AKTUELLE POSTS chronologs

 
 

Sonnenbrand am Titicacasee

Jaaaah, es war unvernünftig, sich auf der Halbinsel Capachica im Titicacasee über Mittag für ein Viertelstündchen auf einen Stein zu legen und das Gesicht in die Sonne zu strecken. Doch der Wind blies so frisch, die Jacke blieb ohnehin zugeknöpft und die wärmenden Strahlen taten wohl auf der Haut. Zumindest kurzfristig. Einige Zeit später begann die Gesichtshaut zu kribbeln und zu brennen. Mein mitgebrachtes Halstuch wurde kurzfristig zum Mund- und Nasenschutz unter der Sonnenbrille umfunktioniert, die Sonnencreme Lichtschutzfaktor 50 war ... weiter

 

Von Glasaugen, Echthaarperücken und dem samtigen Glanz der Epidermis

Bis zum 1. März 2015 lohnt ein Besuch im Frankfurter Liebieghaus noch mehr als sonst. Es ist aber durchaus möglich, dass man die aktuelle Ausstellung der Skulpturensammlung ungewohnt verstört verlässt. Das liegt nicht nur an ausgesprochen drastischen Darstellungen wie den Wunden Christi oder dem detailverliebten Blick auf die Schnittfläche des abgeschlagenen Hauptes von Johannes dem Täufer („Johannesschüssel“). Fast mehr noch ist man nämlich beeindruckt von der Wirkung, die die lebensechte Darstellung von Figuren schlechthin auf den Betrachter hat. Illusionismus schon ... weiter

 

Geschichte als Gegenwart

Nun sind wir im letzten Schritt bzw. Text in dieser Reihe angekommen; hieß der letzte »Geschichte und Gegenwart«, so heißt dieser »Geschichte als Gegenwart« - ein feiner, aber wichtiger Unterschied. Während der letzte Text von der Gegenwart des Historikers handelt, geht es jetzt um die Gegenwärtigkeit des historischen Bewusstseins selbst. Aus der bisherigen Diskussion wissen wir, dass Vergangenheiten nur insofern da sind, als wir sie uns vorstellen, sie wahrnehmen können - und zwar in der Gegenwart, die, wie ich nun ... weiter

 

Geschichte und Gegenwart

Die letzte Diskussion über Sprache als Geschichte hat uns, nach einem langen Weg über verschiedene Blickwinkel, in die Gegenwart gebracht. Wir haben gesehen, wie die Sprache, die mit ihren gegenwärtigen Begriffen und Konzepten unsere Denkweise gestaltet, die Gegenwart in die Vergangenheit bringt, wenn wir im Geiste »zurückreisen«. Dabei ist Sprache nur ein Aspekt für solche »Kontaminationen«. Weil der Historiker in seiner Gegenwart lebt und aus ihr heraus denkt, erfolgt seine historische Arbeit ebenfalls in der Gegenwart. So ist das Produkt ... weiter

 

Sprache als Geschichte

In den letzten Beiträgen in dieser Reihe habe ich kurz erwähnt, dass unsere Sprache das Mittel ist, mit dem wir uns sehr weit zurückliegende Vergangenheiten vergegenwärtigen, also im Geiste erreichen können. Diesen Punkt möchte ich nun weiter ausführen und zwar vor dem Hintergrund, dass er leicht missverstanden werden kann, nämlich so, als ob hier darum ginge, dass die Historiker, etwa im Gegensatz zu Archäologen, schriftliche Quellen benutzten, die sich nun mal eben durch ihre Verwendung von Sprache von anderen Funden ... weiter

 

Geschichte als Konvention

Im letzten Text habe ich erklärt, wie groß in der Geschichtsschreibung die Rolle von Konventionen ist. Da kein Historiker alles erforschen, alles in Zweifel ziehen kann, braucht jeder einen Anhaltspunkt, eine Grundlage, auf die er seine eigene These stützt. Doch wir haben auch gesehen, dass diese Grundlage sich (wie im Fall Kurras) auch ändern kann, wodurch jede Geschichte, die auf ihr basiert, teilweise oder auch ganz ihre Gültigkeit verlieren kann. Somit ist jede Geschichte (d.h. letzten Endes alles historische Wissen) ... weiter

 

Kann sich die Vergangenheit ändern?

Wir wissen ja, dass Geschichte als Wahrnehmung sich natürlich ändern kann; gäbe es wirklich »die Geschichte«, die allen gemeinsame, allumfassende, feste Vorstellung wie zu Rankes Zeiten, so würde sie nichtsdestoweniger mit der Arbeit eines jeden Historikers, mit jeder neuen Deutung oder Umdeutung der Vergangenheit Änderungen durchmachen. Geschichte kann sich nicht nur, sondern sie muss sich ändern durch die Arbeit von Historikern. Aber im letzten Beitrag habe ich erklärt, dass auch die Vergangenheit, deren Wahrnehmung sich ändert, wiederum das Ergebnis von ... weiter

 

Pompeji und Herculaneum – das Eldorado für die Klassische Archäologie

„Es ist viel Unheil in der Welt geschehen, aber wenig, das den Nachkommen so viel Freude gemacht hätte“[1]. Goethes (1749-1832) Empfindung während seines Besuches von Pompeji im Jahr 1787 hat bis heute für viele Gültigkeit. Das Besondere ist der sehr gute Erhaltungszustand. Pompeji und Herculaneum ermöglichen einen direkten Einblick in den Alltag der ehemaligen Bewohner aus römischer Kaiserzeit. Die Einmaligkeit des Fundortes ist das Ergebnis einer verheerenden Naturkatastrophe. Im Jahr 79 n.Chr. wurde die kleinen Landstädte vom nahegelegenen Vulkan, mit ... weiter

 

Die Schichtung der Geschichte

Im letzten Beitrag habe ich erklärt, warum die Vergangenheit, die in der Theorie das ist, was war, in der Praxis nur eine Vorstellung davon ist, was war. Darum ist die uns als Menschen, also dem menschlichen Geist irgendwie erreichbare Vergangenheit nichts Objektives, sondern etwas durchaus Subjektives: das Ergebnis menschlicher Wahrnehmung. Damit rückt der Begriff von »Vergangenheit« ganz in die Nähe desjenigen von »Geschichte«, die ja ebenfalls Wahrnehmung und Darstellung von Vergangenem ist, seine Beschreibung und Deutung. Wie verhalten sich also ... weiter

 

Vergangenheit in Theorie und Praxis

Begonnen habe ich diese Diskussion über »Was ist Geschichte?« mit der Unterscheidung zwischen Vergangenheit und Geschichte, d.h. zwischen dem, was war und verging, und dessen gegenwärtiger Wahrnehmung. Bislang haben wir über die Geschichte, also die Wahrnehmung des Vergangenen gesprochen. Nun soll das Vergangene selbst besprochen werden: Inwiefern können wir als Historiker wissen, was war? Auf der theoretischen Ebene erscheint die Vergangenheit wie natürlich entstanden (im Gegensatz zur künstlich bzw. bewusst konstruierten Geschichte): Vergangenheit ergibt sich einfach durch den natürlichen, objektiven ... weiter

 

Wie unterscheidet sich »Geschichte« von »Geschichtsschreibung«?

Nach der ersten Differenzierung zwischen Geschichte und Vergangenheit möchte ich nun eine andere Verwechslung entwirren. Wenn wir mit einem Text über die Vergangenheit reden, ist dieser nun Geschichte oder Geschichtsschreibung? Meine Antwort wäre: weder das eine noch das andere. Ein Text ist erst mal ein Text, also wörtlich ein Gewebe (nicht zufälligerweise klingt es so ähnlich wie »Textil«, das dieselbe lateinische Wurzel hat). In einem historischen Text ist das Geschehene (res gestae), also verschiedene Geschehnisse, zu einer (schlüssigen, deutenden, sinnstiftenden) ... weiter

 

Wie unterscheidet sich »Geschichte« von »Vergangenheit«?

Die Diskussion über das Wesen der Geschichte möchte ich mit einer Differenzierung beginnen, die vielen Missverständnissen vorzubeugen vermag. Im heutigen wie auch dem früheren Sprachgebrauch wird das Wort »Geschichte« sehr oft als identisch mit »Vergangenheit« benutzt; doch auch wenn zwischen beidem eine nachvollziehbare Nähe besteht, sind sie keineswegs identisch, wie Hegel anmerkte: »Die Geschichte verbindet in unserer Sprache sowohl die objektive als auch die subjektive Seite. Sie meint die res gestae (das Geschehene) und die historia rerum gestarum (die Erzählung ... weiter

 

Kommt der Kondor oder kommt er doch nicht?

Es ist acht Uhr morgens. Auf fast 4000 Metern Höhe, mitten in den peruanischen Anden: Mirador Cruz del Condor. Schon jetzt knallt die Sonne erbarmungslos vom blauen Himmel. Vor mir öffnet sich der Colca-Canyon als gähnender Abgrund. Und kein Kondor in Sicht. Da hatten wir am Tag des Abstiegs von Capanaconde in den "Oase" genannten Ort Sagalle (Foto) mehr Glück. Beim Aufstieg von 1200 Höhenmeter war sich zumindest Frank sicher, einen gesichtet zu haben. Nur ein Fünftel der Reisenden schafft ... weiter

 

Was ist Geschichte? Zur Einführung

Seit der Entstehung einer akademischen Geschichtswissenschaft (sofern die Geisteswissenschaften auch mangels wiederholbarer Experimente überhaupt als Wissenschaft verstanden werden) im 19. Jahrhundert hat der Geschichtsbegriff viele Änderungen durchgemacht. Im Allgemeinen lässt sich eine klare Tendenz nachzeichnen, die von dem (m. E. vermeintlich) objektiven Wahrheitsanspruch eines Leopold von Ranke über eine völlig teleologische und ideologisierte Eingrenzung im Sozialismus bis hin zu dem heute vorherrschenden, postmodernen Fokus auf die eigene Subjektivität führt, welcher auch für mich gilt. Während der frühere, romantische Anspruch auf ... weiter

 

Zu Gast beim großen Bruder des Grand Canyon

Chivay ist mein derzeitiger Lieblingsort. 3652 Meter über dem Meeresspiegel liegt das kleine Nest am Eingang des Colca-Canyon, inmitten von Terrassenfelden und im Schatten mächtiger Berge. Meine roten Blutkörperchen haben sich soweit an die Höhe gewöhnt, dass sie mich nicht zur Luftschnapperin machen. Hier gibt es keinen lärmenden und stinkenden Autoverkehr, denn der einzige, wirklich befahrbare Weg führt immer weiter in den Canyon hinein, der am Ende fast doppelt so tief ist wie sein großer Bruder, der Grand Canyon, in ... weiter