Astronomie, auf Sensation gebürstet


Urlaubszeit, das heißt für mich diesen Sommer wieder unter anderem ein Zwischenaufenthalt bei meinen Eltern in Hamburg. Die besitzen im Gegensatz zu mir einen Fernseher. Und haben sich heute auf ZDFInfo eine Sendung über Astronomie angeschaut. Ich dann auch. Wow. Im negativen Sinne, wow.

Ich hoffe, oh, ich hoffe so sehr, dass diese Sendung nicht repräsentativ ist für das, was in punkto Astronomie, oder allgemeiner Wissenschaft, im Fernsehen läuft - zumal im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, dem ich ja (ich weiß, naiv!) immer noch etwas höheres Qualitätsbewusstsein zugetraut hatte als den Privaten.

Die Dokumentarserie "Das Universum - Eine Reise durch Raum und Zeit" zeigt spektakuläre Bilder aus den Tiefen des Kosmos, befragt führende Wissenschaftler zu den großen Geheimnissen des Weltalls und gibt Aufschluss über die Bausteine unseres Universums.

- so die Selbstbeschreibung auf den Webseiten von ZDFInfo.

Die Folgen dieser Serie laufen heute, am 3. August 2015, auf ZDFInfo eine nach der anderen. Ich habe mir Teile von "Galaktische Giganten", "Supernova" und "Sonnensysteme" angeschaut, aber wer mehr Durchhaltevermögen hat als ich, der oder die hätte von 18:45 bis 00:40 unentwegt diese unsägliche Dokumentation glotzen können.

Erstes und dominantes Nervelement: Diese andauernde Dramatik! Alle Nase lang dramatische Filmmusik die klingt wie Gustav Holst auf Drogen, und die Explosionen ebenso begleitet wie Kernfusionsreaktionen. Dann ein Sprecher, dessen Pathos die ganze Sendung durchzieht. Zwischendurch Zitate von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die auch sämtlich aufgeregt klingen, und die zumindest zum Teil nach Publikumstauglichkeit augesucht wurden, nicht danach, dass sie auf dem Teilgebiet, über das sie berichten, im engeren Sinne Experten wären (alte Bekannte wie die Physiker Michio Kaku oder Lawrence Krauss, oder der "Bad Astronomer" Phil Plait). Verstärkt wird das ganze zum einen durch die Kameraführung - sehr nahe dran, so dass animierte Kopfbewegungen besonders unruhig erscheinen. Und immer wieder die Superlative im Text: Gefährlich! Das Größte! Gewaltig! Selbst die Teleskopbewegungen in Kuppeln sind nur im Zeitraffer zu sehen, um nur ja nicht aus dem Tempo zu kommen.

Und dann die Visualisierungen. Oh, die Visualisierungen. Wozu macht man Visualisierungen? Idealerweise doch, damit die Zuschauer im Bild etwas verstehen, das sich mit Sprache allein nicht oder nicht gut vermitteln lässt. Hier dagegen machen die Visualisierungen fast nur Stimmung: Gefährlich! Groß! Gewaltig! Da passiert etwas! Schnell! Kawumm!

Alles ist auf Sensation, auf den Wow-Effekt getrimmt - egal ob das Missverständnisse erzeugt oder nicht. Hier ein einfaches Beispiel aus der Folge zur Entstehung des Sonnensystems:

sonnensystem

Nein, so sieht und so sah das natürlich nicht aus. Wer je in einem entsprechenden Planetariumsprogramm gesehen hat, wie verloren selbst die heutigen großen Planeten in den Weiten des Sonnensystems wirken, weiß das. Die Zuschauer hier bekommen von diesen Größenverhältnissen eine komplett falsche Vorstellung. Und auch die schönen Nebel im Hintergrund sieht man so nicht - die sind reines schmückendes Beiwerk auf der falschen Größenskala.

Zwischendurch sind dann auch Simulationen eingestreut, die durchaus solide Physik enthalten, zum Beispiel bei Supernovaexplosionen. Da sind einige Animationen zu sehen, die mir bereits auf den ersten Blick sehr nach dem aussahen, was die Kollegen vom Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching simuliert haben:

Screen Shot 2015-08-03 at 21.18.11

Aber dass das eine völlige Fantasierbilder sind, nur nach Dramatik ausgestaltet und größtenteils unserem Wissen über die kosmischen Phänomene entgegenlaufend, während andere Bilder solide Physik sind, das wird den Zuschauern an keiner Stelle der Sendungen, die ich gesehen habe, gesagt.

Apropos Quellen: Nicht, dass bei der Sendung oder auf den ZDFInfo-Seiten auch nur irgendwelche Quellenangaben zu finden gewesen wären. Am Ende kam bei den beiden Abspännen, die ich gesehen habe, eine ganz kurze Einblendung "Film von..., Kamera:..., Schnitt:..." und das war es dann auch schon im wesentlichen für den Abspann. Ich habe mal etwas recherchiert (schon wieder dieses Fremdwort, ich weiß); das obige Standbild kam mir nicht zuletzt bekannt vor, weil ich Ausschnitte aus der betreffenden Simulation von Konstantinos Kifonidis in meinem Buch Das Einstein-Fenster verwendet hatte. Hier ist der gleiche Ausschnitt wie oben in einem YouTube-Video, dort in der Tat Kifonidis zugeordnet:

Der Detailvergleich der Verästelungen und Schwünge zeigt: Yep, das ist die gleiche Simulation. Und solche Simulationen ohne jegliche Nennung der Quelle in eine Fernsehsendung einzubauen ist kein guter Umgang mit dem Material Dritter.

Aber weg vom respektlosen Umgang mit den Schöpfern solcher Simulationen und zurück dazu, was solche Visualisierungen eigentlich bewirken sollten. Eine der häufigsten Fehlvorstellungen zum Urknall ist es beispielsweise, dass sich dort eine Materieblase in den umgebenden leeren Raum hinein ausdehnt. Dem kann man versuchen, mit Visualisierungen entgegenzutreten, in denen zu sehen ist, dass das Universum überall gleich aussieht, nirgends ein Rand, hinter dem nichts mehr wäre, und dass es sich durch die Expansion trotzdem verdünnt, dass die Abstände zwischen sichtbaren Marker-Objekten wie Galaxien zunehmen.

Was macht die Serie mit dem Urknall und der darauf folgenden Expansion? Das hier. Genau:

urknall

Herzlichen Glückwunsch. Wieder eine verbreitete astronomische Fehlvorstellung zementiert.

Der Text tut das seinige dazu, beim Vermitteln von Fehlvorstellungen zu helfen. Zum Teil schlicht durch die deutsche Übersetzung. Da sind astronomische Lachnummern wie der Kuipergürtel, vom Sprecher gesprochen als "Kuh-ipergürtel", oder die nebulae, englischer Plural von nebula, die nicht zum deutschen "Nebel" (singular und plural) werden, sondern zu einem fast französisch klingenden "nebulé", noch harmlos.

Problematischer wird es, wenn im englischen korrekt erzählt wird, bei Molekülwolken würde ab einer bestimmten Dichte die Schwerkraft die Überhand gewinnen (im Original: [begin to] dominate), während im deutschen die Schwerkraft ab dann überhaupt erst zu "wirken" beginnt. Nein, wirken tut die Schwerkraft schon die ganze Zeit - und das ist zum Verständnis der Situation durchaus wichtig!

An anderen Stellen kann ich nicht beurteilen, ob bereits das Original oder erst die Übersetzung den Fehler aufweisen. Ein Beispiel ist die Beschreibung der Akkretionsscheibe um ein Schwarzes Loch. Nein, es ist nicht wahr, dass das Schwarze Loch bestimmte Materie verschlingt und dann mit fast Lichtgeschwindigkeit (in Form der sogenannten Jets) wieder ausspuckt. All das spielt sich rund um das Schwarze Loch ab, aber noch außerhalb des Horizonts, also der Begrenzung des Lochs selbst. Und dieser Unterschied wiederum ist wichtig, wenn man in irgendeiner Form verstehen möchte, was ein Schwarzes Loch ist.

Als der Sprecher "Wie auch immer sich die Sache entwickelt: Unser Sonnensystem ist dem Untergang geweiht" intonierte, dachte ich, da hätte ich doch einen prima Schlussabsatz für meinen Blogbeitrag. Dem hätte man dann nur noch hinzufügen müssen: Der Wissenschaftsjournalismus im deutschen Fernsehen vermutlich auch, wenn gute Eigenproduktionen von solchen Importen verdrängt werden.

Dann bin ich aber doch noch ins Grübeln gekommen. Können Sendungen, die schludrig gemacht und übersetzt sind, die die Astronomie knallhart auf Sensation bürsten und deren Visualisierungen nur auf die Dramatik zugeschnitten sind, vielleicht doch Menschen erreichen, die darüber den Einstieg in die richtige Astronomie finden? Schließlich hört man ja gelegentlich auch von erfolgreichen Archäologen, die ursprünglich mal durch die Bücher von Erich von Däniken erstes Interesse für ihr Fach entwickelt haben. Bekommt jemand, der sich mit leuchtenden Augen Wissenschafts-Trash anschaut, noch die Kurve zur Wissenschaft selbst? Ich weiß es wirklich nicht, wäre aber für entsprechende Kommentare dankbar: Ist jemand von euch/Ihnen auf diese Weise über Wissenschafts-Trash zum eigenen Fach gekommen? Brauchen wir, so unangenehm mir das wäre, solche Sendungen, zumal im öffentlich-rechtlichen Fernsehen?


40 Kommentare zu “Astronomie, auf Sensation gebürstet”

  1. sicknick | Permalink

    So blöd es klingt: ich bin durch Lesen von Almanachen von Reader´s Digest zur Wissenschaft gekommen. Die hat sich mein Vater - Gastarbeiter, der nicht wirklich wusste um was es geht - andrehen lassen. Ich habe als Kind stundenlang darin gelesen.

  2. Klaus Richter | Permalink

    Vielen Dank für den aufschlussreichen und sehr, sehr treffenden Beitrag. Diese Serie "Unser Universum - Reise durch Raum und Zeit" gehört noch zu den besseren im TV-Angebot, man schaue sich mal die wirklich unsäglichen und gruseligen Astro-Dokus auf N24 an. Der Adressat solcher Sendungen ist wohl der durchschnittliche Amerikaner, der allenfals eine High School besucht hat (wenn übehaupt) und gar nicht weiß, was über seinen Köpfen angeht - nur so kann ich mir die stark vereinfachte, bisweilen falsche Darstellung erklären. Und natürlich alles auf "Gefahr" und "Katastrophe" etc. ... sonst lockt man ja keinen mehr hinter dem Ofen hervor. Ach, was waren das noch für Zeiten, als Carl Sagan mit "Cosmos" auf Sendung ging ...

  3. Karl Bednarik | Permalink

    Ich wurde im Jahre 1946 geboren, und ich lese seit dem Jahre 1957 Science Fiction.
    Damals gab es seriöse Science Fiction von Dozent Erich Dolezal, und die so genannten Schundhefte von Terra, lange vor Perry Rhodan (1961).
    Ich las das alles, aber ich fand die Schundhefte wesentlich motivierender, selbst etwas zu tun.
    Deshalb wählte ich die Ausbildung zum Chemotechniker, was auch gut funktioniert hat.

  4. Martin Holzherr | Permalink

    Die jetztige und nachfolgende Generation bevorzugen YouTube und Netflix vor dem aktuellen TV-Programm. Das heisst aber nicht, dass sie besser dran sind. Das sind sie nur, wenn sie die "richtigen" Videos finden. Die viralen oder auch nur angesagten Wissenschafts-Videos sind nicht unbedingt die sachlich besten.
    Insoweit hat sich nicht viel geändert.

    Einige wird es in Bezug auf die obig rezensierte Sendung überraschen, dass ein staatlich subventionierter Sender wie ZDF sich vom Privatfernsehen kaum unterscheidet, wenn es um die Qualität der Sendungen geht. Die Eingeweihten wissen aber, dass auch ZDF auf Quote aus ist.

  5. Tim | Permalink

    Eines müßte man den öffentlich-rechtlichen Kanälen (und zwar allen) wirklich verbieten: Musikuntermalung bei Sachthemen.

    Es ist leider völlig unmöglich geworden, auf öffentlich-rechtlichen Sender Wissenschaftssendungen oder Dokumentationen anzusehen. Alles ist auf Billigdramatik gemacht.

    Mangelnder Respekt vor ihrem Publikum, das ist das Problem.

  6. Gabriel | Permalink

    Danke Markus, das du uns über solche schlecht gemachten Dokus informierst. Aber besonders gut finde ich, das du Dir selbst und uns die Frage stellst, ob ungenaue und sensationshaschende Machwerke eigentlich als schlecht oder als gut zu bewerten sind.
    Ich persönlich habe als Schüler auch gerne die PM gelesen, obwohl da mehr Blödsinn als Wahrheit drin steht. Aber wie du richtig sagst ist so manchen über Erich von Däniken erst auf Wissenschaft aufmerksam geworden.
    Ich finde es auch schrecklich, wenn man den Leuten mit unnötigen Sensationsmache den Kopf zumüllt. Aber ich muss auch sagen, das nicht alle einem Harald Lesch folgen können und wollen.
    Ich finde das immer noch besser als all diese Machenschaften von RTL und Konsorten.
    ...
    Nachtrag: Nachdem ich mir jetzt einen Teil des Films angeschaut habe nervt mich an dem Film vor allem das hohe Tempo. Diesem kann doch niemand wirklich folgen. Das wirkt für mich irgendwie wie mit doppelter Geschwindigkeit abgespielt und der Filmstil ist sehr "amerikanisch". Dagegen hilft nur gute "europäische" Filme in dieser optischen Qualität zu produzieren, aber leider kommt da meines Wissens nach nicht viel. Oder kennst du gute "europäische" Filme über astronomische Themen?

  7. tobi | Permalink

    Diese Dokus kenne ich nur zu gut, sie werden hauptsächlich auf dem Pay-TV Sender History gesendet. Dieser Sender hat wohl eine Kooperation mit dem ZDF denn dort läuft machmal auch Terra X. Bei History weis man aber das die dort gesendeten Dokus nur der allgemeinen Unterhaltung dienen - siehe "Ancient Aliens" ;-) auf dem gleichen Sender.

    Beim ZDF würde man aber "ordentlichere" Dokus erwarte und die reisserischen Titeln und die kathastrophen-orientierte Wortwahl ist bein ZDF etwas befremdlich.

    Ich gebe aber zu das ich mir solche Dokus hin und wieder anschaue - nicht um den Wissensdurst zu stillen, sondern nur zur Unterhaltung. Der eine Wissenschaftler bei Ancient Aliens hat immer so eine seltsame Frisur... ;-P

  8. werner | Permalink

    Nun ja, etwas Dramatik fördert durchaus das Interesse. Sieht man bei allen Jugendlichen, denen Chemie zunächst nur als Explosionen im Gedächtnis bleibt ;-) .

  9. Gunnar | Permalink

    Das geht wahrscheinlich alles in dem Stichwort "emotionaler Journalismus" durch. In den Wissenschaften muss alles dramatisch, groß und gefährlich sein. In der Paläontologie ist das schon seit einiger Zeit zu beobachten.Saurier und andere ausgestorbene Tiere sind natürlich die jeweils schrecklichsten, größten und blutrünstigsten und immer die Herrscher ihrer Welt. Der Trend schwappt ein wenig von den Nachrichten rüber. Ich hatte ja gerade den Fall mit dem Woolrec-Skandal, wo natürlich alles mindestens "gefährlicher Sondermüll" ist, als ob man jemals ungefährlichen Sondermüll gesehen hätte. Warum in aller Welt kann man nicht die sachlichen und korrekten Bezeichnungen nehmen? Warum diese Überemotionalisierung der Dinge? Mich beschleicht manchmal der Verdacht, dass gerade dies eines der Probleme ist, welche die Akzeptanz der Wissenschaft in der Gesellschaft beeinflusst.

  10. Martin Holzherr | Permalink

    Übrigens: Man kann auch eine wissenschaftlich korrekte "überlichtschnelle" Geschichte des Kosmos und seiner Erforscher schaffen. Wer aber den emotionalen Zugang wählt, dem ist oft der Effekt wichtiger als die Wahrheit. Erschaffer von supraluminalen Dokufilmen neigen dazu, es beim Urknall halt wirklich knallen zu lassen.

  11. Sebastian Baltes | Permalink

    Sehr nervig finde ich auch, dass immer dieselben Gesichter zu sehen sind - ich warte auf den Tag, wenn Bosbach dort auftaucht - und jede Videosequenz zig-mal wiederholt wird. Es ist wirklich ein Jammer, wenn man sich vorstellt, was mit einem geradezu infinitesimalen Teil der Zwangsgebühren und einem einzigen motivierten Journalisten machbar sein sollte. Interessante und aktuelle Themen gibt es doch genug. Andererseits, in ein paar Jahren dürfte sich das Thema Fernsehen von selbst erledigt haben...

  12. Mona | Permalink

    "Können Sendungen, die schludrig gemacht und übersetzt sind, die die Astronomie knallhart auf Sensation bürsten und deren Visualisierungen nur auf die Dramatik zugeschnitten sind, vielleicht doch Menschen erreichen, die darüber den Einstieg in die richtige Astronomie finden?"

    Wenn man diesen Blogbeitrag über den Stand der Astronomie in Deutschland Glauben schenken will, dann schaut es eher düster aus:
    http://www.clearskyblog.de/2014/02/12/stand-der-astronomie-in-deutschland-20132014/

  13. Martin Holzherr | Permalink

    Viele Dokus und Lehrvideos scheitern daran, dass sie zuviel wollen. Mir gefällt dagegen, wenn hinter einem Video ein klares, gut verständliches Konzept steht in das sich alles einfügt.
    Unter dem Titel " "Das Universum - Eine Reise durch Raum und Zeit" könnte ich mir beispielsweise eine Visualisierung des Wikipedia-Eintrags Chronology of the universe vorstellen. Das dahinter stehende sehr allgemeine Konzept ist die der Zeitschiene (time line). Anordnungen auf der Zeitachse sind in vielen Sachbereichen beliebt und bekannt und den meisten Menschen vertraut, so dass man eine erste Verständnisgrundlage hat. In dieses Konzept passen auch Zeitraffer-Effekte und Fokussierungen auf kurze interessante Zeitabschnitte (Lupen)

    Generell gilt, dass fast alles was wir neu aufnehmen ein Basiswissen und oft auch einen Ariadnefaden benötigt, damit wir uns nicht verlieren, damit wir und orientieren können. Heutige Wissenschafts-Dokus für die Allgemeinheit neigen dazu, ein Gefühl der Vertrautheit dadurch zu schaffen, dass sie auf Aussagen von bekannten Wissendschaftlern abstellen. Doch damit erreichen sie oft gar kein Verständnis, sondern schaffen nur eine Verständnisillusion.

  14. ralph | Permalink

    Jedenfalls gehören Sie, Herr Pössel, definitiv nicht die Zielgruppe dieser Sendung an. Mir ging es als Kind ein wenig wie sicknick. Da gab es ein Reader Digest, mit faszinierenden, auf Drama und Sensation gebürsteten Geschichten. Fand ich toll und sehr anregend. Insbesondere auch die bunten Bilder vom Sonnensystem, den heißen Planeten, den Gasriesen, Pluto, den Galaxien usw.
    Ich glaube schon, dass ich mir deshalb Bücher über Astronomie und Weltall wünschte und auch das ein oder andere Bekam. Besonders ein Buch von Peter von der Ostensacken faszinierte mich und blieb mir im Gedächtnis. Ich habe später kurz überlegt Astronomie zu studieren, hab es aber gelassen, da ich sicher war, nicht genügend Geduld für das jahrelange Beobachten und Systematisieren zu haben.

    Zum Thema "falsche astronomische Vorstellungen zementieren"
    "Dem kann man versuchen, mit Visualisierungen entgegenzutreten, in denen zu sehen ist, dass das Universum überall gleich aussieht, nirgends ein Rand, hinter dem nichts mehr wäre, und dass es sich durch die Expansion trotzdem verdünnt, dass die Abstände zwischen sichtbaren Marker-Objekten wie Galaxien zunehmen."
    Gibt es da etwas gelungenes? Eine Entität ohne Rand darzustellen stelle ich mir schwierig vor.

    zum Thema "Dramatisierung und Musikuntermalung"
    Damit ist man ja schon aufgewachsen. Was wäre ein Hitchcock ohne Musik? Generell könnte die Filmindustrie ohne wohl einpacken. Selbst an die künstlichen Lacher in Soaps kann man sich gelegentlich gewöhnen, wenn der ein oder andere intelligente Gag dabei ist. Es geht also nur um die Zielgruppe, die es entweder unerträglich kitschig findet, sich manipuliert fühlt, es billigend in Kauf nimmt da das Machwerk anderweitig interessant ist, oder aber sich darauf einlassen will und kann.
    Insgesamt finde ich Dokumentationsfilme der öffentlich rechtlichen, inklusive BBC, teilweise grossartig. Übe die vielen Schwächen, die ja aufgrund der Bandbreite der Zielgruppen auch relativ sein können - kann ich angesichts der Anregungen und Informationen leicht hinwegsehen. Man ist ohnehin ständig am hinterhergoogeln interessanter Aspekte.
    Wenn ich es mir überlege, müsste zumindest ein kleiner Teil der GEZ Einnahmen an Wikipedia fließen.

  15. Marcus Dietze | Permalink

    Vielen Dank für deinen Beitrag Markus!
    Du sprichst mir hier aus der Seele. Nahezu alle (importierten) Dokus gehen seit einer ganzen Weile extrem in diese Richtung, die Fachrichtung ist dabei völlig egal - alles wird gefühlte 586 mal wiederholt, vorallem die (oft falsch formulierten) Headlines und Aufhänger, krawumm, krawall, Drama und Gedöns. Unerträglich, wenn Ihr mich fragt. Das hat dazu geführt, dass ich dmax, ntv und n24 inzwischen gänzlich boykottiert habe. Dort sieht man nur noch derartiges, auch die Auswahl der Sendungen lässt tief blicken. Einen Beitrag, den ich zu diesem Thema an anderer Stelle schon einmal verfasste, sagt eigentlich alles:
    Heute auf N24, NTV & CO.:
    - "Wie antike Waffen und Strategien unser modernes Leben prägen..."
    - "Wie Hitler seine letzte Schlacht führte..."
    - "Wie wir aus rostigen Dreckskarren weniger rostige, überlackierte Dreckskarren machen und mit überflüssigem Müll voll stopfen"
    - "Wie sich ein Duzend lebensmüder Idioten in der Beringsee für Krustentiere den Arsch abfriert..."
    Ach und fast vergessen, das Highlight des Tages:
    "Wie Hitler durch Strategien und Waffen aus der Antike seine rostige Dreckskarre mit Krustentieren aus der Beringsee pimpen wollte..."

    Nun ist die Frage wie man dort noch "gescheite Dokus" reinbringen will - ganz einfach, man zieht sie schlichtweg auf genau das gleich Niveau herunter und hält die Zielgruppe somit wunderbar bei der Stange.

    Ob man damit in dem einen oder anderen noch "echtes Interesse" an der Wissenschaft wecken kann? Ich sag mal "JAIN"
    Voraussetzung sind natürlich immer eine gewisse Bildung und auch ein gewisses Hinterfragen der Gegebenheiten. Ich selbst bin nun ein Mensch, der schon seit Kindertagen alles und jedes hinterfragen muss. Ich kann nachts nicht ruhig schlafen, wenn ich etwas gesehen habe, was ich nicht in einen plausiblen Zusammenhang bringen kann. Somit baut sich natürlich auch als Fachfremder, bzw. Amateur-Wissenschaftler mit der Zeit von ganz allein ein hohes Maß an Hintergrundwissen auf. Sicher nicht im Detail, sicher nicht immer 100% richtig - aber genug und breit genug gestreut, um solche offensichtlichen "Fakes" als solche sofort zu entlarven.
    So ähnlich war es bei mir mit der Astronomie. Irgendwann auf diese latente Leidenschaft aufmerksam geworden und über lange Zeit hinweg alles aufgesaugt, was zu dem Thema zu bekommen war. Recht schnell kristallisierten sich dort die brauchbaren Infos von den Weniger wertvollen, bzw. gar falschen. Auch die Auswahl der Sendungen, hat sich drastisch verändert. Anfangs Natürlich auch den typischen Mainstream - aber nachdem ich Kaku & Co irgendwann nich mehr sehen konnte und ich mich dauernd fragte, was die da oft für einen Blödsinn erzählen, recht schnell zu Lesch und Co übergegangen und schließlich, als auch das abgegrast war zu wirklicher Fachliteratur. Somit kann ich irgendwie schon behaupten, zunächst von solchen Mainstreamsendungen zu brauchbaren und ernstem Interesse gelangt zu sein. Dazu zu sagen ist hier aber auch, dass der "Mainstream" im laufe der letzten Jahre irgendwie einen neuen Tiefpunkt anzusteuern scheint, zudem kenn ich auch (leider) keinen anderen Menschen, dem es in dieser Hinsicht ähnlich ergangen wäre wie mir.

    Ich glaube die viel wichtiger Frage hierzu ist eigentlich, was mit der Menschheit nicht stimmt, dass so etwas offenbar immer mehr und mehr Anklang findet. Berieselung in den Vordergrund und Bildung in den Hintergrund rückt...

  16. Michael Khan | Permalink

    Das spricht mir ja alles sowas von aus der Seele. Diese unglaublich satten Explosionsgeräusche (im Vakuum sind die ja bekanntlich besonders gut zu hören).

    Dieses atemlos-aufgeregte Gequatsche von Wissenschaftlern, von denen jeder zweite zwanghaft Ausdrucksweisen verwendet, die man sonst im High-School-Milieu ansiegeln möchte: "We're gonna find stuff, that's, like, gonna tell us ...". Stuff? Stuff? Wahrscheinlich hat der Regisseur denen gerade gesagt, dass man mit der Sendung Jugendliche erreichen will und dass die Interviewten ihre Diktion dieser Tatsache anpassen sollen. Aber was sagen wohl die Kids dieser Wissenschaftler, wenn sie ihre Eltern so reden hören? "Dad-dee! Puh-leeze! You're sooooo embarrassing!"

    Dieses Falsch-Übersetzen von Fachbegriffen (aus "a hydrogen cloud" wird "Eine Hüdrogehnwolke", aus "anorthosite" wird "ein Orthosit" ... die von dir genannten Beispiele sind auch gesalzen). Da hat wohl keiner mehr mit dem ausländischen Beitrag nach seinem Eintreffen in Deutschland zu tun gehabt, der auch nur ein bisschen Bescheid wusste, Keiner der Redakteure. Kein Lektor. Kein Fachmann, den man mal bittet, drüber zu schauen. Ach, woher denn.

    Der Schaden, den so etwas anrichtet, dürfte den Nutzen bei weitem überwiegen. Leute, die man mit satten Knallen zur Wissenschaft bringen muss, kann man nicht in einem Umfeld halten, wo es der Jahre harter Arbeit bedarf, damit man überhaupt erst einmal was kann.

  17. Michael Khan | Permalink

    PS, da hier der Name Michio Kaku fiel: Was ist eigentlich von dem zu halten? Ist das wirklich der Wissenschafsts-Hotshot, als den er sich selbst darstellt, oder doch eher nur ein Pop-Scientist mit langen Haaren? Seine Veröffentlichungshistorie auf Google Scholar zumindest der letzten dreißig Jahre legt eher Letzteres nahe. Aber ich kann mich da natürlich irren.

    • Hans | Permalink

      Also ich hab von Herrn Kaku mal das Buch über die "Physik der Zukunft" in der Hand gehabt, wo er darüber spekuliert, was in 100 Jahren wahrscheinlich möglich sein wird, was erst noch später möglich sein könnte und was er definitiv ausschliesst. Das fand ich ja erst ganz interessant, aber irgendwann hat mich trotzdem die Lust verlassen. Ein anderes, wahrscheinlich nachfolgendes Werk hab ich mir nur kurz im Laden angesehen und dann wieder ins Regal zurück gestellt. Das fand ich irgendwie nervig. Nun ist das aber meine rein subjektive Wahrnehmung, die ich hier beschreibe. Es kann also durchaus sein, das andere das anders sehen.

    • Martin Holzherr | Permalink

      Nach WIkipedia gilt: Michio Kaku is an American futurist, theoretical physicist and popularizer of science.
      Er beschäftigt sich gern mit besseren, phantastischeren Zukünften, was sich in Buchtiteln wie

      Parallel Worlds: A Journey through Creation, Higher Dimensions, and the Future of the Cosmos (2006)
      Physics of the Impossible: A Scientific Exploration into the World of Phasers, Force Fields, Teleportation, and Time Travel (2008)
      Physics of the Future: How Science Will Shape Human Destiny and Our Daily Lives by the Year 2100 (2011)
      The Future of the Mind: The Scientific Quest to Understand, Enhance, and Empower the Mind

      ausdrückt. Damit erhält er vor allem in den USA grossen Zuspruch gilt doch immer noch, dass zum amerikanischen Traum ein submanisch angehauchter Optimisimus gehört.

      • Michael Khan | Permalink

        Ich weiß, was in der Wikipedia steht, aber die Frage, ob es sich bei ihm wirklich um einen namhaften Wissenschaftler handelt, ist eine andere. Die Frage stellt sich auch bei anderen TV-Persönlichkeiten udn Buchautoren, die sich immer noch als namhafte, aktive Wissenschaftler darstellten, obwohl sie das nicht, oder nicht mehr waren. Carl Sagan oder Fred Hoyle, beispielsweise.

    • Martin Holzherr | Permalink

      Der grosse Widerhall der Michio Kaku findet, deutet auf einen wichitgen Aspekt der Wissenschafts- und Technikkommunikation gegenüber der Öffenltichkeit hin, nämlich auf die Frage:
      Was wollen wir für eine Zukunft und welche Rolle spielt dabei die Weiterentwicklung von Wissenschaft und Technik?
      In Deutschland ist diese Feld vorbesetzt mit vorwiegend negativ besetzten Zukunftsvisionen und negativ besetzten Begriffen wie Fracking (versus Erneuerbare), grüne Gentechnik (versus Ökolandbau) , Atomkrieg, Atomkraft (versus Erneuerbare), Automatisierung (versus Vollbeschäftigung)
      Es werden vor allem negative Seiten zukünftiger oder sich gerade entwickelnder Technologien gesehen. Dass bei vielen Zukunftsproblemen nur eine Weitereentwicklung der heutigen Technologien weiterhilft, dafür scheinen mir nur wenige ein Bewusstsein entwickelt zu haben.
      Wo Technologie und Technofixes Schlimmeres verhindern/verhinderten
      Die Einführung der fossilen Energien Kohle, Erdöl, Erdgas und der Konstruktionsstoffe Stahl und Beton hat die europäischen Wälder vor dem totalen Kahlschlag bewahrt. Spanien war einmal so dicht bewaldet, dass ein Eichhörnchen dieses Land durch Springen von Wipfel zu Wipfel durchqueren konnte. Doch das ist lange her. Das Fällen von Bäumen zu Brennstoff- und Konstruktionszwecken hat die europäischen Wälder stark schrumpfen lassen. In Irland gibt es noch heute kaum Wald, doch insgesamt hat die Waldfläche in den letzten 100 Jahren um 30% zugenommen.
      Heute gilt: Nur Technologie wird es ermöglichen auf fossile Brennstoffe vollkommen zu verzichten. Dieser vollkommene Verzicht ist nötig um die Erdsystemerwärmung zu stoppen. Ein vollkommener Verzicht auf die Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas und eine Stahl- und Zementerzeugung ohne CO2-Freisetzung ist nur möglich wenn es Ersatz dafür gibt. Biotreibstoff und Bioenergie kann kein Ersatz sein, denn dann würden wir zurückkehren in die Vergangenheit in der die europäischen Wälder dezimiert wurden. Auch eine rein dezentrale Energieversorgung rein mit erneuerbaren Energien ist in naher Zukunft nicht möglich, weil die Speicher fehlen. Es wird also nicht genügen mehr Solarpanel und mehr Windräder aufzustellen, es braucht weitere Technologiekomponenten - Technologiekomponenten, die es heute noch nicht gibt.
      Dafür dass die Energiewende oder dass der Verzicht auf Kohle, Erdöl und Erdgas auch und vorllem ein technisches Problem ist und dass Technologien entwickelt werden müssen, die es heute erst in Ansätzen gibt, dafür fehlt das Bewusstsein in weiten Kreisen der Öffentlichkeiit.
      Diese Diskussion zu führen und das Bewusstsein dafür zu wecken wäre eine Aufgabe der Wissenschafts- und Technikerziehung.

    • Chrys | Permalink

      Zur Frage, was von Michio Kaku so zu halten ist, lassen sich hier noch diverse Meinungen finden:
      http://www.quora.com/What-do-physicists-think-of-Michio-Kaku

      Ich kenne nur eines seiner Bücher, Hyperspace, von 1994. Einmal ganz abgesehen vom Kernthema, der Superstring Theory, bleiben insgesamt eher gemischte Gefühle. Beispielsweise weist er einerseits dort schon auf ein Anthropogenic Global Warming hin, wofür er noch immer mit bemerkenswerter Überzeugung einzustehen scheint. Andererseits kommt dann so eine Aussage wie die, dass niemand etwas über das Entstehen von Eiszeiten wisse, was er mehr oder minder mit dem Unvermögen unserer Computer begründet, das Wetter von morgen zuverlässig vorherzusagen.

  18. Jürgen Bolt | Permalink

    Es ist doch okay, wenn es Wissenschaftsendungen für verschiedene Geschmäcker gibt. Ich sehe so etwas gerne, wenn ich mein workout mache, meistens sogar bei ZDFinfo. Kaku war nicht mein Fall, die hier kritisierte Sendung auch nicht, Brian Cox habe ich gerne gesehen. Was soll's, es müssen nicht alle so sein wie ich.

    Ich würde mich freuen, wenn es viel mehr davon gäbe, am besten inhaltlich korrekt und darstellerisch ansprechend. Unglücklicherweise sind solche Sendungen häufig nur eines von beiden oder schlimmer weder korrekt noch geschickt präsentiert.

    • Michael Khan | Permalink

      Ich gönne jedem Wissenschaftler ein Ego-Stroking. Wenn er keinen Unsinn redet und verständlich erklärt ... gut, dann darf er auch mal ein bisschen selbstverliebt sein. Dass er aber keinen Unsinn redet und dass er verständlich erklärt, das ist nicht verhandelbar. Idealerweise sollte er auch mal bei Themen, von denen er keine Ahnung hat, genügend Fähigkeit zur Selbstkritik haben, um zu sagen: "Davon weiß ich nix, deswegen sage ich dazu auch nix." Leider scheint das aber mit der Selbstkritik nicht so gut zu klappen. Wer immer wieder von allen Leuten zu allem Möglichen befragt wird, der verliert offensichtlich zwangsläufig die Bodenhaftung.

      Das hat nun nicht mehr gar so viel mit dem Thema des Blog-Artikels zu tun. Oder doch? Vielleicht doch, denn wenn am Ende nur noch Leute an einer Doku beteiligt sind, die eigentlich gar nicht gar so viel vom Thema wissen, dann ist die Defaultoption halt, sich auf das visuell Ansprechende zurückzuziehen und Information durch Worthülsen zu erseten.

      • Jürgen Bolt | Permalink

        Klar, verstehe ich, da bin ich ganz bei Ihnen. Mit der Selbstkritik klappt das wirklich viel zu selten. Da könnten wir ja am besten mal bei uns anfangen und uns fragen: Können wir ein Thema so darstellen, daß es Zuhörer mit verschiedenen Voraussetzungen wirklich verstehen, interessant finden und sich womöglich sogar noch herausgefordert fühlen, mehr darüber zu erfahren?

        Sicher, wir beide können das. Aber wir können auch genügend Beispiele nennen, wo Kollegen das nicht so gelungen ist. Wo Schaubilder oder Texte mit Details überfrachtet sind, oder wo nicht klar ist, was Haupt- und was Nebensache ist usw.

        Ich wiederhole mich: sein Fachgebiet zu kennen ist eine Sache. Es lebendig und nachvollziehbar darzustellen zu können, eine ganz andere. Da hat sich schon eine Menge getan seit dem Schulfunk meiner Jugend mit den steifen Lehrern in karierten Sakkos. Aber bis zur Qualität eines David Attenborough bleibt auch noch einiges zu tun.

        Mir scheint es nützlicher von David Attenborough zu lernen als über Michio Kaku zu lästern.

  19. cassandra | Permalink

    Leider ist es in Österreich noch viel schlimmer- der Bildungsauftrag des ORF endet im Musikantenstadel - ich hätte mich ja angeboten, mal über die Kommentare drüber zu lesen :-)
    Ich habe einmal einem Sender ein Feedback geschickt wegen eines grauslichen Übersetzungsfehlers, die haben sich nie gemeldet.

    Ein ordentlicher Wissenschaftsbeitrag kostet sicher eine Menge Geld, da ja auch viele Animationen zu erstellen wären.

    "Alles Leben ist Chemie" war eine tolle Wissenschaftssendung (1978)

    Den Professor Lesch halte ich nicht aus, obwohl er Physiker ist.
    Meinetwegen könnten sie alle Sendungen der Öffentlich Rechtlichen einstampfen.

  20. Thomas Ahrendt | Permalink

    Kann man eine Sendung sowohl für Fachpublikum als auch gleichzeitig für Leute machen, die Sterne nicht von Planeten unterscheiden können? Vielleicht ist schon der Weg das Ziel? Was wäre die Alternative? Wäre es besser, keine Astronomiesendungen zu machen? Oder nur noch vom selbstverliebten und arroganten H. Lesch? Da ist mir ein Michio Kaku hundert mal lieber. Und da er dass, was er aktuell macht schon seit über 20 Jahren macht, kennt er sich wohl ganz gut damit aus und kann sich als Experte bezeichnen. Höre ich da bei dem einen oder anderen Neid? Mein Vorschlag an Herrn Pössel, Herrn Khan usw.: Machen Sie es besser. Schaffen Sie es, Leute dafür zu begeistern, für die Planeten und Sterne dasselbe sind. Wie würde wohl Carl Sagan heutzutage "Cosmos" inszenieren?
    In puncto Korrektheit stimme ich allerdings zu; falsche Fakten und Übersetzungen sind ärgerlich.

  21. Stefan | Permalink

    Die beschriebene Sendung stammt vom Discovery Channel. Es gab mehrere Staffeln. Originaltitel "How the Universe Works". (Details in der englischsprachigen Wikipedia)
    Ich finde solche unnötig dramatisierenden Darstellungen auch ärgerlich, besonders wenn man hören kann, wie zwei Himmelskörper ineinanderkrachen. Was ein Quatsch!
    Sehr gefreut habe ich mich dagegen über die kluge Serie "Zwischen Himmel und Erde" mit dem französischen Astronomie-Fachmann Serge Brunier, die in den letzten Wochen mehrfach auf arte gelaufen ist.

  22. Dipl.-Phys. Ulrich Schulz | Permalink

    Daß ist ja mal eine Reaktion, Herr Pössel.
    Und tatsächlich kann man Ihren "Sorgen" durchaus zustimmen. Auch die Kommentatoren haben viel Richtiges geschrieben.
    Aber ich glaube nicht, daß persönliche Angriffe wie" arrogant" oder "überheblich" sehr hilfreich sind. Ich wünschte mir, daß solche doch eigentlich beleidigende Anwürfe endlich aus wissenschaftlichen Blogs (und natürlich auch woanders) verschwinden würden.
    Aber bitte noch ein Einwurf. Bei allen Fehlern und Über- und Untertreibungen sind die gezeigten Dokumentation der Öffentlichrechtlichen trotzdem weniger falsch bzw. übertrieben als bei NTV und N24. Schon die Sequenz " vor dem Urknall ..." ist doch bei NTV/N24 fast schon Standard. ;-)
    Wer sollte aber Dokumentationen sehen wollen, die so völlig unspektakulär sind wie von vielen hier gewünscht. Auch ARD und ZDF brauchen ihre Zuschauer. Und ich bezweifel, ob noch 10 Interessierte vor dem Bildschirm sitzen, wenn es nicht knallt oder raucht. Und für uns Experten (;-0) sind diese Sendungen wohl nicht gemacht.
    Auch ich habe im Unterricht stets Stunde für Stunde darum kämpfen müssen, daß meine "Studies" nicht einschlafen. Lernen (und lehren) ist eben nicht immer nur Spaß und Highlife in allen Gassen. Ich denke, daß ihr vom TV zuviel verlangt. Und hier kommen wir doch ins Spiel: daß wir nämlich in unserer eigenen Umgebung als Korrektiv zu solchen Sendungen wirken können. Und nach einer langen und aufmerksamen Stunde meldet sich dann ein wirklich interessierter Zuhörer zu Wort:
    "Ich habe da mal eine Frage. Wäre es nicht sinnvoller, wir würden unsere Satelliten senkrecht zum Sonnensystem starten, wir könnten doch dann die Milchstraße auch mal von oben sehen ..."
    Und ich stehe am Fenster und überlege, ob ich jetzt springen sollte oder nicht. Aber er macht zumindest Gedanken, oder?!

  23. Dipl.-Phys. Ulrich Schulz | Permalink

    Nachschlag:
    So eine Smartphone-Tastatur ist schon ziemlich gruselig - trotz des Eingabe-Stiftes. Rechtschreibfehler, Wörter verschwinden plötzlich, oje. ;-(
    Man schämt sich ja richtig.

  24. Chrys | Permalink

    Astronomen demonstrieren den unversellen und allgegenwärtigen Verfall:

    Die Tatsache dass das Universum langsam dahinschwindet, ist bereits seit der späten 1990er Jahren bekannt, jedoch zeigt dieneue Studie, dass dies vom Ultravioletten bis zum Infraroten gleichermaßen geschieht und stellt damit die umfassendste Untersuchung des Energiehaushalts im nahen Universum dar.

    Das Universum wird fortan zunehmend verfallen und langsam alt werden. Das Universum hat es sich im Prinzip schon auf dem Sofa gemütlich gemacht, eine Decke übergezogen und ist dabei für immer und ewig einzunicken“ folgert Driver.

    http://www.eso.org/public/germany/news/eso1533/

    Das Universum ist halt ein Scheissprogramm. Da schalten wir nicht mehr ein.

  25. Jost Jahn | Permalink

    Natürlich kamen und werden viele Kinder und Jugendliche über diese unsäglichen Sendungen auch zur Wissenschaft kommen. Alleine deswegen sollte man sie produzieren. Ansehen muß man sie ja nicht, wenn man es besser weiß.

    Vielleicht sollten Amateure sich mal zusammensetzen und mit den heute gut verfügbaren Mitteln, freien Animationen eine leicht verständliche Wissenschaftsserie produzieren. Youtube und Vimeo stellen sich gerne zur Verfügung.

  26. Jürgen | Permalink

    Es ist doch immer das selbe : man sieht im Programm den Titel einer Sendung, die interessant erscheint und freut sich darauf. Und dann wird man bitter enttäuscht mit schlecht gemachter und grausam schlecht übersetzter Populärwissenschaft. Man hat den Eindruck, die amerikanischen Redakteure haben etwas zusammengetragen, über das sie selbst nichts wissen, und was sie noch weniger verstehen. Und die deutschen Redakteure sind leider auch nicht besser (Hydrogenwolke). Zielstellung der amerikanischen Produzenten war es Geld zu verdienen. Und das ist auch der Grund für die Aufmachung dieser Produktion. Es muß sensationell sein, es muß auf Krawall gebürstet sein, um den Verkaufserfolg zu garantieren. In den USA ist das üblich. Das hat nichts mit der Vermittlung von Wissen zu tun, sondern nur mit Kommerz. Schade, daß das ZDF so wenig Sachverstand hat und diese Serien so ohne jede Korrektur einfach übernimmt. Die Spitze war, als in so einer Serie mal ein Deutscher zu Wort kam: im Hintergrund hörte man die amerikanische Übersetzung und im Vordergrund die deutsche Übersetzung der amerikanischen Übersetzung. Der deutsche Originaltext war nicht zu hören ! Interessant ist auch, wenn Meteorschwärme (Kuipergürtel, Oortsche Wolke) dargestellt werden : Da wird tatsächlich so getan, als würde alle 50m so ein Objekt schweben und man könnte tausende davon um sich herum sehen. Auf diese Weise werden völlig falsche Vorstellungen geprägt !

    Ein weiterer Fehler dieser Serien ist es, daß keinerlei Unterschied dazwischen gemacht wird, was bekanntes bestätigtes Wissen ist, und zwischen dem, was einige Menschen glauben zu wissen ! Die Physik verkommt in manchen dieser Sendungen zu einer Art Ersatzreligion. Wissenschaft ist, wie der Name schon es sagt, keine Frage des Glaubens sondern eine Frage des Wissens. Wissenschaft soll Wissen schaffen und vermitteln. Natürlich ist in dem Zusammenhang eine vernünftige Hypthese ein sinnvoller Denkansatz. Aber die Hypothese muß immer als Hypothese erkennbar bleiben, sie darf nie ohne Beweis zu bestätigtem Wissen deklariert werden. In dem Zusammenhang kann ich nur fragen : Wer hat denn schon mal ein schwarzes Loch gesehen ? Noch nicht einmal EHT ! Das Schwarze Loch ist eine Hypothese ! Ich hoffe, da wird sich noch etwas ergeben.

    Viele naturwissenschaftlich interessierte Menschen sehen diese Sendung. Und viele können nicht zwischen Hypothese unt Tatsache unterscheiden, weil sie keine Fachleute sind. Das geht mir genau so, wenn ich einen Bericht sehe, der sich nicht auf mein Fachgebiet bezieht. Wer weiß schon, wie ein Saurier gebrüllt hat ? Hat er überhaupt gebrüllt ? In Hollywood schon ! Bei einigen Sauriern sind sich die Wissenschaftler noch nicht einmal einig darüber, in welcher Haltung sie gelaufen sind !

    Diese grausamen Serien zeugen davon, daß die Verantwortlichen beim ZDF keinerlei naturwissenschaftlichen Sachverstand haben, und leider auch keine sachkompetenten Berater haben. Aus den oben genannten Gründen halte ich nichts davon, derartige amerikanische Serien einfach zu übernehmen. Haben wir hier in Deutschland keine sachkomptenten Redakteure, die so eine Serie gestalten können ?

    Ich habe diese Serie nachts gesehen und bin darüber ..... eingeschlafen. Aber am Sonnabend mittag habe ich auf ARTE eine Sendung über die Zeit gesehen. Grausam schlecht. Meine Frau hat gesagt, ich hätte mich mächtig darüber aufgeregt. Sie hat leider recht !

    Wer wissen möchte, was Zeit und Raum sind, kann sich auf der Seite
    http://www.altenbrunn.de/wissen.htm
    informieren. Dort ist auch beschrieben, wie man die Relativitätstheorie ohne Singularitäten (Ereignishorizont) betreiben kann. Demnach würde es gar keine Schwarzen Löcher geben.
    Deshalb die Frage oben (wer hat schon mal ein Schwarzes Loch gesehen ?). Und ich muß noch weiter fragen: wer hat die ART im Nahfeld (Innerhalb von 10 Schwarzschild-Radien) schon überprüft ? Noch niemand ! In dieser Beziehung ist auch die ART immer noch Hypothese.
    Die ART ist nur im Fernfeld sehr gut bewiesen !

    Wer nicht weiß, muß glauben ! (oder so ähnlich bei Science Busters gehört)
    Viel Spaß beim Lesen !

  27. Joker | Permalink

    "Kawumm! Alles ist auf Sensation, auf den Wow-Effekt getrimmt. …Nein, so sieht und so sah das natürlich nicht aus. "

    Falls Sie mal eine Grafik suchen sollten, in der der traurige Sachverhalt relativ einfach dargestellt ist, habe ich gerade entdeckt: Nicolas Mahler (http://www.editionmoderne.ch/angebot.php?vi=286&vs=286&VL=0):

    DER URKNALL - Akustisch top, Inhaltlich Flop.

  28. Dipl.-Phys. Ulrich Schulz | Permalink

    Nicht nur für Jürgen ...
    Gehört zwar nicht zum Thema, aber aus gegebenen Anlass die (rhetorische - aber ohne Häme) gestellte Frage, warum diese von Jürgen beworbene "Alternativphysik" für einen bestimmten Personenkreis so interessant ist. Ich empfehle diesen Personen einfach mal so die Lektüre des "SPEKTRUM - Dossier: Physikalische Unterhaltungen" und hier speziell das Kapitel "Hohlwelttheorie - Das Äußerste nach innen gekehrt, absurd aber unwiderlegbar" von Norbert Treitz. Bitte mal lesen!
    Gruß Schulz

  29. Jürgen | Permalink

    Es ist erstaunlich, was man sich so ausdenken kann. Die Hohlwelt kann man meiner Meinung nach spätestens mit der Energieerhaltung und mit dem Gravitationsgesetz widerlegen. Und wie sieht der Raumfahrer auf dem Mars die Menschen auf der Erde in dieser Hohlwelt ? Und natürlich auch umgekehrt: Wie sieht der Mensch auf der Erde den Raumfahrer auf dem Mars ? Es ist doch eine Art geozentrisches Weltbild, auch wenn die Erdoberfläche den Außenrand des Universums bildet !

    Ich haben die Webseite nur aufgeführt, weil ich häufig erfahre (auch in besagter "Dokumentation" über die Zeit), daß den Menschen nicht klar ist, was Raum und Zeit sind. Und das ist in der Datei RZEIT.pdf dargelegt. Da ist natürlich auch noch mehr beschrieben, das aber als "alternative Physik" zu bezeichnen, zeugt aber in meinen Augen von einem gewissen Unverständnis. Alles Neue hat das Potential, Unverständnis zu erzeugen !

    Das ist aber nicht Thema dieses Blogs und deshalb sollten wir diese Diskussion in die E-Mails verlegen. Wenn man auf der Wissensseite in der Mitte unten den Button "zurück zur Startseite"
    drückt, gelangt man zur Startseite der Homepage. Und da steht auch die E-Mail-Adresse.

    Ich freue mich auf interessante Diskussionen per E-Mail.

  30. gurk | Permalink

    Danke, dieser Artikel hat meine Lust - den Fernseher im hohen Bogen aus dem Fenster zu werden -, die mir nach einer solchen Sendung kam, war vielleicht sogar diese, gedämpft. Als naturwissenschaftlicher Laie ist selbige jedoch zu meinem massiven After-Work Interesse geworden. Allerdings diese "Wissenschaftsblockbuster" hängen mir ebenfalls zum Hals raus.
    Den frühesten Boden zu meinem Naturwissenschaftsinteresse haben die Science Fiction Hefte (ab 1968) bereitet. Später haben bestimmte Studienfächer es verstärkt.
    2.) Ich mag diesen Block
    3) Wozu braucht ihr die E-Mai Adresse.

  31. gurk | Permalink

    1) Ich mag die oben kritisierten Wissenschaftsshows auch nicht
    könnte mir aber vorstellen, dass sie manche Menschen neugierig auf mehr machen.
    2) Science Fiction Literatur (ab 1968) brachte mich zum Interesse an Wissenschaft (als Laie)
    3) dieser Block gefällt mir
    4) wozu wird meine Mail-Adresse gebraucht?
    den vorhergehenden Artikel bitte - da durcheinander - löschen. Danke.

  32. Markus Pössel | Permalink

    Danke für die vielen anregenden Kommentare; ich werde das Thema angesichts der interessanten Rückmeldungen sicher noch einmal in einem weiteren Blogbeitrag aufgreifen!

    Zur technischen Frage nach der E-Mail: das gibt das System in diesem Falle vor; für mich war es bislang drei Mal hilfreich, wo es Probleme mit Kommentaren gab und ich bei den Kommentatoren entsprechend nachgefragt habe.

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