Das Ende der Lügen

22. Juni 2011 von Anatol Stefanowitsch in Kultur

Inzwischen dürfte allen klar sein, dass der Fall Guttenberg nur einer von vielen ähnlichen akademischen Betrugsfällen war -- der erste, bei dem ein hochkarätiger Politiker von der kollaborativen Öffentlichkeit des Internet so gründlich und eindeutig enttarnt wurde, dass dem Promotionsausschuss seiner Universität nichts zu tun blieb, als das zu bestätigen, was bereits für jeden öffentlich nachprüfbar war.

Veronica Saß und Silvana Koch-Mehrin werden nicht die einzigen bleiben, denen es in der Folge dieses spektakulären Falles ebenso ergeht. Tatsächlich sage ich voraus, dass alle der aktuell auf VroniPlag bearbeiteten Fälle in einem Entzug des Titels enden werden, auch wenn sich einige Universitäten wahrscheinlich schwerer damit tun werden, als die Universitäten Bayreuth, Konstanz und Heidelberg (die sich, das muss man im Nachhinein ohne Einschränkung feststellen, alle vorbildlich verhalten haben).

Allerdings zeichnet sich schon beim aktuellen Fall der Europa-Abgeordneten und ehemaligen Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments eine gefährliche Ermüdungserscheinung im öffentlichen Diskurs ab: Mit dem Titelentzug legt sich die Empörung, zumindest die, die über Unmutsäußerungen oder sarkastische Kommentare hinausgeht.

Im Fall von zu Guttenberg haben die Wissenschaft, die politischen Gegner und sogar einige politische Verbündete und nahezu alle seriösen Medien solange Druck auf den Enttarnten und seine politische Beschützerin Angela Merkel ausgeübt, bis er zuerst sein Amt als Verteidigungsminister und dann auch sein Bundestagsmandat niederlegte. Besonders hervorzuheben war dabei die von Doktorand/innen initiierte Unterschriftenaktion, in der über sechzigtausend Bürger/innen, darunter zehntausende Doktorand/innen und tausende Professor/innen, Guttenbergs Rücktritt forderten.

Im Fall von Koch-Mehrin löst deren Festhalten an ihrem Mandat im Europaparlament kaum mehr aus, als resigniertes Kopfschütteln.

Aber dabei können wir es nicht belassen, denn damit würde akademischer Betrug zu genau dem, was es nach Aussagen aller nicht sein darf: zu einem Kavaliersdelikt. Die Botschaft, die Wissenschaft und Gesellschaft damit senden würden ist die: Erschleiche dir ruhig deinen Doktortitel -- das Schlimmste, was dir passiert, ist, dass du ihn wieder abgeben musst; die Vorteile, die du dir damit unrechtmäßig verschafft hast, darfst du weiterhin genießen.

Diese Botschaft ist grundfalsch. Denn die Ertappten haben nicht die Spur eines schlechten Gewissens. Wenn die Gesellschaft ihnen keinen Anstand aufzwingt, werden sie keinen Anstand zeigen.

Das zeigt zurzeit niemand so deutlich, wie die gerade erst enttitelte Koch-Mehrin. Während Guttenberg sich nach langem Zögern immerhin eine Entschuldigung abringen konnte -- zwar nicht glaubhaft, aber dafür mit Oscar-reifem Pathos vorgetragen -- fiel Koch-Mehrin nichts besseres ein, als der Universität die Schuld an ihrem Plagiat zuzuschieben und mit einer gerichtlichen Klage gegen den Titelentzug zu drohen.

Aber damit nicht genug. Nur wenige Tage später lässt sie sich zum Vollmitglied im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie des Europaparlaments wählen [1, 2].

Nochmal langsam: Eine uneinsichtige akademische Hochstaplerin lässt sich wenige Tage, nachdem eine der ältesten und angesehensten Universitäten Europas ihr ihren Doktortitel entzogen hat, in einen Ausschuss des Europäischen Parlaments wählen, der Entscheidungen über Forschungsfragen trifft.

Nur, falls es jemand immer noch nicht verstanden hat: Deutschland wird im Forschungsausschuss des Europaparlaments durch eine überführte wissenschaftliche Betrügerin repräsentiert.

Die Botschaft, die Koch-Mehrin und ihre Unterstützer in den Führungsgremien der FDP damit an Wissenschaft und Gesellschaft senden, ist kristallklar: Ihr könnt uns mal. Eure Regeln gelten nicht für uns. Wir sind unantastbar. Wir lügen und betrügen, und wenn wir auffliegen, halten wir kurz inne, um euch ins Gesicht zu spucken. Und dann machen wir da weiter, wo wir aufgehört haben.

Aber (und wenn ich die Bibel zitiere, dann ist die Lage wirklich ernst) wer den Wind sät, muss Sturm ernten -- einen andauernden, unablässigen, unnachgiebigen Shitstorm, der nicht zu blasen aufhört, bis ihr wenigstens so tut, als ob ihr die Verantwortung für euer Handeln übernehmt.

Einmal. Zweimal. Immer wieder, so oft es nötig wird.

 

Nachtrag: Eine Petition für den Rücktritt von Silvana Koch-Mehrin von ihrem Posten im Forschungsausschuss und von ihrem Mandat im Europäischen Parlament steht nun unter folgender Adresse online:

http://www.gopetition.com/petitions/resignation-of-silvana-koch-mehrin-from-the-european-pa.html

Kurz-URL: 

http://goo.gl/24Vep

QR-Code:

http://goo.gl/24Vep

©2011, Anatol Stefanowitsch


36 Kommentare zu “Das Ende der Lügen”

  1. Stefan | Permalink

    Das habe ich verstanden!

  2. Simon | Permalink

    inb4 shitstorm

  3. Martin B. | Permalink

    Anatol, du bist doch nur neidisch!!

    Und gibt es bereits Initiativen, wo man für den Bundeskanzleramt für Frau Koch-Mehrin unterschreiben kann?

  4. Uli-E | Permalink

    Wegfegen

    Es gefällt mir das drei mal wiederholt wird zu was Kcoh-Mehrin gewählt wurde nachdem sie des Betruges überführt wurde.

    Ich liege nicht falsch wenn ich sage wir werden von Despoten regiert.

    Für meinen Miniatur Storm in Form eines Pasquill wurde ich von einem Anwalt Röslers http://uli-e.de/?p=2215 vergangen Freitag angeschrieben, von Sebastian Nerz, dem BuVo der Piraten aufgefordert zu gehen und die Piratenpartei in Ruhe zu lassen. Heute bin ich bei den Piraten ausgetreten, da sie auf Kuschelkurs sind.

    cu
    Uli

    P.S.: Blog gefavt

  5. Markus Pössel | Permalink

    Da kann man...

    ...doch gleich wieder den Buchhaltertest machen. Und ich dachte zwischenzeitlich schon, die Guttenberg-Affäre hätte letztlich positive Folgen gehabt, und Politiker ebenso wie Wissenschaftler würden sich jetzt mit Plagiaten mehr vorsehen. Pustekuchen.

  6. Jens | Permalink

    Dass bei Mehrin der Druck nicht so groß ist wie bei Guttenberg liegt m.E. nicht an Ermüdungserscheinungen sondern daran, dass ihr "Job" in Brüssel (si ist ja nicht wirklich mehr als eine gutbezahlte menschliche Abstimmdrohne für ihre Bundesfraktion) nicht vergleichbar mit dem eines Bundesministers ist.

  7. resigniert | Permalink

    quod licet jovis ....

    nix neues. carry on. die leistungsträger tragen ihre schäfchen ins trockene, der rest guckt zu.

    was stört es den leistungsträger, wenn sich ein shitstorm an ihm/ihr reibt? eine kleine karriereunterbrechung à la guttenberg ist noch lange nicht vergleichbar mit der gefürchteten lücke im lebenslauf des volks. und koch-schwerin zeigt grade, wie man die lücke mit chupze vermeidet.

  8. fatmike182 | Permalink

    da kräht der Hahn…

    Vor allem stört mich die fehlende Kreativität bei dem Vorgehen der Deutschen. Warum muss das kopiert werden, was in Österreich schon der Ex-Minister Hahn vorexerziert hat?
    Politisches Versagen + Plagiat = weitere EU Karriere
    http://de.wikipedia.org/...ohannes_Hahn_(Politiker)#EU-Kommissar…
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass das durchgeht. So schwach kann keine Opposition sein.

  9. Dr. Martin Klicken | Permalink

    Vielen Dank

    für diese sehr treffenden und scharfsinnigen Worte. Ich hätte es selbst nicht besser ausdrücken können.
    Viele Grüße von einem freiwilligen Mitarbeiter von Guttenplag und VroniPlag Wiki,
    Martin Klicken

  10. dgfghagfjhgajh | Permalink

    wtf

    Is´ doch total goldig was derzeit in diesem Land abgeht.

    Die deutsche Bank verfasst Vorlagen für die Bundesregierung.

    Ein BLÖD "Journalist" bekommt den mit 10.000 € dotierten Gedächnispreis für Volksverhetzung, von einer Familie, deren Reichtum auf NS Verbrechen zurückgeht.

    Der Außenminister solidarisiert sich medienwirksam mit "Rebellen", obwohl er dem lybischen Diktator vor kurzer Zeit noch höchstselbst die Waffen in die Hand gedrückt hat, mit denen der nun gegen sein Volk vorgeht.
    Eine wissenschaftliche Hochstaplerin beleidigt öffentlich die von ihr verarschte Uni, wird in den Forschungsausschss BEFÖRDERT und bekommt dafür auch noch 5 stellige Monatsgehälter.

    Zwischendurch werden breiten Schichten der deutschen Bevölkerung von diesen "Eliten" beleidigt und beschimpft (spätrömische Dekadenz, soziale Hängematte, Fordern und fördern, Anpassung statt Integration, Deutschland schafft sich ab, bla)

    All das passiert ganz öffentlich, transparent für jedermann, ohne jegliche Scham.

    Was soll man daraus schließen, wie reagieren?

  11. Joe Dramiga | Permalink

    The truth is a virus

    @Markus Pössel

    Vorsehen werden sich die, die sich gerade in Guttenbergs Fußstapfen begeben wollen. Bei Koch-Mehrin und Saß sprechen wir ja von Plagiaten die bereits begangen wurden.

    Die Wahrheit braucht ein schnelles Pferd

    Laotse

  12. Christian Unsittlich | Permalink

    vorbildlich?!?

    Die Uni Buyreuth hat sich vorbildlich verhalten?!? Da spricht ja ein genauso großer Realitätsverdränger!

    Die einzige hinnehmbare Entschuldigung bzgl. ihres Verhaltens ist, daß sie die Pionierrolle übernehmen mußte; einen größeren Haufen von Stümpern und Realitätsverleugnern gibt es gar nicht! Natürlich hat die Uni nur auf öffentlichen Druck KT den Titel aberkannt, obwohl sie das bis heute bestreitet.
    Häberle ist ja angeblich so eine Koryphäe; und merkt nicht, daß von ihm abgeschrieben wurde?! Um sich rauszuwinden, wird abgetaucht. Am besten einen auf senil machen, der alte Mann - beißt sich aber mit Koryphäe. Diese ganze "Institution" kann man bei gesundem Menschenverstand gar nicht für voll nehmen, nur auslachen.

  13. Peter Piksa | Permalink

    Wenn ich beispielsweise meine Timeline bei Twitter oder die auf Facebook lese, dann besteht Konsens darüber, daß wir das nicht einfach so laufen lassen wollen.

    Ich bin dafür, daß wir eine ordentliche Protestaktion orchestrieren und die Rücknahme ihrer Berufung in den Forschungsausschuss erzwingen.

  14. A.S. | Permalink

    @Christian Unsittlich

    Zu Beginn habe ich das bei der Uni Bayreuth auch so gesehen, wie Sie, und ich habe die Rücknahme des Titels auf dem Verwaltungsweg ja hier ausführlich kritisiert. Aber tatsächlich haben sich kurz darauf Mitglieder der juristischen Fakultät mit sehr deutlichen Worten geäußert, und der Abschlussbericht der für wissenschaftliches Fehlverhalten zuständigen Kommission lässt keinen Zweifel. Ich habe deshalb kein Problem damit, der Uni Bayreuth eine anfängliche Überforderung zuzugestehen, denn einen medial aufgeheizten Plagiatsfall wie den von Guttenberg hat es vorher nicht gegeben, sodass man unvorbereitet von dieser Wucht getroffen wurde. Das Vorgehen, zu dem die Uni Bayreuth in der Folge gefunden hat, kann durchaus Vorbild für die Unis sein, die sich aktuell mit Plagiatsfällen auseinandersetzen oder dies in naher Zukunft werden tun müssen. Insofern bleibe ich dabei, dass das Verhalten vorbildlich ist.

  15. Maren | Permalink

    Bei mir löst das auch mehr als nur Kopfschütteln aus, endlich schreibt mal jemand, dass sie in den Forschungsausschuss kommt. Für mich schon lange ein Skandal!
    Ich denke nur, dass das Problem daran liegt, dass sich weniger Menschen für Koch-Mehrin als für Guttenberg politisch interessieren. Deshalb wartet man vergeblich auf den großen Aufschrei. Ein Kavaliersdelikt ist es jedenfalls nicht und wird es auch niemals sein. Zumindest nicht für diejenigen, die wissen wie viel eine Doktorarbeit erfordert.

  16. Christian Unsittlich | Permalink

    @ A.S.

    Häberles Sukzessor versteigt sich zu der von Ihnen zitierten Aussage: "Wir sind einem Betrüger aufgesessen!" Dies läßt zwei Interpretationen zu. Erstens: Dieser Mann möchte damit seinen Vorgänger protegieren und/oder zweitens: Er erklärt dies aus vollster Überzeugung. Wie auch immer, dies geschieht immer vor dem Hintergrund, den entstandenen irreversiblen (?) Schaden von der Uni Buyreuth abzulenken.

    Natürlich haben Sie recht, daß Heidelberg, Konstanz, HH, Bonn, ... (!) nur konsequent gehandelt haben bzw. werden und die Titel aberkennen, wollen sie sich nicht noch lächerlicher als die UBT machen. Dabei entsteht nur leider die Gefahr zweier Verhaltensweisen seitens der Gesellschaft: Je mehr bzw. öfter Plagiate ausgeweidet werden, umso schneller wird sich die Öffentlichkeit davon abwenden, da sie ständig nach "frischem Fleisch" schreit; der Vergleich mag hinken, aber wer spricht heute noch vom Fall des J.Fritzl? Keine Sache ist so erbärmlich und verwerflich, daß mit der Zeit nicht doch noch Gras drüber wächst, ob gewollt oder gewünscht.

    Die dadurch entstehende zweite Gefahr ist, daß das hiesige Hochschulsystem wieder aufatmen kann, weil an selbigem, wie möglicherweise kurz gebangt, doch nicht gerüttelt wird; auch wenn der Letzte mittlerweile wissen dürfte, daß ein sträfliches Vorhaben erst durch die passenden Rahmenbedingungen (hier: korrupte Doktorväter) ermöglicht werden kann.

  17. Karl | Permalink

    Eieiei.
    Das war ja mal ein deutlich formulierter Artikel.
    Sehr schön.

  18. Simon | Permalink

    Nicht nur Koch-Mehrins Schuld

    Es zeigt zwar schon eine gewisse Arroganz oder dickfelligkeit, wenn man sich unter diesen Umständen für ein Amt bewirbt bzw. die Wahl annimmt. Es sollte aber nicht vergessen werden, dass Koch-Mehrin gewählt worden ist und ich bin der meinung, dass ein Großteil der Verantwortung bei den Abgeordneten der europäischen Liberalen, die sie gewählt haben.

  19. Erbloggtes | Permalink

    Petition

    Eine ausgezeichnete Petition! Vielen Dank dafür!

    Soll damit noch etwas anderes geschehen als "einfach nur" die Empörung vieler Leute (aktuell +200 pro Stunde) auszudrücken? Soll sie bei irgendeiner offiziellen Stelle eingereicht werden?

  20. Christoph Päper | Permalink

    Titel

    Vielleicht sollte man jedem akademischen Grad (z.B. „Dr.“), den man mit dem Namen führen kann, einen „Unehrentitel“ an die Seite stellen, den man führen muss, wenn einem ersterer aberkannt worden ist.

  21. Mona | Permalink

    Politik ohne Moral @Simon

    "Nicht nur Koch-Mehrins Schuld"

    Na Super! Die Frau gibt ja jetzt auch mehr oder weniger der Uni die Schuld, die ihre abgeschriebene Doktorarbeit bewertet hat. Zitat: "Der Promotionsausschuss hat mir im Jahr 2000 in voller Kenntnis aller eklatanten Schwächen meiner Arbeit den Doktortitel verliehen."

    "Es sollte aber nicht vergessen werden, dass Koch-Mehrin gewählt worden ist und ich bin der meinung, dass ein Großteil der Verantwortung bei den Abgeordneten der europäischen Liberalen, die sie gewählt haben."

    Sind diesmal die Abgeordneten Schuld, die sie gewählt haben?
    Normalerweise würde man doch annehmen, dass man eine Doktorarbeit nicht abschreibt und wenn man dabei erwischt wird sich nicht auch noch für einen Posten zur Wahl stellt. Sollten unsere gewählten Volksvertreter da nicht mit gutem Beispiel vorangehen und solche Sachen unterlassen? Aber wie sagte doch Parteifreund Westerwelle: "Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein." Nein, fürs Volk ist der anstrengungslose Wohlstand auch nicht gedacht, den gönnt man sich schon selber.

    Quelle des Zitats: http://www.focus.de/...ins-zurueck_aid_637635.html

  22. David | Permalink

    @Christian Unsittlich:

    Lepsius' Aussage verfolgte m.E. eine einfache aber geniale Strategie: Etwas sagen, das grundsätzlich justitiabel wäre. Für Guttenberg gibt es dann zwei Möglichkeiten: Er klagt, woraufhin er von einem Gericht bestätigt bekommt, ein Betrüger zu sein. Er klagt nicht, woraufhin klar ist, daß er offenbar nichts gegen die Bezeichnung "Betrüger" einzuwenden hat. In beiden Fällen kann er damit rechnen, von seinen Gegnern entsprechend tituliert zu werden. Ich frage mich, wie groß der Einfluß von Lepsius Zug auf die Rücktrittsentscheidung war.

    S. K.-M. hat sich übrigens freundlicherweise zu einem Interview bereiterklärt, das ich keinem vorenthalten möchte, harharhar: http://mentalschnupfen.org/?p=1121

  23. Markus Pössel | Permalink

    @ Joe Dramiga

    Ich meinte nicht nur das Plagiieren selbst, sondern auch den öffentlichen Umgang damit. Die FDP-Oberen haben gesehen, wie das bei Guttenberg gelaufen ist und welche Reaktionen das Abwiegeln hervorgerufen hat. Was haben die wohl daraus geschlossen? Offenbar nicht, dass man mit dem Plagiatsfall in den eigenen Reihen anders umgehen sollte, und das ist doch recht merkwürdig.

  24. Carl | Permalink

    @David
    "SKM: Ich bitte sie! Das wäre doch ein Armutszeugnis, wenn der Promotionsauschuß einer Universität behaupten wollte, sein ‘Erkenntnisstand’ habe sich geändert. Sowas gibt es doch gar nicht, eine Änderung des Erkenntnisstands. Kann es nicht geben. Das steht doch im Widerspruch zur Idee der Wissenschaft: Wenn es eine Änderung des Erkenntnisstandes geben könnte, dann könnten wir nichts wissen, denn was gewußt wird, ist auch wahr. Die Möglichkeit einer Änderung des Erkenntnisstandes würde ja dann bedeuten, daß etwas plötzlich nicht mehr wahr sein könnte, das mal wahr war, was aber nicht sein kann. Oder daß es eigentlich immer falsch war, dann aber ja gar nicht gewußt wurde. Dann können sie die Wissenschaft gleich vergessen, weil es gar kein Wissen mehr gibt. Und im Promotionsausschuß, das sind ja auch keine einfachen Idioten, die sich irren könnten, sondern alles gelehrte Leute an einer Universität; oder das sollten sie wenigstens sein. Wenn ich getäuscht hätte, wer hätte es denn wissen sollen, wenn nicht die? Ich kann also gar nicht getäuscht haben." wie schaffst du es, die sowas durchzulesen? mein kopf platzt.

  25. David | Permalink

    Das wäre ja ein Armutszeugnis, wenn ich das nicht durchlesen könnte, obwohl ich es selbst geschrieben habe...

  26. Christoph | Permalink

    überführte wissenschaftliche Betrügerin

    die Qualifikation "wissenschaftliche" würde ich an dieser Stelle streichen

    "überführte Betrügerin" reicht auch, oder einfach "Betrügerin"

    wer Wissenschaft ernst nimmt, schließt "wissenschaftlichen Betrug" aus

  27. Christian Unsittlich | Permalink

    David kein Betreff 23.06.2011 | 20:19

    "Ich frage mich, wie groß der Einfluß von Lepsius[`] Zug auf die Rücktrittsentscheidung war." Wenn Sie dessen Aussage bzgl. Betrüger meinen, gleich Null, da eben diese ca. eine Woche (26.02.11) VOR KTs Rücktrittser-erklärung (01.03.) geäußert wurde.

    L.s zwischenmenschliche Fähigkeiten sind nach meinen Erfahrungen nicht besonders ausgeprägt; sein Kommentar, er würde einen Studenten, der ein solches Werk abgäbe, "auslachen", zeigt seine Unsicherheit oder Engstirnigkeit eigentlich ganz deutlich. Gut möglich, daß er immernoch alleine mensen geht - auch das zeigt eigentlich alles...

  28. David | Permalink


    Wenn Sie dessen Aussage bzgl. Betrüger meinen, gleich Null, da eben diese ca. eine Woche (26.02.11) VOR KTs Rücktrittser-erklärung (01.03.) geäußert wurde.

    Das verstehe ich nicht ganz - mir war das bekannt, und es ist ja auch vermutlich eine notwendige Bedingung für einen möglichen Einfluß auf die Rücktrittsentscheidung. Sonst hätte sie ja die Vergangenheit beeinflussen müssen.

  29. David Marjanović | Permalink

    Dieser Artikel und die Petition sind inzwischen weit gekommen, z. B. auf www.scienceblogs.de und auf scienceblogs.com/pharyngula – daher die drastische Zunahme an Unterschriften.

    Vielleicht sollte man jedem akademischen Grad (z.B. „Dr.“), den man mit dem Namen führen kann, einen „Unehrentitel“ an die Seite stellen, den man führen muss, wenn einem ersterer aberkannt worden ist.

    Gute Idee.

    die Qualifikation "wissenschaftliche" würde ich an dieser Stelle streichen

    "überführte Betrügerin" reicht auch, oder einfach "Betrügerin"

    wer Wissenschaft ernst nimmt, schließt "wissenschaftlichen Betrug" aus

    Stimme zu. Es klingt sonst, as wäre Betrug in der Wissenschaft kein richtiger Betrug.

  30. Olfert ten Doornkaat | Permalink

    Abgeschrieben wurde doch schon immer

    Ob in der Schule bei der Klassenarbeit oder sonstwo. Trittbrettfahrer sage ich zu dazu. Wer sich mit fremden Federn schmückt... Eigene Worte zu formulieren ist ja auch schwer genug. Sich selber auf die Hosentaschen zu setzen liegt nicht jedem. Die riechen lieber an ihnen. Das geschieht unseren Büttenrednern ganz recht. So ist es auch kein Wunder, daß ihnen die Wähler davonlaufen oder daß die Beteiligung an Wahlen immer weiter sinkt.

  31. Jürgen Keilhauer | Permalink

    Das Ende der Lügen

    Lieber Herr Stefanowitsch,

    ich stimme Ihren Aussagen voll und ganz zu. Wer unethisch und betrügerisch handelt, muss die Konsequenzen tragen.
    Frau Koch-Mehrin sollte deshalb nicht
    im Forschungsausschuss der EU sein.
    Allerdings werfen die Plagiate auch ein
    äußerst schlechtes Licht auf den Wissenschaftsbetrieb in Deutschland.
    An unseren Massenuniverstäten werden von Studenten, Diplomanden und Doktaranden unüberschaubar viele Arbeiten über alle
    möglichen Themen verfasst. Vielfach haben die Professoren oder ihre wissenschaftlichen Mitarbeiter, die den Stundenten oft nur wenige Semester voraus sind, über eine Vielzahl von unterschiedlichsten Arbeiten
    zu entscheiden. Haben die Professoren
    und ihre akademischen Stäbe wirklich immer die Zeit, die Lust und das Wissen, um alle diese Arbeiten intensiv zu lesen,
    zu korrigieren und entsprechend vernünftige Bewertungen abzugeben? Ich glaube es eher nicht. Weiterhin sind akadmeische Abschlüsse meines Erachtens
    extrem relativ und sagen nicht mehr allzu viel über die Qualität derer aus, die sie machen. Zum einen gibt es unterschiedliche Studienrichtungen mit
    völlig verschiedenen Anforderungen an
    die Bewerber. Während ein Doktortitel der Ingenieur- oder Naturwissenschaften häufig fundierte mathematische Kenntnisse voraussetzt, lassen sich zum Beispiel Doktorarbeiten in den Geistes-wissenschaften von erfahrenen Autoren und Journalisten in einer überschaubaren Zeit niederschreiben. Bei 30.000 Professoren gibt es auch bezüglich der individuellen Ansprüche an wissenschaft-
    liche Arbeiten extrem unterschiedliche Erwartungen. Eine Doktorarbeit, die ein
    Professor mit der Note "mangelhaft" be-
    wertet, ist für einen anderen Professor
    vielleicht "befriedigend". Insbesondere für die Geisteswissenschaften frage ich mich deshalb, ob nicht die Ideologie des jeweiligen Lehrstuhls mindestens genauso
    bedeutend für die akademische Qualifizierung eines abhängigen Stundenten ist, wie seine Fähigkeit zum logischen Denken, Schlußfolgern und analytischem Arbeiten. Und schließlich sind Seminar-, Diplom- und Doktorarbei-
    ten Hausarbeiten, bei denen nie hundert-
    prozentig davon ausgegangen werden
    kann, dass sie der Verfasser selbst ge-
    schrieben hat.
    Zusammenfassend ist also das Plagieren nur eine von vielen Schwachstellen unseres wissenschaftlichen Systems. Es ist damit in vielen Punkten widersprüch-lich und ideologisch. Die Wissenschaftler, die sich nach der Causa
    Guttenberg empört an die Kanzlerin wandten, um gegen den Mißbrauch zu pro-
    testieren, sollten auch vor ihrer eigenen Haustüre kehren.

  32. B.K. | Permalink

    Internet und auch nicht

    Was ich interessant finde: Obwohl zwar die Recherche/Aufdeckung in der Cloud des Internet stattfindet, findet das Berichten darüber wieder durch die klassischen Medien statt.
    Also wenn diese solche Themen nicht aufgreifen, erfährt keiner davon.

  33. David Marjanovic | Permalink


    Zusammenfassend ist also das Plagieren nur eine von vielen Schwachstellen unseres wissenschaftlichen Systems. Es ist damit in vielen Punkten widersprüch-lich und ideologisch. Die Wissenschaftler, die sich nach der Causa
    Guttenberg empört an die Kanzlerin wandten, um gegen den Mißbrauch zu pro-
    testieren, sollten auch vor ihrer eigenen Haustüre kehren.

    Die Probleme, die Sie einzeln ansprechen, kommen aber großteils von fehlendem Internetzugang/fehlender Plagiatsdetektionssoftware (sind also historisch) oder von fehlender Finanzierung für die Universitäten. Daran sind WissenschaftlerInnen nicht selber schuld.

  34. Gregor | Permalink

    Vorschlag

    Die Frage, wie so ein Shitstorm denn azussehen muß, um in Brüssel einen Wald umzuknicken, hat sich auch mir bei der Lektüre gestellt. Spontan fällt mir ein, diese Frage auch in anderen EU-Ländern zu thematisieren, zum Beispiel über eine Pressekonferenz oder eine Pressereklärung, die sich gezielt an ausländische Medien richtet. Diese Initiative müsste dann aber von einer mehr oder weniger etablierten Wissenschaftsorganisation oder von "Schwergewichten" kommen, nicht von einer ad hoc gebildeten Doktoranden-Gruppe. Mir fehlt es allerdings an Kenntnis aus der Szene, um beurteilen zu können, ob das für Europaabgeordnete unangenehnm werden könnte.

  35. Susanne U. Vogl | Permalink

    Das Ende der Lügen - Meineid?

    Irre ich mich oder muß der Aspirant bei Abgabe der Doktorarbeit eidesstattlich versichern, daß er sich an die "Spielregeln" gehalten hat? Dann haben die Damen und Herren Prominenz einen Meineid geleistet. Sollte ich das StGB richtig im Kopf haben, ist dieser Tatbestand strafbewehrt.
    Eine Anzeige könnte hier erzieherischen Charakter haben.

  36. Jens Jacobsen | Permalink

    kollaborativ

    Etwas weg vom Thema: Sie schreiben von der "kollaborativen Öffentlichkeit". Das Wort "kollabrorativ" fällt mir seit ein paar Monaten auf. Ich finde es spannend, was mit diesem Wort passiert. Es gibt es ja nun schon länger, aber ich habe das Gefühl, es wird zunehmend häufiger benutzt, weil in englischen Beschreibungen von Funktionen von Software und Webdiensten immer von "collaboration" die Rede ist. Als Substantiv funktioniert "Zusammenarbeit" meiner Meinung nach besser als (das gefühlt nur halb übersetzte) "Kollaboration" - letzteres hat bei mir immer die ungute Konnotation der Kollaboration mit dem Nazi-Regime. Und beim Verb geht es mir ebenso. "kollaborieren" kommt mir albern vor, "zusammenarbeiten" ist doch das Gleiche. Oder nicht?
    Aber bei den Adjektiven wird es aber schwierig, wie auch in Ihrer Wendung: die "zusammenarbeitende Öffentlichkeit" geht ja nicht. Man bräuchte also einen Relativsatz. Oder?
    Und teilen Sie meine Hemmung, das Wort als Hauptwort/Verb einzusetzen?

×

Die Kommentarmöglichkeit ist deaktiviert.