Die sich wiederholenden Homöopathenargumente

27. Juli 2010 von Martin Ballaschk in Medizinisches

Wichtiger Hinweis: eine aktualisierte und verbesserte Version dieser Argumentationsspickliste findet sich jetzt hier: „Häufige Naturheiler-Argumente. Eine Zusammenstellung“!

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Ich habe die E-Petition Streichung der Homöopathie aus dem Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung mitgezeichnet.

Im Forums-Thread zur der Petition wird die übliche Diskussion über die Wirksamkeit der Homöopathie geführt. Dabei fällt auf, dass die Argumente und Gegenargumente alle andere als neu sind. Im Folgenden habe ich mich an einer allgemeinverständlichenAufbereitung der häufigsten Pro-Argumente für die Homöpathie versuchtund meine Antwort darauf gegeben. Quasi als Merkzettel für mich, damitich nicht immer alles neu Tippen muss, das Blog ist schließlich meine Gedankenmüllhalde.

Ich freue mich über Ergänzungen und Kommentare!

Argumente bezüglich der aktuellen Diskussion um die Streichung aus den Erstattungskatalogen der Krankenkassen

Man darf die Streichung nicht diskutieren, weil es anderesUnwirksames im Gesundheitssystem gibt und weil es andere Sachen gibt,die falsch laufen und wichtiger sind.

Erst einmal ein tu-quoque-Argument, nach dem man andere nicht kritisieren darf, nur weil man selbst derKritik nicht gerecht wird – aber natürlich darf man die nicht belegteWirksamkeit der Homöoapthie kritisieren, wenn das derzeitigeGesundheitssystem alles andere als perfekt ist.

Die Diskussion dreht sich aber vielmehr um eine wichtige Grundsatzfrage: Welchen Platz sollte Aberglaube und bekanntermaßen Unwirksames im Gesundheitssystem haben? Wie viel Glauben und Aberglauben sollte vom Staat finanziert werden, was sollte eher Privatvergnügen sein? Die Diskussion kann durchaus eine positive Signalwirkung haben, denn alle unwirksamen und potenziell schädlichen Methoden sollten aus den Leistungskatalogen rausfliegen. Das ist schließlich ein Prozess, der unsere moderne Medizin hervorgebracht hat.Es ist also ein Schritt in die richtige Richtung: Aberglaube, egal wie hoch die Kosten wirklich sind, sollten nicht von der Allgemeinheit getragen werden müssen. Die Homöopathie wird durch die Erstattung derKrankenkassen „geadelt“ und erscheint Unwissenden seriös, obwohl sie Scharlatanerie ist.

Trauen wir uns bei Arzneimitteln – und das gilt für alle anderen Interventionen auch – bezüglich des Nutzens sorgfältig und nüchtern hinzuschauen und Konsequenzen zu ziehen oder trauen wir uns nicht. Und bei der Homöopathie trauen wir uns nicht.

(baldiger IQWiG-Chef Prof. Dr. Jürgen Windeler in der Deutschen Apothekerzeitung 29/2010)

Homöopathie verursacht keine hohen Kosten für die Krankenkassen. Homöopathie und Alternativmedizin sind billiger als böse chemische Pharmazeutika.

Die Krankenkassen sparen sonst auch an jeder kleinsten Ecke und auchkürzen offensichtlich nützliche Leistungen, wie etwa Zahnersatz. Deshalb kann man auch über ein geringes Einsparpotenzial diskutieren. Kleinvieh macht auch Mist, scheint sonst auch das Argument der Kassenzu sein. Wenn die Kosten wirklich so unglaublich gering sind, können sie problemlos vom Patienten selbst getragen werden.
Im Grunde geht es aber um etwas anderes, als um die Kosten (s.o.). Im Übrigen verursacht eine Fehlbehandlung mit wirkungslosen Mittelchen mitunter höhere Folgekosten für die Kassen, weil die unbehandelte Krankheit weiter fortgeschritten ist.

Allgemeine Pro-Homöopathie-Argumente

Die Chemie-Produkte der Pharmaindustrie sind unwirksam und existieren nur zum Geldverdienen. Alternativmedizinische Konzepte wie die Homöopathie sind da viel besser: billig, sanft und natürlich.

Die Wirksamkeit im Gesundheitssystem muss anhand von wissenschaftlichen Kriterien bewertet werden, wie auch sonst? Die Wirksamkeit ist unabhängig davon, ob das Mittel synthetischen oder natürlichen Ursprungs ist, oder ob mit ihrer Herstellung viel oder wenig Geld verdient wird. Davon abgesehen sind Hersteller von Homöopathika und „natürlichen“ Heilmitteln selbst Teil der Pharmaindustrie, die mit diesem Markt Millionen einfährt. Alternativmediziner und Pharmaunternehmen verwenden folglich auch dieselben verwerflichen Methoden: sie verstecken missliebige Daten und sie führen Ärzte in die Irre darüber, welche Therapien gut sind und welche nicht. Zur Diskussion von „Chemie ist schädlich vs. Natur ist sanft und gesund“, passt vielleicht auch mein Artikel zu Gesundheitseffekten von Bio-Lebensmitteln.

Die konventionelle, evidenzbasierte Medizin ist nicht ohne Fehler und sogenannte Erkenntnisse müssen immer wieder korrigiert werden.Deshalb dürfen Vertreter der konventionellen Medizin keine alternativmedizinischen Konzepte kritisieren.

Wieder der tu quoque-Fehlschluss: Nur weil ich selbst meiner Kritik nicht gerecht werden, entzieht mir das nicht das Recht, diese Kritik an anderen zu üben. Der Inhalt der Kritik ist unabhängig von meiner Position oder meinen Vorstellungen. Das ich das Argument nicht auf den Inhalt der Kritik, sondern auf die Person des Kritikers bezieht, ist es ein ad-hominem-Argument, also ein persönlicher Angriff. Nebenbei ist die Tatsache, dass in der konventionellen Medizin alle Jubeljahre Therapien und Medikamente als überholt gelten, eine Folge der Entwicklungsfähigkeit dieses Feldes. Die Homöopathie ist seit Hahnemann festgeschrieben und damit ein klassisches Dogma.

Schulmedizin ist oft unwirksam und hat viele Nebenwirkungen, Homöopathie dagegen ist hochwirksam und hat gar keine Nebenwirkungen. Homöopathie ist also viel besser!

Ein Widerspruch in der Argumentation:

Entweder ein Medikament ist unwirksam oder es hat Nebenwirkungen. Ein Medikament mit Nebenwirkungen kann nicht unwirksam sein, weil es wirkt, egal wie. Und jedes Medikament das im positiven wirkt hat auch Nebenwirkungen.

(Zitat von avflo)

Die schlimmsten Nebenwirkungen der Homöopathie sind der resultierende Noceboeffekt auf konventionelle Methoden, sowie das Fortschreiten unddie eventuelle Verschlimmerung einer nicht oder falsch behandelten Krankheit.

Was ist mit mit vor Schmerzen wimmernden Kindern, denen der Eiter schon aus den Ohren läuft, deren Eltern aber immer noch meinen, eine Mittelohrentzündung würde ja mit Globuli viel besser geheilt als mit den bösen, bösen Antibiotika? Diese Kinder haben keine Wahl. Auch ungeborene nicht, wo die schwangere Mutter vor lauter Angst "unschädliche" Zuckerkugeln gegen ihre Harnwegsentzündung schluckt und dann aufgrund der folgenden Nierenbeckenentzündung das Kind verliert. Was ist mit betreuten Personen, bei denen die Angehörigen entscheiden (müssen), auf welche Art sie behandelt werden sollen?

(Zitat von AdeleHorn)

Wer heilt, hat Recht.

Der springende Punkt dabei ist, dass der „Heilende“ gar nichtbeurteilen kann, ob seine Therapie erfolgreich war oder nicht. In randomisiert-kontrollierten Studien hat sich gezeigt: Homöopathie heilt nicht besser, als ein Placebo (oder auch ein Glas Wasser). Und da Homöopathie eben nicht heilt, bzw. ihre heilende Wirkung innerhalb der letzten 200 Jahrenicht belegt werden konnte, hat sie eben auch nicht Recht. Siehe dazu auch diesen interessanten Artikel hier im GWUP-Blog.

Glaube mir doch einfach!

Dieses „Argument“ kommt erstaunlicherweise sehr oft. Ich kann immer nur fragen, warum ich den Erfahrungen eines Anderen mehr glauben schenken soll, als einer wissenschaftlichen Studie? 

Mir (meinem Kind, meinem Nachbarn, etc.) hat es doch aber geholfen.

Anekdotenwissen vs. kontrollierte Bedingungen: Ohne eine kontrollierte Umgebungsbedingungen kann man eine unspezifische Wirkung nicht voneiner spezifischen Wirkung trennen. Man kann nicht nachvollziehen, ob wirklich das Mittel für die Heilung verantwortlich ist,  ob es ein Placeboeffekt oder die normale Selbstheilung ist. Aus diesen Grund werde kontrollierte Studien ja überhaupt durchgeführt: Hier wird das zu prüfende Mittel mit einem wirkstofffreien, sonst aber identischen Präparat verglichen, was Testpersonen in einer Kontrollgruppe verabreicht bekommen. Sollte es keine Abweichung zwischen der Verum- und Kontrollgruppe geben, ist die erzielte Wirkung nur eine Placebowirkung oder eben nicht auf den weggelassenen Wirkstoff zurückzuführen – wie im Falle der Homöopathie.

Der Placeboeffekt beruht auf Selbsttäuschung und kann deshalb weder bei Kindern, noch bei Tieren auftreten. Deshalb kann die an Tieren beobachtete Wirkung von Homöopathika nicht auf dem Placeboeffekt beruhen.

Der Placeboeffekt existiert unabhängig von der persönlichen Einstellung. Entsprechende Wirkungen an verschiedensten Tieren sind seit mehr als 50 Jahren bekannt. Siehe auch meine Linkliste zu Artikeln zum Placeboeffekt.

Homöopathie wird von zahlreichen Professoren, Ärzten und Hebammen verwendet und wurden von anderen Autoritäten geadelt. Die müssen es doch wissen und deswegen muss Homöopathie wirken. 

Argumentum ad verecundiam, das Autoritätsargument. Die Berufung auf Autoritäten beweist gar nichts. In der Wissenschaft gibt es (im Prinzip) keine Autoritäten.

Ganz viele Menschen verwenden Homöopathika und es gibt tausende ausgebildeteHomöopathen, die können doch nicht alle falsch liegen!

Das Popularitäts- und Akzeptanzargument: argumentum ad populum. Popularität rechtfertigt keine Wirksamkeit. Für dieses Scheinargument und das der Autorität gilt: Simples menschliches Erfahrungswissen ist weit weniger verlässlich, als systematisch durchgeführte Untersuchungen. Gebete, Beschwörungen, Aderlässe und Schluckbildchen waren früher Heilungspraktiken, die weit verbreitet waren. Deshalb waren sie aber nie wirksam.

Homöopathie gibt es so lange, da muss doch was dran sein.

Zum Popularitätsargument gesellt sich dann oft noch die Ansicht, Homöopathie hätte sich über die Zeit „bewährt“ und müsse deshalbwirksam sein (argumentum ad antiquitatem). Wie kurz gedacht das ist, zeigt die folgende, diesem großartigen Artikel entnommene Liste beliebter Ansichten und Praktiken, die den „Zeittest“ bestanden haben: Astrologie, Voodoo, Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Sklaverei, Folter, Unterdrückung der Frauen, Verfolgung von Homosexuellen, Genitalverstümmelungen und religiöse Kriege. Schlussfolgerung: Popularität und Bestandsfestigkeit sind schlechte Kriterien, um die Wirksamkeit einer Maßnahme zu rechtfertigen.

Wirkmechanismen: Wasser hat ein Gedächtnis oder homöopathischeInformationen werden durch Quanteneffekte übertragen (z.B. Quantenverschränkung).

Die Frage nach einem Mechanismus stellt sich eigentlich nicht, da nicht einmal die Wirkung der Homöopathie belegt worden ist. Davon abgesehen besteht das „Wassergedächtnis“ nur für wenige Nanosekunden (Wasser ist vergesslich, FAZ 2005) und Quanteneffekte werden eigentlich nur auf atomarer und molekularer Ebene in isolierten Systemen beobachtet.
Quanteneffekte, vor allem die oft genannte Quantenverschränkung, taugen nicht zur Erklärung einer (gar nicht vorhandenen) Wirkung. Eine Quantenverschränkung hat erstens nichts mit Informationsübertragung zutun (der Effekt ist instantan, Information reist höchstens mitLichtgeschwindigkeit). Zweitens kommt sie auf Makroebene, also der „großen Welt“ nicht zum Tragen, da hier die Wellenfunktionen verschiedenster Teilchen miteinander interagieren und damit die Verschränkung überlagern.

Argumente, die die wissenschaftliche Methode oder die Durchführung von Studien thematisieren

Glauber keiner wissenschaftlichen Studie, die du nicht selbst gefälscht hast.

So eine Situation, in denen die große Mehrheit der Studien (nämlich die, die nicht dem eigenen Standpunkt entsprechen) gefälscht und „die Wahrheit“ unterdrückt wird, ist ein Verschwörungsszenario, bei dem Forscher, Verleger, Gutachter und viele andere Personen aus aller Herren Länder bestochen werden müssten, denn Publizieren in Fachliteratur ist alles andere als ein Zuckerschlecken: peer review is no picnic. Anders als im realen Wissenschaftsbetrieb, konkurrieren Forschungsgruppen nicht um neueste Ergebnisse, sondern sind nur am Erhalt des status quo interessiert. In dieser hypothetischen und immerhin seit 200 Jahren andauernden Verschwörung gab es erstaunlicherweise bisher keine Aussteiger, die mit der Wahrheit ausgepackt hätten, und dabei schafft es nicht einmal der Regierungsapparat der USA, Geheimnisse zu den Nahost-Kriegen unter Verschluss zu halten. Im Gegenteil scheitern selbst die Homöopathie-Befürworter regelmäßig mit dem Nachweis ihrer eigenenMittel - Edzard Ernst, Professor für Alternativmedizin, hat aufgrund seiner Forschungen am Thema sogar die Lager gewechselt und ist inzwischen einer der schärfsten Kritiker der Alternativheilerei geworden.

Nichtsdestotrotz versagt das reale System ab und zu und peer review ist auch keine Garantie für hochqualitative Wissenschaft. Allerdings werden in diesen Fehltritten der Wissenschaftsgemeinschaft nicht die gesamten Erkenntnisse aus Physik und Chemie infrage gestellt, es sind meist eben plausibel klingende Behauptungen, die sich später als falsch herausstellen. Und immerhin wurden diese Fehltritte aufgedeckt, was dafür spricht, dass es ein langfristig selbstkorrigierendes System ist.

Es gibt wissenschaftliche Studien, die die Wirksamkeit der Homöopathie belegen!

Die Qualität der Studie ist entscheidend, etwa sind die Stichprobengröße, das Vorhandensein einer Kontrollgruppe und Verblindung wichtige Einflussfaktoren. Bei einem Konfidenz-Intervallvon nur 95% sind außerdem falsch-positive Ergebnisse auch bei guten Studien zu erwarten. Man muss auch das Gesamtbild aller Studien betrachten und die Arbeiten nach ihrer Qualität wichten, und nicht nur die Untersuchungen selektieren, die einem genehm sind. Die Homöopathie ist in solchen Übersichtsanalysen (Meta-Studien) durchweg durchgefallen. Um noch eine tolles Fremdwort anzubringen: ignoratio elenchi ist das „Ignorieren der Gegenbeweise“ und geht mit selektiver Wahrnehmung Hand in Hand.

Es soll erstmal bewiesen werden, dass Homöopathie keinen Effekt hat!

Das ist bereits geschehen, die Studienlage ist eindeutig: Der Effekt der Homöopathie ist ein Placeboeffekt. Außerdem würde die Forderung einer Beweislastumkehr bei konventionellen Medikamenten schwer akzeptiert werden, wer will schon ungeprüfte Medikamente nehmen, die so lange als wirksam gelten, bis jemand das Gegenteil bewiesen hat? Die Homöopathie kann auch hier keine Extrawurst für sich beanspruchen.

Absence of evidence is not evidence of absence – Nur weil es keine Beweise der Wirksamkeit gibt, heißt das nicht, dass die Wirksamkeit widerlegt wurde.

Das ist formal gesehen richtig, allerdings ist jeder, der eine Hypothese aufstellt, ersteinmal in der Bringschuld, seine Ideen mit positiven Belegen zu untermauern. Tut er das nicht, kann er nicht erwarten, dass man ihm glaubt. Man kann sich zwar irgendwelchen Humbug ausdenken („ich kann fiegen“), ohne dass man ihn belegt, aber das muss dann niemanden interessieren. Und wenn alle Versuche, die Wirksamkeit induktiv zu belegen („ich springe vom Dach, um zu beweisen, dass ich fliegen kann“), scheitern, drängt sich der Verdacht auf, dass die Wirksamkeit in der Tat nicht vorhanden ist. Noch einmal, damit es klar wird: Wenn man gründlich genug nachschaut, ist „absence of evidence“ in der Tat so etwas wie „evidence of absence“. Wenn ich meine Wohnung gründlichst nach einem bestimmten Gegenstand absuche, und ihn trotzdem nicht finde, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er wirklich nicht da ist. 

Später, in ferner Zukunft, wird man mal die Wirkung der Homöopathiewissenschaftlich erklären können. (Gleiches Argument wie „Shakespeare/Hamlet: Es gibt viele Dinge zwischen Himmel und Erde“,„früher glaubte man, die Erde ist ein Scheibe“, und „man hat frühernicht geglaubt, dass Menschen eines Tages fliegen werden“)

Nein, denn es hat sich bisher keine Wirkung gezeigt. Wenn eine Wirkung existiert, sollte sie auch durch Studien belegbar sein. Entsprechend muss man auch nicht den Wirkmechanismus erklären. Denn es besteht ein Unterschied zwischen „man hat eine Begebenheit noch nicht ausprobiert bzw. untersucht“ (Form der Erde, Bau von Flugzeugen und Mikroskopen) und „wir haben nachgeschaut und nichts gefunden“ (Homöopathie). Ich glaube, man nennt diese Argumentationsweise argumentum ad ignorantiam.
Es finde es außerdem ziemlich bekloppt, alles Vertrauen in die Wissenschaft der Zukunft zu legen und gleichzeitig die Wissenschaft der Gegenwart komplett abzulehnen.

Die Effekte der Homöopathie sind da, sie lassen sich nur wissenschaftlich und standardisiert nicht erfassen, da die Homöopathie hoch individualisiert ist.

Wenn es eine physiologische Wirkung gibt, warum sollte man sie nicht auch wissenschaftlich erfassen können? Es ist ja gar keine Voraussetzung, dass die Probanden der Studie alle dasselbe bekommen, ganauso gut kann jeder Patient eine individuelle Anamnese bekommen und dann werden unbemerkt die Globuli gegen unbehandelte Milchzuckerkügelchen ausgetauscht.  „Tailored medicine“ und das Prinzipder klinischen Wirksamkeitsprüfung samt statistischer Auswertungschließen sich doch nicht aus.

Die Homöopathen haben kein Geld für Studien, das hat nur die große böse Pharmaindustrie. 

Warum gibt es denn so wenige gute Studien zu Homöopathie, obwohl die alternativmedizinische Industrie in Millionen Euro Profit hermschwimmt? Ein vernünftiges Studiendesign ist doch hier Klacks, man kann sogar gegen Placebos testen, was bei konventioneller Arznei oft gar nicht gemacht wird. Die Präparate kosten nichts und die Untersuchungen werden praktisch kostenlos durch Ärzte durchgeführt. Mit ein paar hunderttausend Euro ist man gut dabei, das ist ein feuchter Kehricht im Gegensatz zu den Milliarden, die man für die Entwicklung und Testung eines modernen Medikaments aufwenden muss. Ich schätze, dass die Verantwortlichen in der Homöopathenindustrie sehr wohl wissen, was sie bei einer guten Homöopathie-Studie erwarten würde, und sie sich deswegen gar nicht die Arbeit machen. Funktioniert doch alles auch so wunderbar: Die Leute kaufen den Müll auch ohne Beweise und machen auch noch kostenlos Werbung in Lifestyle-Magazinen wie „Eltern“.


4 Kommentare zu “Die sich wiederholenden Homöopathenargumente”

  1. Diogenes Antworten | Permalink

    Danke

    Danke für die gute Zusammenstellung, sehr hilfreich bei den immer wiederkehrenden Diskussionen.

  2. docadenz Antworten | Permalink

    Sehr schöne Zusammenfassung!

    Jetzt kann man das als "Spickzettel" nehmen und sich das Tippen bei solchen "Debatten" durch Copy&Paste sparen... :D

  3. Martin Ballaschk Antworten | Permalink

    Hi,

    danke für die Kommentare! Als „Spickzettel“ für mich war die Liste auch ursprünglich gedacht, denn es sind wirklich immer die selben Phrasen, die in diesen Pseudodiskussionen kommen.

    Mein größtes Problem bei der ganzen Geschichte: Gläubige und Fundamentalisten kann man Argumentation nicht überzeugen oder überhaupt dazu bewegen, ein vernünftiges Gespräch zu führen. Deswegen vermeide ich solche Diskussionen inzwischen.

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