Podcast mit Interview zum “Mars One”-Projekt

29. April 2013 von Michael Khan in Raumfahrt

Das Projekt "Mars One", ins Leben gerufen von der Non-Profit Organisation "Mars One Foundation", zielt auf die permanente Besiedlung des roten Planeten durch Freiwillige ab. Die Finanzierung soll durch den Verkauf von Übertragungsrecnten von permanenter Berichterstattung über das Training, den Flug und das Leben auf dem roten Planeten gesichert werden. Der Zeitplan des Projekts ist sehr anspruchsvoll: Die ersten Siedler sollen sich bereits 2023 auf den Weg machen.

Seit kurzem werden nun Bewerbungen um die Plätze in den Schiffen zum Mars entgegen genommen. Die Bewerber können hier gesichtet werden. Falls Sie sich also auch mit dem Gedanken tragen, den Rest Ihres Lebens anderswo als auf dem blauen Planeten zu verbringen, können Sie sich zunächst einmal informieren, wer denn sonst noch so mitfliegen könnte und sich überlegen, ob die Leute Ihnen zusagen.

Der Internet-Radiosender detektor.fm hat unlängst einen kurzen Podcast, erstellt aus einem Telefoninterview vom 26.4.2013, online gestellt. Dieses Interview wurde mit einem "Michael Kahn" geführt, der mir zwar unbekannt ist und auch im Telefonverzeichnis der ESA nicht auftaucht, angeblich aber "ESA-Analytiker" sein soll. Im Interview wird ausnahmsweise einmal nicht auf den Businessplan und die psychologischen Aspekte eingegangen, sondern ausschließlich auf technische und naturwissenschaftliche Fragen, die für Erfolg oder Misserfolg eines solchen Projektes von entscheidender Bedeutung sind.

Der Interviewte ist offenbar der Meinung, dass diese Fragen von den Machern von "Mars One" etwas zu sehr auf die leichte Schulter genommen werden, schließt aber nicht aus, dass jene über Wissen verfügen, das er nicht hat (und ich, wie ich irrelevanterweise hinzufügen muss, auch nicht).


9 Kommentare zu “Podcast mit Interview zum “Mars One”-Projekt”

  1. Störk Antworten | Permalink

    Schreibweise

    Kann das klappen? Über Sinn und Unsinn der Mars One Mission sprechen wir mit Michael Khan, er ist Missionsanalytiker der europäischen Raumfahrtbehörde.
    ... die wissen schon, wie Sie richtig geschrieben werden, nur bei der Beschriftung des Fotos gab es einen Buchstabendreher (vielleicht hat das ein Fan von Torwart-Oliver gemacht?)

  2. Karl Bednarik Antworten | Permalink

    Pensionistenheim

    Sehen wir einmal von den raumfahrttechnischen, strahlungsbiologischen und sozialpsychologischen Problemen ab.

    Es wird Unfälle, Krankheiten und bei den davon Überlebenden Alterskrankheiten geben.

    Wenn man dann nicht elend zugrunde gehen will, dann benötigt man eine Selbstmordpille.

    Man könnte natürlich auch ein vollrobotisiertes Pensionistenheim auf dem Mars einrichten.

    Die ferngesteuerte Chirurgie mit Robotern funktioniert leider nur, wenn zwischen Arzt und Patient weniger als 30000 Kilometer Abstand sind, und würde schon zwischen Erde und Mond versagen.

  3. Mona Antworten | Permalink

    Weissagung von Häuptling Big Brother

    Erst wenn der letzte Teilnehmer wahnsinnig,
    der letzte Zuschauer weggeblieben,
    der letzte Krampf vermarktet ist,
    werdet ihr feststellen,
    dass man den Mars nicht mit heißer Luft besiedeln kann.

  4. Hans Antworten | Permalink

    @Mona

    Ach wer weis? - Wenn man genügend heisse Luft auf den Mars blässt, könnte es da vielleicht sogar wärmer werden... :-)

    Ansonsten muss man da ja immer noch Wasser finden, sofern man nicht bei dieser Version stehen bleiben will.

  5. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Mars I: Suizidmission

    Mir als Laien scheint es mit der einfachen Ausrütung, mit der die Marsbasis von Mars I erstellt werden soll schlicht unmöglich, dass die Crew nur schon ein Jahr überlebt. Von der Ernährung über die Bereitstellung von Wärme - es ist im Durchschnitt recht kalt auf dem Mars - bis zum Trinkwasser fehlt es doch an fast allem. Mindestens ein Reaktor müsste mitgenommen werden. Doch dann sprengt es gleich den vorgesehenen Rahmen.
    Ich zweifle daran, dass aus dem dahinvegetieren von Marsianern kostendeckende TV- Unterhaltung entsteht.

  6. Mona Antworten | Permalink

    The show must go on

    Den Veranstaltern von "Mars One" geht es meines Erachtens nicht wirklich um die Besiedelung des Mars, sondern nur darum, das Auswahlverfahren zu vermarkten. Eine neue Big-Brother-Show eben, die auf jeden Fall Gewinn abwerfen dürfte. Zum Schluss, wenn der Zirkus gelaufen ist, wird sich halt herausstellen, dass eine Marsbesiedelung aus mehreren Gründen noch nicht möglich ist.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass man da Menschen wirklich dahinvegetieren lässt bis sie tot sind. Eine solche TV-Unterhaltung wäre doch pervers. Allerdings muss man dem gelangweilten Fernsehzuschauer immer wieder neue Sensationen bieten, warum also nicht auch eine Mars-Show.
    http://www.dailymotion.com/...n_music#.UYDpicocmHg

  7. Michael Khan Antworten | Permalink

    @all: Ein Problem nach dem Anderen

    Ich meine, man sollte nicht den Fehler begehen, den Veranstaltern der Unternehmung einfach so abzunehmen, die wesentlichen technischen Fragen auf dem Weg hin zum Mars seien schon gelöst.

    Das unterstellen ja alle, die die Tauglichkeit des Business-Case, die psychologischen Auswirkungen des Langzeitaufenthalts oder Schwierigkeiten bei der langfristigen Durchführung (wie die Alterung der Mannschaft) ansprechen. Aber ist die Annahme gerechtfertigt?

    Tatsache ist doch: Die Mars One-Leute nehmen jetzt bereits Anmeldungen entgegen und versprechen einen zeitnahen Projektbeginn mit Aufnahme der bemannten Besiedlung in nur 10 Jahren. Tatsache ist auch, dass sie einen ambitionierten Zeitplan vorlegen, den sie auch werden einhalten müssen, wenn aus dem Ganzen bis etwa 2023 etwas werden soll.

    Also: Dieses Jahr wird ein Habitat auf der Erde aufgebaut, in dem das Leben in den späteren Mars-Habitaten simuliert werden soll. Das mag ja durchaus angehen. Die sagen ja nicht, dass das irdische Habitat einen geschlossenen Kreislauf haben soll oder wie exakt die Simulation den Marsbedingungen nahe kommen soll.

    Eine Hütte irgendwo auf einer subarktischen Insel aufzubauen - das hat die Mars Society ja schon vor mehr als 10 Jahren geschafft. Das sollte einen gewissen finanziellen und logistischen Aufwand darstellen, aber keine besondere technische Herausforderung.

    2014 dann sollte ein Mars-Kommunikationssatellit gebaut werden. Der kann frühestens im Startfenster Januar 2016 gestartet werden. 2016 soll auch eine erste Landemission mit 2500 kg an Versorgungsgütern für die zukünftige Basis starten. Die soll da landen, wo auch die spätere Basis errichtet werden soll.

    Da habe ich schon mal zwei Fragen. Mir ist nicht bekannt, dass konkret mit Entwicklung oder gar Bau eines der beiden Projekte begonnen worden wäre. Selbst bei einem Kommunikationssatelliten ist es keineswegs so, dass es schon genügen würde, einfach einen terrestrischen Kommunikationssatelliten zu modifizieren und den dann zum Mars zu starten. Es sind da nicht nur die unterscheidlichen Umgebungsbedingungen, sondern schon Details wie die Datenübertragung und die Kommandoprozeduren, die bei einer interplanetaren Sonde fundamental anders sind. Selbst Formalien wie die Frequenzvergabe sind nicht so einfach zu klären und brauchen Zeit.

    Alles, was anders ist, ist nicht mehr "von der Stange" und muss detailliert getestet werden. Wann wollen die das denn machen? Das Startfenster öffnet sich im Januar 2016, und etwa ein halbes Jahr vorher wird das Vehikel zum Startort verschifft, auf den Start vorbereitet, betankt, noch einmal getestet und mit der Rakete integriert.

    Das wird dann aber ganz schön sportlich, zumal für einen Lander, der 2.5 Tonnen an reiner Nutzlast weich und gezielt auf der Oberfläche landen kann, nichts "von der Stange" existiert. Das muss erst noch entwickelt werden. Entwickelt, gebaut, komponentengetestet, integriert, systemgetestet. All das in weniger als drei Jahren. Im Übrigen wollen die bis 2016 ja auch schon wissen, wo die Basis errichtet werden soll - man fragt sich, aufgrund welcher Daten?

    2018 dann ist der Rover dran, für den auch die Entwicklung noch nicht begonnen, hat, der aber die Fragen lösen soll, die heute noch offen sind. Wir wissen nicht einmal, ob es im Boden Kohlenwasserstoffe gibt - was bedeutet, dass wir so gut wie nichts wissen - aber die wollen da schnell die Eignung des Bodens für die permanente Besiedlung abnicken.

    2021 dann sollen die anderen Elemente des Habitats zum Mars fliegen und alle an genau derselben Stelle landen, und zwar dort, wo schon das Versorgungsmodul 2016 gelandet ist. Nun ist es allerdings so, dass die besten und erfahrensten Raumfahrtingenieure der Welt, nämlich die vom JPL in Pasadena, die allen anderen auf der Welt in diesem Feld um mindestens 2 Jahrzehnte voraus sind, keine Landegenauigkeit von weniger als 10 km garantieren können.

    Das heißt, entweder Mars One verfügt über geheimes und nie erprobtes Wissen, das selbst dem der Amerikaner weit voraus ist, oder aber, sie werden einen Plan haben, um ferngelenkt tonnenschwere Module kilometerweit durch unwirtliche, unerschlossene Gegend zu bewegen, damit sie zu einem zusammenhängenden Habitat integriert werden können.

    So, und wenn das alles zufriedenstellend beantwortet ist, dann kann man sich über die psychlogische Seite Gedanken machen. Wenn das alles aber nicht zufriedenstellend beantwortet werden kann, sind alle darüber hinausgehenden Fragen, die sich erst stellen, wenn die Mannschaft auf dem Mars ist, gegenstandslos.

  8. Mona Antworten | Permalink

    Zu "Mars One"

    "Ich meine, man sollte nicht den Fehler begehen, den Veranstaltern der Unternehmung einfach so abzunehmen, die wesentlichen technischen Fragen auf dem Weg hin zum Mars seien schon gelöst."

    Der Ansicht bin ich auch! Das Ganze riecht mir zu sehr nach Werbestrategie. Einfach mal einen Plan für die Vermarktung aufzustellen genügt nicht. Ich habe mir mal einige Artikel über das Projekt "Mars One" durchgelesen. Anscheinend macht man sich über die technischen Probleme nicht allzu viele Gedanken. Man möchte in erster Linie die psychologischen Befindlichkeiten der Bewerber ausschlachten. Nicht umsonst gehört der Miterfinder von "Big Brother", Paul Römer, zu den Unterstützern der Mission. Einige Erfahrungen konnte man schon mit der Mars-500-Mission sammeln, deswegen wird auch ein Berater dieser Mission, der Psychologieprofessor Norbert Kraft, mit von der Partie sein. Die Aussicht auf eine Reise ohne Wiederkehr wird die zukünftigen Mars-Kolonisten gehörig unter Druck setzen. Mit Ausrastern dürfte also gerechnet werden, aber das wollen voyeuristisch veranlagte Fernsehzuschauer wohl auch nicht anders haben.

  9. Störk Antworten | Permalink

    Schneller Rückflug ausgeschlossen...

    ... okay, eine 2-Jahres-Mission ist derzeit nicht durchführbar, weil man den ganzen Treibstoff für den Rückflug bereits auf dem Hinweg mitschleppen müßte. Das versteht schon mein 7-jähriger Sohn, daß dann die Rakete schlicht zu schwer werden würde.

    Andererseits, den Lebensabend auf dem Mars verbringen? Wieviele Ärzte fliegen mit?

    Ich würde nur dann mitfliegen, wenn mein Job auf dem Mars damit zu tun hätte, die Tankstelle für Rückflüge mit aufzubauen. (Das U-233 als Energiequelle kann ja im Raumschiff verbleiben, aber die Stützmasse - H2 oder CH4 oder H2O - muß schon irgendwo vor Ort gewonnen werden)

    Länger als 5-6 Jahre würde ich nämlich auch nicht dortbleiben wollen. Und auf dem Rückflug sollte das Raumschiff bitte so rotieren, daß ich mich langsam wieder an Erdschwerkraft gewöhnen kann. Die künstliche Schwerkraft über 9 Monate verteilt stetig zu steigern sollte doch das kleinste Problem sein...

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