Brainbooks 15

2. Juni 2013 von Arvid Leyh in Literatur

Braincast 315

Philosophisch-Disziplinloses von Northoff, Soziobiologisches (natürlich!), Kooperatives von Tomasello, ein Atlas, dazu großartige Neuroanatomie von Nauta, Diamonds Vermächtnis. Eso-Mist über das Leben nach dem Tod (bewiesen!). Langweilige Fantasy. Großartige Sci Fi. Atemloser Terror.

 
MP3 File Dauer: 25:00

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DIE BESPROCHENEN BÜCHER SIND

Wie versprochen der Link zum Turm der Sinne Symposium über das Bewusstsein. Christof Koch ist dabei, Wolf Singer, John Dylan Haynes, Katrin Amunts und einige mehr.

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SHOWNOTES

Die Musik orientiert sich am Medium und ist primär klassisch: Equinoxal von Incidental Fusion, Anxiety, Third Movement von Mark Heimonen, HeartFire von Reflectiv und, ein wenig Eso, Sacred Ground von Jon Schmidt.


3 Kommentare zu “Brainbooks 15”

  1. HF Antworten | Permalink

    eben alexander ist kein Neurologe!

    Sie haben eben Alexander als Neurologen bezeichnet und sich im Braincast gewundert, warum er dieses und jenes nicht weiss.
    Eben Alexander ist kein Neurologe, sondern Neurochirurg. Das ist nicht nur eine andere Facharztrichtung, sondern ein ganz bedeutender Unterschied. Ein Neurochirurg hat mit Hirnforschung ungefähr sowiel zu tun, wie ein Automechaniker mit der Programmierung von Flugzeugsoftware. Ich habe als Neurologe in der Klinik fast täglich mit Neurochirurgen zu tun. Neurochirurgen wissen, weil es nicht ihre Aufgabe ist, in der Regel nicht das Geringste über die Funktionen des Gehirns. Sie wissen wohl Bescheid über funktionelle Anatomie, aber eben nur im makroskopischen Bereich. Von Neurotransmittern, Verschaltungen, Assoziationsfasern aber eben auch von allen Belangen der psychiatrischen Seite haben Sie in der Regel keine Ahnung, es ist nicht Gegenstand ihrer Facharztausbildung (und ich habe vielleicht 2 von 100 Neurochirurgen in verschiedenen Kliniken getroffen, die für solche Themen überhaupt empfänglich sind). Wohl aber wohnt in vielen von Ihnen eine gewisse Arroganz und Übergriffigkeit, wie es bei Chirurgen allgemein nicht selten anzutreffen ist und von nicht-chirurgischen Ärzten meist augenrollend und kommentarlos geduldet wird. Typisch ist, z.B. ein starker Hang zur Meinungsbildung mit meist reaktionären Charakter.
    So passt es eben auch sehr gut, dass ein Neurochirurg mit einer komatösen Erfahrung überfordert ist (wer wäre das auch nicht) und im Rausch der beschränkten Wahrnehmung in einen Prozess der Fehlinterpretation und unwissend Antworten suchend auf diesen esotherischen Quatsch hereinfällt und ihn auch noch verbreitet. Ich wage zu behaupten: Kein Neurologe hätte so ein Buch geschrieben. Ich habe nichts gegen Neurochirurgen - man muss nur eben alles in seinem Kontext betrachten.

  2. Arvid Leyh Antworten | Permalink

    Mea culpa

    Stimmet: ich habe mich hinreisen lassen.

    Er, bzw. der Verlag, reitet so auf seinem wissenschaftlichen – und nicht medizinischen – Renommee ... Verzeihung: ich wollte die neurologische Zunft nicht beleidigen.

    Was das Wissen angeht: ich kann mir vorstellen, dass irgendwelche philosophischen Dispute (freier Wille etc.) an einem Chirurgen vorübergehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er in Sensorik so schlecht ist.

    Tatsächlich weiß er eine ganze Menge, wie er auch in seinem Buch andeutet. Er "weiß" vor seiner Infektion sogar, dass ähnliche Erlebnisse bei seinen Patienten Fantasien sind.

    Um dann doch zu erklären, dass während seines Komas sein Gehirn – Zitat – überhaupt nicht arbeitete. Und in der Zeit hat er – Zitat – die Wahrheit erkannt.

    Ich werfe Alexander nicht vor, dass er diese Wahrheit erkannt hat oder dass zutiefst von ihr überzeugt ist. Ich werfe ihm Populismus mit gezielter Ignoranz vor. Aber womöglich kann er ein Attest aus der nächsten Nachuntersuchung vorweisen.

  3. HF Antworten | Permalink

    Repost 2

    Hallo!
    Die neurologische Zunft ist nicht beleidigt. Schon gar nicht von Ihnen. Mir gehts auch nicht darum, Neurochirurgen per se schlecht zu machen. Ich kenn nicht wenige Neurochirurgen, von denen ich mir ohne Nachzudenken einen Bandscheibenvorfall oder einen Hirntumor rausoperieren lassen würde - selbst bei aller Diskrepanz die unsere Fachrichtungen verbindet (es passiert doch immerhin auf einem hohen niveau denk ich mal).
    Es ging mir im Kern nur darum, das einem Neurochirurgen möglicherweise die Basisvorraussetzungen fehlen um Erlebnisprozesse richtig einzuordnen. Ich glaube, das dieses Wissen (das ich sicher auch nur sehr beschränkt habe) einfach nicht zur Neurochirurgen Welt gehört und auch nicht einfach so in diese Welt implementiert werden kann. Es geht um die richtige Einordnung von Fakten in einen Gesamtkontext. Da ist meine Erfahrung, jetzt unabhängig von Eben Alexander, das Neurochirurgen sich eben nicht um das Verständnis einer tieferen Ebene bemühen. Da muss es gar nicht um den freien Willen gehen (das Thema existiert im klinischen Alltag gar nicht in dieser philosophischen Form). Grade am Beispiel Sensorik ist die Sicht doch eher von sehr groben anatomisch-funktionellen Verständnis geprägt: z.B. der Verlauf der Sehbahn wird gekannt, das jedoch einige Sehfasern kreuzen, und welche ist eher schon ausserhalb der neurochirurgischen Welt. Den Neurochirurgen interessieren auch für seine Arbeit nicht die Verarbeitungsprozesse des Sehens im Okzipitallappen und schon gar nicht die daraus folgenden bewussten und kognitiven Prozesse. Wozu auch. Einen Neurochirurgen interessiert auch nicht, welche Bahnen jetzt vom spinalen Prozess irritiert werden, und auch nicht, wofür die zuständig sind. Ihn interessiert, soll ich das rausoperieren, wie mach ich das am Besten. In der Regel läuft das gesamte Prä- und der grösste Teil des postklinischen Verlaufs über die neurologische Abteilung (Anamnese, Klinische Untersuchung, ENG/EMG, LP, Nachuntersuchung, REHA). Die neurochirurgische Abteilung übernimmt den Patienten am Vorabend der OP und verlegt ihn am zweiten Post-OP Tag spätestens wieder zurück. Neurochirurgie ist ein Handwerk, wie einige chirurgische Fachrichtungen. Ein Unfallchirurg erzählte mir mal voller Stolz, er habe für die Stationsvisite seiner 18 operierten Patienten nur 30 Minuten gebraucht! Als ich meinte bei uns wäre eher die dreifache Zeit die Norm machte er sich lustig über diese Ineffektivität.
    Man merkt den groben Umgang mit dem Denkorgan bei den Neurochirurgen übrigens auch im alltäglichen Umgang - allein schon an der Sprachwahl: Gehirn ausgeschaltet, Cortex von Bakterien zerfressen, der ist doch Hirntod etc sind Ausdrücke die öfter fallen und einige der Art wohl auch so ähnlich aus dem Buch zitiert werden (z.B. In Rezensionen).
    Aber ich hab das Buch nicht gelesen.
    Haben Sie denn das ganze Buch gelesen?Mein Respekt, ich hätte es wohl nicht geschafft. Vielen Dank dafür, das Sie das stellvetretend für uns Braincast Hörer getan haben.
    Wie gesagt, es soll kein Neurochirurgie bashing sein, auch wenn es vielleicht so klingt.

    An dieser Stelle möchte ich mich auch gleich mal für den Braincast bedanken. Ich habe jede Folge in den letztem Jahren gehört.

    Man sollte sich sowieso nicht so lange mit sowas wie dem Buch befassen. Ich fands je auch eher spannend, wie mit solchen Themen z.B. von Ihnen, also von Nichtmedizinern die etwas von diesen Dingen verstehen, gesehen wird.

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