Wirkungen des Klimawandels – Teil 2 des neuen Berichtes vom IPCC ist erschienen

3. April 2014 von Stefan Rahmstorf in Allgemein

Der zweite Teil des neuen IPCC-Berichtes ist – wie üblich nach zähen Debatten mit Regierungsvertretern – in Yokohama (Japan) verabschiedet und der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Die wichtigste Nachricht ist wohl diese: die Lage ist weiter mindestens so ernst wie bei Veröffentlichung des letzten Berichtes 2007. Fortschritte gibt es trotzdem in vielen Bereichen: bei der Erfassung der schon eingetretenen Wirkungen und beim Verständnis der besonderen Situation vieler Entwicklungsländer. Neues gibt es auch zu den Möglichkeiten der Anpassung an den Klimawandel. Dabei wird sehr deutlich: Anpassung ist nur dann erfolgversprechend, wenn zugleich maximale Anstrengungen zur Begrenzung des Klimawandels unternommen werden. Ansonsten werden die Wirkungen des Klimawandels verheerend sein.

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Gastbeitrag von Wolfgang Cramer

 

Auf allen Kontinenten und in allen Weltmeeren

Schon heute werden Wirkungen des vom Menschen verursachten Klimawandels praktisch überall beobachtet und wissenschaftlich belegt. Diese betreffen viele Ökosysteme, an Land und im Ozean, Gletscher, Flüsse, die Nahrungsmittelproduktion und die Lebensbedingungen von Menschen in Entwicklungsländern. Auch wenn die meisten dieser Veränderungen naturgemäß mit anderen Umweltproblemen zusammenwirken (Wachstum der Städte, Luftverschmutzung, Biodiversitätsverlust), so zeigen die aktuellen Analysen doch immer deutlicher den Einfluss des Klimawandels.

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Abb. 1 Beobachtete Wirkungen des Klimawandels in der Zeit seit dem vierten IPCC Bericht 2007

In Yokohama wurde bei der Vorstellung dieser Karte oft gefragt warum nicht noch viel mehr Wirkungen darauf zu sehen sind: das liegt daran, dass nur die wirklich sehr gut belegten Beispiele aufgenommen wurden – dort wo keine Symbole zu sehen sind ist die Datenlage oft noch nicht ausreichend (wie etwa in Teilen Afrikas). Gegenüber dem vorigen Bericht ist hier neu, dass die Wirkungen auf Ernteerträge in vielen Regionen, auch in Europa, deutlich erkennbar sind. Zwar führen verbesserte Bewässerung und andere technische Maßnahmen dazu, dass die Erträge noch nicht zurückgehen – aber sie steigen auch nicht mehr, trotz der ständigen Verbesserungen in der landwirtschaftlichen Praxis.

 

Zunehmende Risiken für die Zukunft

Stärker als seine Vorgänger beschäftigt sich der aktuelle Bericht mit den Risiken für die Zukunft. Damit ist gemeint, dass konkret die Frage untersucht wird, in welchen Bereichen Situationen entstehen können, für die keine Anpassung mehr möglich ist. Vor allem wird festgestellt, dass „hohe“ Szenarien des Klimawandels (bei denen die globale Mitteltemperatur um 4 Grad oder noch mehr über das vorindustrielle Niveau steigen würde, was laut Teil 1 des Berichtes durchaus nicht ausgeschlossen ist) in fast allen Lebensbereichen zu katastrophalen Folgen führen werden.

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Abb. 2 Risiken für verschiedene Systeme bei hohen (blau) und niedrigen (rot) Anstrengungen im Klimaschutz

Diese Risiken betreffen ganze Ökosysteme wie die der Arktis und der tropischen Korallen (von denen die Fischerei in vielen Entwicklungsländern abhängt), den Verlust von Biodiversität weltweit, aber auch die Arbeitsbedingungen für Menschen in der Landwirtschaft vieler Regionen (zu diesen liefert der Bericht viele Einzelheiten aus der ganzen Welt). Eine Begrenzung des Klimawandels auf 1.5-2.0 Grad durch energischen Klimaschutz würde zwar nicht alle Schäden vermeiden, aber sie würde diese Risiken deutlich geringer werden lassen. (Das Diagramm kam in ähnlicher Form schon in früheren Berichten vor, die Einschätzung hat sich aber durchweg verschärft, was auch durch die nun dunkelrote Farbe im ersten Balken deutlich wird)

 

Ernährungssicherheit zunehmend gefährdet

Während in der näheren Zukunft der Klimawandel in manchen, heute noch kühleren, Regionen die landwirtschaftlichen Erträge verbessern kann, so verschiebt sich das Verhältnis im Laufe des aktuellen Jahrhunderts immer mehr in Richtung auf große Verluste. Dies betrifft besonders die wichtigen Produkte Weizen, Reis und Mais. Die folgende Abbildung zeigt auf der Basis einer Vielzahl von Einzeluntersuchungen, wie schon ab 2030 in vielen Regionen und Kulturen deutliche Ernteverluste zu erwarten sind. Dies muss vor dem Hintergrund der schon heute bestehenden Nahrungsmittelknappheit wichtiger Regionen gesehen werden, die sich auch ohne Klimawandel ständig verschärft, aufgrund der weiter wachsenden Weltbevölkerung, der sich verschärfenden wirtschaftlichen Ungleichheit zwischen Industrie- und vielen Entwicklungsländern und des zunehmenden Verbrauchs tierischer Nahrung.

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Abb. 3 Studien die eine Zunahme von Ernteerträgen erwarten lassen (blau) und solche die eine Abnahme erwarten lassen (braun), bei Berücksichtigung verschiedener Szenarien des Klimawandels und der technischen Anpassung

Ähnlich sieht es für Fischerei in den Weltmeeren aus. Während in manchen Regionen, etwa der Nordsee, die möglichen Erträge steigen könnten, schrumpft die Produktivität in fast allen tropischen Gewässern aufgrund von steigenden Temperaturen, zunehmender Versauerung und des Verlustes der Korallen. Dies betrifft besonders arme Länder in Südostasien und im Pazifik. Viele dieser Staaten erleiden bereits durch die Wirkungen des Meeresspiegelanstieges auf die an der Küste liegenden Großstädte schwere wirtschaftliche Nachteile.

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Abb. 4 Veränderung der maximal möglichen Fischfangmengen 2051-2060 im Vergleich zu 2001-2010 für das Klimaszenario SRES A1B

 

Stadtregionen in Entwicklungsländern sind am stärksten betroffen

In fast allen Entwicklungsländern hält das ungebremste Wachstum der Großstädte an – dabei sind gerade hier die Risiken durch den Klimawandel durch steigende Temperaturen und mangelnde technische Möglichkeiten der Anpassung am bedeutsamsten. Verbesserte Stadtplanung, ausgerichtet an der Flexibilität von Wohnkomplexen und Verkehrssystemen insbesondere für die ärmere Bevölkerung, kann hier entscheidende Beiträge zur Anpassung liefern. Hierzu gehört auch die Vorbereitung auf die in manchen Regionen ansteigenden Risiken durch Extremereignisse wie Stürme, Hitzewellen und Überflutungen.

 

Bei Klimawandel zu erwartende Konflikte

Es ist oft darauf verwiesen worden, dass derzeit der Klimawandel nicht direkt für den Ausbruch von Konflikten verantwortlich gemacht werden kann. Die Friedens- und Konfliktforschung hat aber gezeigt, dass es in einigen Fällen wahrscheinlich ist, dass Trockenperioden latent vorhandene Konflikte akut verschärft haben. Untersuchungen zeigen auch, dass die Gewaltanwendung in Industrieländern mit besonders hohen Temperaturen korreliert. Aus diesen Analysen schließt der IPCC, dass zunehmende globale Erwärmung auch erhebliche Risiken für zukünftige Konfliktsituationen wird.

 

Klimawandel und Wirtschaftswachstum

Der erwartete Effekt des Klimawandels auf die wirtschaftliche Gesamtentwicklung wird im niedrigen Prozentbereich abgeschätzt. Solche Zahlen gelten aber weiterhin als unsicher. Diese Verluste betreffen aber primär Länder, Regionen und soziale Gruppen, die ohnehin stark benachteiligt sind. Deshalb muss man davon ausgehen dass solche Entwicklungen eine große Zahl von zusätzlichen Menschen unter die Armutsgrenze drücken und Risiken wie Unterernährung aussetzen würden, insbesondere durch einen unverhältnismäßig hohen Anstieg der Nahrungsmittelpreise.

 

Möglichkeiten der Anpassung an die Wirkungen des Klimawandels

Der Bericht betont, dass es kein globales Konzept für die Anpassung geben kann und dass immer kontext-spezifische Lösungen gefunden werden müssen. Er sagt auch, dass es für viele Regionen Möglichkeiten gibt, generell die Lebensqualität und die lokale wirtschaftliche Entwicklung zu verbessern, und dass dies zu einer Reduktion der Verwundbarkeit durch den Klimawandel führen würde. Dabei müssen kulturelle Unterschiede und auch die Interessen indigener Völker berücksichtigt werden. Zunehmend wird auch deutlich, dass zwischen Strategien der Vermeidung von Treibhausgasemissionen (etwa durch nachhaltige Landwirtschaft oder Vermeidung von Entwaldung) und Anpassung an den Klimawandel kein Widerspruch bestehen muss – beides kann zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen von Menschen in den Entwicklungsländern beitragen.

Deutlich belegt ist, dass ungebremster Klimawandel das Potenzial zur Anpassung in vielen Regionen überfordern wird – besonders für von Meeresspiegelanstieg und Ozeanversauerung betroffene Küstenregionen der Dritten Welt.

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Auf Englisch gibt es bereits die Zusammenfassung des Berichtes, Übersetzungen in viele Sprachen sind geplant. Auch der ganze Bericht mit allen Kapiteln ist schon online.

Außerdem gibt es ein gut gemachtes Hintergrundvideo:

Climate Change 2014: Impacts, Adaptation and Vulnerability vom IPCC WG2.

Korrektur (3.4.): In einer ersten Fassung dieses Beitrages war von durch Konflikten ausgelösten Flüchtlingsströmen die Rede - zu diesem Thema macht der IPCC-Bericht aber keine Aussagen für die Zukunft. Deshalb wurde der betreffende Halbsatz entfernt.

Wolfgang Cramer ist wissenschaftlicher Direktor des Institut Méditerranéen de Biodiversité et d'Ecologie marine et continentale (IMBE) in Aix-en-Provence und einer der Autoren des Berichts der IPCC-Arbeitsgruppe 2.

 

Weblink

Unsere Zusammenfassung von Teil 1 des IPCC-Berichts


16 Kommentare zu “Wirkungen des Klimawandels – Teil 2 des neuen Berichtes vom IPCC ist erschienen”

  1. Anton Maier Antworten | Permalink

    "Dies muss vor dem Hintergrund der schon heute bestehenden Nahrungsmittelknappheit wichtiger Regionen gesehen werden, die sich auch ohne Klimawandel ständig verschärft, aufgrund der weiter wachsenden Weltbevölkerung, der sich verschärfenden wirtschaftlichen Ungleichheit zwischen Industrie- und vielen Entwicklungsländern und des zunehmenden Verbrauchs tierischer Nahrung."
    Können sie bitte mal spezifizieren wo sich die Nahrungsmittelknappheit verschärft?
    http://www.gapminder.org/world/#$majorMode=chart$is;shi=t;ly=2003;lb=f;il=t;fs=11;al=30;stl=t;st=t;nsl=t;se=t$wst;tts=C$ts;sp=5.59290322580644;ti=2007$zpv;v=0$inc_x;mmid=XCOORDS;iid=0ArfEDsV3bBwCdGlYVVpXX20tbU13STZyVG0yNkRrZnc;by=ind$inc_y;mmid=YCOORDS;iid=phAwcNAVuyj2tPLxKvvnNPA;by=ind$inc_s;uniValue=8.21;iid=phAwcNAVuyj0XOoBL_n5tAQ;by=ind$inc_c;uniValue=255;gid=CATID0;by=grp$map_x;scale=log;dataMin=1418;dataMax=3819$map_y;scale=lin;dataMin=18;dataMax=87$map_s;sma=49;smi=2.65$cd;bd=0$inds=
    Diese Daten sprechen eine andere Sprache - unabhängig davon welchen möglichen Indikator man sich aussucht.

    Ich schließe mich einfach mal der Kritik von David Friedman an. http://daviddfriedman.blogspot.co.at/

    • Martin Holzherr Antworten | Permalink

      Die Gapminder-Graphik, die sie verlinken, zeigt gut, dass sich die Ernährung in der Subsahara zwischen 1965 und 2005 am wenigsten verbessert hat. Entscheidend für die Verbesserung der Ernährungssituation ist wohl der wachsende Wohlstand und dieser hat in den asiatischen und lateinamerikanischen Schwellenländern deutlich zugenommen. In der Subsahara dagegen hat das hohe Bevölkerungswachstum das Wirtschaftswachstum weitgehend kompensiert.
      Die negativen Auswirkungen des Klimawandels betreffen - heute noch - vor allem die ärmeren Schichten, denn selbst nur etwas geringere landwirtschaftliche Erträge oder leicht ansteigende Nahrungsmittelpreise wirken sich direkt auf sie aus.
      Wenn die Erträge aber immer stäker zurückgehen, weil sich die klimatischen Bedingungen für die Landwirtschaft verschlechtern, kann es später auch Menschen betreffen, die sich bereits zur Mittelschicht hochgearbeitet haben. Für einzelne Länder bei denen sich das lokale Klima wegen des Klimawandels besonders stark ändert kann das schon bald eintreffen, letztlich wird es aber bei den meisten Ländern auswirken.

    • Ralph Antworten | Permalink

      Lieber Herr Maier,
      ich hab mir Friedmans Blog mal angeschaut. Es ist eben doch das übliche Geschwätz nach dem Motto: "Veränderungen gab es schon immer. Und bisher ist ja noch nicht viel passiert. Und schließlich kann man sich ja anpassen." Dass hier gerade erst ein Prozess angestoßen wurde, dessen Dynamik kaum zu prognostizieren ist, der innerhalb der Menscheitsgeschichte völlig beispiellos ist, scheint Friedmann nicht besonders zu stören.
      Herr Maier, Sie wissen doch selber dass der CO2 Gehalt der Athmosphäre ständig ansteigt, dass es Jahrhunderte braucht bis er wieder sinkt, selbst wenn eines fernen Tages eine CO2 neutrales weltweites Wirtschaften erreicht würde. Gleichzeitig werden natürliche CO2 Senken ausgedünnt: Die Ozeane übersäuern, Wälder werden abgeholzt. Verstärkungseffekte durch das Auftauen von Permafrostböden mit riesigen Methanlagern, bzw erhöhter Hochwolkenanteil kommen noch hinzu. Ich neige nicht zu Ktastrophenfantasien und bin generell eher ein Optimist. Aber wie ein halbwegs intelligenter Mensch auf die Idee kommen kann die aktuelle Entwicklung zu verharmlosen kann ich mir wirklich nur damit erklären, dass die Folgen ja in erster Linie von nachfolgende Generationen getragen werden müssen.

      • Ralph Antworten | Permalink

        Beispiel:
        "But an increase in global temperature would also have good effects, as should be obvious to anyone who has ever spent a winter in Chicago, not to mention Alaska or Siberia."

        Diese Auffassung halte ich für erschreckend naiv, denn die Verschiebung der Klimazonen und landwirtschaftlichen Nutzflächen wird sich beschleunigen.
        1.) Es schon optimistisch, wenn man davon ausgeht, dass das rein mengenmäßig erforderliche Biotop für höhere Säugetiere (davon über 10 Milliarden Menschen) während eines recht dynamischen Klimawandels zeitlich lückenlos erhalten bleibt: Für eine ausreichende Sauerstoff- und Nahrungsmittelversorgung, müssten Grünpflanzen, also hauptsächlich Wälder und Plankton mit den sehr schnell ändernden Bedingungen innerhalb weniger Generationen schritthalten. Ich würde vorsichtshalber davon ausgehen dass es hier durchaus eine Lücke von mehreren menschlichen Generationen geben könnte, in der sowohl Sauerstoffgehalt, als auch Nahrungsangebot einfach zu gering für höhere Säuger sind. Aber bleiben wir optimistisch.

        2.) Wenn man das Problem als ein rein ökonomisches betrachte könnte, wie es Friedman offensichtlich tut, unterschätzt er m.E. die Anpassungskosten und Engpässe angesichts von 10+Milliarden Menschen zu deren Ernährung landwirtschaftliche Nutzflächen umgewandelt bzw großflächig aufgegeben und in anderen Regionen geschaffen werden müssen.
        Wieder angesichts der Dynamik der Veränderungen ist es schwierig schon mittelfristig stabile Prognosen für erforderliche Niederschlagsmengen und Temperaturbedingungen einzelner Regionen vorherzusagen.

        3.) Anpassen muss man sich ohnehin, dafür bedarf es keiner Ermutigung. Es kann nur darum gehen den dafür zur Verfügung stehenden Zeitrahmen durch vorausschauende Maßnahmen zu strecken.

  2. Anton Maier Antworten | Permalink

    Was würden Sie David Friedman antworten? Wie wäre es wenn Sie ihm mit einem Artikel antworten, er ist generell sehr aktiv im Web und Usenet und keiner von diesen Quatschköpfen von denen man im Spiegel etc. liest. Er ist an einer fachgerechten Auseinandersetzung interessiert und würde sicherlich mit einem Artikel antworten.

    • Wolfgang Cramer Antworten | Permalink

      Der Blogbeitrag von Friedman, auf den Sie sich beziehen, enthält eine Reihe aus dem Zusammenhang gerissener Zitate des SPM, die er interpretiert wie es ihm in den Kram passt. Zum Beispiel erhebt er den Vorwurf dass Dinge zusammengefasst ("lumped") werden - wie soll dies aber anders sein in einer Zusammenfassung? Wer's genauer wissen will, muss halt den gut verlinkten Bericht lesen. Dann stört es ihn dass klar definierte Begriffe wie "impacts" für ihn persönlich erschreckend ("scary") klingen - dabei legt der Bericht gerade sehr grossen Wert darauf, Wirkungen so neutral wie eben möglich zu analysieren. Ähnlich muss man seine anderen Einwände betrachten.

      Der IPCC-Bericht, der gedruckt etwa 2500 Seiten umfassen und online gratis für jedermann zugänglich sein wird, mit sehr umfangreichen Quellenangaben, wird wie jedes wissenschaftliche Dokument davon profitieren dass er kritisch hinterfragt wird - aber die Kritiker müssen ihn dann schon insgesamt betrachten und nicht anhand von herausgepickten und willkürlich interpretierten Textstellen.

      • Anton Maier Antworten | Permalink

        Ich beziehe mich nicht auf einen Blogbeitrag. Ich habe einen Blog verlinkt. Auf die inhaltliche Kritik des von Ihnen gelesenen Artikels gehen Sie überhaupt nicht ein, obwohl er direkt Statements in ihrem Artikel widerspricht:
        "

        Wheat yields have increased approximately linearly since the mid-twentieth century across the globe, but stagnation of these trends has now been suggested for several nations. .... With the major exception of India, the majority of leveling in wheat yields occurs within developed nations—including the United Kingdom, France and Germany—whose policies appear to have disincentivized yield increases relative to other objectives. The effects of climate change and of yields nearing their maximum potential may also be important.
        ...

        Near the time that leveling is generally observed, the European Union shifted away from a policy that rewarded high agricultural production through price guarantees to a policy that pays flat subsidies that do not increase with production and triggers taxes when production limits are exceeded

        So what has actually happened is not that yields have decreased but that in some areas they have stopped increasing, at least in part due to changes in agricultural policy."
        vs.
        "
        Gegenüber dem vorigen Bericht ist hier neu, dass die Wirkungen auf Ernteerträge in vielen Regionen, auch in Europa, deutlich erkennbar sind. Zwar führen verbesserte Bewässerung und andere technische Maßnahmen dazu, dass die Erträge noch nicht zurückgehen – aber sie steigen auch nicht mehr, trotz der ständigen Verbesserungen in der landwirtschaftlichen Praxis.
        "

      • Anton Maier Antworten | Permalink

        " they are lumping together costs associated with climate change due to human action, costs associated with climate change from other causes, and costs associated with extreme climate events, whether or not due to climate change."
        vs.
        "Zum Beispiel erhebt er den Vorwurf dass Dinge zusammengefasst ("lumped") werden"

        Das ist kein Vorwurf- per se - sondern erstmal eine Feststellung, die wichtig für sein Argumentation ist.

        Die Hauptargumentation auf die ich mich ursprünglich beziehen wollte war diese: http://daviddfriedman.blogspot.co.at/2011/09/what-is-wrong-with-global-warming.html
        oder ausführlicher:
        https://www.youtube.com/watch?v=s-yJ3K9fNos

  3. Bernhard Antworten | Permalink

    Sehr wichtige Ausstellung im Zusammenhang mit der industriell verursachten Erderwärmung: https://www.hkw.de/.../ausstellung_forensis/forensis.php Auch gerade im Hinblick auf die Völkermord-Anklage des sudanesischen Diplomaten Lumumba Stanislaus-Kaw Di-Aping: "Im Jahre 2009 wurde eine neue Ära der Gewalt eingeläutet: Klimaforen wie COP 15 sind Teil des Versuchs der reichsten Länder der Welt, ihre Kolonisierung des Himmels zu legitimieren. Sie eröffnen damit ein neues Zeitalter der ökonomischen Kriegsführung auf dem Umweg über die Atmosphäre und gegen einige der benachteiligtsten Bevölkerungsgruppen der Welt. Hier werden zwei Videos und zwei Dokumente nebeneinandergestellt, um Fragen bezüglich der anthropozänen Gewalt und der Foren zu stellen, die diese Gewalt legitimieren. Auf Basis neuer wissenschaftlicher Untersuchungen, die einen Zusammenhang zwischen den Aerosolemissionen in der nördlichen Welthalbkugel und der Wüstenbildung im Sahel aufzeigen, veranschaulicht das Werk eine neue politische Kartographie. Diese verbindet entfernte Schicksale, indem sie einen Zusammenhang zwischen der Industrialisierung im Norden und der Verarmung im Süde herstellt. Kann man vor diesem Hintergrund beginnen, in Foren wie der Klimakonferenz von Kopenhagen den Schauplatz eines Verbrechens zu erkennen?" (Forensis Ausstellung: Argumente für Di-Aping) Man kann nicht nur, man muss auch: Unser Bekenntnis und die Verpflichtung aller staatlichen Gewalt, gegen die industriell erzeugte Erderwärmung als eine der denkbar schwerwiegendsten Ungerechtigkeiten und Grundrechtsverletzung in der Welt vorzugehen, ist grundrechtsverbindlich! (Art. 1 GG) http://www.fuehlenunddenken.de/leserbriefe/warum-wir-krisen-brauchen/

  4. Tim Antworten | Permalink

    Man kann allenfalls dann ein Anwachsen der Ungleichheit zwischen den Ländern der Welt statistisch feststellen, wenn man jedes Land gleich gewichtet (was natürlich nicht sehr sinnvoll und aussagekräftig ist). Wenn man die Ländern nach Bevölkerungszahl gewichtet, nimmt die Ungleichheit seit langem ab. Es wäre ja auch etwas überraschend, wenn der Aufstieg von bevölkerungsreichen Ländern wie China, Brasilien oder der Türkei keinen Einfluß hätte.

    • Martin Holzherr Antworten | Permalink

      Ja, da haben sie recht, es schliessen immer mehr Menschen in den Mittelstand auf und nicht nur in Europa und den USA leben nun wohlhabende Menschen.
      Die Ungleichheitsrhetorik in der Art (Zitat):

      Dies muss vor dem Hintergrund der schon heute bestehenden Nahrungsmittelknappheit wichtiger Regionen gesehen werden, die sich auch ohne Klimawandel ständig verschärft, aufgrund der weiter wachsenden Weltbevölkerung, der sich verschärfenden wirtschaftlichen Ungleichheit zwischen Industrie- und vielen Entwicklungsländern und des zunehmenden Verbrauchs tierischer Nahrung.

      muss deshalb kritisch gesehen werden. Nur in "mausarmen" Entwicklungsländer (heute vor allem Subsahara) und in Länder mit einem traditionell hohen Anteil an Extremarmen wie Indien kann schon eine leichte Verschlechterung der Ernährungssituation zu Hunger und Hungertod führen. Dabei sind bis heute wohl mehr Menschen wegen sogenannten Klimaschutzmassnahmen wie dem Anbau von Biotreibstoffen verhungert, als am Klimawandel selber. Vor allem die erste Welle des Biotreibstoffs hatte fatale Auswirkungen, führten doch die Subventionen für den Anbau von Mais und andern Ackerplfanzen als Biotreibstoffquelle dazu, dass Bauern umstellten und die USA Überschüsse nicht mehr billig auf den Weltmarkt warfen sondern daraus Bioalkohol machten.

  5. A. Debus Antworten | Permalink

    Danke für den ausführlichen Bericht Leider kann mein iPad Safari Browser die Bilder nicht darstellen. Läst sich das noch ändern?

  6. Anton Maier Antworten | Permalink

    "Im Juni 1898 hielt der angesehene britische Chemiker William Crookes vor der British Association for the Advancement of Science in Bristol eine aufsehenerregende Rede, in der er zum Schluss kam, dass in geschätzten 20 Jahren die Stickstoffnachfrage das Angebot übersteigen werde und dann der westlichen Welt eine gewaltige Hungersnot drohe."

    "1944 wurde Borlaug Mitarbeiter bei der Erforschung zur Steigerung der Weizen-, Mais- und Bohnenerzeugnisse der Rockefeller-Stiftung durch Biotechnologie in Mexiko, die als Weizenrevolution bekannt wurde. Er arbeitete dort bis 1960. Von 1964 bis 1979 leitete er die Weizenabteilung des Internationalen Mais- und Weizenveredelungszentrums in Mexiko."

    Ich verstehe nicht wie Leute die Erträge in 100 Jahren abschätzen können mit Adaption.

  7. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Sowohl in der IPCC-Zusammenfassung als auch im obigen Blogbeitrag von Wolfgang Kramer wird Partei für die Benachteiligten dieser Welt und für die Entwicklungsländer ergriffen. Der Klimawandel gefährde unter anderem: die Bekämpfung der Armut, die Ernährungssicherheit und die Situation in den Slums der Megastädte in den Entwicklungsändern.

    Der Ton erinnert in seiner Partienahme an den Ton der Rio+20-Konferenz, wo oft auf das UNO-Programm "Eradicate Poverty" Bezug genommen wurde, ein Programm mit den Zielen (Zitat UNO, Millenium Development Goals)

    1) Halve, between 1990 and 2015, the proportion of people whose income is less than $1.25 a day
    2) Achieve full and productive employment and decent work for all, including women and young people
    3) Halve, between 1990 and 2015, the proportion of people who suffer from hunger

    Ziel 1) wurde schon 2010 erreicht, bei Ziel 2) (Beschäftigung, Wohlstand) ist eine Verbesserung der Situation festzustellen (kein Wunder, waren doch bis vor kurzem die meisten Chinesen und Brasilianer mausarm und lebten als Subsistenzbauern) und Ziel 3) (Halbierung des Hungers) ist bis 2015 knapp erreichbar.
    (Heute gibt es noch 870 Millionen Unterernährte, 100 Millionen davon Kinder unter 5)

    Man staunt: Im Jahre 2000 wurden diese Jahrtausendziele ausgegeben und im Jahr 2015 ist das Wichtigste dieser Ziele tatsächlich erreicht: Die Anzahl der Hungernden hat sich also in 15 Jahren halbiert!
    Das ist nur der raschen ökonomischen Entwicklung zu verdanken, sicher aber nicht dem Klimaschutz oder dem schonenden Umgang mit Ressourcen. Mit diesem Hintergrund wundert es einen nicht mehr, wenn man im Rio+20-Abschlussbericht THE FUTURE WE WANT nach der Einleitung mit Zielen wie
    - Eradicating poverty, sustainable development in all its dimensions
    - sustained, inclusive and equitable economic growth, creating greater opportunities for all, reducing inequalities, raising basic standards of living

    einen Text liest, der mehr von ökonomischer Entwicklung (der Ärmsten) als von Umwelt- und Klimaschutz spricht. Man findet im Text sage und schreibe 18 Mal die Wendung sustained economic growth (nach sustained suchen). Man liest nicht etwa sustainable economic growth sondern sustained economic growth (siehe Wikipedia economic growth) , was anhaltendes wirtschaftliches Wachstum bedeutet. Logisch eigentlich, denn wenn 15 Jahre wirtschaftliche Entwicklung die Zahl der weltweit Hungernden halbiert, dann wird für immer fortgesetztes wirtschaftliches Wachstum mit Sicherheit die Extremarmut extrem reduzieren und die meisten wohlhabend machen (wenn auch nicht so wohlhabend wie uns).

    Die gleiche ökonomische Aktivität, die die Zahl der weltweit Hungernden in 15 Jahren halbiert hat, bewirkt auch den Klimawandel. Er kann das wirtschaftliche Wachstum, welches die Situation der Ärmsten verbessert hat, etwas reduzieren, so dass beispielsweise über einen Zeitraum von 10 Jahren das wirtschaftlich Wachstum eines ganzen Jahres zunichte gemacht wird. Diese Aussage gilt allerdings nur für den Weltdurchschnitt. Für den Weltdurchschnitt gilt übrigens folgendes: Es werden Nahrungsmittel für 10 Milliarden Menschen konsumiert und noch etwas mehr produziert, obwohl nur 7 Milliarden Menschen leben. Weil das so ist, waren im Jahre 2008 1.4 Milliarden Menschen übergewichtig und es starben 2008 mehr Menschen an den Folgen des Übergewichts als an Hunger. Ein durchschnittlicher US-Amerikaner verzehrt heute 3770 Kilokalorien pro Tag (doppelt soviel wie ein Eritreer), ein Chinese imm Durchschnitt 2970.

    Wenn das nicht so wäre, wenn also nicht weltweit schon genügend Nahrungsmittel produziert würden und es zudem kaum noch zusätzliches Ackerland gäbe, wäre der Anbau von Pflanzen um daraus Biotreibstoffe zu gewinnen völlig unverantwortlich und damit wäre auch folgende Aussage von Professor Schellenhuber in einem Spiegelinterview unverantwortlich:

    Es ist unglaublich, was sich in dem südamerikanischen Land [Brasilien] abspielt! Die könnten in 20, 30 Jahren ihren gesamten Energiebedarf aus erneuerbaren Quellen decken. Vielleicht fahren wir schon bald alle mit nachhaltigem Biosprit aus Brasilien.

    Die obigen Aussagen gelten für den Weltdurchschnitt. Im Weltdurchschnitt gibt es keinen Hunger sondern eine gefährlichen Überkonsum an Nahrungsmitteln und es werden Nahrungsmittel für 10 Milliarden Normalgewichte von 7 Milliarden Erdbürgern verzehrt.
    Ganz anders kann das für Länder aussehen, die den Klimawandel besonders zu spüren kommen und wo zudem viele Arme leben. Dennoch kann man guten Gewissens sagen, dass es zum Zeitpunkt wo sich der Klimawandel am stärksten auswirkt, nur noch wenige Extremarme geben wird und dass diese Extremarmut zudem ein Verteilungsproblem sein wird, nicht aber ein Problem einer weltweiten "Hungerökonomie".
    Man sollte den obigen Beitrag im Lichte des in meinem Kommentar gesagten noch einmal lesen, z.B. folgenden Abschnitt am Schluss

    Der erwartete Effekt des Klimawandels auf die wirtschaftliche Gesamtentwicklung wird im niedrigen Prozentbereich abgeschätzt. Solche Zahlen gelten aber weiterhin als unsicher. Diese Verluste betreffen aber primär Länder, Regionen und soziale Gruppen, die ohnehin stark benachteiligt sind. Deshalb muss man davon ausgehen dass solche Entwicklungen eine große Zahl von zusätzlichen Menschen unter die Armutsgrenze drücken und Risiken wie Unterernährung aussetzen würden, insbesondere durch einen unverhältnismäßig hohen Anstieg der Nahrungsmittelpreise.

    Man überlege: Wenn in 15 Jahren der Welthunger halbiert wurde, wie wird es dann mit Hunger und absoluter Armut im Jahre 2050 stehen und was bedeutet das für die Aussage: "Deshalb muss man davon ausgehen dass solche Entwicklungen eine große Zahl von zusätzlichen Menschen unter die Armutsgrenze drücken und Risiken wie Unterernährung aussetzen würden"
    Offensichtlich glaubt Wolfgang Kramer, dass auch im Jahre 2050 viele Menschen unter der Armutsgrenze leben werden. Das erinnert mich ein wenig an meine Eltern, für die Unterentwicklung das ewige Schicksal der Menschen in Afrika war.

    Diese Überlegungen bedeuten nicht dass der Klimawandel wirtschaftlich gesehen voll kompensiert werden wird durch das wirtschaftliche Wachstum. Im übrigen könnte der Klimawandel sich auch ganz anders auswirken als oben beschrieben. Beispielsweise ist heute die Migration aus Afrika heraus relativ gering, weil die Ärmsten dort sich eine Auswanderung gar nicht leisten können. Das könnte im Jahr 2050 ganz anders aussehen, wenn das Klima sich in einzelnen Ländern so stark ändert, dass in den betroffenen Ländern das Leben unattraktiv wird und jeder, der es sich leisten kann, eine andere Heimat sucht.

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