Eine neue Meeresspiegelkurve

14. Januar 2015 von Stefan Rahmstorf in Klimadaten

Der “Zoo” der aus Pegeldaten berechneten globalen Meeresspiegelkurven hat Zuwachs bekommen – in Nature erscheint morgen eine neue Rekonstruktion von US-Kollegen um Carling Hay von der Uni Harvard (Hay et al. 2015). Ein guter Anlass für einen Überblick über die verfügbaren Datenkurven, wobei die Unterschiede letztlich im Detail liegen. In allen Kurven sind die aktuellen Anstiegsraten die höchsten seit Beginn der Aufzeichnungen.

Die folgende Grafik zeigt die sechs bekannten zusammen mit der neuen Meeresspiegelkurve.

Hay_SL1

Abb. 1 Meeresspiegelkurven, berechnet von unterschiedlichen Forschergruppen mit diversen Methoden. Die Kurven zeigen den Meeresspiegel relativ zur Satellitenära (ab 1992). Grafik: Klaus Bittermann.

Alle Kurven zeigen den bekannten modernen Meeresspiegelanstieg, aber im genauen Ausmaß und Ablauf des Anstiegs unterscheiden sie sich etwas. Die neue Rekonstruktion von Hay et al. verläuft bis ca. 1970 am oberen Rand des bisherigen Unsicherheitsbereichs. Für den Zeitraum ab 1880 zeigt sie allerdings den gleichen Anstieg wie die bisherigen Favoriten von Church & White, ab 1900 betrachtet etwa 25 mm weniger. Die Unterschiede liegen am Rande der Signifikanz; die Unsicherheitsbereiche überlappen sich.

Interessant ist auch ein Vergleich der Anstiegsraten.

Hay_SL2

Abb. 2 Aus den obigen Kurven berechnete Anstiegsraten. Zur Berechnung der Anstiegsrate wurden die Meeresspiegelkurven zunächst geglättet mit einem Filter der Halbwertsbreite 15 Jahre und dann abgeleitet. Grafik: Klaus Bittermann.

Hier sieht man, dass die Anstiegsraten zeitlich schwanken und sich auch zwischen den Kurven unterscheiden. Nur in einem Punkt sind sich alle Kurven einig: die Anstiegsrate der letzten zwei Jahrzehnte (rund 3 Zentimeter pro Jahrzehnt) ist die höchste seit Beginn der Messungen.

Warum gibt es überhaupt unterschiedliche Kurven des globalen Meeresspiegelverlaufs? Der Grund liegt in der Herausforderung, aus einer suboptimalen Datenbasis dennoch einen möglichst genauen globalen Verlauf zu berechnen. Unterschiedliche Forschergruppen haben dazu unterschiedliche Herangehensweisen entwickelt.

Das Datenproblem sieht so aus:

  • Pegelmessungen gibt es nicht in ausreichender Zahl (besonders in früheren Zeiten) und vor allem nicht gleichmäßig über die Ozeane verteilt: die Nordhalbkugel ist z.B. stark überrepräsentiert und die Pegelstationen befinden sich entlang der Küsten.
  • Viele der Zeitreihen haben Datenlücken.
  • Die Pegel messen (anders als Satelliten) den Meeresspiegel relativ zum Land und ihre Daten sind daher durch Landhebung oder –senkung kontaminiert.

Eine besondere Herausforderung ist die Positionierung der Pegel entlang der Küsten, denn hier können lokale Effekte den Meeresspiegel beeinflussen, etwa wenn der Wind das Wasser gegen die Küste staut. Schwankungen in den vorherrschenden Winden (die sich durchaus über Jahrzehnte erstrecken können, England et al. 2014) führen daher zu Schwankungen des Wasserspiegels entlang der Küsten – wir wissen aber natürlich, dass der Wind den globalen Meeresspiegel überhaupt nicht verändern kann, sondern das Wasser nur umverteilt. Solche durch Winde oder Strömungen bedingte Schwankungen können aber in der Analyse von Pegeldaten fälschlich so aussehen, als handele es sich um globale Meeresspiegelschwankungen.

Ist die neue Rekonstruktion besser? Welche der gezeigten Kurven nun „die beste“ ist, ist nicht leicht zu beurteilen. Niemand kennt den genauen wahren Verlauf – also muss man sich überlegen, welche Methodik wohl am geeignetsten ist, mit den genannten Herausforderungen umzugehen.

Als die bislang beste Rekonstruktionsmethode gilt die von Church & White (2006 – update 2011). Sie nutzt die Satellitendaten der Meereshöhe (die es ab 1992 gibt) um die typischen Schwankungsmuster der Meeresoberfläche zu bestimmen und damit die Verknüpfung zwischen den lokal gemessenen Pegelwerten und dem globalen Meeresspiegel herzustellen. Der große Vorteil ist, dass damit nicht auf Basis irgendwelcher Annahmen von den Messungen an den Küsten in den offenen Ozean extrapoliert wird, sondern dass empirische Daten über den tatsächlichen Zusammenhang benutzt werden. Der Nachteil ist allerdings, dass es die Satellitendaten leider erst seit gut zwanzig Jahren gibt. Diese Methode muss darauf vertrauen, dass der Zusammenhang zwischen Meeresspiegel an den Küsten und im Rest des Ozeans im Wesentlichen unverändert geblieben ist.

Die neue Rekonstruktion von Hay et al. verwendet statistische Methoden zum Umgang mit lückenhaften Daten, die schon aus anderen Anwendungsgebieten erprobt sind. Zudem benutzt sie ebenfalls Erkenntnisse über die Physik des Meeresspiegelanstiegs: sie bestimmt die Komponenten des globalen Meeresspiegelanstiegs (z.B. den Beitrag der Eisschmelze in Grönland und der Antarktis) unter Berücksichtigung der Erkenntnisse über das räumliche Muster, den sogenannten Fingerabdruck, das mit jeder dieser Komponenten verbunden ist. Andererseits berücksichtigt es aus meiner Sicht nicht besonders das mögliche falsche Signal, dass durch Windschwankungen entstehen kann (wie oben beschrieben). Ich sehe also die Stärke des Verfahrens von Hay et al. darin, dass es die erwarteten „Fingerabdrücke“ des globalen Erwärmungssignals einbezieht, während die Stärke von Church&White darin besteht, die empirischen Muster der natürlichen Schwankungen zu berücksichtigen. Ideal wäre natürlich eine Kombination von beidem, dies könnte der nächste Schritt in der weiteren Forschung sein.

Wie genau man letztlich den vergangenen Meeresspiegelverlauf bestimmen kann, wird sich zeigen. Aus meiner Sicht ist es aber auch nicht von praktischer Relevanz, ob der Anstieg seit 1900 nun drei Zentimeter mehr oder weniger betragen hat. Auf die Aussichten für den künftigen Meeresspiegelanstieg hat das keinen nennenswerten Einfluss.

Literatur


  1. C.C. Hay, E. Morrow, R.E. Kopp, and J.X. Mitrovica, "Probabilistic reanalysis of twentieth-century sea-level rise", Nature, vol. 517, pp. 481-484, 2015. http://dx.doi.org/10.1038/nature14093


  2. M.H. England, S. McGregor, P. Spence, G.A. Meehl, A. Timmermann, W. Cai, A.S. Gupta, M.J. McPhaden, A. Purich, and A. Santoso, "Recent intensification of wind-driven circulation in the Pacific and the ongoing warming hiatus", Nature Climate Change, vol. 4, pp. 222-227, 2014. http://dx.doi.org/10.1038/nclimate2106


  3. J.A. Church, and N.J. White, "A 20th century acceleration in global sea-level rise", Geophys. Res. Lett., vol. 33, pp. n/a-n/a, 2006. http://dx.doi.org/10.1029/2005GL024826


  4. J.A. Church, and N.J. White, "Sea-Level Rise from the Late 19th to the Early 21st Century", Surv Geophys, vol. 32, pp. 585-602, 2011. http://dx.doi.org/10.1007/s10712-011-9119-1


30 Kommentare zu “Eine neue Meeresspiegelkurve”

  1. Simon Forster Antworten | Permalink

    Lieber Herr Rahmstorf,

    Mich würde interessieren, wie sich diese neue Meeresspiegelrekonstruktion auf Ihr semi-emprisches Modell auswirkt. Was für einen Meerespiegelanstieg prognostiziert Ihr Modell wenn Sie es mit der Hay et al. 2015 Rekonstruktion kalibrieren?

    Es wäre übrigens schön, wenn Sie noch einen Link zu der Studie von Hay et al. in Ihren Text einarbeiten könnten.

    • Stefan Rahmstorf Antworten | Permalink

      Das Paper ist jetzt in der Literaturliste. Die Auswirkungen auf semi-empirische Projektionen untersuchen wir derzeit.

  2. black barry Antworten | Permalink

    offensichtlich gehen die Raten mit den globalen Mittel T und diese waren (sind?) um 1880 bzw. 1940 jedenfalls auf natürliche Klimavariationen zurück zu führen.
    Wie hoch aktuell der anthropogene Anteil sein mag, weiß niemand genau.

  3. Fritz V. Antworten | Permalink

    es fällt auf, dass man hier eine Sammlung von Hockey Schlägern vervollständigen versucht.
    Egal ob Temperaturreihen, lange oder kürzere, Meerespiegeltrends usw. usw., immer wieder versucht man das Extremste vom Extremen raus zu perlen um damit was zu sagen?

    ist das hier eher Politik oder doch noch Wissenschaft? Alle von mir bisher eingesehen Artikel hier zeigen immer nur die extremsten Studien bzw. die extremsten Schätzungen daraus, um den sg. AGW Anteil möglichst dramatisch darzustellen. Finden sie das in Ordnung für einen "Wissenschaftsblog" bzw. ist das überhaupt noch Wissenschaft?

    • Stefan Rahmstorf Antworten | Permalink

      Wir zeigen hier ja gerade alle verfügbaren Messkurven der vergangenen globalen Meeresspiegelentwicklung - was daran ist jetzt genau "das Extremste vom Extremen"?

    • Anton Reutlinger Antworten | Permalink

      Was wollen Sie mit Ihrem Kommentar sagen? Dass Wissenschaft sich an Ihre Vorgaben halten soll? Mit welchem Recht oder welcher Begründung bezweifeln Sie die Ergebnisse der Wissenschaft? Seit mehreren Jahren nehme ich an solchen Klimaforen teil, es ist immer dasselbe, auch in politischen Foren. Die Zweifler kritisieren etwas, was sie für sich selber in Anspruch nehmen, nämlich interessegeleitete Wissenschaft bzw. Politik. Dabei wird mit Unterstellungen und Verleumdungen operiert, weil die Fakten und Argumente und oftmals auch die nötigen Kenntnisse fehlen. Skepsis muss man nicht begründen, sie ist dem Wissen inhärent, aber Zweifel müssen rational begründet werden, das fehlt bei den meisten Klimazweiflern, vor allem denen, die nur emotional nachplappern.

    • Nemesis Antworten | Permalink

      Sehr geehrter Herr Fritz V., wenn Sie wirkliche Extreme sehen möchten, dann empfehle ich Ihnen einen Besuch zB auf http://arctic-news.blogspot.de/

      Die sehr optimistischen Prognosen von Herrn Rahmstorf dürften recht bald von der Wirklichkeit überholt werden, wofür ich mich schon jetzt vornehmlich bei allen sog. "Skeptikern, Zweiflern" und sonstigen Saboteuren einer längst überfälligen Klimapolitik ganz herzlich bedanke. Übrigens:

      Wie lauten eigentlich Ihre persönlichen Prognosen hinsichtlich Trinkwassermangel, Ernteeinbussen etc, wenn der Winter in Mitteleuropa komplett ausbleibt?! Immerhin erleben wir zZt bereits den zweiten Wintertotalausfall in Folge... allein schon die finanziellen Einbussen der Wintersportgebiete sind bereits exorbitant... Mit freundlichen Grüssen, insbesondere auch an Ihre etwaigen Nachkommen, Nemesis :-)

    • Wizzy Antworten | Permalink

      Herr V.,

      ich gebe hier mein Empfinden wieder: Bei so einem in letzter Konsequenz ernsthaften Vorwurf (Unwissenschaftlichkeit an einen Wissenschaftler) sollten bitte zwingend Konkreta aufgeführt werden, "Daten" sozusagen. Pauschale Anschuldigungen bringen keinem Beteiligten einen Erkenntnisgewinn und befruchten keine Debatte! Ich bitte Sie inständig, legen Sie dar, zu genau welchem Thema genau welche moderaten Studien ausgelassen wurden, wenn Sie etwas hier Dargelegtes als extrem empfinden. Das wäre für jeden Leser - egal welcher Meinung - interessant und fruchtbar.

      Beste Grüße,
      Wizzy

    • Nemesis Antworten | Permalink

      Sehr geehrter Herr Fritz V., hier die garantiert politikfreien, jedoch reichlich extremen Temperaturanomalien des bisherigen Januar 2015 in Deutschland:

      http://www.bernd-hussing.de/klima.htm

      Übrigens weisen die letzten 13 Monate (ausgenommen August 2014) allesamt reichlich positive Abweichungen vom längjährigen Mittel auf. Und, sorry, aber ich fürchte sehr, das wird so weitergehen... 8-)

    • Fritz V. Antworten | Permalink

      danke für die aufschlussreichen Antworten.

      Wenn ich dazu einen Dr. Lennart Bengtsson oder Dr. Richard Lindzen zitieren würde, welche zusammen wahrscheinlich mehr und bedeutender in Klimawissenschaften publiziert haben, als das ganze PIK zusammen, dann käme mit Sicherheit die bekannte Flucht in Richtung: die sind ja von der Öllobby gekauft...:-) Wir kennen diese plumpen Diffamierungen zur genüge und ich kommentiere solchen Unfug nicht weiter.
      [...]

      • Stefan Rahmstorf Antworten | Permalink

        Fakten sind generell besser als Vermutungen.
        (a) Wo haben Sie hier jemals eine solche Diffamierung gelesen?
        (b) Schauen Sie mal im Web of Science nach, wessen Fachpublikationen zum Suchwort "climate" wie oft in der Fachliteratur zitiert worden sind.
        R. Lindzen: 1340
        L. Bengtsson: 4278
        S. Rahmstorf: 7146.
        Was das PIK angeht, ist es schon 2007 laut Essential Science Indicators unter die top 1% der geowissenschaftlichen Institute weltweit aufgerückt, und laut einer bibliometrischen Analyse der Uni Flensburg hat es in den letzten zwanzig Jahren von allen deutschen Klimainstituten die meisten Spitzenpublikationen.
        So kann man sich täuschen, wenn man das möchte.

        • Reinhrd Koehrer Antworten | Permalink

          Es bestätigt sch immer wieder, dass für den durchschnittlichen bundesdeutschen Klimaskeptiker das PIK mit den beiden Reizfiguren Rahmstorf und Schellnhuber obenauf eine Art Strohmann ist, auf den man faktenbefreit eindreschen kann. Wobei besagter Durchschnittsskeptiker auch wenig Ahnung hat, wie viele Mitarbeiter das PIK beschäftigt, was, wieviel und worüber diese publizieren und welchen Stellenwert diese Publikationen in der Fachwelt einnehmen.

          Unnötig zu sagen, dass das abenteuerliche Wagnis, einige dieser PIK-Publikationen auch noch zu LESEN - im Orginal und nicht durch die Web-Gerüchteküche gedreht - einem Utopia am fernen Horizont gleicht.

        • Fritz V. Antworten | Permalink

          ich habe sie auch schon mehrmals zitiert. Das heißt nicht viel, insbesondere zitiert man ja auch, wenn man verifiziert od. kritisiert. Vielleicht deshalb die große Zahl?

          Egal, Studien zum Klima bzw. Klimafolgen sind dann gut, wenn sie auch nach vielen Jahren noch als Referenz gelten und in der Gemeinde der Klimaforscher Anerkennung finden. Kurze, sensationelle Hypes mögen diverse Zahlen aufbessern und diversen Interessensverbänden nützen, wie nachhaltig sie jedoch im Bereich der grundlegenden Forschungsgebiete wirken, ist eine völlig andere Geschichte.

          Hr. Köhrer,
          wahrscheinlich habe ich weit mehr PIK Publikationen zumindest oberflächlich gelesen, als sie. Außerdem bin ich kein Bundesdeutscher und eine gewisse Skepsis gehört zur ordentlichen Wissenschaft einfach dazu. Insbesondere heutzutage in Zeiten des Klimahypes, wo jeder Dorfpfarrer oder Greenpeace Aktivist zum Klimaforscher mutiert. Sie verstehen und entschuldigen mich, danke!

          Die Diskrepanzen zwischen Dr. Rahmstorf vs Lindzen usw. kann jeder selbst er-googlen. Es ist geradezu usus, ja politisch korrekt und erschreckend einfach, dass sg. Skeptiker ins politische Lager der rechten bzw. der Ölindustrie diffamiert werden, dass Web ist voll damit, lesen sie einfach und behaupten bitte nicht, ich würde Unwahrheiten verbreiten.

          Hier wie immer:
          Meeresspiegel steigt....SCHNELLER ALS GEDACHT
          Temperaturen steigen....SCHNELLER ALS GEDACHT
          Eiskappen schmelzen....SCHNELLER ALS GEDACHT
          usw., könnte noch dutzende Bsp. anführen, will aber nicht langweilen, nur meine Kritik rechtfertigen.

          • Stefan Rahmstorf | Permalink

            Das ist das Problem mit dem anonymen posten: unter dem von Ihnen in ihrer Mailadresse angegebenen vollen Namen gibt es überhaupt keine Fachpublikationen, daher kann nun jeder selbst überlegen, wie glaubwürdig es ist, dass Sie mich in der Fachliteratur zitiert haben. Wo ist der Beleg? Mit einem "kurzfistigen Hype" oder durch Kritik bekommt man übrigens nicht viele Citations zusammen, da diese in der Regel langsam über die Jahre hereintröpfeln - die Mühlen der Fachliteratur mahlen langsam. Schauen Sie doch einfach mal, wie oft Lindzen-Papers letztes Jahr zitiert wurden (um zu sehen, welche auch "nach vielen Jahren noch als Referenz gelten und in der Gemeinde der Klimaforscher Anerkennung finden"). Alle Arbeiten von Lindzen zum Klima wurden 2014 zusammen 79 mal zitiert - das noch erfolgreichste Paper darunter ganze 8 mal. Meine Papers zum Klima wurden letztes Jahr dagegen 789 mal zitiert, die drei erfolgreichsten darunter 90, 78, und 67 mal. 21 meiner Papers wurden letztes Jahr von den Fachkollegen öfters zitiert als das meistzitierte Lindzen-Paper.
            Dass "das Web" voll mit allem möglichen ist, ist klar. Die Unterstellung wir würden hier in der KlimaLounge jemanden derart diffamieren blieb aber - erwartungsgemäß - ohne jeden Beleg von Ihnen.

      • Nemesis Antworten | Permalink

        Sehr geehrter Herr Fritz V., ausserordentlich bezeichnend ist die Tatsache, dass ausgerechnet ultrakonservative "Klimaleugner/zweifler" anthropogene Eingriffe (sog. Geo- bzw Climate Engineering) in das Weltklima befürworten und in derlei Technik investieren, während sie gleichzeitig den anthropogenen Anteil an der Klimaerwärmung in der öffentlichen Debatte bestreiten. Eine solche Schere im Kopf ist allerdings symptomatisch für die Strategie und Taktik gewisser Kreise:

        " Since 1998 Wood and Teller have been promoting aerosol spraying into the stratosphere as a simple and cheap counter to global warming. Reflecting the dominant opinion of the 1950s, they believe it is humankind's duty to exert supremacy over nature. It is perhaps for this reason that they have long been associated with conservative think tanks that deny the existence of human-induced global warming. Both men have been associated with the Hoover Institution, a centre of climate scepticism partly funded by ExxonMobil, and Wood is listed as an expert with the George C. Marshall Institute, a Washington think tank that became one of the main centres of climate denial in the 1990s.

        It is strange that geoengineering is being promoted enthusiastically by a number of right-wing think tanks that are active in climate denialism..."

        http://www.theguardian.com/environment/2010/sep/13/geoengineering-coalition-world-climate

        "Supremacy over nature"- das ist es tatsächlich ua, was in deren technokratischen Köpfen spukt. Darf ich mal hämisch lachen?! Die Natur ist ein Kochtopf, in dem der Mensch als solcher nicht mehr "supremacy" geniesst, als zB jede Schildkröte oder jede Fledermaus. 99% sämtlicher Arten auf diesem Planeten sind im Verlauf der Erdgeschichte bereits ausgestorben. Glauben diese Leute etwa, dass die Natur bei Ihnen aufgrund ihrer Finanzmacht ("supremacy"??) eine Ausnahme machen wird?! Diese Leute machen sich der Natur gegenüber lächerlich, die Natur ist eine erbarmungslose Diktatur und kein Finanz- bzw Politik-Kasino :-D

  4. marmotte Antworten | Permalink

    Mich würde interessieren, ob es Rekonstruktionen des Meeresspiegels gibt, die noch hundert oder zweihundert Jahre weiter in die Vergangenheit gehen, also von 1700 oder 1800 bis heute laufen.

  5. Nemesis Antworten | Permalink

    Angesichts der Tatsache, dass sich annähernd 100% der internationalen Science Community über Ursachen und Folgen des Klimawandels einig sind und nicht zuletzt auch angesichts der haarsträubenden, zynischen und beleidigenden, persönlichen Angriffe seitens der sog. "Skeptiker/Zweifler" gegen seriöse Wissenschaftler, erscheint der Begriff des Klima-"Skeptikers/Zweiflers" doch arg verharmlosend. Da diese Leute offensichtlich eine weltweite, allumfassende Verschwörung "grüner Aktivisten" oÄ zu erkennen vermeinen, gibt es nur einen angemessenen Begriff für diese lernresistente, marginale Minderheit, es sind ganz eindeutig:

    Verschwörungstheoretiker .

  6. Reinhard Koehrer Antworten | Permalink

    Da ich mich des Verdachts nicht erwehren kann, dass nicht alle aktuellen Diskussonsteilnehmer den Begriff "Fachliteratur" bzw. "wissenschaftliche Studie" richtig einordnen, anbei ein exemplarisches Beispiel für ein relativ aktuelles peer-reviewtes Paper.

    http://www.pnas.org/content/110/34/13739.full.pdf

    Die Studie erfüllt nicht nur alle formalen Kriterien, sondern ist auch inhaltlich sehr interessant. Richard Zeebe vergleicht darin das Paläozän-Eozän-Thermalmaximum mit der gegenwärtigen globalen Erwärmung und leitet daraus eine lang andauernde Wärmephase ab.

    @Herr Rahmstorf:
    Wäre die Behandlung von "long term feedbacks" im Hinblick auf die Klimasensitivität ein Thema für die "Klimalounge"? Oder ist das doch zu sehr "paläo"?

    • Nemesis Antworten | Permalink

      Die sog."Klimaskeptiker" sind an seriösen Papers, welche durch umfangreiches Peer-Review gestützt sind, doch garnicht interessiert. Man könnte diesen Leuten unzählige Papers zur Verfügung stellen und sie würden dennoch weiterhin versuchen, jede vernünftige Diskussion zu sabotieren. Diesen Leuten geht es ganz und garnicht um seriöse Wissenschaft, sondern es geht ihnen nur darum, Zweifel und Verwirrung in der breiten Bevölkerung zu streuen und jede vernünftige Diskussion, mit welch unlauteren Methoden auch immer, zu stören und zu sabotieren. Und diese Taktik wird solange erfolgreich sein, bis auch der letzte Zweifler in der Bevölkerung von der knallharten Klimawirklichkeit eingeholt wurde.

      MfG, Nemesis

  7. Christian Antworten | Permalink

    Reinhard,

    Es wird doch ohnehin Unterschieden, zwischen unverzüglicher Reaktion (TCR) der Gleichgewichtsreaktion (ECS) und zum Schluss mit den ganz trägen Feedbacks, die Erdsensivitat (ESS). Dabei soll letztere so rund 4-5K sein.

  8. Reinhard Koehrer Antworten | Permalink

    @Christian

    Kurz zur Verdeutlichung, was ich in meinem vorherigen Beitrag ausdrücken wollte: Herr Rahmstorf hat in diesem Blog mal geschrieben, dass die Menschheit dabei ist, sich klimatisch aus dem Holozän herauszukatapultieren. Schlussendlich würden wir bei Klimaverhältnissen landen, die denen des Pliozäns entsprechen. Es gibt viele Studien, die diese Ansicht stützen und schlüssig darlegen, dass die gegenwärtige Erwärmung nicht nur das 21. oder 22. Jahrhundert prägen wird, sondern auch über die nächsten Jahrtausende eine signifikante Wirkung zeigt.

    Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die kurzfristigen Feedbacks in langfristige übergehen bzw. dass die Erdsystem-Klimasensitivität ins Spiel kommt und eine sich selbst verstärkende Erwärmungsphase über geologische Zeiträume bewirkt. Dieser Punkt wird in dem Paper behandelt, das ich oben verlinkt habe, wobei der Autor nicht pliozäne Verhältnisse prognostiziert, sondern ein oder zwei Schritte weitergeht - mindestens bis in das Miozän hinein.

    Während man sich in Skeptikerkreisen derzeit krampfhaft bemüht, die auf schnellen Feedbacks beruhende Klimasensitivität auf einen Wert von unter 2° C "kleinzureden", dürften die meisten dieser selbsternannten Experten gar nicht wissen, dass es eine Erdsystem-Klimasensitivität überhaupt gibt. Wie Sie richtig schreiben, ist deren Wert mit 4 bis 5° anzusetzen, wobei manche auch 7° C nicht ausschließen wollen.

  9. Christian Antworten | Permalink

    Hallo Reinhard,

    Zum ersten Absatz:

    Soweit korrekt, wobei man da natürlich auch ein wenig Unsicherheit hat, dass Temperaturniveau aus des 20. jhd. werden wir jedenfalls sehr sehr lange nicht mehr sehen.

    Zum 2. Absatz:

    Jep, dass wäre auch denkbar, aber ich denke, letztendes nicht relevant für die meisten Menschen, da weit oberhalb ihrer Lebenspanne und bei den meisten mag ruhig nach ihnen die Sinflut.
    kommen..

    Absatz 3:

    Nuja, so blöd sind die nun auch nicht, eher Ignoranz, weil schon mit kleinsten Hilfsmitteln (Box-Modellen) lässt sich das ganze ein wenig durchspielen. Liegt also eher daran, dass es sie selber einfach nicht betrifft, solange die kurzfristigen Feedbacks nicht so dolle sind, kann man eben mit "alles halb so wild" argumentieren. Schließlich muss ja auch das Wetter vor der Haustür herhalten um den Klimawandel zu "widerlegen".

    Ehrlichweise muss ich sagen, dass mir das Thema "Skeptiker" lang wie breit ist. Der Fehler der "Mainstream" Wissenschaft liegt m.E eher daran solchen Leuten Gehör zu geben, wenn sie was zu sagen haben, es gibt Journale und peer rewiev (worauf aber auch nicht immer verlass ist), vorher sollte man das Standartgedöns gar nicht mehr wahrnehmen, meine Meinung halt.

    Gruss

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