Kirche unterm Hakenkreuz
von Edgar Dahl, 23. August 2011, 13:47
In der am 19. Oktober 1945 in Stuttgart verlesenen „Schulderklärung der evangelischen Christenheit Deutschlands“ heißt es:
„Wohl haben wir lange Jahre hindurch im Namen Jesu Christi gegen den Geist gekämpft, der im nationalsozialistischen Gewaltregiment seinen furchtbaren Ausdruck gefunden hat; aber wir klagen uns an, daß wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.“
Zweifellos gab es viele evangelische Christen, die den nationalsozialistischen Geist bekämpft haben. Allerdings müssen sie sich in diesem Kampf recht allein gefühlt haben. Denn anders als uns das „Stuttgarter Schuldbekenntnis“ Glauben zu machen sucht, haben sie nur wenig Unterstützung von der Evangelischen Kirche Deutschlands erhalten. Wie ein Blick auf die öffentlichen Verlautbarungen zeigt, haben die damaligen Landeskirchen, Bischöfe und Kirchenräte das Dritte Reich eher gestützt als bekämpft.
Schon unmittelbar nach der Machtergreifung Hitlers am 30. Januar 1933 rief das Amtsblatt der Kirchenprovinz Sachsen seine Pfarrer dazu auf, des Geburtstages des Führers zu gedenken und ihre Kirchen feierlich zu schmücken.
Den gegenüber dem neuen Regime noch vorsichtigen Kirchgemeinden rief Das Amtsblatt der Braunschweigischen Landeskirche am 5. Mai 1933 entgegen: „Nun, deutsche evangelische Christenheit, nun tritt nicht zögernd, sondern freudig und kraftvoll auf den Plan auch mit deinem ‚Deutschland erwache!’“
Anlässlich der Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933 ermunterte Das Evangelische Deutschland seine Gemeinden dazu, tatkräftig zu helfen: „Nicht allein auf die symbolische Handlung des Verbrennens kommt es an. Eine gründliche Bereinigung des Schrifttums muß erfolgen. Wer wollte diese Arbeit nicht unterstützen, wer wollte dabei nicht selber anpacken?“
Um ihren Gemeinden die Auswahl der zu verbrennden Bücher zu erleichtern, wurde eine „Reichsschundkampfstelle der evangelische Jungmännerbünde“ mit Sitz in der Berliner Sophienstr. 19 gegründet. Dort konnte man kostenlos „Material zur Schund- und Schmutzbekämpfung“ anfordern.
Am 11. September 1933 erließ die Lippische Landeskirche eine neue „Grußordnung“, die alle Angestellten zum Hitlergruß verpflichtete. Im Gesetz- und Verordnungsblatt der Lippischen Landeskirche hieß es: „Für die Lippische Landeskirche ordnen wir hiermit folgendes an: Sämtliche Pfarrer, Beamte, Angestellte der Landeskirche sowie der Kirchengemeinden grüßen im Dienst und innerhalb der dienstlichen Gebäude und Anlagen durch Erheben des rechten Armes.“
In einem ähnlichen Akt vorauseilenden Gehorsams erließ die Thüringische Landeskirche am 12. September 1933, also bereits zwei Jahre vor dem Erlass der Nürnberger Rassengesetze, eine Verordnung zum Ausschluss von „nichtarischen“ Pfarrern. In Paragraph 1 des im Thüringer Kirchenblatt veröffentlichten „Gesetzes über die Stellung der kirchlichen Amtsträger zur Nation“ hieß es: „Nicht berufen werden darf, wer nichtarischer Abstammung oder wer mit einer Person nichtarischer Abstammung verheiratet ist.“
Am 28. Januar 1934, also kurz vor dem ersten Jahrestag der Machtergreifung Hitlers schrieb Das Evangelische Deutschland: „Am 30. Januar jährt sich zum erstenmal der historische Tag, an dem Adolf Hitler vom Reichspräsidenten mit der Führung des deutschen Volkes betraut wurde. Dankerfüllt blickt die Nation auf dies Ereignis und auf die damit eingeleitete Wendung des deutschen Schicksals zurück: eine neue Epoche deutscher Geschichte nahm ihren Anfang, und die Taten dieses Jahres haben bestätigt, was damals das Volk erhoffte. Der Dank des Volkes ist auch der Dank der Kirche.“
Als Hitler das Saarland „heim ins Reich“ holte, hieß es in der Allgemeinen Evangelisch-Lutherischen Kirchenzeitung vom 25. Januar 1935: „Der Landeskirchenrat der Evang.-Luth. Kirche in Bayern entbietet dem Führer und Kanzler zur Heimkehr der Saar die ehrerbietigsten Grüße und spricht ihm die herzlichsten Glückwünsche zu diesem großen und unter Gottes Führung errungenen Erfolg aus.“
Angesichts der bevorstehenden Reichstagswahl von 1936 verkündete der Kirchliche Anzeiger am 11. März: „Die schlichte Pflicht der Dankbarkeit gegen Gott und die persönliche Verantwortung für Deutschland, dem in Nacht und Not durch Gottes Gnade ein wirklicher Führer zu neuem Aufstieg, zu Freiheit und Ehre geschenkt wurde, gebietet jedem wahlberechtigten deutschen Mann und jeder deutschen Frau, ihre Schuldigkeit zu tun. Vor der ganzen Welt gilt es, freudiges Zeugnis abzulegen, daß Adolf Hitler Deutschland ist und Deutschland Adolf Hitler.“
Am 4. Juli 1936 berichtete die Kölnische Volkszeitung von Bischof Hermann Wilhelm Bernings Besuch in den Emslander Konzentrationslagern: „Der Besuch erfolgte auf Einladung des Kommandeurs, Standartenführer Schäfer, der den Gast mit seiner Begleitung mit herzlichen Worten willkommen hieß. In einer Ansprache an die Wachmänner, die er zu einem Glase Bier eingeladen hatte, drückte Bischof Berning seine große Befriedigung über die im Emsland durch das Dritte Reich geleistete Kulturarbeit aus. Zum Schluß seiner Ansprache brachte er ein dreifaches Sieg-Heil auf Führer und Vaterland aus.“
Am 14. März 1938 schrieb der Kirchliche Anzeiger über Österreichs „Heimkehr ins Reich“: „Wir stehen unter dem überwältigenden Eindruck einer der größten Stunden unserer deutschen Geschichte. Der österreichische Bruderstamm hat heimgefunden zum Reich. Sichtbar hat der allmächtige Gott das Werk des Führers gesegnet.“
Angesichts der Wundertaten des Führers entschloss sich die Evangelische Kirche der altpreußische Union dazu, ihre Geistlichen auf den Führer zu vereidigen. Am 23. April 1938 verkündete sie im Gesetzblatt der Deutschen Evangelischen Kirche ihre neue Verordnung: „§ 1 Wer ein geistliches Amt in der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union erhält, hat seine Treuepflicht gegenüber Führer, Volk und Reich durch folgenden Eid zu bekräftigen: ‚Ich schwöre: Ich werde dem Führer des Deutschen Reichs und Volkes, Adolf Hitler, treu und gehorsam sein, so wahr mir Gott helfe.’ […] § 4 Wer sich weigert, den in § 1 vorgeschriebenen Treueid zu leisten, ist zu entlassen.“
Anlässlich der Rückkehr des Sudetenlandes hieß es am 5. Oktober 1938 in der Deutsch Evangelischen Korrespondenz: „Der Evangelische Bund, der seit Jahrzehnten mit den sudetendeutschen evangelischen Gemeinden Kampf und Sorge geteilt hat, dankt in unbeschreiblicher Freude dem Führer, daß er durch seine unerbittliche Entschlossenheit die Stunde der Freiheit für unsere Volks- und Glaubensbrüder heraufgeführt hat.“
Als im darauf folgenden Jahr auch das Memellland ins Reich zurück kehrte, hieß es in der Kirchlichen Rundschau für das Gesamtgebiet der Evangelischen Kirche Deutschlands vom 26. März 1939: „Nach zwei Jahrzehnten schmerzlichen und leidvollen Geschiedenseins ist das alte deutsche Ordensland wieder Glied des Deutschen Reiches! Das kraftvolle Handeln des Führers hat es uns wiedergeschenkt.“
Nach der Besetzung der Tschechei und vor Hitlers 50. Geburtstag schrieb Das Evangelische Deutschland am 16. April 1939: „Wenn der Führer des Deutschen Reiches – unser Führer, wie wir jetzt mit Stolz sagen dürfen – zum 50. Geburtstag viele Geschenke wird zugesandt erhalten, so soll unser Geschenk das sein, daß wir zu jenen Zehntausenden gehören wollen, auf welche er in der großen Ansprache im Reichstag am 30. Januar hingewiesen hat, denn wir denken immer des Geschenkes, das er uns gemacht hat durch die Übernahme des Böhmisch-Mährischen Protektorates in seinen mächtigen Schutz.“
Selbst nach dem Überfall auf Polen hat sich die Kirche hinter das Dritte Reich gestellt. Im Gesetzblatt der Deutschen Evangelischen Kirche vom 6. September 1939 erschien ein „Aufruf der Deutschen Evangelischen Kirche“, in dem es hieß: „Seit dem gestrigen Tage steht unser deutsches Volk im Kampf für das Land seiner Väter, damit deutsches Blut zu deutschem Blut heimkehren darf. Die Deutsche Evangelische Kirche stand immer in treuer Verbundenheit zum Schicksal des deutschen Volkes. Zu den Waffen aus Stahl hat sie unüberwindliche Kräfte aus dem Worte Gottes gereicht. So vereinigen wir uns auch in dieser Stunde mit unserem Volk mit der Fürbitte für Führer und Reich, für die gesamte Wehrmacht und alle, die in der Heimat ihren Dienst für das Vaterland tun.“
Gleich nach der Niederwerfung Polens schrieb das Kirchliche Amtblatt für die Freie Stadt Danzig: „Gott der Herr hat über unserer herrlichen deutschen Stadt und unserem Danziger Lande seine Güte und Gnade walten lassen und uns nach zwanzigjähriger Abtrennung vom Deutschen Reich die Heimkehr zum Großdeutschen Vaterland gewährt. Der von Gott unserem Volke gesandte Führer Adolf Hitler hat uns von den Fesseln des Versailler Diktats befreit und mit dem starken Arm der von ihm geschmiedeten Wehrmacht aus den drohenden Gefahren polnischer Gewalttaten erlöst.“
Als das von Georg Elser am 8. November 1939 durchgeführte Attentat auf Hitler scheiterte, schrieb Der Evangelische Bund unter der Überschrift „Nun danket alle Gott!“: „Voller Empörung über den verbrecherischen Anschlag danken wir Gott für die Bewahrung des Führers und bitten um weiteren Schutz und Segen.“
Ähnliche Worte konnte man auch nach dem Attentatsversuch durch Claus Schenk Graf von Stauffenberg vom 20. Juli 1944 lesen. So hieß es etwa im Kirchlichen Amtsblatt der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers am 21. Juli 1944: „Tieferschüttert von den heutigen Nachrichten über das auf den Führer verübte Attentat ordnen wir hierdurch an, daß am Sonntag, den 30. Juli im Kirchengebet der Gemeinde etwa in folgender Form gedacht wird:
‚Heiliger barmherziger Gott! Von Grund unseres Herzens danken wir Dir, daß Du unserm Führer bei dem verbrecherischen Anschlag Leben und Gesundheit bewahrt und ihn unserem Volk in einer Stunde höchster Gefahr erhalten hast.’“
Und selbst kurz vor Ende des Krieges bekräftigte die Thüringer Evangelische Kirche noch einmal: „Adolf Hitler ist für unsere lutherische Frömmigkeit wahrhaft der Führer von Gottes Gnaden. Sein Auftrag ist unmittelbar von Gott und sein Befehl ist Gottes Befehl!“
So sah also der Kampf gegen den nationalsozialistischen Geist aus, den die Evangelische Kirche Deutschlands im Dritten Reich geführt hat.
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Wie gingen evangelische Gegner dieser Position damit um, die es ja gegeben haben muss.
Gab es Austritte oder Proteste?
Zu dem Thema gibt es ja auch div. Bücher. So eine Zusammenfassung ist aber sehr gut.
Das sollte man auch mal für die Katholen tun. Die waren noch schlimmer.
Lasst uns die Geschichte richtig stellen, wo sie verfälscht werden soll.
Wir brauchen like-buttons wie auf FB:
@Edgar:
"Like"
like (as ED)
und ...
Ich warte dann auf Ihre Geschichte der Medizin, der Psychiatrie, der Naturwissenschaftlichen Fachgesellschaften, besonders der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Dritten Reich, und und und ...
... ein bitteres Thema, gerade für die Intellektuellen (vgl. Heidegger, der sich wohl nicht als Christ verstand)
Ist es nicht so: Wer edle Motive hat, kann bei ihnen am ehesten am Schlawittchen gepackt und dann geschickt zu fast allen möglichen Taten manipuliert werden (bzw. er lässt sich dahin gehend manipulieren, dissoziativ, von höheren Kräften getrieben): Tugendliebe, Vaterlandsliebe, der Schutz der eigenen Familie/Kinder, das christliche Europa, medizinisches Wissen im Dienste zukünftiger Generationen, usw.
Um die Frage noch komplizierter zu machen: Ist es nicht leicht, heute aus der Rückschau z.B. die Geschwister Scholl (die evangelische Christen waren) für Helden zu halten, während die meisten von uns heute doch vermutlich ganz anders über sie dächten, wenn die Geschichte 1945 anders ausgegangen und Europa nationalsozialistisch geworden wäre? Können wir für uns die Hand ins Feuer legen??
Wenn die Christen doch Christen wären ...
Nicht vergessen, dass es auch die "Bekennende Kirche" gab, deren Mitglieder sich dann aber nur noch geheim treffen konnten, und von denen einige in KZs gestorben sind.
Ich empfehle das Buch "Jenseits von Gut und Böse" von Michael Schmidt-Salomon.
Er löst die sich hier ankündigende Diskussion sehr gut auf.
Nach der Lektüre des Buches ist die Diskussion hier einen Schritt weiter und man kann gleich die Frage stellen:
Warum stellt sich die Kirche als moralische Instanz dar?...
für den fall, dass ich nciht deutlich genug bin:
"warum verteidigen priester jeden sonntag regeln, die für ein wüstenvolk von vor 5000 Jahren für Menschen und von menschen geschrieben wurden, um dann diesem konservatismus eine nazibinde anzuziehen. warum soll ich diesen traditionalismus dulden, wenn er offensichtlich nichts bringt, wenn es hart auf hart kommt."
wenn solche parolen von etablierten sogenannten moralischen instanzen kommen, ist die kirche keine moralische instanz in einem traditionalistischen sinne sondern ein dämpfer oder gleichschalter. man könnte auch sagen opium fürs volk
Hat die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft ebenfalls behauptet, "lange Jahre hindurch gegen den Geist gekämpft zu haben, der im nationalsozialistischen Gewaltregiment seinen furchtbaren Ausdruck gefunden hat"?
Was mich persönlich am meisten stört, ist nämlich die Heuchelei der EKD, wie sie im Stuttgarter Schuldbekenntnis zum Ausdruck kommt.
"So sah also der Kampf gegen den nationalsozialistischen Geist aus, den die Evangelische Kirche Deutschlands im Dritten Reich geführt hat."
Hier werden zwei Dinge durcheinander geworfen: Veröffentlichungen einiger kirchlicher Stellen in der Zeit des Nationalsozialismus und das Schuldbekenntnis, das gerade NICHT von den Verfassern dieser Pressestimmen stammt, sondern von Männern verfasst wurde, die im Kirchenkampf aktiv waren (Niemöller saß im KZ!) und auch von solchen Männern unterzeichnet (eine oberflächliche Recherche auf Wikipedia nennt lediglich für Rudolf Smend keine Aktivität im Kirchenkampf, Niesel hat keinen Artikel).
Wenn die EKD (die nicht mit der DEK des 3. Reichs verwechselt werden sollte!) sich das Schuldbekenntis zu eigen macht, dann stellt sie sich bewußt in die Tradition der Bekennenden Kirche und gerade nicht in die Tradition derer, die Hitler bei jeder Gelegenheit umjubelten.
Da sie (die EKD) eine Neugründung nach dem Krieg ist, ist es mindestens fragwürdig, sie mit Kirchenstrukturen der Kriegszeit über eien Kamm zu scheren, vor allem wenn es um Strukturen geht, in deren Tradition sie sich gerade nicht stellt.
So gesehen ist der letzte Satz des Artikels, den ich oben zitiert habe, nichts als billige Polemik.
Wie passt http://www.spiegel.de/...and/0,1518,781429,00.html
dazu?
Auszug:
Darin findet sich ein Schreiben des Linzer Superintendenten Wilhelm Mensing-Braun an das kirchliche Außenamt in Frankfurt am Main. Der Superintendent bescheinigte dem im österreichischen Linz aufgewachsenen Massenmörder Eichmann eine "grundanständige Gesinnung" , ein "gütiges Herz" und "große Hilfsbereitschaft".
Ist das atheistische krichenfeindliche Propaganda oder nur ein "Irrtum"?
Sich _nach_ dem 3. Reich auf die Seite des Widerstandes zu stellen ist einfach und ggf. nichts als eine PR Masche.
Man denke nur an das rumgeeiere bzgl. Judenmission der EKD.
Die klarste mir bekannte Aussage der EKD und nicht nur irgendwelcher Landeskirchen dazu war 2000:
"Judenmission - sofern man darunter eine planmäßig durchgeführte, personell und institutionell organisierte Aktivität von Christen mit dem Ziel der Verbreitung christlichen Glaubens unter jüdischen Menschen versteht - gehört heute nicht mehr zu den von der Evangelischen Kirche in Deutschland und ihren Gliedkirchen betriebenen oder gar geförderten Arbeitsfeldern."
Das das konkret in einzelnen Landeskirchen anders aussehn kann, da die EKD das ja nur nicht "fördert" ist dabei wohl egal. Und mit der "Judenmission" hat Antijudaismus leicht.
Mir fehlt auch eine offizielle Distanzierung der EKD von diversen Lutherschriften, oder habe ich die übersehen?
Das "Stuttgarter Schuldbekenntnis" ist NICHT die persönliche Schulderklärung der Unterzeichner der neu gegründeten EKD. Es ist die "Schulderklärung der Evangelischen CHRISTENHEIT Deutschlands"!
PS: Zur politischen Einstellung der Unterzeichner kann ich gerne noch etwas nachreichen.
"Wie passt http://www.spiegel.de/...and/0,1518,781429,00.html
dazu?"
Im Zweifel gar nicht. Mir wird allerdings auch nicht ganz klar aus dem Artikel, was da gelaufen ist. Ein Superintendent aus Linz hat an die EKD geschrieben und der zuständige Mensch im kirchlichen Außenamt hat das an ne staatliche Stelle weitergeleitet mit dem Vermekt "sehr interessant". Worauf sich das bezieht erschließt sich mir nicht, aber nehmen wir einal das Schlimmste an, daß der Mensch in Frankfurt gestandener Nazi und glühender Verehrer Eichmanns war. Was bedeutet das für die EKD?
Daß sie bei der Einstellung Mist gebaut hat. Kann man daraus ableiten, daß der ganze Laden aus Nazis besteht? Ich meine nicht.
"Sich _nach_ dem 3. Reich auf die Seite des Widerstandes zu stellen ist einfach und ggf. nichts als eine PR Masche."
Stimmt, aber lies Dir dat Janze nochmal durch. Niemöller, Asmussen, Heinemann etc haben sich nicht nach dem 3. Reich auf die Seite des Widerstandes gestellt, sondern waren während dem 3. Reich im Widerstand tätig.
"Die klarste mir bekannte Aussage der EKD und nicht nur irgendwelcher Landeskirchen dazu war 2000"
Was hat Judenmission mit dem Thema zu tun?
Und wieso "nr" Landeskirchen. Die Landeskirchen sind der EKD nicht nachgeordnet, sondern stehen über dieser. Landeskirchen sind nicht an die EKD gebunden, die EKD setzt sich aber aus den Landeskirchen zusammen.
"Mir fehlt auch eine offizielle Distanzierung der EKD von diversen Lutherschriften, oder habe ich die übersehen?"
Ich glaube nicht. Diese Differenzierung gibt es wohl genau so wenig wie die Differenzierung der Freimaurer von den Verbrechen der Kreuzritter.
Will sagen: Die EKD besteht nicht nur aus lutherischen Kirchen. Wieso sollte sie sich also in besonderer Weise mit Luthers Schriften im Einzelnen auseinandersetzen? Luther war ein Theologe wie viele andere auch. Soll die EKD jetzt zu jedem Proseminar eines Theologiestudenten eie Äußerung veröffentlichen?
Aber bevor Du Dich zu sehr aufregst: Die EKD hat sich durchaus zu den Themen Antijudaismus etc geäußert. Hast es ja selbst zitiert.
@Edgar Dahl
Politische Einstellung? Da würde wohl Dibelius passen mit seiner Äußerung, sich in der DDR nicht einmal an eine Geschindigkeitsbegrenzung halten zu wollen...
Die politische Einstellung hat aber mit dem Schuldbekenntnis wenig zu tun.
Zur "Schulderklärung der Evangelischen Christenheit":
Würdest Du soweit gehen zu behaupten, daß es innerhalb der evangelischen Christenheit gar keinen Widerstand gegen Hitler gab? Denn nur dann könnte man das "wir" der Erklärung kritisieren, wenn gar kein Widerstand stattgefunden hätte.
Es gab solche, die Widerstand leisteten, und es gab die große Anzahl derer, die es nicht taten oder Hitler mit Freude nachliefen.
Ein protestantisches "wir" kann weder aus den Niemöllers allein bestehen noch aus den Althauses. Nimmt man sie aber alle zusammen, dann ist doch ein Teil da, der Widerstand geleistet hat, und wenn dann die Christenheit gesamt sagt "wir haben nicht genug gekämpft", dann stimmt das insofern, als daß es eben nicht nur die eine von Dir dargestellte Seite gab.
Daß das Stuttgarter Schuldbekenntnis darüber hinaus noch ein Konsenspapier war, das von interessierten Kreisen aufgeweicht wurde, sollte klar sein. Trotzdem sieht es so aus, als wäre es damals scharf genug formuliert gewesen, um viel Widerspruch zu provozieren.
Der hsitorische Kontext läßt also nicht au eine Marketingaktion schließen.
Bereits im zweiten Satz dieses Artikels sage ich ausdrücklich: "Zweifellos gab es viele evangelische Christen, die den nationalsozialistischen Geist bekämpft haben." Und füge dann hinzu: "Allerdings müssen sie sich in diesem Kampf recht allein gefühlt haben. Denn anders als uns das 'Stuttgarter Schuldbekenntnis' Glauben zu machen sucht, haben sie nur wenig Unterstützung von der Evangelischen Kirche Deutschlands erhalten. Wie ein Blick auf die öffentlichen Verlautbarungen zeigt, haben die damaligen Landeskirchen, Bischöfe und Kirchenräte das Dritte Reich eher gestützt als bekämpft."
Ich leugne also keineswegs, dass eine Vielzahl evangelischer Christen gegen das Dritte Reich gekämpft hat.
Ich werfe den Evangelischen Kirchen Deutschlands nicht einmal vor, dass sie Hitler unterstützt und seine Revisionen des Versailler Vertrages begrüßt haben.
Ja, ich gebe ihnen noch nicht einmal eine "Mitschuld" an den Verbrechen des Dritten Reiches.
Das einzige, was ich kritisiere, ist die Heuchelei. Mann kann die Politik des NS-Staates nicht über Jahre hinweg stützen und dann plötzlich behaupten, seit Jahren gegen den nationalsozialistischen Geist gekämpft zu haben.
Ich möchte mich das Edgar Dahl anschliessen.
Sicherlich gab es evangelische im Widerstand .. aber was macht dann ein "wir" daraus?
Die EKD war eine Neugründung und darf sich ggf. dann auf die "bekennenden Christen" berufen?!
Darf sie das? Warum sind dann die entsprechden Beschlüsse so schwach ausgefallen, dass sie eher wie eine Alibi Erklärung wirken?
Wenn die Landeskirchen der EKD nicht untergeordnet sind, welche Bedeutung haben dann die "tollen" Aussagen der EKD, teilweise fast 60 Jahre zu spät, wenn lokal eh jeder Priester machen kann was er will und ihn die EKD dabei ggf. nur nicht unterstützt?
Natürlich sind nicht alle Christen Nazis gewesen, aber im Widerstand war längst nicht die Mehrheit, eher eine klitzekleine Minderheit. Wie kann man versucht sein so zu tun, als ob das 3.Reich grundsätzlich gegen die Christen (egal ob RKK oder anders) funktioniert hätte? Im Gegenteil es hat "mit" den Christen funktioniert.
Das mit der "Judenmission" habe ich gebracht, weil das ein Ausdruck des Antijudaismus ist und es die EKD bis heute nicht geschaft hat sich deutlich davon zu distanzieren, auch wenn es dann praktisch keine Bedeutung hätte.
Was (auch aus meiner eigenen innerkirchlichen Sicht) bleibt, ist, dass die Kirche sich spätestens seit dem 3. Reich nicht mehr als "moralische Instanz" aufspielen kann. Ich glaube, dass das moralische Versagen ein bis heute andauernder Schock in der Kirche ist: eine Ratlosigkeit, eine Scham. Die katholische Kirche erlebt derzeit (nochmals) ähnliches im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal.
Hier legt Edgar Dahl die Finger in die Wunde - und da gibt es historisch nichts schönzureden, und es ist auch etwas Grundlegendes passiert, das sich nicht per Entschuldigung wieder herstellen lässt. Es ist auf jeden Fall eine Krise "moralischer Instanzen" eingetreten, und wohl auch eine Krise der Moral: Wenn "anständige Deutsche" zu so etwas in der Lage sind - dann sind wir doch vor uns selbst nicht mehr sicher! Dann wissen wir doch gar nichts über unsere eigene moralische Substanz in Krisensituationen! Bildung, Glaube, was auch immer - haben keinen Schutz vor dem Versagen geboten. Was aber dann? Was hat die wenigen angetrieben, die ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, die wir heute aus sicherer Entfernung für ihren Widerstand ehren?
Meines Erachtens ist das der wahre und eigentlich von Jesus geforderte Glaube: Glaube an die Würde eines jeden Menschen, Glaube an Gutes im Menschen, Glaube der sich traut eine andere Person wirklich zu lieben. Dieser Glaube wird von wenigen gelebt, aber definitiv hält er sich nicht an Kirchen- und Bekenntnisgrenzen. Mit Religion hat er spezifisch m.E. **überhaupt nichts** zu tun: Jesus fand Religiösität und Frömmigkeit (vor allem öffentlich zelebrierte) eher abträglich für diesen Glauben, um den es eigentlich geht (vgl. z.B. barmherziger Samariter, der als einziger hilft, während die Priester/Leviten achtlos vorüber eilen, u.v.a.). Man liest bei Jesus auch nur eine knappe Anweisung für ein kurzes Gebet; das wars in Punkto "Spiritualität" und "Frömmigkeit", insbesondere für den öffentlichen Raum. Eigenartig, gerade aus ihm einen "Religionsgründer" zu machen ...
Nochmals: die Kirche steht *im Dienst dieses Glaubens*, hat nur in diesem Dienst überhaupt ein Existenzrecht, aber sie besitzt nicht diesen Glauben und hat ihn nicht gepachtet. Wenn ihre Religion und ihre Bekenntnisse und ihre Theologie dem Verständnis dieses einfachen Glaubens im Wege stehen, dann ist das in höchstem Maße kontraproduktiv. In der Kirche zu sein, bedeutet noch lange nicht, diesen geforderten Glauben zu leben. Dem Glauben dienen kann die Kirche nur glaubhaft, wenn sie ihn auch glaubhaft lebt - woran es oft hapert. Die Kirche hat **alle** Menschen zu unterstützen, die diesen Glauben an Menschlichkeit in schweren Zeiten und unter lebensbedrohlichen Bedingungen bewähren.
Es geht in punkto Glaube absolut nicht um "Recht haben" oder "die richtige Weltanschauung besitzen"! Das Richtige tun, pragmatisch, aufmerksam, auch wenn es die eigenen Pläne stört - darum geht es. - Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der diesen Glauben zu leben versucht, die Lust verspürt, sich über andere als moralische Instanz aufzuspielen; da sind ganz andere Kräfte am Werk.
Ihr Verständnis von Jesus kann ich nicht ganz teilen - die Idee dahinter schon.
Aber gibt es im NT nicht auch einige Texte von/über Jesus, die so gar nicht dazu passen?
Man denke nur an seine Handgreiflichkeiten im Tempel oder diverse Sprüche von "Mühlstein um den Hals hängen" oder "erschlagt sie vor mit" etc. Oder das dauernde Gerede von der Hölle mit ewigen Qualen usw. ?
Man darf nicht vergessen, die christliche "Hölle" hat Jesus in die Bibel gebracht, die ist im AT so nicht vorhanden.
Sicherlich kann das alles symbolisch gemeint sein, aber ist das dann ein Bild der Liebe?
Da habe ich ein anderes Verständnis von "Liebe" - sorry.
"Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der diesen Glauben zu leben versucht, die Lust verspürt, sich über andere als moralische Instanz aufzuspielen; da sind ganz andere Kräfte am Werk."
Aber genau das hat Jesus doch des öftern im NT gemacht.
"man sagte euch .. aber ICH sage euch ..."
Was ist das sonst?
Wo besteht denn der Unterschied zwischen den Androhungen Jesu und den Bildchen von schrecklichen Lungenkrebsfolgen, die in den USA auf die Zigarettenschachteln gesetzt werden? Ja, es sind wirklich Drohungen, allerdings Drohungen mit dem einzigen und alleinigen Ziel zu retten, nicht zu verdammen. Und in beiden Fällen wird lediglich gefordert seinen Verstand zu benutzen um die Folgen abwehren zu können.
Am Stuttgarter Schuldbekenntnis lässt sich vielerlei kritisieren. Auch einiges, das hier bis jetzt nicht genannt oder bemerkt wurde. Nun, sie markiert den Anfang eines Lernprozesses, der seinesgleichen in entsprechenden anderen Institutionen vergeblich sucht. (Hoppe wies darauf hin). Und der ging trotz aller innerkirchlichen und außerkirchlichen Schwierigkeiten weiter. Ungleichmäßig natürlich und mit manchen Rückschritten und Seitentritten. Auch mit mancher innerkirchlichen Kritik und mit selbstkritischem Weiterdenken. Als ich zwei Jahrzehnte später studierte, waren in der Evangelischen Theologie nur noch die Lehrer und Bischöfe anerkannt, die eindeutig zu dieser Schulderklärung und nicht zu einer Selbstrechtfertigung standen. Nun ja, und dann das Unvermeidliche, dass sich alle möglichen Seiten das zu ihrer Ehre anheften wollten und die Erklärung sakrosankt (und für andere Interessen instrumentalisiert) wurde.
Doch hätten die damaligen Vertreter der gerade im Entstehen begriffenen neuen Evang. Kirche in Deutschland (EKD) im Voraus so einsichtig sein müssen wie wir hinterher angeblich sind? Besonders Niemöller, auf dessen Initiative diese Erklärung entstand - und mit entscheidenden Formulierungen von ihm - ist nicht zu beneiden. Gut, dass er sich damals so weit durchsetzen konnte. Er bekam in der Folge von den Rechten ziemlich viel Kritik und jetzt kommt nach fast 66 Jahren so leichtfüßig andere Kritik daher. Ja nach 66 Jahren, da fängt alles erst richtig an ... da haben manche erst richtig ihren Spaß daran.
Kritisches und selbstkritisches Weiter-Denken wäre auch heute vonnöten. Mancher, der diese Erklärung für gut findet, will wohl sich selber eine moralisch weiße Weste attestieren. Aber das Gegenteil ist auch kein Persil-Schein.
Sie haben mit Ihren Rückfragen wohl Recht. Aber der Clou an Ihren Beispielen ist doch wiederum, dass sich Jesu Kritik und Tempelkritik gegen Religiöse und die Ersetzung der Moral durch religiöse Kasuistik wendet.
Die Bergpredigt versteht sich als Erfüllung des Gesetzes, nicht als dessen Abschaffung; die damalige Rechtspraxis schreibt sich zwar das Gesetz auf die Fahnen, bricht aber nach Jesu Einschätzung das seinem Geist nach Gemeinte. Ihn stört die Vereinnahmung Gottes durch Religion, durch Schriftgelehrte und Pharisäer (= "Abgesonderte", "Reine") - und er sucht demonstrativ die Nähe von Ungebildeten und Unreinen (die sich nicht erst entschuldigen oder bekehren). Das ist ein fortlaufendes Überschreiten von sakrosankten Grenzen und in dieser Linie läge ein christlicher Universalismus und Personalismus - stattdessen: erneutes Aufrichten von religiös begründeten Grenzen und Reinheitsvorschriften, besserwisserische Doppelmoral, usw.
Bezüglich der apokalyptischen Denkweise Jesu wird man auf andere frühjüdische Schriften verweisen können (die keinen Eingang in den Kanon des AT gefunden haben). Man kann diese drastische Darstellung ja auch mögen: da kämpft der Schwache hilflos gegen die Mächtigen und hat doch nur starke Worte und seine Hoffnung auf einen Gott, der mit dem Geheuchel ein Ende macht ...
(Ich habe auch noch nie verstanden, wie jemand sich im Himmel glauben kann, wenn nebenan jemand in der Hölle schmorrt.)
"Ich habe auch noch nie verstanden, wie jemand sich im Himmel glauben kann, wenn nebenan jemand in der Hölle schmort."
Schöner Aphorismus! Den sollte ich in die Neuauflage meines Buches "Wer zur Hölle will schon in den Himmel?" aufnehmen.
Das wäre eine wirklich große Ehre. Hiermit gebe ich Ihnen das Zitat zur angekündigten Verwendung mit größtem Vergnügen frei!!!
Die Drohung von _ewigen_ Qualen und ggf. auch deren Anwendung soll etwas mit Liebe zu tun haben?
Das ist schon arg pervers.
"Die Bergpredigt versteht sich als Erfüllung des Gesetzes, .."
Na das steht da aber nicht so, sondern Jesus sei gekommen das Gesetz zu erfüllen.
Was damit wirklich gemeint ist, ist bist heute nicht klar.
Ist er gekommen, um dem (mosaischen?) Gesetz Geltung zu verschaffen?
Oder ist es durch ihn erfüllt worden, d.h. aufgehoben? Er hat aber doch einige auch verschärft?! (Ehebruch schon beim "lüsternden" Blick statt erst bei der "Tat" z.B.)
"Das ist schon arg pervers."
Wie gesagt, m.E. nicht perverser als auf einer Zigarettenschachtel eine bildhafte Androhung eines qualvollen Todes zu setzen.
Nur, man muss darüberhinaus vorsichtig sein und nicht den Inhalt dieser Aussagen Jesu so betrachten, als ob er an und für sich gültig sei. Also z.B. vorzustellen, wie diese Alternative aussehen würde, ob sie "qualvoll" oder "ewig" sei. Das geht nicht, denn Jesus liefert gerade keine Beschreibung der Hölle, sondern alle Aussagen darüber sind im Rahmen einer konkreten Handlungsaufforderung zu verstehen und sind darüber hinaus sinnlos. Gleiches gilt ja auch für die Aussagen zum "Reich Gottes", auch da bleibt alles beschreibende äußerst wage, weil es eben nicht entscheidend ist und hinter das Wichtige - die Handlungsaufforderung - zurrücktritt. Natürlich wurden in der Kirchengeschichte diese Aussagen oft als Beschreibungen gehandhabt, sozusagen als Naturwissenschaftliche Vorhersagungen, und auch dann entsprechend weiter ausgemalt, dass heißt aber noch nicht, das ist aber gewissermaßen ein Betrug der Intetion Jesu.
Ich denke so eindeutig kann man meine Aussagen nicht vom Tisch fegen.
Erstens sind es gerade die großen Kirchen, die genau diese Deutung sehr lange Zeit gepflegt haben.
Und zweitens ist der Text des NT lange nicht so eindeutig, d.h. er erlaubt durchaus eine solche Sicht.
Jesus "beschreibt" die Hölle durchaus mit "Feuer", "Feuersee", "feuriger Pfuhl" und die Leiden dort mit "Qualen", "brennen", "Gefängnis" etc.
z.B: in Matthäus 13,42 Des Menschen Sohn wird seine Engel aussenden, und sie werden aus seinem Reiche sammeln alle Ärgernisse und die da Unrecht tun 42 und werden sie in den Feuerofen werfen; dort wird das Heulen und das Zähneknirschen sein
Sollen all diese Bilder nichts mit dem zu tun haben, worüber Jesus gesprochen haben soll? Mmhm warum hat er diese Bilder dann benutzt? Zuviel im apokr. Buch Henoch gelesen?
Eine Frage, die man fairerweise stellen muss, lautet: Haben Institutionen, die ihre Grundsätze verraten und Schuld auf sich geladen haben, damit für alle Zeiten ihren Anspruch, eine moralische Instanz zu sein, verwirkt?
"Sollen all diese Bilder nichts mit dem zu tun haben, worüber Jesus gesprochen haben soll? Mmhm warum hat er diese Bilder dann benutzt? Zuviel im apokr. Buch Henoch gelesen?"
Steht im vorherigen Post, der Umkehr wegen. Aber wir drehen uns im Kreis, zumahl wir sowieso offtopic betreiben.
Eine Randnotiz: Bei Mt 13,42 handelt es sich, das ist unter Forschern Konsens, um eine sekundäre Erklärung durch den Evangelisten, also es ist gerade eine solche Ausmalung. Jesus selbst ist da in Mt 13,30 deutlich wager und gerade ein Gleichniss kann man ja nicht als eine Beschreibung verstehen. Also, wie gesagt, die Funktion, nicht die naturwissenschaftliche Beschreibung steht stets im Vordergrund (genauso wie beim "Reich Gottes", "Gericht", e.t.c.). Das heißt nicht, "alles ist metaphorisch zu verstehen", sehr woll aber, dass die Aussagen nicht von ihrer Funktion zu trennen sind. Allein schon die paradoxe dialektische Spannung zwischen Lk 13,28 ("Da werdet ihr heulen und mit den Zähnen knirschen, wenn ihr seht, dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, ihr selbst aber ausgeschlossen seid") und Lk 15,4 ("Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet?") müsste doch Gedanken erzeugen, dass hier etwas nicht stimmen kann. Und die Doktrin von der universalen Rettung gehört ebenso zum Gedankengut der Kirche(n) über die zwei Jahrtausende, wie bunt ausgemalte Bilder von Höllnequalen (siehe Clemens v. Alexandrien, aber auch das 2. Vatikanische Konzil) Mehr Argumente als ich gebracht habe, scheine ich aber nicht liefern zu können. Wenn es weiterhin nicht einleuchtend ist, müssen Sie wohl einen NT'ler konsultieren.
Danke für die Antworten.
Ich habenur das Gefühl das läuft auf das oft gesehene "jede nimmt was gerade gefällt" hinaus.
"Haben Institutionen, die ihre Grundsätze verraten und Schuld auf sich geladen haben, damit für alle Zeiten ihren Anspruch, eine moralische Instanz zu sein, verwirkt?"
Schwierig - ich denke solange diese Institutionen sich nicht öffentlich all ihren "Fehlern" gestellt hat und das ggf. auch mit _Taten_ nachweisst - ja.
Und davon sind die Kirchen noch sehr weit weg wie man z.B. an den Worten des Papstes zu der Christianisierung der Indianer etc. oder dem Verhalten bzgl. Kindesmissbrauch sehr gut sehen konnte. Oft sieht es so aus, dass die Kirchen gerne noch wie im MA handeln würden, aber "leider" geht das ja heute nicht mehr.
Ein "worst of" Papst, Mixa oder wem auch immer muss ich dafür wohl nicht bringen, oder?
Ich könnte wohl ähnlich antworten wie S.Bohnenkamp im ersten Satz. [Wobei – ein bisschen süffisant gesagt - mancher etwas „nachweisst“ – weißwäscht -, aber seltener, dass jemand etwas „nachweist“. Aber Tippfehler machen wir ja alle :-) ]
Also:
Zumindest ist deutliche, öffentlich wahrnehmbare, Selbstkritik und konkretes Bemühen um Verbessern der Fehler, kritisches Aufarbeiten... zu verlangen.
Aber: Alle Fehler korrigieren, ist wohl etwas viel. Besonders bei solchen Institutionen wie den Kirchen mit einer so langen Geschichte. Andere, die bloß Gedanken haben und keine Geschichte, haben es da um einiges einfacher.
Und etwas würde auch zur Fairness gegenüber Kirchen gehören – diesen Megainstitutionen in einer langen, wechselvollen Geschichte: Unterschiedliche Strömungen, neue Personen und Impulse nicht bloß als taktische Versuche zu diskreditieren, sondern sie zu unterstützen. Besonders in der kath. Kirche kam manches noch nicht oben an. Und wenn der Papst wieder einmal bloß Verbrechen zudeckelt (bei der Indianermission u.ä.) oder manches zu zögerlich aufgearbeitet wird (Kindesmissbrauch u.ä.), dann findet man gerade in der kath. Kirche einige, die sich in den Machtstrukturen auskennen und dagegen kämpfen; aber dies nur tun können, solange man sie nicht mit denselben Vorwürfen bewirft, die nicht sie sondern eben gewisse Bischöfe ff verdient haben. Sie sollten nicht penetrant mit den von ihnen doch selbst bekämpften Herarchien verwechselt werden. Das wäre kurzsichtig, macht auch mürbe und müde. Doch derzeit bewegt sich ja in Österreich einiges.
Ja, und für mich als Protestanten, ist es immer etwas merkwürdig, wenn ein durchaus sichtbares Problem von Protestanten (Stuttgarter Schuldbekenntnis) ausgeweitet wird auf die ganze Kirchengeschichte und gerade uns vatikanische Machenschaften um die Ohren geschlagen werden. Uns gibt es ja schließlich auch als Widerspruch gegen das, was die katholische Kirche im Mittelalter angerichtet hat. Also dahin zurück wollen jedenfalls wir Protestanten nicht. Und, so wie ich einen guten Teil der Katholiken kenne, die auch nicht. Lernprozesse sollte man wahrnehmen und nicht durch Pauschalvorwürfe ersticken. Bei Gegnern das „worst of“ hervorzuheben und daran alle zu messen – das würde sowieso nicht weiterbringen. Also danke, @S.Bohnenkamp, für den Verzicht darauf.
ist doch alles siet mindestens 30 Jashren bekannt..... will sich einer nur wichtig machen und Hass schüren? Scheint so..... Also: Unter "Unwichtig und eklig" abheften und ab mit dem Schurken....
"Eine Frage, die man fairerweise stellen muss, lautet: Haben Institutionen, die ihre Grundsätze verraten und Schuld auf sich geladen haben, damit für alle Zeiten ihren Anspruch, eine moralische Instanz zu sein, verwirkt?"
Ich hab's: "Gott" ist ein lernender Gott. In seiner Vergangenheit hat "ER" so manchen Bock geschossen. Daher ist es wichtig, IHM gerade in's Auge zu schauen und mit IHM zu streiten. Er mag all jene, die sich IHM in den Weg stellen und sagen: "bei allem, was Recht ist, aber..."
Die, die niederknieen und anbeten, die mag ER nicht! So, nun ist es gesagt, macht, was ihr wollt!
P.S. Bin ich ein Prophet? Bin ich SEIN
Sohn? Bei allem, was Recht ist: die Zwangsjacke wäre meiner sicher! Also: Jede Aussage über "Gott" ist Menschenwerk -und nichts außerdem! Es kann daher keine moralische Instanz von Seiten der Kirche ausgehen. Denn sie ist so blind, wie der einzelne Mensch! Der Einzelne muß nun sich sein "Gut" und "Böse" selber geben! Und das ist gut so! Ich gehe _jeder_ autoritären Instanz außerhalb meiner selbst schon des Instinktes wegen aus dem Weg.
Das mit dem "ss" ist mir auch aufgefallen, leider kann man ja hier nicht mehr korrigieren :-(
Das sich da an der Basis der Kirchen was tut ist löblich, aber ich bin mir nicht sicher ob nicht trotzdem gelten muss "mitgegangen - mitgefangen".
Wenn ich freiwillig Mitglied in einer Organisation bin, dann bin ich natürlich auch zu einem Teil mitverantwortlich. Ob ich das dann konkret mitgetragen habe oder nicht ist dabei nur wenig relevant, denn durch die Mitgliedschaft habe ich es moralisch getragen und ggf. auch finanziert.
Das man von Protestanten auf Katholiken kommt u.U. passiert schnell, denn von "Aussen" betrachtet ist das fast eins. Von "Innen" mag es da viele Unterschiede geben, aber an den "Taten" tun sich da beide nicht viel.
Gerade im 3.Reich hat sich keine der Kirchen mit Ruhm bekleckert, war das im späten MA anders, oder in der "Judenfrage"?
Ich glaube da sind die Unterschiede oft kleiner als die MItglieder wahr haben wollen.
Man kann auch nicht einfach "Probleme" zu "denen da Oben" abschieben ... ohne eine Herde Schafe ist der Hirte nichts.
Das heisst nicht "Tschechei", sondern Tschechien.
"Tschechei" ist Drittes-Reich-Slang.
Wikipedia dazu:
"Eine breitere Verwendung des Wortes „Tschechei“ ist seit den 1930er Jahren festzustellen. Gleichzeitig kam der ältere Begriff „Tschechien“ nahezu vollständig außer Gebrauch, so dass er heute von vielen als Neukonstruktschöpfung empfunden wird. Der Begriff „Tschechei“ besitzt für viele einen negativen Klang wegen der Verwendung im NS-Sprachgebrauch, insbesondere bei der Bezeichnung „Rest-Tschechei“. Vor allem die Tschechen selbst verbinden mit dem Begriff die NS-Zeit ihres Landes."
( http://de.wikipedia.org/wiki/Tschechien )