Die islamische Gottesvorstellung- eine kurze Einführung

18. November 2009 von Hussein Hamdan in Grundlagen

Der Glaube an Gott ist das Zentrum des Islam. Sämtliche Regeln und Riten der Religion sind auf die uneingeschränkte Hingabe an Gott gerichtet.
Muslime glauben an einen einzigen Gott, Schöpfer und Erhalter der Welt. Er hat keine Partner neben sich und duldet auch keine.
Der erste Teil des islamischen Glaubensbekenntnisses drückt dies deutlich aus: Es gibt keinen Gott außer Gott.

Die Eigenschaften Gottes:
Kennzeichnend für die islamische Gottesvorstellung sind die 99 Eigenschaften Gottes, die als „schönste Namen Gottes (Asma` Allah al-Husna)“ im Koran erwähnt werden.
In Sure 59, 22-24 lässt sich die umfangreichste koranische Auflistung göttlicher Eigenschaften finden. Es ist sozusagen ein Loblied auf Gott:

„Er ist Gott, außer dem es keinen Gott gibt, der über das Unsichtbare und das Offenbarte Bescheid weiß. Er ist der Erbarmer, der Barmherzige. Er ist Gott, außer dem es keinen Gott gibt, der Herrscher (König), der Heilige, der Heilbringende, der Stifter der Sicherheit, der Beschützer, der Erhabene, der Unwiderstehliche, der Majestätische. Preis sei Gott! (Er ist erhaben) über das, was sie (Ihm) beigesellen. Er ist Gott, der Schöpfer, der Erschaffer, der Formgebende. Sein sind die schönsten Namen.
Ihn preist, was in den Himmeln und auf Erden ist: Er ist der Mächtige, der Weise.“

Weitere Beispiele für Namen/ Eigenschaften Gottes sind u.a.: der Richter, der Gerechte, der Liebevolle, aber auch der Rächer.
Die beiden am häufigsten im Koran vorkommenden Attribute Gottes sind ar-Rahman (der Erbarmer) und ar-Rahim (der Barmherzige). Damit wird nach islamischer Auffassung die prinzipielle Güte und Barmherzigkeit Gottes ausgedrückt, die Er sich selbst vorgeschrieben hat. In Sure 6,12 heißt es dazu:

„Sprich: „Wessen ist, was in den Himmeln und auf Erden ist?“ Sprich: „Gottes.“ Vorgeschrieben hat Er sich selbst die Barmherzigkeit.“

Bis auf die 9. Sure werden alle 114 Suren des Korans mit der Basmala-Formel (Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen) eröffnet.
Mit dieser Formel beginnen viele fromme Muslime jede Tätigkeit.

Gott ist also barmherzig, liebevoll und vergebend aber auch streng im Strafen wie Sure 40; 2-3 erwähnt wird:

„Die Offenbarung des Buches ist von Gott, dem Mächtigen, dem Wissenden. Der die Sünde vergibt und die Reue annimmt, dem Strengen im Strafen, dem Langmütigen.

Die islamische Theologie spricht einerseits von Attributen, die Gott notwendigerweise besitzen muss, wie z.B. das Leben, die Fähigkeit zu hören, zu sehen oder auch die göttliche Allwissenheit während andererseits von Attributen wie z.B. Tod, Blind- und Taubheit oder Unwissenheit, die Gott niemals besitzen kann, die Rede ist.
Zentral für die islamische Gottesvorstellung ist der Koranvers: „Nichts ist Ihm gleich. Und er ist der Hörende, der Sehende“, woraus die Theologen auf die Unvergleichlichkeit Gottes schließen. Die islamische Theologie trennt also strikt zwischen Schöpfer und Geschöpf.
Eine weitere Vorstellung in diesem Zusammenhang geht davon aus, dass Gott, da er unabhängig von Raum und Zeit ist, weder mit den Sinnen wahrgenommen werden kann, noch von der Vorstellungskraft des Verstandes erfasst werden kann. Dazu heißt es im Koran in Sure 6, 103:

„Kein Blick erfasst Ihn. Er aber erfasst alle Blicke. Und er ist der Unfassbare (Gütige), der Kundige.“

Das Wirken Gottes:
Ist im Koran von Gott als dem „Schöpfer“ die Rede, so ist hiermit nicht ein einmaliger Schöpfungsakt gemeint; zwar hat Gott die Welt und die Menschen erschaffen, jedoch setzt sich seine Schöpfungstätigkeit weiterhin ununterbrochen fort.
Das Verhältnis Gottes zum Menschen sieht nach islamischer Auffassung folgendermaßen aus:
Gott stellt die Menschen auf die Probe und zwar durch Gutes und Böses, Gewinn und Leiden, um festzustellen, wer ihm treu bleibt und wer von ihnen am besten handelt (11,7), d.h. wer glaubt und sein Leben im Glaubensgehorsam führt.
Gott ist der Herr der Welten (40,64); der Herr des Ostens und des Westens (73,9).
Er ist der einzige Sachverwalter, der dem Menschen von Nutzen sein kann, denn er ist der einzige Richter, der jeden für seinen Glauben und sein Tun zur Verantwortung ziehen wird.
Gott steht dem Menschen sehr nahe; er ist ihm näher als seine Halsschlagader (50,16).
In seinem Urteil ist Er jedoch aber immer gerecht; daher ist Er auch der Gerechte.

Zusammenfassend lässt sich sagen:
Gott ist nach islamischer Vorstellung einer, ein einziger; er ist anfangs- und endlos. Er ist der Schöpfer, der Erschaffer, der Richter, der die Allmacht über alles besitzt. Sein Wille geschieht und wird geschehen.
Er hat durch die Propheten zu den Menschen gesprochen.

Diese grundlegenden Gemeinsamkeiten mit dem christlichen Gottesbild haben durch das Zweite Vatikanische Konzil eine entsprechende Würdigung gefunden. Die Päpste haben nach dem Konzil immer wieder bekräftigt: Christen und Muslime beten denselben Gott an.
Der Koran äußert sich in ähnlicher Weise: Sure 29;46:

„Und diskutiert mit den Leuten des Buches nur auf die beste Art und Weise, mit Ausnahme derer von ihnen, die Unrecht tun. Und sagt: Wir glauben an das, was zu uns herabgesandt und zu euch herabgesandt wurde. Unser Gott und euer Gott ist einer. Und wir sind Ihm ergeben.


7 Kommentare zu “Die islamische Gottesvorstellung- eine kurze Einführung”

  1. Hussein Hamdan Antworten | Permalink

    @ Nic

    Vielen Dank für den Hinweis auf Alan Poseners Buch. Ich werde es mir anschauen, da es auch für meine Doktorarbeit wichtig sein könnte. Ich promoviere zum Christlich-islamischen Dialog der Azhar (Universität) und mein Schwerpunkt ist der Dialog mit dem Vatikan. Man merkt deutlich, dass sich mit Papst Benedikt XVI. in Sachen Dialog etwas verändert hat.

  2. Ulrich Antworten | Permalink

    ein gott

    es wäre ja irgendwie schon seltsam, wenn christen (oder juden) und muslime einen unterschiedlichen gott hätten
    das käme mir sehr mysteriös vor

  3. user Antworten | Permalink

    tolle website, die ist in allen fällen, ob präsentationen oder sonst was, echt hilfreich.

    danke

  4. Hussein Hamdan Antworten | Permalink

    @ user

    Danke für das Kompliment! So ist es ja auch gedacht. ;-)

    Grüße!

  5. Mahabbah Antworten | Permalink

    Sehr hilfreich.
    Vor allem für mein Referat.
    Ich hoffe, dass ich die Erlaubnis habe einige Sätze hieraus zu entnehmen.

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