ESA expandiert in die Designer-Textilbranche

15. Januar 2013 von Michael Khan in Irdisches

Früher habe ich mir manchmal Sorgen über den öffentlichen Bekanntheitsgrad der europäischen Raumfahrt gemacht. Beispielsweise war ich Studiogast bei einem ÖR-Sender unweit des Standorts des europäischen Weltraumkontrollzentrums und wurde dort vom Moderator mit der Frage begrüßt: "Jetzt müssen Sie mir grad mal aufs Pferd helfen: Was ist denn Eh Ess Ah?". Kein Witz. Aber seit gestern sind diese Sorgen vorbei. Endgültig.

Bei der ESA hat man den Wert des Marketings erkannt. Es gilt, ESA als Brand im Marketplace zu positionieren und die Benefits optimal zu leveragen. Allerdings rede ich nicht vom Raumfahrtmarkt. Raumfahrt interessiert doch keine Sau. Nein, man muss schon dorthin gehen, wo das Publikumsinteresse ist: Bei der hochpreisigen Designerbekleidung.

Das ist nachvollziehbar. Gucci setzte beispielsweise 2011 mehr als 3 Milliarden Euro um und liegt damit auf dem Niveau des ESA-Jahresbudgets. Louis Vuitton toppt diese Zahl mit einem Jahresumsatz von rund 7 Milliarden deutlich. Ganz klar - das ist die Kohle, da muss man hin. Da ist auch die Bekanntheit kein Thema mehr. Der Fernsehmensch hätte bestimmt nicht fragen müssen, wofür die Abkürzungen LV oder YSL stehen.

Bald werden die fashionistas europaweit der ESA die Türen einrennen, dank der Kooperation mit dem italienischen Modedesigner Cristiano di Thiene (Äh ... wer? Na, egal.). Die Produkte werden jetzt auf einer eigens eingerichteten Seite im ESA-Webauftritt zum Verkauf angeboten.

Jetzt kann nichts und niemand mehr den Erfolg aufhalten. Wenn alle Kids in Europa in ESA-T-Shirts zu 64 bzw. 90 Euro das Stück herumlaufen, oder in Polohemden für 108 Euro oder in Sweat-Shirts zu 174 Euro, dann wird sich der Markenname ESA ein für alle Mal etabliert haben.

Das war doch ganz einfach. Da kann gar nichts mehr schief gehen. Man fragt sich, wieso nicht schon längst einer auf diese brilliante Idee gekommen ist.

ESA-Polo-Short, designed by Cristiano di Thiene

Das Polo-Hemd zu nur noch 108 Euro aus der neuen ESA-Kollektion, designed by Cristiano di Thiene. Na, mal ganz ehrlich, da überkommt einen doch gleich ein unwiderstehlicher Haben-Wollen-Anfall. Oder nicht? Quelle: ESA Official Store

 

Weitere Information

Der Online-Space Shop des Kennedy Space Center der NASA. Hm ... der sieht ja ganz anders aus als der ESA Official Store. Einer von beiden, entweder ESA oder NASA muss wohl über effektive Öffentlichkeitsarbeit etwas wissen, was der andere nicht weiß. Ich maße mir natürlich kein Urteil darüber an, wer richtig liegt. Entscheiden Sie selbst.


10 Kommentare zu “ESA expandiert in die Designer-Textilbranche”

  1. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Esa: Sieht wie Offiziellen-Kleidung aus

    Wer das T-Shirt trägt, den wird man vielleicht sogar danach fragen ob er bei der esa arbeitet. Oder man frägt ihn gar: "Von der Kleidungsmarke 'esa' hab ich noch gar nicht gehört, sieht irgendwie wie Lacoste aus. Seit wann gibt's 'esa'"?

  2. Ludmila Antworten | Permalink

    Kicher

    Sei froh, dass die ueberhaupt nen Online-Store haben. Der Anfang ist gemacht und damit zumindest ne Chance auf ein erweiteres halbwegs attraktives Sortiment.

    Ich wunder mich schon seit ewigen Zeiten, dass der Verkausstand am ESTEC nur von Freiwilligen betrieben wird und nur von Leuten erreicht wird, die das Glueck haben irgendwie auf's Gelaende zu kommen. Also meist von Leuten, die schon in der Raumfahrt arbeiten. Noch nicht mal in den Shop des kleinen Raumfahrtmuseums direkt nebenan diffundiert das Zeugs hin. Das ist ein echtes Trauerspiel. Na ja, Kopf hoch. Es kann nur besser werden.

  3. Lichtecho Antworten | Permalink

    Hach schön!

    Ich habe die Baseballmütze von der ESA und finde die toll! Ich spiele zwar kein Baseball, aber die ESA macht ja auch keine richtige Raumfahrt.

    Das T-Shirt gefällt mir sehr gut, aber ist wohl doch ein bisschen überteuert, es sei denn es wurde auf der ISS handgenäht.

  4. Joker Antworten | Permalink

    Overall?

    Das Teil in orange - ich vermute es handelt sich um einen Overall mit eingewebtem metallischen Rundkragen - in dem das männliche Model steckt, finde ich ganz schick.

    Hab leider keine Preisangabe dafür gefunden. Sieht aber auch nicht billig aus. Weißt Du was genaues?

  5. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Antworten

    @Stefan Taube

    "Handgenäht" könnte hinkommen, aber wahrscheinlich wohl eher in Bangla Desh als auf der ISS. Die Fertigungskosten schätze ich im zweistelligen Centbereich, die Lohnstückkosten, also das was bei der minderjährigen Näherin ankommt, im niedigen einstelligen Centbereich.

    @Joker

    Sie haben recht, der dargestellte Overall ist im etwas höherpreisigen Bereich angesiedelt. Es handelt sich aber auch um Maßarbeit und im Preis ist eine weiße Kunststoffkopfbedeckung mit integriertem Audio-Entertainmentsystem und ein Visier aus transparentem Makrolon inbegriffen. Jedes Stück wird allerdings personalisiert und und mit aufgenähtem Namensschild ausgeliefert und ist somit für die, die keinen Namen ihr eigen nennen, nicht von Interesse.

  6. Jan Hattenbach Antworten | Permalink

    @Lichtecho

    "Ich spiele zwar kein Baseball, aber die ESA macht ja auch keine richtige Raumfahrt."

    Der war gut!

  7. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Jan, @Carolin

    @Carolin:

    Recht hast du, die Abwesenheit von Damengr&oml;ßen und -schnitten hat auch schon die Frau eines Kollegen bemängelt.

    @Jan:

    Ich kann mich des Verdachts nicht erwehren, dass die Initiatoren dieses Projekts kein eigenes Interesse am Weltraum im Allgemeinen und an der bemannten Weltraumforschung im Besonderen haben und auch kein Verständnis für Leute, die ein Interesse an solchen Dingen haben.

    Aber möglicherweise ist dieser Verdacht ja auch vollkommen unbegründet.

Einen Kommentar schreiben


neun − 1 =