Beam me up, Scotty! + Update

20. August 2013 von Stefan Rahmstorf in Klimadaten

Der Wärmeinhalt der Weltmeere steigt und steigt. Das belegt: weder lässt der Treibhauseffekt nach, noch bremst die kalte Sonne spürbar die globale Erwärmung.

Die Messdaten zu der in den Ozeanen gespeicherten Wärmemenge findet man stets aktuell auf der NOAA-Webseite. Für die oberen 2000 m des Ozeans (darunter passiert nicht mehr viel) sieht der Verlauf so aus:


Veränderungen im Wärmeinhalt der Weltmeere in den oberen 2000 Metern. Quelle: NOAA

Die in den Ozeanen gespeicherte Wärmemenge ist eine der wichtigsten Diagnostiken für die globale Erwärmung, denn rund 90% der zusätzlichen Wärme werden in den Ozeanen gespeichert (mehr dazu kann man im letzten IPCC-Bericht von 2007 nachlesen). Die Atmosphäre speichert wegen ihrer geringen Wärmekapazität nur 2%, die Landflächen (inklusive Landeismassen) können auch nur langsam Wärme aufnehmen, weil sie schlechte Wärmeleiter sind. Also entspricht die vom Weltmeer aufgenommene Wärme fast genau dem Strahlungsungleichgewicht unseres Planeten.

Heizen die Meere sich auf, dann muss die Erde mehr Sonnenenergie absorbieren als sie an langwelliger Strahlung ins All abstrahlt, nur daher kann die Wärme kommen1 – das folgt aus dem ersten Hauptsatz der Thermodynamik, der Energieerhaltung. (Dieser Erhaltungssatz ist der Grund, weshalb Physiker gerne Energiebilanzen betrachten. Und weil wir die Strahlungsbilanz unserer Erde verstehen, wissen wir auch, dass die globale Erwärmung durch die Treibhausgase verursacht ist – die sind nun mal die größte Störung der Strahlungsbilanz in den letzten hundert Jahren.)

Würde der Treibhauseffekt (der die langwellige Abstrahlung behindert) oder die Leuchtkraft der Sonne spürbar nachlassen, würde man das an einer nachlassenden Wärmeaufnahme der Weltmeere sehen. Die Messdaten zeigen: das ist nicht der Fall.

Die Zunahme der Wärmemenge der Ozeane beträgt über die letzten 30 Jahre 17 x 1022 Joule. Das ist so viel Energie, wie wenn seit dreißig Jahren jede Sekunde vier Hiroshima-Bomben im Ozean detoniert würden.

Die Datenbasis der Grafiken ist der World Ocean Database, bei Wikipedia gibt es einen guten Überblick dazu. Der Datensatz umfasst rund neun Millionen Messprofile aus allen Weltmeeren. Einer meiner persönlichen Helden der Forschung ist der amerikanische Ozeanograph Syd Levitus, der sein Lebenswerk unermüdlich der freien Verfügbarkeit von ozeanographischen Messdaten aus aller Welt gewidmet hat. Dabei landete er zu Zeiten des kalten Krieges auch mal in Russland wegen Spionageverdacht im Gefängnis, als er sich dort um ozeanographische Datensätze bemühte (eine abenteuerliche Geschichte, die er mir mal beim Frühstück in einem Pekinger Hotel erzählt hat).

Wie man Messdaten leugnet

Ideologisch motivierte „Klimaskeptiker“ wissen, dass diese Messungen ihre Thesen widerlegen, und reagieren ... durch Abstreiten der Messdaten. Auf Welt.de etwa werden die Millionen Messstationen einfach als "vernachlässigbar" abgetan - die Arbeit von Generationen messender Ozeanographen wird mit einem journalistischen Federstrich für nichtig erklärt, weil nicht sein kann was nicht sein darf. Ohne Scham beruft man sich dort auf unseriöse "Klimaskeptiker"-Websites, wo behauptet wird, die Messungenauigkeit im Mittelwert der 3.000 Argo-Messsonden im Ozean sei gleich groß wie die einer einzelnen Sonde. Jetzt werden also nicht mehr nur Ergebnisse der Klimaforschung bestritten, sondern auch die elementaren Grundregeln der Fehlerrechnung, die jeder Student der Naturwissenschaften im ersten Semester lernt. Aber was tut man nicht alles, um die fortschreitende globale Erwärmung zu verleugnen! Noch bizarrer ist das "Raumschiff-Enterprise-Argument" - dazu gleich mehr.

Abflachung im oberen Ozean

Schauen wir erst noch den oberen Ozean an (aus historisch-messtechnischen Gründen werden dazu die obersten 700 m betrachtet):


Veränderungen im Wärmeinhalt der Weltmeere in den oberen 700 Metern. Quelle: NOAA

Und der direkte Vergleich seit 1980:


Veränderungen im Wärmeinhalt der Weltmeere. Quelle: Abraham et al. 2013. Die 2-sigma Unsicherheit beträgt in den 1980ern 2×1022 J und in den letzten Jahren 0,5×1022 J.

Zwei Dinge sind hier interessant.

Erstens: Etwa zwei Drittel der gesamten Ozeanwärme seit 1980 sind im oberen Ozean gelandet. Der Wärmeinhalt der oberen Schicht ist also doppelt so stark gestiegen wie der der unteren Schicht (700-2000 m). Die mittlere Temperatur der oberen Schicht ist sogar mehr als dreimal so stark gestiegen wie die der unteren (denn die obere Schicht ist nur 700 m dick, die untere 1300 m). Das ist nicht überraschend: schließlich wird der Ozean von oben her beheizt, und es dauert, bis die Wärme tiefer eindringt.

Zweitens: In den letzten zehn Jahren verlief die Erwärmung in der oberen Schicht flacher als zuvor. Trotzdem steigen die Temperaturen dort immer noch genauso rasch wie in der unteren Schicht. Diese zuletzt weniger schnelle Erwärmung des oberen Ozeans hängt eng zusammen mit der langsameren Erwärmung der globalen Oberflächentemperaturen, denn die Temperaturen der darüber liegenden Luft sind stark an die Temperaturen der Ozeanoberfläche gekoppelt.

Da die Wärmeaufnahme des Ozeans insgesamt (zumindest bis 2000 m) aber nicht signifikant nachgelassen hat, ist klar: die geringere Erwärmung der oberen Schicht entsteht nicht (zumindest nicht wesentlich) durch nachlassende Heizung von oben, sondern hauptsächlich durch einen größeren Wärmeabfluss nach unten: über die 700-m Linie, von der oberen Schicht in die untere Schicht. (Der Übergang vom Sonnenmaximum zu Sonnenminimum hat auch einen kleinen Teil beigetragen und die planetare Wärmeaufnahme um ca. 15% verringert - Abraham et al. 2013.)  Die genauen Mechanismen dieses verstärkten Wärmeflusses in das tiefere Wasser aufzuklären ist schwierig angesichts der vielfältigen, sich überlagernden Variabilität im inneren des Ozeans.

Zusammenhang mit El Niño

Ganz unabhängig von diesen ozeanischen Messungen hatten wir aufgrund einer einfachen Korrelationsanalyse in Foster&Rahmstorf (ERL 2011) gefolgert, dass der flachere Erwärmungstrend der letzten 10 Jahre hauptsächlich Folge einer natürlichen Schwankung ist, nämlich den häufigeren kalten La Niña Ereignissen im tropischen Pazifik in den letzten Jahren, mit einem kleinen Beitrag durch abnehmende Sonnenaktivität. Den La-Niña-Effekt sieht man auch ohne Statistik direkt an der folgenden Grafik. Sie zeigt Jahreswerte der globalen Temperatur, wobei El-Niño-Jahre rot und La-Niña-Jahre blau hervorgehoben sind. (Wöchentliche Updates zur aktuellen El Niño-Situation gibt es hier.)


Globale oberflächennahe Temperatur (Mittelwert der drei Datenreihen von NOAA, NASA und HadCRU). Von El Niño beeinflusste Jahre sind rot, von La Niña beeinflusste Jahre blau markiert. Quelle: Climate Central, Update einer Grafik der meteorologischen Weltorganisation WMO (S. 15).

Man sieht: die roten El-Niño-Jahre werden immer wärmer, die blauen La-Niña-Jahre auch, aber weil wir zuletzt eine Häufung von drei La-Niña-Jahren hatten (2008, 2011 und 2012 – letzteres das wärmste La-Niña-Jahr seit Beginn der Messungen) ist der Erwärmungstrend über die letzten zehn Jahre geringer. Es handelt sich dabei also um das „Rauschen“ der natürlichen Schwankungen, nicht um eine Änderung im „Signal“ der globalen Erwärmung. (Dass man den Effekt solcher natürlichen Schwankungen nicht mit einer Veränderung des Klimatrends verwechseln sollte, darauf weisen wir seit Jahren immer wieder hin, z.B. hier schon 2008 - die neueren Forschungsergebnisse bestätigen vollauf das damals Gesagte.)

Dies ist konsistent mit dem Befund, dass die geringere Erwärmung nicht primär an der Strahlungsbilanz sondern an der ozeanischen Wärmespeicherung liegt. Denn während der (an der Oberfläche kalten) La-Niña-Ereignisse speichert der Ozean zusätzliche Wärme ein, die er während der (an der Oberfläche warmen) El-Niño-Ereignisse wieder abgibt. Wahrscheinlich wird das nächste El-Niño-Ereignis (wann immer es kommt - dies ist ein stochastischer Prozess) wieder zu einem neuen Rekord in der globalen Mitteltemperatur führen (wie schon 2010).

Zur stärkeren Wärmeaufnahme im tieferen Ozean sagt der führende US-Forscher Kevin Trenberth, der dazu kürzlich eine Studie veröffentlicht hat:

Der Grund für die Veränderung liegt in einer bestimmten Änderung der Winde, insbesondere im subtropischen Pazifik wo die Passatwinde spürbar stärker geworden sind. Sie haben dabei Meeresströme verändert und die subtropische Umwälzung des Meerwassers verstärkt, was einen Mechanismus liefert, Wärme in den tieferen Ozean zu transportieren.  Das hängt mit dekadischen Wettermustern im Pazifik zusammen, die wiederum in Bezug zur La-Niña-Phase des El-Niño-Phänomens stehen.

Wärme beamen??

Nun wieder zu den seltsamen Versuchen der „Klimaskeptiker“, diese Befunde wegzudiskutieren. Das Argument geht ungefähr so: es könne nicht sein, dass die Erwärmung des tieferen Ozeans sich beschleunigt während die Erwärmung des oberen Ozeans sich verlangsamt, denn die Wärme müsse schließlich durch die obere Schicht hindurch, um in die Tiefe zu kommen. Auf welt.de etwa heißt es:

Winde können ja manches, aber warmes Oberflächenwasser, aufgeheizt vom Kohlendioxid, einfach 700 Meter tiefer beamen?

Diese Argumentation offenbart wieder einmal das erschütternde Unverständnis von grundlegender Physik in den Zirkeln der „Klimaskeptiker“. Erstens fehlt dem angeblichen Problem jede Sachgrundlage – schließlich erwärmt die obere Schicht des Ozeans sich ja seit Jahrzehnten rascher als die tiefere (wenn auch zuletzt nicht mehr ganz so rasch wie zuvor). Wo soll also das Problem dabei sein, dass die Wärme erst die obere Schicht aufheizt und dann von dort in die tiefere Schicht vordringt?

Zweitens ist es natürlich physikalisch überhaupt kein Problem, durch eine Windänderung den oberen Ozean zu kühlen und gleichzeitig den tieferen zu wärmen, wie die folgende Grafik an einem Beispiel illustriert. (Es gibt auch noch weitere Mechanismen.)

Der Ozean ist bekanntlich thermisch geschichtet, eine warme Schicht von einigen hundert Metern Dicke liegt auf der kalten Tiefsee, Bild (a). Der Übergang ist natürlich graduell und keine scharfe Grenze wie in der simplen Schemazeichnung. Bild (b) zeigt was passiert, wenn man den Wind einschaltet. Die Oberflächenschicht (oberhalb des gestrichelten Tiefenniveaus) wird dann im Mittel kälter (weniger rot), die tiefe Schicht wärmer. Dabei sind die mittleren Temperaturveränderungen nicht gleich groß (wegen der ungleichen Schichtdicken), wohl aber die Veränderung im Wärmeinhalt – was die obere Schicht an Wärmeenergie verliert, gewinnt die untere. Der 1. Hauptsatz der Thermodynamik lässt grüßen.

Dies ist übrigens der seit langem bekannte und bestens dokumentierte Mechanismus von El Niño: (a) entspricht grob einer El-Niño-Situation (östlicher tropischer Pazifik warm), (b) dagegen La Niña (östlicher tropischer Pazifik kalt). Der Wind ist der Passat. Die Neigung der Grenzfläche ist in der Grafik stark übertrieben, denn in Wahrheit ist der Ozean ja papierdünn. Selbst ein Höhenunterschied von 1000 Metern quer über den Pazifik (sagen wir über 10.000 km) ergibt eine Steigung der Isothermen von lediglich 1:10.000 – die könnte man in keiner Grafik von einer Horizontalen unterscheiden.

Wenn jetzt noch während des Übergangs von (a) nach (b) die obere Schicht durch den Treibhauseffekt geheizt wird, könnte ihre Temperatur z.B. konstant bleiben während sich die untere Schicht aufheizt. Simple klassische Physik ganz ohne Beamen.

Beam me up, Scotty! There is no intelligent life on this planet.

 

Update 29. August: Heute erscheint in Nature eine Studie von Kosaka und Xie, die unsere Folgerung von 2011 (Foster&Rahmstorf ERL) bestätigt, dass es vor allem die in den letzten Jahren vorherrschende La-Niña-Situation im tropischen Pazifik ist, die zuletzt zu einem langsameren globalen Temperaturanstieg geführt hat. Die Autoren schreiben im Abstract:

Our results show that the current hiatus is part of natural climate variability, tied specifically to aLa-Niña-like decadal cooling.

Sie zeigen das mit einem eleganten Experiment in ihrem globalen Klimamodell, indem sie es im östlichen tropischen Pazifik "zwingen", dem dort beobachteten Verlauf der Meerestemperaturen zu folgen. Der Wechsel zwischen warmem El Niño und kaltem La Niña folgt in Modellen (wie wohl in der realen Welt) ansonsten dem Zufall - mit diesem Trick wird das Modell dazu gebracht, die tatsächliche Abfolge von El Niño and La Niña nachzumachen. Ergebnis: dann reproduziert auch die globale Durchschnittstemperatur die Beobachtungen.

Damit gibt es nun mindestens drei unahbhängige Bestätigungen dafür, dass wir es nicht mit einer Verlangsamung des globalen Erwärmungstrends zu tun haben, sondern mit einer fortschreitenden globalen Erwärmung mit überlagerten natürlichen Schwankungen (wie wir es übrigens hier im Blog schon 2008 erläutert haben):

1. Unsere Korrelationsanalyse zwischen globaler Temperatur und dem El-Niño-Index

2. Die oben besprochenen Daten der Wärmeaufnahme der Ozeane

3. Die neue Modellrechnung von Kosaka und Xie.

 

Update 3. September: Noch mehr zum Lesen - wer es genauer wissen möchte:

Tamino in gewohnter detaillierter Analyse zur neuen Studie von Kosaka und Xie.

Dana Nuccitelli dazu im Guardian mit einigen weiteren interessanten Aspekten, die ich oben nicht genannt habe.

Noch ein wichtiger Aspekt, der in der Diskussion oft vergessen wird: die Datenlücke in der Arktis, die einen großen Teil der "fehlenden Erwärmung" erklärt (wahrscheinlich sogar einen größeren als bislang gedacht, die Studie dazu ist aber noch nicht erschienen).

Und nochmal zur Erinnerung: als die Erwärmung 15 Jahre lang (nämlich bis 2006) doppelt so steil ablief wie erwartet hat kein Hahn danach gekräht - in einem Paper 2007 dazu haben wir das zu Recht auf kurzfristige interne Schwankungen zurückgeführt, so wie jetzt die langsamere Erwärmung.

 

Anmerkung 1: Diesen Satz habe ich geringfügig geändert, da ein Leser mich auf eine mögliche falsche Lesart hingewiesen hat - er war missverständlich formuliert.

 

Aktuelle Fachliteratur

Levitus et al. (Geophysical Research Letters 2012). Dokumentation der Wärmeaufnahme der Weltmeere seit 1955. Dort findet man Unsicherheitsanalysen, Karten der Datenabdeckung und viele Abbildungen zur regionalen und vertikalen Verteilung der Erwärmung.

Balmaseda et al. (Geophysical Research Letters 2013) zeigen u.a., dass El-Niño-Ereignisse mit einem starken Wärmeverlust des Ozeans einhergehen. Wie oben erläutert gibt der Ozean während eines El Niño an der Oberfläche Wärme ab, weil die Meeresoberfläche (siehe Abb. (a) oben) dann ungewöhnlich warm ist. Auch nach Vulkanausbrüchen kühlt sich der Ozean, aber aus einem anderen Grund: weil Vulkanaerosole die Sonne abschatten und daher der Ozean weniger Sonnenwärme aufnimmt als normal.

Guemas et al. (Nature Climate Change 2013) zeigen, dass die langsamere Erwärmung der letzten zehn Jahre nicht durch Veränderungen der Strahlungsbilanz unserer Erde erklärt werden kann, wohl aber durch Veränderungen in der Wärmespeicherung der Ozeane - und dass diese auch von Klimamodellen zumindest teilweise reproduziert werden kann, wenn man bei der Initialisierung des Modells natürliche Schwankungen wie El Niño berücksichtigt.

Abraham et al. (Reviews of Geophysics 2013). Ganz aktueller, umfassender Review der Temperaturmessungen im Ozean mit detaillierter Diskussion der Genauigkeit der Daten, der planetaren Energiebilanz und den Auswirkungen der Erwärmung auf den Meeresspiegel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


32 Kommentare zu “Beam me up, Scotty! + Update”

  1. Andreas Zeitz-Fehse Antworten | Permalink

    27 Years of above average Temperature

    Die Jahresachse enthält zweimal das Jahr 2000. Ich schätze mal das letze soll ein 2010 sein.

    [Antwort: Richtig, danke für den Hinweis - Climate Central hat das jetzt dankenswerterweise repariert. Stefan Rahmstorf]

  2. Jens Christian Heuer Antworten | Permalink

    Einen sehr guten Artikel haben Sie da geschrieben! Wenn ich Sie richtig verstehe, dann gibt es die Pause bei der globalen Erwärmung nur in der Atmosphäre. Die zusätzliche Wärme durch den verstärkten Treibhauseffekt verschwindet derzeit einfach nur in den Ozeanen. Die in letzter Zeit sehr starken Passatwinde erschweren El Nino Ereignisse, bei denen die im tropischen Pazifik (eine enorm große Wasserfläche!) gespeicherte Wärme an die Atmosphäre abgegeben wird.
    Dazu eine Idee: Könnten die stärkeren Passate vielleicht selbst auch mit der globalen Erwärmung zusammenhängen!? Etwa so: Über dem subtropischen Meer verdunstet bei Erwärmung mehr Wasser. Die zusätzliche Luftfeuchtigkeit gelangt mit den Passaten in die Innertropische Konvergenzzone. Dort liefert sie dann auch entsprechend mehr latente Wärme für die Konvektion und verstärkt so die Luftumwälzung in den Hadleyzellen und damit auch die Passate.
    Beste Grüße
    Jens Christian Heuer

  3. Jochen Binikowski Antworten | Permalink

    Leider fehlen einige wichtige Informationen, u.a.:

    1. Um wieviel Grad haben sich die Meere seit 1955 erwärmt, Oberfläche, 100 Meter und 2000 Meter Tiefe?

    2. Wie verteilt sich diese Erwärmung auf die einzelnen Regionen?

    3. Wie hat man das 1955 global gemessen? Immerhin ist das der Ausgangspunkt der ersten beiden Grafiken.

    [Antwort: Die obersten 100 m (die gut durchmischt sind) haben sich um 0,53 Grad erwärmt (linearer Trend 1955-2010), die obersten 2000 m im Mittel um 0,09 Grad, das vertikale Profil finden Sie im verlinkten Levitus-Artikel Abb. 2, auch für die einzelnen Ozeanbecken. Die Messmethoden siehe den Artikel von Abraham et al. - u.a. durch Forschungsschiffe und das weltweite Programm der "ships of opportunity", die mit XBT-Sonden Temperaturprofile messen, siehe http://www.oco.noaa.gov/xBTsSOOPS.html. Stefan Rahmstorf]

  4. Bernhard Seckinger Antworten | Permalink

    Probleme mit der X-Achse

    In der 1. Grafik gibt die X-Achse einen Zeitraum vom 1965 bis 2013 an. In der Legende steht aber beispielsweise für die blaue Linie, dass diese von 2008 bis 2012 reicht. Was stimmt nun?

    [Antwort: Die rote Kurve zeigt Quartalswerte, der letzte Wert ist für Jan-März 2013. Die blaue Kurve zeigt Mittelwerte über 5-Jahres-Perioden, der letzte Wert ist für die Periode 2008-2012. Die schwarze Kurve zeigt die Jahreswerte. Sorry, dass die Legende auf Englisch ist. Stefan Rahmstorf]

  5. Horst Antworten | Permalink

    voreilig / vorwitzig

    Der Höhepunkt der Sonnenaktivitäten soll ja erst 2012 gewesen sein, wobei die Entwicklung von Treibhauseffekt und Erwärmung der Meere auch nicht von gestern auf heute ablief!?

  6. Stefan Schindler Antworten | Permalink

    Der Faktencheck

    Doch über die Entwicklung der Wassertemperaturen herrscht Unklarheit. Lange schien es, als hätten sich auch die Ozeane seit 2003 nicht weiter erwärmt. Neuere Berechnungen einer Gruppe um Norman Loeb von der Nasa aber zeigen nun einen Temperaturanstieg. Auch die Nasa dokumentiert eine Erwärmung der Meere in den oberen Wasserschichten.

    Die Ergebnisse aber können andere Wissenschaftler nicht überzeugen. "Die Unsicherheiten der Daten sind zu groß", schreibt Kevin Trenberth vom National Center for Atmospheric Research in den USA (NOAA), einer der renommiertesten Experten auf dem Gebiet. "Wir müssen unsere Messungen verbessern".

    Das Problem ist, die große Wassermenge von geschätzten 700 Billiarden Litern in den Weltmeeren systematisch zu überwachen. Gerade mal gut 3000 Bojen treiben seit knapp zehn Jahren umher, sie tauchen bis auf 2000 Meter hinab und messen die Temperatur.

    Bis 2002 gab es nur vereinzelt Daten; für Messungen der Oberflächentemperatur wurden seit 1992 Satelliten eingesetzt und sogenannte Wegwerf-Thermografen von Schiffen aus im Wasser verteilt. Auf ihrem Weg zum Grund registrierten die Einweggeräte die Temperatur. Die Daten gelten als fehlerhaft, weil sich die Meerestiefe während des Sturzes nur ungenau bestimmen ließ - die Sonden fallen unterschiedlich schnell. ... Dass die Erwärmung der Ozeane den Temperaturstillstand der Luft erklären könnte, sei aber aufgrund mangelnder Daten "schwierig zu bestätigen", sagt Doug Smith vom Met Office. Für einen Beweis müssten auch Computermodelle die Klimaentwicklung seit der Jahrtausendwende korrekt nachvollziehen", ergänzt Jochem Marotzke, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie. Das sei noch nicht geschehen. ... "Wir brauchen mehr Messungen in der Tiefsee", fordert Norman Loeb.

    Der Link

    http://www.spiegel.de/...aerwaermung-a-877941.html

    [Antwort: Lieber Herr Schindler, Stammleser wissen, dass ich gelegentlich eine etwas andere Einschätzung als dieser Spiegel-Autor habe. Im übrigen stammt der Artikel vom Januar, mein Beitrag diskutiert dagegen die Ergebnisse der aufgelisteten neuesten Studien, die meist danach erst erschienen sind. Stefan Rahmstorf]

  7. Stefan Schindler Antworten | Permalink

    Ungenauigkeiten

    Was wieder mal fehlt ist der Vertrauensbereich zu den Kurven. Und das bei den wenigen Messewerten.

    Zudem scheint der Anstieg zwischen 1970-1980 stärker gewesen zu sein, als der heutige. Gerade mit einer sich beschleunigen, globalen Erderwärmung sollte sich das auch heute in den Ozeanen widerspiegeln. Tut es aber nicht.

    Mehr als dürftig, die Datenlage und die Interpretation.

    [Antwort: Der Unsicherheitsbereich dieser Daten ist in der Bildlegende bei der 3. Grafik angegeben, und unter dem Link zu NOAA ganz oben im Artikel finden Sie die Option "figures with error bars", unter der Sie diese Grafiken mit Fehlerbalken ansehen können. Stefan Rahmstorf]

  8. Gerhard Raschke Antworten | Permalink

    nicht stimmig

    Werter Herr Rahmstorf,

    ich kann obige Erklärungen nicht nachvollziehen. Alleine bei Beachtung der folgenden Umstände kommen große Zweifal an der These auf.

    1. man beachte auch den Zeitraum von ca. 1970 bis 1980. Q der Ozeane bis 700m hat um ca. 7 ²² J zugenommen.
    Warum?
    Die globalen Temperaturen blieben über diese Zeit sehr konstant, der rasche Anstieg erfolgte erst ein paar Jahre später.

    2. auch dieser Zeitraum war eher durch la Nina Events geprägt.

    3. können veränderliche Windbedigungen binnen weniger Jahre ca. 5 ²² J unter 700m Tiefe "pumpen"?

    Das alles passt mit dem obigen nicht gut zusammen.

    [Antwort: Was lässt Sie denn daran zweifeln, dass interne Variabilität in der Ozeanzirkulation solche Wärmemengen bewegen kann? Wie viel hätten Sie erwartet? Zu Ihrem ersten beiden Punkten: die Situation "viel La Niña, starke Wärmeaufnahme der Tiefsee und geringer Temperaturanstieg an der Oberfläche" ergibt doch ein konsistentes Bild, genau das ist ja oben beschrieben - ich verstehe nicht ganz, was da nicht zusammen passen soll. Stefan Rahmstorf]

  9. Markus Becker Antworten | Permalink

    kleiner Null?

    Irgendwie klemmt es bei mir mit dem Verständnis der Grafik im Zusammenhang mit dem Text.
    Die Grafik Wärmeinhalt bzw. Heat Content hat für die y-Achse die Einheit Joule. Wie kann der Wärmeinhalt der Ozeane negativ werden? Oder handelt es sich um die "Netto-Wärmeaufnahme" wie auch Ihr Artikel es durchgängig (bis auf Netto) nennt? Das wäre dann die 1. Ableitung des Wärmeinhalts.
    Andererseits würde diese Interpretation aber auch bedeuten, dass in den späten 1960ern die Ozeane eine Wärmeenergie entsprechend ca. 1 "Hiroshima Bombe" alle 2-3 Sekunden ABGEGEBEN hätten?
    Wo liegt mein Denkfehler?

    [Antwort: Lieber Herr Becker, genau wie bei Temperaturkurven wird der Wärmeinhalt immer relativ zu einer Referenzperiode angegeben, in diesem Fall 1955-2006. Letztlich ein willkürlich gewählter Nullpunkt der y-Achse, weil man Temperaturveränderungen viel genauer messen kann als die absolute Temperatur. Negative Werte bedeuten daher lediglich, dass der Wärmeinhalt geringer war als im Mittel über 1955-2006. Stefan Rahmstorf]

  10. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Die Erwärmung könnte langsamer ablaufen

    Wenn 90% der zusätzlich vom Erdsystem aufgenommenen Energie im Ozean landet - was mir plausibel erscheint - und nur 2% in der Atmosphäre, dann lässt sich die Zunahme der Oberflächentemperatur und der niederen Luftschichten nur unter gewissen Annahmen in direkten Zusammenhang mit Emissionsszenarien bringen. Heute verbindet man mit der globalen Erwärmung die Entwicklung der Oberflächentemperaturen. Dieses Bild dominiert in der Öffentlichkeit und es wird einem auch in den IPCC-Berichten so vermittelt.
    Doch falls der Wärmetransport in die Ozeane weiterhin so stark bleibt wie in den letzten Jahren, dann könnte man sich auch vorstellen, dass die Oberflächentemperaturen langsamer als prognostiziert steigen und viele Effekte des Klimawandels über wärmere Ozeane zu erwarten sind, zum Beispiel über wärmeres Wasser in der Arktis und Antarktis. Das wäre dann ein langsamer Erwärmungsprozess als vorausgesagt obwohl sich am Forcing nichts geändert hat. Allerdings hängt das wohl stark von der Häufigkeit von El-Nino und La-Nina-Vorgängen ab und mir ist keine Studie bekannt, die von einer Abnahme von El-Nino-Ereignissen in der Zukunft ausgeht.

  11. MichaelE Antworten | Permalink

    genial

    Hallo Hr Rahmstorf

    "Diese zuletzt weniger schnelle Erwärmung des oberen Ozeans hängt eng zusammen mit der langsameren Erwärmung der globalen Oberflächentemperaturen, denn die Temperaturen der darüber liegenden Luft sind stark an die Temperaturen der Ozeanoberfläche gekoppelt."

    aha. weil die luft über dem ozean sich weniger schnell erwärmt, erwärmt sich der obere ozean weniger schnell, und deswegen erwärmt sich die darüberliegende luft weniger schnell. genial

    und bisher dachte ich die oberflächenerwärmung beschleunigt sich
    http://www.scilogs.de/...aermung-beschleunigt-sich

    aber spass beiseite: wenn das alles so klar und logisch ist, warum haben sie die seit fast 2 jahrzehnten andauernde stagnation der oberflächenlufttemperatur nicht vorhergesgt?
    und wann kommt die wärme aus dem ozean wieder raus? in 5a, 10a, 50a?

    machen sie doch einfach mal eine nachprüfbare prognose für die nächsten 5a.

    [Antwort: Es ist die Wassertemperatur, die (wegen ihrer im Vergleich riesigen) Wärmekapazität die Lufttemperatur über den Ozeanen auf den hier relevanten Zeitskalen bestimmt. Die ankommende Sonnenstrahlung wird im Wasser absorbiert, die Wärmebilanz des Ozeans bestimmt dann die Meeresoberflächentemperatur, an die die Lufttemperatur eng angekoppelt ist.

    Prognosen über 5 Jahre sind in der Regel noch nicht möglich (auch wenn es jetzt erste Studien dazu gibt, die das versuchen), denn dieser Zeitraum wird von internen Schwankungen im Klimasystem dominiert, deren Verlauf wir (noch) nicht gut vorhersagen können. Anders sieht es mit der langfristigen Entwicklung aus, die von der Veränderung der Strahlungsbilanz durch Treibhausgase dominiert wird. Deshalb machen Klimaforscher in der Regel Szenarien über mindesten einige Jahrzehnte: dann ist das Verhältnis von "Signal" (langfristige Klimaänderung) zu "Rauschen" (kurzfristige interne Schwankungen) hinreichend gut. Stefan Rahmstorf]

  12. Horst Antworten | Permalink

    "Die ankommende Sonnenstrahlung wird im Wasser absorbiert, ..."

    Was ist mit Sonnenstrahlung die sich auf das Erdmagnetfeld und weiter auf tektonische Aktivitäten auswirkt - da steckt doch eine Menge an Hitze da unten, die dann als Wärme noch oben geleitet wird / wurde???

    [Antwort: Der geothermische Wärmestrom aus dem Erdinneren beträgt 0,07 Watt pro Quadratmeter (http://de.wikipedia.org/wiki/Geothermie#W.C3.A4rmestrom_aus_dem_Erdinneren_durch_W.C3.A4rmeleitung). Die von der Sonne absorbierte Strahlung beträgt ca. 240 Watt pro Quadratmeter, der Strahungsantrieb durch das anthropogene CO2 in der Atmosphäre ca. 2 Watt pro Quadratmeter. Stefan Rahmstorf]

  13. MichaelE Antworten | Permalink

    MichaelE

    "Die ankommende Sonnenstrahlung wird im Wasser absorbiert, die Wärmebilanz des Ozeans bestimmt dann die Meeresoberflächentemperatur, an die die Lufttemperatur eng angekoppelt ist."

    korrekt (obwohl in ihrem artikel was anderes steht)
    deswegen müsste ein sich beschleunigender THE in beschleunigter erwärmung der meeresoberflächentemperatur erkennbar sein. tut es aber nicht. die temperatur stagniert (siehe ihre diagramme).

    und warum der wind ab ca 2004 (und nicht vorher) wärme in die tiefe schaufeln soll ist auch nicht so offensichtlich

    ausserdem sind sie meiner frage ausgewichen. warum haben sie das nicht alles vor 20a so verhergesehen?

    und noch eine frage: behaupten sie immer noch das der THE sich beschleunigt?

    [Antwort: Was meinen Sie mit THE? Ich erwähnte bereits, dass solche kurzfristigen natürlichen Schwankungen in der globalen Temperatur sich auch heute noch nicht vorhersagen lassen, geschweige denn vor 20 Jahren. Stefan Rahmstorf]

  14. MichaelE Antworten | Permalink

    hallo hr rahmstorf

    THE=treibhauseffekt

    beschleunigt sich die erderwärmung (wie sie früher geschrieben haben?
    warum stagniert die meerersoberlächentemperatur siet ca 10a?
    warum stagniert die lufttemperatur seit ca 18a?
    warum haben sie diese (nicht kurzfristigen) entwicklungen nicht vorhergesagt?
    warum taucht 2004 ein wind auf der wärme in die tiefe der ozean bringt?
    waurm war dieser wind vorher nicht da?

    [Antwort: Sie meinen möglicherweise diese Interviewaussage von Phil Jones hier bei KlimaLounge im Jahr 2008?

    "Der aktuellste 20-Jahrestrend, 1988-2007, beträgt 0.20 ºC pro Dekade. Bei diesem robusteren Maßstab sind die jüngsten Trends die steilsten. Nimmt man etwa den 20-Jahrestrend von vor zehn Jahren, also 1978-1997, so beträgt der nur 0.11 ºC pro Dekade. Das bedeutet: für hinreichend lange Zeiträume, über die man vernünftige wissenschaftliche Aussagen machen kann, hat die Erderwärmung sich beschleunigt und keineswegs abgeflacht."

    Der Wind ist nicht im Jahr 2004 plötzlich aufgetaucht, sondern es gibt einfach dekadische Schwankungen im Klimasystem, die auch die Winde betreffen - vielleicht lesen Sie einmal den verlinkten, für Laien geschriebenen Artikel von Kevin Trenberth.

    Ihre anderen Fragen habe ich bereits beantwortet. Übrigens gibt es in den Klimamodellen auch solche internen dekadischen Schwankungen, damit verbundene stärkere Wärmeaufnahme und daher Phasen mit geringerer Erwärmung an der Oberfläche, über die es auch zahlreiche Papers gibt. Da diese internen Schwankungen aber stochastisch sind (wie das Wetter) können die Modelle nicht vorhersagen, wann es zu einer solchen Phase kommt oder wie lange sie dauert. Stefan Rahmstorf]

  15. TREVERER Antworten | Permalink

    geschmolzenes eis?

    hallo herr rahmstorf,

    es gibt ja angaben über die menge der weltweit geschmolzenen eismenge in einem bestimmten zeitraum. meinetwegen die letzen 50 oder 100 jahren.
    wie hoch ist die dafür benötigte wärmemenge bei ,sage ich mal, angenommenen -10C eistemperatur auf +5grad wassertemperatur? würde ich sehr gerne wissen, um eine relation zu haben zur angegebenen energiemenge hinsichtlich der wassererwärmung.

    [Antwort: Der Beitrag von Eisschmelze zum Meeresspiegelanstieg 1901-2000 beträgt rund 10 cm. Damit können Sie es sich ausrechnen, freue mich auf das Ergebnis! Stefan Rahmstorf]

  16. Gerhard Raschke Antworten | Permalink

    @ Herr Treverer

    Hallo,

    habe mir den Spaß erlaubt, ihre Frage grob zu berechnen:
    Also, zuerst mal vereinfacht die Schmelzwärme Wasser von fest auf flüssig 335kJ/kg.
    10cm Ozeanoberfl. ergeben ca. 36 Mill. km³ Volumen oder ca. 3,6E+19kg.
    Das ergibt dann ca. eine Energie von 3,4E+18kWh für das Abschmelzen von so viel Eis, dass der Meerespiegel um ca. 10cm ansteigt. Freilich nur in erster Näherung, aber passen sie auf:
    Die Sonne liefert pro Jahr grob 1,5E+18kWh. Das entspricht ca. 10.000mal dem Weltenergieverbrauch und es würde ca. 2,3 Jahre dauern, mit der gesamten globalen Strahlung diese Eismassen zu schmelzen od. eben gut 20.000 Jahre, wenn wir Menschen alle Energie in den "Eisberg" stecken würden.
    Nehmen wir weiters an, dass gesamte Eis würde auf Grönland liegen, die Sonne schneit effektiv nur 3 Monate und die mittlere Eistrahlung ist etwas weniger (habe grob einfach durch 5 gebrochen) und das Flächenverhältnis noch dazu, so kommen wir auf fast 3000 Jahre welche die Sonne brauchen würde, um alles abzutauen.
    Diese Milchmädchenrechnung passt aber erstaunlich gut mit den Klimaprojektionen überein, denn wenn es wirklich um 5-8°C über Gröndland im Mittel wärmer werden sollte, würde es auch etwa so lange dauern, bis ein Großteil des Eises verflüssigt ist...

    MfG

    Gerhard

  17. Fanny K Antworten | Permalink

    Ein kleines Zahlenspiel

    Das wollte ich mir doch nicht nehmen lassen, dies an dem verregneten Sonntagnachmittag einmal genauer durchzurechnen:

    Die Meeresfläche beträgt 360.641.360 km², daraus ergibt sich bei einem Meeresspiegelanstieg von 10 cm ein Volumen an Schmelzwasser in der Höhe von schwindelerregenden 36064,136
    km³. Mit der Dichte von Wasser (1000 kg/m³) lässt sich daraus eine Masse von geschmolzenem Eis mit 3,60641*10^16
    kg errechnen.
    Nehmen wir an, wir wollen berechnen, wie viel Energie man benötigt um Eis mit einer Temperatur von -5°C auf Wasser mit der Temperatur von 5°c zu bringen.
    Die Wärmekapazität von Eis sei mit 2,06 kJ/(kg*K) und von Wasser mit 4,218 kJ/(kg*K) angenommen. Das ergibt schon mal ca. 1,13205*10^18 J, bzw. 2738133462
    TWh - kleiner Vergleich: Deuschland hat vergangenes Jahr ca. 618 TWh produziert und China knapp 4700 TWh.
    Man merkt schon jetzt, wir bewegen uns hier in Dimensionen die weit über jeglichem menschlichen Verständnis liegen.

    Dies ist allerdings nur ein winziger Teil der gesamten Energie, die benötigt wird. Denn um 1 kg Eis zu schmelzen benötigt man 33,5 kJ, damit könnte man 1 kg Wasser auch um 80 Kelvin erwärmen.

    Somit kommen wir mit 33500 J * 3,60641*10^16 kg auf eine notwendige Schmelzenergie von ca. 1,20815*10^21 Joule, bzw. 4,34933*10^12 TWh, das wäre das knapp 1 Milliarden-Fache von Chinas momentanen jährlichen Energieverbrauchs.

    Doch auch dieser Teil, der ja für das Schmelzen in den letzten 100 Jahren verbraucht wurde, ist immernnoch um zwei Potenzen geringerer als das, was die Meere allein in den letzten 30 Jahren an Wärmeenergie aufgenommen haben (17 x 10^22 Joule).

    Sollte ich mich verrechnet haben, bitte ich gerne um Korrektur.

    Sollte ich mich nicht verrechnet haben, sieht die Situation doch sehr auswegslos aus - dass es sich bei der "Erderwärmung" um solche Dimensionen handelt, war mir nicht mal annähernd bewusst.

  18. TREVERER Antworten | Permalink

    nun gut, ich bin mir ja nicht ganz sicher, ob ich mich nicht bei den zehnerpotenten vertan habe, aber mein ergebnis lautet:

    ~1,4*10^15J

    also selbst wenn ich mich um fünf zehnerpotenzen vertan haben sollte (ich denke nicht): es ist dann immer noch nur ein tausenstel der energiemenge, die für die erwärmung des wassers angegeben wird. also nur für homöopathen interessant ;-) hätte ich nicht gedacht. also gut, vergessen wir es...

  19. J. Radefahrt Antworten | Permalink

    Möglicher Fehler der Bojen

    Hallo Herr Rahmstorf,
    Ich sehe bei der Messung der Meeresdaten mittels Bojen ein Problem, was ich bisher nirgends als mögliche Fehlerquelle erwähnt fand.
    Das Problem ist simple Grundlagenphysik: Ein objekt, welches sich durch ein Medium bewegt - wie es die Bojen tun - sucht sich immer den Weg des geringsten Widerstands.
    Bekanntlich sind wärmere Gewässer weniger dicht als kältere (bis 4°C bei reinem Wasser, bei Salzwasser bis zu -2°C) und bieten somit den geringeren Widerstand, was über längere Zeit dazu führen wird, dass die Bojen in wärmere Gefilde "abdriften". Das hat logischerweise die Konsequenz, dass die Messdaten verfälscht werden, denn es befinden sich sukzessive immer weniger Bojen in den kälteren Gewässern. Die Messdaten, die natürlich durchaus korrekt sind, wenn man die Zuverlässigkeit der Bojen selbst als sehr hoch ansieht, geben dann aber nicht mehr den tatsächlichen Zustand der Ozeane wieder. Das fällt insbesondere dadurch ins Gewicht, dass, trotz der Anzahl von über 3000, eine Boje mehrere Kubikkilometer(!) repräsentiert.
    Folglich sehe ich die von Ihnen angeführten Daten mit einer gewissen Skepsis. Veilleicht könnten Sie sich dazu äußern.

    Vielen Dank.

    [Antwort: Lieber Herr Radefahrt, die Dichteunterschiede im Ozean sind minimal und genauso durch Salzgehaltsunterschiede wie Temperaturunterschiede bedingt. Die Argo-Floats bewegen sich mit den Strömungen, die wiederum vor allem durch Winde verursacht werden. Stefan Rahmstorf]

  20. J. Radefahrt Antworten | Permalink

    Nochmals Bojen

    Herr Rahmstorf,
    Wenn Sie Ihrem Link zur ARGO-Seite folgen, sich dort in den Map-Room begeben und die Ansicht nach Alter der Bojen auswählen, werden Sie feststellen, dass gerade im ENSO-Gebiet eine sehr deutliche Tendenz zu verzeichnen ist. Kaum eine der Bojen direkt im Äquatorialstrom ist älter als 2-3 Jahre, wohingegen sich außerhalb des Stroms die älteren Bojen konzentrieren.
    (Link: http://wo.jcommops.org/...MOxnAvM/9.0.40.0.3.0.3.0)

    Wenn Sie siese Bilder dann noch mit den für die Zeiträume relevanten Daten der SST vergleichen, wird der von mir angebrachte Punkt überdeutlich, obwohl gerade die Winde dem entgegen stehen (zum Äquator hin und nicht davon weg).

    Ihre Argumentation a'la "minimal [und deswegen nicht relevant]" ist für mich nicht nachzuvollziehen.

    [Antwort: Möglicherweise liegt ein Misverständnis vor? Temperaturtrends über die Zeit werden natürlich aus Bojen am selben Ort berechnet (innerhalb derselben Gitterzelle), nicht aus der Temperaturentwicklung, die eine einzelne Boje durchmacht. Mit anderen Worten: auch wenn alle Bojen von kaltem in warmes Wasser driften, ergibt das noch keinen Erwärmungstrend. Die Bojen driften natürlich aus Bereichen mit divergenten Strömungen (wie der Äquatorialzone) heraus, dort setzt man immer neue nach um eine annähernde Gleichverteilung zu erreichen. Stefan Rahmstorf]

  21. H. Müller Antworten | Permalink

    Klimaretter.info

    dort ist auf eine geomar- Studie verwiesen, die im September im Journal of Chlimate erscheinen soll.

    http://www.klimaretter.info/...icken-weiter-voraus

    man erkennt für den Pazifik eine deutliche Abkühlung seit 1998.

    Wie geht das mit der Aussage eines ungebremst steigenden OHC zusammen?

    [Antwort: Das passt ausgezeichnet: in dieser Studie geht es um den von Trenberth oben beschriebenen Mechanismus, nämlich um dekadische Klimaschwankungen in der Art des El Niño. Speziell geht es in dem Paper um die Frage, wie gut sich solche Schwankungen in einem Klimamodell vorhersagen lassen, wenn man es mit Hilfe der beobachteten Wind initialisiert. (Und wie oben beschrieben: kalte Oberfläche entspricht größerer netto-Wärmeaufnahme des Ozeans, denn wenn die Oberfläche warm ist, verliert der Ozean dort viel Wärme an die Luft.) Stefan Rahmstorf]

  22. TREVERER Antworten | Permalink

    boah, wer lesen kann ist klar im vorteil: das sind ja quadratkilometer und nicht quadratmeter bei der angabe der wasseroberfläche. und dann noch zusätzlich ein peinlicher fehler um eine 10er potenz, denn ich lieber nicht offenlege ;-)

    also, da ich von -10C eistemperatur auf +10C wassertemperatur ausging nun meine korrektur:

    14.271.012.000.000.000.000.000J ~ 1,4*10^22J (entspricht ~3,96*10^18)

    nahezu der gleiche wert, wie von Gerhard Raschke (welcher es eben in kWh angab).

    Fanny K nahm fälschlich eine zehnerpotenz weniger schmelzwärme an, weswegen sein wert entsprechend kleiner war.

    mir hätte der fehler schon auffallen sollen, als ich merkte, dass mein wert ja nicht mal die jahresstromproduktion deutschlands erreichte. echt peinlich. aber dafür ist der mensch ja ein soziales wesen, um solche irrtümer zu verbessern...

    so oder so: es macht also nicht mal 10% der vom wasser aufgenommenen wärmemenge aus (der letzen 30jahre, nicht hundert!). da bin ich ja beruhigt ;-)

  23. Gerhard Raschke Antworten | Permalink

    Herr Rahmstorf:

    die Dichteunterschiede im Ozean sind minimal und genauso durch Salzgehaltsunterschiede wie Temperaturunterschiede bedingt. Die Argo-Floats bewegen sich mit den Strömungen, die wiederum vor allem durch Winde verursacht werden. Zitat Ende

    Gibt es GPS Daten od. sonst was, wo man im www die tatsächliche Position dieser Bojen erfährt?

    MfG

    Gerhard

    [Antwort:
    http://wo.jcommops.org/cgi-bin/WebObjects/Argo
    http://argo.jcommops.org/maps.html
    Stefan Rahmstorf]

  24. J. Radefahrt Antworten | Permalink

    Bojen Teil 3

    Herr Rahmstorf,
    Ich bin leider etwas enttäuscht, was Ihre Antwort angeht.
    Bei mir kein Missverständnis vor. Sie lassen offensichtlich die Möglichkeit anderer Methoden der SST-Messungen außer Acht, zum Beispiel über Satelliten (die genauesten Messungen gibt es im Übrigen bei der NAVY mit einer Auflösung von 5x5 Bogenminuten, also ca, 3,5 km²).

    Bei den Messungen mit Bojen besteht das Problem, dass aufgrund der recht lockeren Flächendeckung (im Schnitt ca. 100.000 km² pro Boje) extrapoliert werden muss.
    Hier wirkt sich aber das Abdriften dadurch aus, dass am ursprünglichen (kälteren) Messort keine Boje mehr vorhanden ist, dieser jedoch durch Extrapolation vom neuen (wärmeren) Standort der Boje seinen Vergleichswert erhält. Logische Konsequenz für den entsprechenden Bereich: laut Daten ist die Temperatur gestiegen. Das ist aber nicht der tatsächliche Zustand, sondern nur ein mathematisches Konstrukt, was einen verfälschten Trend über längere Zeiträume ergibt.
    Ein Nachsetzen der Bojen kann (insbesondere) für den Äquatorialstrom nur bedingt eine Lösung sein, es sei denn, die Gewichtung der einzelnen Werte der Bojen wird entsprechend angepasst.
    Steht eine nachgesetzte Boje 5 abgetriebenen gegenüber, müsste also theoreitsch mit 5:1 gewichtet werden. Wird das so gemacht?

    [Antwort: Selbstverständlich werden die Messdaten flächenbezogen gemittelt und nicht nach der Anzahl der Messgeräte, die sich zufällig in einem Gebiet befinden. Die Satelliten messen nur die Temperaturen direkt an der Meeresoberfläche; die stimmen mit den Trends der von den Argo-Sonden nahe der Oberfläche gemessenen Temperaturen überein. Die Ozeanographen-Kollegen sind auch nicht ganz dumm, auch wenn manche Laien immer wieder anzunehmen scheinen, dass professionelle Wissenschaftler völlig ahnungslos agieren. Stefan Rahmstorf]

  25. Martin Antworten | Permalink

    Kühler dank La Niña

    Ich habe hierzu einige Fragen:

    Wird die Klimaerwärmung dann später aufgeholt, d.h. kann es zu einer Beschleunigung brim Temperaturanstieg kommen oder ist die Wärme ersteinmal in den Tiefen des Ozeans weggeschlossen?

    Wäre es möglich, dass die Häufung von La Niñas eine Folge der Erderwärmung ist, ein negatives Feedback?

    Gruß
    Martin

  26. Martin Antworten | Permalink

    5-jahres Prognosen

    "Prognosen über 5 Jahre sind in der Regel noch nicht möglich (auch wenn es jetzt erste Studien dazu gibt ..."

    Das ist etwa der maximaler Zeitraum für den sich ein Politiker interessiert.
    Wenn Forscher hierzu aussagen machen wollen, müssen sie auch El Niño vorhersagen können. Das wäre sehr spanned. Werden Sie vielleicht hierzu was schreiben?

    Gruß
    Martin

  27. Christian Antworten | Permalink

    Feedback auf radiatives Forcing

    Hallo Martin,

    Du liegst da gar nicht so falsch(vielleicht reagiert Rahmstorf auf meine Darstellung). Das wird unter den Begriff "Thermostat" geführt.

    So konstatieren Emilie Geay 2007(1) anhand eines Klimamodells gespannt übers Holozän, dass der tropische Pazifik-Zustand auf hohen (Jahunderte)und auch kürzeren(Dekade) Zeitskalen ungekehrt zum Forcings reagiert (hier orbitale Insolation und solare Einstrahlung) So zeigen sie, dass bei Phasen positven radiativen Antriebes der Zustand mit einen Zeitverzug eher La-Nina-ähnliche Zustände animmt, währendessen bei negativen radiativen Forcings El-Nino-ähnliche Zustande enstehen.

    Der sog. Thermostateffekt.

    Jedoch werden diese Erkentnisse mehr oder weniger gestützt. Wilson R. et al 2010(2)zeigen, dass große Vulkanausbrüche (verursacht eine starke negative radiative Imbalance) quasi direkt einen El-Nino verursacht bzw. die Wahrscheinlichkeit dafür stark erhöht. MacDonald et al 2005(3) rekonstruierten die Pazifische Dekadische Oszillation(PDO) welche substanziell mit der El-Nino-Southern-Oszillation (ENSO) verknüpft ist. So fanden sie in Ihrer Arbeit herraus, dass um die Mittelalterliche Wärmeperiode die PDO in der negativen Phase war, damit kann man indirekt auf die ENSO rückschließen, sodass in der Mittelalterliche Wärmephase wohl vermehrt La-Nina-ähnlichen Zustand herrschte. Mann et al 2009(4) lassen mit ihrer Rekonstruktion die gleichen Schlüsse ziehen. Dazu siehe Figure 3A, dort erkennt man das die sog. Nino-Gebiete in der Mittelalterliche Wärmeperiode kühler waren als in der kleinen Eiszeit.

    mfg

    Christian

    Ref:
    (1)
    Emile-Geay, J., M. A. Cane, R. Seager, A. Kaplan, and P. Almasi (2007), El Nin
    o as a mediator of the solar influence on
    climate,Paleoceanography,22, PA3210, doi:10.1029/2006PA00130

    (2)
    Wilson, R., E. Cook, R. D'Arrigo, N. Riedwyl, M.N. Evans,
    A. Tudhope, and R. Allan. 2010.
    Reconstructing ENSO: the influence of method, proxy data,
    climate forcing and teleconnections.
    Journal of Quaternary Science, Vol. 25, Issue 1, pp. 62–78,
    January 2010. DOI: 10.1002/jqs.1297, ISSN 0267-8179

    (3)MacDonald, G.M., and R.A. Case. 2005.
    Variations in the Pacific Decadal Oscillation over the past millennium.
    Geophys. Res. Lett., 32, L08703, doi:10.1029/2005GL022478

    (4) Mann et al 2009,Global Signatures and Dynamical Origins of the Little Ice Age and Medieval Climate Anomaly,Science 27 November 2009: Vol. 326 no. 5957 pp. 1256-1260 DOI: 10.1126/science.1177303

  28. 5 Jahre Nature Climate Change › KlimaLounge › SciLogs - Wissenschaftsblogs Antworten | Permalink

    […] Der vierte Kommentar (von Shang-Ping Xie) dreht sich um die natürlichen Schwankungen in der globalen Temperatur, die dazu führen, dass diese mal etwas schneller, mal etwas langsamer ansteigt. Aus Sicht der Energiebilanz spielt dabei die Wärmespeicherung im Ozean eine entscheidende Rolle, wie eine Arbeit von Mehl et al. (2011) in Nature Climate Change zeigte. Konkret nimmt der Ozean offenbar während kühler Jahre (mit La Niña Bedingungen im Pazifik) zusätzlich Wärme auf und speichert sie, um sie während besonders warmer Jahre (mit El Niño Bedingungen wie aktuell) wieder abzugeben. Dieses Thema haben wir ja bereits ausführlich hier bei der KlimaLounge diskutiert. […]

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