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Statt Weltraumforschung – Hunger und Armut beenden! Oder so ähnlich…

17. November 2014 von Lars Fischer

Manche Leute haben schon etwas schlichte Vorstellungen, wie die Welt da draußen so funktioniert. Das hat sich auch anlässlich der Landung von Philae auf der interplanetaren Hüpfburg Tschurjumow-Gerasimenko mal wieder gezeigt: In den Kommentarspalten der größeren Nachrichtenportale und vor allem in Foren kann man auch diesmal wieder die beliebte Forderung lesen, man solle doch mit all dem Geld lieber die Probleme hier auf der Erde lösen.[1] Nun ist das kein neues Argument, und weshalb bemannte und sonstige Raumfahrt eben auch sinnvoll und wichtig für die Menschheit ist, haben diverse Leute schon mal durchdekliniert. Mir erschließt sich auch nicht, weswegen man ausgerechnet diese beiden Bereiche gegeneinander ausspielt. Vor allem aber sollte man die unausgesprochene Grundannahme dabei hinterfragen: Nämlich dass die in Rosetta und Philae investierten etwa einskommavier Milliarden Euro bei der Bekämpfung von Hunger und Armut überhaupt einen Unterschied machen würden. ... weiter

 

Norovirus: Der “perfekte Krankheitserreger” als Haustier

11. November 2014 von Lars Fischer

Jetzt, da die allgemeine Ebola-Panik ein bisschen abgeflaut ist und sich die Situation vor Ort wohl schrittweise verbessert, kann ich mich ja mal wieder den etwas weniger prominenten Krankheiten widmen. Interessante Neuigkeiten gibt es vom Norovirus zu vermelden: Nach Jahrzehnten vergeblicher Versuche kann man die Erreger jetzt in Zellkultur züchten. Das dürfte der Forschung an Behandlung und Impfstoffen dringend benötigten Anschub geben.[1] Noroviren werden ja allgemein nicht so richtig ernst genommen, weil sie vor allem im Zusammenhang mit Großer Scheißerei auf Kreuzfahrtschiffen populär geworden sind. Da stirbt halt kaum mal jemand, weil Noro nur für wenige Infizierte wirklich lebensgefährlich ist und die Klientel auf solchen Schiffen im Zweifel Zugang zu guter medizinischer Versorgung hat. Wo das nicht der Fall ist, töten Norovirus-Infektionen über 200 000 Menschen pro Jahr, und auch hierzulande sind die Dinger speziell in Seniorenheimen ein Dauerproblem. "Das Norovirus" ist in Wirklichkeit eine ganze Familie verwandter Viren mit ähnlichen Eigenschaften, die Virenforscher schon mal als perfekte Krankheitserreger bezeichnen. Noro ist selten tödlich, aber dafür extrem ansteckend (20 Viren reichen für eine Infektion), wird in gigantischen Mengen ausgeschieden (bis zu 100 Milliarden Viren pro Gramm Durchfall), ist gegen Hitze und Kälte resistent und überlebt auf Oberflächen etwa zwei Wochen. Anstecken kann man sich über Schmier- und Tropfeninfektion, kontaminierte Lebensmittel, Wasser und sogar per Aerosol, was bei Durchfallerregern eigentlich unüblich ist. ... weiter

 

Wie man Ebola besiegt – wenn man denn wirklich will

25. Oktober 2014 von Lars Fischer

Nun gibt es also auch einen Ebola-Fall in New York. Freunde des Katastrophenfilms wissen: Erst wenn New York betroffen ist, geht es richtig los (mit Dank an @donalbain_de). Gut unterwegs ist allerdings schon die allgemeine Hysterie - allerdings nicht in Westafrika, wo man das nachvollziehen könnte, sondern in Europa und ganz besonders drüben in den USA. Dabei zeigen die bisherigen Erfahrungen mit diesem Ebola-Ausbruch, dass die Krankheit sehr wohl eingedämmt werden kann. ... weiter

 

Nobelpreis für Chemie 2014 – die Kandidaten

6. Oktober 2014 von Lars Fischer

Update: Worum es beim Nobelpreis für Hell, Moerner und Betzig geht, habe ich hier ausführlich für Spektrum.de aufgeschrieben. Dieses Jahr gibt es zwei Disziplinen, die die Spekulationen über den Chemie-Nobelpreis dominieren: Bio - natürlich - und Angewandt. Letztere Variante zieht Thomson Reuters dieses Jahr durch, mit drei Gruppen aus dem Bereich functional materials. Charles Kresge, Ryong Ryo und Galen Stucky mit den mesoporösen Materialien werden's nicht. Erstens ist das Thema noch zu frisch, und zweitens ist Kresge CTO bei Saudi Aramco. Das traut sich das Nobelkomitee im Leben nicht. ... weiter

 

Wasser ist komplizierter als man denkt

15. September 2014 von Lars Fischer

Ihr erinnert euch doch bestimmt noch an Konstanz, die Stadt am Formaldehyd, oder? Ich habe eine gute Nachricht: Konstanz ist rehabilitiert. Das verdankt die Stadt Haegyeom Kim et al. sowie den Referees und dem Redaktionsteam der Zeitschrift Chemical Reviews. Oder, wie Derek Lowe bei In the Pipeline schreibt, "There Must Have Been Multiple Chances to Catch This". Man kann den Abstract mit Bild leider nicht verlinken, aber er ist auf der Hauptseite, einfach runterscrollen bis zum Artikel "Aqueous Rechargable Li... weiter

 

Kein ZMapp für den Hamburger Ebola-Patienten

28. August 2014 von Lars Fischer

Seit gestern betreut das UKE, in dem ich ja seit Wochen rumliege, einen mit Ebola infizierten Arzt aus dem Senegal, und angesichts mehr als 200 angesteckten WHO-Mitarbeitern dürfte er nicht der letzte bleiben. Was mich aber wirklich beruhigt ist, dass die behandelnden Ärzte hier die Finger von irgendwelchen ungetesteten Wundermedikamenten wie dem ominösen Antikörpermix ZMapp lassen. (Hier ein Interview mit einem der behandelnden US-Ärzte, der ein bisschen über die erfolgreiche Therapiestrategie spricht) Die Ebola-Epidemie in Westafrika ist bisher nicht so sehr ene medizinische Krise, sondern eine politische. Die Seuche könnte die betroffenen Gesellschaften um Jahre zurückwerfen und sogar neues Chaos auslösen. ZMapp und ähnliche Mittelchen sollen nicht nur die Kranken retten, sondern ganze Gesellschaften. Aber das hat mit Medizin nichts mehr zu tun, und auch therapeutisch macht ZMapp nicht so wahnsinnig viel her. ... weiter

 

Wann Ebola durch die Luft übertragen wird

10. August 2014 von Lars Fischer

In den letzten Tagen kursieren auf Facebook einige Artikel, laut denen Regierung und, ja, die Systempresse uns allen perfide verheimlichen, dass Ebola auch durch die Luft übertragen wird. Ursprung der Geschichte scheint neben vor allem dieser Artikel zu sein, in dem Virologen berichten, wie sich Makaken an Ebola-infizierten Schweinen ansteckten, ohne jemals mit ihnen in Kontakt zu treten. Ich muss allerdings alle Freunde der gepflegten Apokalypse enttäuschen: Aus der großen globalen Ebola-Pandemie wird in absehbarer Zeit erstmal nichts. ... weiter

 

Wie, nicht mehr über Studien berichten?

5. August 2014 von Lars Fischer

Bei mir macht sich langsam ein gewisses Unbehagen breit über die Richtung, in die unsere heiß geliebte Wissenschaftskommunikations-Dauerdebatte derzeit abdriftet. Es ist beileibe nicht neu, dass irgendwelche Akteure aus der Wissenschaft versuchen, Journalisten zu erzählen, wie sie ihren Job im richtigen, der Wissenschaft förderlichen Sinne zu machen haben. Neu ist, dass wir derzeit anscheinend eine völlig ernst gemeinte Diskussion darüber führen, wie wir das am besten erreichen. Den aktuellen Ausdruck dieses Trends könnt ihr ausführlich bei Marcus Anhäuser nachlesen. Es geht um die Forderung von Steven Pinker, Journalisten sollten grundsätzlich nicht mehr über einzelne Studienergebnisse berichten. Die könnten ja falsch sein. Stattdessen sollen wir uns auf Reviews oder Metaanalysen stützen, um der Wahrheit näher zu kommen. ... weiter

 

Ein Jahr #catchthekidney – Zwischenbilanz meiner Nierentransplantation

17. Juli 2014 von Lars Fischer

Treue Leserinnen und Leser werden sich dunkel erinnern, dass ich genau heute vor einem Jahr eine Niere von meiner Mutter bekommen habe. Die Geschichte könnt ihr noch mal in diesem Storify nachlesen, aber das geht eben nur bis ungefähr zwei Wochen nach der Transplantation. Und außerdem solltet ihr mal wieder einen Blick auf die grandiose Seite catchthekidney.com werfen, die Ute für mich gebastelt hat, und auf der viele liebe Menschen etwas für mich geschrieben haben. Ich bin bis heute überwältigt, wenn ich an all die Unterstützung denke, die ich und meine Mutter in der Zeit bekommen haben. Ganz besonders viel Dank schulde ich auch dem großartigsten Verlag aller Zeiten für all die Hilfe und Unterstützung in den letzten paar Jahren, ohne die ich sicher nicht so weit gekommen wäre. Das ist auch nicht zuletzt ein wesentlicher Grund dafür, dass ich mir inzwischen gut vorstellen kann, ein bisschen länger in Heidelberg zu bleiben. Ich habe ja jetzt auch meine provisorische Bude in Eppelheim gegen eine richtige Wohnung getauscht und meine Bücher aus Hamburg hergeholt. Es hat sich also einiges verändert. Zeit für eine kleine subjektive Zwischenbilanz der ersten zwölf Monate mit neuer Niere. Das erste ist natürlich: Nicht mehr zur Dialyse zu müssen ist schon ziemlich großartig. Nicht nur wegen der zusätzlichen Zeit und Beweglichkeit. Am Ende ging es mir an der Dialyse richtig schlecht. Im letzten Jahr habe ich mich genau noch einmal so schlecht gefühlt wie nach der Dialyse, und das war, als ich mich halbtot mit Lungenentzündung zur... weiter

 

Was wollt ihr über Wissenschaft wissen – und wie?

2. Juli 2014 von Lars Fischer

Ich war Montag und Dienstag in Hannover auf der Tagung "Image statt Inhalt? Workshop Wissenschaftskommunikation" der VolkswagenStiftung, auf der es um euch ging. Genauer gesagt um die Leserinnen und Leser meines Blogs und all der anderen Medien, die sich mit Wissenschaft befassen. Nachlesen könnt ihr <das Programm auf der Webseite der Veranstaltung und den teilweise ziemlich turbulenten Ablauf von Tag 1 (von mir) sowie Tag 1 und Tag 2 jeweils komplett von Rainer Korbmann. Außerdem hier haufenweise Blogbeiträge zum Thema. Aber irgendwann muss man euch ja auch mal fragen, wie all die Versuche, euch etwas über Wissenschaft zu erzählen, bei euch ankommen. ... weiter