AstroGeo Podcast: Fracking

8. April 2013 von Karl Urban in Energie, Podcast

Ist es dreckig, gefährlich und unverantwortlich? Oder ist es Garant für zukünftigen Wohlstand? Wenn es um unkonventionell gefördertes Schiefergas mittels Fracking geht, stehen diese Fragestellungen unversöhnlich gegeneinander.

Obwohl Fracking in aller Munde ist, konzentriert sich die öffentliche Kritik dabei meist auf die Fracking-Flüssigkeit, darin enthaltene Chemikalien und die befürchtete Gefährdung des Grundwassers.

In dieser Sendung sprechen Lars Fischer (Fischblog) und Karl Urban (Pikarl) über tiefer liegende Aspekte des Frackings: Was ist das für Wasser, das in der Lagerstätte steckt? Wohin wird es hinterher entsorgt? Ist genügend Platz in der Tiefe für die vielen Bohrungen? Und: wie realistisch sind die Ressourcen, die angeblich noch in der Tiefe schlummern?


Kommentare und weiterführende Links: auf der Sendungsseite

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3 Kommentare zu “AstroGeo Podcast: Fracking”

  1. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Fracking-Podcast: Zu lang, zu geologisch

    Für meinen Geschmack ist der Beitrag zu langatmig und zu stark auf geologische Faktoren ausgerichtet.
    Die ökonomischen und energiepolititschen Faktoren kommen dagegen entweder zu kurz oder werden schlichtweg falsch eingeschätzt und wiedergegeben.
    Hier nun meine Gegendarstellung was die ökonomische und energiepolitische Bedeutung des Fracking und der fossilen Rohstoffe angeht:
    1) Fracking hat den Erdgaspreis in den USA in das Preisband 2.5 bis 4.5 US$ pro btu gebracht, verglichen mit 10 bis 12 US$ in Europa und 14 bis 16 In Japan. Die Umstellung auf Gaskombikraftwerke anstatt Öl hat in den USA die CO2-Emissionen in den letzten 7 Jahren mehr gesenkt als in den Kyotoländern zusammen.
    Fracking hat die Ölförderung in den USA von 5 Mio Barrel 2006 auf 7 Mio Barrel 2013 erhöht.
    2) Der Frackingerfolg in den USA geht auf eine Kombination von Faktoren zurück, die andernwo nicht gegeben sind. Fracking wird in China, Europa und Australien wenn überhaupt erst in 5 bis 10 Jahren grössere Bedeutung erhalten. In Frankreich ist Fracking verboten, in Deutschland gibt es vorneweg schon Auflagen und die politischen Widerstände sind nicht zu unterschätzen
    3) Die USA könnten schon ab 2015 Erdgas als Liquid Natural Gas (LNG) exportieren, vor allem auch nach Europa
    4) Die IEA ist keine Organisation der Energieproduzenten wie im Beitrag erwähnt sondern der OECD. Anders als behauptet ist die IEA in ihren Aussagen, was die zukünftigen Reserven angehen eher auf der konservativen Seite und es wurde ihr vor kurzem noch vorgeworfen sogar vorgeworfen Peak-Oil-Ahnungen zu wecken. So findet sich im World Energy Outlook von 2010 auf Folie 7 eine grosse Produktionslücke von 35 Millionen Barrel für das Jahr 2035, die mit "fields yet not found" und "fields yet not developed" gekennzeichnet ist.
    Die Voraussagen der IEA (WEO 2012) über die zukünftige irakische Produktion liegen mit 8 Mio Barrel/Tag im Jahr 2035 deutlich unter der von der irakischen Regierung geplanten Produktion von 11 Millionen Barrel schon vor 2020.
    Die vorausgesagte US-Ölproduktion peakt in den IEA-Voraussagen bereits in den 2020er Jahren und erreicht nur zusammen mit Natural Gas Liquids (NLG) (aus Erdgasfracking) überhaupt das gleiche Produktionsniveau wie Saudiarabien (10 bis 11 Million Barrel/Tag)
    5) Die IEA und ihr Chefökonom Birrol befürwortet seit mehr als 10 Jahren eine Preis auf CO2-Emissionen und hat im WEO 2012 2 Niedrigemissionszenarien,
    nämlich das "New Policies Scenario" und das "Efficient World Scenario", welches von einem Peak-Ölverbrauch schon 2020 ausgeht. Dies steht in deutlichem Kontrast zu den Sprechern dieses Podcasts, die zum Schluss kommen, die fossilen Rohstoffe müssten gefördert und verbraucht werden, weil niemand eine Zurückhaltung beim Verbrauch belohne.
    6) Zu den Spekulationen über die Bedeutung eines Peak-Oils im Podcast lässt sich nur sagen, dass das Ende von Cheap Oil bereits eingetreten ist, weil die Förderung von konventionellem Erdöl seit 2006 kaum noch gestiegen ist und die Förderung von thight oil/shale oil sowie anderen unkonventionellen Ölen sehr viel teurer ist. Heute gibt es sogar bei den Advokaten von Peak-Oil ein Umdenken und einige sprechen vom Peak-Oilprice als limitierenden Faktor. Die Verteuerung von Rohöl von 20 Dollar pro Barrel in den 1990er Jahren auf jetzt 80 bis 100 Dollar hat den Welt-BIP-Anteil der Rohölkosten bereits um mehr als 4% erhöht. Gleichzeitig hat das Ende von Cheap-Oil Kohle einen kräftigen Schub gegeben. Bereits ab 2017 wird Kohle die wichtigst Primärenergiequelle sein.

    Abschliessend meine Beurteilung von Energieprognosen überhaupt und von der Rolle des Preises von Energierohstoffen:

    1)Langzeitprognosen sind im Energiebereich äusserst schwierig zu machen. Shale Gas& Tight Oil sowie der Anschub der Ölförderung im Irak haben die Wahrscheinlichkeit stark reduziert, dass es in den nächsten 20 Jahren zu spürbarer Knappheit bei Erdöl und Erdgas kommen wird und die steigende Ölförderung im Irak wird wohl verhindern, dass die Erdölpreise schon bald durch die Decke gehen, denn das irakische Öl ist äusserst billig zu fördern.
    2) Der Preis für Energierohstoffe spielt eine von vielen unterschätzte Rolle. In den USA führte der sinkende Erdgaspreis in kurzer Zeit zur Umstellung auf Erdgas im Erdgas- und teilweise sogar im Treibstoffverbrauch. Gleichzeitig nahm die Bedeutung von Kohle in wenigen Jahren stark zu, weil Öl so teuer wurde.
    3) Ein Durchbruch von nichtfossilen Lösungen (wie dem reinen Elektromobil) ist erst zu erwarten, wenn die Preise in diesem Bereich (Erneuerbare,Nuklear,Batterien, Speicher, Netz etc.) gegenüber heute deutlich sinken oder aber ein weltweiter Preis auf CO2-Emissionen erhoben wird.

  2. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    USA Jan 2013:TotalOilSupply >Saudiarabia

    Meine Behauptung, der IEA World Enery Outlook 2012 sei konservativ wird durch die gerade veröffentliche Energiestatistik der EIA (US-Energiebehörde) gestützt.
    Im Januar 2013 war die totale Ölförderung (inklusive NGL (Abfallprodukt der Erdgasförderung)) der USA mit 10,7 Millionen Barrel pro Tag bereits grösser als diejenige von Russland, welches 10,3 Mio förderte und fast gleich gross wie diejenige von Saudiarabien, welches 11,5 Mio. Barrel förderte.
    Im World Energy Outlook 2012 der IEA (Sitz in Paris, nicht zu verwechseln mit EIA) findet man dagegen auf Folie 4 erst für die Jahre zwischen 2015 und 2020 eine Förderung von mehr als 10 Millionen Barrel für die USA. Wiederum ein Beispiel, dass die IEA die in Zukunft geförderten Mengen meist unterschätzt. Eine Ausnahme dürfte hier lediglich die Schätzung aus dem Jahr 2010 sein, dass Saudiarabien in den Jahren bis 2035 seine Ölförderung um bis zu 5 Millionen Barrel erhöhen wird (Folie 9) Das wird mit Sicherheit nicht passieren. Wurde allerdings von Saudiarabien noch vor kurzem behauptet.

  3. Robert Kühn Antworten | Permalink

    IEA

    Ich habe momentan nicht die Zeit/Geduld/Bandbreite, um mich erneut mit dem Thema Peak-Oil zu beschäftigen. Daher hier nur eine kurze Bemerkung zum Thema IEA, die von den erdölverbrauchenden Ländern zum Zweck einer ungestörten Versorgung (ihrer Industrie) mit fossilen Energierohstoffen gegründet wurde.

    Die Aussagen dieser Organisation sind keineswegs "konservativ" im Sinne einer vorsichtigen Abschätzung der vorhandenen Reserven. Ich habe viele Jahre in der Erdöl-/Erdgasexploration gearbeitet und kenne die Prognosen, die von der IEA in deren WEO-Publikationen veröffentlicht werden.

    Die Vorgehensweise ist dabei folgende:
    Zunächst wird die zukünftige Nachfrage ("demand") errechnet und danach (!) anhand ominöser und i.A. nicht nachvollziehbarer Statistiken und geschönter Abschätzungen ein "supply" erstellt, der immer die Nachfrage befriedigen kann. Die langfristigen Förderungs-Prognosen der IEA waren immer drastisch zu hoch angesetzt und führten u.a. zu den bekannten Problemen in 2008, als offensichtlich wurde, dass die Ölförderung nicht der Nachfrage folgen konnte (Ölpreis von 150$/b).

    Die Autoren einer Studie der seriösen Energieberatungsfirma L-B-Systemtechnik nennen dieses Verfahren übrigens "aufwendige Monte-Carlo Rechnungen" in ihrer sehr zu empfehlenden Analyse der Ölversorgung, bzw. deren Akteure:

    http://www.lbst.de/...ich_Artikel-Juni-2004_v4.pdf

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