SciLogs International .eu.be.es.de
scilogs Landschaft und Ökologie spektrum.de

aktuelle Artikel RSS

Theologie als Wissenschaft Teil 3

23. Mai 2012, 08:11

Antwort von T. Moos auf meinen zweiten Brief:

 

Lieber Herr Trepl,

 

haben Sie herzlichen Dank für Ihren zweiten Brief! Wir haben da ein paar klassische theologische „Einleitungs“-Themen am Wickel, zu denen ich gerne etwas sagen möchte.

1. Zur Rolle der Bibel: Die Bibel hat für den christlichen Glauben eine kaum zu überschätzende Funktion. An jedem ihrer Verse haben sich in einem über die Jahrtausende gehenden Dialog Auslegungen angelagert zu dem, worum es dem christlichen Glauben geht. Diese sind in keiner Weise homogen oder auch nur konvergent; gleichwohl ist der Rückbezug religiöser Geltungsansprüche auf die Bibel insbesondere für den Protestantismus immer ein wesentliches Charakteristikum seiner religiösen Kommunikation (und seiner rituellen Praxis!) gewesen. Das heißt jedoch nicht, dass eine Begründung von religiösen Überzeugungen aus dem Text der Bibel als solche Geltung beanspruchen könnte. » weiter

Geschrieben in Allgemein | 4 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Theologie als Wissenschaft Teil 2

22. Mai 2012, 08:01

Zweiter Brief an T. Moos:

 

Lieber Herr Moos,

vielen Dank – ich verstehe nun eine ganze Menge mehr. Den meisten der Sätze, zu denen ich hier nichts schreibe, kann ich zustimmen. Nun bin ich aber studierten und Amateur-Theologen nicht nur auf dieser Tagung begegnet. Sie schreiben: „Wenn die Geltung theologischer Aussagen von einem historisch kontingenten Textkonvolut abhinge ...“, dann wäre die Theologie keine Wissenschaft. Aber ich habe kaum je etwas anderes erlebt. Wann immer eine Behauptung der Art „Frauen dürfen auch Pfarrer werden“ oder „Wir müssen für Frieden eintreten“ aufgestellt wurde, wurde nach einer „biblischen Begründung“ gefragt. Man las nach, ob diese Behauptung sich auch in der Bibel finden läßt oder zumindest keine gegenteilige. Unter der Hand und kaum bewußt wurde freilich immer auch die Vernunft herangezogen, die Lebensumstände des Autors wurden zur Interpretation herangezogen und so nicht einleuchtende Aussagen relativiert usw. Aber daß es einfach im Hinblick auf die Geltung irrelevant sein könnte, was da steht, wie auch immer man es interpretieren mag, das ist mir nicht begegnet.  » weiter

Geschrieben in Allgemein | 0 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Theologie als Wissenschaft Teil 1

21. Mai 2012, 08:26

Vom 28.-29.9.2011 fand in der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) in Heidelberg eine Tagung statt zum Thema

„‚Bewahrung der Schöpfung.’ Theologische Ethik im interdisziplinären Gespräch“.

Ich war einer der Referenten. Während der Tagung kam es immer wieder zu Diskussionen vor allem unter den anwesenden Nicht-Theologen – Vertretern verschiedener Fachwissenschaften und Philosophen – über folgende Frage: Wofür soll es denn gut sein zu wissen, was in irgendwelchen alten Schriften zu einem Begriff wie „Schöpfung“ steht, oder wie es zu deuten ist, daß die Menschen „sich die Erde untertan machen“ sollen, also wozu die Theologie überhaupt von Nutzen sein kann im Hinblick auf Probleme der Umweltpolitik, denn um diese ging es letztlich. Nach der Tagung kam es zu einem Briefwechsel zwischen einem der Veranstalter, dem Theologen Dr. Thorsten Moos, und mir. Diesen Briefwechsel veröffentliche ich hier; ich danke Herrn Moos für sein Einverständnis. Hier ist der erste Brief: » weiter

Geschrieben in Allgemein | 6 Kommentare | 1 Trackbacks | Permalink


Aus einer anderen Welt, Teil II: Wettbewerb

16. Mai 2012, 09:24

Daß es in der Wissenschaft gilt, Karriere zu machen und man gar Wissenschaft ihretwegen betreibt, hatte den Aufstieg eines anderen Begriffs zur Voraussetzung, der bis vor ca. 30 Jahren unter Wissenschaftlern – den jüngeren, die nach dem Sinn fragten, ebenso wie den älteren, die die Freiheit der Forschung gegen diese Frage verteidigten – gleichermaßen ziemlich unbekannt und auf jeden Fall unbeliebt war: Wettbewerb. Wettbewerb war die zentrale Parole der Hochschulreformen, die in den 90er Jahren mit Macht einsetzten und die die vorigen Vorstellungen davon, was das Wesen von „Wissenschaft als Beruf“ ausmache, egal auf welcher der beiden Seiten der in Teil I skizzierten Kontroverse, völlig verkehrten. (Der Rest dieses Textes stammt aus einem Aufsatz, den ich damals geschrieben habe.[1])

Anders als man oft meint ist Wettbewerb ein der Wissenschaft fremdes Prinzip » weiter

Geschrieben in Allgemein | 2 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Aus einer anderen Welt, Teil I: Karriere

14. Mai 2012, 11:07

Es ist keine Parallelwelt und leider auch keine zukünftige wie das sozialistische Paradies oder die zweite Welt, in die wir dereinst verklärten Leibes eingehen werden, sondern eine wohl endgültig vergangene.

Aus einem Artikel des „Bloggewitters“ „Bloggen und Karriere“:

„Dort hat ein Nobelpreisträger den jungen Leuten die Empfehlung gegeben, tatsächlich quasi jede freie Minute mit der Wissenschaft zu verbringen, inklusive Abenden und Wochenenden. ... Wenn man also zu der Überzeugung gekommen ist, dass auch Wissenschaftler ein normales Leben leben dürfen ....“[1]

Zu diesem Thema Adorno:

„Weniges unterscheidet die Lebensweise, die dem Intellektuellen anstünde, so tief von der des Bürgers, wie daß jener die Alternative von Arbeit und Vergnügen nicht anerkennt.“ (Minima moralia)

Der Autorin des obigen Blog-Zitats ist es offenbar selbstverständlich, daß das, was der Nobelpreisträger von den „jungen Leuten“ fordert, eine Zumutung ist;  » weiter

Geschrieben in Ökologismus | 11 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Kulturlandschaft oder radikale Trennung von Zivilisation und Wildnis? Eine Erwiderung auf „Wilde Träume“.

07. Mai 2012, 07:40

Vor einigen Wochen schrieb ich einen Blog-Beitrag mit dem Titel „Wilde Träume“ (Teil I und Teil II) über einen Aufsatz von Jürgen Gerdes, in dessen Kern die Forderung steht: Nicht Naturgebiete werden, wie es jetzt übliche Praxis ist, als Inseln in der Zivilisationslandschaft erhalten, sondern es soll umgekehrt sein, die besiedelten Gebiete sind die Inseln. Hier antwortet der Autor auf meine Kritik:

 

Gastbeitrag von Jürgen Gerdes:

Wilde Träume?

Es ist sehr dankenswert, dass Ludwig Trepl mich in seinem Aufsatz „Wilde Träume Teil I“ gegenüber den Ottschen Vorwürfen der „Politikferne“ und der „totalitären Konsequenzen“ meiner „Vision“ in Schutz genommen hat. Das scharfsinnige und einleuchtende Argument, das er vorbringt, wäre mir als Gegenrede nicht so ohne weiteres eingefallen: dass nämlich die Grundstruktur einer jeden Weltanschauung, hinreichend ausgebreitet und mit Macht durchgesetzt, ins Totalitäre gewendet werden kann. Konrad Ott hat in GAIA 19/2 (2010) eine angriffslustige Replik auf meinen Essay „Betreten verboten!“ geschrieben („Verwilderte Visionen“), und die Redaktion hat mir im gleichen Heft die Möglichkeit eingeräumt, darauf zu antworten („Niemand hat einen Zauberstab“). Ich habe darin versucht, die Kritik Otts zu entkräften, und einiges, was ich dort geantwortet habe, trifft auch die Einwände Ludwig Trepls.  » weiter

Geschrieben in Ökologismus , Wildnis , Landschaftsbegriff | 25 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Muß man dem heutigen Ökologismus für seine Plumpheit danken? Teil 2 von "Läßt sich der Untergang von Hochkulturen ökologisch erklären?"

02. Mai 2012, 08:52

Am heutigen ökologistischen Diskurs um die Frage einer möglichen Erklärung gesellschaftlicher Phänomene als Folgen der Anpassung an die natürliche Umwelt fällt ein extremer Reduktionismus auf: Alles dreht sich um Ressourcen für das physische Überleben. Vor 200 oder etwas mehr Jahren, als diese „geodetermistische“ – wie man es später in der Geographie nannte – Art von Erklärungen sich in den Vordergrund drängte oder überhaupt erst aufkam, dachte man weit differenzierter.

„Alle grobfühlenden Völker in einem wilden Zustande oder harten Klima leben gefräßig“.[1] Dagegen scheint » weiter

Geschrieben in Ökologismus , Biologismus , Rassismus | 4 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Läßt sich der Untergang von Hochkulturen ökologisch erklären? Teil 1: Ressourcenmangel ist nicht die Ursache des Verschwindens von Städten

30. April 2012, 10:38

In meinem Blogbeitrag „Biologismus Rassismus Ökologismus“ hatte ich eine Form des Biologismus (d. h. einer „weltanschaulichen Position“, die „menschliche Verhaltensweisen und gesellschaftliche Zusammenhänge vordringlich durch biologische Gesetzmäßigkeiten zu erklären versucht“, Wikipedia, Definition von „Biologismus“) angesprochen. Diese Form kann man einen Aspekt des Ökologismus nennen. Zum Ökologismus habe ich u. a. die Erklärung „gesellschaftlicher Zusammenhänge“ als Anpassungsphänomene von Gesellschaften an die natürliche Umwelt gerechnet, sofern diese Erklärung nicht zutreffend ist und sich einer Anmaßung von Zuständigkeiten durch die Ökologie verdankt. Ist sie zutreffend, kann man nicht von einem -ismus sprechen; diese Endung in Verbindung mit dem Namen einer Wissenschaft bezeichnet eine Überdehnung der Erklärungsansprüche. Ich hatte geschrieben: „Im Fernsehen gibt es neuerdings eine Fülle von ‚Bildungsfilmen’, deren Botschaft immer diese ist: Daß irgendwelche Hochkulturen – die der Maya, die von Angkor usw. – untergegangen sind, lag nicht, wie man bisher unter dem Einfluß einer naturvergessenen Soziologie glaubte, an ethnischen oder religiösen Konflikten und anderen Schwierigkeiten ‚innerer Anpassung’, sondern an Veränderungen auf der Ebene der natürlichen Ressourcen in der Umwelt (oft dadurch bedingt, daß sie übernutzt worden sind und sich die Natur gerächt hat).“

Martin Holzherr hat das in einem Kommentar kritisiert:

„Zudem sind die Ansätze, welche das Verschwinden bestimmter Kulturen mit Phasen des Klimawandels in Zusammenhang bringen und die daraus gewachsenen Begriffe wie Carrying capacity, welche die Tragfähigkeit eines Ökosystems oder einer menschlichen Population in einer gegebenen natürlichen Umgebung mit gegebenen Ressourcen beschreiben, mit Sicherheit stimmig. Die Maya-Hochkultur verschwand tatsächlich durch eine Phase von immer stärker werdenden Dürren » weiter

Geschrieben in Ökologismus | 6 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Italiener entscheiden über Existenzwert des Regenwalds

27. April 2012, 10:47

Unter der Überschrift „Existenzwerte“, was seltsamerweise eine „Ökosystemdienstleistungs-Kategorie“ genannt wird, steht in TEEB (2010):

„Horton et al. (2003) verwenden den kontingenten Bewertungsansatz und schätzen die Zahlungsbereitschaft britischer und italienischer Haushalte für Schutzgebiete im brasilianischen Amazonasgebiet auf US$ 46 pro Hektar und Jahr.“

Ich bin auf dem Gebiet der Ökonomie völliger Laie und meine Frage mag dumm sein, aber ich möchte sie doch nicht unterdrücken: Kann man auf diese Weise tatsächlich den „Existenzwert“ von irgend etwas ermitteln, noch dazu in Zahlen? Wenn die Ökonomen damit nur unter sich blieben! Aber sie können sich nicht halten und teilen der Öffentlichkeit mit, wie viele Dollar die Existenz eines Stücks Regenwald wert ist, und die Leute glauben dann, diese Zahl sage ungefähr so viel aus wie im Falle handfester Sachen, etwa wie im Falle der Summe, die man für eine Flasche Bier zahlen muß.

Gemeint scheint ja etwa zu sein, daß der Wert der bloßen Existenz dessen, was zur Zeit auf Flächen im Amazonasgebiet vorhanden ist, folgendermaßen festgestellt werden kann: Man fragt Briten und Italiener, was sie zahlen würden, wenn sie damit erreichen könnten, daß auf diesen Flächen alles so bleibt, wie es ist. Sicher diskutieren die Ökonomen heftig und mit größter Akribie darüber, daß die ermittelten Zahlen unsicher sind, weil man bei leichter Veränderung der Befragungssituation vielleicht erheblich abweichende Werte genannt bekäme. Aber diskutieren sie auch die Möglichkeit, daß Brasilianer, Nigerianer, Chinesen oder Texaner sich vielleicht bereit erklären könnten, dafür zu zahlen, daß das Stück Regenwald in eine Viehweide umgewandelt wird oder in einen Golfplatz? Und wie bestimmt man unter diesen Bedingungen den – nun eventuell negativen – Zahlenwert des Regenwalds? Errechnet man den Durchschnitt aus Briten und Chinesen? Berücksichtigt man dabei, daß es mehr Chinesen als Briten gibt? Wird in Rechnung gestellt, daß ein US-Amerikaner viel mehr wert ist als ein Nigerianer – wie man ja da daran sieht, daß 10 tote Amerikaner eine viel größere Zeitungsmeldung wert sind als 1000 tote Nigerianer? Kann mich jemand aufklären?

 

Literatur: 

TEEB (2010): Die Ökonomie von Ökosystemen und Biodiversität: Die ökonomische Bedeutung der Natur in Entscheidungsprozesse integrieren. (TEEB (2010) The Economics of Ecosystems and Biodiversity: Mainstreaming the Economics of Nature) Ansatz, Schlussfolgerungen und Empfehlungen von TEEB – eine 



Geschrieben in Biodiversität und Aussterben | 3 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Warum dieser Blog?

23. April 2012, 09:51

Dieser Blog dient nicht dem Popularisieren von Wissenschaft oder dem Transparentmachen von Forschungsprozessen für die Öffentlichkeit. Er dient der wissenschaftlichen Forschung selbst, und zwar durch Diskussion. Wie in einer Arbeitsgruppe ist hier der primäre Zweck des Diskutierens, die Arbeit, also die Erkenntnis voranzubringen. – Dieses Programm hat sich als Illusion erwiesen, denn Wissenschaftler lesen keine Blogartikel und beteiligen sich schon gar nicht an den Diskussionen, jedenfalls nicht die für die jeweiligen Fragen zuständigen Wissenschaftler.

Die Frage nach dem Warum dieses Blogs kann man auf mindestens zwei verschiedene Weisen verstehen: Erstens, warum meine ich, daß man oder ich das machen sollte? Daraus ergibt sich das Programm des Blogs. Zweitens, was sind diejenigen Ursachen, die man die „wirklichen“ nennt, im Unterschied zu den Gründen, von denen man glaubt, daß sie die Triebkräfte sind, etwa weil sie dem Selbstbild schmeicheln? Diesen Unterschied zwischen (vielleicht eingebildeten) Gründen und (wirklichen) Ursachen bitte ich im folgenden immer gut zu beachten.

Bloggen und Karriere

Der Neuroanatom Helmut Wicht hat hier bei Scilogs unter der Überschrift „Warum ein Wissenschaftler bloggt“ diese Frage für sich – unter anderem – so beantwortet: „Weil ich eitel bin, und gelesen werden möchte.“ Es wäre übertrieben, zu behaupten, daß dies für mich kein Grund ist. Aber es gibt doch erfreulicherweise Dinge, die bei mir mildernd wirken: Dieses Motiv, so stark es einst war, hat im Laufe » weiter

Geschrieben in Allgemein | 10 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


szmtag