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Im Kielwasser der Rhetorik: Logik und Grammatik

22. Mai 2016 von Henning Lobin

Aristoteles

Im Kielwasser des antiken Bildungsflagschiffs Rhetorik segelten zwei kleinere Boote als unterstützende Versorgungseinheiten. Die Logik, zunächst "Dialektik" genannt, und die Grammatik hatten diese Position nach und nach erobert, und zumindest für die Dialektik hatte dabei Aristoteles eine besondere Rolle gespielt. Der bedeutendste antike Philosoph vertrat eine nicht ganz so „idealistische“ Auffassung von der Rhetorik wie Platon, sondern sah sie als die Lehre des Wahrscheinlichen und der Meinungsbildung an.[i] Die Methoden zum Auffinden der Wahrheit hingegen, insbesondere zur korrekten Ziehung von... weiter

 

Antike Rhetorik – erst Zauberkasten, dann Bildungsideal

12. Mai 2016 von Henning Lobin

Gorgias

Rhetorik ist wichtig. Das merkt man besonders in einer Zeit mit hitzigen politischen Debatten. Die ZEIT hat die Rhetorik letzte Woche sogar zu ihrem Titelthema erhoben. Die Wenigsten aber wissen, dass die Rhetorik nicht nur als ein Zauberkasten mit Überzeugungstricks zu verstehen ist, sondern seit der Antike die Bildungsauffassung des Abendlandes prägt. Und das kam so: Die antike Rhetorik entstand aus der Praxis, entwickelte aber auch bald eine rhetorische Theorie. Die ersten bekannten Rhetorik-Lehrer waren zwei Männer aus den griechischen Kolonien auf... weiter

 

Die Erfindung der Rhetorik

28. April 2016 von Henning Lobin

corax

Nachdem sich die Bewohner von Athen im fünften Jahrhundert vor Christus von ihren diktatorisch regierenden Despoten befreit hatten, war eine historisch völlig neue Situation entstanden. Die Regierungsmacht wurde einer Ratsversammlung zugesprochen, die sich aus 500 per Los ausgewählten Mitgliedern der Volksversammlung zusammensetzte.[i] Der Vorsitz der Ratsversammlung, der oberste Repräsentant des Staates Athen, wechselte täglich. Ähnlich radikal demokratisch war auch die Gerichtsbarkeit organisiert. Jeder Bürger konnte als Ankläger auftreten und einen privaten Streit vor ein Volksgericht bringen. Ein solches Volksgericht bestand... weiter

 

Wie eine schlecht programmierte Web-Seite im Jahr 2008 eine Fluggesellschaft fast in die Pleite stürzte

6. März 2016 von Henning Lobin

Operating ENIAC Computer

Die Firma Narrative Science bietet eine Software an, die aus Zahlen Berichte erstellt. Informationen zur Entwicklung von Wertpapieren, Quartalsmitteilungen von börsennotierten Unternehmen oder aktuelle Wirtschaftsnachrichten, wie sie an vielen Stellen im Internet zu finden sind, werden dabei vollautomatisch ausgewertet und in eine „Erzählung“ überführt. Als Erzählung können die meisten Menschen nämlich Trends und Entwicklungen besser erfassen als in Gestalt von Tabellen. Narrative Science betreibt auf den Web-Seiten des Wirtschaftsmagazins Forbes einen Blog, in dem derartige Berichte veröffentlicht werden.[i] Forbes.com gehört... weiter

 

Fast forward: Gastbeiträge im Akademien-Blog “Wissenschaftskommunikation hoch 3″

22. Februar 2016 von Henning Lobin

univac

Nach längerer Pause melde ich mich bei den SciLogs zurück. In der Zwischenzeit habe ich unter anderem an einer Expertise zur Wissenschaftskommuniksation in sozialen Medien für ein Projekt der Union der Akademien der Wissenschaften gearbeitet. Diese Vereinigung der wissenschaftlichen Akademien in Deutschland betreibt nämlich unter Federführung der ACATECH gerade ein Projekt zur Kommunikation zwischen Wissenschaft, Öffentlichkeit und Medien, in dessen zweiter Phase es um die "Bedeutung, Chancen und Risiken der sozialen Medien" geht. Meine Aufgabe bestand darin, die künftigen technischen Rahmenbedingungen "unter... weiter

 

Der digitale Code ist die DNA der Kultur

31. Oktober 2015 von Henning Lobin

SAGE Console

Wenn digitale Meme die neuen Replikatoren sind, wie ich in meinem letzten Beitrag zu zeigen versucht habe, dann ist der digitale Code, aus dem sie bestehen, ihre DNA, die DNA der Digitalkultur. Für die "klassischen" Meme, die neuronalen Meme, wie sie Dawkins beschrieben hat, gilt dies nicht, denn sie besitzen nichts, was „direkt im Gehirn beobachtet werden könnte“, keine „syntaktische Klassifikation“[i]. Ein digitales Mem (d-Mem) hingegen lässt sich als eine eindeutige Abfolge von Zuständen im Speicher eines Computers wiedergeben, so wie... weiter

 

Digitale Meme

28. August 2015 von Henning Lobin

Kontrollsessel

Wie wirkt sich die Digitalisierung auf Meme der Schrift aus? Ein naheliegender Gedanke wäre es, die digitale Kodierung eines Textes als ein weiteres Medium aufzufassen, in dem Schrift ausgeprägt sein kann. Damit wäre die digitale Kodierung ein weiterer „Phänotyp“ eines Mems. In der Evolutionstheorie bezeichnet der Phänotyp die Gesamtheit der Eigenschaften eines Organismus. Diese werden durch die Gene maßgeblich gesteuert. Die Fähigkeit des Organismus sich fortzupflanzen, und somit die Reproduktion der Gene hängt entscheidend vom Phänotyp ab.[i] Dawkins bezeichnet den... weiter

 

Sprachliche Meme – kulturelle Replikation durch Sprache und Schrift

26. Juli 2015 von Henning Lobin

robotron KC87

„Menschliche Sprache, zunächst gesprochen und dann geschrieben, ist mit Sicherheit das Hauptmedium der kulturellen Weitergabe, durch die eine Infosphäre gebildet wird, in der kulturelle Evolution stattfindet. Sprechen und hören, schreiben und lesen – dies sind die zugrunde liegenden Technologien der Transmission und Replikation, entsprechend den Technologien der DNA und RNA in der Biosphäre.“[i] Mit diesen Worten charakterisiert Daniel Dennett die Rolle von Sprache und Schrift in der kulturellen Evolution. Sprache ist ein sehr gutes Instrument, um Erfahrungen und Wissen zu... weiter

 

Korollar zu “Dawkins, Memetik und kulturelle Evolution”

4. Juni 2015 von Henning Lobin

1280px-Commodore_PET2001-negativ

Zu der intensiven Diskussion zu meinem letzten Beitrag, bei der dankenswerterweise auch Blogger-Kollege Michael Blume auf einen sehr interessanten älteren Beitrag in seinem Blog "Natur des Glaubens" hingewiesen hat, möchte ich noch eine kleine Zugabe (lat. corrolarium) beisteuern.  Nachdem Richard Dawkins 1976 in seinem legendären Buch eine Skizze der Memetik vorgelegt hatte, wurden diese Thesen von einer Reihe namhafter Wissenschaftler aufgegriffen, so dass sich die Memetik eine Zeit lang tatsächlich als eine Art kulturwissenschaftlicher Evolutionstheorie entwickeln konnte.[i] Besonders einflussreich wurden die Arbeiten von Susan... weiter

 

Dawkins, Memetik und kulturelle Evolution

31. Mai 2015 von Henning Lobin

„Commodore PET2001“ von Photographer: Tomislav Medak from Flickr / Editing: Bill Bertram (Pixel8) - http://www.flickr.com/photos/tomislavmedak/3803230853/. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Commodore_PET2001.jpg#/media/File:Commodore_PET2001.jpg

Richard Dawkins nennt in seinem berühmten Buch „Das egoistische Gen“ von 1976 drei wesentliche Eigenschaften, die ein erfolgreicher Replikator aufweisen muss: Langlebigkeit, Wiedergabetreue und Fruchtbarkeit.[i] Mit Langlebigkeit ist gemeint, dass ein Gen über viele Generationen hinweg Bestand hat. Ob hingegen die Kopien des Gens, die in den Lebewesen enthalten sind, lange leben, ist dabei unerheblich. Das Gen selbst ist reine Information. Viele Abschnitte der DNA, die wir in jeder Zelle unseres Körpers mit uns herumtragen, dürften als Gene uralt sein,... weiter