Heute vor 50 Jahren: Das vergessene Kraftwerksunglück

9. Oktober 2013 von Michael Khan in Irdisches, Politik, Technik

Dieses Kraftwerksprojekt hatte eine Planungsphase von 20 Jahren durchlaufen und stand nun endlich vor der endgültigen Inbetriebnahme. Experten warnten vor nicht beherrschbaren Risiken, konnten sich aber nicht gegen die starke politische Unterstützung des Projekts durchsetzen. Als die Katastrophe eintrat, war ihr Ablauf etwas anders als selbst von den Kritikern erwartet, aber genau so tödlich - das Unglück kostete bis zu 2500 Menschenleben.

Die Rede ist vom Vajont-Staudamm in Norditalien. Der Damm, mit der bemerkenswerten Höhe von 262,5 m und einer Länge entlang der Krone von 200 Metern, sollte ein enges Tal des Vajont-Flusses in den italienischen Alpen nördlich von Venedig absperren und einen Stausee mit einem Fassungsvermögen von 150 Millionen Kubikmetern aufstauen. Der eigentliche Baubeginn war erst im Jahr 1957.

Die geologische Situation im Tal, das zum Stausee werden sollte, war eigentlich gut verstanden. Die Meinung der Geologen zu diesem Projekt war deswegen auch recht eindeutig - es wurde klar und deutlich vor einer hohen Wahrscheinlichkeit von großen Erdrutschen in den Stausee hinein gewarnt. Die Betreiberfirma schlug die Warnungen jedoch in den Wind und führte den Bau des Damms weiter. Ab 1960 wurde mit der Befüllung des Sees begonnen.

Es ist ein bekanntes Phänomen bei Staudammprojekten, dass sie nicht nur von der Seismik beeinflusst werden, sondern dass sie ihrerseits die Seismik beeinflussen. Die schiere Masse eines Stausees und die dadurch ausgeübte Gewichtskraft auf den Talgrund kann Erdbeben auslösen - insbesondere, wenn der Stausee sich in der Nähe einer Verwerfung befindet; die dramatische Veränderung in den hydrologischen Verhältnissen durch Anstieg des Grundwasserspiegels und Durchfeuchtung der Erdschichten kann zu Erdrutschen in den See hinein führen.

Es handelt sich um Risiken. Risiken müssen erkannt werden und man kann ihnen manchmal durch geeignete Maßnahmen begegnen und sie minimieren. Jegliche menschliche Tätigkeit beinhaltet auch ein Maß an Risikomanagement. Manche Risiken allerdings können durch keinen vertretbaren technischen Aufwand beherrscht werden. Diese stellen das ganze Projekt infrage.

Die Katastrophe

Die Strategie der Betreiber des Vajont-Wasserkraftwerks war, nicht nur Warnungen zu ignorieren, sondern auch Tatsachen wie eine Serie zunehmend stärkerer Erdrutsche an den Berghängen um den See. Der Stausee wurde weiter gefüllt. Das Unvermeidliche geschah in der Nacht des 9. Oktober 1963. Um 22:39 ging vom Monte Toc ein massiver Erdrutsch ab. Dieser hatte ein Volumen, das fast das Zweifache der Kapazität des Stausees betrug.

Der Erdrutsch füllte den See blitzartig bis fast an den Damm heran auf. Etwa 50 Millionen Kubikmeter Wasser (was einem Würfel mit 368 Metern Kantenlänge entspricht) wurden zum Staudamm hin gedrängt und konnten nirgendwo anders hin als über dessen Krone hinweg. Der Staudamm selbst hielt - eine bemerkenswerte Tatsache und ironischerweise ein Tribut an das Können der Ingenieure. Die Katastrophe fand aber trotzdem statt. Eine Welle aus Wasser und Schlamm mit der unvorstellbaren Höhe von 250 Metern schwappte über die Dammkrone ins darunterliegende Piave-Tal, zerstörte dabei fünf Dörfer und tötete auf einen Schlag bis zu 2500 Menschen. Aus mir nicht ersichtlichen Gründen schwanken die genannten Opferzahlen erheblich - auf jeden Fall und ganz ohne Zweifel verloren viele Menschen ihr Leben.

Der Vajont-Staudamm aus dem heutigen Longarone, Quelle: Wikipedia

Der Vajont-Staudamm heute - gesehen aus dem darunterliegenden Dorf Longarone, wobei nur die obersten 60-70 Meter des eigentlichen Staudamms zu sehen sind. Die Welle hätte den sichtbaren Himmelsausschnitt fast komplett verdeckt. Quelle: Wikipedia

Die Folge

Zumindest nach dem Unglück wurde das Projekt aufgegeben, der weitgehend intakte Damm selbst steht auch heute noch am Ausgang des nun wieder trockenen Tales, in dem er einen tiefen See hätte aufstauen sollen. Die UNESCO hat das Vajont-Staudammprojekt auf Nummer Eins ihrer Liste der "Five Cautionary Tales" gesetzt. Nach meinem Dafürhalten ist die Begründung eine ungeheure Frechheit:

The Vajont reservoir disaster is a classic example of the consequences of the failure of engineers and geologists to understand the nature of the problem that they were trying to deal with. [...] Proper understanding of the geology of the hillside would have prevented the disaster.

 So? Es war doch wohl eher so, dass die Geologen klar und unmissverständlich warnten. Es waren die staatlichen Firmen SADE und ENEL, die diese Warnungen in den Wind schlugen und den Bau und die Befüllung des Staubeckens unbeirrt weiter führten. Es waren diese staatlichen Unternehmen, die keinerlei Maßnahmen zur Evakuierung der darunter liegenden Dörfer trafen, selbst als Anfang Oktober 1963 klar war, dass eine seismische Katastrophe bevorstand, auch wenn nicht vorstellbar gewesen sein sollte, welches Ausmaß diese Katastrophe annehmen würde.

Vajont war zuallererst einmal ein Versagen der Politik und der staatlich gelenkten Wirtschaft, nicht das erste und ganz sicher nicht das letzte dieser Art. UNESCO ist natürlich eine von Politikern dominierte Organisation und es zeigt sich auch hier wieder, dass von diesen Leuten keinerlei Selbstkritik zu erwarten ist. Schuld sind immer die Anderen, auch wenn die ihnen zuvor lang und breit geraten haben, davon die Finger zu lassen, was nun gerade offensichtlich schief ging.

Die Konsequenz

Es gibt politische Richtungen, die meinen, dass der Staat seine Pflicht zur Kontrolle der Wirtschaft am Besten durch Verstaatlichung von Wirtschaftsbereichen mit Schlüsselfunktion wahrnehmen kann. Ich meine aber, gerade vor dem Hintergrund dieses Unfalls und einer langen Reihe ähnlich gelagerter Fälle davor und danach ist diese Forderung kritisch zu hinterfragen. Die Politik ist in erster Linie dem Bürger und seinen Interessen verpflichtet, ein Wirtschaftsunternehmen seinen Eigentümern und deren (zumeist kommerziellen) Interessen. Hieraus können sich Konflikte ergeben, die im Dialog zu Kompromissen geführt werden müssen.

Bei einem Dialog muss aber klar sein, wer an welcher Seite des Tisches sitzt. Wird der Staat zum Eigentümer, dann sitzt die Politik an beiden Seiten. Wenn ich nur noch mit mir selbst verhandele, dann komme ich zwar schnell zu einer Lösung. Dass bei der Findung dieser Lösung aber auch das Gemeinwohl im Auge behalten wird, ist dann aber nicht mehr unbedingt zu erwarten.

Das Vergessen

Mal ehrlich: haben Sie vom Vajont-Unglück schon etwas gehört? Ich kenne kaum einen Nicht-Italiener, der mit diesem Stichwort etwas anfangen kann. Selbst die von mir befragten Italiener hatten zwar zumeist davon gehört, ordneten das aber vage einer Zeitspanne irgendwo zwischen 1950 und 1965 zu. Geologen jeglicher Nationalität wissen da schon noch eher Bescheid. Ich selbst habe davon als kleiner Junge gehört, als meine Eltern darüber sprachen. Es blieb mir immer präsent - einfach, weil ich diese Vorstellung der gigantischen Welle, die mit tödlicher Wucht auf die schlafenden Dörfer niederstürzt, damals schon so schockierend fand, dass sie mich nicht losließ.

Aber selbst als eifriger Leser und Doku-Gucker habe ich zu diesem Unglück sonst nichts gefunden - ich musste schon dediziert nach Informationen suchen. Nur um ein Beispiel zu nennen: Spiegel Online nimmt den heutigen 50sten Jahrestag keineswegs zum Anlass, um unter "einestages" über das Vajont-Unglück zu berichten, sondern macht stattdessen den Brand auf dem Dampfer Volturno vor 100 Jahren zum Thema. Das ist durchaus aussagekräftig. Wichtig ist ja nicht nur, was in den Medien steht, sondern auch, was die Medien ignorieren.

Vajont liegt wohlgemerkt nicht irgendwo am anderen Ende der Welt, sondern nur ein paar Hundert Kilometer südlich von uns. Aber es war halt ein Staudammunglück. An ein Unglück in einer Nuklearanlage vor 50 Jahren mit 2500, oder auch 250 oder 25 oder auch 2 Opfern würde heute mit flammender Rhetorik erinnert werden. Das würden Sie auch kennen. Windscale ist Ihnen sicher ein Begriff, Three-Mile-Island auch. Auch ein Chemie-Unglück hätte man bestimmt nicht vergessen. Seveso, Bhopal oder Minamata kennt man halt noch. Hier aber war es nicht das böse Atom, noch die fiese Chemie. Es war die "gute", "saubere", "sichere" Wasserkraft, also eine "erneuerbare Energie".

Wie wir unsere Umwelt wahrnehmen, was wir für sicher halten oder für unsicher, für sinnvoll oder für weniger sinnvoll oder wie wir ein Gefährdungspotenzial oder Risiken bewerten, all das hängt davon ab, wie wir informiert werden. Dabei geht es nicht nur der Inhalt oder die Färbung der Informationen selbst. Ist Ihnen aufgefallen, dass die Berichte über den Fukushima-Unfall fast ausnahmslos mit der Formulierung "Das vom Erdbeben und dem nachfolgenden Tsunami zerstörte Kernkraftwerk..." beginnen? Auch die Auswahl der Informationen spielt eine Rolle.

Wenn man von einer Sache dauernd hört, misst man ihr leicht eine Bedeutung bei, die in keinem Zusammenhang mehr zur tatsächlichen Situation steht. Wenn dagegen ein Thema gar nicht präsent ist, neigt die Öffentlichkeit dazu, davon auszugehen, dass es da kein Problem gibt. Eine Beeinflussung der öffentlichen Wahrnehmung ist somit gar nicht schwierig. Sie beginnt schon bei der Themenauswahl und die Frequenz der Berichterstattung.

Zurück auf den harten Boden der Realität

Die Fakten scheren sich nicht um unsere Wahrnehmung. Sie sind, wie sie sind. Egal, welcher Art unsere Energieversorgung ist, es wird am Ende immer auf den großtechnischen Umgang mit gewaltigen Energiemengen hinauslaufen. Das birgt immer ein Risikopotenzial, egal, wie wir uns entscheiden. Es wird immer die Notwendigkeit zum Risikomanagement geben. Es ist unrealistisch, davon auszugehen, dass das immer gut gehen wird. Es werden Fehler gemacht werden, es wird zu Unfällen kommen und es werden dabei Menschen zu Schaden kommen. Wer das ausblendet, macht sich etwas vor.

Windkraft und der Photovoltaik sind per se nicht grundlastfähig: Der Wind weht nicht zuverlässig dann, wenn er gebraucht wird, und die Sonne scheint auch nicht immer dann, wenn der elektrische Leistungsbedarf anfällt. Heute haben wir noch ein Lastprofil mit deutlichen Spitzen während des Tagesverlaufs und einem deutlichen Abfall während der Nacht, aber das Lastprofil wird sich in den kommenden Jahrzehnten ändern, wenn beispielsweise elektrische Antriebe im Verkehrssektor verstärkt zum Einsatz kommen. Die Batterien der Fahrzeuge werden über Nacht aufgeladen. Die Folge wird zweifach sein:

  • Erstens wird insgesamt mehr elektrische Energie benötigt, allen Einsparungen zum Trotz.
  • Zweitens wird das Lastprofil über den Tagesverlauf abflachen, das heißt, es wird zu jeder Tageszeit ungefähr gleich viel elektrische Leistung abgerufen werden - der Grundlastanteil wird also steigen, und zwar in einem generell wachsenden Strommarkt.

Der steigende Bedarf an gesicherter Grundlastversorgung steht also einem steigenden Anteil nicht grundlastgeeigneter Energieträger gegenüber. Das kann nur zusammenpassen, wenn große Speicherkapazitäten geschaffen werden - es sei denn, wir exportieren die überschüssige Stromproduktion und importieren dafür ausländischen Strom aus konventionellen Quellen, d.h., wir verlassen uns darauf, dass die Grundlastversorgung dadurch gewährleistet bleibt, dass die Nachbarländer nicht auf erneuerbare Energien umsteigen.

Sollen wir aber Speicherkapazitäten schaffen wollen, dann ist mir nicht bekannt, mit welcher anderen Technologie als Pumpspeicherwerken die erforderlichen Energiemengen gespeichert werden sollen. Offenbar hat auch sonst niemand darauf eine überzeugende Antwort. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen nennt Pumpspeicherwerke vornehmlich in Skandinavien in einem Gutachten aus dem Jahr 2010 als Grundlage für einen Ausbau der erneuerbaren Energien.

Pumpspeicherwerke sind Wasserkraftwerke an erhöhten Standorten, in deren Stauseen Wasser hineingepumpt wird, wenn ein Überschuss an elektrischer Energie anfällt. Wird dagegen elektrische Energie benötigt, wird das Wasser wieder abgelassen, durchläuft dabei Turbinen, an die Generatoren angeschlossen sind. Dies werden keine kleinen Pumpspeicherwerke sein und auch nicht wenige, denn es geht um große Energiemengen, die zu speichern sind und um hohe elektrische Leistungen, die eingespeist und abgerufen werden. Schließlich sprechen wir von der Energieversorgung einer der größten Industrienationen der Erde.

Das heißt aber, dass das Problem der Sicherheit von Wasserkraftwerken, das wir nur zu gern verdrängen würden, schon sehr bald auf der Tagesordnung stehen wird, und zwar an vorderster Stelle. Dann werden wir uns damit befassen müssen und spätestens dann ist das Ignorieren von Unglücken wie beim Vajont-Staudamm keine Option - Notabene: Vajont war nur ein kleines Kraftwerk mit einem kleinen Stausee).

Wenn das erhebliche Gefährdungspotenzial solcher Kraftwerke ins Bewusstsein gerückt wird - seien wir mal realistisch: Keine Großtechnik ist folgenlos oder risikofrei - und man sich damit befasst haben wird, was ein hochgradig nicht-triviales Problem darstellen dürfte, dann wird schon bald auch der nächste Punkt auf den Tisch kommen: Die Umweltverträglichkeit von großen Wasserkraftwerken. Das wird auch noch ein ganz harter Brocken.

Ich wage mal die Vorhersage, dass so manche optimische Prognose von heute keinen Bestand haben wird und dass es auch bald schon einen weiteren Faktor geben wird, den heute noch kaum jemand auf dem Radarschirm hat, nämlich den zunehmenden Widerstand in der Bevölkerung, insbesondere bei den direkt Betroffenen. Deren Zahl wird in dem Maße steigen, wie die Anzahl und Größe der Wasserkraftwerke zunimmt und diese deswegen zwangsläufig starker an Bevölkerungszentren heranrücken.

Man kann nur hoffen, dass die großtechnische Nutzung der Fusionstechnik verfügbar wird, bevor wir uns allzu weit in dieser Sackgasse verrannt haben werden.

 

Weitere Information

"The Vaiont (Vajont) Landslide of 1963" auf "The Landslide Blog", 11. Dezember 2008

Steven Ward, Simon Day: "The 1963 Landslide and Flood at Vaiont Reservoir Italy. A Tsunami Ball Simulation", Ital.J.Geosci. Vol. 130, No. 1 (2011) pp. 16-26 (DOI: 10.3301/IJG.2010.21) (PDF)


59 Kommentare zu “Heute vor 50 Jahren: Das vergessene Kraftwerksunglück”

  1. H. Sowade Antworten | Permalink

    Hallo Herr Khan, danke für die Lanze, die Sie für die Naturwissenschaftler brechen. Als Geologe fühle ich das Grauen aller, deren Fachmeinung dem Profitdenken geopfert wird. Wenn's kracht, heisst es für alle Projektbeteiligten mitgefangen - mitgehangen...

  2. Holger Szillat Antworten | Permalink

    Kernfusion als "saubere" (und risikolose) Energieversorgung? Risiken existieren auch dort! Und warten wir erstmal den ersten Knall mit einem Kernfusionsreaktor ab, dann wird es auch wieder heißen: "Wie konnte man bloß so ein billiges Teil dafür nehmen?"

    • Michael Khan Antworten | Permalink

      Das ist doch gerade der Punkt! Egal, wie man es macht, es gibt, wenn man sehr große Energiemengen speichern und umwandeln will, keine risikolose Technik, und auch keine folgenlose. Eine solche Annahme ist eine reine Illusion.

      Dieser Illusion hängen allerdings in Bezug auf die erneuerbaren Energien offenbar viele an. Auch solche, die es eigentlich besser wissen sollten, siehe die folgende reichlich naive Vorstellung: Link zu einem Kommentar zu einem Artikel im scilogs-Blog "AstroGeo"

  3. Spritkopf Antworten | Permalink

    Man kann es nicht oft genug wiederholen: There is no free lunch. Auch bei den EE nicht.

  4. H. Müller Antworten | Permalink

    Ich kannte diese Tragödie vom Vajont- Staudamm. Gleichwohl ist mir in Erinnerung, dass man durchaus die Hangrutschungen einkalkulierte, sie jedoch unterschätzte. Man wollte gar mit mehrmaligem Ablassen und Wiederauffüllen ein *Setzen* der rutschungsgefärdeten Schichten erreichen. Die geologischen Besonderheiten wurden eben nicht klar erkannt -bzw. setzten sich Geologen mit anderer Betrachtungsweise durch. Falsch.

    Auch in Deutschland gab es Staudamm- Unglücke. Die größten während des Krieges, die Bombardierung der Dämme von Eder- und besonders Möhnesee forderten etwa 2400 Tote.

    Zu dem im Artikel angesprochenem Gutachten bezüglich Pumpspeicher in Skandinavien kann ich nur sagen, dass das wohl sehr sehr optimistisch gedacht ist. natürlich hat Norwegen gigantisches Wasserkraft- Potential, aber sie nutzen es zu 100% selbst. Doch in Ausnahmen greift selbst Norwegen auf Schwedische Atomkraft zurück.
    Ich habe mir einige der gewaltigen Stauanlagen in Südnorwegen angesehen, im Prinzip natürliche Speicherseen, denen aber oft mit Staumauern, in der Regel Steinschüttdämmen, eine größere Kapazität und Regulierungshöhe verliehen wurde. Das sind gewaltige Eingriffe auch in die dortigen Biotope. Wirkliche PUMPspeicherkraftwerke gibt es so gut wie noch gar keine!
    Das größte südnorwegische Wasserkraftwerk (genauer gesagt, ist auch dieses Kraftwerke ein Verbund, es gehören kleinere Kraftwerke *weiter oben* mit dazu, dadurch wird die WK mehrfach genutzt), Tonstad, hat 1400 MW Leistung. Um diese Leistung sicher bereitzustellen, wird der Verbund wiederum aus mehreren Speicherseen gespeist, die durch Tunnelröhren in Gesamlänge von 50km verbunden sind. Der Untersee wird touristisch genutzt, ich kann mir schwer vorstellen, dass eine Einschränkung dieser Nutzung (neben ökologischen Problemen) bei Pumpspeicherbetrieb (schwankender Wasserstand) Anklang bei den Bewohnern der Region findet, zumindest ist in Norwegen eine handfeste Debatte im Gang, was an solchen Projekten noch ökologisch vertretbar ist oder nicht. Stoltenberg sagte schon um 2002, beim Ausbau der Wasserkraft sei das Ende der Fahnenstange erreicht.

    Tonstad ist insofern interessant, als dort das Verbundkabel- Projekt NORGER angebunden werden soll. 2011 wurde im Kraftwerk Tonstad kräftig gebaut, aber man wollte oder konnte mir zu diesem Projekt nichts sagen.

    Allerdings ist der oben angesprochene Widerstand bereits Realität, im übrigen auch gegen Leitungsprojekte.

  5. Mike Macke Antworten | Permalink

    Vielen Dank für den interessanten Artikel.
    Trotzdem glaube ich zumindest in den Schlussfolgerungen einen Denkfehler gefunden zu haben:
    Intelligente Ladesysteme könn(t)en die Batterien nicht nur "über Nacht" laden - sollte (!) das Mobilitätsverhalten quasi 1:1 von chemisch zu elektrisch übertragen werden (was m.E. nicht wünschenswert ist), kann dann geladen werden, wenn Strom verfügbar ist ((und ein Auto herumsteht, d.h. ca. 23 von 24h am Tag). Umgekehrt werden schon jetzt Plug-in-Hybride zum Anschluss auch als Stromleferanten diskutiert.
    Es trifft zu, dass Großkraftwerke per se gefährlicher sind als kleinere (wie auch Automobile mehr Gefährdungspotential als z.B. Motorräder und diese mehr als Fahrräder haben); ob die seit fünfzig Jahren in fünfzig Jahren verfügbare Kernfusion eine echte Ausnahme darstellen wird, ist - vorsichtig gesagt - noch nicht sicher.

    Ziel bei EE ist gerade deshalb die weitgehend "kleinteilige" Versorgung mit dem "eigenen" Windrad, Wasserrad, Kollektor und - als bisher ungelöste größte Herausforderung - die (abrechenbare) Weitergabe bei Überschüssen an einem Ort und Bedarf woanders. Als Zusatz fällt dabei (insbesondere bei thermischen Kraftwerken wie Kern- und Kohle-KW) trotz etwas geringerer elektrischer Wirkungsgrade ein höherer Gesamtwirkungsgrad an, weil kein Mensch 4 GW Abwärme verwerten kann - mit einem (kleinen) BHKW kann dagegen auch die Abwärme noch z.B. zum Wassererwärmen oder Heizen genutzt werden.

    • Martin Holzherr Antworten | Permalink

      Nichts ist teurer als die " weitgehend "kleinteilige" Versorgung mit dem "eigenen" Windrad, Wasserrad, Kollektor "
      Solche rein dezentralen Lösungen belasten heute mit der Einspeisung ins öffentliche Netz zudem dieses Netz, was häufig einen Ausbau erzwingt. Wenn schon dezentral, dann total dezentral, das heisst ohne Netzeinspeisung sondern auch mit lokalem Speicher. Das ist heute aber nur für wenige bezahlbar, denn Batterien als Speicher sind zu teuer und im übrigen können sie saisonale Bedarfs- und Produktionsschwankungen nicth ausgleichen.
      Die Lösung mit Power-To-Gas ist ebenfalls teuer und ist mit grossen Energieverlusten (mehr als 50%) verbunden.

      Die beste Lösung für die Produktionsschwankungen von Wind- und Sonnenkraftwerken wäre ein grossräumiger Stromvergbund mit einem Supergrid als Rückgrat. Das verlangt aber nach politischer Zusammenarbeit vieler Nationen, wofür die Voraussetzungen immer noch fehlen.

      • Michael Khan Antworten | Permalink

        Die dezentrale, "kleinteilige" Versorgung ist zumindest mit dem "eigenen" Windrad schon lange kein Thema mehr. Die durchschnittliche installierte Nennleistung pro Anlage steigt Jahr für Jahr und liegt mittlerweile bei fast 1.4 Megawatt. Nebenbei bemerkt, die Auslastung steight keineswegs, sie war mal bei rund 20%, liebt aber mittlerweile hartnäckig weit darunter, was wohl damit zusammenhängt, dass die geeignetsten Standorte mittlerweile vergeben sind. Daher der Trend zu Offshoreanlagen, die offensichtlich das Gegenteil von dezentral sind.

        So langsam sollte man sich von der Mär der kleinen, nahen, dezentralen reneuerbaren Energieversorgung wirklich mal verabschieden, zumindest was die Windkraft angeht.

    • Michael Khan Antworten | Permalink

      Sie haben sehr viele wichtige Punkte genannt, und es würde den Rahmen eines Kommentars sprengen, wollte ich auf jeden Einzelpunkt so detailliert eingehen, wie er es verdient. Deswegen beschränke ich mich darauf, einzelne Punkte kurz herauszugreifen:

      1.) Laden von elektrischen Automobilen: Ich gehe davon aus, dass die Einführung elektrischer Mobilität in Stufen erfolgen wird, zuerst bei kommunalen Fahrzeugen und Liefertransportern, weil diese viele Wege zurücklegen, aber keine große Wegstrecke und sich dieses Nutzungsprofil besonders für die E-Mobilität eignet. Bei privaten KFZ vermute ich gerade im städtischen Bereich eine Bewegung weg vom Eigenbesitz und hin zum Car-Sharing: Dieser Trend zeichnet sich ja heute schon in Großstädten ab. Bei diesen Fahrzeugen wird das Aufladen der Akkumulatoren primär über Nacht erfolgen müssen.

      Wie auch immer, mein wesentlicher Punkt war, dass a.) der Stromverbrauch steigt (weil in Zukunft auch das Straßenverkehrswesen elektrisch wird) und b:) Der Untersschied zwischen Lasttälern und Lastspitzen abnimmt.

      2.) Verfügbarkeit der Fusionsenergie: Das ist eigentlich nur ein Nebenthema in diesem Kontext, aber mir scheint doch, Sie sehen die Prognose ihrer Verfügbarkeit etwas zu pessimistisch. Es ist nicht so, dass die Forschung der letzten 50 Jahre uns dem Ziel der großtechnisch nutzbaren Fusion nicht näher gebracht hätte, im Gegenteil. Näheres siehe hier. Auch die Kernfusionstechnik wird weder folgen- noch risikolos sein, aber ich sehe keine Punkt, der eine zu derartigen Risiken sowie Umwelt- und Sozialfolgen führt wie der forcierte Einsatz der Pumpspeichertechnik.

      3.) Dass EE dezentral sein sollen, halte ich für eine der Illusionen, die bei Einführung dieser Technik verbreitet wurden und die man noch so lange glauben konnte, wie EE nichts weiter war als der Sonnenkollektor auf dem einen oder anderen Dach und das kleine Windrad auf der einen oder anderen Wiese.

      Mittlerweile redet darüber kaum noch jemand - von dieser Behauptung haben sich die Verantwortlichen schon längst heimlich, still und leise verabschiedet.

      Zu Recht, denn wer würde das denn auch noch glauben, wenn im gleichen Atemzug Offshore-Windenergieparks in der Nordsee und zusätzliche Stromferntrassen gefordert werden, ohne die der weitere Ausbau des EE-Anteils am Strommarkt offenbar nicht zu stemmen ist, oder gar das parken großer Energiemengen in Pumpspeichermengen im Ausland? Realistischerweise müssen wir uns der Tatsache stellen, dass Klein-Klein nur so lange funktionierte, wie der Anteil an der Stromversorgung vollkommen vernachlässigbar war, die Sache also eine Spielerei für Enthusiasten. Wen Aber EE einen wesentlichen Beitrag zu der Energieversorgung leisten und auch in die Grundlastversorgung eindringen soll, dann wird es zwangsläufig zu einer Großtechnik, mit allen Konsequenzen: Große Kosten, große Probleme, große Risiken.

  6. Gunnar Ries Antworten | Permalink

    Als Geowissenschaftler ist einem Vajont durchaus ein Begriff. Leider hatten wir einen geplanten Exkursionsaufenthalt wegen extremen Schlechtwetters dort nicht durchführen können. Das hätte ich mir gerne mal mit eigenen Augen angesehen.

    David Bessan hat vor 2 Jahren einen guten Beitrag in seinem englischen Blog dazu gebracht: http://blogs.scientificamerican.com/history-of-geology/2011/10/09/october-9-1963-vajont/

    Und auf Youtube gibt es eine etwas reisserische Doku http://www.youtube.com/watch?v=nCVAq3o6yIw&feature=relmfu

    Danke, dass du dieses Unglück nicht dem Vergessen überlässt. Hierzulande sind wir ja fast manisch auf Atomkraft und Kohle fixiert, dass wir die Gefahren der regenerativen Energien glatt übersehen.

  7. Daniel Fischer Antworten | Permalink

    Keine Doku gefunden? Eine 45-minütige solche von National Geographic TV, Mountain Tsunami, erscheint gleich mehrfach auf der ersten Google-Seite zum Thema (die heute wohl unvermeidlichen üppigen Reenactments inklusive). Scheint zumindest in Deutschland Teil einer großen Serie über vermeidbare Katastrophen gewesen zu sein.

    • Michael Khan Antworten | Permalink

      Was ich schrieb, war, dass man kaum etwas findet, wenn man nicht dediziert danach sucht. Letzteres kann man aber nur, wenn man schon von diesem Unglück weiß. Selbst gestern, zum 50sten Jahrestag,wurde diesem Thema in der deutschen Berichterstattung ja auch nicht gerade überschwängliche Aufmerksamkeit geschenkt. Deswegen weiß auch kaum einer davon.

  8. Stefan Dewald Antworten | Permalink

    Warum erinnert mich das frappierend an 1. Richard Feynman und seine zielführende Analyse der Challenger-Katastrophe (http://lachsdressur.de/richard-feynman/) und 2. an den Zettel vom »Reiten eines toten Pferdes«, das in vielen deutschen Unternehmen in den Entwicklungsabteilungen zu finden ist?

  9. Karl Bednarik Antworten | Permalink

    Ich habe eine Liste von Stauanlagenunfällen gefunden:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Stauanlagenunf%C3%A4llen

    Wir Österreicher sind natürlich auf das Pumpspeicherkraftwerk Kaprun stolz:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Kraftwerk_Kaprun

    Den überschüssigem Solar-Strom-Wasserstoff oder Wind-Strom-Wasserstoff könnte man mit Kohlendioxid in Methan umwandeln:

    http://www.sankey-diagrams.com/wp-content/gallery/o_gallery_204/wind_to_gas_efficiency.png

  10. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Wer soll Risiken beurteilen
    Besitzer und Betreiber jedenfalls nicht. Bei der Flugsicherheit haben sich Kontrollgremien auf mehreren Stufen durchgesetzt was bewirkt hat, dass heute praktisch jeder Flugunfall detailliert analysiert wird und Folgerungen daraus Konsequenzen für alle Fluggesellschaften hat, die über Flugzeuge des betroffenen Typs verfügen.

    Erneuerbare Enegien sind mit grossräumigem Stromnetz zuverlässig
    Strom muss bereitgestellt werden, wenn er benötigt wird. Doch Wind- und Sonnenenergie folgen nicht dem Bedarf. Die kostengünstigste Lösung für dieses Problem ist der grossräumige Stromverbund, in dem Hochspannungsgleichstromleitungen Strom aus hunderten bis tausenden Kilometeren Entfernung zum Ort des Bedarfs geleitet werden können. Man spricht vom Supergrid. Am besten wäre ein globales Supergrid, wie es im Artikel Grünes Superstromnetz für die Welt vorgestellt wird. Mit einem weltumspannenden Stromnetz wären
    1) Schwankende Stromproduktion über Sonne und Wind kein Problem mehr
    2) Wären auch infrastrukturschwache unterentwickelte Gebiete in Afrika und anderswo besser dran als heute

    Das Haupthindernis für grossräumige Supergrids ist das heutige politische System mit seiner Dominanz von souveränen Nationalstaaten. Diese wollen auch eine souveräne Energieversorgung und misstrauen ihren Nachbarn.

  11. Mona Antworten | Permalink

    @Michael Khan

    Das Unglück von Longarone war mir schon bekannt, weil wir Südstaatler ja des Öfteren nach Italien reisen. Ich kann mich erinnern mal eine Fernsehdokumentation über den Vajont-Staudamm gesehen zu haben. Darin wurde gesagt, dass es sehr wohl Warnungen bezüglich des Hanges gegeben hätte, der in das Staubecken stürzte, weil es schon vorher immer wieder kleinere Rutschungen beobachtete. Es wurde damals versäumt die Geologie hinter und oberhalb der Staumauer genauer zu untersuchen. Das schien den Menschen der damaligen Zeit nicht notwendig, da sie sich nur auf das unmittelbare Geschehen konzentrierten, an weitergehende Zusammenhänge dachte man nicht. Obwohl einer der Geologen einen früheren Bergsturz ausmachte wurde weitergebaut. Auch ein riesiger Riss im einem Hang, der einen Bergrutsch auslöste, schreckte die Energiefirma nicht. Man dachte sogar man könnte den Bergrutsch gezielt steuern, allerdings wurden die dahinterstehenden Mechanismen nicht verstanden. Heute weiß man, dass sich unter der Oberfläche des Berghangs eine Tonschicht befand, unter der sich das Regenwasser sammelte, wodurch ein riesiger Teil des Hangs ins schwimmen geriet und in den Staudamm rutschte.

    Ich habe die oben erwähnte Dokumentation auf youtube gefunden, @Gunnar Ries hat sie auch verlinkt und findet sie etwas "reißerisch", das mag für die filmische Aufbereitung zwar so gelten, aber ab der 15. Minute wird auf die Ursachen eingegangen und die werden anscheinend korrekt wiedergegeben.
    http://www.youtube.com/watch?v=nCVAq3o6yIw

    Ich finde ich es in diesem Zusammenhang allerdings nicht ganz richtig, der Politik die alleinige Schuld an der Katastrophe geben. Im Jahre 1985 ist in den italienischen Alpen der Stava-Staudamm, der Damm eines Absatzbeckens, gebrochen, der 268 Menschen das Leben kostete. Betreiber der geborstenen Klärbecken war eine private Bergwerksgesellschaft, die Fluorit abbaute. Dabei fielen große Mengen von Klärschlamm an, die in zwei übereinander gelagerten Absatzbecken gesammelt wurden. Diese Becken wuchsen im Laufe der Zeit auf über 25 Meter an, zudem war ein Drainagerohr defekt. Die Becken konnten zuletzt dem Druck nicht mehr standhalten und brachen. Auch diese Katastrophe war vorhersehbar, weil die Dämme schon Jahre vorher als instabil eingestuft worden waren. Nach einem jahrelangen Prozess wurden 10 Personen (Verantwortliche der Minengesellschaft und der Aufsichtsbehörden der Provinz Trentino) wegen Totschlags verurteilt.

    Sie schrieben: "Es gibt politische Richtungen, die meinen, dass der Staat seine Pflicht zur Kontrolle der Wirtschaft am Besten durch Verstaatlichung von Wirtschaftsbereichen mit Schlüsselfunktion wahrnehmen kann. Ich meine aber, gerade vor dem Hintergrund dieses Unfalls und einer langen Reihe ähnlich gelagerter Fälle davor und danach ist diese Forderung kritisch zu hinterfragen. Die Politik ist in erster Linie dem Bürger und seinen Interessen verpflichtet, ein Wirtschaftsunternehmen seinen Eigentümern und deren (zumeist kommerziellen) Interessen. Hieraus können sich Konflikte ergeben, die im Dialog zu Kompromissen geführt werden müssen.
    Bei einem Dialog muss aber klar sein, wer an welcher Seite des Tisches sitzt. Wird der Staat zum Eigentümer, dann sitzt die Politik an beiden Seiten. Wenn ich nur noch mit mir selbst verhandele, dann komme ich zwar schnell zu einer Lösung. Dass bei der Findung dieser Lösung aber auch das Gemeinwohl im Auge behalten wird, ist dann aber nicht mehr unbedingt zu erwarten."

    Da kann ich Ihnen nicht recht folgen. Die Politik ist doch nicht unabhängig - auch wenn wir uns das wünschen würden. In vielen Ländern sind Großgrundbesitzer und Unternehmer sogar ganz legal in der Regierung, und auch bei uns versuchen Lobbyisten jeglicher Couleur Politiker zu beeinflussen um ihre Interessen durchzusetzen. Manchmal bringt eine Privatisierung auch nicht unbedingt Vorteile, weil private Firmen sich zwar der alten staatlichen Infrastruktur bedienen, wie z.B. die Energieunternehmen, aber Probleme haben Modernisierungen usw. zu stemmen. Soweit mir bekannt wurden die italienischen Energieunternehmen erst im November 1962 per Gesetz verstaatlicht. Die SADE (Società Adriatica Di Elettricità) und deren Personal gingen an die neu gegründete ENEL über. Es war jedoch bereits 1960 klar, dass etwas nicht stimmte, denn in diesem Jahr löste sich von den Hängen des Berges Toc eine riesige Mure und rutschte ins Wasser. Es flossen jedoch vorher schon staatliche Gelder in das Projekt, aber erst durch die Verstaatlichung der SADE wurde der italienische Staat offiziell mitschuldig an der Katastrophe.

    Zwischen dem Bruch der beiden Staudämme und diversen Kernkraftunfällen sehe ich den Zusammenhang insofern, als man auch hier glaubte die Lage im Griff zu haben und das obwohl, um des Profites willen, geschlampt und vertuscht wurde wo es nur ging.

    Ein Unglück kann natürlich immer wieder mal passieren und man weiß auch nicht welche Auswirkungen zukünftige Technologien einmal haben werden. Der Kernenergie sollten wir jedenfalls nicht nachtrauern, denn wir werden uns noch viele Jahre mit deren strahlender Hinterlassenschaft befassen müssen. Ihr Schlusssatz "Man kann nur hoffen, dass die großtechnische Nutzung der Fusionstechnik verfügbar wird, bevor wir uns allzu weit in dieser Sackgasse verrannt haben werden.", ruft bei mir zwiespältigen Gefühle hervor, weil ich nicht annehme, dass meine Generation diese Technologie noch erleben wird.

    • Michael Khan Antworten | Permalink

      Ich bezweifele, dass eine Verstaatlichung der Industrien die Kontrolle über sicherheitsrelevante Fragen verbessert. Sie können mir in diesem Punkt nicht folgen.

      Ich denke, es ist ganz einfach: Ein Wirtschaftsunternehmen achtet primär darauf, den Nutzen seiner Eigentümer zu mehren und ihren finanziellen Schaden zu minimieren. Gefährdung der Umgebung, Umweltschäden und soziale Folgekosten - all das geht in die unmittelbare Kalkulation nur indirekt ein. Wenn es nur um eine Möglichkeit eines Schadens geht, vielleicht noch mit strittiger Wahrscheinlichkeit oder in nicht unmittelbarer Zukunft, dem aber die konkrete Frage gegenüber steht, ob jetzt und heute in teure Sicherheitstechnik investiert oder gar ein ganzes Projekt abgeblasen wird, dann wird ein Wirtschaftsunternehmen verständlicherweise die Tendenz haben, die Investition zurückzustellen und das Risiko des späteren Schadens, der vielleicht gar nicht eintritt, in Kauf zu nehmen. Verständlich - insbeondere dann, wenn durch die Investition ein Wettbewerbsnachteil entsteht.

      Der Staat sollte aber den Bürgern verpflichtet sein und das große Ganze im Blick haben. Er sollte nötigenfalls einem Projekt gewisse Beschränkungen oder Randbedingungen auferlegen, selbst wenn die das Projekt verteuern und den Profit des Unternehmens schmälern. Schlimmstenfalls sollte er das Projekt unterbinden, wenn nicht glaubhaft gemacht werden kann, dass identifizierbare Risiken beherrschbar sind.

      Wenn aber nun ein Unternehmen verstaatlicht ist, wer soll denn da noch eine effektive Kontrolle durchführen? Der Staat tanzt dann ja auf zwei Hochzeiten: Einerseits soll er die Sicherheitsinteressen der Bürger vertreten, andererseits hat er nun selbst ein direktes Interesse daran, dass dieses Unternehmen seinen Profit maximiert bzw. seine Verluste minimiert, denn es geht dabei im Fall eines verstaatlichten Unternehmens um das Geld des Staates.

      Da kann man sich unschwer ausrechnen, in welche Richtung die Waagschale kippt.

      Wohlgemerkt rede ich nicht der Privatisierung um jeden Preis das Wort. Für einzelne Wirtschaftsbereiche kann es sehr wohl im Interesse der Allgemeinheit sein, dass diese in staatlicher Hand sind.

      Ich meine nur, dass die Verstaatlichung realistischerweise nicht als Mittel gesehen werden kann, mit dem das Risiko industrieller Unfälle minimiert werden kann. Im Gegenteil, ich fürchte, der dann entstehende Interessenkonflikt hat den gegenteiligen Effekt. Das wird durch eine Kette von Beispielfällen belegt, von denen Vajont nur eins ist.

      Zum Zweiten:

      Ob die Gefahr eines katastrophalen Hangrutsches wirklich nicht bekannt war oder ob es politischen Druck gab, solche Überlegungen nicht allzu laut zu äußern, dazu gibt es unterschiedliche Berichte. Wahrscheinlich werden wir die ganze Wahrheit nicht mehr erfahren, aber - bei aller gebotenen Vorsicht gegenüber Medienberichten - finden sich doch reichlich Anhaltspunkte für eine EInflussnahme von oben.

      Im Übrigen äußerte sich in diesem Sinne auch der italienische Senatspräsident Pietro Grasso am gestrigen Tage. Dieser wird mit den Worten zitiert, dass die Katastrophe hätten vermieden werden können, wenn dem menschlichen Leben mehr Bedeutung als wirtschaftlichen und strategischen Interessen beigemessen worden wäre. Grasso sagte weiter, dass es die Institutionen der damaligen Zeit nicht zugelassen hätten, dass im erforderlichen Umfang eingegriffen und vorgebeugt wurde. Das ist doch mal eine klare Ansage.

      • Mona Antworten | Permalink

        Meiner Ansicht nach ist es nicht entscheidend, ob es sich um eine staatliche oder private Firma handelt. Druck "von oben" kann in beiden Fällen ausgeübt werden und natürlich wollen heutzutage auch staatliche Firmen Kosten sparen, das ist klar. Ich habe oben extra noch auf das Beispiel des Stava-Staudamm-Unglücks hingewiesen, dass ja von einer privaten Firma verursacht wurde. Deshalb verstehe ich nicht wieso man in Bezug auf Sicherheitsfragen überhaupt zwischen staatlich und privat unterscheiden sollte. In einem funktionierenden Staatssystem muss sich doch jeder an die Gesetze halten. Wobei das gerade in Italien nicht immer der Fall war, da es dort zuweilen mafiöse Strukturen gab, die bis in die Regierung hinein reichten. Da ist es dann im Nachhinein auch schwierig die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

        In einem gebe ich ihnen aber recht, nämlich das Staudammprojekte einen drastischen Eingriff in die Natur darstellen und auch oft nicht zum Besten der örtlichen Bevölkerung sind, um es mal gelinde auszudrücken. Leider wird das von Umweltschützern oft übersehen. Wer weiß beispielsweise, dass in Brasilien 71 Großkraftwerke geplant sind, meist entlang des Amazonas. Berühmt-berüchtigt wurde das Wasserkraftprojekt Belo Monte.

        http://de.wikipedia.org/wiki/Belo_Monte

        Alles in allem fand ich Ihren Artikel aber gut und es würde mich freuen, wenn Sie öfter über derartige Themen berichten würden.

        • Michael Khan Antworten | Permalink

          Man sollte keineswegs in Bezug auf Sicherheitsfragen zwischen staatlich und privat unterscheiden. So eine Unterscheidung hat niemand verlangt. Und natürlich sollte sich jeder an die Gesetze halten, in einer idealen Situation.

          In einer realen Situation ist es aber so, dass man tunlichst einen Interessenkonflikt minimiert. Würden Sie es gut finden, wenn ein Staatsbediensteter, der beispielsweise eine Behörde für Reaktorsicherheit leitet, gleichzeitig einen Aufsichtsratsposten bei einem Kernkraftwerkshersteller innehat? Ich denke, wohl nicht, denn dann kann wohl kaum erwarten, dass er darauf drängen wird, dass die Sicherheit immer noch dann Vorrang hat, wenn es seinem anderen Arbeitgeber finanziell weh tut.

          Ich meine, die politischen Verflechtungen mit streng zu überwachenden Unternehmen sollten so gering wie möglich gehalten werden. Wenn dem Staat aber das Unternehmen gehört, dann ist das das Gegenteil von "Verflechtungen minimieren". Das kann eigentlich gar nicht gut gehen, und das ging auch oft genug nicht gut.

          Was wir brauchen, meine ich, ist eine Regierung, die die von der Wirtschaft zu befolgenden Regeln aufstellt, und unabhängige Kontrollen unter staatlicher Ägide, die sicher stellen, dass die Wirtschaft diese Regeln einhält. Manches ist von Fall zu Fall zu entscheiden, wenn beispielsweise ein Projekt wie ein Staudamm durchgeführt werden soll, dann müssen die Risiken und das Risikomanagement klar benannt und nachprüfbar definiert sein, und die staatliche Kontrolle soll diese über eigene Gutachten verifizieren. Am Ende kann der Staat gleich oder unter Auflagen zustimmen oder aber ablehnen.

          Aber wie soll der Genehmigungs- und Kontrollprozess aussehen, wenn der Staat auch schon die Betreiberseite vertritt? Das kann doch gar nicht funktionieren.

          • Mona | Permalink

            Herr Khan, ich verstehe was Sie meinen. Manchmal findet es ein Staat jedoch notwendig bestimmte Konzerne zu verstaatlichen, weil sie anders nicht mehr zu kontrollieren wären oder weil man eine Insolvenz verhindern möchte, wie im Falle japanischen Konzerns Tepco, der durch Fukushima traurige Berühmtheit erlangte. Ein Problem sehe ich auch darin, dass private Firmen oft auf einem technisch höheren Stand sind als die Kontrollbehörden und diese dann auf die Informationen angewiesen sind, die die Firmen selbst weitergeben (wollen). Auf diese Weise können schwarze Schafe oft jahrelang betrügen oder die Umwelt verschmutzen bevor sie erwischt werden.

            Wie ich oben bereits andeutete hat jedes große Unternehmen seine Lobbyisten in der Politik, damit es seine Interessen sichern kann. Ob dadurch Politiker noch neutral sein können bleibt dahingestellt. Einigen Politikern wird nach ihrem Ausscheiden aus der Politik sofort ein entsprechender Aufsichtsratsposten oder ähnliches angeboten, daran sieht man dann oft auch wessen Interessen sie vertraten. Gerhard Schröder und seine guten Kontakte zur Gazprom brauche ich hier wohl nicht extra zu erwähnen.

            Andererseits kann, wenn alles in einer Hand ist, der Staat natürlich unmittelbar Druck auf die Bevölkerung ausüben. Schaltet man dann noch die Medien gleich, dann gibt es kaum noch Alternativen. Sie schrieben: "Aber wie soll der Genehmigungs- und Kontrollprozess aussehen, wenn der Staat auch schon die Betreiberseite vertritt? Das kann doch gar nicht funktionieren." Doch, das funktioniert schon und zwar in gewissen totalitären Systemen, die wir als "Diktatur" bezeichnen.

            Ihre Überlegungen berühren nicht nur wirtschaftliche und politische, sondern auch moralische Aspekte. So könnte man fragen ob sich der einzelne in das jeweilige System einfügen und schweigen soll, wenn er Dinge wahrnimmt die anderen Menschen Schaden zufügen könnten oder ob er Nachteile in Kauf nimmt und es öffentlich macht. Der Mut zur Wahrheit sollte sowohl für Anhänger der Kernkraft als auch für Umweltschützer gelten. Selbst wenn man persönlich mit modernen erneuerbaren Technologien sympathisiert muss man sich immer vor Augen halten, dass auch sie einen Eingriff in die Umwelt bedeuten und schädlich sein können.

            Siehe dazu auch den Beitrag von Gunnar Ries:
            http://www.scilogs.de/mente-et-malleo/macht-windenergie-krebs/

          • Michael Khan | Permalink

            Es gibt Fälle, in denen einzelne Betriebe verstaatlicht werden, um deren Konkurs zu verhindern oder deren unerwünschte Übernahme durch einen Dritten. Das mag auch im Einzelfall alternativlos sein. Es gibt für alles Ausnahmen, besonders in der Politik. Ich bezog mich allerdings auf politische Vorstellungen, die darauf abzielen, generell über eine Verstaatlichung und die dadurch vermeintlich verbesserte staatliche Kontrolle auch die Sicherheit zu erhöhen. Wie dargelegt, halte ich das für einen frommen Wunsch. Wahrscheinlich wird das Sicherheitsniveau so nur verschlechtert.

            Dass es diverse Mittel gibt, mit denen die Wirtschaft politische Entscheidungen in ihrem Sinne beeinflussen kann, ist unbestritten. Manche sollten nicht hingenommen werden. Ein Grund mehr, der Situation zu misstrauen, in der die Wirtschaft in Staatshänden ist.

            Die UdSSR hat eindringlich gezeigt, dass es eben nicht funktioniert, wenn die Wirtschaft in Staatshänden ist, besonders wenn dieser Staat auch noch chronisch klamm oder militaristisch oder beides ist und deswegen nocht nur paranoide Geheimhaltung verordnet, sondern auch noch die Mittel nicht hat, um ausreichende Sicherheitstechnik vorzusehen. Ein beispiel ist das Nuklearunglück in Mayak.

  12. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Fusionskraftwerke wird es geben
    Nukleare Fusion als kompakte Energiequelle mit geringem Brensstoffbedarf wird eher früher als später eine wichtige Rolle spielen, denn sie ermöglicht die autarke Energieversorgung wie sie beispielsweise Raketen benötigen, die uns in Wochen anstatt Monaten zum Mars bringen. John Slough, arbeitet für die Nasa an einem Fusionsantrieb der mit einer starken Kompression von mit Deuterium und Tritium vermischten Metallfolien in einem Magnetfeld nahe der Raketendüse gearbeitet wird. Allgemein wird angenommen, dass die nukleare Fusion für Antriebszwecke einfacher zu realisieren ist als für zivile Zwecke.

    Fusionskonzepte heute
    Bei der nuklearen Fusion werden Wasserstoffisotope (D + T) oder Wasserstoffatome und Bor11 zur Fusion gebracht, was eine Kombination von Druckeinschluss und Erhitzung auf Millionen Grad benötigt.
    - In einem Tokomak (Torus) wird ein Mageteinschluss des Brennstoff über viele Minuten versucht
    - Bei der Laserfusion beschiesst man ein Brennstoffkügelchn und komprimiert und zündet es so. Bis zu 10 Laser-Schüsse pro Sekunde lieferen die Energie
    - Bei Sandias Magnetized-Inertial Fusion (MIF) wird mit einem viele Millionen Ampere starken Strom ein Brennstoffplasma zugleich durch das dabei entstehende Magnetfeld komprimiert und erhitzt
    - Bei Plasmo-Jet-driven Magneto-Inertial Fusion werden Plasmajets aufeinandergeschossen. Sie treffen sich beim Target, welches in einem Magnetfeld eingeschlossen ist und initiieren die Fusion
    - die zweistufige Fusion mit Laser, wobei zuerst Wasserstoff atomisiert und ionisiert und dann auf Borkerne geschossen wird ermöglicht die Fusion mit kompakten Lasern
    - Die Firma Trialpha-Energy will Bor11 mit Wasserstoffkernen ohne Neutronenproduktion fusionieren und lässt dazu Teilchen kollidieren

    Besonders attraktiv für die menschliche Energieversorgung ist die aneutronische Fusion von Wasserstoffionen (Protonen) mit Bor11. Dies erfordert hohe Zündungsenergien, liefert aber geladene Teilchen, die direkt als Strom genutz werden können. Schädliche Strahlung oder Neutronen entsteht dabei kaum.

  13. Boris Blix Antworten | Permalink

    @M. Holzherr

    Sagen wir besser "kann es vielleicht einmal geben".

  14. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Mit "Wird es geben" meine ich "sollte es geben". Wenn sich die Menschheit über ihren Heimatplaneten hinaus verbreiten will muss es sie sogar geben. Mit Fusionsenergie sind auch Generationenschiffe denkbar mit denen Menschen habitable Planeten in fremden Sonnensystemen erreichen können.

    Aber auch um die Energiebedürfnisse der auf der Erde lebenden Menschen zu befriedigen sind Fusionskraftwerke wegen ihrer Kompaktheit und relativen Autarkie weit besser als Windräder und Solarpanels, die ganze Landschaften verändern.

  15. Harald Schuller Antworten | Permalink

    Es spielte alles zusammen, wirtschaftlicher Aufschwung, hoher Strombedarf, Fortschrittsgläubigkeit, das scheinbar ideale Tal (enger Talausgang, hohe Lage), Arbeitsplätze (Politik!), Wettbewerb (wer baut den höchsten Staudamm), Rentabilität (Projektabbruch - undenkbar). Dann eben zuwenig Erfahrung mit tiefliegenden Erdrutschen, vorerst nur Fokussierung auf den Bereich des Staudamms (der hat ja gehalten), weitergehende Untersuchungen erst nach und nach. Dann vor die Wahl gestellt, das Worst-Case Szenario ernstzunehmen und das Projekt zu stoppen (viel Geld war aber schon investiert worden, Gesichtsverlust, finanzieller Schaden, politischer Schaden) oder auf andere Geologen zu hören, die mit kleineren Erdrutschen spekulierten.

    Dann noch die Simulation der Universität Padua, die eine "beherrschbare" Flutwelle von 20-30 Metern ergab. Keine eindeutigen Zuständigkeiten: Wer hat die Befugnis so ein Projekt zu stoppen, wer kann anordnen, die Bewohner zu evakuieren? Wer möchte sich da in die Nesseln setzen? Geologen die einerseits warnten, lieferten aber auch gleichzeitig Vorschläge für das weitere Vorgehen, etwa das langsame Einrutschen des Hangs durch Wasserpegelsteuerung, ein scheinbarer Ausweg, zugleich fataler Fehler. Dann kamen noch starke Regengüsse, der Berg setzte sich auf einer Länge von 2km in Bewegung.

    Man war man von sich überzeugt und wiegte sich in Sicherheit. Am Tag des Unglücks sind wirklich Ingenieure extra hinaufgefahren um die vorausgesagte Flutwelle von 20 Metern mitanzusehen. Stattdessen sind es 200 Meter geworden und keiner von denen hat überlebt. Je mehr man das Vajont Unglück studiert, desto mehr kann man lernen: Es braucht neben Kommunikation, Transparenz, Genauigkeit, gegenseitiger Kontrolle, eindeutige Zuständigkeiten, selbstkritisches Risikomanagement, Vorsicht vor allem großen Abstand zu Investoren und Politikern, die weder Geld verlieren noch öffentlich Niederlagen eingestehen wollen.

    In Österreich hat man das Vajont-Unglück soweit verdrängt, dass sich die leitende Chefredakteurin vom ORF bei mir bedankte, als ich sie darauf hinwies. Ich bin aber auch nur durch "Zufall" darauf gestossen. Bei uns kennt kaum jemand die Tragödie, in den 60igern hatte man auch noch keinen Fernseher. Der "Tsumani in den Alpen" ist aber (leider) immer noch aktuell und ein Mahnmal für die Zukunft. Das menschliche Leid - unglaublich. Ich denke, es muss immer noch aufgearbeitet werden, der Jahrestag bietet eine Chance (Vajont50 auf Facebook, sehr berührende Fotos von der Gedenkfeier). Immerhin - die Stuttgarter Zeitung hat einen längeren Artikel gebracht, auch die BBC (googeln). Da sieht man eben, wo guter Journalismus beheimatet ist. Auch in Österreich gibt es Blogger und Poster, die sich damit beschäftigen :-). Ich selber habe den Vajont-Damm auf Google Earth entdeckt, als ich eine Reise ins Piave Tal plante. Ein Staudamm ohne Stausee - ich wollte die Hintergründe erfahren und war schockiert, davon hatte auch ich bis vor kurzem nichts gewusst. Rein technisch alleine kann man das jedenfalls nicht diskutieren, was man den Menschen angetan hat, einer einfachen Bergbevölkerung, die den Ingenieuren auf Gedeih und Verderb ausgeliefert war, das darf nicht vergessen sein. Man denkt automatisch an Fukushima. Ob wir klüger werden und auch stark genug um den verschiedensten egoistischen Interessen zu widerstehen? Gott möge uns beistehen, mehr kann ich dazu nicht sagen.

    • Michael Khan Antworten | Permalink

      Ich teile nicht Ihren offensichtlichen Pessimismus bezüglich der Durchführbarkeit solider und sicherer Bauprojekte, dazu gehören auch Staudammprojekte. Natürlich wird man immer Experten haben, die unterschiedlicher Meinung sind. Natürlich gibt es auch immer Interessenlagen, aus denen heraus versucht wird, auf die Entscheidungsfindung Einfluss zu nehmen.

      Eben deswegen bedarf es einer unabhängigen Aufsicht und man sollte die unselige Verquickung von Politik und Wirtschaft so weit wie möglich vermeiden. Dass das im gegebenen Fall nicht gemacht, ja noch nicht einmal versucht wurde, bedeutet ja nicht, dass es grundsätzlich unmöglich ist.

      Die religiöse Anmerkung am Ende Ihres Kommentars finde ich zwar im gegebenen Kontext nicht unbedingt angebracht, in einem weiteren Kontext allerdings schon: Der in Deutschland verbreitete Glaube an die Segnungen der erneuerbaren Energien hat durchaus etwas Religiöses. Das zeigt sich an Vielerlei. Zuerst natürlich an den Dogmen, die aufgestellt und mechanisch wiederholt werden (Heilslehre). An der Gewissheit, dass der Weg nur so wie verkündet sein kann und keine Abweichungen zulässt. Am Ausmalen schlimmster Konsequenzen bis hin zum Weltuntergang, wird vom Weg der reinen Lehre abgewichen. An der Neigung zum Verzicht, gar zur Askese. Am Aufstellen des Motivs des Urbösen, bei dessen Anblick man erschauert (Nukleartechnik) Am Umgang mit allen, die begründete Zweifel an den Dogmen anmelden (Häretiker). An der Warnung vor der Versuchung durch mögliche Alternativen (Fusionstechnik). Am standhaften Ignorieren aller Nachteile der reinen Lehre.

      Ich halte mehr Realismus und eine reflektierte Auseinandersetzung mit den Optionen und Alternativen für angebracht. Ich behaupte, dass - wenn man sich die Datenlage anschaut, sehe ich nichts, was dagegen spricht - der Durchbruch in der Fusionstechnik in den kommenden Jahrzehnten zu erwarten ist. Ich gehe aber davon aus, dass auch diese Technologie niemals unproblematisch oder folgenlos sein wird und dass keine Heilsversprechen zu erwarten sind, dass sie aber dennoch eingesetzt werden wird, einfach weil die fossilen Energieträger in absehbarer Zeit zur Neige gehen oder ihr Abbau zu teuer wird, und auch, weil die Fusionstechnik in punkto Sicherheit, Kosten, Landschaftsverbrauch und Verfügbarkeit die Kernspaltungstechnik und die erneuerbaren Energien aussticht. Ich erwarte auch, dass die erneuerbaren Energien weiter ausgebaut werden, bis zu dem Grad, der sinnvoll ist - dieser Grad wird von Standort zu Standort variieren, aber global sehr weit von 100% der Bedarfsdeckung entfernt bleiben.

      Ich erwarte ferner, dass es zunehmenden Widerstand gegen die unterschiedlichen Formen der EE geben wird, wo ihre Nachteile unübersehbar werden und nicht mehr ignorieren können. Ferner müssen wir davon ausgehen, dass es Unfälle, auch schwere Unfälle mit Systemen aus dem Umfeld der EE geben wird. Als wahrscheinlichste Quelle für einen solchen schweren Unfall sehe ich erst einmal die Pumpspeicherwerke.

      Wir werden aber auch zwangsläufig zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Nachteile, und zwar schwere Umweltschädigungen globaler Natur, auch beim Einsatz von EE unvermeidlich sind. Diese werden heute schon genannt, aber zumindest bei uns noch erfolgreich verdrängt.

  16. Martin Huhn Antworten | Permalink

    Vielleicht kommt ja auch noch der Antrieb via Brennstoffzelle auf. Letztens las ich, das wäre noch nicht tot. Der hohe Wirkungsgrad hätte etwas. Aber auch das würde das Problem nur verlagern. Wasserstoff ist nun auch nicht gerade leicht zu händeln.

    Generell ist mir aber die Berichterstattung zu den Elektroautos zu unkritisch. Der Strom muß erstmal erzeugt werden und da sind die Wirkungsgrade nicht allzu hoch. Ich vermisse da eine Ökobilanz.

    • Michael Khan Antworten | Permalink

      Die Lagerung von Wasserstoff ist wegen der erforderlichen Drucktanks in der Tat nicht unproblematisch. Genau hier setzt die Idee an, den Wasserstoff nicht in Reinform, sondern über ein Speichermedium zu betanken. Im Gespräch ist das N-Ethyl-Carbazol, das drucklos im Tank des Autos mitgeführt werden kann.

      Vorteilhaft ist dabei, dass die Energiedichte im drucklosen Carbazol bei 2 kWh/l liegt, bei Wasserstoff aber selbst unter Verwendung eines Drucktanks mit 700 bar Überdruck nur bei 1.855 kWh/l.

      • Karl Bednarik Antworten | Permalink

        Was halten Sie von dem Vorschlag, Natrium-Metall und Wasser zu tanken?

        Auf diese Weise kann man Wasserstoff ohne teure und schwere Druck- oder Kryo-Tanks speichern.

        Na + H2O = NaOH + 1/2 H2

        23 g + 18 g = 40 g + 1 g

        1 g Wasserstoffgas sind bei 0 °C und 1 atm 11,2 Liter.

        Die 41 g des Rohmaterials haben nur ein Volumen von rund 42 ml.

        Das entsprich einem Druck-Tank mit 267 atm (11200/42), aber eine dünnwandige Blechdose genügt.

        Natürlich kann man das entstehende Natriumhydroxid wieder elektrolytisch in Natrium und Sauerstoff zurück verwandeln.

        Man könnte auch andere Metalle wie zum Beispiel Lithium, Kalium, Magnesium oder Aluminium verwenden.

        Atomgewichte und Grammäquivalente:

        Lithium: 7 / 1 = 7,
        Natrium: 23 / 1 = 23,
        Kalium: 39 / 1 = 39,
        Magnesium: 24 / 2 = 12,
        Aluminium: 27 / 3 = 9.

        Das billigere Aluminium könnte sogar mit dem Lithium konkurrieren, und Aluminiumhydroxid Al(OH)3 ist im Gegensatz zu Natriumhydroxid nicht ätzend.

        Al + 3 H2O = Al(OH)3 + 3/2 H2

        Die folgende Reaktion findet in ALICE statt:

        2 Al + 3 H2O = Al2O3 + 3 H2

        ALICE:

        https://de.wikipedia.org/wiki/Alice_(Treibstoff)

        Die hintere Klammer des Links geht beim Anklicken zumeist verloren.

        • Michael Khan Antworten | Permalink

          Ohne schwere Drucktanks kommt man auch bei Verwendung von N-Ethyl-Carbazol als Trägermedium für den Wasserstoff aus. Zudem scheint es dort auch so zu sein, dass man das bestehende Tankstellennetz ohne massive Modifikationen weiter verwenden könnte - das Auftanken würde so gehen, dass man das Carbazol, aus dem der eingelagerte Wasserstoff entzogen wurde, herauspummpt und dann wasserstoffreiches Carbazol in den Autotank pumpt. Das entladene Carbazol wird entweder per Tankwagen abgeholt oder an Ort und Stelle aufbereitet, was nicht ganz zeitznah geschehen muss, sondern wenn gerade überschüssiger Strom vorhanden ist; bei großen Tankstellen an Autobahnen beispielsweise auch über einen daneben stehenden Windgenerator, also wirklich dezentral.

          Diesen Vorteil würde man bei Metallhydridspeichern wohl eher nicht nutzen können. Das ist aber sehr wichtig, denn wenn es wirklich zu einem Einstieg in die über EE versorgte Wasserstoffwirtschaft kommen würde, würde nebenbei immer noch eine gewaltige Anzahl konventioneller, benzin- erdgas- oder dieselgetriebener Fahrzeuge zu versorgen sein. Die Kosten, um nicht nur den Fuhrpark zu ereneuern und zu versorgen, sondern auch um die Infrastruktur anzupassen, dürften einen wesentlichen Machbarkeitsfaktor darstellen. Ein Konzept, was sich nicht in die bestehende Infrastruktur einfügen lässt, dürfte es sehr schwierig haben.

          Bei Metallhydriden stellt sich dann auch noch die Frage der Betriebssicherheit, beispielsweise wenn das Natrium in Kontakt mit Wasser kommt (und wenn dann die Feuerwehr versucht, mit Wasser zu löschen ...)

  17. Markus Antworten | Permalink

    Durch einen möglichsten breiten Energiemix (Solar, Solarthermie sowie Windenergie) sollte das Problem der Grunddlastfähigkeit der regenerativen Energien zumindest abgemildert werden.

    Grundsätzlich sollten zur Photovoltaik auch zusätzliche Solarthermiekraftwerke geben, da es bei diesen möglich ist durch träge (Salz-) Wärmespeicher die Energiegewinnung etwas in die Nacht hineinzuverlagern. Natürlich sind diese in Deutschland nicht so efffektiv wie in Regionen näher des Äquators, aber würden sich hoffentlich trotzdem rentieren.

    Zusäzlich würde ich bei einem Energieüberangebot durch Lasstspitzen diese in Wasserstoff bzw. Methan umwandeln. Das ist zwar vom Wirkungsgrad beschissen, aber wäre einer Abschaltung der Kraftwerke. das Vorhalten von Regelenergie durch konentionellen Kraftwerken (Gasturbinen, Kohle oder Nuklearkraftwerke) vorhalten muss, oder gar einem Netzzusammenbruch vorzuziehen. Durch Kopplung mit einem Gaskraftwerk, Brenstoffzellensystem, Sterlingsystem, etc. kann man das dadurch gewonnene Gas wieder in teuren Regelstrom umwandeln. Das sollte die Wirtschaftlichkeit wieder steigern...

    Natürlich wäre es auch möglich das gewonnene Erdgas im Erdgasnetz zu puffern - die dortigen Pufferkapazizäten sind außreichend dimensioniert. Anschließend wäre es auch möglich damit Erdgasautos zu betanken.

    • Martin Holzherr Antworten | Permalink

      Die kostengünstige rein erneuerbare Energieversorung erhalten sie durch ein grossräumiges Supergrid. Im Falle Europas müsste dieses Supergrid auch Teile Nordafrikas umfassen um die saisonalen Produktionsschwankugnen auszgleichen, denn in Nordafrika weht typischerweise der Wind im Sommer stärker als im Winter, an der Atlantikküste ist es umgekehrt. Der Physiker Gregor Czisch kommt mit solche einem grossräumigen Verbund auf Gestehungskosten von 4.5 Eurocents pro Kilowattstunde. Das wäre gleich teuer wie heute - respektive wie vor der EE-Verteuerung, die in D stattgefunden hat.

      Wenn Deutschland sich vorwiegend autark versorgen will ist die Erzeugung von EE-Methan und EE-Wasserstoff mit Überschussstrom die richtige Strategie, vor allem deshalb weil es bereits grosse Gasspeicher in Deutschland gibt und EE-Methan somit für den saisonalen Ausgleich sorgen könnte.

      • Michael Khan Antworten | Permalink

        Das offensichtliche Problem hierbei ist, dass der Fluss des elektrischen Stroms dabei vorwiegend von Süd nach Nord erfolgen würde. Selbst wenn man bei einer so hochgradig nicht-dezentralen Energieversorgung die Akzeptanz der betroffenen Durchleitungsländer als gegeben voraussetzen würden, würde dies bedeuten, dass die Länder mit hohem Energieverbrauch, hoher Bevölkerungsdichte und geringem Eigenproduktionsanteil vollkommen in der Hand der Produktions- und Durchleitungsländer wären.

        Man kann natürlich erhoffen, dass die politischen Verhältnisse sich so entwickeln, dass dies Problem nicht auftritt. Da halte ich aber den großtechnischen Einsatz der Fusionsenergie für wahrscheinlicher und verlässlicher.

        Ich möchte mal diejenigen, die offenbar skeptisch gegenüber der technischen Machbarkeit der Fusion als Energiequelle sind: Was ist noch einmal genau der Grund, weswegen der großtechnische Einsatz der Fusionsenergie nicht geht (d.h., wewegen der ITER scheitern wird und DEMO nicht gebaut wird)? Es muss doch irgendeinen handfesten technischen Grund geben, warum die kontinuierlichen Fortschritte in der Fusionsforschung in den letzten Jahrzehnten einfach so weggewischt werden. Mit ist keiner dieser Gründe bekannt, also wäre ich für eine Aufklärung sehr dankbar.

        Etwas mehr als "Das dauert jetzt schon 50 Jahre" wird da doch wohl hoffentlich sein.

        • Martin Holzherr Antworten | Permalink

          Das ist richtig erkannt (Zitat)" dass der Fluss des elektrischen Stroms dabei vorwiegend von Süd nach Nord fließen würde."
          David McKay kommt in seinem Klassiker Sustainable Energy without the hot air zum Schluss, dass dichtbesiedelte Gebiete wie Grossbritannien, aber auch Deutschland grosse Landflächen allein der Energieerzeugung widmen müssen, wenn sie von rein erneuerbarer Energie leben wollen. Und dann bleibt noch das Problem der kurzfristigen und das noch viel grössere Problem der saisonalen Produktionsschwankungen.

          Warum Fusionsenergie ausserhalb des Horizonts ist
          Die konkreteste, am besten verstanden Fusionstechnologie ist tatsächlich die Tokamak-Technologie. Einen ersten Reaktor nur zu Testzwecken und wahrscheinlich noch ohne Fusion, nämlich ohne Einsatz von Tritium, wird irgendwann in den frühen 2020er Jahren in Cadarache gebaut (Commissioning ist 2019 geplant) Der Demo-Reaktor folgt dann noch vor 2050 und bald nachher könnten Tokamak-Fusionsreaktoren kommerziell gebaut werden.
          Das Problem ist der Zeitplan und die voraussehbaren Kosten für den Betrieb eines Ungetüms a la ITER. Nach 2050 ist zu spät, denn Deutschland und die EU streben eine 100% fossilfreie Stromerzeugung schon bis 2050 an. Der ITER ist auch zu gross.
          Meiner Meinung nach wird sich eine andere Form der Fusionsenergie durchsetzen. Eine der Formen, die heute noch nicht so weit erprobt ist wie die Tokamak-Technologie, die aber kleinere und kostengünstigere Reaktoren verspricht. Das könnte eine Form der Laserfusion sein oder aber die ZPinch-Technologie der Sandia-Labs, die mit extrem hohen kurzen Strömen im Plasma ein hohes Magnetfeld aufbauen.

          • Michael Khan | Permalink

            Wie bitte, der ITER-Tokamak soll ohne Tritium eingesetzt werden und deswegen keine Fusion bewerkstelligen? Das ist mir neu und steht auf der ITER-Webseite auch anders, nämlich so, dass der Fusionsprozess in Stufen erfolgen soll, zunächst mit Wasserstoff, dann mit Deuterium und ein wenig Tritium, um die Abschirmung gegen Neutronen zu testen, dann aber ab 2027 vermehrt mit Deuterium und Tritium.

            Das ist alles schon im kommenden Jahrzehnt, in 10-15 Jahren, also weniger Zeit, als die ESA braucht, um einen vergleichsweise simplen Marsrover zu bauen und zu starten.

            Zu groß, naja. Sicher sind Fusionskraftwerke große Brummer. Es ist mit der angestrebten technischen Lösung nicht sinnvoll und vielleicht auch gar nicht möglich, kleine Einheiten zu bauen. Aber wozu sollten wir das tun? Es geht ja schließlich um die zentrale Methode der Grundlastversorgung der Menschheit in diesem Jahrhundert mit elektrischem Strom.

            Die Pläne mit der fossilfreien Stromversorgung bis 2050 würde ich nicht so ernst nehmen. Pläne kann man schnell ändern oder aufweichen, wenn sich die Rahmenbedingunen ändern.

  18. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Dieser Artikel erweckt bei einigen Leserinnen und Lesern sicher den Eindruck, Wasserkraft, gewonnen aus riesigen Staudämmen, sei eben doch recht gefährlich, fast so gefährlich wie AKWs.

    Doch wenn man misst, wie viele Menschen direkt oder indirekt an Energietechnologien sterben, bekommt man ein ganz anderes Bild.
    Wie der Artikel Deaths per Terawatthour zeigt, ist Kohle die allergefährlichste Energiequelle überhaupt, gemessen an den Toten pro erzeugter Energiemenge. Nicht nur, dass jedes Jahr etwa 10'000 Bergleute beim Kohleausbuddeln sterben (vor allem in China); sondern unzählige erkranken an Lungen- und Kreislaufkrankheiten. Am schlimmsten soll das Heizen mit Kohle sein, wie es in Nordchina üblich ist. In Nordchina ist die Lebenserwartung um 5,5 Jahre kleiner als in Südchina.
    Wenn Brian Wang in seinem Artikel auf etwa 100 Tote pro Terawattstunde Kohleenergie kommt so unterschätzt er wohl die wirkliche Gefahr der Kohle. Doch schon 100 Toten pro Terawattstunde durch Kohlenutzung bedeuten mehr als 300'000 Tote durch Kohlenutzung pro Jahr. Bei Wasserkraft sind es 0.1 Tote pro Terawattstunde im Durchschnitt und damit weniger als 100 Tote pro Jahr weltweit. Nuklearenergie schliesslich kommt auf 0.04 Tote pro Terawattstunde und damit auf weniger als 10 Tote pro Jahr weltweit.

    Die Hydroenergie sticht aber aus allen andern Energien heraus durch die Möglichkeit von Dammbrüchen, bei denen dann gleich tausende von Menschen sterben können. So wie das in China, beim Dammbruch von Banqiao geschah, wo auf einen Schlag 171,000 Menschen in den Fluten starben.

    • Michael Khan Antworten | Permalink

      Demnach ist also der Eindruck, riesige Staudämme seien genauso gefährlich wie Kernkraftwerke, durchaus zutreffend. Wir werden sehen, wie die Auswirkungen des ersten schweren Unglücks bei einem der neuen Staudammprojekte sein werden, die ans Netzt gehen oder in den nächsten Jahrzehnten ans Netz gehen werden.

      Wenn das Banqiao-Unglück schon 171,000 Todesopfer fordern konnte (Es werden auch viel höhere Zahlen genannt, aber genau wird man es nicht erfahren, denn China war zu dieser Zeit noch in chaotischen Zuständen als Folge der Kulturrevolution), obwohl der betroffene Stausee keineswegs besonders groß war und auch die umliegende Gegend nicht so dicht bevölkert wie andere Regionen in China, dann wird es einem kalt, wenn man sich vorstellt, was beispielsweise ein Unfall beim Drei-Schluchten Damm haben könnte.

      • Mona Antworten | Permalink

        @Michael Khan

        "Wenn das Banqiao-Unglück schon 171,000 Todesopfer fordern konnte..."

        Diese Leute sind jedoch nicht unmittelbar durch das Unglück umgekommen.Man hat auch jene dazu gezählt, die durch darauffolgende Epidemien und Hungernöte umkamen. Trotzdem sollen ungefähr 26.000 (nach anderen Angaben bis zu 85.000) ertrunken sein, was ja auch noch eine ganz schöne Anzahl ist. Auf Wikipedia gibt es eine Liste mit 115 "Stauanlagenunfällen", darunter ist auch das Banqiao-Staudamm-Unglück. Staudämme scheinen demnach eine verdammt gefährliche Angelegenheit zu sein.

        • Hans Antworten | Permalink

          Ich wollte zu diesem Beitrag ja auch noch was schreiben, hab dann aber gemerkt, dass ich von der Sache zu wenig Ahnung habe um qualifiziert mitreden zu können, also hab ich es erst mal gelassen. Aber einen Einwand kann ich hier trotzdem noch anbringen:
          Nämlich den, das ich von diesen riesig grossen Staudämmen immer weniger halte, je mehr ich darüber erfahre. Insbesondere wenn ich über die langfristigen Folgen für die Natur nachdenke. Deshalb meine ich, sollte man von Staudammprojekten grundsätzlich Abstand nehmen und Wasserkraftwerke so entwerfen, dass sie möglichst wenig in den Lauf eines Flusses eingreifen. Also etwa mit Wasserrädern oder Wasserkraftschnecken.
          Andrerseits sollte neben der Photovoltaik auch die Solarthermie eine grössere Rolle spielen, auch wenn deren Wirkungsgrade in unseren Breiten nicht sonderlich hoch sein dürften.
          Und bei der Speichertechnik sollte mehr Forschung in Akkus investiert weden, so dass etwa ein Windrad oder eine Solaranlage mehr oder weniger grosse Akkus auflädt, wenn gerade kein Strom benötigt wird. Ich halte es dabei auch für denkbar, dass in jedem Haus in Zukunft eine Akkustation im Keller steht, und/oder ein "Akkuhäuschen" in jeder Siedlung.
          Bezüglich der Smart-grids hätte ich noch anzumerken, dass ich von diesen "Riesendingern", die von Skandinavien bis nach Norafrika reichen, nichts halte. Zum einen funktioniert das politsch nicht, wie sich derzeit zeigt und woran sich mittelfristig wohl auch nicht viel ändern wird. Stattdessen plädiere ich für feinmaschige Netze, wo der Bedarf erst mal kommunal festgestellt wird, dann über Kreis- und Regierungsbezirksebene bis hoch zur Landesebene schrittweise der Bedarf ermittelt und anschliessend die zur Versorgung notwendigen Massnahmen koordiniert werden. Bei jedem Schritt sollte die Bevölkerung gleich mit in die Planung einbezogen werden, damit spätere Auseinandersetzungen, wie es sie in der Vergangenheit gab und noch gibt, ausbleiben, bzw. auf ein Minimum reduziert werden.

          • Michael Khan | Permalink

            Hierzu mehrere Antworten.

            1.) Ich möchte noch einmal ins Gedächtnis rufen, dass es sich bei Vajont keineswegs um einen großen Stausee handelte. Im Gegenteil, mit 150 Millionen Kubikmeter Kapazität war er sogar klein. Trotzdem reichte er, um mehr als 2000 Menschen das Leben zu kosten. Das Gefährdungspotenzial korreliert eben nicht nur mit der Größe der Anlage, sondern man hat es mit einem Zusammenspiel von Faktoren zu tun. In der öffentlichen Wahrnehmung wird heute oft so getan, als sei "groß" gleichbedeutend mit böse und "klein" gleichbedeutend mit gut und sicher. Das ist aber eine verzerrte Wahrnehmung.

            2.) Man sollte sich nicht der Illusion hingeben, als hätten wir den Luxus, alles, was mit einem Risiko behaftet ist, ablehnen zu können und uns mit dem Klein-klein zufrieden zu geben. Hier sind Daten zum Primär- und Endenergieverbrauch in Deutschland über die letzten 20 Jahre. Hier Daten zur Entwicklung des Bedarfs an elektrischer Energie. Wie diskutiert, ist bei letzterer eher noch mit einer Steigerung zu rechnen, weil mittelfristig auch beim Straßenverkehr elektrische Antriebe Einzug halten werden. Man kann jetzt viele Kommissionen auf lokaler oder Bundesebene beauftragen, aber an den Zahlen wird das nichts ändern. Wir reden von rund 600 PWh jährlich allein für dieses Land.

            Man bilde sich da bitte nicht ein, das sei ohne Großkraftwerke, gleich welcher Art, zu stemmen.

            3.) Wir werden es also mit Großtechnik zu tun haben, sowohl in der Stromerzeugung wie auch in der Speicherung. Je eher wir das akzeptieren, desto besser. Technik kann bis zu einem gewissen Punkt sicher gemacht werden, aber nie vollkommen sicher. Wenn man es mit sehr großen Energiemengen zu tun hat, besteht auch immer das Restrisiko eines Unfalls mit großen Konsequenzen. Aber da müssen wir nun einmal durch, denn wir haben doch nicht wirklich eine Wahl. Selbst Verzicht ist keine Wahl, selbst wenn das in Deutschland wirklich gewünscht wäre, was ich nicht glaube. Jeder ist zwar dagegen, dass ein Kraftwerk oder auch nur ein Strommast vor seiner Haustür entsteht, will abver trotzdem ausreichenden und billigen Strom. Aber selbst, wenn wir verzichten würden, der Rest der Welt wüprde das nicht, und die Umweltfolgen sind ohnehin global.

            4.) Also: Großtechnik, nur wie? Bestimmt nicht, indem man von vorneherein gleich Optionen prinzipiell ausschließt oder gar verteufelt. Die Wasserkraft ist der wichtigste nicht-fossile Energieträger. Man kann eigentlich fast schon die Begriffe "Wasserkraft" und "erneuerbare Energien" gleichsetzen. Von hydroelektrischen Kraftwerken Abstand zu nehmen, ist vollkommen illusorisch. Andererseits ist es aber so, dass man dieses Potenzial nicht unbeschränkt weiter nutzen kann.

            5.) Bei einer unaufgeregten Betrachtung der Optionen kommt man nicht um die Kernspaltungstechnik herum, aber nicht in Form der Laufzeitverlängerung für alte Brummer aus den 70ern, sondern unter Nutzung der weiterentwickelten Reaktortechnik mindestens der dritten, mittelfristig aber auch der vierten Generation.

  19. Christoph Deblon Antworten | Permalink

    Bin kein Eingeweihter sondern 100% Fach-Laie, fand Text + Diskussion höchst spannend.

    (PS: Bitte andere Captchas!)

    • Michael Khan Antworten | Permalink

      Vielen Dank. Ich denke auch, Umfang und Qualität der Diskussion sprechen für sich.

      Was die Captchas angeht, da haben wir als Blogger leider relativ wenig Einflussmöglichkeit- Das technische Umfeld wird durch den Spektrum-Verlag eingerichtet und verwaltet.

    • Mike Macke Antworten | Permalink

      Das gilt auch für mich - und nebenbei vielen Dank für das detaillierte Eingehen auf meine Bedenken weiter oben!

  20. Physiker Antworten | Permalink

    "Es muss doch irgendeinen handfesten technischen Grund geben, warum die kontinuierlichen Fortschritte in der Fusionsforschung in den letzten Jahrzehnten einfach so weggewischt werden."

    Es gibt Bedenken, dass der Treibstoff (Tritium) in ausreichenden Mengen erbrütet werden kann:
    http://ihp-lx2.ethz.ch/energy21/fusionillusions.pdf

    • Martin Holzherr Antworten | Permalink

      Im verlinkten PDF wird der Eindruck erweckt, Tritium können nicht in genügender Menge aus Lithium erbrütet werden. Dieses Problem geht auf einen Neutronenmangel zurück. Der kann aber durch "Neutronenvervielfachung" mittels Beryllium behoben werden wie die hier verlinkte PDF Seite 39 zeigt. Dort findet man auch als eine der Aufgaben des Brutblankets die Neutronenvermehrung aufgelistet:
      Aufgaben des Brutblankets:
      1. Abbremsung der Neutronen durch Stöße mit Atomkernen
      2. Abführen der entstehenden Wärme in den Kühlkreislauf
      3. Neutronenvermehrung um 30-50% (z.B. mit Beryllium, Blei)
      4. Erbrüten des notwendigen Tritiums aus Lithium

      Man erhält dann folgende Reaktionen:
      Tritium-Brüten
      Li6 + n -> He4 + T
      Li7 + n -> He4 + T + n

      Neutronenvermehrung:
      Be9 + n -> 2 He4 + 2 n
      Pb + n -> .. + 2n

      Tritium muss auch bei Laserfusion erbrütet werden wie sie mittels des Reaktor LIFE (Projekt des NIF) geplant ist. Im Artikel LIFE Tritium Processing: A Sustainable Solution For Closing The Fusion Fuel Cycle wird dieser Brutvorgang detailliert durchgerechnet.

      Allerdings möchte ich betonen, dass Tritium selbst alles andere als ein idealer Brennstoff ist. Als Wasserstoffisotop kann es fast jede Schranke überwinden (bekanntes Problem) und es ist radioaktiv. Dieses Problem soll in LIFE vor allem dadurch gelöst werden, indem immer nur kleine Mengen Tritium vorgehalten werden.

    • Michael Khan Antworten | Permalink

      Es würde mir ja leichter fallen, die in der verlinkten PDF-Präsentation gemachten Behauptungen ernst zu nehmen, wenn besagte Präsentation nicht ausgerechnet von jenem Autor stammte, von dem sie stammt. Und wenn sie nicht in diesem überheblichen Ton stammte, angefangen mit der Überschrift und weiter, diesem Gemisch aus Zitaten aus der Presse (!) und anderen Papers, alles mit dem Unterton "Alle anderen sind blöd,aber zum Glück gibt's ja noch mich, und ich erzähl' euch jetzt mal, was wirklich Sache ist. Denn Ich(TM) habe den Durchblick.". Besagter Auror ist gerade mit seiner Art nicht ganz unbekannt, siehe hier und hier.

  21. Physiker Antworten | Permalink

    Ich weiss zwar nicht, was von den zitierten Einwänden zu halten ist, aber selbstverständlich wurden Neutronenvervielfältiger mitberücksichtigt (für so dumm kann man doch keinen ETH-Dozenten halten...):
    "various versions of Li plus Be or Pb neutron multipliers"
    Und nach den zitierten Zahlen ist das Konzept wirklich auf Kante genäht:
    Laut Computerberechnungen soll 1.15 mal soviel Tritium erbrütet werden, wie benötigt - und dabei sind sogar noch einige wichtige Verlustmechanismen noch gar nicht richtig berücksichtigt. Vergleiche dieser Computersimulationen mit Experimenten zeigen aber anscheinend, dass die Simulationen 14% zu optimistisch sind. Wenn das stimmt, dann bricht die gesamte Brennstoffversorgung zusammen.

    Ich würde zwar nicht soweit gehen, und die Fusionsforschung deshalb generell abschreiben, stimme aber sehrwohl mit dem Fazit überein, dass ITER Grundlagenforschung mit ungewissem Ausgang ist und der Öffentlichkeit auch als solche klar kommuniziert werden sollte.

    • Martin Holzherr Antworten | Permalink

      Auf der ITER-Homepage liest man unter Tritium Breeding folgendes:

      ITER will procure the tritium "fuel" necessary for its expected 20-year lifetime from the global inventory. But for DEMO, the next step on the way to commercial fusion power, about 300g of tritium will be required per day to produce 800 MW of electrical power. No sufficient external source of tritium exists for fusion energy development beyond ITER, making the successful development of tritium breeding essential for the future of fusion energy.

      ITER will provide a unique opportunity to test mockups of breeding blankets, called Test Blanket Modules (TBM), in a real fusion environment. Within these test blankets, viable techniques for ensuring tritium breeding self-sufficiency will be explored.

      Für grössere ITER-Reaktoren wird also sehr viel Tritium benötigt und der beste Weg zur self-sufficiency muss tatsächlich noch erforscht und getestet weden.

  22. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Das von Ihnen verlinkte Papier, das bezweifelt, eine selbstgenügsames Tritiumbreeding sei mit ITER möglich, ist mir persönlich schon längere Zeit bekannt. Es ist übrigens auch dem ITER-Team und den europäischen Fusionsforschern bekannt, was sie scheinbar veranlasst hat, dem nachzugehen. Die Website Self sufficient fusion reactor berichtet über die Resultate selbst durchgeführter Messungen in der Zusammenfassung so:

    A fusion power plant will have to produce all its own tritium. Recently, popular science articles voiced doubts about the feasibility of this idea. However, measurements carried out at the Frascati Neutron Generator in Italy now demonstrate that the concept is valid and enough tritium can be produced.

    Auf einen kritischen Kommentar von Donald Jasby, welcher immer wieder in Fragen zur Fusion "auftaucht" antworten sie folgendermassen:

    These experiments not only validate cross section data, but also demonstrate that the current concepts for tritium breeding blankets will work. The issue of having a large enough area of breeding-blanket in a fusion vessel in order to produce sufficient tritium and the aspect of tritium-losses in other reactor components are reflected in the tritium breeding ratio (TBR) which a fusion reactor has to deliver. Scientists estimate that the reactor has to breed only a few percent more tritium than it burns. The breeding blankets, which are described in the above article, are designed to fulfil this requirement.

    Die ITER-Forscher haben sich also mit dieser Frage nicht nur theoretisch und desigmässig auseinandergesetzt, sondern haben sogar Experimente durchgeführt - und diese Experimente bestätigen die Validität ihrer Tritiumbreeding-selfsufficiency-Konzepte.

    Im übrigen berichtet das von ihnen zitierte Papier nicht über selbst durchgeführte Arbeiten sondern vor allem über Arbeiten von M.E. Sawan and M.A. Abdou. Liest man einige Papers von M.A. Abdou wie beispielsweise dieses oder auch den Foliensatz hier, so kommt man zum Schluss, dass M.A. Abdou das selbstgenügsame Tritiumbrüten für möglich hält, wenn man alle Faktoren berücksichtigt, insbesondere Verluste und auch Betriebspausen könnten nach Abdou die Selbstgenügsamkeit gefährden. Für unmöglich hält er sie nicht.

    • Physiker Antworten | Permalink

      @Martin Holzherr:
      Sie argumentieren nur mit (abspeisenden) Zitaten/Kommentaren, anstatt sich selbst die Zahlen anzusehen.

      Nochmal: Sehr optimistische Schätzungen der maximal möglichen Tritium-Vervielfältigungs-Rate (TBR) liegen bei 1,15. Selbst wenn das zutreffen würde, bliebe kein Spielraum, da es immer irgendwelche Lecks gibt, Tritium mit der Zeit zerfällt, nicht mit einer 100%-igen Extraktionsrate gerechnet werden kann, und schliesslich der Reaktor ja auch irgendwie hochgefahren werden muss ("doubling time"). Diese ganzen Verlustmechanismen setzen untere Grenzen, die ebenfalls bei einer TBR von ca. 1,15 liegen. Deshalb zielt der von Ihnen zitierte Kommentar ("Scientists estimate that the reactor has to breed only a few percent more tritium than it burns") auf nichts anders als die Ignoranz der Leser ab - genauso wie der ganze Werbetext darüber, denn die im dort diskutierten Paper angegebenen Fehlerbalken liegen bei ganzen 12% (2σ)! Ein "proof of concept" sieht anders aus. Der Text klingt eher nach einem per Copy-und-Paste wiederverwendeten Vorschungsantrag in dem üblicherweise sehr dick aufgetragen wird.

      Abgesehen von diesen physikalisch/technischen Problemen, denke ich nicht, dass ein solches Fusionskraftwerk wirtschaftlich sein könnte. Dazu sind schon alleine die Baukosten/das Bauvolumen im Vergleich zur Leistungsdichte zu klein. Es ist ja bereits bei konventionellen Kernkraftwerken so, dass der Strompreis praktisch ausschliesslich durch die Abschreibung der Baukosten und die laufenden Kosten bestimmt wird. Ein Fusionskraftwerk mit gleicher Leistung wird aus rein physikalischen Gründen (wegen der geringen Leistungsdichte im Plasma) deutlich grösser, teurer und aufwendiger in der Wartung.

  23. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Richtig ist, dass die Tritium Breeder Rate (erzeugtes Tritium relativ zu verbrauchtem Tritium) nach Abschätzung in der Präsentation
    The Tritium Breeding Blankets for Fusion Reactors
    größer als  1.15 sein muss, falsch ist, dass dies kaum erreichbar sei.
    Die Präsentation geht genau der entscheidenden Frage nach: "What is the “Achievable TBR” in a Breeder Blanket?" und kommt zum Schluss:"The achievable TBR calculated by MCNP on reactor optimized design amounts to ~1.15" damit ergibt sich die Frage:"Can we further increase the achievable TBR?" Dazu wurden Experimente durchgeführt mit folgendem Resultat:"“The results obtained indicate that design calculations for the tritium breeding ratio of fusion power reactors employing HCPB type breeder blanket, based on EFF‐3  FENDL‐2/2.1 nuclear data files, are conservative"

    Fazit:
    1) "The tritium self‐sufficiency in Fusion reactor is a multi‐fields issue (plasma physics, blanket technology, tritium processing, fusion deployment objectives, etc.)"
    2) "A window of reactor parameters compatible with achievable TBR in present blanket design has been identified through US detailed studies."

    Noch zu den Kosten: Wenn der Iter die Vorlage für spätere produktive Reaktoren ist, dann sehe ich ebenfalls schwarz, denn solche Ungetüme mit bis zu 45 m Durchmesser sind einfach zu teuer und zu groß. Doch es sind sehr viel kleinere Tokamaks denkbar, falls die Magnetfeldstärke 10 Tesla deutlich  übersteigt. Und hier wurden große Fortschritte gemacht. next Big Future

  24. Physiker Antworten | Permalink

    @Martin Holzherr
    "Richtig ist, dass die Tritium Breeder Rate (erzeugtes Tritium relativ zu verbrauchtem Tritium) nach Abschätzung in der Präsentation
    The Tritium Breeding Blankets for Fusion Reactors größer als 1.15 sein muss, falsch ist, dass dies kaum erreichbar sei."

    *Facepalm*
    In den von Ihnen verlinkten Dokumenten sind mindestens 4 detaillierte Computersimulationen der TBRs zitiert. Alle sind kleiner oder maximal gleich 1,15 - mit einer überwältigenden Mehrheit zusätzlicher Faktoren, die diese Zahl weiter verkleinert. Und wenn man sich die anderen Parameter anschaut, sieht's auch nicht besser aus: die Tritium-Fusionsrate muss grösser als 5% sein - in ITER sind 0,3% angepeilt (das ist um einen Faktor 17 daneben!); und dann muss ein Fusionskraftwerk auch noch im Dauerbetrieb mit maximal 5 Tagen Unterbrechung laufen - absolut utopisch.

    Ihre Kommentierorgien hier auf scilogs müssen Ihnen wohl ganz schön zu Kopf gestiegen sein, um im Brustton der Überzeugung den Oberlehrer herauszuhängen der sogar kleiner und gleichzeitig grösser als 1,15 selbstgefällig vereinen kann.

    • Michael Khan Antworten | Permalink

      Ich möchte darum bitten, von persönlichen Angriffen Abstand zu nehmen. Ich sehe nicht, was die zur Diskussion beitragen.

  25. Michael Khan Antworten | Permalink

    Falls jemand eine fundierte Erklärung der Thematik rund um das Erbrüten von Tritium sucht, die über die genannten Präsentationen hinausgeht, verweise ich auf diesen Bericht aus dem Jahr 2011 von David McMorrow von der Mitre Corporation.

  26. Michael Khan Antworten | Permalink

    Was denn, Sie haben schon vor der Katastrophe aufgehört? Kein Wunder, dass Sie enttäuscht sind, da haben Sie ja auch das Beste verpasst.

    Im Ernst: Das hier ist aber ein wissenschaftlicher Blog, viele kommen damit klar, manche halt nicht. Ich bin sicher, Sie finden in der doch mittlerweile vielseitigen Blog-Landschaft etwas, was Ihnen mehr zusagt.

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