Wie viel CO2 ist zu viel?


Diesen Donnerstag erscheinen zwei Studien in Nature, die eine Kernfrage der Politik beantworten: wie viel an CO2-Emissionen können wir uns noch erlauben, wenn wir die globale Erwärmung auf maximal 2ºC begrenzen wollen? Als Basis dient dabei das vorindustrielle Temperaturniveau; 0,8ºC Erwärmung haben wir demnach bereits hinter uns. Diese 2-Grad-Grenze (1995 vom WBGU vorgeschlagen) ist durch Beschluss der Regierungschefs im Jahr 2005 Leitlinie der EU-Klimapolitik. Über 100 Staaten haben inzwischen 2°C oder weniger als Richtlinie für die Klimapolitik angenommen (außer der EU Norwegen, Island, Argentinien, Südafrika, Costa Rica und viele mehr).

Auch viele Klimaforscher (einschließlich mir selbst) halten diese Grenze für ein sinnvolles "upper limit", da sie die Risiken von zunehmenden Extremereignissen, steigendem Meeresspiegel, sinkender Nahrungsproduktion und Umweltflüchtlingen jenseits der 2 Grad für unbeherrschbar halten. Dabei sind auch 2 Grad keineswegs harmlos oder risikofrei. Die AOSIS-Staaten, ein Bündnis von 43 Inselstaaten, fordern die Begrenzung auf maximal 1,5ºC, da viele von ihnen schon bei 2ºC Erwärmung wahrscheinlich im steigenden Meer versinken werden.

Für die Verhandlungen zur Fortschreibung des Kyoto-Protokolls, die im Dezember in Kopenhagen ihren Höhepunkt erreichen, ist es daher entscheidend, wie stark und wie rasch die globalen Emissionen gesenkt werden müssen, um die 2 Grad nicht zu überspringen. Die Grafik zeigt ein Ergebnis der neuen Nature-Studie von Malte Meinshausen vom PIK und britischen und schweizer Kollegen. Die blaue Kurve zeigt einen exemplarischen Emissionspfad, bei dem wir mit 75% Wahrscheinlichkeit unterhalb der 2 Grad bleiben werden. Darunter sieht man in dem blauen Band den zugehörigen Verlauf der globalen Temperatur (mit Unsicherheit).

Abb. 1: Zwei exemplarische Emissionspfade (oben) und zugehörige Temperaturentwicklung (unten). (c) Malte Meinshausen 2009

 
Eine Stärke dieser Studie ist, dass sie nicht auf einem einzigen Klimamodell beruht, sondern als Meta-Analyse den gesammelten Wissensstand der Klimaforschung zusammenfasst. Aus Emissionen die globale Temperatur zu berechnen erfordert zwei Schritte:

1.    Emission -> Konzentration. Entscheidend ist hierbei der Teil des emittierten CO2, der in der Luft bleibt, die sogenannte airborne fraction. Seit Jahrzehnten ist sie nahezu konstant, aber sie könnte sich künftig ändern. Meinshausen et al. kalkulieren diese Unsicherheit ein durch Berücksichtigung unterschiedlicher Modelle zum Kohlenstoffkreislauf. Auch werden die anderen klimarelevanten menschlichen Einflüsse, wie Emissionen von anderen Treibhausgasen, von Aerosolen und Vorläufern des troposphärischen Ozones berücksichtigt.

2.    Konzentration -> Temperatur. Entscheidend ist hier die "Klimasensitivität", die angibt, wie stark die globale Temperatur auf eine bestimmte Änderung der CO2-Konzentration in der Luft reagiert. Zahlreiche Studien haben die Klimasensitivität auf unterschiedliche Weise bestimmt (u.a. aus Daten der Erdgeschichte, aus der sich die Empfindlichkeit des Klimas gegenüber Änderungen im Strahlungshaushalt ableiten lässt): Der wahrscheinlichste Wert beträgt 3 ºC bei einer Verdoppelung der CO2-Konzentration. Meinshausen et al. berücksichtigen die Unsicherheit in dieser Zahl durch eine Wahrscheinlichkeitsverteilung.

Die verbleibende wissenschaftliche Unsicherheit in der airborne fraction und der Klimasensitivität führt zu den breiten Bändern in der obigen Grafik und zu Wahrscheinlichkeitsaussagen, wenn es um die Überschreitung der 2-Grad-Grenze geht.

Die einfache "bottom line"

Die Komplexität des Problems vereinfacht sich jedoch stark, weil es wegen der langen Verweildauer von CO2 in der Atmosphäre vor allem auf die Gesamtmenge der Emissionen bis 2050 ankommt, weniger auf Emissionsraten in bestimmten Jahren. Wollen wir das Risiko, über die 2 Grad hinaus zu schießen, auf 25% begrenzen, können wir uns im Zeitraum 2000-2050 noch die Emission von 1000 Milliarden Tonnen CO2 erlauben (entsprechend rund 1500 Milliarden Tonnen an Treibhausgasen insgesamt, wenn man die anderen Treibhausgase als CO2-äquivalent ausdrückt).

Klingt viel? Ein Drittel dieser Menge haben wir bereits von 2000-2008 emittiert. Bleiben die Emissionen ab jetzt konstant (bislang wachsen sie von Jahr zu Jahr) haben wir das restliche Kontingent schon in 20 Jahren verbraucht - doch es soll ja für über 40 Jahre reichen!

Einen ähnlichen, etwas langfristigeren Ansatz hat auch die zweite Studie von Allen et al, die die Kohlenstoff-Gesamtemissionen über das fossile Brennstoffzeitalter seit 1750 analysiert. Sie kommt zu konsistenten Ergebnissen und bestätigt, dass die maximale globale Erwärmung eng mit den kumulativen Emissionen korreliert. Wollen wir die 2 Grad nicht überschreiten, haben wir mehr als die Hälfte unseres Kontingents schon aufgebraucht. Wir bewegen uns rasch auf das Ende des fossilen Brennstoffzeitalters zu. Der überwiegende Teil der verbleibenden fossilen Ressourcen muss im Boden bleiben - es sei denn, er kann eines Tages emissionsfrei verbrannt werden.

Diese Analysen zeigen nochmals in aller Schärfe, wie wenig Zeit wir für eine Trendwende bei den globalen Emissionen noch haben. Schon in wenigen Jahren muss der Gipfel der Emissionen überschritten werden und sie müssen beginnen zu fallen, ansonsten müssten die Reduktionen drakonisch ausfallen.

Abb. 2: Beispiele für lineare Emissionsreduktion beginnend in unterschiedlichen Anfangsjahren. Alle Kurven führen zu den gleichen Gesamtemissionen an Treibhausgasen bis 2050. (c) Malte Meinshausen 2009

Abb. 2 illustriert dies. In der untersten Kurve wird der Gipfel der Emissionen 2010 erreicht und danach linear reduziert, bis 2050 die Emissionen global halb so hoch sind wie 1990. Das entspricht einer Reduktion von 2% jährlich (ebenfalls auf 1990 bezogen). Dieses Szenario würde die 2-Grad-Grenze zumindest mit einer Wahrscheinlichkeit von 2/3 einhalten. Doch zögern wir nur noch zehn weitere Jahre und erreichen den Wendepunkt erst 2020, müssten die jährlichen Reduktionen schon drei mal so hoch ausfallen, um noch innerhalb der gleichen Gesamtmenge an Emissionen zu bleiben. Das wäre praktisch "ein Kyoto-Protokoll pro Jahr" - und zwar global, nicht nur für die Industriestaaten. Und am Ende müssten negative Emissionen stehen. Wenn wir die Wende in den nächsten Jahren nicht schaffen, werden wir daher das Spiel unwiderruflich verlieren. Banken kann man retten - einen einmal verursachten Klimawandel kann niemand mehr rückgängig machen.

Täuschen und Verzögern

Hätten wir ab 1992, als beim Erdgipfel in Rio die Klimarahmenkonvention verabschiedet wurde, bald mit den nötigen Emissionsreduktionen begonnen, hätten wir das Problem in Ruhe mit weit weniger als 1% Minderung jährlich lösen können. Warum ist das nicht geschehen? Ein wichtiger Grund dafür ist sicher, dass sich nach dem Erdgipfel massiver Widerstand von Lobbygruppen wie der Global Climate Coalition (mit prominenten Mitgliedern wie Exxon und General Motors) formiert hat, die geschickt Zweifel in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft am anthropogenen Klimawandel gesät haben ("doubt is our product").

Auch dazu gab es übrigens letzte Woche interessante Neuigkeiten. Wie New York Times und Washington Post berichten zeigen interne Dokumente, dass die eigenen Experten der Global Climate Coalition zu dem Schluss kamen, dass die Wirkung von Treibhausgasen auf das Klima unbestreitbar ist. In einem Dokument  aus dem Jahr 1995 heißt es:

"The scientific basis for the Greenhouse Effect and the potential impact of human emissions of greenhouse gases such as CO2 on climate is well established and cannot be denied."

(Auf deutsch siehe dazu Telepolis-Bericht und AFP-Meldung.) In der Öffentlichkeit hat die Global Climate Coalition - und eine Reihe ähnlicher, heute noch aktiver Lobbyorganisationen wie das Heartland Institute - in millionenschweren Werbekampagnen allerdings genau das Gegenteil propagiert und viele der klassischen "Skeptikerargumente" in die Welt gesetzt, die für Laien plausibel klingen und heute noch im Internet zirkulieren (auch in den Kommentarspalten der KlimaLounge). Entscheidungsträger wurden über die wissenschaftlichen Fakten getäuscht, entschlossene Klimaschutzmaßnahmen immer weiter verzögert.

Noch länger zögern, dass zeigen die neuen Arbeiten in Nature, werden wir nicht können, ohne das Klima gegen die Wand zu fahren. Nach diesen Publikationen kann zumindest kein Politiker später sagen, er habe das nicht gewusst.

Links

Nature special: The road to Copenhagen

Paper von Meinshausen et al.

Paper von Allen et al.

Nature News&Views dazu von den Realclimate Kollegen Gavin Schmidt und David Archer

Der Realclimate Kommentar zu den Papers

Neu: Spiegel-Online hat das Thema in einem äußerst lesenswerten Essay von Christian Schwägerl aufgegriffen.

 

PS (in eigener Sache)

In letzter Zeit hat die KlimaLounge zwei Preise erhalten:

- Unser Beitrag Die Klimawette wurde in die Auslese 2008: Die besten wissenschaftlichen Blogartikel des Jahres 2008 gewählt.

- Die KlimaLounge erhielt den zweiten Platz beim Scilogs-Preis 2009.

Wir freuen uns natürlich, dass unsere Arbeit so gut aufgenommen wird!

 

Nachtrag: Rekord-April

An der Säkularstation Potsdam hat die mittlere Apriltemperatur (Tageshöchstwerte) erstmals seit Beginn der Messungen 1893 die 20-Grad-Marke übersprungen, mit 20,2 ºC - das ist mehr als 1 Grad wärmer als ein durchschnittlicher Mai. Der wärmste April bislang war 2007 mit einem Mittel von 18,7 ºC gewesen. In den 114 Jahren davor ist nie ein April mit einem Mittel über 18 ºC vorgekommen. Und noch nie hat ein neuer Rekord den vorherigen gleich um mehr als 1 Grad überboten. Und das, obwohl der bisherige Rekordwert gerade mal zwei Jahre alt war.


20 Kommentare zu “Wie viel CO2 ist zu viel?”

  1. Martin Vermeer Antworten | Permalink

    Gratuliere Stefan u. Kollegen

    ...wohlverdient!

  2. Maiken Winter Antworten | Permalink

    Ist 75% genug?

    Danke für die klare Übersicht. Nur eine Frage:
    Bedeutet der Artikel von Malte Meinshausen nicht, dass wir auf keinen Fall 1 Trillionen Tonnen CO2 ausstossen sollten? Dass wir von heute ab alles hintenan setzen müssten, um so schnell wie möglich unsere CO2 Emissionen zu minimieren? Oder wer würde sich in ein Flugzeug setzen, das nur mit 75% Wahrscheinlichkeit ankommt? Warum werden bei der Berechnung der Wahrscheinlichkeiten für unsere Zivilisation geringere Standarte verwendet als jeder Klopapierrollenhersteller verwenden muß?

  3. M.Adeno Antworten | Permalink

    Ich tippe eher darauf, dass die Emissionen durch Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum vor allem in Asien bestimmt werden und das Klima kaum um Erlaubnis gefragt wird. Die einzige realistische Chance zu einer nennenswerten Reduktion des Wachstums der Emissionen sehe ich in Durchbrüchen in der Energieerzeugung. Nur wenn CO2-freie Energien ähnlich wirtschaftlich und handhabbar werden, wie die Kohleverbrennung, werden sie wirksam werden. Die Chance sehe ich bei < 10%. Also bitte die Subventionen direkt in die entsprechende Forschung und Entwicklung stecken und nicht die die Produktion unrentabler und ineffizienter Produkte.

  4. Simon Antworten | Permalink

    Ich denke es ist dringend notwendig, die regenerativen Energiequellen wie Windkraft, Wasserkraft, Solar usw. auszubauen.

    Nur dadurch haben wir eine Chance, dem Klimawandel entgegenzuwirken.

    Doch es bringt nichts wenn da nur wenige Staaten mitmachen, es muss die ganze Welt an einem Strang ziehen und nicht die USA oder China ihr eigenes Süppchen kochen.

    Deutschland alleine kann so gut wie nichts ausrichten.

    Jetzt in der Wirtschaftskrise wird es aber schwer sein die Staaten zu motivieren, viel Geld für den Ausbau der regenerativen Energieen zu motivieren.

  5. Karel Vogel Antworten | Permalink

    New York Times

    Herr Rahmstorf, sie beziehen sich in Ihrenm Artikel auf die NYT Meldung über die Äußerungen über Insiderwissen über den AGW.
    US-Umweltlobby verschleierte Wissen über Treibhauseffekt
    Diese Blase ist geplatzt.

    [Antwort: Danke für den Hinweis. Die NYT hat eine Korrektur publiziert. Dabei geht es um die Frage, ob die Global Climate Coalition die Aussage ihrer eigenen Experten, die den Treibhauseffekt bestätigt, aus einem bestimmten Dokument gelöscht hat oder nicht - offenbar gab es zwei Versionen des Dokuments. An meinen oben gemachten Aussagen ändert das nichts. Stefan Rahmstorf]

  6. Eddy Antworten | Permalink

    Noch Ende 2008 haben Sie uns erklärt, dass die Erwärmung sich beschleunigt.

    Ihrer obigen Graphik zufolge kann man das aber kaum nachvollziehen.

    [Antwort: Es ist hier wie im damaligen post derselbe (auch im IPCC-Bericht gezeigte) Datensatz gezeigt.]

    Ich verstehe auch nicht, wieso man die 0,8 Grad Temperaturanstieg seit 1900 mit in die Rechnung aufnimmt. Wieviel davon ist natürlichen Ursprungs?

    [Antwort: Etwa 0,1-0,2 Grad.]

    Es ist doch kaum vorstellbar, dass wir auch natürliche Klimaschwankungen verhindern wollen?

    [Antwort: Natürlich nicht. Die 2-Grad Grenze ist auch deswegen als runde Zahl gewählt (und nicht 1,9 Grad oder so), weil man es schon wegen der natürlichen Schwankungen nicht auf 0,1 oder 0,2 Grad genau beeinflussen kann.]

    Wenn wir aber schon fast die Hälfte der geforderten (höchstens) 2 Grad erreicht haben, wie könnten wir das Ziel realistischerweise erreichen?

    [Antwort: So wie oben diskutiert kann man dieses Ziel erreichen.]

    Auf obiger Graphik war es 1840 schon fast so warm wie 1990 und ab 2001 ist die Temperatur kaum mehr angestiegen.

    [Antwort: Das haben wir doch alles in dem damaligen Post, auf den Sie sich oben beziehen, diskutiert... Es macht keinen Sinn, einen Trend ab 2001 anzuschauen, sie sehen da lediglich interne kurzfristige Schwankungen.]

    Da die Sonne ab 1960 keinen Einfluss auf die Erwärmung haben konnte, müsste doch die anthropogene Erwärmung gerade heute messbar sein. Würde man aber den aktuellen Trend fortsetzen, hätten wir die 2 Gradgrenze erst ungefähr 2100 erreicht.

    Wie kann man eine Klimasensitivität messen, ohne die aktuelle Klimaentwicklung mit einzubeziehen?

    [Antwort: Die Klimasensitivität wird mit einer Vielzahl von Methoden bestimmt, mit oder ohne die modernen Klimadaten - wir haben zum Beispiel in einer eigenen Studie Eiszeitdaten verwendet. Mit der besten Abschätzung der Klimasensitivität (3 Grad bei CO2-Verdoppelung) ergibt der bisherige anthropogene Klimaantrieb übrigens eine Erwärmung um 0,7-0,9 Grad, stimmt also sehr gut mit der gemessenen Erwärmung überein. Stefan Rahmstorf]

    MfG
    Eddy

  7. Eddy Antworten | Permalink

    Ich meinte 1940 nicht 1840. Es war also schon 1940 so warm wie 1990.

    Wenn heute "Skeptiker" erklären, dass es seit 1998 keine Erwärmung mehr gäbe, ist das genauso gültig, wie ihre Behauptung, dass sich die Erwärmung beschleunigt habe.

    "Klimaanhänger" erklären heute, man müsste den Trend von 1980 bis 2008 nehmen und der wäre deutlich konform mit den IPCC-Prognosen. Erst ein 30-Jahrestrend wäre eine echter Klimatrend. Das Klima von 1998 oder 2001 bis heute wäre bloss "Klimawetter".

    Das erinnert mich sehr an meine eigenen Aussagen, dass der Trend von 1980 bis 2001 bloss Wetter sein könnte. Damals warfen "Klimaanhänger" mir immer vor, ich könnte Wetter und Klima nicht auseinanderhalten.

    Ab 2008 müssen wir jetzt 30-Jahrestrends nehmen. Warum keine 50 oder 100-Jahrestrends?

    Entweder kann man das Klima ab 1900 modellieren oder man kann es nicht. Dann stellt sich aber immer noch die Frage, wieso man die "Abkühlung" der letzten 3 Jahre nicht modellieren konnte, bzw. erst nachdem es passierte.

    Hier zitiere ich einmal Sven Titz vom Spektrum der Wissenschaft (2/2009 Eiskalt erwischt), weil er es genauso ausdrückt, wie ich es seit Jahren empfinde :

    *Es mag wohl sein, dass der jüngste Temperaturrückgang nur eine natürliche Fluktuation widerspiegelt. Aber dann erhebt sich eine andere Frage: Können sich die Klimaforscher wirklich sicher sein, dass analoge Schwankungen bei der Erwärmung seit Mitte des 20. Jahrhunderts kaum eine Rolle gespielt haben, wie dies im letzten IPCC-Bericht zu lesen war? Wie brauchbar sind Klimaprojektionen eigentlich für mittelfristige Planungen von Regierungen und Wirtschaftsunternehmen? Vielleicht war die meinungsbestimmende Mehrzahl der Klimaforscher bei den bisherigen Antworten doch etwas zu selbstgewiss.*

    [Antwort: Wie Phil Jones in dem in meiner vorigen Antwort schon verlinkten Interview bei uns erläutert, gibt es in der Wissenschaft objektive Kriterien für die Signifikanz eines Trends. Eine Möglichkeit ist es, den Trend mit der zugehörigen Unsicherheit (2-sigma) anzugeben, wie IPCC es tut. Über die letzten 25 Jahre (bis einschl. 2008) beträgt der globale Erwärmungstrend +0.19 +/- 0.05 ºC pro Jahrzehnt. Nehmen Sie einen kürzeren Zeitraum wächst diese Unsicherheit stark an - bei 10 Jahren ist die Unsicherheit bereits +/- 0.2 ºC pro Jahrzehnt und damit größer als der Trend selbst. Deshalb ist es nicht aussagekräftig, aus einem 10-Jahreszeitraum oder gar kürzer etwas über einen klimatischen Trend in der globalen Temperatur zu sagen.

    Sie sehen das ganz einfach auch daran, dass Sie bei einem so kurzen Zeitraum völlig andere Trendwerte bekommen, wenn Sie nur ein anderes Anfangsjahr wählen. Warum wählen Sie 2001 - warum nicht 2000? Und fragen sich, warum die Erwärmung seit 2000 so steil nach oben geht? Das macht genausowenig Sinn wie sich zu fragen, wieso der Trend seit 2001 so flach ist. Denn es liegt ja einfach daran, dass 2000 zufällig ein relativ kaltes, 2001 ein relativ warmes Jahr war. Was nichts mit dem Trend zu tun hat, sondern mit den zwischenjährlichen Schwankungen um den Trend herum.

    Wenn Sie einen hinreichend langen Zeitraum wählen, etwa 25 Jahre, dann erhalten Sie robuste Ergebnisse bei denen es nicht mehr davon abhängt, ob sie ein Jahr früher oder später mit der Trendberechnung beginnen. Ich hoffe, diese Frage ist damit geklärt! Stefan Rahmstorf]

  8. Eddy Antworten | Permalink

    @Herr Rahmstorf

    Vielen Dank wieder einmal für die Erläuterungen!!

    Ich denke ich verstehe ihre Antworten sehr gut und bin auch prinzipiell damit einverstanden, vom Trend einmal abgesehen.

    Das ändert aber nichts daran, dass die Modelle den globalen Temperaturverlauf immer nur für die Vergangenheit richtig berechnet haben. Sie müssten doch eigentlich eine genaue Klimasensitivität aller relevanten Klimafaktoren enthalten?!

    Die Modelle erwarten einen Temperaturanstieg, der sich noch beschleunigen soll. Ab 2001 ist das genaue Gegenteil eingetreten.

    Dem IPCC zufolge sollte der Hitzeinhalt der Meere stetig ansteigen. Die Meere können einen Teil dieser Hitze an die Atmosphäre abgeben und diese erwärmen. Dieser Prozess kann auch noch weitergehen, wenn die Meere sich schon wieder abkühlen.

    Und das wurde seit 2001 beobachtet:

    http://climatesci.org/...nt/uploads/dipuccio-2.jpg

    Dieser Prozess kann selbstverständlich auch nur vorübergehend sein. Durch die Trägheit des Prozesses sollte der Trend aber eigentlich einige Zeit anhalten, oder nicht? Er könnte also über den Unsicherheitszeitraum von 10 Jahren hinaus gehen?

    Mich interessieren die Ursachen dafür mehr als das Ergebnis selbst. Ich bin nicht "Skeptiker" aus Überzeugung sondern aus wissenschaftlichem Interesse.

    MfG
    Eddy

    [Antwort: Lieber Eddy, IPCC macht keine Vorhersagen für einen so kurzen Zeitraum wie 10 Jahre, denn über nur 10 Jahre ist der Trend noch durch Wetterschwankungen dominiert, und die sind nicht vorhersagbar. Wenn Sie die IPCC-Modelle ansehen werden Sie sehen, dass einige davon für 2001-2008 eine Abkühlung vorhersagen, einige eine Erwärmung - denn diese Wetterschwankungen gibt es in den Modellen genauso wie in der Realität. Tatsächlich hat ein Teil dieser Schwankungen über Zeitskalen von einigen Jahren mit der Wärmespeicherung im Ozean zu tun, zum Beispiel mit El Niño. Stefan Rahmstorf]

  9. Oliver Parter Antworten | Permalink

    Lobbyisten

    Hallo,

    mich würde mal interessieren wie groß der Einfluss der Lobbyisten überhaupt noch ist. Das Internet ist zwar nach wie vor voll mit Skeptikerseiten und bloggenden Lehrern, aber in der öffentlichen Debatte und den Medien tauchen die sog. Skeptiker überhaupt nicht mehr auf. Täuscht der Eindruck oder haben die Lobbyisten erkannt, dass weiteres Leugnen wohl mehr schadet als das es nutzt?

    Viele Grüße
    Oliver Parter

  10. Ingolf Antworten | Permalink

    Lobbyverbände

    @Oliver
    Ein Beispiel: hier ist ein recht guter Artikel (ich hätte mir noch mehr Quellen gewünscht) aus der dt. Le Monde Diplomatique: http://www.monde-diplomatique.de/...,askcqend0.n,0

    Der Artikel geht über den Einfluß der Treibhaus-Mafia (ja, so nennen sich die Leute der Energieindustrie dort selbst) auf die austral. Regierung. Und der Einfluß von Kohle und Co ist dort sehr hoch. Dabei hat gerade Australien geradezu ideale natürliche Voraussetzungen für erneuerbare Energien und zum CO2 sparen.

    In D oder in der EU sind bestimmt auch etliche Lobbyverbände jeglicher Coleur am Werk. Die Anzahl der Lobbyisten in Klimafragen hat sich in den USA in letzten Jahren vervielfacht, natürlich nicht nur in Richtung "CO2 ist gar kein Problem", sondern auch in die andere Richtung.

    PS: viele kennen bestimmte australische "Skeptiker"-Blogs oder die "skeptische" Zeitung The Australian und damit die Internetausläufer dieses Lobbyverbandes.

  11. Reinhard Bösch Antworten | Permalink

    Nachtrag: Rekord -April

    Die Verfasser dieses Blogs hätten Meldungen von regionalen Kälterekorden in Kanada im letzten Winter als bedeutungslose Wetterkapriolen abgetan.Was macht einen Rekord-April in Potsdam so signifikant?

    Mit freundlichen Grüßen

    Reinhard Bösch

    [Antwort: Wurde denn in Kanada - wie bei uns in Potsdam - im Monatsmittel ein neuer Rekord seit mehr als hundert Jahren gesetzt? Das würde mich in der Tat interessieren. Oder sprechen Sie einfach von einem Kaltlufteinbruch? Stefan Rahmstorf]

  12. Markus Massmünster Antworten | Permalink

    Potsdam-Rekord-April auf Weltkarte

    Herr Rahmstorf, Ich erlaube mir,
    1.) den Rekord-April in Potsdam anhand der Weltkarte Ihres Kollegen, Mr. James Hanson, zu relativieren: Er erscheint als kleiner Punkt, sowie es auch kleine kalte (blaue) Punkte gibt wie etwa in Spitzbergen:
    Gisstemp April versus 1980-2009. Ich könnte auch das 20. Jahrhundert als Basisperiode nehmen, aber wir wissen ja alle zur Genüge, dass es weltweit wärmer geworden ist. Interessant ist doch, ob es weiterhin wärmer wird oder nicht. Es müsste bereits 0,94° wärmer sein, und zwar alleine bei einer transienten Klimasensitivität von 2° bei 2xCO2, sondern es sind nur kanpp +0,8°, wovon teilweise natürlich gestärkt und/oder Aerosol-bedingt abgeschwächt. Selbstverständlich wussten Sie bereits, dass es in Kanada im April keine neuen Kälterekorde für den ganzen April gab, da allgemein gegen Ende April Nordamerika auch sehr warm wurde.

    [Antwort: Vielen Dank. Sie werden uns ein lokales Interesse an Potsdam hoffentlich nachsehen - Schlüsse auf die globale Entwicklung kann man natürlich daraus keine ziehen! Stefan Rahmstorf]

  13. matthias schmitz Antworten | Permalink

    @oliver

    Es ist schon sehr augenfällig , dass die Zahl der "Skeptiker"seiten und Kommentare zu dem Thema `anthropogener Klimawandel` geradezu ungeahnte Ausmasse angenommen hatte , obwohl das nach meiner Meinung nicht ihrer Relevanz entspricht .
    Ich habe mir ebenfalls schon öfters darüber Gedanken gemacht und kam nur zu einer mir einleuchtenden aber nicht sehr befriedigenden Erklärung :
    Ich hatte mich desöfteren in der "Zeit-Online" zu diesem und anderen Themen an den oft ausartenden Argumentationsschlachten beteiligt und mir fiel dabei oft die Mitteilungssucht , Aggressivität und der Egozentrismus auf , bei der oft keine sachliche Auseinandersetzung mehr möglich war, zumal häufig immer die gleichen User+Usergrüppchen beteiligt waren . So etwas erlebt man normalerweise nicht ausserhalb des Internets und schon gar nicht in dieser Intensität . Man kann daraus schlussfolgern , dass (durch die Anonymität des Internets natürlich gefördert) eventuell ein ganz spezifischer Typus an Menschen sich in den verschiedenen Themengebieten etabliert und sich "festgebissen" hat ,um sich gehör zu verschaffen .
    Als zweites habe ich noch nie einen solchen Hang zur verschwörungstheoretischer Weltsicht vorgefunden wie in Internetdiskussionen , was meinen Verdacht zur Sogwirkung der politischen Internetdiskussionen auf mehr oder weniger paranoiden Persöhnlichkeiten nährt .
    "Skeptiker" zu sein erhöht die Möglichkeit interessant zu wirken , umgekehrt ist es höchstwahrscheilich für andere relativ langweilig und belanglos dem Mainstream nach dem Mund zu reden . Folglich kann und will nur eine kleine Zahl vorgeblildete und mit den Skeptikerargumenten vertraute Gememeinde dieser Szene paroli bieten , da man es natürlich nicht selten mit routinierten und im Thema eingearbeiteten Leuten zu tun hat, die sich streiten will . Einseitig gewichtige Argumente werden so aufgebaut , dass man nur mit einiger Recherche dem etwas entgegensetzen kann .
    Der Mangel an Interesse in Bezug auf antropogenen Ursachen des Klimawandels ausserhalb der medialen Berichterstattung in breiten Bevölkerungskreisen unter anderem wegen der Komplexität und "kaltenspröden" Thematik verhindert natürlich nachhaltig eine interessante Diskussion ,und im Zuge der Uninformiertheit und über die harte Kontroverse im Netz gibt es natürlich wenig Anreiz sich daran zu beteiligen ,da man sich auch auf harte Anfeindungen einstellen muss .
    Im Fernsehen hat sich mittlerweile im wesentlichen der Mainstream festgesetzt , welcher sich für die CO2-Reduktionsmassnahmen einsetzt , meist ohne genau zu wissen , weshalb das eigentlich vonnöten ist und wo genau die Risiken liegen bzw inwieweit welche Fragen ernsthaft strittig sind . Warum die "Skeptikerseite" im Fernsehen so unter- oder zumindest minderrepräsentiert ist (in Deutschland), kann ich mir nicht erschöpfend erklären , aber sicherlich ist der Relevanz dort eher genüge getan als im Internet , zudem die Neuigkeiten in Moment eher in anderen Bereichen zu finden sind als gerade zum Thema Klima; es sei denn man ist verrückt nach speziellem Wissen , wie es zum Bsp hier in Klimalounge vermittelt wird . Ich für mein Teil würde eine wesentlich bessere Berichterstattung mit mehr Details in Fernsehen und Zeitungen begrüssen , da leider alle "Fraktionen" eine furchtbare populistisch einseitige Informationspolitik fahren bei der man eigentlich kaum etwas über die gesamte Sachlage erfährt, weswegen dieses dort vermittelte Basiswissen niemals für ausgibige Diskussionen taugt. Da lob ich mir die wissenschftlichen Seiten .
    Vielen Dank

  14. Jochen Binikowski Antworten | Permalink

    Subtile Meinungsmache vs Wissenschaft?

    "Sie werden uns ein lokales Interesse an Potsdam hoffentlich nachsehen - Schlüsse auf die globale Entwicklung kann man natürlich daraus keine ziehen!"

    Dann darf die Frage erlaubt sein, warum diese Meldung innerhalb eines Artikels erscheint, der CO2 für den globalen Temperaturanstieg verantwortlich macht?

    [Antwort: Wir haben diese Meldung in dem Moment als update beim gerade aktuellen Artikel gepostet, als die Daten verfügbar waren. Viele Menschen interessieren sich für die Klimaentwicklung auch in Deutschland, ohne alles gleich mit der Scheinkontroverse um die Ursache der globalen Erwärmung in Verbindung zu bringen, die auf den Skeptikerwebsites aufgetischt wird. Weder der obige Artikel noch das update zu den hiesigen Temperaturen hat damit etwas zu tun.

    Eine generelle Bitte an alle: Kommtare sollten sich inhaltlich auf die Artikel beziehen; es macht keinen Sinn, bei jedem Artikel, egal zu welchem Thema, erneut die Diskussion zu beginnen, ob CO2 die globale Erwärmung verursacht. Wir werden gelegentlich auch in künftigen Artikeln zu dieser Frage schreiben - dann ist Gelegenheit, sie in Kommentaren weiter zu diskutieren. Stefan Rahmstorf]

  15. Jochen Binikowski Antworten | Permalink

    Alternativen

    "es macht keinen Sinn, bei jedem Artikel, egal zu welchem Thema, erneut die Diskussion zu beginnen, ob CO2 die globale Erwärmung verursacht."

    Da haben Sie vollkommen Recht. Es ist meiner Meinung nach kontraproduktiv, die gesamte Diskussion über Zukunftsstrategien an dieser Frage festzumachen.

    Fakt ist, wir haben es seit dem 19. Jdt. mit einer 3-4 fachen Anzahl an Menschen und einem explodierenden Verbrauch von fossilen Energien zu tun. Dieses Wachstum kann nicht unendlich lange fortgesetzt werden. Fakt ist auch, dass die bisherigen Maßnahmen wie z.B. der Zertifikatehandel in der jetzigen Form völlig wirkungslos ist. Auch bringen Klimakonferenzen und düstere Weltuntergangsprognosen keine wirkliche Lösung.

    Die Diskussion sollte daher auf alternative Strategien konzentriert werden. Am besten fängt man mit Maßnahmen an, die sowohl Vermeidung als auch Anpassung gleichzeitig bieten, mit heutiger Technik umsetzbar sind, relativ wenig kosten, dezentral durchführbar und politisch umsetzbar sind.

    Hier mal einige Beispiele:

    1. Entwicklung und Einführung von landwirtschaftlichen Anbaumethoden, die weniger Wasser, Kunstdünger, Pestizide usw. benötigen. Das spart jede Menge fossiler Energie, schafft Arbeitsplätze und sorgt für gesündere Lebensmittel.

    2. Massive Investitionen in Nachernte-Techniken für die Dritte Welt, also z.B. Trockenanlagen, Lagerhäuser, Vermarktung usw. Dadurch werden bei gleicher Fläche und Input wesentlich mehr Lebensmittel und Energiepflanzen erzeugt.

    3. Bessere Nutzung landwirtschaftlicher Abfallstoffe, z.B. durch Pyrolyse in Holzkohle umwandeln und in die Böden einarbeiten. Das erhöht die Ernteerträge und bindet dauerhaft CO2.

    4. Massive Forschung und Entwicklung in neue Baustoffe, um den Verbrauch an Zement und Stahl zu senken.

    5. Intelligente Maßnahmen zum Schutz der Regenwälder. Das Abholzen muß finanziell unattraktiv werden. Z.B. würden Importbeschränkungen für Baumstämme, Biosprit aus Ölpalmen-Monokulturen und GMO-Soja den Bedarf an Rodungsflächen drastisch reduzieren.

    6. Errichtung von Geothermalkraftwerken. Geeignete Standorte gibt es weltweit genug, es fehlt fast immer nur das Startkapital.

    Es gibt noch hunderte anderer Ansätze. Jeder für sich isoliert betrachtet löst zwar nicht das Gesamtproblem, aber eine sinnvolle Kombination ist allemal besser als Zeit und Geld mit endlosen Schuld-Diskussionen zu verplempern und die Ressourcen für völlig ungewisse Zukunftstechnologien wie ITER, Marsmissionen oder CO2-Speicherunge in Bergwerken zu verwenden.

  16. Karel Vogel Antworten | Permalink

    Lobbyverbände

    @Ingolf
    Ich finde es sehr bedenklich wenn ich lesen muß, daß sich spätestens seit Anfang 2007, sowohl UNO als auch IPCC und der weniger relevante Vatikan für den Einsatz von Atomkraft plädieren um am CO2 vorbeizukommen.

    [Antwort: Aber stimmt es? Wo genau plädiert IPCC für Atomkraft? Stefan Rahmstorf]

  17. Thorsten Antworten | Permalink

    Neue Beiträge

    Herr Rahmstorf,

    kommen bald wieder neue Beiträge oder ist Sommerpause?

    Wie wäre es mit einem aktuellen Beitrag zur arktischen Meereisschmelze. Derzeit überschlagen sich die Artikel in den Klimaskeptikerblogs mit Wettermeldungen, die eine Erholung des Meereises suggerieren...

    [Antwort: Wir planen etwas zur Arktis - also keine Sommerpause. Leider macht sich bei uns aber auch der Arbeitsdruck bemerkbar, wir betreiben dieses Weblog ja nebenher. Die tagesaktuelle Eisausdehnung können Sie jederzeit beim National Snow and Ice Data Center ansehen. Sie ist derzeit etwa gleich groß wie zur selben Jahreszeit 2007, dem Jahr mit dem bisherigen Rekordminimum. Stefan Rahmstorf]

  18. Karel Vogel Antworten | Permalink

    IPCC / Atomenergie

    Nur ein Beispiel auf de Schnelle, Herr Rahmstorf:
    "Es ist nicht unsere Aufgabe, Empfehlungen auszusprechen, sondern Optionen aufzuzeigen. Und die Kernenergie ist eine Option", sagte Bert Betz, Ko-Vorsitzender des Weltklimarates, und fügte mit Nachdruck hinzu: "Wir haben auch auf die Probleme der Proliferation und der Endlagerung von Atommüll hingewiesen."

    http://www.wissenschaft-online.de/...amp;_z=859070

    [Antwort: Das war mein Punkt: Aufgabe des IPCC ist es, alle Optionen zur Emissionsreduktion wissenschaftlich zu untersuchen. IPCC gibt aber keine Empfehlung ab, welche Optionen genutzt werden sollten und welche nicht. Denn das ist eine Werteabwägung - für wie gravierend halte ich etwa Probleme mit Atommüll oder die Gefahr der Verbreitung von Atomwaffen? Diese Werteabwägung können und sollen nicht Wissenschaftler leisten, das muss die Gesellschaft als Ganzes diskutieren. Aufgabe des IPCC ist es lediglich, sachliche Informationen zusammenzutragen, die bei der Willensbildung in der Gesellschaft hilfreich sein können. Stefan Rahmstorf]

  19. Michael Kürz Antworten | Permalink

    @stefan, karl vogel

    Aufgabe des IPCC ist es lediglich, sachliche Informationen zusammenzutragen, die bei der Willensbildung in der Gesellschaft hilfreich sein können. Stefan Rahmstorf]

    Gut, also wie die Veröffentlichung des Hockey Sticks, welcher von dutzenden renomierten Klimaforschern (ua. von Storch) als "Quatsch" bezeichnet wird?
    Was ist daran so sachlich, wenn ich fragen darf?
    Ich brauche nicht zusätzlich den Link zum Steuerprogramm der Franzosen posten, wo Atomenergie zukünftig für private Haushalten CO2 steuerfrei sein wird.
    Selbstverständlich sind CO2 Richtlinien des IPCC atomenergiefördernd, od. will uns irgendwer vorrechnen, wir könnten mit Wind und Sonne die Bedürfnisse irgendwann bis 2050 annähernd decken?

    [Antwort: Nur war das Paper von Herrn von Storch, auf dessen Basis er diese Klimarekonstruktion als "Quatsch" bezeichnet hat, leider falsch - er hatte die Methode von Mann et al. falsch implementiert (und Drift im Modell). Und die Folgerungen von Mann et al. sind durch viele weitere Proxyrekonstruktionen bestätigt worden, der aktuelle IPCC-Bericht zeigt schon ein Dutzend, weitere sind seither hinzugekommen.

    Was Ihren zweiten Punkt angeht: freuen Sie sich einfach auf den IPCC special report zu den erneuerbaren Energien! Stefan Rahmstorf]

  20. Jefferson Smith Antworten | Permalink

    Fakten sind wichtig, sonst nichts!

    Frage 1:
    Wie hoch ist der Anteil von CO2 in der Atmosphäre, gemessen in Prozent?

    Frage 2:
    Wie SCHWER ist CO2, im Vergleich zur Luft?

    Frage 3:
    Wozu wird CO2 gebraucht, und zwar DRINGEND gebraucht?

    Frage 4:
    Was würde passieren, wenn das Eis der Polkappen, das auf dem Wasser schwimmt, schmilzt? (Kleiner Tipp: Archimedisches Auftriebsprinzip, Anomalie des Wassers)

    Das EINZIGE in der Wissenschaft, was zählt, sind FAKTEN und NATURGESETZE, Herr Rahmstorf, keine Modelle, keine Vorhersagen und auch kein Konsens!

    "Diejenigen, die das Wissen haben, sagen nichts voraus. Diejenigen, die voraussagen, haben nicht das Wissen."

    (Lao-Tse, chinesischer Philosoph, 6. Jahrhundert vor(!) Christus)

    [Antwort: Lieber Herr Smith (Pseudonym?) - man ahnt die Standard- "Skeptikerthesen" hinter Ihren Fragen:

    1. Der Anteil von 0.038% sei zu gering, eine Wirkung zu haben. (Falsch - würden Sie mit dem Argument auch eine Suppe mit 0.038% Zyankali essen?)

    2. Das CO2 sei angeblich nur in Bodennähe. (Falsch, es ist gut durch die ganze Troposphäre vermischt, weil die dazu ausreichend turbulent ist.)

    3. Mehr CO2 sei gut für Pflanzenwachstum. (Stimmt bedingt, der Effekt geht aber bald in Sättigung und die negativen Klimawirkungen auf die Ernteerträge überwiegen dann.)

    4. Abschmelzen von schwimmendem Meereis erhöht den Meeresspiegel nicht. (Stimmt, deshalb diskutieren wir beim Meeresspiegel ja auch nur über das Kontinentaleis - Gletscher, Grönland, Antarktis.) Stefan Rahmstorf]

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