Werden Winter kälter?

8. Dezember 2010 von Stefan Rahmstorf in Klimadaten

Das mit dem Jahrtausendwinter war ja eine Ente. Trotzdem haben viele Menschen das Gefühl, in den letzten Jahren habe es besonders kalte Winter gegeben. Ein Grund, einmal die Messdaten anzusehen. Potsdam hat eine der längsten homogenen und qualitativ hochwertigen Klimamessreihen der Welt: die Säkularstation Potsdam. Jeder kann sich die Daten hier tagesaktuell ansehen.


Das Messfeld der Säkularstation des Deutschen Wetterdienstes auf dem Potsdamer Telegrafenberg. Im Hintergrund das Süring-Haus, wo die KlimaLounge-Autoren Anders Levermann und Stefan Rahmstorf forschen.


Wir haben einmal die mittlere Wintertemperatur angeschaut (genau genommen die Tagesmitteltemperatur, gemittelt über die Monate Dezember, Januar und Februar). Das Ergebnis zeigt die Grafik.


Wintertemperaturen in ºC in Potsdam seit 1893. Die rote Linie zeigt den nichtlinearen Klimatrend, geglättet über 30 Jahre.

Man sieht sofort, dass die Werte von Jahr zu Jahr stark schwanken - es liegen 10 Grad zwischen dem kältesten und wärmsten Winter. Das ist typisch für einzelne Orte (und ganz anders als das Verhalten der globalen Mitteltemperatur), denn an einzelnen Orten hängt die Temperatur eben stark von der vorherrschenden Luftströmung ab: bekommen wir kalte Polarluft oder warme Atlantikluft ab? (Auf die globale Mitteltemperatur kann soetwas praktisch keinen Einfluss haben.) Man sieht auch, dass die mittlere Wintertemperatur in den letzten Jahrzehnten immer wärmer wird und seit Mitte des 20. Jahrhunderts um fast 2 Grad gestiegen ist. Das ist deutlich mehr als die global gemittelte Erwärmung, aber nicht untypisch: denn die Kontinente erwärmen sich stärker als die Ozeane und die Winter stärker als die Sommer.

Man sieht auch, dass die 'kalten' Winter ebenfalls wärmer geworden sind. Zwar war der letzte Winter einer dieser 'kalten', mit -1,8 ºC. Aber in den 1980ern gab es alleine drei kältere Winter unter -2 ºC, der Winter 1995/96 war -3,4 ºC kalt und 1962/63 sogar -5,7 ºC. Der kalte letzte Winter war also vergleichsweise moderat. Er kam den Menschen aber vielleicht auch deshalb kalt vor, weil sich die Vergleichsmaßstäbe verschieben. So war der Winter 2006/2007 der wärmste überhaupt in der Zeitreihe mit +4,6 ºC. Es gab in den letzten Jahren also keine rekordkalten Winter, wohl aber den rekordwärmsten.

Aber was ist nun mit den kalten Wintern durch fehlende Eisbedeckung der Barents-Kara-See, über die der PIK-Forscher Vladimir Petoukhov kürzlich eine Studie publiziert hat? Hier geht es um einen Mechanismus, den man in einem Klimamodell gefunden hat: wenn es wenig Eis auf der Barents-Kara-See gibt, dann begünstigt das deutlich den Einstrom kalter Polarluft nach Europa. Das ist zunächst einmal ein Modellergebnis, das noch bestätigt werden muss. Bislang ist eine so geringe Eisbedeckung nur in den Wintern 2005/2006 und 2009/2010 aufgetreten, die auch tatsächlich zu den kalten Wintern zählen. Aktuell, im abgelaufenen Monat, ist die Eisbedeckung dort wieder nur gering. Durch die globale Erwärmung dürfte diese Situation mit wenig Eis immer häufiger auftreten, und die noch vorläufige und vorsichtige Prognose lautet, dass es deshalb künftig häufiger kalte Winter bei uns in Europa geben könnte. Keine Rekord- oder gar Jahrtausendwinter, einfach häufiger kalte Winter wie der letzte. Ob diese Prognose sich bewahrheitet, kann erst die Zukunft zeigen, denn anders als die Entwicklung der global gemittelten Temperatur, die einer einfachen planetaren Wärmebilanz gehorcht, lassen sich Veränderungen der Luftzirkulation heute noch nicht zuverlässig vorhersagen.

Update 20.12.: Hier noch eine Grafik zum Petoukhov-Mechanismus.

Wenn die Eisbedeckung der Barents-Kara-See (rot umrandetes Gebiet) eine kritische Grenze unterschreitet, bildet sich in den Simulationsrechnungen von Petoukhov und Semenov dort häufiger ein Hoch, das zum Einstrom arktischer Kaltluft nach Europa führt.


23 Kommentare zu “Werden Winter kälter?”

  1. christian wettercafe Antworten | Permalink

    Großwetterlagen

    ob die Eisbedeckung der Kara See od. andere Teile der Arktis die Wintertemperaturen in Mitteleuropa beeinflussen, dürfte eine weiche Hypothese sein. Harte Fakten zur T Entwicklung über Mitteleuropa zeigen die Aufzeichungen des PIK (ihre Kollegen, Herr Professor!)bzgl. Großwetterlagen (Hess & Brezowsky)
    http://www.pik-potsdam.de/~uwerner/gwl/

    So haben sich über das 20. Jahruhundert die Häufigkeiten dieser Zirkulationsformen geändert und zwar so, dass speziell ab den 70ger Jahren die "kalten" GWL zu Gunsten der milden Wetterlagen abgenommen haben. Vereinfacht gesagt gab es über die letzten Dekaden einfach viel häufiger Lagen mit Anströmung aus dem Sektor Süd bis West und viel weniger Lagen aus Nordwest bis Nordost, die meist kalten Wetterlagen eben.

    Diese Verschiebung alleine macht mehr als 1°C aus und nur ein überwiegender Teil vom Rest dürfte sehr wahrscheinlich auf Änderungen des globalen Treibhauseffektes zurück zu führen sein.

    Das wirklich interessante dabei ist allerdings, dass die wirklich kalten Lagen im Winter immer noch annähernd die gleichen negativen Abweichung vom langjährigen Mittel zeigen, wie in den 70ger od. 80ger Jahren. Die Luftmassenadvektion vom sich so "unheimlich schnell" erwärmenden Kontinent stromabwärts müsste ein deutliches Signal hinterlassen, ich finde es aber nicht.
    Wir sollten uns alle damit abfinden, dass die natürlichen Klimavariationen nicht vernachlässigbar sind, weder regional noch global. Nur das wollen ja viele nicht einsehen od. zugeben, warum auch immer.

  2. matthias schmitz Antworten | Permalink

    Winterwärme

    wieso erwärmen sich die Winter stärker als die Sommer ?
    Ist es der zu erwartende abnehmende Albedo-Effekt im Winter auf der Nordhalbkugel ?

    Wenn es denn so ist, sind die wärmeren Winter auf der Nordhalbkugel nicht ein Gegenargument für vermutete zukünftige Extremwetterereignisse , da sich die Temperatur/Druck-unterschiede (die entscheidend sind für Stürme) entschärfen könnten ?

    Schönen Dank

  3. Beobachter Antworten | Permalink

    NAO

    Hallo,

    ich habe eine Frage zu den Modellergebnissen im letzten Abschnitt. Irgendwo hab ich mal gelesen, dass kalte Winter bei uns mit einer negativen Nordatlantischen Oszillation verbunden sind. Ist das so? Und ist die geringe Eisbedeckung dann eine Folge dieser negativen NAO bzw anders herum oder hat das eine mit dem anderen nichts per se zu tun?

    vg und danke schon mal,
    Beobachter

  4. Hannes Klein Antworten | Permalink

    Nichtlinearen Trend, geglättet über 30a

    Sehr geehrter Herr Rahmstorf,

    warum zeigen Sie nicht die (Original-)Auswertungsmethode der Wetter-Station in Potsdam (mit 9-järigem gleitenden Mittelwert).

    Hier einmal der Unterschied zu Ihrer Glättung in einer Überblendung.

    MfG

    Hannes Klein

    [Antwort: Weil wir uns für den klimatologischen Langzeittrend interessieren. Ihre Grafik zeigt sehr schön, dass ein 9-jähriger gleitender Mittelwert nicht ausreicht, um die kurzfristigen natürlichen Schwankungen herauszufiltern. Die Wahl einer Filterzeitskala hängt einfach davon ab, welche Zeitskalen bzw. Phänomene Sie interessieren. Stefan Rahmstorf]

  5. Olaf Köhler Antworten | Permalink

    Wie werden die Winter?

    Auch die Klimakirche aus Potsdam (PIK) hat uns warme Winter versprochen, kann man das eigentlich einklagen?
    “Weniger Schnee, trocken-heiße Sommer und mild-feuchte Winter. Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung haben die wichtigsten Klimatrends für Deutschland skizziert.”
    http://www.focus.de/...s-schwitzen_aid_460120.html

    [Antwort: Wie die Grafik oben zeigt, werden die Winter ja im Mittel auch immer milder. Was wollen Sie einklagen? Übrigens schätzen wir unsinnige Polemik wie "Klimakirche" bei den Wissenlogs nicht so. Stefan Rahmstorf]

  6. Alex Becker Antworten | Permalink

    Gibt es eigentlich auch entsprechende Grafiken aus der die Entwicklungen der Tages- und Nachttemperaturen hervorgen, insbesondere im Sommer? Diese Daten hätten nämlich für die Landwirtschaft praktische Bedeutung.

    Bei den Wintertemperaturen kommt es m.M. auch darauf an, ob es einige Tage am Stück mit extrem niedrigen Temperaturen gab. Das ist von großer Bedeutung für die Entwicklung von Schädlingen wie Borkenkäfer usw.

    Ich finde die Beschäftigung mit diesen Fragen jedenfalls interessanter als sich über globale Durchschnittstemperaturen zu zanken.

    [Antwort: Diese Grafiken können Sie sich problemlos interaktiv auf der Webseite der Säkularstation ansehen. Stefan Rahmstorf]

  7. Gast Antworten | Permalink

    Schaedlinge und kalter Winter

    "Bei den Wintertemperaturen kommt es m.M. auch darauf an, ob es einige Tage am Stück mit extrem niedrigen Temperaturen gab. Das ist von großer Bedeutung für die Entwicklung von Schädlingen wie Borkenkäfer usw."

    Da sagt die moderne Wissenschaft aber anderes.
    z.B.: http://www.uni-protokolle.de/...richten/id/114801/

  8. Wolfgang Flamme Antworten | Permalink

    Konfidenzintervalle?

    Herr Rahmstorf,

    könnten Sie bitte noch die wissenschaftlich üblichen, zugehörigen Konfidenzintervalle Ihrer Analyse ergänzen/ausweisen?

    Mit freundlichen Grüßen

    Wolfgang Flamme, Mainz

  9. Gast Antworten | Permalink

    [Antwort: Weil wir uns für den klimatologischen Langzeittrend interessieren. Ihre Grafik zeigt sehr schön, dass ein 9-jähriger gleitender Mittelwert nicht ausreicht, um die kurzfristigen natürlichen Schwankungen herauszufiltern. Die Wahl einer Filterzeitskala hängt einfach davon ab, welche Zeitskalen bzw. Phänomene Sie interessieren. Stefan Rahmstorf

    Verstehe ich nicht, noch einmal für den Ungebildeten, bitte.

    Weil, irgendwie klingt das für nach Manipulation: einfach den Filter wählen, der die passenden Ergebnisse bringt.

    [Antwort: Das Filtern von Daten ist in der Wissenschaft Standard. Ein Filter hilft z.B. dabei, bestimmte Zeitskalen von Interesse herauszufiltern. Das macht die Ergebnisse auf dieser Zeitskala nicht "passend", sondern sichtbar. Selbst wenn oben Winter-Mittelwerte gezeigt werden, ist das ja schon stark gefiltert, denn die ursprünglichen Messungen an den Wetterstationen werden mehrmals täglich erhoben. Wenn man da die Rohdaten zeigen würde, würden Sie vor lauter Wetter, Jahres- und Tagesgang nur noch "Rauschen" und mit dem Auge gar keinen Trend mehr erkennen. Stefan Rahmstorf]

  10. Thorsten Seifert Antworten | Permalink

    Schädlinge

    @ Axel Becker

    Bei den Wintertemperaturen kommt es m.M. auch darauf an, ob es einige Tage am Stück mit extrem niedrigen Temperaturen gab. Das ist von großer Bedeutung für die Entwicklung von Schädlingen wie Borkenkäfer usw.

    Den meissten Schädlingen machen kalte Temperaturen wenig aus. Minus 15 °C überstehen diese mitunter wochenlang. Stecken Sie mal Borkenkäfer bei -18 °C 3 Tage in die Gefriertruhe. Kaum aufgetaut krabbeln die wieder weiter...

    In milden feuchten Wintern verpilzen zahlreiche Insekten im Boden und sterben ab. Das ist viel wirkungsvoller.

  11. Alex Becker Antworten | Permalink

    Da sagt die moderne Wissenschaft aber anderes.

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    Danke für den Link. Da bin ich wohl einer Fehlinformation aufgesessen. Ein Frosteinbruch im Spätfrühling ist also gut für die Vernichtung von Schadinsekten, aber schlecht für die meisten Nutzpflanzen.

    Um mit TV-Kaiser zu sprechen: Ein wahrer Teufelskreis...

  12. Alex Becker Antworten | Permalink

    Sehr geehrter Herr Rahmstorf,

    was sagen Sie eigentlich zu dem Gipfel in Cancun? Vermutlich bin ich nicht der Einzige der da nicht durchblickt: In den Medien wird er als großer Erfolg gefeiert, aber beim genauerem Hinsehen wurde da nur unverbindlich beschlossen, in 10 Jahren etwas Verbindliches zu beschließen.

    Oder habe ich da etwas falsch verstanden?

    [Antwort: Leider werde ich nicht dazu kommen, zu den Cancun-Ergebnissen einen Kommentar zu schreiben. Ich verweise aber auf den sehr treffenden Kommentar meines WBGU-Kollegen Dirk Messner, dem ich mich nur anschließen kann. Stefan Rahmstorf]

  13. Ken Buddha Antworten | Permalink

    Doppelmoral

    Das Wort "Klimakirche" wird hier also nicht sehr geschätzt, mit dem Wort "Klimaleugner" darf man aber frei um sich werfen? Nun, Sie haben hier Hausrecht, aber sollte es sich bei Ihrem Haus um ein Glashaus handeln, dann sehen Sie bitte davon ab, mit Steinen zu schmeißen...

    [Antwort: Das Wort "Klimaleugner" schätze und benutze ich auch nicht, obwohl es zumindest eine gewisse inhaltliche Berechtigung hat. Stefan Rahmstorf]

  14. Alex Becker Antworten | Permalink

    "Ich verweise aber auf den sehr treffenden Kommentar meines WBGU-Kollegen Dirk Messner, dem ich mich nur anschließen kann. Stefan Rahmstorf"

    Da wird also ein völlig unverbindlicher Wischi-Waschi Text als großer Erfolg dargestellt. Wie würde man eigentlich ein Abkommen bezeichnen, wo konkrete Maßnahmen rechtsverbindlich beschlossen werden?

    Ehrlich gesagt gefällt mir dieser Kommentar wesentlich besser:

    http://www.ithaka-journal.net/inhalt/klimafarming

    Zitat: "Im letzten Jahrhundert ist der Humusgehalt von landwirtschaftlichen Böden im Schnitt von 5,5 % auf 1,5% gesunken. Durch geeignete, inzwischen hinreichend bekannte landwirtschaftliche Maßnahmen könnte der Humusgehalt wieder erhöht werden, wobei mit jedem Prozent rund 100 Tonnen CO2 pro Hektar fixiert würden. Allein damit ließe sich ein großer Teil der landesweiten Emissionen kompensieren. All das lässt sich ausreichend genau berechnen und durch eine geeignete Klimaschutzpolitik fördern bzw. bremsen. Doch anstatt das Naheliegende zu tun, dürfen seit Cancun CO2-Zertifikate für die CO2-Abscheidung aus Abgasen von Kraftwerken und deren unterirdische Lagerung (CCS) gehandelt werden."

  15. Ken Buddha Antworten | Permalink

    Klimaleugner

    In Ihrem Artikel "Klimawandel - Rote Karte für die Leugner" aus Bild der Wissenschaft 1/2003 verwenden Sie den Begriff "Klimaleugner" sehr wohl.

    [Antwort: Stimmt, 2003 habe ich diesen Begriff einmal verwendet. Danach wurde ich darauf hingewiesen, dass dabei für manche Menschen eine Assoziation mit dem Begriff "Holocaustleugner" entsteht. Dies möchte ich nicht, daher verwende ich den Begriff seither nicht mehr. Ich verwende den von den "Klimaskeptikern" selbst gewählten Begriff "Klimaskeptiker" - mit Anführungszeichen, weil es sich ja in der Regel nicht wirklich um Skeptiker handelt, die einfach sachliche Evidenz sehen wollen, sondern um Menschen mit einem festen Glauben, der sich durch kein Sachargument trüben lässt. Stefan Rahmstorf]

  16. Thorsten Seifert Antworten | Permalink

    "Klimaleugner"

    @ Ken Buddha

    Mir gefällt der Begriff "Klimaleugner" auch nicht und ich habe ihn nie verwendet. Wie aber würden Sie Menschen bezeichnen, die den anthropogenen Einfluss an den aktuellen Klimaveränderungen kategorisch bestreiten?

    "Leugner anthropogener Klimaveränderungen"?

    Das Wort "Leugner" gefällt mir auch nicht, aber welches andere Wort trifft den Sachverhalt? "Bestreiter", "Infragesteller"? Auch der Begriff "Skeptiker" ist nicht korrekt, denn ein Skeptiker ist offen in alle Richtungen. Das ist leider bei vielen Skeptikern (und auch bei einigen AGW'lern) nicht der Fall. Es ist schwierig, einen zutreffenden Begriff zu finden.

    Das Wort "Klimakirche" unterstellt, dass Klimaforschung eine Glaubensfrage ist, losgelöst von wissenschaftlichen Fakten. Ein solcher Begriff fördert nicht die Sachdiskussion. Er ist polarisierend und diffamierend.

    Warum verwendet man nicht wertfreie Bezeichnungen für Menschen unterschiedlicher Auffassungen? Der Großteil der Klimaforscher und der Großteil der Menschen ist überzeugt davon, dass es einen maßgelichen anthropogenen Einfluss auf die Klimaentwicklung gibt. Für diese Überzeugung gibt es viele stichhaltige Gründe. Ein Teil der Menschen und einige wenige Fachleute bestreiten (aus welchen Gründen auch immer) den Einfluss des Menschen auf das Klima. Dies muss man respektieren.

    Ich unterstelle einmal, dass beide Seiten die besten Absichten haben (auch wenn mir das manchmal schwer fällt). Warum sind sachliche Diskussionen zwischen Menschen verschiedener Standpunkte hier nicht möglich? Warum muss es immer in Beleidigungen ausarten?

    Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit für die Prognosen der Klimaforschung bezüglich der globalen Klimaentwicklung. Es gibt nur Wahrscheinlichkeiten.

    Und bestünde nur 5 % Wahrscheinlichkeit dafür, dass der Mensch massiv durch die Freisetzung von Kohlendioxyd in das Klimageschehen eingreift, müssten wir dann nicht alles daran setzen, diesen folgenschweren Einfluss zu begrenzen? Wer würde in ein Flugzeug einsteigen, welches nur zu 95 % sicher sein Ziel erreicht? Um wieviel vorsichtiger müssen wir sein, wenn es um folgenschwere globale Veränderungen geht, die nicht nur uns, sondern auch viele Folgegenerationen betreffen?

    Das Beispiel mit dem Flugzeug ist einleuchtend, weil die Folgen unmittelbar und individuell eintreffen. Aber der Mensch ist bequem, wenn es um Verhaltensänderungen geht, die nicht mehr ihn selbst betreffen, sondern deren Auswirkungen kommende Generationen und v.a. Menschen anderer Erdteile in Mitleidenschaft ziehen, und das auch nioch zeitversetzt. Aber genau hier setzt die Verantwortung von Homo sapiens an. Werden wir in der Lage sein, heute Verhaltensänderungen zu vollziehen, deren Nutzen wir selbst nicht mehr unmittelbar erleben werden? Die selbe Frage stellt sich nicht nur beim Klimaproblem, sondern bei allen Aktivitäten, die nicht rückholbare Folgen für kommene Generationen haben (Kernenergie, grüne Gentechnik, u.a.).

    Die notwendigen Verhaltensänderungen sind nicht nur Belastung sondern auch Chance. Wer jedoch auf Basis kleinbürgerlicher Besitzstandsmentalität Veränderungen verhindern will, der nimmt uns die Chance, weitgehend unbeschadet in ein neues Energiezeitalter zu gelangen.

  17. Robert Kühn Antworten | Permalink

    Hallo K. Buddha,

    im Gegensatz zu Hr. Rahmstorf verwende ich gerne den Begriff Klimaleugner, in persönlichen Gesprächen äußere ich mich i.A. noch deutlich drastischer.
    Um in der von Ihnen eingeführten Analogie zu bleiben: Ein Glashaus hat i.d.R. kein Fundament. Vielleicht sollten Sie sich mal überlegen, wer hier eigentlich im Glashaus sitzt.

    R. Kühn

  18. Stefan Antworten | Permalink

    Eisbedeckung

    Ich habe kürzlich in einem uralten Spiegel-Artikel aus den siebzigern (damals machte man sich Sorgen über eine bevorstehende Eiszeit) gelesen, dass sowjetische Forscher seinerzeit besorgt waren über die damaligen Pläne, die sibirischen Flüsse nach Süden umzuleiten, da dadurch der Salzgehalt in der sibirischen See ansteigen würde und damit die Eisbedeckung abnehmen würde mit genau den Folgen wie in diesem Artikel hier beschrieben: sehr kalte Winter wg. umstellung der Großwetterlage. Fand ich ganz spannend - andere Ursache, aber gleiches Ergebnis: http://www.spiegel.de/...gel/print/d-41667249.html

  19. physiker Antworten | Permalink

    Anmerkung

    Ich finde es übrigens interessant, dass die Varianz im gezeigten Datensatz (Potzdam) für höhere und niedrigere Temperaturen deutlich unterschiedlich/asymmetrisch ist:
    Die höchste Abweichung nach oben beträgt etwas mehr als 3 Grad, während kalte Winter um bis zu 6 Grad vom Mittelwert abweichen...

    [Antwort: Ja, das ist mir auch gleich aufgefallen - ich weiß nicht, ob es dazu schon eine genauere Untersuchung gibt. Spekulative Hypothese: die Schnee-Albedo-Rückkopplung verstärkt Ausreißer nach unten, weil eine ausgedehnte Schneedecke dann die Sonneneinstrahlung reflektiert. Mann könnte sich aber auch andere Mechanismen vorstellen. Und warum gibt es vor 1920 keine solchen Zacken nach unten? Stefan Rahmstorf]

  20. Pit Van Calvin II Antworten | Permalink

    Klima-Debatte

    Wie man innerhalb von wenigen Jahren und auf kurze Zeiträume fokussiert zu turbulenten Vorhersagen für die globale und längerfristig wirkende klimatische Entwicklung kommen kann, frage ich mich manchmal. Jeder scheinbar etwas 'härtere' Winter wird im Populärfunk als Extremanzeichen herangenommen, jeder darauf folgende verregnete Sommer, oder wenn er trocken und heiß verläuft, schließt man das Gegenteil daraus. Ich denke man sollte diese Prozesse in einander wirkend und über längere Zeiträume betrachten, und nicht schon von ein, zwei Monaten Frost wieder von einer neuen 'Eiszeit' reden, wo die globale Erwärmung noch nicht einmal in allen Köpfen angekommen ist. Das aber geschieht in den allgemeinen Schichten, und hinterher entstehen ob der Verwirrung Zweifel an der Wissenschaft, welche vielen Leuten den Ernst bei der Sache vertreiben. Mir begegnen öfter Leute, die beim Klima-Thema schon abwinken und sagen, die Wissenschaftler wären sich doch eh nicht einig, ob es nun wärmer oder kälter wird, das Klima. Da tut es Not, in der Öffentlichkeit die Bereiche klarer aufzudröseln und auch für einfache Leute verständlich zu zeigen, warum, wie, in welchem größeren Zusammenhang was geschieht.

  21. Robert Schregle Antworten | Permalink

    Wissenschaftsbetrug

    Es wird Zeit, sich aus dem "Wissenschaftsbetrug biblischen Ausmaßes" endgültig zu verabschieden, Herr Prof. Dr. Rahmstorf! -- mehr ist dazu nicht zu sagen

    [Antwort: Ich bin kein Bibelkenner, vielleicht helfen Sie mir auf die Sprünge: wo gibt es in der Bibel Wissenschaftsbetrug? Stefan Rahmstorf]

  22. Jorge Peine Antworten | Permalink

    Kalt - WArm

    Das ist wohl sicher in Ordnung und die subjektive Empfindung der Europäer ist womöglich berechtigt. Denn es ist ja teilweise lausig kalt.

    Jedoch, intellektuell werden da Äpfel mit Birnen verglichen: sprich:

    Regionale mittlere Temperatur gegen globale mittlere Temperatur. Das schöne Paper von J.Hansen und S.Lebedev (1985?) gibt einen großartigen Einblick in die Berechnung der globalen Temperatur...

    Und dazu kommt: Klima ist über dreißig Jahr gemitteltes Wetter ... und da kann man ja schon das eine oder andere vergessen ... es menschelt halt.

    PS: @Prof. Rahmstorf - Sie wollten mir noch verraten (im Sommer 2010), wie Radiative Forcing für die einzelnen "Ingredientien" (z.B. CO2, CH4 etc.) berechnet wird (ich nehme mal an, es wird mit Methoden des RT berechnet ...

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