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Das Walisische – eine uralte Sprache auf dem Weg in die digitale Zukunft

16. Juni 2016 von Henning Lobin

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"Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch" – das ist laut dem Guiness-Buch der Rekorde der längste Ortsname in einem Wort. Der Ort liegt im Norden von Wales, der Name aber wirkt so fremdartig, als ob er aus einem ganz anderen Teil der Welt stammen würde. Wie ist das zu erklären? In Wales wird neben dem Englischen das Walisische gesprochen, das zur Gruppe der keltischen Sprachen gehört. Weitere keltische Sprachen gibt es heute noch in Irland, Schottland, Cornwall und in der Bretagne. Die keltischen Sprachen gehören zu der Familie der indogermanischen Sprachen,... weiter

 

Die Saat geht auf – Das mittelalterliche Trivium als Keimzelle der Geisteswissenschaften

3. Juni 2016 von Henning Lobin

Augustinus

Im Mittelalter wurden Rhetorik, Grammatik und Dialektik als Teil der „Sieben Freien Künste“ zum „Trivium“ zusammengefasst. Der Begriff bezeichnet eigentlich nur eine Weggabelung, steht aber für die drei sprachlichen „Wege zur Weisheit“.[i] Hinzu kamen als „Quadrivium“ die Arithmetik und die Geometrie mit ihren jeweiligen „Anwendungsdisziplinen“ Musik und Astronomie. Es ist ja eigentlich erstaunlich, dass dieses antike Wissenschaftssystem im christlichen Mittelalter aufrecht erhalten, ja sogar dort erst systematisiert worden ist. Einen wichtigen Einfluss, zumindest auf die Etablierung des Triviums, hatte dabei... weiter

 

Im Kielwasser der Rhetorik: Logik und Grammatik

22. Mai 2016 von Henning Lobin

Aristoteles

Im Kielwasser des antiken Bildungsflagschiffs Rhetorik segelten zwei kleinere Boote als unterstützende Versorgungseinheiten. Die Logik, zunächst "Dialektik" genannt, und die Grammatik hatten diese Position nach und nach erobert, und zumindest für die Dialektik hatte dabei Aristoteles eine besondere Rolle gespielt. Der bedeutendste antike Philosoph vertrat eine nicht ganz so „idealistische“ Auffassung von der Rhetorik wie Platon, sondern sah sie als die Lehre des Wahrscheinlichen und der Meinungsbildung an.[i] Die Methoden zum Auffinden der Wahrheit hingegen, insbesondere zur korrekten Ziehung von... weiter

 

Antike Rhetorik – erst Zauberkasten, dann Bildungsideal

12. Mai 2016 von Henning Lobin

Gorgias

Rhetorik ist wichtig. Das merkt man besonders in einer Zeit mit hitzigen politischen Debatten. Die ZEIT hat die Rhetorik letzte Woche sogar zu ihrem Titelthema erhoben. Die Wenigsten aber wissen, dass die Rhetorik nicht nur als ein Zauberkasten mit Überzeugungstricks zu verstehen ist, sondern seit der Antike die Bildungsauffassung des Abendlandes prägt. Und das kam so: Die antike Rhetorik entstand aus der Praxis, entwickelte aber auch bald eine rhetorische Theorie. Die ersten bekannten Rhetorik-Lehrer waren zwei Männer aus den griechischen Kolonien auf... weiter

 

Die Erfindung der Rhetorik

28. April 2016 von Henning Lobin

corax

Nachdem sich die Bewohner von Athen im fünften Jahrhundert vor Christus von ihren diktatorisch regierenden Despoten befreit hatten, war eine historisch völlig neue Situation entstanden. Die Regierungsmacht wurde einer Ratsversammlung zugesprochen, die sich aus 500 per Los ausgewählten Mitgliedern der Volksversammlung zusammensetzte.[i] Der Vorsitz der Ratsversammlung, der oberste Repräsentant des Staates Athen, wechselte täglich. Ähnlich radikal demokratisch war auch die Gerichtsbarkeit organisiert. Jeder Bürger konnte als Ankläger auftreten und einen privaten Streit vor ein Volksgericht bringen. Ein solches Volksgericht bestand... weiter

 

Wie eine schlecht programmierte Web-Seite im Jahr 2008 eine Fluggesellschaft fast in die Pleite stürzte

6. März 2016 von Henning Lobin

Operating ENIAC Computer

Die Firma Narrative Science bietet eine Software an, die aus Zahlen Berichte erstellt. Informationen zur Entwicklung von Wertpapieren, Quartalsmitteilungen von börsennotierten Unternehmen oder aktuelle Wirtschaftsnachrichten, wie sie an vielen Stellen im Internet zu finden sind, werden dabei vollautomatisch ausgewertet und in eine „Erzählung“ überführt. Als Erzählung können die meisten Menschen nämlich Trends und Entwicklungen besser erfassen als in Gestalt von Tabellen. Narrative Science betreibt auf den Web-Seiten des Wirtschaftsmagazins Forbes einen Blog, in dem derartige Berichte veröffentlicht werden.[i] Forbes.com gehört... weiter

 

Fast forward: Gastbeiträge im Akademien-Blog “Wissenschaftskommunikation hoch 3″

22. Februar 2016 von Henning Lobin

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Nach längerer Pause melde ich mich bei den SciLogs zurück. In der Zwischenzeit habe ich unter anderem an einer Expertise zur Wissenschaftskommuniksation in sozialen Medien für ein Projekt der Union der Akademien der Wissenschaften gearbeitet. Diese Vereinigung der wissenschaftlichen Akademien in Deutschland betreibt nämlich unter Federführung der ACATECH gerade ein Projekt zur Kommunikation zwischen Wissenschaft, Öffentlichkeit und Medien, in dessen zweiter Phase es um die "Bedeutung, Chancen und Risiken der sozialen Medien" geht. Meine Aufgabe bestand darin, die künftigen technischen Rahmenbedingungen "unter... weiter

 

Der digitale Code ist die DNA der Kultur

31. Oktober 2015 von Henning Lobin

SAGE Console

Wenn digitale Meme die neuen Replikatoren sind, wie ich in meinem letzten Beitrag zu zeigen versucht habe, dann ist der digitale Code, aus dem sie bestehen, ihre DNA, die DNA der Digitalkultur. Für die "klassischen" Meme, die neuronalen Meme, wie sie Dawkins beschrieben hat, gilt dies nicht, denn sie besitzen nichts, was „direkt im Gehirn beobachtet werden könnte“, keine „syntaktische Klassifikation“[i]. Ein digitales Mem (d-Mem) hingegen lässt sich als eine eindeutige Abfolge von Zuständen im Speicher eines Computers wiedergeben, so wie... weiter

 

Digitale Meme

28. August 2015 von Henning Lobin

Kontrollsessel

Wie wirkt sich die Digitalisierung auf Meme der Schrift aus? Ein naheliegender Gedanke wäre es, die digitale Kodierung eines Textes als ein weiteres Medium aufzufassen, in dem Schrift ausgeprägt sein kann. Damit wäre die digitale Kodierung ein weiterer „Phänotyp“ eines Mems. In der Evolutionstheorie bezeichnet der Phänotyp die Gesamtheit der Eigenschaften eines Organismus. Diese werden durch die Gene maßgeblich gesteuert. Die Fähigkeit des Organismus sich fortzupflanzen, und somit die Reproduktion der Gene hängt entscheidend vom Phänotyp ab.[i] Dawkins bezeichnet den... weiter

 

Sprachliche Meme – kulturelle Replikation durch Sprache und Schrift

26. Juli 2015 von Henning Lobin

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„Menschliche Sprache, zunächst gesprochen und dann geschrieben, ist mit Sicherheit das Hauptmedium der kulturellen Weitergabe, durch die eine Infosphäre gebildet wird, in der kulturelle Evolution stattfindet. Sprechen und hören, schreiben und lesen – dies sind die zugrunde liegenden Technologien der Transmission und Replikation, entsprechend den Technologien der DNA und RNA in der Biosphäre.“[i] Mit diesen Worten charakterisiert Daniel Dennett die Rolle von Sprache und Schrift in der kulturellen Evolution. Sprache ist ein sehr gutes Instrument, um Erfahrungen und Wissen zu... weiter