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Darth Vader ist ein Mops

31. Januar 2012, 02:32

Darth Vader ist kein Unbekannter - groß, schwarz gekleidet und ein charakteristisches Atemproblem. Jetzt ist ein spontanes Zusammentreffen auf der Straße eher unwahrscheinlich, ist er doch eine fiktive Figur. Sollte man meinen. Aber wusstet Ihr, dass er wirklich existiert? Zugegeben, es ist schwierig ihn zu erkennen, ist er doch klein, etwas rundlich und beinahe ganz blond. Aber man kann ihn hören. Kurz: er ist ein Mops. Und damit kommen wir direkt zum nächsten Artikel aus der Kategorie "Flashback 2011".

Hier im Blog habe ich schon öfter über Nutztiere berichtet - über Haltungsformen, Probleme, Aussichten. Meist waren diese Artikel motiviert durch öffentliche Debatten, in die ich reinquatschen wollte. Im Falle meines Artikels zur Massentierhaltung hat das auch recht gut geklappt. Jetzt stellt sich mir allerdings eine Frage: warum immer Nutztiere? Was ist denn mit unseren Haustieren? Den Anstoß über dieses Thema nachzudenken gab ein kleiner Artikel in einem Infoblatt des Instituts TTN, welches meinem Buch beilag.

Wenn ich früher als Kind mit meinen Eltern im Zoo war, irriterte es mich immer sehr, wenn ich im dortigen Haustierbereich auf Kühe, Esel, Hühner oder Schafe starrte. Unter Haustieren verstand ich nämlich etwas völlig anderes. Hunde, Katzen oder auch Meerschweinchen waren für mich Haustiere, schließlich lebten diese Tiere zusammen mit uns Menschen im Haus. Von einer Kuh im Wohnzimmer hatte ich noch nie gehört und daran hat sich bis heute nichts geändert - mit einer kleinen Einschränkung: es gab tatsächlich Zeiten, in denen landwirtschaftliches Nutzgetier mit Menschen unter einem Dach lebte. Der Zoo hatte also recht.

In der Kritik der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung sind Begriffe wie Massentierhaltung, industrialisierte Landwirtschaft oder schlicht konventionelle Tierhaltung allgegenwärtig. Ganz wertfrei formuliert bedeutet dies, dass die Debatte läuft. Auch Zoos stehen wegen ihrer "Gefangenschaft der Tiere" ständig in der Kritik. Bei den Haustieren des 20. und 21. Jahrhunderts vernehme ich da nichts. Und damit wir gleich mal reinen Tisch machen: zu Haustieren zähle ich mittlerweile alles, was in irgendeiner Art und Weise mit Menschen unter einem Dach lebt, Milben, Sackratten und ähnliches Getier ausgenommen. 

Brauchen wir eine Haustierethik?

Dabei gibt es im Haustierbereich durchaus Entwicklungen, die eine gewisse kritische Aufmerksamkeit verdient hätten. Alljährlich ächzen Tierheime unter den Strömen ausgesetzer Tiere, weil sich Sommerurlaub und Haustier nicht vertragen. Ein anderes Problem ist das sogenannte Animal Hoarding, bei dem Menschen - möglicherweise aus einer falsch verstandenen Tierliebe heraus - derart viele Tiere besitzen, dass sie diesen nicht mehr gerecht werden können. Vor gar nicht so langer Zeit ist in Mülheim eine Monokelkobra aus ihrem Terrarium entwischt, wurde dann äußerst kostspielig gesucht und fand schließlich ihr trauriges Ende auf einem Klebeband. Die Empörung hielt sich in Grenzen. Warum? War sie nicht putzig genug? Wie in meinem Artikel über den Unterschied artgerechter und tiergerechter Tierhaltung komme ich auch hier nicht um eine gewisse Unterscheidung herum: unter diesen Bedingungen ist die Nutztierhaltung ökonomischer Natur, während Haustiere eher eine soziale Komponente besitzen. Während die einen Tiere also jenen Nutzen haben, dass sie uns Lebensmittel liefern, sind Haustiere Begleiter des Menschen. Haustiere werden dabei recht vielfältig eingesetzt als soziale "Partner" mit denen man schmusen und spielen kann, während andere Tiere wohl eher als Hobby gehalten werden wie beispielsweise Reptilien oder Fische. Selbstverständlich gibt es auch Berufshunde, also solche, die dem Menschen dabei helfen, den Alltag zu meistern. 

Just gestern erschien in der FAZ ein Artikel über den Leipziger Tierärztekongress, auf dem unter anderem Zuchtmethoden und optische Ideale wie eben jenes kritisiert wurden, das den Mops zu Darth Vader werden lässt.

"Wenn Menschen Tiere verformen" hieß der Auftaktvortrag des Leipziger Tierärztekongresses in der vergangenen Woche. Gerhard Oechtering, der Direktor der Universitätsklinik für Kleintiere in Leipzig, verwies darin nicht nur auf die Geschichte der Hundezucht, sondern zeigte auch eindrucksvolle endoskopische Aufnahmen von seinen Patienten: Französische Bulldoggen, Möpse und Hunde anderer "kurzschädeliger" Rassen (im Fachjargon "Brachyzephale" genannt), deren Anatomie zugunsten eines niedlichen Kindchenschemas derartig verformt ist, dass sie schlecht oder gar nicht durch die Nase atmen können, bei der Futteraufnahme würgen, selbst im wachen Zustand schnarchen und im Sommer kollabieren. Perserkatzen und Exotic Shorthair-Katzen haben oft ähnliche Schwierigkeiten. Betroffene Hunderassen - darunter auch Boxer und Pekinesen - haben derart verkleinerte Nasenmuscheln, dass ihre Thermoregulation zusammenbricht.

Klingt gruselig, oder? Ist es auch. Und genau deshalb braucht es ein Fundament, auf dem es sich über unser Verhältnis zu unseren Haustieren debattieren lässt - nicht nur philosophisch, sondern auch tiermedizinisch. Mir geistert diese Idee - angestoßen durch das Institut TTN - schon länger im Kopf herum, weshalb "BioBlubb" auch schon etwas pragmatischer dazu gebloggt hat:

Bei Tierversuchen und Massentierhaltung ist es leicht, gesichtslose, superböse Gegner anzugreifen: Den fiesen Tierquäler-Wissenschaftler, den brutalen Hühnerzüchter, die gedankenlosen Fleischesser. Bei Haustieren müssten viel zu viele Leute vor der eigenen Haustüre kehren. Geht es dem Hamster in seinem 30 x 40 cm-Käfig wirklich gut (klar, der rennt nur aus Spaß die Wände hoch!)? Ist eine 25 m²-Stadtwohnung im 6. Stock wirklich das ideale Zuhause für drei Katzen? Könnte die Tatsache, dass Möpse atmen wie Darth Vader mit Asthmaanfall, etwa unnatürlich sein?

Zeit wird es.

 


Hier geht es um Artikel des Leipziger Kongresses in der FAZ.



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Mein Tablet und ich

24. Januar 2012, 03:01

Jetzt aber: Flashback 2011 - ich hatte letzte Jahr bekanntlich ein paar Artikel angekündigt, die dann nicht erschienen sind. Holen wir sie also nach! Beginnen möchte ich dabei mit meinem Tablet, welches ich schon eine Weile besitze. Gut, im Jahre 2012 ist das womöglich nicht mehr ganz so exotisch wie 2010, als ich meins erwarb. Dabei handelt es sich um ein Archos 70 Internet Tablet mit einem 1 Ghz-Singlecore-Prozessor, 512 mb RAM und 8 GB Flashspeicher. Das Gerät läuft mit Android 2.2 Froyo. 

Soviel zu den Daten. Ich liebe mein Tablet - wirklich. Dabei wusste ich zuerst gar nicht so unbedingt, was ich damit eigentlich will. Hauptsächlich aufmerksam wurde ich auf diese Art Geräte - wie soll es auch anders sein - durch das iPad. Das war mir allerdings mächtig zu teuer und iTunes ist mir noch aus meiner iPod-Zeit in Erinnerung und das nicht unbedingt positiv. Vielleicht war ich auch zu dämlich, aber man muss sich ja nicht unnötig selbst belasten...Als ich dann durch diverse Techblogs auf die Archos-Geräte aufmerksam wurde, war ich ganz entzückt. Die Kritiken waren durchaus gut, wenn man dabei auch immer den sehr günstigen Preis von 250 Euro im Auge behielt. Da die Frage des Wollens also durch war, blieb jetzt noch die Frage nach der Nutzung oder auch des Nutzens. Ich entschied mich dabei erstmal vorsichtig für die 7-Zoll-Variante (damals gab es noch ein 10-Zoll-Modell und ein paar kleinere). Gerät bestellt und recht schnell konnte ich es auch in Empfang nehmen.

Nach über einem Jahr teils intensiver Nutzung kann ich sagen, dass das wirklich ein sehr feines Gerät ist. Sicher, da die Technik des Gerätes durchaus zeitgemäß war, musste irgendwo gespart werden. Es ist also nicht das stabilste Tablet, aber solange man es wie vorgesehen als "Streichel-PC" nutzt, hat man da eigentlich keine Probleme. Wer damit unbedingt seine Schwiegermutter erschlagen will, sollte auch die neue Tablet-Generation von Archos (derer ich keines besitze, aber ich habe sie im Laden mal "befühlt") meiden und eben ein paar Euro mehr hinblättern.

Als Wissenschaftblogger interessierten mich natürlich die verfügbaren Apps auf diesem Gebiet. Nach dem "Trial-and-Error"-Prinzip haben sich da mittlerweile einige herauskristallisiert, die ich wirklich gerne nutze. Pubmed ist so eine App. Einfach mal mit Stichworten nach Publikationen suchen, Abstracts lesen, um sich so einen kleinen Überblick zu verschaffen. Und wenn man Glück hat, befindet sich sogar eine Publikation in einem Open-Access-Journal und kann somit direkt vollständig als PDF heruntergeladen werden. Weter geht es mit der App für Plos One. Schön nach Kategorien geordnet lässt es sich auch hier nach Abstracts schauen - mit dem bekannten Unterschied, dass sich hier ausnahmslos alle Studien als PDF herunterladen lassen. Unverzichtbar auf der Suche nach neuen Informationen ist für mich mittlerweile auch die App von Arxiv geworden. Hier lassen sich - sehr praktisch - Kategorien abonnieren, man braucht also nur hin und wieder mal schauen, was da so angelandet ist. Eine schöne Sache. Auch nett ist übrigens die Tatsache, dass die Arxiv-Apps nach dem Herunterladen direkt in einem eigenen Ordner gespeichert werden, während andere Studien oftmals wild durcheinanderfliegen. Wenn da jemand einen Tipp hat, immer her damit. Um die heruntergladenen Studien auch vernünftig lesen zu können, nutze ich den Adobe Reader, der kostenlos ist und ziemlich gut funktioniert.

Ich kann mich erinnern, dass es zuerst in vielen Blogs Diskussionen darüber gab, ob es sich mit einem Tablet produktiv arbeiten lässt. Das hängt natürlich immer stark davon ab, was man darunter versteht. Wenn zum Beispiel regelmäßiges Paper-Lesen dazu gehört, kann ich diese Frage mit einem klaren "Ja!" beantworten. Nichts ist ätzender als ewig auf einen Computer-Bildschirm zu starren, da kann man es sich mit einem Tablet auf dem Sofa doch viel gemütlicher machen. Die größte Überraschung für mich war eigentlich das Tippen auf der virtuellen Tastatur. Das klappt richtig gut. Zugegeben, ich würde so jetzt keine Forschungsarbeit schreiben, aber Blogartikel habe ich so schon geschrieben. 

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass mein Gerät lediglich über eine Wlan-Möglichkeit verfügt. Macht aber nix, setze ich mich eben ab und an in eines dieser an Apfel-Plantagen erinnernden Wlan-Cafes und schau dort in Ruhe nach Lesestoff...

Wenn Ihr noch interessante Wissenschaftsapps für Android kennt, schreibt sie ruhig in die Kommentare.

 


 

Plos ONE to go, Pubmed und ArXiv



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Alarm im Geflügelstall - wieder mal!

11. Januar 2012, 14:18

Antibiotika-resistente Keime auf Geflügel entdeckt - diese Meldung tobte gestern durch meine Twitter-Timeline und beerdigte zuverlässig mein Vorhaben für 2012, doch erstmal nicht verbloggte Artikel nachzuholen, bevor ich mich Neuem zuwende. Aber das Jahr ist ja noch jung. Der BUND hat nach eigenen Angaben in jeder zweiten Geflügelprobe eben jene Bakterien entdeckt, die inzwischen ein großes Problem für die menschliche Gesundheit darstellen. 

Wieder einmal Geflügel. Nach der wenig schmeichelhaften Studie zum Antibiotika-Verbrauch beim NRW-Geflügel geht es jetzt um resistente Keime, die der BUND gefunden hat. Massentierhaltung, industrialisierte Landwirtschaft, massenhafter Antibiotika-Verbrauch - die Gründe für dieses Ergebnis scheinen klar und deutlich und sind somit schnell gefunden. Möglicherweise aber auch etwas zu schnell, wie Lars Fischer in seinem Kommentar auf Spektrum.de anmerkt:

Dabei ignorieren die Protagonisten allerdings geflissentlich, dass das eigentliche Problem der Antibiotikaimmunität aus der Humanmedizin kommt. In einer jüngeren Studie in Schottland kamen 90 Prozent aller untersuchten resistenten Erreger vom Menschen, und diese Stämme wurden doppelt so häufig vom Menschen auf Tiere übertragen wie umgekehrt. Auch das multiresistente Ehec-Bakterium, das letzten Sommer die Republik in Atem hielt und 50 Menschen tötete, kam letztendlich nicht von Tieren, sondern vom Menschen.

Und um gleich mal dem ersten Kommentar auf Spektrum.de den Wind aus den Segeln zu nehmen, obwohl er auf den ersten Blick nicht völlig abwegig scheint: nein, dieser Einwand dient nicht dazu, die Aufmerksamkeit von der Landwirtschaft zu nehmen und sie stattdessen auf die Humanmedizin zu lenken. Vielmehr sollte hier beides im Fokus stehen. Antibiotikaresistenzen sind ein umfassendes Problem, sogar derart umfassend, dass wir vor lauter Kritik an der Landwirtschaft diesbezüglich nicht vergessen sollten, dass hier auch die Humanmedizin eine wenig rühmliche Rolle spielt. Die Akteure mögen andere sein, das Problem ist es aber keineswegs.

Als Konsequenz aus den Funden multiresistenter Keime im Geflügel fordert der BUND-Vorsitzende nun einen Wechsel zu tiergerechteren Haltungsformen. Das unterstütze ich voll und ganz und konnte mich letztes Jahr sogar davon überzeugen, dass genau das passiert. Allerdings geht das nicht mal eben so von heute auf morgen - das Sammeln von Daten über das Verhalten von Tieren unter bestimmten Haltungsbedingungen (um zu sehen, was aus Sicht der Tiere tiergerecht ist und gleichzeitig der Tiergesundheit dienlich ist) und Paramter wie Staubkonzentrationen in der Luft oder Lufttemperaturen brauchen eben ihre Zeit. Darüberhinaus sollte nicht vergessen werden, dass eine tierwohl-orientierte Fleischproduktion keine Einbahnstraße vom Produzenten zum Konsumenten ist. Robuste, langsam wachsende Rassen brauchen eine längere Mastzeit, in der sie auch mehr fressen. was letztlich in einem höheren Preis für die so entstandenen Fleischprodukte resultiert, der dann auch vom Konsumenten bezahlt werden muss. Umfragen, die vermehrt unter Verbrauchern eine solche Bereitschaft signalisieren, sind zwar interessant, aber auch erstmal geduldig.

Die Forderung des BUND nach einem Antibiotika-Monitoring, wie es in Holland und Dänemark existiert, hatte ich übrigens auch schon erwähnt: Enstehende Antibiotika-Resistenzen sind ein drängendes Problem. Dabei könnten wir uns in Form eines ersten Schrittes durchaus Nachhilfe holen. In Holland und Dänemark wird der Antibiotika-Einsatz in jährlichen "Reports" überwacht. Das dänische Institut für Lebensmittel- und Veterinär-Forschung sammelt mittlerweile seit Mitte der 90er Jahre Daten zum Antibiotika-Einsatz bei Mensch und Nutztier. Eine solche Kontrollinstanz hätte es in Deutschland für Geflügel übrigens auch schon fast gegeben, wenn das BMELV diese beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information aus Datenschutzgründen nicht verhindert hätte.

Just heute fand ich auf Animal Health Online den Hinweis, dass es in NRW erstmals eine Datenbank zur Dokumentation des Antibiotikaeinsatzes in der Geflügelmast gibt. Dort können Landwirte und Tierärzte Daten zunächst auf freiwilliger Basis melden. Bleibt zu hoffen, dass dieses Projekt sich bald flächendeckend etabliert und dann auch verpflichtend wird.



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Weihnachtliche Nashorn-Geburt im Magdeburger Zoo

26. Dezember 2011, 17:44

Was täte ich nur ohne meine Leserinnen, Leser oder jene, die mich teilweise zusätzlich noch über Twitter verfolgen? Zumindest wäre ich teilweise nicht sonderlich gut informiert - eine Erkenntnis, die mich heute ereilte. Aber der Reihe nach. Es muss schon Dezember gewesen sein, als ich erfuhr, dass es über Stern TV einen Livestream gab. Dort wurde ein Nashornweibchen gefilmt. Genauer gesagt war es die 30-jährige Mana, ein Spitzmaulnashorn, die nun vor vielen gespannten Augen ein Baby erwartete. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und saß gespannt vorm Laptop. Die Geburt zog sich dann aber doch noch etwas hin und ich vermutete schon, dass es wohl ein Weihnachtsnashorn wird. Dass es tatsächlich so kommen sollte, hätte ich dann doch nicht gedacht. 

Aber genau so war es. In der Nacht des 24. Dezembers war es soweit und ich bin gegeistert - ein Nashornbaby! Mana hat es angenommen und kümmert sich wohl auch gut um ihr Kind. Und bevor ich Euch die Laune über die Situation der Spitzmaulnashörner in freier Wildbahn versaue (Das westafrikanische Spitzmaulnashorn ist dieses Jahr ausgestorben oder zumindest gilt es als ausgestorben. Gut, dass Mana und Kind im Zoo leben), schicke ich Euch einfach rüber zum Livestream. Ich bin total begeistert!

Alles Gute kleines Nashorn!

Und Danke an Lichtecho und Sinneswandlerin fürs Mitfiebern und natürlich fürs - ähem - Informieren!



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2011 - Versprechen, ich und Nashornkinder

19. Dezember 2011, 09:59

Ich habe gerade mit leichtem Erschrecken festgestellt, dass bald Weihnachten oder auch Wintersonnenwende ist, was nichts Gutes bedeutet, ist es doch ein untrügliches Zeichen dafür, dass sich das laufende Jahr 2011 unmissverständlich dem Ende nähert. Jetzt sitze ich hier und kratze mich ein wenig verärgert am Kopf, hatte ich doch noch so viele Artikel eigentlich schreiben wollen. Eine äußerst unpraktische Angewohnheit meinerseits ist auch die Tatsache, dass ich gerne mal einen Artikel verspreche und ihn dann doch nicht schreibe, weil mich zum Beispiel Aktuelles davon abhält. Und davon gab es dieses Jahr schließlich so einiges. Es begann direkt mit Dioxin, zu dem ich mich natürlich äußern musste, dann kam EHEC und als ich mich im Urlaub wähnte, platzte plötzlich das landwirtschaftliche Nutzgeflügel mit einer Dominanz in mein Blog, die ich so nicht auf dem Schirm hatte. Vor gar nicht so langer Zeit verlangte dann noch die Studie zur Antibiotika-Nutzung beim NRW-Geflügel nach meiner persönlichen Aufmerksamkeit - zumindest meinte ich das^^

Nicht falsch verstehen, das hat alles großen Spaß gemacht. Meine erste Presse-Veranstaltung war ziemlich aufregend, was jetzt ein bisschen klingt wie mein schönstes Ferienerlebnis in der Grundschule. Da ich als Blogger so etwas aber bis dahin nicht kannte, war ich teilweise wohl etwas neben der Spur und nach den zwei Tagen auch ein Stück weit durch den Wind (mit Schnupfen, aber das lag am ICE bzw. dessen Klimaanlage, bei der selbst die Inuit die Jacken anbehalten hätten, auf die ich natürlich - es war schließlich Sommer und zu dem Zeitpunkt nicht nur kalendarisch - verzichtet hatte). Großen Spaß hatte ich auch an der kleinen Debatte mit Colin Goldner über die Frage, ob wir Zoos brauchen. Ja, brauchen wir, no question about it..Aber irgendwie blieb dabei immer wieder etwas auf der Strecke, was ich auch gerne geschrieben hätte oder was ich eben irgendwann mal versprochen hatte zu schreiben. Ich habe mir auch mal ein paar Notizen gemacht, was zukünftige Artikel angeht. Der Kaukasus-Leopard steht da beispielsweise ziemlich weit oben auf der Liste. Vermutlich kann ich froh sein, dass wir beide in verschiedenen Gebieten leben, sonst hätte mich wohl schon einer gefressen - zur Strafe meiner Ignoranz. Landwirtschaftliche Betriebe und ihre Größe sind gerade mit Blick auf die Zukunft ein sehr spannendes Thema, auch die ökologische Geflügelhaltung sollte da beachtet werden. Schweinespielzeug - auch so eine große Nummer, die ich nicht mehr auf die Reihe bekommen habe. Hmpf.

Vielleicht fallen Euch als meine treuen Leser ja noch Artikel ein, die hier eigentlich hätten stehen sollen. Wenn dem so ist, schreibt sie in die Kommentare und ich verspreche Euch - wäre mal jemand so freundlich mich zu schlagen? - dass ich diese Artikel dann erstmal abarbeiten werde, also dann 2012.

Bis dahin wünsche ich Euch erstmal ein frohes Weihnachtsfest und natürlich einen guten Rutsch ins neue Jahr. Natürlich nicht, ohne noch ein kleines Video nachzuschieben, welches mir in den letzten Tagen mehrmals gezeigt wurde: zwei junge Nashörner, die unglaublich niedliche Geräusche machen.

 

Und wo wir schon mal dabei sind, sollte auch Stephen Fry nicht unerwähnt bleiben, der für seine Reihe "last chance to see" ein Babynashorn mit der Flasche füttert:

 

Tatsächlich kann es sein, dass ich mich auch vor 2012 hier noch melde, steht im Magdeburger Zoo doch die Geburt eines Spitzmaulnashorns an, was ich natürlich hochspannend finde. Wem es auch so geht, der kann hier übrigens die Webcam verfolgen.

So, das wars jetzt aber wirklich - fürs Erste. 



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Schimpansen im Zoo - Tierquälerei?

01. Dezember 2011, 14:43

Anfang der Woche fand ich über Facebook einen Link im Profil Nic Franks, der mich auf die Seite tierschutznews.ch führte. Im verlinkten Artikel ging es um Epulu und Kitoto, zwei Schimpansen, die momentan im Wuppertaler Zoo beheimatet sind. Im Artikel ist auch ein youtube-Video eingebunden, das zeigt, wie sich das Weibchen Kitoto Haare ausreißt - ein Zeichen dafür, dass die Tiere leiden. Als ich den Artikel las, erinnerte ich mich an eine präzise passende Studie zum Thema, die ich mir schon vor einer Weile heruntergeladen hatte und buddelte ein wenig im mittlerweile entstandenen Paper-Chaos auf meinem Tablet und wurde fündig. Vermutlich werde ich irgendwann von einem Kaukasus-Leoparden gebissen, wenn ich dessen Situation hier noch weiter rausschiebe, aber hilft ja nix. Jetzt sind erstmal die Schimpansen dran.

Unter abnormalem Verhalten versteht man dabei zum Beispiel das Fressen von Kot, stereotype Bewegungen, Trinken von Urin oder auch das Ausreißen der eigenen Haare. Damit die Unterscheidung von normalen und nicht normalen Verhaltensweisen nicht völlig willkürlich wird, haben sich die Wissenschaftler der School of Anthropology and Conservation an der University of Kent einer Art Referenz bedient, die aus einer 1023-stündigen Beobachtung von wild lebenden Schimpansen in Uganda besteht, die die in der Studie publizierten Verhaltensweisen (Kotfressen, stereotype Bewegungen, Erbrechen und Nippelfummeleien) nicht zeigten. Für die Studie wurden insgesamt 40 Schimpansen aus verschiedenen Zoos beobachtet, die zur AZA bzw. BIAZA gehören. Alle Schimpansen lebten dabei in sozialen Gruppen.

Als Ergebnis der Studie kam heraus, dass gewissermaßen alle 40 Tiere eben jenes unnormale Verhalten zeigten, dass ich schon genannt habe, wobei das Fressen von Kot am häufigsten beobachtet wurde. Dabei lässt sich das Verhalten wilder und in Zoos lebender Tiere nicht unbedingt strikt trennen. Zitat:

The most prevalent form of ‘abnormal’ behaviour in this and other studies of captive populations – coprophagy – has been reported from at least six wild populations and it may also be transmitted by social learning. If this – or other – behaviour is ‘abnormal’ in captive chimpanzees, it may be the rate at which it is performed rather than simple occurrence that deviates from the behaviour of wild chimpanzees.

Interessant. Das reine Auflisten von Abnormalitäten reicht also nicht aus und nur weil ein Schimpanse im Zoo sich mal anders verhält als man es erwarten würde und sich beispielsweise den Finger in den Po steckt, muss er nicht gleich einen Knacks haben. Möglicherweise hat er oder sie sich das auch nur irgendwo abgeschaut und wollte das auch mal testen. Dabei kommt noch erschwerend hinzu, dass das Verhalten der Tiere im Zoo sich so oder so von jenem ihrer wild lebenden Artgenossen unterschiedet, da zB. die Nahrungssuche weitgehend wegfällt. Trotz aller Daten haben wir es doch immer mit Individuen zu tun, die alle ihre Eigenheiten und Macken haben und deshalb immer eine besondere Beurteilung brauchen, wobei es natürlich bei einem Schimpansen, der sich die Haare ausreißt und dann ausssieht wie ein gerupftes Huhn, wohl nicht viel zu beschönigen gibt.

Stellt sich natürlich die Frage, wie sich solche Verhaltenauffälligkeiten verhindern lassen. Nun, Schimpansen  - und nicht nur die - sind soziale Tiere, die in Gruppen leben. Diese Gruppen müssen funktionieren. Da ein Gruppenwechsel aus freien Stücken für im Zoo lebende Tiere etwas schwierig ist, kommt hier eine große Aufgabe bespielsweise auf Tierpfleger zu, die die Tiere regelmäßig sehen und daher gut kennen. Eine andere Variante wäre eine unregelmäßige Fütterung, um zumindest so eine Art Alltag zu vermeiden.  

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere daran, dass ich im März diesen Jahres ein Plädoyer für Zoos geschrieben habe. Daran hat sich meiner Ansicht nach bisher auch nichts geändert. Möglicherweise mag die sogenannte freie Wildbahn für Tiere trotz aller Widrigkeiten des täglichen Lebens irgendwie besser sein. Das ändert aber nichts daran, dass Zoos für viele Tiere eine Art Schutz ist, wo sie leben können, ohne von Wilderern erschossen zu werden. "Der Mensch" ist dabei ein ganz schlechter Aufhänger für Kritik. Ich für meinen Teil bin nicht dafür verantwortlich, dass Nashörner bis zum Ende gejagt werden, um ihr Horn für verdammt gutes Geld zu verkaufen. Das Gleiche gilt für Tiger, die für Hokus-Pokus gleich komplett verwendet werden oder Affen, die ihres Fleisches wegen gejagt werden - mit all dem habe zumindest ich nichts zu tun...




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Geflügel bald auf Rezept? - eine Einschätzung

23. November 2011, 21:35

Gibt es Geflügel-Fleisch aus NRW bald nur noch auf Rezept? Zumindest konnte man letzte Woche den Eindruck bekommen, denn in den letzten Wochen rumorte es beim Geflügel - erst nur ein bisschen und dann immer mehr. Vor zwei Wochen erschien dann die zuvor schon gelegentlich in Form kleinerer Häppchen  - und wohl auch in Form eines NDR-Berichtes - erwähnte Studie über den Einsatz von Antibiotika in der Hähnchenmast in NRW. Das Ergebnis dieser Studie ist recht unschön. Dabei möchte ich direkt zu Beginn erwähnen, dass gegen den Einsatz von Antibiotika an sich erstmal nichts einzuwenden ist, solange dieser vorschriftsmäßig erfolgt. Genau das ist aber den erhobenen Daten zufolge nicht passiert, wurden die Arzneimittel doch weitaus kürzer verwendet als die Behandlungsdauer es vorschreibt. Aber der Reihe nach... 

Für die Datenerhebung wurden sogenannte Gesundheitsbescheinigungen ausgewertet, von denen jeweils einer einen Mastdurchgang darstellt. Derer gab es für diese Untersuchung insgesamt 962. Die Anzahl der untersuchten Betriebe betrug 182. Die Untersuchung lief von Februar bis Juni 2011. In diesem Zeitraum war auch die Geflügelpest unterwegs, die allerdings durch Viren verursacht wird und deshalb aus Sicht der Antibiotika-Nutzung nicht relevant ist. In der vorliegenden Studie wurden folgende Daten erfasst:

(1) Betriebsgröße (2) Identifikation der Gesundheitsbescheinigung (3) Anzahl der Tiere, auf die sich diese Gesundheitsbescheinigung bezieht (4) Mastdauer (5) Behandlungstage pro Behandlung (6) Behandlungstage pro Mastdurchgang (7) Wirkstoffangaben

Ich möchte jetzt hier nicht die komplette Statistik durchgehen, wer sich dafür interessiert, kann sich die Zusammenfassung natürlich gerne selbst herunterladen und lesen. Einen Punkt finde ich dennoch interessant und werde daher auf diesen eingehen. Dabei geht es um Betriebsgrößen, Mastdauer und den Antibiotika-Einsatz. Laut Auswertung aller 962 Mastdurchgänge überwiegt dabei eine antibiotikafreie Haltung bei besonders (überdurchschnittlich) langer Mastdauer, die länger als 45 Tage dauert. Und auch die Betriebe mit weniger als 10000 Mastplätzen weisen demnach gegenüber allen anderen Betrieben eine erhöhte Anzahl antibiotikafreier Mastdurchgänge auf. Um den Einfluss der Betriebsgröße auf Mastdauer, Behandlungsdauer und der Anzahl eingesetzter Wirkstoffe weiter zu untersuchen, teilte man die Daten in Betriebsgrößenklassen ein: kleine Betriebe mit < 20.000 Tieren, mittlere Betriebe mit 20.001 - 50.000 Tieren, große Betriebe mit 50.001 - 90.000 Tieren und sehr große Betriebe darüber hinaus. Das Ergebnis zitiere ich mal:

Wie aus Diagramm 3 ersichtlich, weisen kleine Betriebe (bis 20.000 Mastplätze) eine signifikant längere Mastdauer, aber auch eine signifikant niedrigere Anzahl der durchschnittlichen Behandlungstage bei niedrigerer Anzahl eingesetzter Wirkstoffe auf (Tukey; p < 0,05). Bei Betrieben mit 50.-90.000 Mastplätzen ergibt sich eine signifikant längere Behandlungsdauer bei höherer Anzahl eingesetzter Wirkstoffe. Auf Basis der Einzelbetriebsdaten aller Betriebsgrößenklassen (auch über 90.000) ergab die  regressionsanalytische Auswertung allerdings nur sehr schwache Zusammenhänge (r2 < 0,07), so dass insgesamt gesehen kein linearer Zusammenhang zwischen Betriebsgröße und Arzneimitteleinsatz erkennbar ist. 

Kommen wir mal zur Auswertung der Studie. In der Zusammenfassung steht, dass das Ziel der Studie eine Statuserhebung gewesen sei, (Zitat kursiv) damit sowohl die für Tierschutz und Tierarzneimittel zuständigen Überwachungsbehörden als auch Wirtschaftsbeteiligte über die landesweit erhobenen Durchschnittswerte in Kenntnis gesetzt werden können. Die dargestellte Situation, wonach über 96  % der Masthühner behandelt werden, ist nicht akzeptabel und legt den Schluss nahe, dass das Haltungssystem nicht den Vorgaben des Tierschutzgesetzes entspricht, da die angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung in Frage gestellt werden muss.  

Weiterhin ist dort zu lesen, dass Faktoren wie das Betriebsmanagement, die Qualität der tierärztlichen Behandlung, die Genetik der Tiere sowie die Besatzdichte zu prüfen seien, da ihr Einfluss auf den Antibiotika-Einsatz mit den hier erhobenen Daten nicht bewertet werden könne. 

Allerdings sind diese Punkte dabei eminent wichtig. Wenn das Ziel der Geflügelmast möglichst gesunde Tiere sein sollen (und das ist es), ist eine genaue Untersuchung des Managements im Kontext sich möglichwerweise entwickelnder Antibiotika-Resistenzen in den Ställen unumgänglich. Hm, das heißt doch eignetlich nichts anderes als dass wir hier einen Haufen Daten haben, die irgendwie beunruhigend sind. Wo da jetzt genau die Probleme liegen ist erstmal nicht ersichtlich. Jegliche Form der Einordnung wird vermieden, da diese anhand der reinen Daten nicht möglich ist.   

Ich denke, wir sind uns einig, wenn ich schreibe, dass etwas passieren muss und das möglichst schnell. Enstehende Antibiotika-Resistenzen sind ein drängendes Problem. Dabei könnten wir uns in Form eines ersten Schrittes durchaus Nachhilfe holen. In Holland und Dänemark wird der Antibiotika-Einsatz in jährlichen "Reports" überwacht. Das dänische Institut für Lebensmittel- und Veterinär-Forschung sammelt mittlerweile seit Mitte der 90er Jahre Daten zum Antibiotika-Einsatz bei Mensch und Nutztier. Eine solche Kontrollinstanz hätte es in Deutschland für Geflügel übrigens auch schon fast gegeben, wenn das BMELV diese beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information aus Datenschutzgründen nicht verhindert hätte.

Fazit

Die Daten liegen vor, aber der "reale" Kontext fehlt. Die Einordnung eben dieser Daten muss jetzt folgen, denn sonst war diese Erhebung ziemlich sinnlos. So, wie sie jetzt vorliegen, dienen sie jedenfalls kaum angemessen der Problemlösung.


Selbst einlesen könnt Ihr Euch hier.

 



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Hühner im Klimawandel - eine Betrachtung

10. November 2011, 01:20

Die Tage hatte ich einen Artikel, den ich auf der Seite Animal Health Online fand, über Twitter verbreitet und mich danach ein Stück weit geärgert. Es geht um die verschiedenen Haltungsformen beim Geflügel und deren CO2-Bilanz. Wenn man sich die Meldung nämlich mal bei Licht besieht, stellt man schnell fest, dass dort einige wichtige Informationen fehlen. Das ist wohl auch Reuben C. aufgefallen, bekam aber nur die knappe Antwort, dass es die Studie lediglich gedruckt gäbe. Bevor ich näher darauf eingehe, zitiere ich die Meldung erstmal. Keine Sorge, viel ist das nicht...

Amsterdam/Gouda (aho) – Die ökologische Erzeugung von Eiern und Geflügelfleisch ist für die Umwelt weniger günstig als konventionelle Produktionsverfahren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie die die ABN-Amro Bank und die Blonk Umweltberatung erstellt haben. Die Untersuchungen betrachteten hierbei die CO2-Bilanz, den Energieverbrauch und die Ackerlandnutzung pro Kilogramm Produkt.

Die CO2-Emissionen pro Kilogramm Bio-Eier betragen demnach 2,39 Kilogramm. Bei Freilandhaltungen sind es 1,97 Kilogramm, in Bodenhaltung 1,95 Kilogramm und in der Kleinvoliere 1,74 Kilogramm CO2.

Ähnlich ungünstig sind die Werte laut Studie für die Landnutzung in der Bio-Eierproduktion. Für die Produktion von einem Kilogramm Bio-Eiern wird eine Fläche von 3,81 m² Ackerland benötigt, Bei Freilandhaltung sind es 3,28 m², bei Bodenhaltung 3,23 m² und in der Kleinvolierenhaltung 2,88 m² Ackerfläche.

Auch in der Geflügelproduktion hat die Bio-Branche mit hat mit 5,22 Kilogramm CO2 die höchsten Emissionen pro Kilogramm Geflügelfleisch. Weitaus günstiger ist die konventionelle Freilandhaltung mit 3,96 Kilogramm und die übliche Produktion im Stall mit 3,31 Kilogramm.

Die Bio-Geflügelfleischproduktion benötigt laut Studie 7,85 m² Ackerland pro Kilogramm Fleisch. In der Freiland sind es 5,52 m² und in der üblichen konventionellen Haltung 4,67 m² .

Durch eine ungünstige Zusammensetzung der Bio-Futtermittel ermittelten die Untersucher zudem höhere Emissionen der Treibhausgase Methan und Lachgas. Auch bei der Futterverwertung schnitten die Bio-Produzenten deutlich schlechter ab. Die Futterverwertung gibt an, wie viel Futter für ein Kilogramm Fleischzuwachs oder Eimasse nötig ist. Bei einer besseren Futterverwertung wird je Kilogramm Produkt weniger Futter benötigt, der Futterverbrauch sinkt also und die Effizienz der Fütterung steigt. Zur Steigerung der Futterverwertung werden in der konventionellen Produktion die Futtermittel so gut wie möglich an den Bedarf der Tiere angepasst.

Ich hätte mir hier noch ein paar ausführlichere Informationen zu Aufbau und Hergang sowie involvierter Faktoren in der Untersuchung gewünscht und natürlich hätte mich auch eine Rassen-Info gefreut. Wenn man diese Meldung einfach nur so liest, besteht in meinen Augen die Gefahr, dass man sich jetzt zurücklehnt, einen Rülpser des Wohlstandes in die Freiheit des Schrankwand-dominierten Wohnzimmers entlässt und konstatiert, dass wir angesichts dieser Daten zukünftig kaum um eine konventionelle Tierhaltung herumkommen.Und dann biegt Lars nebenan auch noch mit einem bedrückenden Szenario zum Klimawandel um die Ecke...

Das Problem ist nur, dass die konventionelle Geflügel-Haltung gerade unter dem Gesichtspunkt des Animal Welfare durchaus noch ausbaufähig ist. Konsequent überlegt: warum sollte nicht jedes Huhn über Sitzstangen, Heuballen, Pickstangen or whatever verfügen und dabei natürlich auch mehr Platz haben? Dazu mal ein paar Überlegungen: Da Platz allgemein recht endlich ist, sollte die Fütterung dabei "konventionell" erfolgen, ruhig auch unter Verwendung von Leistungsförderern, mit denen natürlich keine Antibiotika gemeint sind, welche - völlig zurecht - aus Gründen bakterieller Resistenzbildungen im Futter nichts mehr verloren haben. Alternativen, die einen ähnlichen Effekt erzielen, gibt es einige.

Da wären zum Beispiel verschiedene Enzymgruppen (Amylasen, Cellulasen, Proteinasen oder auch Phytasen). Ihre Aufgabe besteht darin, sich um sogenannte Nicht-Stärke-Polysaccharide (also Pentosen, Cellulosen oder Pektine, welche sich in Gerste, Roggen oder Weizen befinden) zu kümmern. Diese können die Hühner nämlich nicht problemlos verdauen, weshalb das Futter im Huhn dann aufquillt und aus diesem Grund länger als nötig im Verdaaungstrakt verweilt, dabei aber nicht unbedingt optimal resorbiert wird. Darüberhinaus ist diese aufgequollene Getreidepappe im Tier natürlich nicht sonderlich angenehm und fördert auch nicht unbedingt die Futteraufnahme. Hier kommen jetzt die Enzyme ins Spiel, die die NSPs mal ordentlich auseinandernehmen und dadurch eine deutlich verbesserte Verdaulichkeit von Fett, Stärke und Protein gewährleisten. Und wenn die Pappe einmal durch ist, kann man auch wieder besser zulangen. Ein anderes Enzym wäre noch die Phytase, die sich nicht im Geflügel findet. Setzt man sie dem Futter zu, können die Tiere das im Futter enthaltene Phosphor nutzen und daher die Ausscheidungen verringern.

So. Wenn wir also den Futteraufwand möglichst weit optimieren - sprich: gering halten, eine entsprechende Rasse vorrausgesetzt - sollte doch ein bisschen mehr Komfort in Form einer allgemeinen Anhebung des Standards drin sein.

PS: Ich bin ja nicht wirklich ein Freund von Siegeln. Die sollen für Transparenz sorgen, heißt es. Wenn aber die Verpackungen von Fleischprodukten irgendwann mehr Siegel aufweisen als ein hoch-dekorierter Karnevals-Jeck, läuft irgendwas schief...


Da sich Bücher aus Papier immer noch sehr schwer verlinken lassen, habe ich hier mal wieder eine online verfügbare Dissertation (PDF!) entdeckt, in der die Grundlagen gut vermittelt werden.

    



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Kleine Ergänzung zum World Rhino Day - Paper Review

04. November 2011, 14:52

Do you remember the World Rhino Day? Of course you do, because i published an article about a rhino paper concerning the differences between the northern white rhino and the southern form on that day. You know, i love those animals and already mentioned them a couple of times here in my blog - and I read even more about them for sure. So i´m feeling pretty good informed, concerning populations and so on.
When I started reading the paper, i was a bit confused in the beginning...

"As much a cause for celebration the conservation success of the Southern white rhino is, equally shocking and dire is the fate of the Northern white rhino. After recovering from a handful of survivors at the turn of the 20th century, the Southern form escaped relatively unscathed from the large-scale African rhino poaching epidemic of the 1980s. In contrast, the once tolerably numerous Northern form has been reduced to a tiny remnant (less than 20) in the Garamba National Park, Democratic Republic of Congo, and a similar number in two zoos. Teetering on the brink of extinction, its in-situ and ex-situ survival hang by a thread. Urgent and concerted effort is required to stave off its extinction. The taxonomic status of the Northern form is central to determining its conservation importance and will be a critical driver of efforts to save it."

Huh? I only knew about 7 remaining northern white rhinos. Four of them are living in the Ol Pejeta Conservancy in Keny, one is still at Dvur Kralove Zoo and 2 of them are in San Diego Zoo. So what about more of them? To make sure, i didn´t miss a few, i wrote an email to Colin Groves and felt instantly better, when he told me, that I was right. But in his opinion, there could be still a few nothern white ones out there – not many of course, but a few. Wouldn´t that be great? 

I really need such news, although it is not sure at all, but time is running. The last northern white rhinos in zoos are too old to reproduce and Sudan, Suni, Fatu and Najin don´t seem to feel (have?) any need to have some fun - from a scientist´s point of view it is all about sex in this case - or do it with southern ones like Sudan...It is hard for me to believe in a pregnancy within the next couple of months. You have to keep in mind that a rhino-pregnany takes 16 months and they are not getting younger.

I would be glad to read about researchers and ranchers, traveling to Africa to make sure, what´s up there and – in case there are still existing wild ones – to protect them...
 
Thanks to Colin Groves for taking time to answer my questions.

Kleine Anmerkung dazu: Als ich Colin fragte, ob ich diese kleine Ergänzung zum Paper schreiben dürfe, wollte er vorab einen Blick drauf werfen, weshalb der Artikel auf Englisch ist. All zu schwer verständlich sollte er aber nicht sein. Ansonsten fragen...
 


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Tiergerecht und Artgerecht - eine Betrachtung

07. Oktober 2011, 13:05

Es dürfte zwischen Verbrauchern und Landwirten mittlerweile ein einigermaßen stabiler Konsens herrschen, dass unsere Nutztiere vernünftig gehalten werden sollten. In der Regel taucht dabei der Begriff der artgerechten Tierhaltung auf. Jetzt ist das mit der Bedeutung des Wortes artgerecht so eine Sache. Immerhin sind unsere heutigen Nutztiere über Jahrtausende hinweg domestiziert worden und haben deshalb nicht mehr viel mit ihren wilden Ahnen gemeinsam - und das ist noch lange nicht alles. Auch das Umfeld der Tiere hat sich in der menschlichen Obhut gewaltig geändert, von den Aufgaben ganz zu schweigen. Deshalb hat sich in Fachkreisen jener Begriff der tiergerechten Tierhaltung etabliert. Da ich mir spontan unsicher bin, ob ich bei der Verwendung der Begrifflichkeiten manchmal nicht auch etwas nachsichtig war, möchte ich jetzt die Gelegenheit nutzen, ein wenig darauf einzugehen. Anstoß dazu sind ein Buch, welches ich plane zu rezensieren und ein Argument zur Milchvieh-Fütterung, welches mir im Frühsommer diesen Jahres begegnete.

Zu dieser Zeit tobte gerade EHEC durch Därme und Medien und sorgte für ein ziemliches Durcheinander. Frei nach dem Prinzip des auf Kindergeburtstagen sehr beliebten Topfschlagens wurde einfach alles verdächtigt, was nicht bei 3 auf den Bäumen war. Dazu gehörte auch das Kraftfutter bei Milchkühen. Dieses galt als Nährboden für die EHEC-Bakterien, außerdem sei es unnatürlich, hieß es. Kühe fräßen schließlich Gras, haben sie schon immer getan, was stimmt - auch jetzt noch. Aber eben nicht nur. Die Tatsache, dass die Grundlagen der Tierzucht und Genetik schon ganze Bücher füllen, wir zwischen Milchrindern, Mastrindern, Zweinutzungs- und Mehrnutzungsrassen unterscheiden, ist dabei keine Boshaftigkeit der Natur, um Agrar- und Tiermed-Studenten den letzten Nerv oder zumindest einen Teil der Lebenszeit zu stibitzen, sondern eine Folge eben jener schon erwähnter Domestikation. Dabei sollte es aber nicht bleiben.

Wildtiere allgemein haben im Grunde nur zwei Aufgaben: sie müssen überleben und sich dabei fortpflanzen. Das Wort "überleben" habe ich dabei ganz bewusst gewählt, denn in der freien Wildbahn - auch so eine bescheuerte Formulierung, die sich aber irgendwie durchgesetzt hat - interessiert es nun mal keine Sau und auch sonst niemanden, wie alt man wird oder was man während des Lebens so geschafft hat. Wenn ein Tier das mit der Vermehrung nicht so auf die Kette bekommt (was sich übrigens recht mannigfaltig äußern kann: fehlende Durchsetzungskraft gegen Kontrahenten, bei Revierkämpfen oder auch mangelnde Überzeugungskraft bei Weibchen sind nur einige Beispiele), dann pflanzt es sich eben nicht fort und behält seine Erbanlagen für sich, was dann womöglich auch besser so ist. Hunger- und Durst-Perioden, Krankheiten, Verletzungen - all das sind außerdem noch Unannehmlichkeiten, mit denen sich so ein Wildtier auseinandersetzen muss. Bei nicht wenigen Arten kommen dann auch noch Fressfeinde hinzu, denen sie entweder immer wieder entwischen können oder verspeist werden. Mit anderen Worten: den Sinnesorganen - und nicht nur denen, siehe Fortpflanzung - kommt eine besondere Bedeutung hinzu, weshalb diese bei Wildtieren auch am besten ausgebildet sind. Mit völlig anderen Aufgaben sieht sich das landwirtschaftliche Nutztier von heute konfrontiert. Bei der Milchkuh geht es zwar auch um Fruchtbarkeit, denn ohne Kalb gibt es keine Milch, das mit dem Überleben übernimmt allerdings der Bauer, indem er immer genügend Futter und Wasser ranschafft. Auch für die Umwelt ist er in gewisser Weise zuständig, wenn er sich um das Stallklima kümmert und allerhand "Kuhkomfort" installiert. Auch die Kälberversorgung fällt in seinen Bereich. Und sollte mal ein Tier krank werden, kommt der Tierarzt und kümmert sich, was ich übrigens aus ganz persönlichen Gründen begrüße. Mal ganz nebenbei: Tierärzte kümmern sich nicht nur darum, dass die Tiere wieder gesund werden, sondern sorgen auch in jenen Fällen, die keine Hoffnung mehr bestehen lassen, für einen angenehmen Tod. Sowas gibt es bei Wildtieren nicht. Ach, und bevor ich es vergesse: neben der Fruchtbarkeit geht es bei der Milchkuh natürlich - Überraschung - um die Milch für uns Verbraucher.

Leben, Aufgaben und Ansprüche unserer Nutztiere unterschieden sich also ganz erheblich von jenen ihrer wilden Vorfahren, weshalb das schon allein deshalb mit der artgerechten Tierhaltung schwierig wird. Deshalb gibt es auch den deutlich passenderen Begriff der tiergerechten Tierhaltung, die sich grob gesagt an den fünf Freiheiten orientiert, die dem aufmerksamen Leser und natürlich auch der aufmerksamen Leserin dieses Blogs bekannt vorkommen dürften (ansonsten fragen!). Und damit wären wir wieder am Beginn dieses Artikels angekommen und der Ansicht, dass das kraftfutter für Milchkühe unnatürlich sei. Mag sein, allerdings ist auch die Milchleistung dieser Tiere in gewisser Weise unnatürlich. 10.000 Liter Milch innerhalb einer Laktation sind ziemlich ordentlich und irgendwo müssen die Nährstoffe schließlich herkommen, wobei hier keineswegs die Maxime "viel hilft viel" gilt. Das geht nicht nur über Gras. Mit anderen Worten: die Fütterung von Kraftfutter an Hochleistungstiere ist tatsächlich nicht artgerecht. Sie ist aber tiergerecht und trägt in der Situation dazu bei, dass es diesen Tieren gut geht. Auch der Stall ist nicht unbedingt artgerecht. Aber er ist mit all seiner Komfort-Ausstattung wie Gummimatten zum bequemen Liegen oder Massagebürsten durchaus tiergerecht. Mit den Ansprüchen der Vorfahren hat das nichts mehr zu tun.

Was passiert, wenn man tatsächlich eine artgerechte Haltung zu simulieren versucht, kann man bei Esowatch nachlesen:

 

Serengeti hinter Deichen, so vielversprechend aber auch unzutreffend wird das Naturschutzgebiet Oostvaardersplassen in den Niederlanden bezeichnet. Vielversprechend, weil mit der Ansiedlung freilebender Rothirsche, Heckrinder und Konik-Pferde ohne jeglichen menschlichen Eingriff (bis auf das gelegentliche Abschießen kranker Tiere) durch das Zurückdrängen von Gebüschen eine Offenlandschaft geschaffen wurde, von der viele andere Arten profitieren. Und auch für den Besucher mögen große Herden, die durch das Gebiet ziehen, ein imposanter Anblick sein. Naturromantik pur, so wie es sich der Städter gerne vorstellt.
Unzutreffend ist diese Bezeichnung aber, weil das Gebiet eingezäunt ist, die Tiere sich vermehren, ohne dass ein Bestandmanagement stattfindet. So müssen sich 1.171 Pferde, 548 Rinder und 2.172 Rothirsche auf einer Grünfläche von knapp 2.200 Hektar die Nahrung teilen. Dass das nicht lange gut geht, kann sich eigentlich jeder denken. Ohne Eingreifen des Menschen wird die Nahrung knapp, besonders im Winter. Normalerweise wandern Tiere zu groß gewordener Populationen in andere Gebiete ab, wenn die Nahrung knapp wird. Doch hier war das unmöglich, das Gebiet ist umzäunt. Und was die vielgescholtenen Jäger in ihren Revieren tun, in Notzeiten eine Winterfütterung anzulegen, geschah nicht. Und so hatten die eingesperrten Tiere keine Chance, sie hungerten und viele verhungerten.

 

Hoppla! Dann nehme ich doch lieber die Rundum-Betreuung. Ach, und wo wir schon mal dabei sind: Kommt mir bloß nicht mit dem Wikipedia-Artikel zu artgerechter Tierhaltung an. Der ist Quatsch...

 


Den Esowatch-Artikel kann man übrigens auch ganz lesen. Solltet Ihr tun. Der Aufmerksamkeit Reuben Cs habe ich es zu verdanken, dass ich hier noch ein thematisch hervorragendes Video einbinden, thematisch werde ich das aber nochmal aufgreifen, da es hier um artgerecht/tiergerecht beim Schwein geht:

 



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