln, die im Zusammenhang mit diesen Diskussionen wichtig sind.
Guten Tag, ich freue mich, einen so kritischen Artikel hier zu lesen. Ihnen weht ja ein rauer Wind entgegen, wie man hier schon in den Kommentaren lesen kann. Ich interessiere mich schon seit der Lektüre von Volkmar Weiss IQ-Falle für dieses Thema und bin schockiert, wie die PC und die Linke dieses Thema totzuschweigen versuchen. Weiter so.
"Ich habe nicht den Eindruck, daß das Verfassungssubjekt "deutsches Volk" den großen Parteien noch irgendwie wichtig ist."
Wenn die Begruendung, stimmt, die Joschka Fischer zu seiner Bevoelkerungspolitik gegeben hat, so wie sie mir hier in den USA zu Ohren gekommen ist, dann sind die Verhaeltnisse in Deutschland noch weit schlimmer. Zu seiner Einwanderungspolitik von Tuerken u.a. soll er gesagt haben, dass es ihm um die Eliminierung des deutschen Volkes geht.
Mein Eindruck ist auch, von den USA aus beobachtend, dass diese Absicht von allen politischen Parteien im Bundestag vertreten wird. Jeder, der sich dem offen widersetzt oder daran Kritik uebt, wird durch die Medien politisch vernichtet.
Es geht also um geplanten Voelkermord. Und die Aufgabe der politischen Korrektheitsideologen ist es, eine Sprachlaehmung jener herbizufuehren, die sich dieser Voelkermordpolitik durch Meinungsaeusserung entgegenzusetzen versuchen.
Ach so, durch welche "grundlegenden gesellschaftlichen Konzepte" möchte ich die gegenwärtigen ersetzen? Da habe ich kein fertiges Konzept im Hinterkopf. Ich weiß nur eines: daß Völkermord, Inhumanität und "eliminatorische" Ideologien damit absolut nichts zu tun haben dürfen. Ansonsten wird es dabei zum Teil SEHR schwierige Fragen zu klären geben, wie ich auch grade bei Thomas Günther kommentiert habe
http://www.scilogs.de/blogs/blog/gedankenwerkstatt/2011-09-03/biowissenschaften-deutung-und-hoheit
Das Selbstbestimmungsrecht der Völker, das der amerikanische Präsident Wilson 1918 verkündet hat, wäre ein sehr guter Ausgangspunkt wie ich meine. Und das beinhaltet, daß kein Volk über ein anderes Volk herrschen soll. Also auch kein durchschnittlich intelligenteres Volk über ein durchschnittlich weniger intelligentes Volk. (Womit übrigens der ganze Globalisierungsquatsch ad acta gelegt ist.) (Und auch, daß es keine Geheimpolitik geben soll. Das war übrigens ebenfalls eine Forderung von Präsident Wilson.)
Ethnische Parallelgesellschaften können aus evolutionärer Sicht auch als etwas vorteilhaftes erachtet werden. Hätte sich das aschkenasische Judentum nicht als ethnische Parallelgesellschaft vom sephardischen Judentum abgesetzt vor tausend Jahren am Rhein oder so, hätte es nicht jene anderen evolutionären Wege gehen können, die zu einer durchschnittlichen Anhebung seines IQ's um etwa 10 bis 15 Punkte geführt haben, was weltpolitisch und weltkulturell wohl nicht ganz folgenlos gewesen ist und zu immensen wertvollen Beiträgen zu beiden geführt hat.
Da gäbe es VIEL zu besprechen. Und gerade dazu ist ein BREITER gesellschaftlicher Diskurs notwendig, wobei auch dafür gesorgt werden muß, daß diese Diskussion nicht wieder ebenso abgleitet wie eine ("irgendwie") ähnliche Diskussion vor 80 oder 90 Jahren. Auch heute sitzen wieder Populisten aller Spielarten bereit, um auf einer solchen gesellschaftlichen Debatte ihre inhumanen und undemokratischen Süppchen zu kochen.
Wir gehen in diese Debatte hinein MIT den zeitgeschichtlichen Erfahrungen der letzten 90 Jahre, nicht ohne sie. Das ist ganz, ganz wesentlich. Und der ganze riesige Bereich von "cheater detection" in (soziobiologischer) Theorie und politikwissenschaftlicher Praxis ist wichtig, wie ja auch schon von Erwin angesprochen worden ist ("free-rider"-Problem).
Offen gesagt verstehe ich nicht, was Sie uns mit diesem langen Kommentar sagen wollen.
Was konkret meinen Sie mit "Selbstbestimmungsrecht der Völker"? Daß nur die Angehörigen des jeweiligen Staatsvolkes (mit sauberem Ahnenpaß) wählen dürfen? Oder was? (Und erzählen Sie mir bitte nicht, was Wilson 1919 damit gemeint hat. Die Frage ist, was Sie hier und heute damit meinen.)
Ihrer Ansicht nach scheint Staatsbuergeschaft und Wahlrecht etwas mit der Deutungshoheit der Biowissenschaften zu tun zu haben, aber gluecklicherweise verschonen Sie uns mit der Absurditaet, was Sie selbst hier und heute darueber denken.
Ich bin sehr dankbar, dass Ihnen Herr Bading die Antwort auf Ihre Frage verweigert.
Wieso Pöbeleien? Ich habe nur eine klar formulierte Frage gestellt.
Sonst sind es doch immer Leute Ihrer Couleur, die sich beklagen, man könne über bestimmte Dinge nicht mehr diskutieren. Hier hat Herr Bading jetzt mal die Gelegenheit zu erklären, was seine wohlklingenden Phrasen eigentlich konkret in der Politik und im Alltag bedeuten sollen. Das sollte er dann auch nutzen.
Der Bestimmung darüber, wer die jeweilige Staatsbürgerschaft erhält zum Beispiel ist ein wesentlicher Bestandteil des Selbstbestimmungsrechtes der Völker. Ebenso darüber, ob Wirtschaftsflüchtlinge Asyl erhalten oder nicht.
Ein weiterer wesentlicher Bestandteil ist, daß viel schärfere Kritik geübt werden muß an Geheimpolitik, Geheimdiensten und Lobbymächten als das heute durch die Parteien des deutschen Bundestages geschieht (- also etwa durch unseren allseits beliebten ehemaligen RAF-Anwalt Ströbele). Auch das impliziert "Selbstbestimmungsrecht". Denn allzu oft vertreten diese genannten Hintergrundmächte alle Interessen aber nicht die der jeweiligen Völker.
Wie gesagt, ein langes Thema, auch zum Teil ein schwieriges. Grundsätzlich sehe ich aber nicht, was daran inhuman sein soll, wenn man nicht jedem Menschen, der in ein Land kommt, gleich die Staatsbürgerschaft hinterherträgt.
Und grundsätzlich ist es wünschenswert, daß es in Akademikerkreisen etc. viel mehr kinderreiche Familien gibt als heute. Es muß also vor allem eine Förderung der kinderreichen Familien geben, wo alle Bundesregierungen seit Adenauer total versagt haben. Denn der demographische Umbruch beruht nicht darauf, daß viele Leute statt zwei nur noch ein Kind oder gar keines bekommen, sondern vor allem am Rückgang jener Kinder, die in Familien hineingeboren wurden, in denen es drei und mehr Kinder gibt. Wir alle stammen von solchen Familien ab, weil nur allein durch sie Demographien von Gesellschaften stabilisiert werden.
Und all das impliziert eine deutlichere Arbeitsteilung zwischen denen, die wie bisher berufstätig sind und jenen, die MEHR als bisher kinderreiche Familien haben wollen. (Von denen gibt es genügend.) Keines von beidem darf dem anderen gegenüber wirtschaftlich benachteiligt sein.
Die Bestimmungen zum Staatsbürgerschafts- und Asylrecht, genauso wie alle anderen Gesetze, werden auch heute bereits vom Volk (bzw. seinen gewählten Vertretern, über die das Volk alle 4 Jahre abstimmt) beschlossen.
Wenn Ihnen, Herr Bading, das vom deutschen Volk beschlossene (und ja eigentlich gar nicht mal besonders liberale) deutsche Staatsbürgerschaftsrecht nicht paßt, dann sollten Sie sich vielleicht (frei nach Brecht) ein neues Volk wählen :-)
tk, Sie belieben zu scherzen. Aber gut.
Wir leben in einer gelenkten Demokratie. Das Volk hat gar nichts zu sagen. Aber wiegen Sie sich bitte gerne weiter in ihren Illusionen.
Z.B.: Es ist niemals darüber abgestimmt worden, ob es eine so umfangreiche Zuwanderung aus der Türkei hätte geben sollen.
Und selbst wenn es einmal zu einschneidenden Abstimmungen kommen sollte: Die Massenmedien haben alles zu sagen, das Volk nichts. Hat das ZDF einigermaßen anständig reagiert auf die Welle der Empörung anläßlich des Rausschmisses von Eva Herman? Aber nicht doch ...
Wann wurde "das Volk" gehört in der Affäre Guttenberg. Als es gaaaar nicht mehr anders ging und nur deshalb, weil die Informationskanäle dank Internet nicht mehr so gut wie früher zu steuern sind.
Und noch ein ganz anderes Argument: Auch Adolf Hitler ist demokratisch gewählt worden.
Nein, mit so viel Naivität kommen wir nicht weiter. Aber wir kommen mit so etwas auch weit ab von den Inhalten des Blogbeitrages.
Ich glaube Sie haben jetzt auf die Aggressivitaeten des Herrn Anonymus tk mit hieb- und stichfester Sachlichkeit geantwortet. Das sollte auch den anonymen Hetzern seiner Couleur genuegen und wir koennen hoffentlich zu einer sachlichen Diskussion des eigentlichen Themas zurueckfinden.
Hieb- und stichfeste Sachlichkeit? Wohl eher wirre Verschwörungstheorien ...
Die grün angezeigten Kommentatorennamen sind sogenannte "Links" auch bekannt als "Weltnetzverweise". Eine fast magische Eigenschaft des Weltnetzes ermöglicht es, auf diese zu "klicken", womit - unter Voraussetzung grundlegender Lesekompetenz - die Anonymität eines Kommentators mitunter schnell verschwindet.
Ergebenst,
Ihr Epistemologe
Ich schätze, Dein familiärer Hintergrund dürfte Dich davor bewahren, auf ähnliche Abwege zu geraten wie beispielsweise Ingo Bading :-)
»Und schon gar nicht ist es wichtig, mit welchem Ausdruck man diese Subpopulationen bezeichnet. Wichtig ist, diese Unterschiede, die im Mittel (nicht im Einzelfall) bestehen, wahrzunehmen und konstruktiv zu nutzen. «
Auf Anatol Stefanowitschs Sprachlog war bezüglich der Subpopulationen kürzlich von Untermengen bzw. Teilmengen die Rede. Das trifft es ganz gut, finde ich. Wir können, je nach Erfordernis, ganz unterschiedliche Teilmengen der Menschheit bilden. Dass der Zug zur Aufspaltung der Art Homo sapiens auf absehbare Zeit gestoppt ist, dürfte klar sein.
Die "konstruktive" Nutzung der statistischen Unterschiede findet ja bereits statt, besonders in der Wirtschaft. So zahlt z.B. der Beamte weniger Prämie für die KFZ-Haftpflicht als der gemeine Arbeiter. ;-)
"Ich schätze, Dein familiärer Hintergrund dürfte Dich davor bewahren, auf ähnliche Abwege zu geraten wie beispielsweise Ingo Bading." - Witzbold!
Was mich an diesen Diskussionen stört und weswegen ich zögere, daran teilzunehmen, ist, daß nicht alle Teilnehmer über Ernst Mayrs Differenzierungsvermögen verfügen:
"Equality in spite of evident nonidentity is a somewhat sophisticated concept and requires a moral stature of which many individuals seem to be incapable. They rather deny human variability and equate equality with identity. Or they claim that the human species is exceptional in the organic world in that our morphological characters are controlled by genes and all other traits of the mind or character are due to "conditioning" or other nongenetic factors. Such authors conveniently ignore the results of twin studies and of the genetic analysis of nonmorphological traits in animals. An ideology based on such obviously wrong premises can only lead to disaster."
They rather deny human variability…
Bei aller Zustimmung zu dem was Mayr da sagt, aber weder Du noch ich noch sonst wer von denen, die hier aus ganz unterschiedlichen Motiven heraus kommentieren, würden bestreiten wollen, dass es diese genetische und phänotypische Variabilität beim Menschen gibt. Ich wüsste jetzt keine andere Spezies, bei der diese Variabilität ausgeprägter wäre als beim Menschen (ist vielleicht auch nur anthropozentrisch gedacht).
Aber was ist daraus zu folgern? Insbesondere nachdem die Welt zu einem globalen Dorf geschrumpft ist (siehe Deine Familie)!?
Jede Teilmenge der Menschenpopulation ist letztlich willkürlich und dient bestimmten Zwecken. Das wäre für mich das, was die Biowissenschaften lehren.
Soviel (abschließend) zur "Deutungshoheit"… :-)
"Ich schätze, Dein familiärer Hintergrund dürfte Dich davor bewahren, auf ähnliche Abwege zu geraten wie beispielsweise Ingo Bading."
Tatsächlich Witzbold. Dazu braucht es keinen familiären Hintergrund; es reichen schon Spuren von Vernunft.
@Jürgen Bolt:
Aus welchem Text von Mayr ist das Zitat?
"Aus welchem Text von Mayr ist das Zitat?"
Ich habe es aus Pinkers 'The Blank Slate', und dort ist als Quelle angegeben:
Mayr, E. 1963, Animal species and evolution, Cambridge, Mass.: Harvard University Press
Hallo, ich plädiere ja für einen nationalen Humanismus. Jeder Mensch hat eine Nationalität, die er auch behalten und in deren Grenzen er auch bleiben sollte. Es ist ein Gebot der Vernunft, dass unterschiedliche NAtionen sich nicht vermischen.
Sehr aufschlussreich, jenes Thema betreffend, sind die Werke des politischen Ethologen Frank Salter.
Es geht um das Thema "zukünftige Konzepte".
Lars Fischer hat (drüben bei Thomas Grüter) das Schlagwort von einem so genannten "politischen Biologismus" in die Debatte geworfen. Im aktuellen "Nature"
http://www.nature.com/nature/journal/v477/n7363/full/477160a.html?WT.ec_id=NATURE-20110908
sind zu diesem Thema gerade ein paar, wie man finden könnte, sehr schöne Worte dem vielseitigen Soziobiologen David Sloan Wilson und seinem möglicherweise sehr interessantes "Nachbarschafts-Projekt" zu lesen:
"... Will Wilson be more successful than his predecessors? One reason he might is his rich, well-informed interpretation of evolution, encompassing biological and cultural evolution, multilevel selection and a sophisticated understanding of how learning and culture build on genetic predispositions. However, it remains to be seen whether good science will translate into good policy."
Wilson versucht also hier, biologische Kenntnisse in "gute Politik" umzusetzen. Besteht Anlaß, ihm hier einen Ideologie-Vorwurf zu machen?
Ab wann sind biologische Kenntnisse und biologisches Denken nicht mehr Wissenschaft, sondern Ideologie? Das dürfte eine sehr spannende Frage sein und würde die allgemeinere Frage nach der "Deutungshoheit der Biowissenschaften" wohl ziemlich deutlich verschärfen und präzisieren.
... ein guter Hinweis, ich seh mir die Sache vor meinem zweiten post mal an.
Sobald praktische Schlüsse daraus abgeleitet werden und vorgegeben wird, diese ergäben sich unmittelbar aus der wissenschaftlichen Erkenntnis selbst und nicht erst aus der wissenschaftlichen Erkenntnis im Verein mit gewissen Wert- und Zielvorstellungen, die die Wissenschaft selbst gar nicht hervorbringen kann.
Zustimmung zu deiner Definition. Entspricht sie nicht eigentlich sogar weitestgehend dem "naturalistischen Fehlschluss"?
Als Erscheinungsform des Biologismus wird in der Wikipedia auch "die moderne Soziobiologie und Evolutionäre Psychologie, soweit sie psychologische und gesellschaftliche Phänomene ausschließlich oder ganz überwiegend auf der Grundlage genetischer Faktoren erklärt" aufgeführt.
Nach meinem Verständnis IST Biologismus bzw biologischer/genetischer Determinismus bereits Ideologie.
"Nach meinem Verständnis IST Biologismus bzw biologischer/genetischer Determinismus bereits Ideologie."
Diesem Standpunkt würde ich mich anschließen. Er erlaubt es auch, die Maskulinisten (das sind die Verrückten) in der Männerrechtsbewegung in die Schranken zu weisen.
Yep, und als Pendant zum Gender-Biologismus der Maskulinisten finden sich auf weiblicher Seite sogar zwei Ausprägungen:
1. Die Eva Herman-Fraktion
Die (speziell in Deutschland) geringere Erwerbsquote der Frauen wird schlicht mit der schier revolutionären Erkenntnis erklärt, dass Frauen Kinder kriegen können/müssen/sollen/wollen. Demnach lebten "Karrierefrauen" wider ihre Natur und sollten bei diesem Irrweg nicht auch noch durch Kinderkrippen u dergl unterstützt werden. Die Frau als solche hat nicht nur eine Gebärmutter, sie IST eine Gebärmutter...
2. Der "Männer sind Tiere"-Hardcorefeminismus
Stichworte Vergewaltiger/Krieger-Gene, Gewaltakt Penetration, sowie die These, dass Männer gar nicht anders können als permanent jede Frau flachlegen zu wollen, weil sie evolutionär bedingt überall ihr Erbgut hinterlassen möchten...
... das hatte ich sagen wollen: Der Begriff Biologismus impliziert ja Ideologie. Sonst könnte man ja einfach sagen, es handele sich um die Berücksichtung biologischer Erkenntnisse bei der politischen Entscheidungsfindung.
Aber wo fängt hier Ideologie an - außer daß es einfach postuliert wird, daß es Ideologie wäre?
Ich glaube, in den Diskussionen werden viel zu wenig die SPIELRÄUME ausgelotet, die die Berücksichtigung biologischer Erkenntnisse immer noch mit sich bringen, auch dann, WENN man sie voll berücksichtigt. Es wird gleich geredet von Determinismus, als wäre bei einer solchen Berücksichtigung überhaupt kein Spielraum mehr vorhanden usw. usf..
Dabei wird selten berücksichtigt, daß wir mit der von der Wissenschaft erforschten menschlichen Natur schon seit 200.000 Jahren leben. Wie sind wir denn mit ihr zurecht gekommen, BEVOR wir von der Wissenschaft belehrt wurden?
Wenn einen die Wissenschaft z.B. belehrt, daß der IQ evoluiert, genetisch, seit Millionen und hundertausenden von Jahren, dann kommen die Leute her und wollen irgendetwas an hochtrabenden Zuchtprogrammen auflegen. In irgendeinem Machbarkeitswahn. (Ob es dazu fest umrissene Ideologien gibt, weiß ich nicht, aber es ist denkbar, daß solche formuliert werden.) Anstatt einfach mal auf dem Boden zu bleiben und zu sagen: Was ist denn im Rahmen eines humanistischen Weltbildes vernünftigerweise zu tun, um den biologischen Erkenntnissen gerecht zu werden auch in unseren politischen und persönlichen Entscheidungen? Und ohne nun gleich mit dem erhobenen moralischen Zeigefinger herumzulaufen und zu sagen: Also das, was du tust, ist ja wohl voll die Evolutionsbremse ...
Wenn man so nüchtern rangeht, ist das meiner Meinung nach nicht Ideologie. (Es sei denn, man nennt das humanistische Weltbild selbst eine Ideologie ... Wollen wir das???) Sondern einfach nur nüchternes, bodenständiges, unaufgeregtes, nicht-verstiegenes, nicht dem technokratischen Machbarkeitswahn unterworfenes Ausloten von Handlungsmöglichkeiten.
Das gültigere naturwissenschaftliche Forschungsergebnis ist zustimmungspflichtig. Wie ich damit umgehe, unterliegt dem nüchternen, rationalen, nicht-verstiegenen gesellschaftlichen Diskurs. Und macht uns noch keineswegs zu Marionetten des wissenschaftlichen Fortschritts.
Anwendung der eben getätigen Ausführungen:
Zum Beispiel das Frauenthema. Es werden heute Millionen erwünschter Kinder nicht geboren, wohlgemerkt ERWÜNSCHTER Kinder. Und wenn man die Leute fragt, warum nicht, haben sie präzise Antworten (Allensbach hat das vor einigen Jahren gemacht):
1. Es fehlt der geeignete Lebenspartner.
2. Man fühlt sich noch nicht reif genug (obwohl nur über 25-Jährige gefragt wurden, sprich: Infantilisierung unserer Gesellschaft)
3. Kinder sind zu teuer (sagen jene, die schon Kinder haben HÄUFIGER, als jene, die keine haben)
4. Es hat mit dem Kinderkriegen nicht geklappt. (Reproduktionsmedizinische Fragen)
5. etc. pp.
Will heißen: Wir müssen doch Leute nicht zwingen, Kinder zu kriegen. Wir müssen nur alle Hindernisse beiseite räumen, die dazu beitragen, daß Kinderwünsche nicht erfüllt werden.
Mehr ist doch gar nicht erfordert. Und damit habe ich gleich eine Erweiterung des Buches von Thilo Sarrazin gegeben, das nämlich auf diesen Gebieten der Verbesserungsvorschläge grottenschlecht ist.
Und ähnlich kann man auf vielen Gebieten argumentieren. Ein humanistisches Weltbild, das die biologischen Erkenntnisse berücksichtigt, muß uns nicht zu Monstern und Marionetten der Gene machen.
Vieles, wozu uns "die Gene" veranlassen - oder veranlassen wollen -, machen wir sowieso schon furchtbar gerne. (Dafür haben sie nämlich auch schon wohlweislich gesorgt ...)
"Ein humanistisches Weltbild, das die biologischen Erkenntnisse berücksichtigt, muß uns nicht zu Monstern und Marionetten der Gene machen."
Mag sein, aber mach das doch mal vor - unter Berücksichtigung der Tatsache, daß der Inhalt unserer geistigen Zustände nichts mit Evolution zu tun hat.
Vielleicht gibt es da eine Möglichkeit - nur seh ich das im Moment nicht.
Das mußt du mir sowieso noch mal erklären, warum "der Inhalt unserer geistigen Zustände" "nichts mit Evolution" zu tun haben soll.
Wenn ich an Sex denke und so meine "geistigen Zustände" dabei habe, dann hat das "nichts mit Evolution" zu tun?
"Das mußt du mir sowieso noch mal erklären, warum "der Inhalt unserer geistigen Zustände" "nichts mit Evolution" zu tun haben soll."
Steht haarklein in meinem post. Lesen und verstehen mußt du es selbst.
"Wenn ich an Sex denke und so meine "geistigen Zustände" dabei habe, dann hat das "nichts mit Evolution" zu tun?"
Nein. Gar nichts. Das war nie so und das wird auch niemals so sein.
Das Verhältnis des Inhalts mentaler Zustände und ihrer zerebralen Erzeugung ist sehr viel komplizierter.
Ich könnte zum gegenwärtigen Stand der Forschung etwas mehr sagen, aber leichter als der letzte post wird's einfach nicht: Den menschlichen Geist zu durchschauen ist nun mal nicht einfach.
Auch nicht auf brainlogs.
"Wenn ich an Sex denke und so meine "geistigen Zustände" dabei habe, dann hat das "nichts mit Evolution" zu tun?"
OMG, hoffentlich nicht *grusel*
Daß die Verteilung einer genetischen Anlage für ADHS korreliert mit der Wanderungsfreudigkeit und Veränderungsfreudigkeit von Völker, ist 1999 in einer Studie postuliert worden, kritisiert worden und jetzt in einer Studie dieses Jahres erneut bekräftigt worden:
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ajpa.21507/abstract
Genau solche Studien sind es, die mit dem vorliegenden Beitrag angesprochen worden waren: Bei den Chinesen und Buschleuten kommt ADHS so gut wie gar nicht vor, in Südamerika und Europa recht häufig, was beides sehr gut zu den jeweiligen Kulturen paßt, die hier ausgebildet worden sind.
Außerdem ist es hochgradig tunlich, auf den kürzlich von Stephan Schleim (bei Ulrich Frey) empfohlenen Artikel hinzuweisen. Er liest sich wunderbar parallel zu dem hier gebrachten eher journalistischen Blogbeitrag und ergänzt ihn ganz und gar hervorragend:
Bolhuis, J. J., Brown, G. R., Richardson, R. C. & Laland, K. N. (2011). Darwin in Mind: New Opportunities for Evolutionary Psychology. PLoS Biology 9: e1001109.
http://www.plosbiology.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pbio.1001109
Darin heißt es - nur ein paar Beispiele:
"The notion of universalism has led to the view that undergraduates at Western
universities constitute a representative
sample of human nature, a view that has
been subject to criticism from anthropologists
and psychologists."
Oder:
"There have been substantial human genetic changes in the last 50,000 years, with possibly as much as 10% of human genes affected [19]. Events in the Holocene (the last 10,000 years), particularly the adoption of agriculture, domestication of animals, and the increases in human densities that these practices afforded, were a major source of selection on our species [17–22], and possibly accelerated human evolution [20,22]. Evidence from the human genome strongly suggests that
recent human evolution has been affected
by responses to features of the environment
that were constructed by humans, from
culturally facilitated changes in diet, to
aspects of modern living that inadvertently
promoted the spread of diseases [22,23].
Genes expressed in the human brain are
well-represented in this recent selection
[11,12]."
Oder:
While variation within populations accounts
for the bulk of human genetic variation, around 5%–7% of genetic differences can be attributed to variation between populations [55]. Some of the significant genetic differences between human populations have arisen from recent selective events [56,57]. Geneculture coevolution may well turn out to
be the characteristic pattern of evolutionary
change in humans over recent time spans [22,58] (see Box 2). From this perspective, cultural practices are likely to have influenced selection pressures on the human brain, raising the possibility that genetic variation could lead to biases on the human cognitive processing between, as well as within, populations. In summary, there is no uniform human genetic program."
WOW, WOW, WOW!!! Was will man noch mehr?